ABENDSONNE

Grüne Berge, weitgeflächt, schaukeln in den Himmel auf,

Schluchten rote Rosen, ausgefaltet, scheinen himmelauf.

Flüsse werden gläsern dicht und brennen in der Erde,

springen weiße schlanke Hirsche durch die Luft,

schwarze Pferde, aufgenüstert seliger Gebärde,

sternen glanzvoll ein in Duft.

Schreie wiegen über Gipfel und der See voll roten Mohn

rundet sich zu einem dünnen angestrengten Ton.

Schäumende Sonnen

voller Salz geht mein Atem

abendverzückt und ciaconnen

über Wiesen und Herz. Flüsse fiebern in den Fersen,

Knie spannen sich verzückt

und aus weitgetanen Seelen glückt

tierisches Verversen.

Rasen mildgedehnte Hände

und das gezeltete Gehirn

abendsternt. Gehen die verschichteten Gelände

der Luft über das himmlische Angesicht,

verschmelzen im Blitz der blauenden Brände

Ampel und Dunkelheit, Mond und Licht.

Grünen die Büsten auf gefeuerten Balkonen,

Brust der Menschheit wehet auf,

dröhnen die wiegenden Anemonen

mitten im himmlischen Verlauf.

Der zerstörte Tasso: Ausgewählte Gedichte · 第 48 / 70 题