=sinlicheit, sinnelcheit,= _1. Sinnlichkeit, natürl. Anlage; sinnl.

Lust. 2. Besinnung, Verstand._

=sinlik,= _1. sinnlich, Ggs. geistig. 2. bei Verstande, verständig.

3. *mi is s.,* mir ist erinnerlich, bewusst; ich beabsichtige.

Adv._ sin(ne)liken, ingeniose.

=sinne= = sinde.

=sin(ne)-lôs,= _der Sinne beraubt, irrsinnig; bewusstlos, ohne

Besinnung._

=sinnen,= _st. v. 1. denken, glauben, vermuten. 2. ansinnen,

begehren, eine Forderung stellen; insbes. seitens des Dienstmannes die

Belehnung suchen, das Lehn muten. 3. auf etwas denken, ersinnen._

=sinnich,= _1. was in die Sinne fällt, sinnlich wahrnehmbar. 2.

verständig, bei Sinnen. 3. bedachtsam, still, leise._

=sinnicheit,= _1. Sinnlichkeit; äusserer Anschein. 2. Verstand._

=sin-rîk(e),= _sinnreich, verständig, geschickt; *s. wesen* m.

Gen., verstehen, erfahren sein in. Subst._ sinrikecheit.

=sinnunge,= _f. das Begehren, die (Lehns)-mutung._

=sint (sunt, sent),= _1. adv. seitdem, später, darauf. 2. präp. mit

Gen. u. Dat. seit. 3. conj. der Zeit u. des Grundes,_ quum.

=sinte,= sanctus.

=sînte,= dat, _das seinige._

=sintel, sinter= _(mehr ndl.)_ = sinder.

=sintel(e), czintel,= spicus, instrumentum ferrum, quo nautae utuntur,

dat holdet dat schep: _Eisenband, -reif? aus span. *cintilla?*

Spieker, Sentspieker (e. Art Nägel)? *sintelen* auch zu Schlagbäumen

u. Brunnenleitungen._

=sintel-negele,= _grosse eiserne Nägel?_

=sintel-rode,= succudo, instrumentum quo nautae utuntur: _Sente?_

=sintenêre, tzintener,= _m. Zentner._

=sîntlik,= _sichtbar; *s. werden up,* sein Augenmerk richten

auf?_

=sint-rôr,= _Zündrohr, d. i. Feuergewehr._

=sint-vlôt= (= sin-vlôt), _grosse, allgemeine Flut._

=sîp,= _m. u. n._ =sipe,= _sw. m. kleines Flüsschen, Bächlein._

=sipe,= _f. feuchtes Land, Niederung, Wiese._

=sipel(e),= _sw. st. m._ = sipolle.

=sipen,= _st.? sw. v. tröpfeln, triefen, sickern; bes. von Augen._

=czipers= = czipresch, _von Cypern._

=sipich,= _träufelnd, triefend._

=sipinge,= _das Träufeln, Lecken, Durchsickern._

=sîp-ogich,= _triefäugig._

=sipolle, tzipolle,= _Zwiebel, *cipollen-hoker,* Zw.-Händler;

*-sât,* Zw.-Samen,_ -spise, ceparium.

=sîr= = sinere, _seiner._

=sîr,= _1. schön, fein, zierlich. 2. listig, schlau._

=sîr,= _Pracht, Herrlichkeit._

=sîr (sier):= gût s. maken = _frz. *faire bonne chêre,* herrlich

speisen, fröhlich sein._

=sirât, ciret, tzirot,= _Zierat, Schmucksache._

=siren, tziren,= _sw. v. zieren, schmücken._

=sîrheit, tziricheit,= _1. Schmuck. 2. Klugheit, List._

=siringe, tziringe,= _Zierung, Schmückung; Zier, Schmuck._

=cirke,= _Zirkel (als Instr.)._

=cirkel, tzirkel,= _m. Zirkel, sow. d. Instrum., als die mathemat.

Figur, Kreis; *der sonnen c., cyclus solaris; der werlde c.,*

Weltall, Erdkreis. Als Instr. Abzeichen der Zirkelbrüder *(cirkeler,

cirkelbroder, -hêre)* in Lübek, als Kreis Stempel der Heringstonnen

*(cirken,* so stempeln)._

=cirkel-echtich, -ich,= circularis.

=cirkel-knecht,= _Kriegsknecht, w. die Runde geht._

=sirken,= _sw. v. zirpen._

=sîrlik, tzîrlik,= _zierlich, schön, schmuck; adv._ cîrliken.

=sirnink,= _Röhre, Pfeife, Katheter (aus lat._ syrinx).

=sirup, sirop,= _m. Sirup, überh. e. Medicintrank._

=(sise), czitze,= _Zeisig._

=sise, scise, tzise,= _f. Accise; *-bode* (Bude); *-hêre,*

Ratsherr, w. d. A. verwaltet: *-knecht, -mêster, -schriver, -voget*

(Einnehmer)._

=sise-bar,= _steuerpflichtig._

=sisek, cisek, sisex, ziseke,= _Zeisig._

=cisiojanus,= _Datierung nach Festen und Heiligentagen; so benannt

nach dem Anfang der Memorierverse._

=sissen, tzissen,= _sw. v. zischen._

=sit,= _m. Sitz, Sitzplatz._

=sît,= _f. Seite._ =sît,= _weit; s._ side.

=sît, side,= _niedrig, eigentl. u. bildl.; *mit sider stempne,*

leise; *dat sideste recht, gerichte,* die unterste gerichtliche

Instanz; adv._ side.

=sît-disch,= Nebentisch.

=sît-drivende= werk, _e. Belagerungswerkzeug *= katte* (s. d. W.),

Ggs. *ho-* (hoch-)_drivende w.

=siter(e), siterie,= _Kammer, festes Gewölbe an einer Kirche (wohl

aus lat._ zeta, zetarium).

=sît-glepe,= _pl. e. Art Ziegel; vgl._ glepe.

=sît-halven,= _von der Seite her._

=sît-hamer,= _e. Schmiedehammer (Ggs._ vorhamer?).

=sît-hank,= dextrale, _Seiten- oder lang herabhängender Vorhang?_

=sît-hole-kelen,= _pl. e. Art Ziegel._

=sitlik= = sedelik.

=sîtlink= _und_ =sîtliken= = sidelinge.

=sîtnisse,= _niedriger Grund, Thal, Niederung._

=sît-rême,= _Seitenriem, Ziehstrang am Pferdegeschirr._

=sît-rêp,= _e. Art Tauwerk, z. B. zur Ramme._

=sitte-bank, -benke,= _Sitzbank._

=sittelose, czitelose,= _f. Zeitlose; wahrsch. die (gelbe) Narcisse,

Osterblume; weniger die Herbstzeitlose._

=sittel-schot,= _eine Abgabe der Hausleute an die Gutsherrschaft._

=sittelse,= _Sitz, Stuhl._

=sittel-stede,= _Sitzstätte, Sitz._

=sitten,= _st. v. 1. sich setzen, bes. zu Pferde steigen; *s.

van,* vom Pferde steigen. 2. sitzen; seinen festen Wohnsitz haben,

sich aufhalten; *sitten under iem.,* jem. unterthänig sein; vielfach

in übertr. Bedeutung, bes. in der Regierung sitzen, auf dem Rathsstuhl

sitzen, an der Regierung sein; gefangen sitzen, *in neringe s.,*

einen Erwerb haben; *sitten gân,* sich setzen. 3. sitzen, anstehen,

sich geziemen. 4. trans. sitzend ausüben, bes. vom Richter: *dat

richte s.; dat schot s.,* die Abgabe der Bürger in Empfang nehmen._

=sitten, sittent,= _n. Sitzen, Session._

=sîttende,= _(Dativ) ein Teil des Hauses (etwa das Mittelhaus als

Wohnung?)._

=sittenisse= = sîtnisse.

=sitter,= _1. Stillsitzer, Neutraler. 2. Beisitzer eines Gerichts._

=sittêren, cittêren= = citêren, _sw. v. citieren, vorladen._

=sittinge,= _1. Sitz, Platz. 2. Besitz._

=slabab(be)sch,= _(von e. geringeren Sorte Feigen u. Rosinen)

weich?_

=slabbas, slabberbas,= _Trunk, Schluck? Bissen, Happen?_

=slabben,= _schlappen, schlürfen; schwerfällig sprechen, als wenn man

schlürfte._

=slach,= _m. 1. Schlag; plötzlicher Krankheitsanfall; göttliche

Strafe; Niederschlag, Tötung; Hufschlag, Spur, Fährte; Weg, Richtung.

2. Schlag einer Glocke oder Uhr, Stunde. 3. Mass, Tact. 4. Schlag

des Geldes, Gepräge. 5. Weise, Methode des Arbeitens, z. B. von der

Tuchbereiterei. 6. Zuschlag, was jem. zugeschlagen, angewiesen wird;

überh. Abteilung, z. B. des Ackers, Deiches, Weges._

=slach,= _n. Verschluss, Riegel, Schlag-, Sperrbaum._

=slach-bôm= _= d. vor. W._

=slach-brade,= hilla _(Bratwurst?)._

=slach-brugge,= _Zugbrücke._

=slach-bûr,= aucipula, _Vogelfalle._

=slach-(slacht-, slage-)dôk,= _1. Schlagtuch, d. h. das um einen

Packen Tuch geschlagene Mustertuch. 2. was in Ausgaben für Pferde?_

=slach-gelt,= _Zoll für das Passieren eines Schlagbaumes._

=slach-hamer,= _Schlaghammer zum Zerspalten der Steine, oder

Schlägel._

=slach-holt,= _1. Schlagholz, *ligna caedua.* 2. Bleuel._

=slach-kam,= _ein Webergerät._

=slach-mâl,= _der (blaue) Fleck, der von einem Schlage herrührt._

=slach-nesich,= _stumpfnasig._

=slach-orde,= _f. Schlachtordnung._

=slach-pinne,= _Pinne am Schlagbaum?_

=slach-regen,= _plötzlicher heftiger Regen._

=slach-schat= = slegeschat.

=slach-schene,= _Eisenschiene als Beschlag? am Pfluge?_

=slacht,= _f. 1. Schlachte, das Pfahlwerk, Bohlenwerk (später

oft durch Steine ersetzt) am Ufer der Flüsse, bes. zum Zweck der

Mühlenanlagen und zum Anlegen der Schiffe. 2. das Schlachten. 3.

Schlacht, Gefecht. 4. Gattung, Art._

=slacht-brêf,= _Geschlechtsbrief, d. h. schriftliche Urkunde der

Geschlechtsverbindung zu gegenseitiger Hülfe._

=slachte,= _n._ = slechte.

=slachte=-bank, _Schlachtbank; *-hûs,* Schlachthaus._

=slachtel-mân= = slachtmân.

=slachten,= _sw. v. 1. eine *slacht,* Pfahlwerk, einschlagen. 2.

schlachten,_ mactare.

=slachter,= _Schlachter._

=slacht-holt,= _Holz zu einer Schlachte._

=slachtich,= _der Schlägereien macht, aufrührerisch._

=slachten,= _sw. v. *na,* oder m. Dat., arten nach; gleich,

ähnlich sein._

=slachte-, slachten-, slachter-nut,= _Zuss. von *slacht,* Art und

*nut,* Nutzen, Nutzung; bes. häufig mit *al* verbunden, *aller

slachte nut,* Nutzung jeder Art; vielfach verderbt und als Ein Wort

angesehen = Nutzung._

=slachtinge,= _1. das Schlagen, Schlägerei, Prügelei. 2. Totschlag,

Mord; Gemetzel, das Schlachten. 3. Schlacht._

=slacht-mân,= _Schlachtmonat, d. i. gew. November._

=slacht-ordeninge, -orde,= _f._ = slachorde.

=slacht-swert,= _Schlachtschwert._

=slach-vinster,= _Fenster, welches auf- und zugeschlagen werden kann,

bes. die als Ausstellungsbank für Waaren dienende Fensterluke._

=sla-dâl,= _niederfallender Kragen._.

=sladdich,= _ein wenig aufgekocht?_

=slafante,= _Bezeichnung für e. Geistlichen niederen Grades; vgl. d.

Slavanten-Kloster bei Maastricht und_ slavine?

=slage,= _f. 1. Werkzeug, womit man schlägt, Schlägel. 2. Hufschlag,

Spur. 3. Schlagbaum._.

=slage (slagen),= _ein länglich-rund geformter Klumpen Butter._

=slage-dôk= = slachdôk.

=slagen,= _sw. v. schlagen; schlachten; einen Schlagbaum fertigen._

=slagge,= _1. m. Schlacke v. Metallen und Kohlen (davon:

*slaggen-berch, -hutte, slagge-werk).* 2. f.? schlackiges,

regnerisches Wetter._

=slaggen,= _sw. v. schlackiges, regnerisches Wetter sein._.

=slak,= _schlaff, schwach._

=slaken,= _sw. v. *slak,* schlaff, sein u. trans. *slak*

machen._

=slak-side,= _Bauchseite (des Aals)?_.

=slam,= _m. Schlamm, Dreck; in der Mühle: der Abfall beim Mahlen des

Getreides, bes. der Gerste?_

=slam-kiste,= cisterna; _Kiste für den Mühlenschlamm._

=slammich,= _schlammig._

=slampamp, slampamperie,= _üppige Schlemmerei._

=slampampen,= _sw. v. üppig schlemmen._

=slân,= _st. v. 1. schlagen. 2. erschlagen, bes. vom Vieh:

schlachten, mit dem weiteren Begriff des Zerschlagens, Zerlegens.

3. ein-, aufschlagen, ein-, aufpacken. 4. zuschlagen, stopfen. 5.

anschlagen (Glocken). 6. *in dat gras,* treiben (Vieh auf die

Weide); *drek, mes,* zusammen und auf den Wagen bringen. 7.

schlagend machen, durch Schlagen verfertigen, z. B. *ênen wech, dîk,

garn (drât, kabel, rêp, touwe), wullen* (Wolle rein u. locker schl.),

*kopper* etc. (platt schl.), *lêmen* (zu Lehmhäusern); übertr.

von Bündnissen, Vereinbarungen, Rat etc.; *sik s.,* aus dem Wasser

springen, sich überschlagen (v. Fischen). *Na dem ende s.,* ein Ende

womit zu machen suchen; *in,* hinein werfen, stossen, thun; *na,*

nacharten; *up,* anschlagen, rechnen; beachten, berücksichtigen;

*van sik,* von sich thun, sich entäussern; *vor nicht,* für

nichts rechnen; *jegen,* (eins gegen das andere) rechnen; *sik

slân an,* sich begeben zu, sich anschliessen an. -- Intr. schlagen,

sich wohin neigen (v. der Wage); einen Weg einschlagen, sich wenden,

ziehen; *in dat lant slân,* einfallen; *dorch de lantwere slân,*

brechen._

=slange,= _m. u. f. 1. Schlange. 2. f. Geschütz mit langem Rohre._

=slangen=-busse = slange 2. -krût, -lode, _Pulver, Kugel zu ders._

=slank,= _schlank, biegsam._

=slanken,= _sw. v. biegsam machen;_ slankinge, liquescencia.

=slânt,= _n. das Schlagen; Kampf, Gefecht._

=slâp,= _m. Schlaf._

=slap,= _schlaff; träge; adv._ slaplik.

=slâp-bank, -benke, -bedde,= _Schlafbank, -bett._

=slâp-brade?= (_mhd._ slaufbrate?)

=slâp-drank,= _Schlaftrunk; Einschläferungsmittel._

=slape-lôs,= _schlaflos._

=slapen,= _st. v. schlafen; *bi slapender dêt, tît,* zur

Nachtzeit, vgl_ dêt.

=slaper,= _Schläfer._

=slaperen,= _sw. v. schläfrig werden, sein; auch unpers. *mi

slapert,* ich bin schläfrig._

=slaperich, slaperaftich,= _schläfrig, schlaftrunken. Subst._

slaperheit, slaper(i)cheit.

=slapheit,= _Schlaffheit._

=slâp-hûs,= _Schlafsaal, -stätte in den Klösteren und sonst,_

dormitorium.

=slapich,= _schläfrig._

=slapinge,= _das Schlafen._

=slâp-kamer,= _Schlafzimmer._

=slâp-klocke,= _Nachtglocke (mit w. der Anfang der Schlafenszeit

bezeichnet wird)._

=slâp-laken,= _Betttuch,_ linteamen.

=slâp-lêve,= _Beischläferin._

=slâp-love,= _Schlaflaube, Söller._

=slappe,= _f. der Lederhang am Helme, zum Schutze des Hinterkopfes

und des Nackens._

=slappen,= _sw. v. schlaff werden._

=sla(p)pinge,= liquescencia.

=slâp-sack,= _Schlafsack, als Schelte: Faulpelz._

=slâp-scholer,= _Schlafschüler, d. h. ein Schüler, der im Kloster

etc. auch schläft, Pensionär, Internar._

=slâp-stede,= _Schlafstatt, -stelle._

=slât,= _e. moorige Vertiefung (in der Heide)._

=slatte,= _Lumpen, Fetzen._

=slaven,= _sw. v. Sklave sein; sklavische, schwere Arbeit

verrichten._

=slavine,= _f. grobes Tuch, Pilgergewand, mhd._ slavenîe.

=slavune,= _Art grosser Anker? Galeere, eig. slavonisches Schiff?_

=slawe,= _f. Hufschlag, Wagenspur; Fährte._

=slê,= _stumpf (bes. von den Zähnen)._

=slê,= _f. Schlehe, *prunus spinosa; slê-bôm,* Schwarzdorn._

=slecht= _u. Ableitungen, s._ slicht.

=slecht-bôk,= _Geschlechtsregister._

=slechte,= _n. 1. Geschlecht, Abstammung. 2. Geschlecht, alle

Geschlechtsangehörigen._

=slechter,= _Schlachter._

=slechtes-man,= _der zu demselben Geschlechte gehört,_ gentilis.

=sleck(e),= _niederrh._ = snecke, testudo.

=sleckeren,= _sw. v. beflecken, unrein machen._

=slede, (sledde),= _m. Schlitten; Schleife, räderloses Fahrgestell;

Schlitten der Reepschläger._

=sleden-driver, -vorer,= _Schlitten-, Schleifenfuhrmann._

=sleden-schemel,= epireda, epiredia.

=slede-wech,= _Schlittenbahn._

=slê-dorn,= prunus silvestris.

=slêf, sleif,= _m. ein grosser Koch-(Topf-) Löffel, meist von Holz;

Schelte für einen dummen, ungeschliffenen Menschen._

=sleger= = sloier.

=sleger,= _Schläger, Raufbold._

=slege-, slei-schat,= _m. Schlagschatz, d. h. die an den Inhaber der

Münzgerechtigkeit zu zahlende Abgabe für die Prägung des Geldes oder

für die Erlaubnis, alte u. fremde Münzen ausgeben zu dürfen oder gegen

neue, einheimische einzuwechseln._

=sleifen= = slepen _(spätes W., aus d. Hd.); *dat korn s.,*

im Kriege das Getreide auf dem Felde durch Wagen, denen man die

Hinterräder abgezogen hatte, verderben._

=sleiger, sleiger-dôk= = sloier _etc._

=slein(e), slên(e)= = slê; slên-bêr, _Bier mit Schlehensaft;_ -bôm,

-dorn = slê-bôm, -dorn.

=slei-, slê-stuke,= burellum; _vgl. *stuke* u. Hor. Belg. 7a,

19:_ sloy, syrma, cauda vestis feminarum.

=sleke,= _st. m. Schlich, Schleichweg._

=slenge,= _f. Schleuder,_ funda.

=slenge,= _n._ = slink.

=slengelse,= _n. Beschlengung, Einfassung; e. Art Zeugsäumung._

=slengen,= _sw. v. winden, flechten, in einander schlingen._

=slenger(e)= _und_ =slenker(e),= _f. Schleuder; Wurfmaschine._

=slengeren= = slingeren 2.

=slenkeren,= _sw. v. schleudern; *s. gân,* herumschlendern._

=slên-sap,= _Schlehensaft._

=slêpe,= _f. Schleife, Schleiffuhrwerk; als Kriegsgerät (zur

Belagerung?)_

=slepe-hoike,= _(langer) Schleppmantel._

=slepen= (_und_ =slêpen?),= _sw. v. schleppen, schleifen, bes.

zum Richtplatz; intr. schleppend, langsam gehen._

=slepe-nette,= _Schleppnetz._

=sleper,= _1. Schlepper, Träger. 2. das Schleppbuch, in welchem

fortlaufende Rechnungen, Einnahme und Ausgabe, verzeichnet werden._

=slêper,= _Schläfer; Faulpelz; f._ slêpersche.

=slêper,= _1. eine Münze (= 6 Schillinge oder 10 Stüver). 2. ein Satz

Gewichte (zur Goldwage?)? auch (Pl.)_ sleper-lode.

=slêperen, slêperich= = slaperen, slaperich.

=sleppe,= _f. = *slippe?* Schleiertuch?_

=sleppeken,= _ledernes Barett?_

=slep-stert,= _Schleppschwanz, langes auf der Erde schleppendes

Kleid._

=slê-sap,= _Schlehensaft._

=slêt,= _n.? rohe, biegsame Holzstange; coll. junges Holz, zur

Belegung der Balken, um Heu, Stroh, Garben etc. darauf zu legen; überh.

Kleinholz zu allerlei Gebrauch._

=slete (slette),= _st. m. 1. Abnutzung durch den Gebrauch,

Verschleiss; Aufwand für verbrauchte Dinge, überh. Unkosten, Schaden.

2. Abgang, Beilegung eines Streites, Compromiss. 3. Verschleiss,

Verkauf im Kleinen._

=sletesch,= _umgänglich, verträglich._

=slet-haftich,= _verschlissen, abgängig durch Gebrauch._

=slet-haver?= (_neben_ brimhaver, ruhaver).

=slêt-holt,= _Holz, das zu *slêten* dient._

=sleth-schat= = slegeschat?

=slêt-werk,= _Werk, das sich abnutzt und daher zeitweis der

Erneuerung bedarf? (v. e. Brunnen, Ggs. *gront-werk*)._

=slêveren,= _sw. v. das Fachwerk mit Lehm ausfüllen und bekleiden._

=slî,= _m. Schlei, d. Fisch._

=slibberaftich, slibberich,= _schlüpfrig, glatt._

=slich?= blandus.

=slicht, slecht,= _1. schlicht, eben; in grader Fläche, flach gefasst

(v. Juwelen); ungeschlitzt (v. Kleidung); glatt (v. Eise); schlaff (v.

leeren Beutel). 2. bildl. schlicht, einfach, gewöhnlich; *slichte

lude,* Leute von niedriger Geburt; geordnet, fertig._

=slichte, slechte,= _adv. einfach, ohne Umschweife, ohne weiteres,

gänzlich._

=slichtelik= = slichte.

=slichten, slechten,= _sw. v. schlicht, eben machen; bildl.

schlichten, ins Reine bringen._

=slichtes, slechtes,= _adv. 1. einfach, ohne Winkelzüge, bloss.

2. schlechterdings, durchaus, gänzlich; oft: überhaupt (das Ganze

zusammenfassend, *summatim*)._

=slichticheit,= _1. ebene Fläche. 2. Schlichtheit, Einfachheit._

=slichtlike(n),= _adv. 1. eben, in der Ebene. 2. einfach, ohne Prunk,

ohne weiteres._

=slickachtich, slickich,= _s._ slik-.

=slicken= _u._ =slickeren,= _sw. v. lecken, schlecken, naschen._

=slicker,= _Fresser, Leckermaul._

=slickerie,= _Näscherei._

=slîg= = slî.

=slihen= _(aus *sliden*), auf dem Eise glitschen._

=slî-hudich,= _der eine (schlüpfrige) Haut hat wie ein_ sli.

=slîk= _u._ =slik,= _m. (u. n.?) Schlick, Schlamm, nam. der

Uferschlamm._

=slik-achtich, -echtich,= _schlammig._

=sliken,= _st. v. schleichen, leise gehen._

=sliker,= _Schleicher._

=slikich,= _schlammig, feucht, schlüpferig._

=slîm,= _m. u. n. Schleim; Schlamm, weicher Schmutz._

=slim,= _schief, krumm; nicht in ordnungsmässiger Beschaffenheit,

elend, schlecht (bes. von Kleidern), niedrig; moralisch schlecht._

=slimen,= _essen, schmarotzen? schleimig machen oder werden?_

=slimerich,= _schleimig, schlüpfrig._

=slimheit,= _Niedrigkeit, Wertlosigkeit, schlechte Beschaffenheit;

schlimme Lage, Elend._

=slimich,= _schleimig; schlüpferig; bildl. schmeichlerisch._

=slimlike(n), slimmel(i)k(en),= _adv. elend, schlecht, übel._

=slimmenitze,= _einer von niedriger Abkunft, Nichtsnutz (persönl.

gebrauchtes *slimnisse?*)_

=slimmich= = slim; slimmicheit = slimheit.

=slimnisse= = slimheit.

=slinden,= _st. v. (durch den Schlund gehen lassen) verschlingen,

fressen._

=slinderen= = slingeren, _sich winden._

=slindich,= _gefrässig._

=slindinge,= glutio.

=slinge= = slenge.

=slingen,= _st. v. 1. intr. sich winden, sich drehen, kriechen

(in Schlangenbewegung), selten refl. 2. trans. winden, flechten. 3.

verschlingen, hinunterschlucken, fressen._

=slingere= = slengere.

=slingeren,= _sw. v. 1. intr. = *slingen* 1. 2. trans. hin- und

herschlenkern, winden._

=slink,= _fl. *slinges,* n. 1. Rand, Einfassung. 2. Schlagbaum,

Gatter. 3. Pfahlrost._

=slink-dore,= _Gatter-, Heckthür._

=slinken,= _sw. v.? allmählich vergehen, zusammenschrumpfen._

=slink-ferten= _und_ =-fîsten,= _sw. v. herumschlendern, müssig

gehen._

=slink-holt,= _Holz zu einem_ slink.

=slins= (?), _Schlund,_ vorago.

=slint-sucht,= _starke Esslust, Fressgier._

=slip= (î?), _Eisenschlacke, Hammerschlag._

=slipe= = slippe, _Zipfel, Flügel?_

=slipen,= _st. u. sw. v. 1. intr. gleiten, schleichen, schlüpfen;

*slipen unde wenden,* glattzüngig sein und nach dem Munde reden. 2.

trans. schleifen, glatt, scharf machen; schleifen, schleppen._

=sliper,= _Messer-, Scherenschleifer._

=sliperich= _und_ =sliperne,= _1. schleichend, schmiegsam,

schmeichlerisch. 2. nachlässig, unachtsam._

=sliperneheit,= _Nachlässigkeit, Unachtsamkeit._

=slip-hoike,= _Mantel mit einer *slippe,* Schlappe? (vgl.

*slepehoike* u. *slippen.*)_

=slîp-, slipe-kote,= _sw. m. Schleifhütte._

=slîp-mole,= _Schleifmühle._

=slippe,= _f. (u. m.) Rockschoss, Rockzipfel; *bi der slippen

nemen,* als symbol. Handlung: Zeichen der Besitzergreifung; *de

slippen afsniden,* bildl. fahren lassen. -- Bildl. Streifen

(Landes)._

=slippen,= _sw. v. einschneiden, schlitzen, zerreissen._

=slippen,= _sw. v. 1. gleiten und gleiten lassen. 2. den Mantel über

den Kopf hängen._

=slipper, slipperich,= _schlüpfrig, glatt. Subst._ slippericheit.

=slîp-, slipe-stên,= _Schleifstein._

=slip-swarte,= _eine aus dem *slip* (Eisenschlacke) in Verbindung

mit Galläpfeln bereitete schwarze Farbe._

=slîp-tît= (?) des haringes, _Zug-, Laichzeit des Herings?_

=sliren, sliriken,= _sw. v. schmeicheln, gut heissen._

=slise,= _Bündel, Packen?_

=slisse,= _f. *scissura,* Schlitz im Zeuge._

=sliten,= _st. v. 1. schleissen, zerreissen, zerstören, trennen;

*de selschup,* die Handelsgenossenschaft auflösen. 2. schleissen,

aufbrauchen, durch täglichen Gebrauch abnutzen, auch intr.,

*atterere* u. *atteri; de tît s.,* die Zeit hinbringen. 3. jem.

*sliten* (auf- und verbrauchen, wie jemand ist), einen mit Glimpf

behandeln, einem nachgeben, geduldig ertragen; machen, dass man in Güte

von jem. loskomme. 4. endigen (einen Streit), schlichten, sühnen. 5.

verschleissen, bes. nach und nach bei kleinem verkaufen. Refl. sich

losreissen, sich trennen, davon gehen; sich endigen, sich verlaufen;

sich versöhnen; sich schicken._

=slitenheit,= _Verträglichkeit; Versöhnung. L._ sliternh.?

=slitich,= _geduldig, verträglich, sanftmütig._

=slitinge,= _1. Verschleissung, Verbrauch. 2. Endigung,

(Be)schliessung._

=sli-winter,= _milder Winter. L._ slikw-?

=slôch?= _Wiese, Bruch? (vgl. ags. *slôh,* schwed. *slog.*)

L._ slôth?

=sloddik,= _eine saure Apfelsorte._

=sloier, sloiger, sloyer, sloger,= _m. Schleier._

=sloier-dôk,= _Schleiertuch, Schleier._

=sloifen, slofen= = sleifen.

=sloke,= _st. m. 1. Kehle, Schlund. 2. Schluck, Trank oder Bissen,

der durch die Kehle geht._

=sloker-drunk,= _ein grosser Trunk,_ haustus magnus.

=slokerich,= _gefrässig._

=slommen= = slômen.

=slomen, slommen,= _sw. v. schlafen (u. einschläfern?)._

=slômen,= _sw. v. schlemmen, üppig leben._

=slômer,= _Schlemmer, Verschwender._

=slomeren,= _sw. v. schlummern._

=slone= = slê, _Schlehe._

=slôp,= _n.? Schlupf-Loch, wodurch man schlüpfen kann, Zaunloch._

=slope,= _f. Schleife, Schlinge._

=slope= = slêpe, _f. Schleife, schlittenartiges Fahrzeug zur

Fortschaffung von Waren._

=slopen,= _sw. v. schlüpfen, schleichen, sich langsam trollen._

=sloppen?= en sloppende vat, futilis.

=slôr,= _m. langsamer, träger Gang; *de olde slôr,* der

Schlendrian._

=slorpen,= _sw. v. schlürfen._

=slôs(s)e, sloitze,= _eine Art Schuh, Sandale, Pantoffel._

=slosen, sloisen,= _sw. v. s. *gân,* schlendern._

=slôster,= _Schale, Hülse einer Frucht._

=slôt,= _m. (tiefer) Graben; Sumpf?_

=slot,= _n. 1. Schloss, *sera;* Fessel; Buchclausur; im Pl.,

festes Gewahrsam. 2. Schloss, *castrum.* 3. Schluss, Ab-,

Beschluss._

=slot-balke= (_in einer Mühle_)?

=slot-borch,= castrum, urbs.

=slot-borge,= _Bürge des mit einem Schlosse Belehnten für Innehaltung

des Schlossbriefes._

=slot-brêf,= _Urkunde über Verpflichtungen wegen Schlossbesitzes oder

-verwaltung._

=slot-brot,= _Schlossbrod, d. i. feines Brot,_ pastellum.

=slotel,= _m. Schlüssel._

=slotel-dreger,= _Schlüsselträger = *sluter;* v. Papst._

=slote-maker,= _Schlosser._

=sloten,= _pl. Schlossen, Hagel._

=sloten,= _sw. v. einen *slôt,* Graben, machen oder bessern._

=slot-gader,= _schliessbares Gatter?_

=slot-gelove= = slotlove.

=slot-haftich, -achtech,= _verschliessbar._

=slot-hêre,= _Schlossherr._

=slot-lage= = slot-stede.

Mittelniederdeutsches Handwörterbuch · 第 52 / 90 段