_Rom_, den 20. Januar 1509.
Liebster Vater! -- Ich habe heute einen Brief von Euch erhalten. Was ich
daraus erfuhr, hat mich sehr geschmerzt. Ich fürchte, Ihr macht Euch mehr
Sorge, als nötig ist. Wie hoch würde sich wohl der Schaden belaufen, den
sie Euch im schlimmsten Falle zufügen könnte? Es wäre mir lieb, wenn Ihr
mir das mitteilen wolltet. Sonst habe ich nichts zu sagen. Es bekümmert
mich, dass Ihr Euch so ängstigt; darum rafft Euch auf und bereitet Euch gut
auf ihre Angriffe vor; beratet Euch, dann aber denkt nicht länger daran.
Denn wenn sie Euch auch alles nähme, was Ihr hier auf Erden besitzet, so
wird es Euch doch nicht an Mitteln zu einem bequemen Leben fehlen, wenn
auch niemand als ich da wäre, für Euch zu sorgen. Deshalb bleibt guten
Mutes! Ich bin noch in grossen Nöten, denn ich habe seit nun schon einem
Jahr keinen Heller mehr vom Papst bekommen; ich bitte ihn auch um nichts,
denn meine Arbeit geht nicht so voran, dass ich etwas beanspruchen dürfte.
Die Arbeit ist eben schwierig und schlägt dazu nicht in mein Fach. So
verliere ich meine Zeit und erreiche nichts. ----
Euer Michelangelo.
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