Die untergehende Sonne schoß ihre Strahlenbündel zwischen die Stämme
hindurch, die lautlos wartende Versammlung im Waldesgrunde gleichsam mit
einem göttlichen Segensgruß weihend, und rosige Abendwölkchen lugten
immer leuchtender durch die Baumwipfel, als ob draußen, aus der Bläue
der Luft hervorschwebend, eine zweite Versammlung himmlischer Scharen
sich bildete.
Der Tempelbau vor mir trank mit seinen schwarzen, zerbröckelten Steinen
diese letzte Sonnenglut, wie ein hinfälliger Alter einen
Verjüngungstrank schlürft. Unter dem Zauber der rotgoldigen Lichter und
der purpurnen Schatten belebten seine Massen sich wunderbar. Die
schartigen Ränder der Säulenkannelüren glitzerten, die Ecken sprühten,
die Schnecken krümmten sich, das Wellenmuster schäumte Gold, das
Blätterwerk wuchs. Die stufenartigen Absätze des hohen Unterbaues
entlang, um Plinthen und Kapitäle, am Gebälk und auf den Terrassen des
kuppelförmigen Daches--überall regte es sich in wirrem Durcheinander
seltsamer und mystischer Formen. Götter traten im Glorienschein hervor,
mehrköpfige und vielarmige Gestalten mit üppig wuchernden, vielfach
verstümmelten Gliedmaßen, dieser vier kopflose Hälse streckend, jener
acht Armstümpfe schwenkend. Brüste und Hüften schwellgliedriger
Göttinnen entschleierten sich und wälzten sich heran, und ihre runden
Gesichter neigten sich unter der Last turmhoher diademgeschmückter
Haaraufsätze, ein sonniges Lächeln um die vollen, sinnigen Lippen. Die
Schlangenleiber der Dämonen wanden sich, Greifenflügel spannten sich,
zähnefletschend grinsten grimme Unholdsfratzen; Menschenkörper
wimmelten, Elefantenrüssel, Pferdeköpfe, Stierhörner, Hirschgeweihe,
Krokodilkiefer, Affenmäuler und Tigerrachen taumelten in wirrem Knäuel
durcheinander.
Das war kein bildwerkgeschmückter Bau mehr: das waren lebendig gewordene
Bildwerke, die, den Bann des Bauwerkes brechend, sich von seiner Masse
loslösten und diese kaum noch als Stütze duldeten. Eine ganze Welt
schien aus ihrem steinernen Schlaf erwacht zu sein und mit ihren
Tausenden von Gestalten sich hervorzudrängen um zu lauschen--dem Manne
zu lauschen, der dort von ihrem Schwarm umschlossen und überschattet auf
der obersten Stufe stand, golden glänzend in den länglich herabfallenden
Mantelfalten--er, der Lebendige, der einzig Ruhige mitten im unruhigen
Wahnleben des Leblosen.
Jetzt war es, als ob die Stille der Versammlung noch tiefer würde, ja,
mir schien es, daß auch die Bäume ihr Blätterlispeln einstellten.
Und der Erhabene hub an zu reden.
Er sprach von dem Tempel, auf dessen Stufen er stand, und wo unsere
Vorfahren jahrhundertelang Krishna angebetet hatten, um durch das
Vorbild seines Heroenlebens zu einem heldenhaften Wirken und Dulden hier
auf Erden aufgemuntert und durch seine Gnade gestärkt zu werden, und um
dann nach dem Tode in sein Freudenparadies einzugehen und dort
himmlische Wonne zu genießen. Nun aber hätten wir, die Nachkommen uns
dort eingefunden, um aus dem Munde eines vollkommenen Buddha die Worte
der Wahrheit zu vernehmen, um zu lernen, einen lauteren, heiligen Wandel
zu führen, und schließlich, durch völlige Überwindung jedes Verlangens
nach dem Vergänglichen, das Ende des Leidens zu erreichen, das Nirvana.
So vollende er, der Buddha, der völlig Erwachte, das Werk des träumenden
Gottes, so vollendeten wir, die Erwachsenen, was unsere Vorfahren in
kindlich erhabenem Schwärmen begonnen hätten.
"Dort seht ihr," sagte er, "wie ein trefflicher Künstler längst
vergangener Tage den Elefantenkampf Krishnas in Stein gebildet hat"--und
er zeigte auf ein mächtiges Reliefstück, das fast vor meinen Füßen lag,
die eine Ecke in den Rasen bohrend, die andere auf ein halb begrabenes
Kapital gestützt. In der letzten Sonnenglut, die den bemoosten Stein
streifte, erkannte man noch deutlich eine Gruppe--einen Jüngling, der,
den Fuß auf den Kopf eines gefallenen Ilfen setzend, diesem einen Hauer
ausbricht.
Und der Erhabene erzählte nun, wie der König von Mathura, der
schreckliche Tyrann Kamsa, nachdem er Krishna zu einem Wettkampf an
seinem Hofe eingeladen hatte, im geheimen seinem Elefantentreiber
befahl, am Eingang des Kampfplatzes den wildesten Kriegselefanten aus
seinem Stalle auf den ahnungslosen Jüngling zu hetzen. Wie aber dann
dieser das Ungetüm tötete und, zum Schrecken des Königs, blutbesprengt
und den abgebrochenen Hauer in der Hand, die Arena betrat.
"Aber auch auf den Erhabenen"--so führte er weiter aus--"hatten seine
Feinde einen wilden Elefanten gehetzt. Und beim Anblick des
heranstürmenden Ungetüms wurde der Erhabene von Mitleid ergriffen. Denn
das Blut strömte dem Tiere am Bug herunter aus den Wunden, die ihm die
Lanzen der Hetzer beigebracht hatten. Noch mehr aber erfaßte ihn
Mitleid, weil er da ein armes, in blindwütender Leidenschaft befangenes
Wesen vor sich sah, von der Natur mit Mut und ungeheurer Kraft begabt,
aber mit wenig Verstand versehen, und um dies Wenige durch die
Grausamkeit schlechter Menschen gebracht, die es in einen Zustand von
Wahnsinn gesetzt hatten, in welchem es nun gar einen Buddha umbringen
mußte:--ein wildes, verblendetes Wesen, dem es nur schwer gelingen
mochte, durch unendlich lange Wanderungen günstiges Menschentum zu
erlangen und den Weg der Erlösung zu betreten. Solchermaßen von Mitleid
ganz erfüllt, konnte der Erhabene keine Furcht empfinden, und kein
Gedanke an eigene Gefahr konnte in ihm aufkommen. Denn er überlegte
sich: wenn es mir gelänge, auch nur den schwächsten Lichtstrahl in diese
stürmische Finsternis zu werfen, so würde ein solcher Lichtsamen nach
und nach aufgehen, und wenn dann dies Wesen, durch dessen Schein
geleitet, Menschentum erreichte, dann würde es auf Erden noch die Lehre
des Erhabenen vorfinden, den es einst erschlug, und diese Lehre würde
ihm zur Erlösung verhelfen.
"Von diesem Gedanken erfüllt, blieb der Erhabene mitten auf der Straße
stehen, erhob besänftigend die Hand, blickte den Wüterich liebevoll an
und sprach milde Worte, deren Klang das Herz des Wilden erreichte. Der
riesige Ilf stockte in seinem Sturmlauf, wiegte unschlüssig seinen
bergähnlichen Kopf hin und her, indem er anstatt des Donnergebrülls, das
er vorher hatte hören lassen, einige fast ängstliche Trompetenrufe
ausstieß. Dabei bewegte er den Rüssel in der Luft suchend nach allen
Richtungen hin und her--so wie es ein angeschossener Elefant im Walde
tut, wenn er die Fährte seines verborgenen Feindes verloren hat und sie
wieder aufzuwittern hofft--und in der Tat hatte dieser sich ja in seinem
Feinde geirrt. Endlich kam er langsam bis auf einige Schritte an den
Erhabenen heran und beugte die Kniee, wie er es vor seinem Herrn zu tun
gewohnt war, wenn dieser ihn besteigen wollte. Und von dem bezähmten
Elefanten gefolgt, trat der Erhabene zur Beschämung seiner Feinde in den
Park hinein, nach welchem er eben unterwegs war.
"Auf solche Weise"--so schloß der Buddha diesen Vergleich--"nimmt der
Erhabene den Elefantenkampf Krishhas auf, vergeistigt ihn, veredelt ihn,
vervollkommnet ihn!"
Während ich dieser Erzählung lauschte--wie konnte ich da anders als an
Angulimala denken, den Wildesten der Wilden, der noch gestern den Buddha
hatte umbringen wollen und durch die unwiderstehliche Macht seiner
Persönlichkeit bezähmt, ja bekehrt worden war, so daß ich ihn jetzt
drüben in den Reihen der Mönche andächtig sitzen sah--selbst im Äußeren
ein anderer geworden. Und so erschien es mir denn, daß die Worte des
Erhabenen ganz besonders an mich gerichtet waren, als an die einzige
Person--wenigstens außerhalb des Mönchskreises--die um diese Sache wußte
und den geheimen Sinn der Rede verstehen konnte.
Weiter sprach nun der Erhabene von Krishna als dem
"sechzehntausendeinhundertfachen Bräutigam", als welchen ihn unsere
Vorfahren hier geehrt hatten, und wieder hatte ich ein Gefühl, als ob
dieses einen geheimen Bezug auf mich hätte, denn ich erinnerte mich ja,
wie in jener Nacht unserer letzten Zusammenkunft die häßliche alte Hexe
den göttlichen Heros mit diesem Namen genannt hatte, den ich nicht ganz
ohne Herzklopfen vernahm. Mit einem leisen Anflug von Humor erzählte der
Erhabene dann, wie Krishna von allen den Schätzen Besitz nahm, die er
aus der Burg des Dämonenkönigs Naraka entführt hatte. 'Und an einem
glücklichen Tage,' heißt es, 'vermählte er sich mit all den Jungfrauen,
zu gleicher Zeit, indem er jeder einzelnen als ihr Gatte erschien.
Sechzehntausendeinhundert aber war die Zahl seiner Frauen, und in so
vielen einzelnen Gestalten verkörperte sich der Gott, so daß ein jedes
Mädchen meinte: mich allein hat der Herr erwählt.'
"Wenn ich aber"--also fuhr der Erhabene fort--"die Lehre verkünde und
vor mir eine Versammlung von mehreren hundert Mönchen und Nonnen und
Laienanhängern beiderlei Geschlechtes lauschend sitzt, denkt ein jeder
von allen diesen Zuhörern: 'Nur für mich hat der Asket Gautama die Lehre
verkündet.' Denn auf das einzelne Gemüt eines jeden Friedensuchenden
richte ich da die Kraft meines Geistes, bringe es zur Ruhe, einige es,
füge es zusammen.
"So halte ich es allezeit, und auf diese Weise nehme ich den
sechzehntausendeinhundertfachen Bräutigamsstand Krishnas auf,
durchgeistige ihn, veredle ihn, vollende ihn."
Da war es mir nun, als ob der Erhabene meine Gedanken mir abgelesen
hätte und mir einen geheimen Verweis gäbe, auf daß ich nicht durch den
Wahn einer bevorzugten Stellung eine verderbliche Eitelkeit in mir
aufkommen ließe.
Und der Buddha sprach nun weiter davon, wie Krishna nach dem Glauben
unserer Vorfahren, obschon er an sich der höchste Gott war, der die
ganze Welt trägt und erhält, dennoch durch Mitleid mit den Wesen bewegt,
mit einem Teil seines Selbstes von seinem hohen Himmel herabstieg und
sich als Mensch unter Menschen gebären ließ. Ihn aber, den Erhabenen,
als er nach heißem Ringen die vollkommene Erleuchtung, die selige,
unerschütterliche Erlösungsgewißheit sich zu eigen gemacht hatte, kam
das Verlangen an, im Genuß dieser seligen Heiterkeit zu verharren und
Anderen die Lehre nicht zu verkünden. "Denn dies genußsüchtige
Geschlecht--so dachte ich--wird das Sichlosmachen von allen Gebilden,
die Versiegung der Lebenslust, die Wahnerlöschung kaum verstehen, und
aus der Darlegung der Lehre wird mir nur Mühe und Plage erwachsen. So
neigte sich mein Gemüt zur Verschlossenheit, nicht zur Darlegung der
Lehre. Und ich blickte dann noch einmal mit dem erwachten Auge in die
Welt. Und wie man in einem Lotusweiher einige Lotusrosen sieht, die sich
im Wasser entwickeln und unter dem Wasserspiegel bleiben, andere, die
bis zum Wasserspiegel dringen und darauf schwimmen, und endlich
einzelne, die über das Wasser emporsteigen und unbenetzt vom Wasser
dastehen: also sah ich in der Welt Wesen gemeiner Art und Wesen edler
Art und Wesen der edelsten Art. Und ich dachte: Ohne Gehör der Lehre
verlieren sie sich: diese werden die Lehre verstehen. Und aus Mitleid
mit den Wesen entschloß ich mich dazu, auf den ungetrübten Besitz der
seligen Nirvanaruhe zeitweilig zu verzichten und der Welt die Lehre zu
verkünden.
"So nimmt ein vollkommener Buddha Krishnas Herabsteigen vom Himmel und
sein Menschwerden auf, verinnigt es, verklärt es, vollendet es."
Da kam mir ein Gefühl unsagbarer Freude, denn ich wußte, daß der Buddha
mich zu den Lotusrosen zählte, die aus der Wassertiefe bis zur
Spiegelfläche gedrungen sind, und daß ich durch seine Hilfe einst mich
darüber emporheben und frei dastehen würde, unbenetzt von der Materie.
Und der Erhabene erzählte die Heroentaten Krishnas, durch welche er zum
Heile der Wesen die Welt von Unholden und bösen Herrschern befreite,
indem er die Schlange der Gewässer Koliya bezwang, den stiergestaltigen
Dämon Aristha erschlug, die verheerenden Unholde Dhenuka und Kishi und
den Dämonenfürsten Naraka vernichtete, die bösen Könige Kamsa und
Paundraka und andere blutige Tyrannen, den Schrecken hilfloser Menschen,
besiegte und tötete und so auf mannigfache Weise das leidige Los der
Menschen linderte. Der Erhabene aber bekämpfe nicht die Feinde, die von
außen die Menschen bedrohen, sondern die Unholde in seinem eigenen
Herzen: Gier, Haß und Irrwahn, Eigenliebe, Lustverlangen, Durst nach
Vergänglichem; und er befreie nicht die Menschheit von diesem und jenem
Ungemach, sondern vom Leiden.
Vom Leiden sprach dann der Gesegnete, wie es überall und immer dem Leben
als sein Schatten folgt. Da war es mir, als ob eine milde Hand mein
eigenes Liebesleiden aufhöbe, von mir wegnähme, und es in die große
Leidensmasse hineinwürfe, wo es in dem allgemeinem Strudel meinem Blick
entschwand. Innig tief empfand ich, daß ich da kein Recht auf dauerndes
Glück habe, wo Alle leiden. Ich hatte mein Glück genossen: es war
entstanden, hatte sich entfaltet und war vergangen, wie uns der Buddha
lehrte, daß Alles in dieser Welt durch eine Ursache entsteht und nach
Verlauf seiner Zeit--über kurz oder lang--wieder vergehen muß; und daß
eben diese Vergänglichkeit, in welcher die Wesenlosigkeit eines jeden
Dinges sich entschleiert, der letzte unaufhebbare Grund des Leidens
sei--unaufhebbar, solange die Daseinslust unausgerottet fortwuchert und
immer Neues entstehen läßt. Ja, wie ein jeder an diesem Weltleiden schon
durch sein Dasein mitschuldig ist, so müsse ich--kam es mir vor--wenn
ich von Schmerz verschont geblieben wäre, mich jetzt doppelt schuldig
fühlen und ein Verlangen empfinden, auch mein Teil zu tragen. So konnte
ich denn nicht mehr mein eigenes Los bejammern, vielmehr wurde bei
seinen Worten der Gedanke in mir wach: "O, daß doch alle Wesen nicht
länger zu leiden hätten! daß doch diesem Heiligen sein Erlösungswerk so
gelänge, daß sie Alle, Alle entsündigt und erleuchtet, das Ende alles
Leidens erreichten!"
Und auch von diesem Ende des Leidens und der Welt, von der Überwindung
jeder Daseinsform, von der Erlösung in wunschloser Gleichmütigkeit, von
der Wahnerlöschung, von Nirvana sprach nun der Meister--seltsame,
wunderbare Worte von der einzigen Insel im wogenden Meere des Werdens,
dessen Todesbrandung machtlos an ihrem Felsenufer zerschäumte, und nach
welcher die Lehre des Vollendeten wie ein sicheres Fahrzeug
hinüberführe. Und er sprach von dieser seligen Stätte des Friedens,
nicht wie Einer spricht, der uns erzählt, was er von Anderen--von
Priestern--gehört hat, und auch nicht wie ein Sänger, der seine
Einbildungskraft schweifen läßt, sondern wie Einer, der Selbsterlebtes
und Geschautes mitteilt.
Vieles freilich sagte er dabei, was ich, die ungelehrte Frau, nicht
verstand, und was wohl selbst dem Gelehrtesten nicht leicht verständlich
gewesen wäre, Manches vermochte ich nicht miteinander zu verknüpfen,
denn hier war Sein und Nichtsein zugleich, nicht Leben und doch noch
weniger Leblosigkeit. Mir war aber zu Mute, wie einem, der ein neues,
allen anderen unähnliches Lied hört, von dem er nur wenige Worte
auffassen kann, während die Töne ihm Alles sagend ins Herz dringen. Und
welche Töne! Töne von solch kristallener Reinheit, daß alle anderen
dagegen gehalten, Einem wie leeres Geräusch vorkommen mußten, Klänge,
die von so fern her, von solch überweltlichen Höhen herübergrüßten, daß
eine neue, ungeahnte Sehnsucht erweckt wurde, von der man fühlte, daß
sie von nichts Irdischem oder Erdenähnlichem jemals gestillt werden
könnte, und daß sie ungestillt nie mehr ganz schwinden würde.
Unterdessen war es völlig Nacht geworden. Das schwache Licht des Mondes,
der hinter dem Tempel aufging, warf dessen Schatten quer über die ganze
Waldwiese. Kaum sah man noch die Gestalt des Redners. Diese
übermenschlichen Worte schienen aus dem Heiligtum selber herauszutönen,
das alle die tausende wilden und wirren, lebentäuschenden Gestalten
wieder in seine Schattenmasse verschlungen hatte und in einfachen,
wuchtigen Formen sich auftürmte--ein Grabmal alles irdischen und
himmlischen Lebens.
Die Hände um die Kniee gefaltet, saß ich lauschend da und blickte zum
Himmel empor, wo große Sterne über den dunkeln Baumwipfeln funkelten.
Leuchtend durchquerte ihn die himmlische Ganga. Da gedachte ich jener
Stunde, als wir beide hier an derselben Stelle feierlich die Hände zu
ihr emporhoben und bei ihren silbernen Fluten, die diese Lotusteiche
speisen, uns zuschworen, hier, im Paradiese des Westens, uns
wiederzusehen--in einem Freudenhimmel, gleich demjenigen Krishnas, von
welchem jetzt auch der Erhabene sprach, als von dem Orte, dem die
Gläubigen zustrebten. Und als ich daran dachte, wurde mir wehmütig ums
Herz, aber ich konnte kein Verlangen in mir spüren nach einem solchen
Paradiesleben--denn ein Schimmer von etwas unendlich Höherem hatte mein
Auge erleuchtet.
Und ohne Enttäuschung, ohne schmerzliche Bewegung, wie etwa bei Einem,
dem die teuerste Hoffnung zerstört wird, vernahm ich die Worte des
Erhabenen:
"Alles Entstandene auflösend weht dahin der Verwesung Hauch,
Wie ein irdischer Prachtgarten welken Paradiesblumen auch."