6. ~Samoa-Inseln~ (2572 qkm) mit 491 Weißen und 40000 Farbigen (1911).

Schon 1879 erwarb das Deutsche Reich hier eine Marinestation, um den

von Hamburger Kaufleuten begründeten Handel zu schützen. 1889 Vertrag

mit England und Nordamerika, um den Parteikämpfen der einheimischen

Könige ein Ende zu machen; 1899 Aufhebung des Königtums. Deutschland

erwirbt die vier westlichen Inseln (S. 407). Hafenstadt +Apia+ auf

der Insel Upolu. Fruchtbares Land; +Ausfuhr+ von Kopra und Kakao.

+Handelsergebnis+ 1910: Ausfuhr und Einfuhr für +je+ rund 3½ Mill.

Mark. Das Christentum schon seit 1830 eingeführt durch englische

Missionare.

7. ~Kiautschou~ (550 qkm), 1898 +auf 99 Jahre gepachtet+, jetzt

1680 Weiße (ohne Truppen) und 162000 Eingeborene. Hafenstadt

+Tsingtau+, gute Handels- und Flottenstation, Ausgangspunkt

der nordost-chinesischen Eisenbahnen. Im Hinterlande reiche

Steinkohlenlager.

Fussnoten:

[57] Geb. 1808 zu Paris, Sohn des Königs von Holland Louis Napoleon und

der Hortense Beauharnais, folgte 1815 seiner Mutter in die Verbannung

und besuchte 8 Jahre das Gymnasium zu Augsburg (S. 365).

[58] ~Wilhelm,~ Prinz von Preußen, geb. 22 März 1797 in Berlin,

1806–9 mit den Eltern in Königsberg und Memel, dann wieder in Berlin,

1813 in Breslau, erwirbt 1814 das Eiserne Kreuz in der Schlacht bei

Bar-sur-Aube; nach dem Friedensschluß unablässig um die Ausbildung

der preußischen Truppen bemüht, 1825 kommandierender General des 3.

Armeekorps, 1829 vermählt mit +Augusta+ von Sachsen-Weimar, übernimmt

1838 das Gardekorps, reist im März 1848 nach England, leitet 1849 den

Feldzug in Baden, lebt dann in Koblenz als Gouverneur von Rheinland und

Westfalen, 1858 Prinz-Regent.

[59] ~Otto v. Bismarck,~ geb. 1. April 1815 in Schönhausen bei Stendal,

1847 und 1848 Mitglied des Vereinigten Landtags, 1849 und 1850 der

zweiten Kammer, 1851 Gesandter beim deutschen Bundestag in Frankfurt,

1859 Gesandter in St. Petersburg, Mai 1862 in Paris.

[60] ~Helmut v. Moltke~, geb. 1800 zu Parchim, anfangs in dänischen

Diensten, dann Hauptmann im preußischen Generalstab, 1835–39 in der

Türkei mit geographischen Forschungen und Besserung des türkischen

Heerwesens beschäftigt, 1845–46 in Rom als Adjutant des Prinzen

Heinrich von Preußen, 1857 an die Spitze des Generalstabs gestellt.

[61] Die +Kapkolonie+ wurde 1601 angelegt und 1795 von den Engländern

besetzt (S. 314), dann nach dem Frieden von Amiens zurückgegeben (S.

320) und 1806 von neuem erobert (S. 331).

~Anhang.~

I. Brandenburgisch-preußische Geschichte.

[Um 780.]

Grenzmarken des deutschen Reiches an der +Elbe+ und +Saale+ zum

Schutz gegen die Wenden gegründet von ~Karl d. Gr.~ Befestigung und

Erweiterung derselben durch die Feldzüge +Heinrichs I.+ (928).

[937–965.]

Markgraf ~Gero~, von König ~Otto I.~ eingesetzt, unterwirft das

Wendenland bis zur Oder. Bistümer +Havelberg+ und +Brandenburg+. Nach

Geros Tode Teilung des Gebiets der Mark: Nordmark, Ostmark, Meißen.

[~983.~]

Aufstand der Wenden, die +Nordmark+ auf das +linke Elbufer+ beschränkt,

Residenz der Markgrafen zu +Salzwedel+.

[~1134–1320.~]

~Askanische (anhaltische) Markgrafen.~

[1134–1170.]

~Albrecht der Bär~, von Kaiser +Lothar+ mit der +Nordmark+ (+Altmark+)

belehnt, erobert die +Priegnitz+ auf dem rechten Elbufer, erwirbt das

+Havelland+ durch Vertrag mit dem christlichen Wendenfürsten Pribislav,

der ihn zum Erben einsetzt, und nennt sich Markgraf von ~Brandenburg~

(S. 179). Wiederherstellung der beiden Bistümer, deutsche Ansiedler

namentlich aus den Niederlanden herbeigezogen.

[1220–1267.]

~Johann I.~ und ~Otto III.~, als Brüder gemeinsam regierend, erweitern

die +Mittelmark+ durch das Gebiet zu beiden Seiten der unteren Spree

(Barnim und Teltow) und gewinnen die +Uckermark+ und +Neumark+ hinzu;

Otto III. erwirbt die +Oberlausitz+ durch Vermählung mit der Schwester

Ottokars von Böhmen. Viele Städte gegründet: Spandau, +Berlin+ um 1240,

Frankfurt a. O., Landsberg u. a.

[1166–1309.]

~Otto IV.~ (mit dem Pfeil) führt Krieg mit dem Erzbistum +Magdeburg+,

bis er die Erwählung seines jüngeren Bruders Erich zum Erzbischof

durchsetzt, erwirbt die +Niederlausitz+.

[1309–1319.]

Markgraf ~Waldemar der Große~ kämpft rühmlich gegen die Nachbarfürsten

(Pommern, Mecklenburg, Meißen), nimmt die Hansestadt +Stralsund+ in

Schutz gegen Dänemark und den Fürsten von Rügen.

[1320–1324.]

Interregnum in der Mark nach dem Erlöschen des +askanischen+ Hauses.

Als Verwandte erheben die Herzöge von Sachsen-Wittenberg (S. 184) und

die Fürsten von Anhalt Ansprüche, aber Kaiser +Ludwig der Bayer+ zieht

das Land als erledigtes Lehen ein (S. 198). Die Lausitz kommt wieder an

Böhmen.

[~1314–1373.~]

~Bayrische Markgrafen.~

+Ludwig I.+, Sohn des Kaisers Ludwig des Bayern; gegen ihn 1348–50 der

+falsche Waldemar+ (S. 199).

+Ludwig II.+ (der Römer) wird 1356 Kurfürst. +Otto+ (der Faule) tritt

1373 das Land an Kaiser Karl IV. ab.

[~1373–1415.~]

~Luxemburgische Markgrafen.~

+Karl IV.+ vereinigt die Mark mit seinem Königreich +Böhmen+,

ordnet die Verwaltung durch Anlegung des +Landbuchs+. Residenz

Tangermünde. Sein Sohn +Sigismund+ (1378) wird König von Ungarn

(1387) und verpfändet die Mark an +Jobst von Mähren+, die Neumark

an den +Deutschen Ritterorden+. Zerrüttung des Landes durch die

Willkürherrschaft des Adels.

[1411–1414.]

+Friedrich VI.+, Burggraf von Nürnberg, aus dem Hause +Hohenzollern+,

als Statthalter von Sigismund eingesetzt, bricht die Macht des

märkischen Raubadels (Dietrich +v. Quitzow+ auf Burg +Friesack+).

[~1415–1701.~]

~Kurfürsten aus dem Hause Hohenzollern.~

Die schwäbischen Grafen von Zollern (Ahnherr: Burchard von Zolorin, †

1061) seit 1192 Burggrafen von +Nürnberg+. 1227 Teilung in zwei Linien:

die +schwäbische+ behält die Stammgüter Hechingen und Sigmaringen, die

+fränkische+ erweitert ihren Besitz zu den Fürstentümern +Ansbach+ und

+Baireuth+.

[~1415–1440.~]

~Friedrich I.~, von Kaiser Sigismund als Kurfürst eingesetzt, belehnt

zu Konstanz 1417 (S. 204), erkämpft von Pommern die +Uckermark+, von

Mecklenburg die +Priegnitz+ zurück, wendet sich dann wieder seinen

fränkischen Fürstentümern zu und bekämpft als Reichsfeldherr die

Hussiten. Sein Sohn +Johann+ Statthalter in der Mark, kann sie gegen

die Hussiten nicht schützen. Ihm folgt in Brandenburg der zweite Sohn

[~1440–1470.~]

~Friedrich II.~ (der Eiserne). Er unterwirft die Städte, namentlich

+Berlin-Kölln+, gründet das Schloß zu Kölln an der Spree, kauft 1455

die +Neumark+ vom Deutschen Orden zurück, erwirbt 1462 von Böhmen einen

Teil der Niederlausitz (+Kottbus+ und +Peitz+).

[~1470–1486.~]

~Albrecht~ (Achilles). 1473 ~Hausordnung~ (+Disposito Achillea+). Die

+Mark+ soll ungeteilt an den ältesten Sohn fallen, in den +fränkischen+

Fürstentümern +nur+ 2 Regenten. Die schlesischen Herzöge (vgl. S. 182)

treten 1482 +Krossen+ und +Züllichau+ an Brandenburg ab. Streit mit

Herzog Bogislav X. von +Pommern+ wegen der Lehnshoheit über Pommern.

[~1486–1499.~]

~Johann~ (Cicero). Die fränkischen Fürstentümer kommen an seine

jüngeren Brüder. +Zossen+ 1490 durch Vertrag mit dem König von Böhmen

erworben. Sorge für die Landesverwaltung im Einverständnis mit den

+Landständen+ (Vertreter des Adels und der Städte).

[~1499–1535.~]

~Joachim I.~ Räubereien des Adels streng bestraft; +Universität+ in

+Frankfurt a. O.+ gestiftet 1506. Judenverfolgung 1510. +Kammergericht

in Berlin+. Vertrag zu +Grimnitz+ 1529: Die Herzöge von +Pommern+

erkennen das Erbfolgerecht Brandenburgs an; dieses verzichtet auf die

Lehnshoheit. +Joachim I.+ eifriger Gegner der Reformation. Sein Bruder

+Albrecht+, Erzbischof von Mainz und Magdeburg, sendet +Tetzel+ aus (s.

S. 227).

[~1535–1571.~]

~Joachim II.~ In der +Neumark+ sein Bruder Markgraf +Johann+ von

Küstrin.

[1537.]

Erbverbrüderung mit dem Herzog von +Liegnitz+, +Brieg+ und +Wohlau+;

diesem werden Krossen, Kottbus, Peitz und Zossen zugesagt für den Fall,

daß das kurfürstliche Haus aussterbe (vgl. S. 281).

[1539.]

~Einführung der Reformation.~ Vom König von Polen erlangt Joachim die

Mitbelehnung über +Preußen+. Seine beiden jüngeren Söhne nacheinander

evangelische Erzbischöfe in +Magdeburg+. (S. auch S. 233.)

[~1190.~]

Der ~Deutsche Ritterorden~ gestiftet bei der Belagerung von Akkon (s.

S. 178f.).

[1230–1283.]

Unterwerfung des Landes ~Preußen~ (s. S. 217).

[1525.]

Umwandlung des Ordensstaates in ein ~weltliches Herzogtum~ unter

polnischer Oberlehnshoheit; Einführung der Reformation. Erster

Herzog der bisherige Hochmeister ~Albrecht von Brandenburg~ (aus der

Ansbachischen Linie).

[~1571–1598.~]

~Johann Georg~ vereint als Kurfürst von Brandenburg wieder die ganze

Mark. 1578 die Mitbelehnung über +Preußen+ erneuert (s. o.). Sein Enkel

+Johann Sigismund+ vermählt sich mit +Anna+, der ältesten Tochter des

Herzogs Albrecht Friedrich von +Preußen+, durch ihre Mutter Nichte und

Erbin des Herzogs Johann Wilhelm von +Jülich+ (S. 252).

[~1598–1608.~]

~Joachim Friedrich~, seit 1566 Administrator des Erzbistums

+Magdeburg+; diese Würde geht 1598 auf seinen Sohn +Christian Wilhelm+

über. ~Geraischer Vergleich~ (1599) mit dem kinderlosen Markgrafen

+Georg Friedrich+ aus der fränkischen Linie: Die +Mark+ verbleibt

ungeteilt der kurfürstlichen Linie, die Stiefbrüder des Kurfürsten

erhalten +Ansbach+ und +Baireuth+, sein zweiter Sohn das schlesische

Fürstentum +Jägerndorf+ (1523 von der fränkischen Linie erworben).

[1604.]

Der +Geheime Rat+ als oberste Regierungsbehörde eingesetzt. Seit 1605

regiert der Kurfürst mit Zustimmung des Königs von Polen in +Preußen+

als +Administrator+ für den geisteskranken Herzog +Albrecht Friedrich+.

[~1608–1619.~]

~Johann Sigismund.~ Nach dem Tode des Herzogs +Johann Wilhelm

von Jülich+ ~Erbfolgestreit~ (1609) zwischen +Pfalz-Neuburg+ und

+Brandenburg+. +Johann Sigismund+ tritt 1613 zur +reformierten+ Kirche

über.

[1614.]

Vertrag zu ~Xanten~ wegen der +jülichschen Erbschaft+: +Cleve+, +Mark+

und +Ravensberg+ an Brandenburg, die ersten Erwerbungen im +Westen+

Deutschlands (s. S. 252).

[1618.]

+Johann Sigismund+ nach +Albrecht Friedrichs+ Tode ~Herzog von Preußen~.

[~1619–1640.~]

~Georg Wilhelm~, geleitet von dem kaiserlich gesinnten Grafen +Adam v.

Schwarzenberg+. Furchtbare Zerrüttung des Landes im Dreißigjährigen

Kriege. +Jägerndorf+ von Kaiser Ferdinand II. eingezogen (S. 280 f.).

+Gustav Adolf+ mit der Schwester des Kurfürsten vermählt, zwingt ihn

zum Bündnis 1631 (S. 256). Brandenburg tritt dem +Prager Frieden+ bei

1635 (S. 258).

[1637.]

Erlöschen des +pommerschen+ Herzogshauses. Brandenburg kann trotz

kaiserlicher Hilfe sein Erbrecht auf Pommern gegen die Schweden nicht

durchsetzen.

[~1640–1688.~]

~Friedrich Wilhelm der Große Kurfürst~ erhebt den

+brandenburgisch-preußischen Staat+ zu einer europäischen Macht,

begründet durch Einschränkung der Rechte der Landstände die

+unbeschränkte Monarchie+ (s. auch S. 265).

Als Kurprinz hatte er in den Niederlanden (1634–1638)

Staatsverwaltung und Kriegskunst gelernt. Er schützt sein Land durch

Waffenstillstandsverträge mit den Schweden, sorgt für den Ackerbau,

begründet ein +stehendes Heer+ (miles perpetuus). Seine Gemahlin +Luise

Henriette+ von Oranien (s. S. 244).

[~1648.~]

Erwerbungen im ~Westfälischen Frieden~: +Hinterpommern+, +Halberstadt+,

+Minden+, +Magdeburg+ (s. S. 260). Magdeburg zunächst noch im

Besitz des Administrators August von Sachsen, wird 1666 besetzt

(der Bürgermeister +Otto von Guericke+). +Postverbindung+ zwischen

den getrennten Landesteilen eingerichtet, ohne Rücksicht auf das

Reichspostprivilegium der Fürsten von Thurn und Taxis. Ordnung der

+Steuern+, Accise für die Städte eingeführt. Universität +Duisburg+

1655 gegründet (1818 aufgehoben), Bibliothek im Schlosse zu +Berlin+.

+Friedrich-Wilhelms-Kanal+ zwischen Oder und Spree 1662–1668 erbaut.

[~1656.~]

Sieg bei ~Warschau~ über die +Polen+, im Bunde mit Schweden (s. S.

267).

[1657.]

Erwerbung von +Lauenburg+ und +Bütow+ in Hinterpommern durch den

Vertrag zu +Wehlau+.

[~1660.~]

Friede zu ~Oliva~; das ~Herzogtum Preußen souverän,~ d. h. frei von

polnischer Lehnshoheit (S. 268). Der Widerstand der preußischen Stände

(Hieronymus Roth, v. Kalkstein) wird durch strenge Maßregeln gebrochen.

[1672.]

Teilnahme am Reichskrieg gegen +Frankreich+, 1674 Feldzug im +Elsaß+

(s. S. 263).

[~1675.~]

Sieg bei ~Fehrbellin~ über die +Schweden+ (Prinz Friedrich von Homburg,

Feldmarschall Derfflinger, der Stallmeister Froben). Der Kurfürst

vertreibt die Schweden aus +Pommern+, erobert 1677 Stettin, 1678 Rügen

und Stralsund, vergilt einen Einfall der Schweden von Livland her durch

einen Kriegszug über das +Frische+ und +Kurische Haff+ (Jan. 1679), muß

aber fast alle Eroberungen im

[1679.]

Frieden zu +St. Germain en Laye+ (S. 263 f.) an Schweden zurückgeben

und schließt noch 1679 ein +Bündnis+ mit +Frankreich+.

[1683.]

Gründung einer +Kolonie+ an der Goldküste von +Guinea+ (Fort

Großfriedrichsburg), nachdem eine Kriegsflotte mit Hilfe des

Holländers Raule eingerichtet war. Kriegshafen +Pillau+; Afrikanische

Handelsgesellschaft in +Emden+.

[1685.]

Bruch mit Frankreich. Aufnahme französischer Protestanten, namentlich

in Berlin.

[1686.]

Vertrag mit +Kaiser Leopold I.+ über Schlesien (S. 281).

[~1688–1713.~]

~Friedrich III.,~ als König ~Friedrich I.~ Das Testament des Großen

Kurfürsten, das den Söhnen aus zweiter Ehe Länderbesitz erteilt, wird

aufgehoben, da es der von Albrecht Achilles gegebenen Hausordnung und

dem Geraischen Vergleich widerspricht.

[1688.]

Brandenburgische Truppen unterstützen +Wilhelms III.+ von Oranien Zug

nach England (S. 271).

Universität +Halle+ gestiftet 1694; ebenda gründet +Aug. Herm.

Francke+ das Waisenhaus. Der +Schwiebuser+ Kreis 1695 an den Kaiser

zurückgegeben (S. 281). Der Minister +Danckelmann,+ gestürzt 1697.

+Charlottenburg+ für des Kurfürsten Gemahlin, die geistvolle +Sophie

Charlotte+ von Hannover, angelegt. Ausbau des Schlosses zu Berlin

(+Schlüter+). Akademie der Künste 1696 gegründet, Akademie der

Wissenschaften 1700 auf Veranlassung des Philosophen +Leibnitz+.

[Sidenote:~1701. 18. Januar~]

~Preußen wird Königreich~ (s. S. 267). Krönung zu +Königsberg+,

Stiftung des +Schwarzen Adlerordens+. Anteil am Spanischen

Erbfolgekriege (s. S. 272 f.). Streit um die +oranische Erbschaft+

nach dem Tode Wilhelms III. (1702). Preußen erlangt 1702 +Mörs+

und +Lingen+, +Neuchâtel+ und +Valengin+. Durch Kauf erworben das

Schutzrecht über die Abtei +Quedlinburg+, Grafschaft +Tecklenburg+ in

Westfalen.

[~1713–1740.~]

~Friedrich Wilhelm I.~ Strenge Sparsamkeit; der glänzende Hofhalt

des Vaters sogleich aufgelöst. Neuordnung der Steuern; auch den

Rittergütern wird 1717 eine Abgabe (statt des Lehnsdienstes zum

Kriege) auferlegt. Oberste Finanzbehörde das +General-Direktorium+

1723; unter ihm die Kriegs- und Domänenkammern. Sorge für den

+Landbau+, besonders in +Ostpreußen+; hier 1732 die aus dem Erzbistum

+Salzburg+ vertriebenen Protestanten angesiedelt. Schutz der Bauern

gegen Willkür der Gutsherrn und der königlichen Beamten. Sorge für

die +Volksschulen+, 1717 der Grundsatz der allgemeinen +Schulpflicht+

verkündet. Beträchtliche Vermehrung des +stehenden Heeres+;

Kanton-Einteilung des Landes 1733 zum Zwecke der Aushebung; daneben die

Anwerbung beibehalten. Die Riesengarde in Potsdam. Fürst Leopold von

Anhalt-Dessau (s. auch S. 280).

Teilnahme am Nordischen Kriege (S. 276 f.). Stettin und Vorpommern bis

zur Peene erworben 1720; die afrikanische Kolonie 1717 (überlassen

1721) an die Holländer verkauft.

[~1740–1786.~]

~Friedrich II., der Große~ (S. 280–291), erwirbt +Schlesien+ 1742,

+Ostfriesland+ 1744, +Westpreußen+ 1772 und erhebt seinen Staat zu

einer europäischen Großmacht. Friedrichs eifrige +Fürsorge für sein

Land,+ um die Wunden der Kriege zu heilen: Verteilung der Vorräte

aus den Magazinen, Steuererlaß für einzelne Provinzen; Gründung der

Landschaftsbanken, der Bank und der Seehandlung in Berlin. 1766

+strenges Steuersystem+ (Regie meist mit französischen Beamten); viele

Verbrauchsgegenstände besteuert, besonders Kaffee und Tabak.

Sorge für die +Rechtspflege+: die Folter 1740 abgeschafft, neue

Gerichtsordnung 1747 (codex Fridericianus, der Justizminister v.

Cocceji). Allgemeines preußisches Landrecht (v. Carmer, Suarez)

erst 1794 vollendet. Sorge für den +Landbau+: das Oderbruch urbar

gemacht 1746–53, das Netzebruch 1773–80. Sorge für +Fabriken+ in

den Städten (1751 Berliner Porzellanmanufaktur), Förderung des

Verkehrs durch +Kanäle+: Plauescher, Finow- und Bromberger Kanal.

General-+Landschul+-Reglement 1763. Erlaß über das Unterrichtswesen

1779. Bauwerke in Berlin (Opernhaus, Dom, Bibliothek) und Potsdam

(Sanssouci, Neues Palais). Unermüdliche Tätigkeit des Königs für

+Verwaltung+ und +Heer+ (150000 Mann stark); jährliche Reisen in die

Provinzen.

[~1786–1797.~]

~Friedrich Wilhelm II.~ (S. 291, 297f., 313f.) erwirbt +Ansbach+ und

+Baireuth+ 1791, +Posen+ 1793, Südpreußen mit +Warschau+ 1795.

Hertzberg 1791 entlassen. Die drückende Regie aufgehoben. Üppigkeit am

Hofe, sorglosere Verwaltung, doch wird der Verkehr durch Anlage von

+Kunststraßen+ (Chausseen) gefördert, das Schulwesen durch Einsetzung

eines Ober-Schulkollegiums. +Religionsedikt+ des Ministers Wollner

1788. Brandenburger Tor 1789–1793 erbaut.

[~1797–1840.~]

~Friedrich Wilhelm III.~ (S. 316 ff.) erwirbt +Münster+, +Paderborn+,

+Hildesheim+ u. a. 1803 (S. 321), tritt Ansbach ab 1805 (S. 323), alles

Land links der Elbe und die polnischen Gebiete 1807 (S. 327), erwirbt

halb +Sachsen+, Schwedisch-+Pommern+, einen großen Teil +Westfalens+

und der +Rheinprovinz+ 1815 (S. 340).

Aufhebung des Religionsedikts 1797. ~Große Reformen von 1807–1811~ s.

S. 328, 329: Die Aufhebung der Erbuntertänigkeit und Feststellung des

bäuerlichen Grundbesitzes befreien den +Bauernstand+; die Aufhebung

des Zunftzwanges, Gewöhnung an Selbstverwaltung (Städteordnung)

und Einführung der Gewerbefreiheit fördern den +Bürgerstand+; die

Einführung der allgemeinen Wehrpflicht kommt der sittlichen Erziehung

des ganzen Volkes zugute. Einziehung der geistlichen Güter. Einteilung

des Staates in 8 Provinzen und 25 Regierungsbezirke 1815. Vereinigung

der lutherischen und reformierten Kirche zu einer +evangelischen+

Landeskirche (+Union+) 1817. Zollgesetz 1818. Neuordnung der Steuern

und des Staatsschuldenwesens 1820. Einrichtung der Provinzial-Landtage

1823. +Deutscher Zollverein+ 1833. Gesetz über die Anlage von

+Eisenbahnen+ 1838. -- Universitäten zu Berlin 1810, Breslau 1811, Bonn

1818; Entwickelung der Gymnasien unter dem Minister v. Altenstein seit

1817; Museum zu Berlin 1830.

[~1840–1861.~]

~Friedrich Wilhelm IV.~ (S. 353ff.) erwirbt +Hohenzollern+ 1849 (S.

359), das +Jahdegebiet+ 1853 (S. 361), verzichtet auf Neuchâtel 1857

(S. 367).

Gesetz über die Armenpflege 1842, Gewerbe-Ordnung 1845, Vereinigter

Landtag 1847 (S. 353). Neue Gerichtsordnung (Geschworenengerichte)

1849. ~Verfassung~ des preußischen Staats 1850 (S. 359). Evangelischer

Ober-Kirchenrat 1850. Gründung einer +preußischen Kriegsflotte+ 1853.

Sorge für Kunst und Wissenschaft; das Neue Museum in Berlin 1855.

[~1861–1888.~]

~Wilhelm I., der Große~, 1857–1861 Prinz-Regent (S. 367), erwirbt 1866

+Schleswig-Holstein+, +Hannover+, +Kurhessen+, +Nassau+, +Frankfurt+

(S. 371–380), wird 1871 ~Deutscher Kaiser~ (S. 381–393).

Neugestaltung des Heerwesens 1860–1862 (S. 372). Umbildung der

preußischen Flotte zu einer +deutschen+ Kriegsflotte seit 1867 (S.

380). Kirchengesetze 1873–1875 (S 393). Verwaltungsreform in den (seit

1. Jan. 1878) 12 Provinzen 1872 bis 1875 (S. 394). Ansiedlungsgesetz

für Posen und Westpreußen (S. 395). Vollendung des Kölner Doms 1880;

Denkmal auf dem Niederwald 1883. Begründung deutscher Kolonien (S. 395).

[~1888.~]

~Friedrich III.~ (März bis Juni) als Kronprinz siegreicher Feldherr (S.

375ff., 382ff.).

[Seit ~1888.~]

~Wilhelm II.~ (S. 396–397). Vermehrung der deutschen Kolonien. Ausbau

der Wasserstraßen in Preußen (S. 396). Fortführung der Gesetzgebung

zum Wohle der Arbeiter, Fortsetzung der Verwaltungsreform (S. 396)

und der Ansiedlungstätigkeit (S. 395). Förderung des Schulwesens,

besonders der technischen Hochschulen. Universität in +Münster+

1902, Akademie in +Posen+ 1903. Technische Hochschulen in +Danzig+

1904, +Breslau+ 1909. Denkmäler in der Siegesallee zu +Berlin+;

Neubau des Doms daselbst 1905 vollendet. Bau einer Pfalz in +Posen+

(1910 vollendet). Erweiterungsbauten der Königlichen Museen,

Neubau der Königlichen Bibliothek in +Berlin+. 1910 Gründung der

+Kaiser-Wilhelms-Gesellschaft+ in +Berlin+ zur +Förderung der

Wissenschaften+.

II. Die andern Staaten des Deutschen Reiches.

~Bayern,~ altes Stammherzogtum, seit 1180 unter Herzögen aus dem Hause

+Wittelsbach+ (S. 184). Herzog Ludwig I. wird 1214 durch Erwerbung der

+Rheinpfalz+ auch +»Pfalzgraf bei Rhein«+ (S. 186, 189). Kaiser +Ludwig

der Bayer+. Bayerische Markgrafen in Brandenburg (S. 198–200). Seit dem

Hausvertrag von Pavia 1329 +Bayern+ und +Pfalz+ getrennt. Bayern 1392

unter drei Linien geteilt, 1503 wieder vereinigt: weitere Teilungen

durch das Primogeniturgesetz 1506 verboten (S. 226).

Herzog +Maximilian I.+, Oberhaupt der katholischen Liga im

Dreißigjährigen Kriege (S. 252 ff.), wird 1623 +Kurfürst+ und erwirbt

die Oberpfalz (S. 254f.). +Maximilian II. Emanuel+ tapfer in den

Türkenkriegen 1683–1688, Statthalter der spanischen Niederlande 1691,

aus Bayern vertrieben 1704, wiedereingesetzt 1714, † 1726. Sein Sohn

+Karl Albert+ 1742–1745 deutscher Kaiser (S. 280ff.). +Maximilian

III. Joseph+ (1745–1777) sorgt für gute Verwaltung, stiftet 1758 die

Akademie der Wissenschaften in München; mit ihm stirbt die bisher in

Bayern regierende Linie aus. +Karl Theodor+ (1777–1799) vereinigt Pfalz

und Bayern (S. 289 ff.), verliert 1797 das linksrheinische Gebiet (S.

316 u. 319).

Maximilian IV. Joseph (1799–1825), seit 1806 +König Maximilian I.+,

erwirbt 1803 und 1805 große Gebiete hinzu (S. 320, 324, vgl. S. 340)

und tritt 1806 dem Rheinbunde bei (S. 324), erwirbt 1806 Ansbach,

1809 Baireuth, schließt sich vor der Schlacht bei Leipzig dem Bunde

gegen Frankreich an (S. 336), erhält 1815 die linksrheinische Pfalz

zurück (S. 340). Verfassung des Königreichs 1818. +Ludwig I.+ (1825

bis 1848) fördert Kunst und Wissenschaft: Pinakothek und Glyptothek

in München, Walhalla bei Regensburg. Universität Ingolstadt 1826 nach

München verlegt. +Maximilian II.+ (1848 bis 1864): Nationalmuseum in

München, Historische Kommission bei der Akademie der Wissenschaften.

+Ludwig II.+ (1864 bis 1886): Schloßbauten in den bayrischen Alpen,

Bühnenfestspielhaus in Baireuth. Für den geisteskranken König +Otto+

(seit 1886) regiert sein Oheim Prinz +Luitpold+, Bruder Maximilians II.

Auszug aus der Alten, Mittleren und Neueren Geschichte · 第 45 / 49 段