Marchesa di Pescara.
3.
[_Rom_, 1538-41 oder 1545/46.]
Die Taten Eurer Künstlerkraft reizen den beschauenden Geist, ungenügsam
Höheres zu begehren. Auch mich fasste dies Verlangen, und darum fragte ich,
ob die Vollkommenheit Eurer Werke wohl noch einer Steigerung fähig sei. Ich
habe eingesehen, dass omnia sunt possibilia credenti. Ich hatte den festen
Glauben, Gott werde Euch zur Darstellung dieses Christus übernatürliche
Gnade geben, und als ich ihn sah, übertraf er in jeder Weise all meine
Erwartungen. Eure Wundertaten machten mich kühn, und so sprach ich Wünsche
aus, die ich jetzt staunend erfüllt sehe: Das Bild ist in allen Teilen von
wunderbarer Vollendung, und kein Mensch vermöchte mehr, ja auch nur so viel
zu wünschen. Und wisst, das freut mich besonders, dass der Engel zur
Rechten viel schöner ist, als der andere; denn der heilige Michael wird
Euch Michelangelo am jüngsten Tage zur Rechten des Herrn stellen. Ich aber
kann dafür nichts tun, als zu diesem milden Christus darum zu beten, den
Ihr so vollkommen gebildet habt; zugleich Euch zu bitten, dass Ihr über
mich in jeder Weise gebietet.