AN BUONARROTO DI LODOVICO DI BUONARROTA SIMONI IN FLORENZ.

_Rom_, [den 17. Oktober 1509].

Buonarroto! ---- In Deinem letzten Brief sagst Du, Lorenzo werde hier

durchreisen, und ich solle ihn gut aufnehmen. Mir scheint, Du weisst nicht,

wie ich hier lebe. Doch für diesmal will ich Dir verzeihen und werde tun,

was ich kann. Ich höre, Gismondo will hierher kommen, um seine

Angelegenheit zu ordnen. Sag ihm in meinem Namen, er dürfe nicht auf mich

zählen; wohl ist er mir als Bruder lieb, aber ich kann ihm in keiner Weise

helfen. Ich sollte auf mich mehr Rücksicht nehmen als auf die andern und

kann nicht einmal mir das Nötige beschaffen. Ich bin hier sehr geplagt und

lebe unter grossen körperlichen Entbehrungen, habe keinen Freund und will

auch keinen. Ich habe nicht so viel Zeit, um das Nötigste zu essen, und

will darum von keinerlei Belästigung mehr wissen, könnte auch keine Unze

mehr davon ertragen.

Seid eifrig in Euerem Gewerbe. Es freut mich, dass Giovansimone sich

gebessert hat. Seht zu, dass Ihr Euren Besitz in gerechter Weise vermehrt

oder erhaltet, damit Ihr später Grösseres unternehmen könnt, denn ich

hoffe, Ihr könnt Euch einst selbständig machen, wenn ich heimkehre, und Ihr

tüchtige Leute seid. Sag Lodovico, dass ich ihm nicht antwortete, weil ich

keine Zeit hatte, und wundert Euch nicht, wenn ich nicht schreibe.

Michelangelo, Bildhauer.

5.

Michelangelo Gedichte und Briefe In Auswahl herausgegeben von R. A. Guardini · 第 133 / 231 题