[_Rom_,] den 1. Februar 1549.
Lionardo! -- Ich schickte Dir mit meinem letzten Brief ein Verzeichnis
mehrerer heiratsfähiger Mädchen, das mir von Florenz zugesandt wurde, ich
glaube von einem Vermittler, der übrigens ein wenig vernünftiger Mann sein
muss, denn er konnte sich doch denken, dass ich, nun schon seit sechzehn
oder siebzehn Jahren dauernd in Rom, wenig Kenntnis von den florentinischen
Familien haben kann.
Ich sage Dir deshalb, achte nicht auf meine Meinung, wenn Du heiraten
willst, denn ich vermag Dir keinen guten Rat zu geben. Nur das kann ich Dir
ans Herz legen, laufe nicht dem Geld nach, sondern sieh auf Herzensgüte und
guten Ruf.
Ich glaube, es gibt in Florenz viele verarmte, adlige Familien, für die es
eine Wohltat wäre, wenn Du mit ihnen Verwandtschaft anknüpftest. Auf die
Mitgift könntest Du verzichten, wenn nur auch kein Hochmut da wäre. Du
brauchst eine Frau, die bei Dir bleibt und Dir gehorcht, die keinen Aufwand
liebt und nicht jeden Tag auf Hochzeiten und Gastereien gehen will, denn wo
ein Hof ist, ist es nicht schwer, zur Dirne zu werden. Du brauchst Dich
auch nicht um das Gerede zu kümmern, Du wollest Dich adlig machen, denn es
ist bekannt, dass wir alteingesessene Bürger von Florenz und so vornehmen
Geschlechts wie irgendeine andere Familie sind. Nun empfiehl Dich Gott,
dass er Dir das Rechte gebe. Ich wünschte, Du liessest es mich wissen,
sobald Du etwas Geeignetes gefunden zu haben glaubst, und zwar bevor Du die
Verbindung eingehst.
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