AN DEN ALLERCHRISTLICHSTEN KÖNIG VON FRANKREICH.

_Rom_, den 26. April 1546.

Heilige Majestät! -- Ich weiss nicht, was grösser ist, Eure Gnade oder mein

Erstaunen darüber, dass Eure Majestät sich herabgelassen hat, an

meinesgleichen zu schreiben, ja mehr noch, mich um Arbeiten zu bitten, die

des Namens Eurer Majestät wirklich nicht würdig sind. Doch mögen diese

sein, wie sie wollen; Eure Majestät soll wissen, dass ich schon seit langem

wünschte, Euch zu dienen. Da ich aber hierzu nicht, wie in Italien,

Gelegenheit fand, habe ich es noch nicht tun können. Nun bin ich alt und

noch für einige Monate mit Arbeiten für Papst Paul beschäftigt. Wenn ich

aber nach deren Vollendung noch am Leben bin, so werde ich versuchen, das,

was ich schon lange für Eure Majestät zu tun wünschte, auch wirklich

auszuführen, und zwar ein Werk in Marmor, eins in Bronze und ein Gemälde.

Und wenn der Tod die Verwirklichung dieses Wunsches vereitelt, und man im

anderen Leben noch meisseln und malen kann, so werde ich dort, wo man nicht

altert, es an mir nicht fehlen lassen. Eurer Majestät aber erflehe ich von

Gott ein langes und glückliches Leben.

Aus Rom am XXVI. April MDXLVI.

Eurer Allerchristlichsten Majestät

untertänigster Diener

Michelangelo Buonarroti.

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Michelangelo Gedichte und Briefe In Auswahl herausgegeben von R. A. Guardini · 第 149 / 231 题