DER EINHUNDERTUNDNEUNUNDDREISSIGSTE PSALM

Mein Lot, Herr,

warfst Du

und erkanntest mich.

Alles weißt Du

jetzt, wann ich sitze

und wann ich

mich erhebe,

und von der Ferne

enthüllst meinen Gedanken,

der Du siehst

wann ich gehe,

und wie ich mich

hinlege -- alle Wege in mir

vollenden Dich.

Ach Herr, noch

ist das Wort auf meiner Zunge,

und der Gedanke endet

in Deinem Gedächtnis schon.

Du hast mich geschlossen

vorne und hinten,

und Deine Hand liegt

mir oben und unten --

o welche Weisheit

mir so unerreichbar

mir -- wohin

ginge ich,

und wäre nicht

in Deinem Geist,

wohin flöhe ich

und wäre

nicht vor Deinem

Angesicht?

Steige ich in den Himmel

und Du bist da,

liege ich im Bett der Hölle

Du bist da,

trügen die Flügel

der Tagesdämmerung

mich an das Ende des Meeres:

wieder, Herr, wieder

Deine Hand

unterstünde

mich und Deine

Rechte

beschützte mich.

Wollten

mich die Nebel

überhüllen -- aber

die Nacht um mich

leuchtet an,

hell scheinen und sanft

die Nebel Dir

und aufleuchtet in Strahlen

die Nacht,

in den blendenden Finsternissen.

In der Nacht des Schoßes

schufen Deine Hände

mein Bildwerk

und die Nieren.

Ich lobe herrlich Dich,

der ich gemacht wurde

auf eine wunderbare Weise.

Sind Deine Werke alle

erfremdend wunderbar,

und im Geheimnis

meine Knochen:

schufst Du

wie die Gewebe

gearbeitet sind

unbeschreiblich

in den Orten

unter der Erde.

Deine Augen sehen mich,

da noch

im Teig der Lebenden

ich unterging,

und meine Tage

hast Du eingetragen

in das Buch

und in die Reihe geordnet,

da sie nicht einmal begonnen.

O wie teuer,

Herr, sind mir Deine Gedanken,

o wie groß,

Herr, ihre Anzahl!

Lasse Du

sterben den Bösen --

gehet ihr Männer des Blutes

von mir --

ihr schwöret falsch

seinen Namen, schändet ihn

nicht Missetat?

o ihr Bösen,

wachet auf aus

den brüllenden Höhlen

der Verruchnis:

ihr verbrechet an Euch.

Der zerstörte Tasso: Ausgewählte Gedichte · 第 66 / 70 题