Hans. Aber liebe Mirzel –

Mirzel. Willst du's etwa leugnen? Zuerst kommst du, hernach dein

Spitzel, nachher ich, ich und der Hund, wir gehen immer miteinander.

Au contraire, seinem Spitzel pfeift er doch manchmal, aber bei

mir da denkt er sich: Du kommst mir so nach Haus, dich verlier' ich

nicht.

Hans. Ich weiß gar nicht, ich hab' den Hund recht gern bei mir.

Ob wir jetzt unser zwei ausgehn oder unser drei?

Mirzel. Nu, neulich sind wir gar unser vier g'wesen, da hast zwei

Spitzeln mitg'habt; einen hast du aus dem Wirtshaus nach Haus

tragen, und der andere ist so mitg'laufen.

Hans. Nu, und wie er neulich verloren gegangen ist, so hat ihn

doch kein Mensch finden können als du.

Mirzel (launig). Ja, das macht, weil ich sehr spitzfindig bin.

Hans. Aber jetzt hören wir einmal auf, wir disputieren wegen die

Spitz' wie die kleinen Buben; das ist eine völlige Spitzbüberei.

Mirzel. Ich bin ja schon wieder gut, das ist ja nur mein Spaß, ich

hab' dich viel zu lieb, du bist ja mein guter Mann.

Hans. Und du mein guts Weib; kurzum, wir sein halt von der besten

Gattung.

Mirzel. Freilich, wir sind gut, und alles wär' gut, wenn wir nur

mehr zu essen hätten.

Hans. Laß nur gut sein, der liebe Gott wird uns schon helfen.

Haben wir doch jetzt unser' Grundsteuer wieder zum Amtmann

hineintragen; acht Gulden alle Jahr', ist kein Spaß. Schau' nur,

wie die Sonn' so freundlich scheint, schau' dich nur um. (Erblickt

Alzinde.) Du, was liegt denn dort für ein altes Weib? die wird

krank sein; sie weint, ich werd' s' trösten.

Mirzel. Die Alte? Nun, die kannst schon trösten.

Hans (geht zu ihr). Du, Alte, hörst?

Alzinde (hebt sich empor, erblickt beide, springt erschrocken auf

und ruft). Menschen! (Will entfliehen.)

Hans. He, he, wo laufst denn hin? so wart' doch, wir meinen dir's

ja gut.

Mirzel. Freilich, willst ein Stückel Brot?

Alzinde (sieht sie erstaunt an). Seid ihr wirklich Menschen?

Hans. Nu, du wirst uns doch für keine Maikäfer anschaun?

Alzinde. Menschen seid ihr, und ihr habt Erbarmen?

Mirzel. Du blauer Himmel, warum nicht? wir erbarmen uns selbst

manchmal.

Alzinde. Also seid ihr unglücklich?

Mirzel. I bewahr', wir sind recht glücklich.

Hans. Wir haben nur kein Geld.

(Gluthahn laßt sich am Fenster sehen, und horcht.)

Alzinde. Das versteh' ich nicht.

Hans (zu Mirzel). Sie ist taub. (Laut, Alzinden ins Ohr.) Wir

haben kein Geld, wie kannst du denn das nicht verstehn, das kann

ich mit Händen greifen, wenn ich in den Sack fahr'.

(Fährt in den Sack.)

Mirzel. Weißt, wir sind halt glückliche Unglückliche, wie manche

Leute unglückliche Glückliche sind.

Hans. Das ist eine gute Explikation. Wir sind arme Steinbrecher,

wir arbeiten im Steinbruch da hint', und leiden oft Hunger, daß

sich ein Stein erbarmen möcht', aber nur im Winter, im Sommer

geht's uns besser.

Mirzel. Was sprichst du denn so viel da mit der Alten, trag ihr

etwas aus der Hütte und laß sie gehn.

Hans. Nein, mir gefallt s', sie hat zwar noch nichts g'redt, aber

ich find', daß sie recht eine unterhaltendliche Person ist. (Zu

Alzinde.) Weißt, ich und mein Weib haben uns halt gar so gern, und

das ist unser Glück.

Alzinde (zu Mirzel). Also liebst du deinen Mann?

Mirzel. Vom Herzen.

Alzinde. Und wenn du ihn verlieren müßtest?

Mirzel. Ich, mein' Mann?

Alzinde. Wenn er dir auf ewig entrissen würde?

Mirzel. Das überlebet ich nicht.

Alzinde. Weh mir, und ich lebe noch! Sie stirbt für diesen

Bettler, und ich lebe noch. (Weint heftig.) O mein Gemahl, mein

königlicher Herr. (Ihre Tränen fallen in Hansens Hut, der ihn

absichtslos aufhält.)

Hans. Jetzt, warum weinst denn? Jetzt weint sie mir grad in den

Hut hinein.--Du, Mirzel, schau, was ist denn das, der ihre Tränen

sind ja alle von Glas, die weint ja lauter kleine Steiner.

Mirzel. Warum nicht gar.

Hans. Auf die Letzt hat s' gar einen Steinbruch in die Augen.

Mirzel. Was weinst denn du da?

Alzinde. Ich weine Diamanten.

Hans. Mich trifft der Schlag, das hab' ich noch mein Leben nicht

g'hört, daß eine Amanten weint. Wann s' noch wegen einen Amanten

weinet', aber einen Amanten selbst, das ist entsetzlich.

Alzinde. Sagt mir, haben Diamanten aus eurer Welt hier einen Wert?

Mirzel. Nu, ich will's hoffen, unser Herr, bei dem wir arbeiten,

hat einen Ring, da ist ein einz'ger Stein mehr wert, als sein

ganzer Steinbruch.

Alzinde. So hört mich an, vielleicht kann ich durch meine Tränen

euch beglücken. Des einen Glück bedingt ja leider oft des andern

Unglück. Behaltet mich bei euch, gebt mir nur magern Unterhalt,

schützt mich vor der Mißhandlung eurer Brüder und nehmet meine

Tränen hin als Eigentum, welche reichlich fließen werden, weil ich

mein Schicksal nicht genug beweinen kann.

Gluthahn (am Fenster). Das Weib laß' ich nicht aus, mein Herz ist

z' gut, die nehm' ich auf.

Hans. Aber wer hat dir denn das g'lernt, du bist doch nicht etwann

eine Hex'?

Mirzel. Nu, fragen möcht' ich s' noch.

Alzinde. Was ich euch nun entdeck', ist wahr, so wahr, als dieser

Sonnenstrahl, der sich in meiner Träne bricht. Ich bin die Fürstin

eines ind'schen Reichs, der Tugend hab' ich mich geweiht, wie ihr,

und weil ich einen bösen Geist aus meinem Land vertrieben, hat er

aus Rache mich nach eurer Welt verbannt. Ich ward geehrt von

meinem Volk, das meine Schönheit, meinen Geist bewunderte, geliebt

von meinem zärtlichen Gemahl, und alles, was des Glückes Großmut

mir verliehn, hat dieser Dämon mir entrissen. (Weint.)

Hans. Jetzt fang' ich auch zum Weinen an, aber meine Tränen sind

keinen Kreuzer wert.

Alzinde. Doch meine Jugendkraft hat er mir nicht geraubt, und

heftiger fühl' ich den Schmerz, als ich die Freude früher hab'

empfunden. Ihr glaubt mir doch?

Mirzel. Das kann ja sein, ich hab' schon viel von verzauberten

Prinzessinnen gehört. Nu, trösten sich Euer G'streng' nur, wir

werden schon für Euer G'streng' sorgen.

Hans. Was sagst denn Euer G'streng', meinst denn, du redst mit dem

Verwalter? (Mit erhobener Stimme.) Weiß die Fürstin was, wir

behalten die Fürstin bei uns, und was wir haben, bekommt die

Fürstin auch.

Alzinde. Ihr guten Menschen, meine Tränen werden dankbar fließen.

Mirzel. Wenn s' nur alle Jahre einmal weint, im Frühling, wenn der

Schnee zerfließt, so leben wir das ganze Jahr davon. Die Fürstin

macht noch unser Glück.

Hans. Und da braucht sie nicht einmal einen Schmerz, der sie

weinen macht, ich reib' ihr einen scharfen Kren, so weint sie ihren

diamantenen Fleck her und lacht uns alle aus.

Mirzel. Ja, das ist prächtig, lieber Hans; die Tränen, die du im

Hut hier hast, tragst du morgen augenblicklich in die Stadt. Jetzt

geh die Fürstin nur in unsre Hütten hinein, da findt die Fürstin

Milch und Brot; wir müssen jetzt in' Steinbruch hinaus, wir haben

nur unsre Werkzeuge g'holt. Auf den Abend kommen wir nach Haus,

und dann wollen wir recht vergnügt sein alle drei.

Hans. Ja, mein' liebe gute Fürstin, geh die Fürstin nur hinein,

gib die Fürstin auf mein' Spitzel gut acht und sperr' die Fürstin

die Tür von innen gut zu; unser Nachbar ist gar ein böser Mann, dem

muß die Fürstin ja nicht traun, sperr' ihm die Fürstin gar nicht

auf.

Alzinde. Sorgt euch nicht, ich hab' ihn schon erkannt. Er stieß

mich ja von seiner Tür.

(Sie geht hinein, Hans und Mirzel nehmen ihre Hämmer. Alzinde

riegelt die Türe von innen zu.)

Hans. Heisa, jetzt geht's in den Steinbruch hinaus, wenn wir auch

noch so wenig haben, ein fröhliches Herz tauscht ja mit Königen

nicht. (Beide ab.)

Zwölfte Szene.

Gluthahn (schleicht herein). Geh in den Abgrund, Volk. Ob denn

ein guter Mensch, wie ich bin, ein Glück hat? Erwischen die das

Weib mit ihrer diamantenen Tränenfabrik! Gluthahn, da kannst du

dein Geld hereinbringen. Ich bin ein guter Mensch, aber das Weib

lass' ich nicht aus, die muß mir alle Säck' voll weinen. Hab'

schon meinen Plan ausgedacht indessen,--im Haus kann ich sie nicht

versperren hier; sechs Stunden weit in Alpenmarkt drin, da kenn'

ich einen Herrn aus der Stadt, er hat ein Landhaus in Alpenmarkt

drin und war in meiner Hütten öfter über Nacht, wenn er auf die Alm

hinauf ist--das ist ein vermöglicher Mann, er handelt mit guten

Steinen und reist herum damit. Er kauft Holz von mir; da führ' ich

s' hin und lass' sie etwas weinen, daß er s' untersucht, ob s'

wirklich Diamanten weint, ob s' nicht etwa böhmische Steine weint

oder so Zeugs. Und wenn s' was wert ist, so machen wir einen

kleinen Überschlag, und ich verkauf' ihm das ganze Weib wegen ihren

Tränen um ein Pauschquantum. So ist das arme Weib versorgt, kommt

auf Reisen und hat das schönste Leben. Ich kann mir halt nicht

helfen, ich find', daß ich ein edler Kerl bin, ich mag schon tun,

was ich will. Wenn ich s' nur herauslocken könnt', ich wirf sie

auf meinen Leiterwagen und fahr' mit ihr davon, als wenn ich sie

gestohlen hatt'. Da kommt mein Weib.

Dreizehnte Szene.

Gluthahn. Trautel.

Trautel (stellt den Krug Wein auf den Tisch). Da bin ich, lieber

Mann.

Gluthahn (roh). Nu, bist du schon g'sund?

Trautel. Warum nicht gar. Ach, lieber Mann, mit mir ist's aus,

der Bader sagt, mich bringt er nimmer auf.

Gluthahn. Der Bader ist ein Narr, was braucht er dir's zu sagen,

das hab' ich eh' schon g'wußt.

Trautel. Ich unglückselig Weib--ich bitt' dich, Mann, was soll

ich denn jetzt tun, damit mir besser wird?

Gluthahn. Spann' die Pferde vor den Wagen, das stärkt dich, ich

fahr' aus.

Trautel. Das ist ein schöner Trost! Ich kann ja nicht, ich bin z'

schwach.

Gluthahn. Du mußt, potz Himmeltausend Saprament, ich werd' dich

lernen räsonnieren, du alte Blendlaterne. Den Augenblick spannst

ein und gehst dann in den Garten und brockst mir ein' Korb voll

Äpfel ab. (Für sich.) So bring' ich sie doch fort.

Moisasurs Zauberfluch · 第 7 / 13 题