AN LIONARDO DI BUONARROTA SIMONI IN FLORENZ.

_Rom_, [den 6. Februar 1546].

Lionardo! -- Du bist mit Deiner Auskunft über die Besitzung der Corboli

sehr rasch zur Stelle gewesen. Ich dachte nicht, dass Du noch in Florenz

seiest. Hast Du am Ende Furcht, mein Anerbieten könnte mich reuen, wie man

Dir vielleicht eingeredet hat? Ich sage Dir, dass ich langsam vorgehen

will, denn ich habe das Geld hier mit einer Mühe verdient, die der nicht

kennt, der wie Du im Überfluss geboren ist.

Ich glaube auch nicht, dass Du mit solcher Eile nach Rom gekommen wärest,

wenn ich im Elend lebte und es mir an Brot fehlte. Du brauchst ja nur das

Geld wegzuwerfen, das Du nicht verdient hast. So eifrig bist Du, diese

Erbschaft nicht zu verlieren! Und sagst noch, es sei Deine Pflicht gewesen,

zu kommen, weil Du mich liebest! Wie der Holzwurm die Balken! Wenn Du

wirklich Liebe für mich hegtest, hättest Du mir jetzt geschrieben:

"Michelangelo, verwendet Euer Geld für Euch, denn uns habt Ihr schon so

viel gegeben, dass wir genug haben. Uns ist Euer Leben lieber als Euer

Geld."

Ihr habt seit vierzig Jahren von meiner Arbeit gelebt, aber noch nie habe

ich von Euch auch nur ein gutes Wort bekommen. Freilich hast Du voriges

Jahr so viel Tadel hören müssen, dass Du mir aus Scham eine Last Trebbianer

schicktest, aber ich wünschte, Du hättest auch die behalten!

Ich schreibe dies nicht deshalb, weil ich dem Ankauf abgeneigt bin; ich

will kaufen, um mir eine Rente zu sichern, weil ich nicht mehr arbeiten

kann; aber ich werde langsam vorgehen, denn ich will mir keine

Verdriesslichkeiten kaufen. -- Darum eile Dich nicht.

Michelangelo.

Wenn man Dir in Florenz etwas in meinem Namen ausrichtet, oder Dich um

etwas bittet, so darfst Du niemandem Glauben schenken, wenn er Dir nichts

Handschriftliches von mir vorweisen kann. ----

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Michelangelo Gedichte und Briefe In Auswahl herausgegeben von R. A. Guardini · 第 148 / 231 题