Bertram schrie auf: »Just Carolus? Wie kommen Sie zu dem?«

»Er annoncirte vor einem halben Jahre die Gründung einer neuen Zeitschrift,

lud zur Einsendung von Beiträgen und ...«

»Und besonders zum Abonnement ein.«

»Ganz recht. Ich schrieb, ich sandte meinen Roman und erhielt einen Brief.

Vogelweid, ich bin eine glückliche Frau, aber der Tag, an dem dieser Brief

kam, war doch einer der schönsten meines schönen Lebens, ein Ausbruch der

Bewunderung der ganze Brief. Carolus stellte mich in eine Reihe mit Heyse,

Keller und Meyer. Ihr Manuskript, schrieb er, ist von der Lesekomission

einstimmig angenommen worden.«

»Aus dem einfachsten aller Gründe -- sie hatte nur eine Stimme.«

»Er wollte seinen ersten Jahrgang mit mir eröffnen. Mein Herz quoll über,

ich antwortete in Ausdrücken, ich bekenne Ihnen alles, Vogelweid, es werden

wohl überschwängliche Ausdrücke gewesen sein. Nach so bitteren

Enttäuschungen ein solcher Erfolg. Carolus steht im Kürschner an der Spitze

einer langen Reihe von Werken. Ich verehrte ihn, ich pries ihn, er ragte

als Halbgott in meinem Herzen.«

»Ja, das ist so! Es schmeichle einer nur unserer Autoreneitelkeit, und wir

sind zu jeder Selbsterniedrigung bereit. Baronin, daß Sie in diese Falle

gingen!«

»Richten Sie nicht, Vogelweid, helfen Sie. Ich bin in einer furchtbaren

Klemme. Er bat um meine Photographie, ich schickte sie ihm mit einer

Widmung .... und dann, denken Sie, nannte er mich: Erhabene Schloßfrau,

angebetete Herrin.«

»Sie haben ihm gewiß auf dem schönen Briefpapier geschrieben, mit der in

Gold geprägten Aufschrift: Schloß Obositz, und der wehenden Fahne mit dem

Doppelwappen.«

»Mein Gott, ja. Und nun hält er mich für eine Millionärin, spricht von den

Kosten, die das Gründen einer Zeitschrift verursacht, und ich soll eine

Aktie zu zehntausend Gulden nehmen. Und ich habe nur ein ganz kleines

Vermögen, das Hugo verwaltet. Ich konnte das Geld nicht geben, ich mußte es

gestehen. Seitdem hat Carolus den Ton geändert, er schmeichelt nicht mehr,

er droht ... Womit am Ärgsten? Mit der Veröffentlichung meines Romans!

Damit, behauptet er, macht er mich lächerlich vor der ganzen Welt. Er droht

auch, meinem Manne meine Photographie mit jener Widmung und meine Briefe --

Liebesbriefe nennt er sie -- zu schicken. Das sind sie nicht, aber -- o,

ich bin sehr schuldig! -- ich sprach von ungestillter Sehnsucht nach

regerem Geistesleben, -- von Seeleneinsamkeit. Ich weiß nicht, wessen Hugo

fähig wäre, wenn er erführe, daß ich mich an seiner geliebten Seite

seeleneinsam gefühlt habe ... Mir schaudert, und ich zittere um den Frieden

meiner Ehe ... Ach, Vogelweid! und soeben brachte man mir ein Telegramm

auf Hagens Zimmer. Ich habe es noch nicht eröffnet. Eine furchtbare Ahnung

sagt mir: es ist von Carolus und enthält mein Schicksal. Himmel, warum

mußte ich an einen so elenden Menschen gerathen!«

»Das eben ist Ihr Glück im Unglück, beruhigen Sie sich, Baronin. Ich rette

Sie, ich habe den Mann in der Hand. Einige meiner Kollegen und ich sind vor

Jahren durch ihn arg geschädigt worden, und wir haben uns vor seinen

Schlichen sicher gestellt. In einem gewissen eisernen Schrank bei einem

gewissen Advokaten sind Beweise gegen ihn deponirt, die ihn jeden

Augenblick ins Kriminal bringen können. Daran will ich ihn erinnern und die

Herausgabe Ihres Eigenthums verlangen.« Er seufzte tief und schwer: »Ich

will ihm schreiben.«

»O Vogelweid, wie dank' ich Ihnen! Aber lesen Sie zuerst das Telegramm.«

Bertram öffnete das gefaltete Blatt, warf einen Blick hinein und sprang

auf: »Nein,« rief er, »nicht schreiben, handeln! Da ist keine Zeit zu

verlieren, er will mit dem Zwölfuhrzug kommen, ich geh, ich _reite_,«

steigerte er sich, »ihm entgegen, fang' ihn auf auf der Station.«

»Kommen? Hierher?« Die große, starke Frau stammelte, erbleichte, ihre Augen

wurden starr, sie rang mit einer Ohnmacht. Bertram ermahnte mit Energie:

»Muth, Baronin. Nehmen Sie sich zusammen. Sie dürfen jetzt nicht ohnmächtig

werden. Erstens ist es nicht mehr modern, und zweitens müssen auch Sie

jetzt handeln.« Er erhob die Arme, seine Hände ballten, seine Brust

erweiterte sich: »Knapp', sattle mir mein Dänenroß. Geben Sie Befehl, Frau

Baronin, daß die Kuh vorgeführt werde. Ich will Ihr Ritter sein, ich fühle

das ganze Mittelalter in meiner Faust.«

Rittmeister Brand; Bertram Vogelweid Zwei Erzählungen · 第 52 / 68 题