AN LODOVICO ...

_Rom_, [Oktober 1512.]

Liebster Vater! -- Ihr warnt mich in Eurem letzten Brief davor, Geld im

Haus zu halten oder bei mir zu tragen; dann sagt Ihr mir, man erzähle sich

bei Euch, ich habe Böses gegen die Medici gesagt.

Nun, das Geld, das ich besitze, habe ich bei Balduccio auf der Bank liegen

und behalte nur das im Haus oder in der Tasche, was ich für den Tag

brauche. Was die Medici angeht, so habe ich nicht anders über sie

gesprochen, als es allgemein und von jedermann geschieht, wie jüngst über

das Geschick von Prato. Und da hätten die Steine geredet, wenn sie sprechen

könnten. Auch sonst wurde hier vielerlei gesagt; wenn ich es hörte,

erwiderte ich stets: Wenn sie wirklich so handeln, tun sie unrecht. Nicht

als ob ich es geglaubt hätte; wolle Gott, dass es nicht so sei! Noch vor

einem Monat haben einige, die mir Freundschaft bezeigen, sehr schlecht von

den Taten der Medici gesprochen. Ich tadelte sie und sagte, sie täten

unrecht, so zu reden, und sie sollten nichts mehr dergleichen in meiner

Gegenwart äussern. Ich wünschte aber, dass Buonarroto vorsichtig in

Erfahrung zu bringen suchte, woher der Betreffende gehört hat, ich rede

gegen die Medici. Vielleicht kann ich dann ermitteln, von wem diese

Gerüchte stammen, und mich in acht nehmen, wenn es vielleicht einer von

denen ist, die sich meine Freunde nennen. Sonst habe ich nichts zu sagen.

Ich bin noch untätig und warte, dass der Papst mir einen Auftrag gibt.

Euer Michelangelo, Bildhauer.

7.

Michelangelo Gedichte und Briefe In Auswahl herausgegeben von R. A. Guardini · 第 135 / 231 题