XXXVI. BUDDHA UND KRISHNA

Die untergehende Sonne schoß ihre Strahlenbündel zwischen die Stämme

hindurch, die lautlos wartende Versammlung im Waldesgrunde gleichsam mit

einem göttlichen Segensgruß weihend, und rosige Abendwölkchen lugten

immer leuchtender durch die Baumwipfel, als ob draußen, aus der Bläue

der Luft hervorschwebend, eine zweite Versammlung himmlischer Scharen

sich bildete.

Der Tempelbau vor mir trank mit seinen schwarzen, zerbröckelten Steinen

diese letzte Sonnenglut, wie ein hinfälliger Alter einen

Verjüngungstrank schlürft. Unter dem Zauber der rotgoldigen Lichter und

der purpurnen Schatten belebten seine Massen sich wunderbar. Die

schartigen Ränder der Säulenkannelüren glitzerten, die Ecken sprühten,

die Schnecken krümmten sich, das Wellenmuster schäumte Gold, das

Blätterwerk wuchs. Die stufenartigen Absätze des hohen Unterbaues

entlang, um Plinthen und Kapitäle, am Gebälk und auf den Terrassen des

kuppelförmigen Daches--überall regte es sich in wirrem Durcheinander

seltsamer und mystischer Formen. Götter traten im Glorienschein hervor,

mehrköpfige und vielarmige Gestalten mit üppig wuchernden, vielfach

verstümmelten Gliedmaßen, dieser vier kopflose Hälse streckend, jener

acht Armstümpfe schwenkend. Brüste und Hüften schwellgliedriger

Göttinnen entschleierten sich und wälzten sich heran, und ihre runden

Gesichter neigten sich unter der Last turmhoher diademgeschmückter

Haaraufsätze, ein sonniges Lächeln um die vollen, sinnigen Lippen. Die

Schlangenleiber der Dämonen wanden sich, Greifenflügel spannten sich,

zähnefletschend grinsten grimme Unholdsfratzen; Menschenkörper

wimmelten, Elefantenrüssel, Pferdeköpfe, Stierhörner, Hirschgeweihe,

Krokodilkiefer, Affenmäuler und Tigerrachen taumelten in wirrem Knäuel

durcheinander.

Das war kein bildwerkgeschmückter Bau mehr: das waren lebendig gewordene

Bildwerke, die, den Bann des Bauwerkes brechend, sich von seiner Masse

loslösten und diese kaum noch als Stütze duldeten. Eine ganze Welt

schien aus ihrem steinernen Schlaf erwacht zu sein und mit ihren

Tausenden von Gestalten sich hervorzudrängen um zu lauschen--dem Manne

zu lauschen, der dort von ihrem Schwarm umschlossen und überschattet auf

der obersten Stufe stand, golden glänzend in den länglich herabfallenden

Mantelfalten--er, der Lebendige, der einzig Ruhige mitten im unruhigen

Wahnleben des Leblosen.

Jetzt war es, als ob die Stille der Versammlung noch tiefer würde, ja,

mir schien es, daß auch die Bäume ihr Blätterlispeln einstellten.

Und der Erhabene hub an zu reden.

Er sprach von dem Tempel, auf dessen Stufen er stand, und wo unsere

Vorfahren jahrhundertelang Krishna angebetet hatten, um durch das

Vorbild seines Heroenlebens zu einem heldenhaften Wirken und Dulden hier

auf Erden aufgemuntert und durch seine Gnade gestärkt zu werden, und um

dann nach dem Tode in sein Freudenparadies einzugehen und dort

himmlische Wonne zu genießen. Nun aber hätten wir, die Nachkommen uns

dort eingefunden, um aus dem Munde eines vollkommenen Buddha die Worte

der Wahrheit zu vernehmen, um zu lernen, einen lauteren, heiligen Wandel

zu führen, und schließlich, durch völlige Überwindung jedes Verlangens

nach dem Vergänglichen, das Ende des Leidens zu erreichen, das Nirvana.

So vollende er, der Buddha, der völlig Erwachte, das Werk des träumenden

Gottes, so vollendeten wir, die Erwachsenen, was unsere Vorfahren in

kindlich erhabenem Schwärmen begonnen hätten.

"Dort seht ihr," sagte er, "wie ein trefflicher Künstler längst

vergangener Tage den Elefantenkampf Krishnas in Stein gebildet hat"--und

er zeigte auf ein mächtiges Reliefstück, das fast vor meinen Füßen lag,

die eine Ecke in den Rasen bohrend, die andere auf ein halb begrabenes

Kapital gestützt. In der letzten Sonnenglut, die den bemoosten Stein

streifte, erkannte man noch deutlich eine Gruppe--einen Jüngling, der,

den Fuß auf den Kopf eines gefallenen Ilfen setzend, diesem einen Hauer

ausbricht.

Und der Erhabene erzählte nun, wie der König von Mathura, der

schreckliche Tyrann Kamsa, nachdem er Krishna zu einem Wettkampf an

seinem Hofe eingeladen hatte, im geheimen seinem Elefantentreiber

befahl, am Eingang des Kampfplatzes den wildesten Kriegselefanten aus

seinem Stalle auf den ahnungslosen Jüngling zu hetzen. Wie aber dann

dieser das Ungetüm tötete und, zum Schrecken des Königs, blutbesprengt

und den abgebrochenen Hauer in der Hand, die Arena betrat.

"Aber auch auf den Erhabenen"--so führte er weiter aus--"hatten seine

Feinde einen wilden Elefanten gehetzt. Und beim Anblick des

heranstürmenden Ungetüms wurde der Erhabene von Mitleid ergriffen. Denn

das Blut strömte dem Tiere am Bug herunter aus den Wunden, die ihm die

Lanzen der Hetzer beigebracht hatten. Noch mehr aber erfaßte ihn

Mitleid, weil er da ein armes, in blindwütender Leidenschaft befangenes

Wesen vor sich sah, von der Natur mit Mut und ungeheurer Kraft begabt,

aber mit wenig Verstand versehen, und um dies Wenige durch die

Grausamkeit schlechter Menschen gebracht, die es in einen Zustand von

Wahnsinn gesetzt hatten, in welchem es nun gar einen Buddha umbringen

mußte:--ein wildes, verblendetes Wesen, dem es nur schwer gelingen

mochte, durch unendlich lange Wanderungen günstiges Menschentum zu

erlangen und den Weg der Erlösung zu betreten. Solchermaßen von Mitleid

ganz erfüllt, konnte der Erhabene keine Furcht empfinden, und kein

Gedanke an eigene Gefahr konnte in ihm aufkommen. Denn er überlegte

sich: wenn es mir gelänge, auch nur den schwächsten Lichtstrahl in diese

stürmische Finsternis zu werfen, so würde ein solcher Lichtsamen nach

und nach aufgehen, und wenn dann dies Wesen, durch dessen Schein

geleitet, Menschentum erreichte, dann würde es auf Erden noch die Lehre

des Erhabenen vorfinden, den es einst erschlug, und diese Lehre würde

ihm zur Erlösung verhelfen.

"Von diesem Gedanken erfüllt, blieb der Erhabene mitten auf der Straße

stehen, erhob besänftigend die Hand, blickte den Wüterich liebevoll an

und sprach milde Worte, deren Klang das Herz des Wilden erreichte. Der

riesige Ilf stockte in seinem Sturmlauf, wiegte unschlüssig seinen

bergähnlichen Kopf hin und her, indem er anstatt des Donnergebrülls, das

er vorher hatte hören lassen, einige fast ängstliche Trompetenrufe

ausstieß. Dabei bewegte er den Rüssel in der Luft suchend nach allen

Richtungen hin und her--so wie es ein angeschossener Elefant im Walde

tut, wenn er die Fährte seines verborgenen Feindes verloren hat und sie

wieder aufzuwittern hofft--und in der Tat hatte dieser sich ja in seinem

Feinde geirrt. Endlich kam er langsam bis auf einige Schritte an den

Erhabenen heran und beugte die Kniee, wie er es vor seinem Herrn zu tun

gewohnt war, wenn dieser ihn besteigen wollte. Und von dem bezähmten

Elefanten gefolgt, trat der Erhabene zur Beschämung seiner Feinde in den

Park hinein, nach welchem er eben unterwegs war.

"Auf solche Weise"--so schloß der Buddha diesen Vergleich--"nimmt der

Erhabene den Elefantenkampf Krishhas auf, vergeistigt ihn, veredelt ihn,

vervollkommnet ihn!"

Während ich dieser Erzählung lauschte--wie konnte ich da anders als an

Angulimala denken, den Wildesten der Wilden, der noch gestern den Buddha

hatte umbringen wollen und durch die unwiderstehliche Macht seiner

Persönlichkeit bezähmt, ja bekehrt worden war, so daß ich ihn jetzt

drüben in den Reihen der Mönche andächtig sitzen sah--selbst im Äußeren

ein anderer geworden. Und so erschien es mir denn, daß die Worte des

Erhabenen ganz besonders an mich gerichtet waren, als an die einzige

Person--wenigstens außerhalb des Mönchskreises--die um diese Sache wußte

und den geheimen Sinn der Rede verstehen konnte.

Weiter sprach nun der Erhabene von Krishna als dem

"sechzehntausendeinhundertfachen Bräutigam", als welchen ihn unsere

Vorfahren hier geehrt hatten, und wieder hatte ich ein Gefühl, als ob

dieses einen geheimen Bezug auf mich hätte, denn ich erinnerte mich ja,

wie in jener Nacht unserer letzten Zusammenkunft die häßliche alte Hexe

den göttlichen Heros mit diesem Namen genannt hatte, den ich nicht ganz

ohne Herzklopfen vernahm. Mit einem leisen Anflug von Humor erzählte der

Erhabene dann, wie Krishna von allen den Schätzen Besitz nahm, die er

aus der Burg des Dämonenkönigs Naraka entführt hatte. 'Und an einem

glücklichen Tage,' heißt es, 'vermählte er sich mit all den Jungfrauen,

zu gleicher Zeit, indem er jeder einzelnen als ihr Gatte erschien.

Sechzehntausendeinhundert aber war die Zahl seiner Frauen, und in so

vielen einzelnen Gestalten verkörperte sich der Gott, so daß ein jedes

Mädchen meinte: mich allein hat der Herr erwählt.'

"Wenn ich aber"--also fuhr der Erhabene fort--"die Lehre verkünde und

vor mir eine Versammlung von mehreren hundert Mönchen und Nonnen und

Laienanhängern beiderlei Geschlechtes lauschend sitzt, denkt ein jeder

von allen diesen Zuhörern: 'Nur für mich hat der Asket Gautama die Lehre

verkündet.' Denn auf das einzelne Gemüt eines jeden Friedensuchenden

richte ich da die Kraft meines Geistes, bringe es zur Ruhe, einige es,

füge es zusammen.

"So halte ich es allezeit, und auf diese Weise nehme ich den

sechzehntausendeinhundertfachen Bräutigamsstand Krishnas auf,

durchgeistige ihn, veredle ihn, vollende ihn."

Da war es mir nun, als ob der Erhabene meine Gedanken mir abgelesen

hätte und mir einen geheimen Verweis gäbe, auf daß ich nicht durch den

Wahn einer bevorzugten Stellung eine verderbliche Eitelkeit in mir

aufkommen ließe.

Und der Buddha sprach nun weiter davon, wie Krishna nach dem Glauben

unserer Vorfahren, obschon er an sich der höchste Gott war, der die

ganze Welt trägt und erhält, dennoch durch Mitleid mit den Wesen bewegt,

mit einem Teil seines Selbstes von seinem hohen Himmel herabstieg und

sich als Mensch unter Menschen gebären ließ. Ihn aber, den Erhabenen,

als er nach heißem Ringen die vollkommene Erleuchtung, die selige,

unerschütterliche Erlösungsgewißheit sich zu eigen gemacht hatte, kam

das Verlangen an, im Genuß dieser seligen Heiterkeit zu verharren und

Anderen die Lehre nicht zu verkünden. "Denn dies genußsüchtige

Geschlecht--so dachte ich--wird das Sichlosmachen von allen Gebilden,

die Versiegung der Lebenslust, die Wahnerlöschung kaum verstehen, und

aus der Darlegung der Lehre wird mir nur Mühe und Plage erwachsen. So

neigte sich mein Gemüt zur Verschlossenheit, nicht zur Darlegung der

Lehre. Und ich blickte dann noch einmal mit dem erwachten Auge in die

Welt. Und wie man in einem Lotusweiher einige Lotusrosen sieht, die sich

im Wasser entwickeln und unter dem Wasserspiegel bleiben, andere, die

bis zum Wasserspiegel dringen und darauf schwimmen, und endlich

einzelne, die über das Wasser emporsteigen und unbenetzt vom Wasser

dastehen: also sah ich in der Welt Wesen gemeiner Art und Wesen edler

Art und Wesen der edelsten Art. Und ich dachte: Ohne Gehör der Lehre

verlieren sie sich: diese werden die Lehre verstehen. Und aus Mitleid

mit den Wesen entschloß ich mich dazu, auf den ungetrübten Besitz der

seligen Nirvanaruhe zeitweilig zu verzichten und der Welt die Lehre zu

verkünden.

"So nimmt ein vollkommener Buddha Krishnas Herabsteigen vom Himmel und

sein Menschwerden auf, verinnigt es, verklärt es, vollendet es."

Da kam mir ein Gefühl unsagbarer Freude, denn ich wußte, daß der Buddha

mich zu den Lotusrosen zählte, die aus der Wassertiefe bis zur

Spiegelfläche gedrungen sind, und daß ich durch seine Hilfe einst mich

darüber emporheben und frei dastehen würde, unbenetzt von der Materie.

Und der Erhabene erzählte die Heroentaten Krishnas, durch welche er zum

Heile der Wesen die Welt von Unholden und bösen Herrschern befreite,

indem er die Schlange der Gewässer Koliya bezwang, den stiergestaltigen

Dämon Aristha erschlug, die verheerenden Unholde Dhenuka und Kishi und

den Dämonenfürsten Naraka vernichtete, die bösen Könige Kamsa und

Paundraka und andere blutige Tyrannen, den Schrecken hilfloser Menschen,

besiegte und tötete und so auf mannigfache Weise das leidige Los der

Menschen linderte. Der Erhabene aber bekämpfe nicht die Feinde, die von

außen die Menschen bedrohen, sondern die Unholde in seinem eigenen

Herzen: Gier, Haß und Irrwahn, Eigenliebe, Lustverlangen, Durst nach

Vergänglichem; und er befreie nicht die Menschheit von diesem und jenem

Ungemach, sondern vom Leiden.

Vom Leiden sprach dann der Gesegnete, wie es überall und immer dem Leben

als sein Schatten folgt. Da war es mir, als ob eine milde Hand mein

eigenes Liebesleiden aufhöbe, von mir wegnähme, und es in die große

Leidensmasse hineinwürfe, wo es in dem allgemeinem Strudel meinem Blick

entschwand. Innig tief empfand ich, daß ich da kein Recht auf dauerndes

Glück habe, wo Alle leiden. Ich hatte mein Glück genossen: es war

entstanden, hatte sich entfaltet und war vergangen, wie uns der Buddha

lehrte, daß Alles in dieser Welt durch eine Ursache entsteht und nach

Verlauf seiner Zeit--über kurz oder lang--wieder vergehen muß; und daß

eben diese Vergänglichkeit, in welcher die Wesenlosigkeit eines jeden

Dinges sich entschleiert, der letzte unaufhebbare Grund des Leidens

sei--unaufhebbar, solange die Daseinslust unausgerottet fortwuchert und

immer Neues entstehen läßt. Ja, wie ein jeder an diesem Weltleiden schon

durch sein Dasein mitschuldig ist, so müsse ich--kam es mir vor--wenn

ich von Schmerz verschont geblieben wäre, mich jetzt doppelt schuldig

fühlen und ein Verlangen empfinden, auch mein Teil zu tragen. So konnte

ich denn nicht mehr mein eigenes Los bejammern, vielmehr wurde bei

seinen Worten der Gedanke in mir wach: "O, daß doch alle Wesen nicht

länger zu leiden hätten! daß doch diesem Heiligen sein Erlösungswerk so

gelänge, daß sie Alle, Alle entsündigt und erleuchtet, das Ende alles

Leidens erreichten!"

Und auch von diesem Ende des Leidens und der Welt, von der Überwindung

jeder Daseinsform, von der Erlösung in wunschloser Gleichmütigkeit, von

der Wahnerlöschung, von Nirvana sprach nun der Meister--seltsame,

wunderbare Worte von der einzigen Insel im wogenden Meere des Werdens,

dessen Todesbrandung machtlos an ihrem Felsenufer zerschäumte, und nach

welcher die Lehre des Vollendeten wie ein sicheres Fahrzeug

hinüberführe. Und er sprach von dieser seligen Stätte des Friedens,

nicht wie Einer spricht, der uns erzählt, was er von Anderen--von

Priestern--gehört hat, und auch nicht wie ein Sänger, der seine

Einbildungskraft schweifen läßt, sondern wie Einer, der Selbsterlebtes

und Geschautes mitteilt.

Vieles freilich sagte er dabei, was ich, die ungelehrte Frau, nicht

verstand, und was wohl selbst dem Gelehrtesten nicht leicht verständlich

gewesen wäre, Manches vermochte ich nicht miteinander zu verknüpfen,

denn hier war Sein und Nichtsein zugleich, nicht Leben und doch noch

weniger Leblosigkeit. Mir war aber zu Mute, wie einem, der ein neues,

allen anderen unähnliches Lied hört, von dem er nur wenige Worte

auffassen kann, während die Töne ihm Alles sagend ins Herz dringen. Und

welche Töne! Töne von solch kristallener Reinheit, daß alle anderen

dagegen gehalten, Einem wie leeres Geräusch vorkommen mußten, Klänge,

die von so fern her, von solch überweltlichen Höhen herübergrüßten, daß

eine neue, ungeahnte Sehnsucht erweckt wurde, von der man fühlte, daß

sie von nichts Irdischem oder Erdenähnlichem jemals gestillt werden

könnte, und daß sie ungestillt nie mehr ganz schwinden würde.

Unterdessen war es völlig Nacht geworden. Das schwache Licht des Mondes,

der hinter dem Tempel aufging, warf dessen Schatten quer über die ganze

Waldwiese. Kaum sah man noch die Gestalt des Redners. Diese

übermenschlichen Worte schienen aus dem Heiligtum selber herauszutönen,

das alle die tausende wilden und wirren, lebentäuschenden Gestalten

wieder in seine Schattenmasse verschlungen hatte und in einfachen,

wuchtigen Formen sich auftürmte--ein Grabmal alles irdischen und

himmlischen Lebens.

Die Hände um die Kniee gefaltet, saß ich lauschend da und blickte zum

Himmel empor, wo große Sterne über den dunkeln Baumwipfeln funkelten.

Leuchtend durchquerte ihn die himmlische Ganga. Da gedachte ich jener

Stunde, als wir beide hier an derselben Stelle feierlich die Hände zu

ihr emporhoben und bei ihren silbernen Fluten, die diese Lotusteiche

speisen, uns zuschworen, hier, im Paradiese des Westens, uns

wiederzusehen--in einem Freudenhimmel, gleich demjenigen Krishnas, von

welchem jetzt auch der Erhabene sprach, als von dem Orte, dem die

Gläubigen zustrebten. Und als ich daran dachte, wurde mir wehmütig ums

Herz, aber ich konnte kein Verlangen in mir spüren nach einem solchen

Paradiesleben--denn ein Schimmer von etwas unendlich Höherem hatte mein

Auge erleuchtet.

Und ohne Enttäuschung, ohne schmerzliche Bewegung, wie etwa bei Einem,

dem die teuerste Hoffnung zerstört wird, vernahm ich die Worte des

Erhabenen:

"Alles Entstandene auflösend weht dahin der Verwesung Hauch,

Wie ein irdischer Prachtgarten welken Paradiesblumen auch."

Der Pilger Kamanita: Ein Legendenroman · 第 43 / 55 题