AN LIONARDO ...

_Rom_, den 20. Mai 1553.

Lionardo! -- In Deinem letzten Brief schriebst Du mir, Du habest Deine Frau

nun heimgeführt, seiest sehr befriedigt und sollest mich in ihrem Namen

grüssen. ---- Es freut mich innig, dass Du so zufrieden bist, und ich

denke, man soll Gott dafür nach bestem Können preisen. ---- Für ihren Gruss

danke ihr; sag' ihr in meinem Namen all das, was Du mündlich zu sagen

weisst, ich aber nicht zu schreiben verstehe. Ich wünsche auch, dass man

sie als die Frau eines meiner Neffen erkenne; bisher konnte ich das nicht

durch die Tat beweisen, weil Urbino noch nicht da war. Nun ist er seit zwei

Tagen zurückgekehrt, und ich will meinen guten Willen zeigen. Man sagt mir,

ein schöner Schmuck von guten Perlen werde hier wohl anstehen. Ich habe

darum einen mit Urbino befreundeten Goldschmied beauftragt, nach solchen zu

suchen und hoffe, er wird sie finden. Doch sag' ihr noch nichts davon.

Solltest Du aber etwas anderes für besser halten, so schreibe mir. Das

sei's. Sorge für Deine Gesundheit und vergiss nicht, dass es stets mehr

Witwen als Witwer gibt.

Michelangelo Buonarroti.

25.

Michelangelo Gedichte und Briefe In Auswahl herausgegeben von R. A. Guardini · 第 154 / 231 题