großer Steigerung des Handelsreichtums eingerissene Bestechlichkeit und
Ämterjagd bekämpft, unterstützt von dem Deutschen +Karl Schurz+ als
Minister des Innern. Sein Nachfolger +Garfield+, der diese Bestrebungen
weiterführt, wird nach wenigen Monaten ermordet (1881).
[1867.]
Erwerbung des russischen Amerika (Alaska) für 7200000 Dollar.
[1869.]
Eröffnung der ersten +Pacificbahn+ (Omaha bis San Francisco).
Schnellere Verbindung zwischen den Küsten des Atlantischen und des
Großen Ozeans.
Auf die Streitigkeiten der +mittel-+ und +südamerikanischen Republiken+
wirkt die Union oft vermittelnd ein, so 1869 bei dem Frieden zwischen
Spanien und dem erfreulich aufstrebenden ~Chile~, das 1879–1884 Bolivia
und Peru niederwirft, aber 1891 in einen gefährlichen Bürgerkrieg
hineingerissen wird. In ~Brasilien~ wird 1889 eine Föderativrepublik
von 20 Staaten (Vereinigte Staaten von Brasilien) eingerichtet (1888
die Sklaverei plötzlich abgeschafft); Kaiser Pedro II. (S. 346) zieht
sich nach Portugal zurück. Seit 1910 Präsident +Hermes da Fonseca+.
Gegenüber den europäischen Staaten nimmt die Union öfters eine
feindliche Haltung an; s. Frankreich S. 371. Streit mit +England+ über
Schadenersatz, weil während des Bürgerkrieges Kaperschiffe für die
Südstaaten in England ausgerüstet waren; ein Schiedsgericht zu Genf
entscheidet 1872, daß England über 3 Mill. Pfund Sterling zu zahlen
habe.
In der Union stark anwachsende Bevölkerung; 1890: 63 Mill., 1910:
88 Mill. Einwohner. Viele Eisenbahnen gebaut, um das weite Gebiet
aufzuschließen (vgl. S. 421). Die Mac Kinley-Bill 1890 erhöht den
Zolltarif der Vereinigten Staaten, um die europäische Einfuhr zu
beschränken; 1891 Gesetz gegen die Einwanderung unbemittelter Personen.
[1896–1901.]
Präsident +Mac Kinley+; die Union beginnt auswärtige Besitzungen zu
erwerben, zuerst 1897 die +Sandwich-Inseln+ annektiert (seit 1900
Territorium).
[1898.]
~Krieg gegen Spanien~ zur Unterstützung der schon 1895 auf +Cuba+ und
den seit 1569 spanischen +Philippinen+ (S. 223, 242) ausgebrochenen
Aufstände. Die spanische Flotte wird in zwei Seetreffen, bei +Cavite+
(Insel Luzon) und +Santiago+ (Insel Cuba) vernichtet. Im Frieden zu
+Paris+ tritt Spanien Puerto Rico und die Philippinen gegen eine
Geldentschädigung an die Union ab. +Cuba wird eine Republik+, muß
aber der Union gewisse Aufsichtsrechte und mehrere Flottenstationen
einräumen (Insel Guam s. S. 426).
[1899.]
Bei der Teilung der +Samoa+-Inseln (S. 407) nimmt die Union +Tutuila+
mit dem Hafen Pago-Pago und die Manuagruppe (203 qkm).
[1901–1909.]
Präsident +Roosevelt+, Nachfolger des ermordeten Mac Kinley. Das
Deutsche Reich tritt in engere Beziehungen zur Union. Als Deutschland,
England und Italien wegen Handelsstörungen mit der Republik +Venezuela+
(Präsident +Castro+) in Streit geraten und ihre Küste durch
Kriegsschiffe blockieren, Vermittlung durch den Vertrag zu +Washington+
(Juli 1903); Venezuela muß bedeutende Entschädigung zahlen.
[1903.]
Vertrag der Union mit +Colombia+ (S. 346) über Gebietsabtretung zum
Ausbau des 1881 von französischen Kapitalisten (Panamagesellschaft,
1889 aufgelöst) begonnenen +Panama+-Kanals. Da in Colombia sich
Widerspruch erhebt, bildet sich eine besondere Republik +Panama+ unter
dem Schutze der Vereinigten Staaten. Der Kanal (Schleusenkanal) soll
am 1. Jan. 1915 eröffnet werden, wie der Suezkanal neutral und allen
Völkern unter den gleichen Bedingungen geöffnet sein.
[1906.]
+San Franzisko+ durch Erdbeben größtenteils zerstört, doch bald
wiederhergestellt.
[1907.]
Verschärftes Gesetz über die Einwanderung.
[Seit 1909.]
Präsident +Taft+, vorher Kriegsminister und Gouverneur der Philippinen,
hält das gute Einvernehmen mit dem Deutschen Reiche aufrecht.
[1910–1911.]
Aufstand in ~Mexiko~. Verschwörung gegen den Präsidenten +Porfirio
Diaz+ (S. 371). Die Vereinigten Staaten ziehen Truppen an der Grenze
zusammen. Porfirio Diaz dankt 1911 ab. +Madero+, der Hauptführer der
Aufständischen, wird zu seinem Nachfolger gewählt, Ende des Aufstandes.
1912 neue Unruhen.
[1911.]
Englisch-amerikanischer Schiedsvertrag. ~Japan~ (Spannung seit der
Besetzung der Sandwich-Inseln und der Philippinen, durch den Bau
des Panamakanals noch gesteigert) knüpft wieder freundschaftliche
Beziehungen mit den Vereinigten Staaten an.
§ 19. Asien.
In ~Persien~ (S. 219), das auf eine fast 2500 Jahre alte Kultur
zurückblickt, hat das autokratische Regiment die Entwickelung und die
Wohlfahrt des Volkes sehr beeinträchtigt. Von persischen Gebieten sind
jedoch bisher nur +Georgien+, +Transkaukasien+ und ein Teil +Armeniens+
an Rußland verloren gegangen (S. 297, 348).
[~1906.~]
Verfassung eingeführt. Doch gerät der Schah +Mohammed Ali+ bald in
Streit mit dem Parlament (+Medschlis+) und löst es auf. Daher Aufstand
im Lande.
[~1909.~]
+England+ und +Rußland+ als die Nachbarn fordern vom Schah
Wiederberufung des Medschlis, Gewährung einer Verfassung und Reform
der Verwaltung als Bedingung für die Zulassung einer Anleihe. Diese
Einmischung abgelehnt. Einmarsch russischer Truppen in +Täbris+;
englische besetzen +Abuscher+ am Persischen Golf. Straßenkämpfe in
+Teheran+. Mohammed Ali abgesetzt, begibt sich nach Rußland. Der
Titel Schah abgeschafft. Seitdem +Sultan Ahmed Mirsa+ (geb. 1897).
Regent Ali Reza Chan. Verfassung wiederhergestellt. Schwierigkeit
für das Parlament, das Reichsbudget im Gleichgewicht zu halten.
Anleihe in Rußland und England genehmigt gegen Verpfändung persischer
Zolleinkünfte. England und Rußland grenzen ihre Interessensphären
ab (S. 403, vgl. Deutsch-russisches Abkommen über Persien, S.
397). Berufung belgischer Beamten für Zoll- und Postverwaltung,
amerikanischer Beiräte für die Ordnung der Finanzen. Der Amerikaner
+Morgan Shuster+ Generalschatzmeister. Protest der Jungperser gegen die
russisch-englischen Pläne.
[~1910.~]
Tod des Regenten. Sein Nachfolger +Nasr el Mulk+. Landung englischer
Truppen am Persischen Golf.
[~1911.~]
Rückkehr des Exschahs Mohammed Ali. Im Norden Persiens wechselvolle
Kämpfe zwischen seinen Anhängern und den Regierungstruppen. Russisches
Ultimatum; u. a. Morgan Shusters Entlassung gefordert. Landung und
Vormarsch russischer Truppen von +Rescht+ aus. Alle russischen
Forderungen erfüllt. Nordpersien gerät immer mehr in Abhängigkeit von
Rußland. Die Wirren dauern fort.
Der Emir von ~Afghanistan~ (S. 353) beherrscht trotz des Verlustes
weiter Gebiete an Rußland (S. 402) und England (S. 406 f.) noch ein
Land von 624000 qkm. -- 1893 Vertrag zwischen dem Emir +Abdurrhaman+
und der englischen Regierung, die ihm eine jährliche Rente von etwa 3½
Mill. Mark bewilligt.
[1907.]
Englisch-russischer Vertrag mit dem Emir +Habib Ullah+ (seit 1901) über
die Aufrechterhaltung des gegenwärtigen Besitz- und Rechtsstandes in
Afghanistan.
Das Königreich ~Siam~ in Hinterindien ist trotz der Begehrlichkeit
seiner Nachbarn, England (S. 409) und Frankreich (S. 404), immer noch
größer als das Deutsche Reich (600000 qkm, 6½ Mill. Einwohner). König
~Maha Chulalongkorn~ (1868 bis 1910) war ein großer Freund Europas
und seiner Sitten (sein Besuch bei Bismarck in Friedrichsruh 1897),
schuf eine moderne Armee und Flotte, Eisenbahnen und Dampferlinien,
richtete Steuer-, Post- und Münzwesen nach europäischem Muster ein und
suchte seine Unabhängigkeit durch Verträge mit England und Frankreich
sicher zu stellen. Handelsverträge zwischen Siam und Europa seit Mitte
des vorigen Jahrhunderts (S. 368, 411). Seit 1910 ~Maha Wajirawudh~
Herrscher im Reiche des weißen Elefanten.
~China~, seit 1842 dem europäischen Handel geöffnet (S. 353), bald
auch mit den Vereinigten Staaten in Handelsbeziehungen, nimmt nicht
wie +Japan+ (S. 369) an den Fortschritten europäischer Kultur teil; im
Volke Haß gegen die Fremden verbreitet. Verlust des Amurgebietes (S.
369).
[1894–1895.]
~Krieg Japans gegen China~ wegen der Schutzherrschaft über +Korea+
(S. 251). Korea wird unabhängig, Japan gewinnt die Insel +Formosa+
(Taiwan). Die im Frieden zu +Schimonoseki+ durch +Li-hung-tschang+
zugestandene Abtretung der Halbinsel +Liau-tung+ mit dem Hafen +Port
Arthur+ wird durch Rußland, Deutschland und Frankreich rückgängig
gemacht.
[1897. Nov.]
Deutschland besetzt das Hafengebiet +Kiau-tschou+; ein Pachtvertrag mit
China auf 99 Jahre wird 1898 geschlossen.
[1898.]
Rußland besetzt den Hafen +Port Arthur+ an der Einfahrt zum Meerbusen
von Petschili, England den gegenüberliegenden Hafen +Wei-hai-wei+.
[1900.]
~Aufstand in China gegen die Christen und Ausländer~ (vergl. S. 251),
geleitet von weitverzweigten Geheimbünden (Boxer). Zweideutige Haltung
der chinesischen Regierung; da sie weder Ordnung noch Genugtuung
schafft, vereinigen sich hierzu Deutschland, England, Rußland,
Frankreich, Österreich, Italien, Japan und die Vereinigten Staaten.
Kriegsschiffe der Verbündeten erscheinen vor der Mündung des Peiho und
entsenden eine Schutzwache für die Gesandten nach +Peking+.
Da die Unruhen fortdauern, zieht der englische Admiral +Seymour+ mit
2000 Mann gegen Peking, muß aber, da die Eisenbahn zerstört ist und
starke Scharen ihm entgegentreten, umkehren. Beim Marsch auf Tientsin
stete Gefechte, in schwierigster Lage »the Germans to the front«.
Inzwischen in Peking der +deutsche Gesandte+ v. Ketteler ermordet (20.
Juni).
[17. Juni.]
Erstürmung der +Taku-Forts+ (S. 368), um eine Landung zu ermöglichen
(das deutsche Kanonenboot +Iltis+). +Tientsin+ nach schweren Kämpfen
erobert; +Peking+ erreicht (14. Aug.), die Gesandten befreit. Der
Kaiser und die Kaiserinwitwe fliehen nach Sianfu.
[20. Sept.]
Erstürmung der +Peitang-Forts+ nahe der Küste, Besetzung des Hafens
Schan-hai-kwan, für die Russen »Tor zur Mandschurei«.
[27. Sept.]
Der deutsche Feldmarschall ~Graf Waldersee~ übernimmt den Oberbefehl
über die verbündeten Truppen (zuletzt 64000 Mann, darunter 19000
Deutsche). Die Amerikaner zurückgerufen; die Russen wenden sich
hauptsächlich nach der +Mandschurei+, um dort den Bau der Eisenbahn zu
schützen.
Während des Winters Kriegszüge von Peking und Tientsin aus.
+Paoting-fu+, Hauptstation der Boxer, 19. Okt. besetzt; Erstürmung der
Bergfeste +Tse-kin-kwa+ 29. Okt. Russen und Engländer geraten in Streit
über den Besitz der Eisenbahn Tientsin-Peking; Waldersee erreicht die
Fertigstellung der Bahn bis Mitte Dezember.
[1901. März.]
Vorrücken der Deutschen bis zur +Großen Mauer+. 23. April Sieg bei
+Huolu+.
[Mai.]
Nach Besetzung eines großen Teils der Provinz Petschili und Flucht
ihrer Truppen hinter die Große Mauer bewilligt die chinesische
Regierung alle Forderungen: Bestrafung der Urheber des Aufruhrs,
Befestigung der Gesandtschaftsgebäude in Peking, Schutzwachen der
verbündeten Mächte daselbst, Schutz der Eisenbahn von Peking bis
zur Küste durch befestigte Plätze mit Garnisonen, Schleifung der
Küstenforts, Zahlung von 450 Mill. Taels (1350 Mill. Mark) in 39
Jahren aus den Erträgen der Seezölle, deren Verwaltung von Beamten der
verbündeten Mächte geleitet wird (S. 368).
Nach dem Abzug der verbündeten Truppen bleiben größere Besatzungen,
namentlich in Tientsin und Schanghai. Prinz +Tschun+, Bruder des
Kaisers von China, überreicht (Sept.) dem Deutschen Kaiser in Potsdam
ein Entschuldigungsschreiben wegen Ermordung des Gesandten; diesem in
Peking ein Denkmal errichtet.
Die Erschließung Chinas in den folgenden Jahren durch, eine Reihe von
Eisenbahnbauten (auch amerikanisches Kapital beteiligt) gefördert. 1906
schon 6300 engl. Meilen in Betrieb. Lebhafter Dampfschiffsverkehr auf
den großen Strömen.
[1905.]
Die +Mandschurei+ an China zurückgegeben (S. 423). »Offene Tür«
daselbst allen Mächten garantiert.
[1909.]
Streitigkeiten mit +Rußland+ und +Japan+ über die Abgrenzung der Rechte
in der Mandschurei geregelt. Der +Tumen+fluß als Grenze zwischen
der Mandschurei und Korea festgesetzt. 1911 Pest in der Mandschurei
(Charbin).
Das Eindringen der europäischen Kultur und der Vergleich mit Japan
erwecken in weiten Kreisen den Wunsch nach zeitgemäßen Reformen. Manche
Vizekönige Anhänger dieser Reformpartei, z. B. +Juanschikai+. Er
wird 1909 abgesetzt, weil er die Gleichstellung der Mandschu mit den
Chinesen und die Beseitigung ihrer Renten gefordert hatte. 1910 die
Abschaffung der Sklaverei von der Regierung verfügt. Vorbereitungen für
die Berufung eines Parlaments getroffen. Kaiserlicher Erlaß über die
Bildung eines verantwortlichen Ministeriums.
[1911.]
In den südlichen Provinzen (+Kanton+) bricht eine Revolution aus.
Beseitigung der Mandschudynastie gefordert. +Hankau+ erobert
(Eingreifen deutscher Marinetruppen zu Gunsten der Regierung), ebenso
+Nanking+. Dr. +Sunyatsen+ Leiter der Revolutionäre. Juanschikai erhält
Vollmacht zu allen ihm geeignet erscheinenden Maßregeln. Kaiserlicher
Erlaß verheißt Einführung einer Verfassung und Amnestie. Juanschikai
Ministerpräsident. Der Prinzregent Tsaifeng (Kaiser +Pu Yi+ geb. 1906)
leistet den Eid auf die Verfassung. Waffenstillstand. In +Schanghai+
Versammlung der Abgeordneten der 14 südlichen Provinzen. Sunyatsen
vorläufig zum Präsidenten der »+Vereinigten Staaten von China+«
gewählt. +Abfall der Mongolei+ (S. 403). Juanschikai sucht eine
konstitutionelle Monarchie unter den Mandschu zu erhalten. Als die
Aufständischen Truppen gegen die nördlichen Provinzen senden, erfolgt
die
[1912. Febr.]
~Abdankung der Mandschudynastie~ (S. 251). ~China Republik~.
+Juanschikai Präsident+.
~Japan~ seit seinem Siege über China (S. 420) die herrschende Macht in
Ostasien. Korea gerät immer mehr unter japanischen Einfluß.
[~1904–1905.~]
~Krieg zwischen Rußland und Japan~ wegen der beiderseitigen Ansprüche
auf +Korea+ und die +Mandschurei+. +Japan seit 1902 mit England
verbündet+, doch greift England in den Krieg nicht ein. Die japanische
Flotte blockiert +Port Arthur+ und +Wladiwostok+; japanische
Landtruppen besetzen einen Teil von Korea, dringen nach der Mandschurei
vor, siegen 1. Mai 1904 am +Jalu+fluß. Eine zweite Armee landet auf der
Halbinsel Liau-tung und schließt Port Arthur von der Landseite ein. Die
russische Flotte versucht die Blockade zu brechen, wird 10. August mit
großem Verlust zur Rückkehr genötigt. Verstärkungen des Landheeres
kommen auf der Sibirischen Eisenbahn nur langsam heran.
[1904. 24.–31. Aug.]
Schlacht bei +Liau-jang+ in der Mandschurei. Die Japaner (160000 Mann
unter Marschall +Ojama+) drängen die Russen (Gen. +Kuropatkin+) in
hartnäckigen Kämpfen zurück.
[15.–18. Okt.]
Schlacht am Flusse +Schaho+; Kuropatkins Angriffe mißlingen.
[1905. 2. Jan.]
+Port Arthur+, von Gen. +Stössel+ verteidigt, kapituliert (Gen.
+Nogi+); über 40000 Mann kriegsgefangen.
[24. Febr. bis 10. März.]
Schlacht bei +Mukden+; die Russen müssen nach starken Verlusten (90000
Mann) weichen, behaupten sich aber noch in der Mandschurei.
[1905. 27.–28. Mai.]
Seeschlacht bei +Tschuschima+ (Insel in der Straße von Korea). Die
russische Ostsee-Flotte (16 große Schiffe, 4 kleine Kreuzer) von
Admiral +Togo+ annähernd vernichtet.
[Juli.]
Die Japaner besetzen den südlichen Teil der Insel +Sachalin+.
[~1905.~ 5. Sept.]
~Friede zu Portsmouth~ (amerikanische Küstenstadt unweit Boston)
unter Vermittlung des Präsidenten +Roosevelt+. Japan erhält
die Schutzherrschaft über Korea, Port Arthur mit umliegendem
Gebiet, Sachalin bis zum 50. Breitengrad. Rußland zahlt keine
Kriegsentschädigung, behält Wladiwostok und sein Amur-Gebiet. Die
Mandschurei soll an +China+ zurückgegeben werden, doch behalten Japan
und Rußland ihre dort angelegten Eisenbahnen (s. S. 422).
In den folgenden Jahren macht Japan, dessen Heer überall Bewunderung
erweckt hat, weitere Fortschritte auf dem Wege finanzieller Erstarkung
und politischer Vorherrschaft auf +Korea+. 1909 Koreanische
Gerichtshoheit, 1910 Polizeigewalt auf Japan übertragen. Fürst +Ito+,
früher Generalresident in Korea, 1909 von einem Koreaner ermordet. 1910
die Annexion Koreas durchgeführt; Kaiser +Ytschak+ dankt ab.
[1911.]
Bündnis zwischen Rußland und Japan (S. 402 f.). Infolgedessen Revision
des englisch-japanischen Bündnisses von 1902 (S. 422). Anknüpfung
freundschaftlicher Beziehungen mit den Vereinigten Staaten von Amerika
(S. 419).
§ 20. Entwickelung der deutschen Kolonien.
+Gründung+ s. S. 395. +Zweck+: Gewinnung von Rohprodukten;
Absatzgebiete für den heimischen Handel und Besiedelung. Das Reich
stellte auf Nachsuchen die kaufmännischen Niederlassungen unter
seinen Schutz, zur Sicherung gegen fremde Herrschaft (+Deutsche
Schutzgebiete+). Die Kolonisation begann an den Küsten und dehnte
sich allmählich in das Innere aus; hierfür von größtem Einfluß
die Erschließung durch +Eisenbahnen+ und die +Wasserversorgung+.
Sicherung durch Schutzverträge mit den einheimischen Häuptlingen mit
Handelsvorteilen, namentlich für europäische Waren. Verwaltung durch
+Gouverneure+ mit Bezirksämtern und Stationen; militärische Sicherung
durch die +Schutztruppen+.
+Erweiterung der Kolonien+ (S. 396, 397, 405). Der deutsche
Kolonialbesitz ist jetzt über fünfmal größer als das Heimatsgebiet,
hat aber kaum ein Viertel der Einwohnerzahl. Am +Handelsergebnis+ der
Kolonien (Einfuhr und Ausfuhr) +war Deutschland 1910 mit 66,3 v. H.
beteiligt+. Regelmäßige +Seeverbindung+ durch Hamburg-Amerika- und
Woermann-Linie nach der afrikanischen Westküste, Norddeutschen Lloyd
(Bremen) und Reichspostdampfer nach Ostafrika, Australien und Ostasien.
+Telegraphische Verbindung+ fehlt noch nach den Besitzungen in der
Südsee; deutsche +Seekabelverbindung+ schreitet kräftig fort, ist aber
nur nach Ostasien von fremden Leitungen unabhängig; besonders nach
Ostafrika sind englische Kabel beteiligt. +Funkenstationen+ in allen
afrikanischen Kolonien und in Kiautschou.
+Deutsche Kolonialgesellschaft+ in Berlin (Herzog Johann Albrecht von
Mecklenburg), Kolonialinstitut in Hamburg und mehrere Kolonialschulen.
1. ~Südwestafrika~ (835100 qkm). Missionsstationen bestanden seit 1860
im Damara- und Namaqualande; das Küstengebiet Angra Pequena wurde 1883
von dem Bremer Kaufmann Lüderitz erworben; 1884 Erweiterung durch
Verträge mit den einheimischen Häuptlingen; 1893 der Hafen Swakopmund
angelegt.
[1894.]
Gouverneur +Leutwein+ geht mit der verstärkten Schutztruppe gegen
unzuverlässige Häuptlinge vor. Nach den Gefechten bei +Naukluft+
verbündet sich Hendrik +Witboi+ mit den Deutschen und leistet Hilfe bei
ferneren Kämpfen, so noch 1903 gegen die Bondelzwarts-Hottentotten.
[~1904–1906.~]
Allgemeiner +Aufstand+ gegen die auf weites Gebiet verteilte
Schutztruppe. Die Hereros zerstören die Eisenbahn Swakopmund–Windhuk
und ermorden viele Ansiedler. Mühsame Kriegführung in dem wasserarmen,
vielfach gebirgigen Lande. Die Schutztruppe verteidigt Omaruru und
andere Stationen, wird unterstützt durch ein Landungskorps vom Kreuzer
Habicht, dann durch das Seebataillon; bald erscheint eine kriegsstarke
Division, gebildet aus Freiwilligen des ganzen deutschen Heeres.
[1904. 11. u. 12. Aug.]
Sieg des Generals v. Trotha am +Waterberge+; er drängt die Hereros
nach Osten in die Kalahariwüste, wo viele umkommen. Darauf allmähliche
Unterwerfung des nördlichen Landesteils, aber im Süden erhebt sich nun
+Witboi+ gegen die Deutschen.
[1905.]
Hartnäckige Kämpfe um die Wasserstelle bei Groß-Nabas, dann in den
Karasbergen und am Großen Fischfluß; Witboi †. Der deutsche Reichstag
bewilligt den Bau der Eisenbahn Lüderitzbucht–Kubub (100km).
[1906.]
Kämpfe am Oranjefluß; Oberstlt. v. Estorff drängt die Hottentotten nach
Osten. Ihr Führer +Morenga+ flüchtet auf englisches Gebiet, versucht
1907 nochmals in das inzwischen unterworfene Land einzudringen, wird in
einem Gefecht mit englischen Truppen getötet. Der Reichstag bewilligt 5
Mill. Mark für die Verluste der Ansiedler.
+Gesamtbevölkerung+ 1911: rund 14000 Weiße und 72000 Farbige, also
nur 0,1 Einwohner auf l qkm. Jede Selbständigkeit der Häuptlinge
hat aufgehört. +Regierungssitz+: Windhuk. +Wassererschließung+
schreitet fort. +Eisenbahnen+: 1909 km im Betrieb, 217 km im Bau.
+Ausfuhr+ vornehmlich: +Diamanten+ und Kupfererze, ferner Blei, Häute,
Straußenfedern und Vieh. +Handelsergebnis+ 1910: Ausfuhr für über 34½
Mill. Mark. Einfuhr für rund 44½ Mill. Mark.
2. ~Ostafrika~ (995000 qkm). Verkehr nach Sansibar seit etwa 1860;
+Landerwerbungen+ 1884 im Auftrage der Gesellschaft für deutsche
Kolonisation durch K. Peters, Jühlke, Graf Pfeil, 1885 vom Sultan von
Sansibar anerkannt nach dem Erscheinen deutscher Kriegsschiffe.
[1888–1890.]
Aufstand der Eingeborenen, veranlaßt durch arabische Sklavenhändler
(Buschiri), niedergeworfen durch Kriegszüge des Reichskommissars Major
+Wißmann+ unter Mitwirkung von Kriegsschiffen.
[1889.]
+K. Peters+ dringt nach +Uganda+ vor (Nordufer des Victoria-Nyanza) und
schließt dort Verträge; die Ostafrikanische Handelsgesellschaft erwirbt
das +Witu+land (nördlich von Sansibar); beide Gebiete werden 1890 an
England überlassen (S. 407).
[1905–1906.]
Aufstände im Süden durch die Schutztruppe niedergeschlagen.
+Gesamtbevölkerung+ 1911: 4230 Weiße und etwa 10 Mill. Farbige. Gute
Häfen, hierunter der Regierungssitz +Daressalam+ und +Tanga+, welche
Ausgangspunkte der beiden Bahnlinien sind (1199 km im Betrieb, die
Zentralbahn wird von +Tabora+ nach dem +Tanganjika-See+ weitergeführt).
Die Siedelungen am +Viktoria-See+ sind noch auf Karawanenstraßen und
die englische Ugandabahn angewiesen. Die Sultane westlich des Sees
stehen unter Kaiserlichen Residenten.
+Wirtschaftlich+ maßgebend sind Ackerbau und Viehzucht. Der Hauptertrag
wird im Lande verzehrt. Zur +Ausfuhr+ kommen vornehmlich: +Kautschuk+,
Hanf, Häute, Kopra. +Handelsergebnis+ 1910: Einfuhr für fast 38½ Mill.
Mark, Ausfuhr für 20¾ Mill. Mark.
3. ~Kamerun~, bisher 495600 qkm mit rund 1450 Weißen und über 2½ Mill.
Farbigen, also 5,4 Einw. auf 1 qkm. Regierungssitz +Buea+, Hafen
+Duala+. Eisenbahnen 160 km im Betrieb, 360 km im Bau. Zur +Ausfuhr+
kommen vornehmlich: +Kautschuk+, Palmkerne, Kakao, Palmöl, Elfenbein.
+Handelsergebnis+ 1910: Ausfuhr für rund 20 Mill. Mark, Einfuhr für
rund 25½ Mill. Mark.
[~1911.~]
+Nordmakas+ Aufstand (Major Dominik †). Erweiterung usw. durch das
+Marokkoabkommen+ (s. S. 405).
4. ~Togo~, 87200 qkm mit rund 360 Weißen und 1 Mill. Farbigen.
Regierungssitz und Haupthafen +Lome+, von wo drei Bahnen ausgehen (im
Ganzen 323 km im Betrieb). Vornehmliche +Ausfuhr+: Palmkerne, Palmöl,
Kautschuk, Baumwolle. +Handelsergebnis+ 1910: Ausfuhr für rund 7¼ Mill.
Mark, Einfuhr für rund 11½ Mill. Mark.
5. ~Neu-Guinea~, Regierungssitz Rabaul (Neupommern). a) +Altes
Schutzgebiet+, erworben 1884/85: +Kaiser Wilhelmsland und
Bismarck-Archipel+: zusammen 240000 qkm mit rund 750 Weißen und 530000
Farbigen. +Friedrich Wilhelmshafen+, keine Eisenbahnen. Vornehmliche
+Ausfuhr+: Kopra, Paradiesvögel, Perlmutter, Kakao. +Handelsergebnis+
1910: Ausfuhr für fast 3¾ Mill. Mark, Einfuhr für fast 4 Mill. Mark; b)
+Inselgebiet+ seit 1898 erworben: +Ost- und Westkarolinen+, +Palau+,
+Marianen+, +Marschall-Inseln+, zusammen 2476 qkm mit rund 1000 Weißen
und 65000 Farbigen (Insel Guam gehört zur Union).
[~1910–1911.~ Dez. Febr.]
Aufstand auf Ponape und +Dschokadsch+ (Ostkarolinen) niedergeworfen
durch Landungstruppen von 4 deutschen Kriegsschiffen. Vornehmliche
+Ausfuhr+: Phosphat, Kopra, Trepang. +Handelsergebnis+ 1910: Ausfuhr
für rund 10 Mill. Mark, Einfuhr für rund 2 Mill. Mark.