AN LODOVICO ...

_Rom_, den 15. September [1510].

Liebster Vater! -- Ich habe hier bei Giovanni Balducci dreihundertfünfzig

doppelte Golddukaten eingezahlt, die er Euch in Florenz zustellen soll.

Sobald Ihr daher diesen Brief empfangen habt, geht zu Bonifazio Fazi, und

er wird sie Euch auszahlen. (Dreihundertundfünfzig doppelte Golddukaten.)

Wenn Ihr sie erhalten habt, bringt sie zum Spitalverwalter und sagt ihm, er

solle sie so anlegen, wie er es mit dem früheren Geld getan hat. Es bleiben

dann noch einige Dukaten, von denen ich schrieb, Ihr solltet sie behalten.

Wenn Ihr es noch nicht getan habt, so tut es jetzt; braucht Ihr mehr, so

nehmt, soviel Euch gut dünkt. Ich schenke Euch, was Ihr braucht, und wenn

Ihr die ganze Summe ausgeben wolltet. Wenn es einer Weisung an den

Spitalmeister bedarf, so lasst es mich wissen.

Durch Euren letzten Brief erfuhr ich, wie Eure Sache steht. Es bekümmert

mich sehr, aber ich kann nichts machen. Doch sollt Ihr Euch nicht

entmutigen lassen und Euch auch kein bisschen grämen, denn wenn das Gut

verloren geht, ist darum doch nicht das Leben verloren, und ich werde so

viel verdienen, dass der Verlust reichlich gutgemacht wird. Doch bedenkt

wohl, Ihr dürft nicht darauf zählen, denn die Erfüllung solcher

Versprechungen ist doch unsicher. Tut gewissenhaft das Eure und danket

Gott, dass diese Prüfung, wenn sie schon kommen soll, doch zu einer Zeit

kommt, da Ihr Euch besser behelfen könnt, als es früher hätte geschehen

können. Gehabt Euch wohl und lasst lieber das Geld fahren, als dass Ihr

Euch Kummer macht. Ich will Euch am Leben haben, und wäre es auch in Armut;

denn mit Eurem Tod möchte ich nicht alles Gold der Welt erkaufen. Und wenn

die Schwätzer dort oder sonst jemand Euch tadeln, so lasst sie reden; es

sind Menschen ohne Gewissen und ohne Liebe.

Euer Michelangelo, Bildhauer.

6.

Michelangelo Gedichte und Briefe In Auswahl herausgegeben von R. A. Guardini · 第 134 / 231 题