Bündnis mit dem Deutschen Reich, 1883 auch mit Italien (S. 395).

[1880.]

+Taaffes+ Sprachenverordnung für Böhmen zu Ungunsten des deutschen

Elements. Die Universität +Prag+ 1882 in eine deutsche und tschechische

Hochschule geteilt.

[1890.]

Böhmischer Ausgleich. -- 1883 magyarisches Schulgesetz in Ungarn. 1887

Kranken- und Unfallversicherung in Österreich. 1891 Krankenversicherung

in Ungarn.

[1888.]

Das Wehrgesetz von 1879 durch ein neues ersetzt. Steigerung der

Rekrutenzahl. 1892 Erhöhung der Friedenspräsenz. 1893 Ergänzung zum

Landwehrgesetz von 1883. Neue Rekrutenvorlage 1909 bewilligt.

[1889 (30. Jan.).]

Tod des Kronprinzen +Rudolf+ (geb. 1858).

[1897.]

+Badenis+ Sprachenverordnungen für Böhmen und Mähren. Obstruktion der

Deutschen im Reichsrat bei der Herstellung des Ausgleichs mit Ungarn.

[1898 (10. Sept.).]

Die Kaiserin +Elisabeth+ in Genf ermordet.

[1899.]

Aufhebung der Sprachenverordnungen für Böhmen und Mähren.

[1901.]

Wasserstraßenvorlage zur Verbindung der Donau mit der Elbe und Oder

genehmigt.

[1906.]

Bewilligung eines eigenen Zolltarifs für Ungarn. Damit sind nach

heftigen parlamentarischen Kämpfen in beiden Reichshälften die Magyaren

der angestrebten Auflösung der Gemeinschaft mit Österreich einen

Schritt näher gekommen.

[1907.]

Reform des Wahlgesetzes für die cisleithanischen Länder.

[~1908.~ Okt.]

Aufnahme +Bosniens+ und der +Herzegowina+ in den Staatsverband der

österreichischen Monarchie. Zunächst bilden die beiden Provinzen

(51110 qkm) ein Verwaltungsgebiet für sich. 1910 besondere Verfassung

für Bosnien und Herzegowina erlassen. Das Sandschak +Novipazar+ den

Türken als Entschädigung zurückgegeben. Kriegsdrohungen in +Serbien+

und +Montenegro+ wegen Vernichtung der groß-serbischen Hoffnungen. Im

Febr. 1909 Anerkennung der Annexion durch die Pforte gegen Zahlung von

2½ Mill. türkischen Pfund (60 Mill. Frs.) für die ehemals türkischen

Staatsgüter. Infolge der energischen Unterstützung der österreichischen

Politik durch das Deutsche Reich lassen die Mächte in Belgrad erklären,

daß Serbien auf die Hilfe von Rußland, Frankreich und England nicht zu

rechnen habe. Daraufhin stellt Serbien die Rüstungen ein (März 1909);

Kronprinz Georg verzichtet zu Gunsten seines Bruders Alexander.

[1911.]

Stapellauf des ersten österreichisch-ungarischen Dreadnought: Viribus

unitis.

§ 11. Rußland.

In Rußland unter Kaiser Alexander II. manche Reformen der Verwaltung

(vgl. S. 369); die auswärtige Politik bleibt auf die Balkanhalbinsel,

wo das türkische Reich immer schwächer wird, und auf Asien gerichtet.

[~1877–1878.~]

~Russisch-türkischer Krieg.~

~Veranlassung~: Die Fürsten +Nikita+ von +Montenegro+ und +Milan+ von

+Serbien+ beginnen 1876 Krieg gegen die Türkei zur Unterstützung eines

in der +Herzegowina+ gegen die türkischen Grausamkeiten ausgebrochenen

Aufstandes. Eine Erhebung der +Bulgaren+ wird von den Türken blutig

unterdrückt, die +Serben+ werden an der Morawa zurückgeschlagen. Die

Großmächte, namentlich +Rußland+ und +England+, verhandeln mit der

Türkei über Reformen der Regierung und Sicherung der christlichen

Untertanen. Da die Verhandlungen erfolglos bleiben, erklärt +Rußland+

den Krieg.

Nach Abschluß eines Vertrages mit +Rumänien+ (Fürst +Karl+ von

Hohenzollern-Sigmaringen, s. S. 367) geht ein russisches Korps bei

+Galacz+ über die Donau und besetzt die Dobrudscha; das Hauptheer, bei

welchem Kaiser +Alexander II.+ sich befindet, erzwingt den

[1877. 27. Juni.]

~Übergang über die Donau bei Sistowa~. Während ein fliegendes Korps

unter General +Gurko+ schnell auf einem unbesetzten Nebenpaß den Balkan

überschreitet und durch einen Angriff von Süden her (17.–19. Juli)

die türkische Besatzung von dem wichtigen ~Schipka-Paß~ vertreibt,

macht der eine Hauptteil des Heeres unter dem +Großfürsten-Thronfolger

Alexander+ Front nach Osten und verhindert in monatelangen, schweren

Kämpfen an den Flüssen +Jantra+ und +Lom+ den von dorther zu

befürchtenden Durchbruch eines türkischen Heeres.

Der andere Teil des russischen Heeres nimmt +Nikopoli+ (15. Juli),

wird aber vor ~Plewna~ (südwestlich von Nikopoli), wo +Osman Pascha+

türkische Streitkräfte gesammelt hat und starke Befestigungen anlegt,

blutig zurückgewiesen (20. und 30. Juli) und muß Verstärkungen abwarten.

Währenddessen bestürmt +Suleiman Pascha+ von Süden her mit überlegener

Macht, aber vergeblich (Hauptkämpfe am 23. Aug. und 17. Sept.) den

~Schipka-Paß~. Er erhält dann den Oberbefehl über die türkische

Ost-Armee am +Lom+, kann aber Plewna nicht entsetzen.

Eintreffen der Truppen +Rumäniens+ und russischer Verstärkungen vor

+Plewna+. Nach dem Mißlingen eines neuen Gewaltangriffs (7.–12. Sept.)

wird zur regelmäßigen Belagerung (Gen. +Totleben+) geschritten und

[~10. Dez.~]

~Plewna genommen~ durch General +Skobeleff+. +Osman Pascha+ muß sich

nach einem vergeblichen Durchbruchsversuch mit 44000 Mann ergeben.

Rückkehr der +Rumänen+ in ihr Land, des Kaisers +Alexander II.+ nach

Petersburg. ~Serbien~ erklärt von neuem den Krieg an die Pforte.

Die russischen Heere rücken vom Balkan aus vor bis nahe an

Konstantinopel.

Auf dem asiatischen Kriegsschauplatz werden die Russen zuerst von

+Muchtar Pascha+ mehrfach geschlagen, dringen dann aber nach Erstürmung

von +Kars+ (18. Nov.) siegreich bis +Erzerum+ vor.

Die Türkei ruft die Vermittelung Englands an, sieht sich aber durch die

Bedrohung von Konstantinopel genötigt, sich mit Rußland zu verständigen.

[~1878~. 3. März.]

~Friede zu San Stefano~ (unweit Konstantinopel): 1. +Montenegro+ und

+Serbien+, beide durch türkisches Gebiet erheblich vergrößert, werden

als unabhängig anerkannt, ebenso +Rumänien+. 2. +Bulgarien+, bis zum

Ägäischen Meere vergrößert, bleibt der Pforte tributpflichtig, erhält

aber einen christlichen Fürsten und eigene Verwaltung; ein russischer

Kommissar mit 50000 Mann bleibt auf 2 Jahre im Lande. 3. Die Pforte

führt in dem ihr verbleibenden geringen Rest ihrer europäischen

Besitzungen (159000 qkm) gewisse Reformen ein. 4. Sie zahlt an Rußland

300 Millionen Rubel und tritt in +Asien+ bedeutende Teile +Armeniens+,

in +Europa+ die +Dobrudscha+ ab; letztere wird von Rußland als Ersatz

für den von ihm 1856 abgetretenen und jetzt zurückzunehmenden Teil von

+Bessarabien+ (s. S. 367) an +Rumänien+ gegeben.

Widerspruch ~Englands~ gegen diese Bedingungen; auch +Österreich+ will

Rußlands Übermacht auf der Balkanhalbinsel nicht zugeben. Die Türkei

ruft den Schutz Englands an und gibt die Insel +Cypern+ in englische

Verwaltung.

Nachdem unter Deutschlands Vermittelung, um einen neuen Krieg zu

verhüten, Rußland und England sich über die wichtigsten Streitpunkte

vorläufig verständigt haben, tritt unter dem Vorsitz des ~Fürsten

Bismarck~ zusammen der

[~1878.~ 13. Juni bis 13. Juli.]

~Berliner Kongreß.~

+Hauptsächlichste Bestimmungen+: 1. ~Montenegro, Serbien~ und

~Rumänien~ werden unabhängig, doch werden die an beide erstere Staaten

zu machenden Abtretungen beschränkt, das von Rumänien für Bessarabien

einzutauschende Gebiet etwas vergrößert. 2. Das ~Fürstentum Bulgarien~

wird auf das Land +zwischen Donau und Balkan,+ jedoch einschließlich

+Sofia+ und Gebiet, beschränkt. 3. Der südliche Teil Bulgariens,

jedoch nach Westen und Süden erheblich enger begrenzt, bleibt als

Provinz ~Ostrumelien~ unter der Botmäßigkeit des Sultans, erhält

aber eigene Verwaltung unter einem +christlichen Generalgouverneur.+

4. Die russischen Truppen sollen Ostrumelien und Bulgarien

innerhalb 9 +Monaten+, Rumänien innerhalb eines Jahres räumen. 5.

~Österreich~ übernimmt die Besetzung und Verwaltung +Bosniens+ und

der +Herzegowina+. 6. Der Türkei wird die Abtretung eines Teils von

+Epirus+ und +Thessalien+ an ~Griechenland~ empfohlen. 7. ~Rußland~

begnügt sich in Asien mit +Batum+ (als Freihafen), +Kars, Adaghan+

und einigen angrenzenden Gebieten. 8. In der Türkei und allen von

ihr losgelösten Staaten soll +politische Gleichberechtigung aller

Konfessionen+ herrschen. 9. Der 1841 zwischen den 5 Großmächten und der

Pforte abgeschlossene Vertrag (vgl. S. 353), wonach kein Kriegsschiff

in die Dardanellen einlaufen darf (bestätigt im Pariser Frieden von

1856, S. 367), wird erneuert. Die Schließung der Dardanellen für fremde

Kriegsschiffe wird der Pforte zur Pflicht gemacht.

[1872 - 1876]

hatte Rußland bereits seine asiatische Provinz ~Turkestan~ (Taschkent

und Samarkand, S. 369) durch Unterwerfung des Chans von +Khiwa+, des

Emirs von +Bochara+ und des Chans von +Kokand+ (Ferghana) erweitert,

1875 durch Vertrag mit Japan sich den Besitz der Insel +Sachalin+

gesichert.

Nach dem Berliner Kongreß zeigt Rußland (Minister Fürst Gortschakow)

feindselige Haltung gegen Deutschland, welches deshalb das bisherige

engere Verhältnis zu Rußland (S. 393f.) löst und sich mit Österreich

verbündet (S. 395). Kaiser Alexander II., im Begriff, eine

Volksvertretung zu berufen, wird 1881 durch Verschwörer (Nihilisten)

ermordet.

[1881–1894.]

~Alexander III.~ (Gem. Dagmar -- Maria Feodorowna -- von Dänemark)

ordnet strenge Maßregeln an gegen das Deutschtum in den Ostseeprovinzen

(Russifizierung der Universität +Dorpat+), schließt trotz des

Neutralitätsvertrages mit Deutschland Freundschaft mit Frankreich

(S. 395, 404). 1893 Zollkrieg gegen Deutschland, der aber 1894 durch

Handelsvertrag beigelegt wird.

[1885.]

Vertrag mit England über die Nordgrenze von +Afghanistan+, nachdem

Rußland 1884 das Gebiet von +Merw+ besetzt hat. 1887 nimmt Rußland

noch +Pendschdeh+. Bau der Transkaspischen Eisenbahn, 1888 bis

Samarkand vollendet. Rußland nimmt dann 1892–1895 den größten Teil des

+Pamir+hochlandes in Besitz, baut die Sibirische Eisenbahn, 1901 bis

Wladiwostock vollendet.

~Nikolaus II.~ (Gem. Alix -- Alexandra Feodorowna -- von Hessen), seit

Nov. 1894, stellt bessere Beziehungen zu Deutschland her.

[1899.]

+Kongreß im Haag+; auf Rußlands Wunsch wird ein Schiedsgericht für

internationale Streitigkeiten eingesetzt.

[1904–1905.]

Nach dem unglücklichen Verlauf des Krieges gegen +Japan+ (s. S.

422f.) bedrohliche Unruhen im russischen Reiche: Attentate auf

Mitglieder der Zarenfamilie (Großfürst +Sergius+, Oheim des Zaren, †

1905) und andere einflußreiche Persönlichkeiten, Judenverfolgungen,

Plünderungen. Der Zar verkündet (19. Aug. 1905) die Berufung einer

+Duma+ (Reichsversammlung). In +Livland+ Aufstand der Letten gegen die

deutschen Gutsbesitzer.

[1906.]

~Verfassung~ eingeführt (Reichsrat und Duma). Die erste Duma wird

nach stürmischen Verhandlungen aufgelöst, ebenso 1907 die zweite.

Reformdekrete der Regierung (Minister +Stolypin+, 1911 ermordet),

namentlich zur Besserung der Lage des Bauernstandes; strenge Maßregeln

gegen Polen und Livland. Die dritte Duma 1908 bewilligt eine bedeutende

Anleihe.

[1910–1911.]

Abkommen mit Deutschland über +Persien+ (S. 397).

[1911.]

Neues Abkommen mit +Japan+ über die +Mandschurei+ (vgl. S. 422f.).

Verständigung (Entente) mit +Japan+ und endgültiger Ausgleich aller

durch den Krieg von 1904–1905 bedingten Ansprüche ohne Hilfe

eines Schiedsgerichts. -- Rußland, das mit England noch 1907 die

Unantastbarkeit und Unabhängigkeit +Persiens+ verkündet, aber bereits

1909 ein gemeinsames Einschreiten gegen die Regierung des Schah und

eine Teilung des Landes in eine russische (Norden) und englische

(Süden) Interessenzone vereinbart hat, greift 1911 in die persischen

Wirren ein (s. S. 419).

Abschluß einer Militärkonvention mit +Bulgarien+.

[1912.]

Rußland erkennt die Unabhängigkeit der +Mongolei+ (s. S. 422) an und

gesteht der Regierung in China nur die Aufsicht zu über die auswärtigen

Beziehungen des Landes.

§ 12. Die dritte französische Republik.

~Frankreich~ Republik seit 1871; ein Versuch, den Grafen Chambord

(S. 349) als König einzusetzen, scheitert an dessen Weigerung,

bestimmte Versprechungen zu geben und die Tricolore anzunehmen (1873,

Okt.) Gesetz über allgemeine Wehrpflicht 1872. Organisationsgesetz

1873. Frankreich in 18 Regionen eingeteilt, denen je ein Armeekorps

entspricht; das 19. in Algier. (1897 Einteilung in 19 Regionen; daher

20. Armeekorps eingerichtet.)

[1873–1879.]

Präsident +Mac-Mahon+, Nachfolger von Thiers. Marschall +Bazaine+,

vom Kriegsgericht wegen der Übergabe von Metz zum Tode verurteilt,

vom Präsidenten zu zwanzigjähriger Haft begnadigt, entkommt 1874

nach Spanien, stirbt dort 1888. Feststellung der +Verfassung+ 1875:

Präsident auf 7 Jahre, Senat, Deputiertenkammer. -- +Napoleon III.+

stirbt im Januar 1873 zu Chislehurst in England; sein Sohn fällt

1879 im Kriege der Engländer gegen die Zulukaffern, als Freiwilliger

kämpfend.

[1879–1887.]

Präsident +Grévy+, 1885 wiedergewählt. Unterrichtsgesetz 1880 zur

Beschränkung des Einflusses der Geistlichkeit; Ausweisung der Jesuiten,

doch nicht streng durchgeführt. +Gambetta+ Nov. 1881 Ministerpräsident,

tritt aber nach zwei Monaten zurück, da die von ihm vorgeschlagene

Änderung des Wahlgesetzes (Listenwahl statt Einzelwahl) abgelehnt

wird. Starke Heeresrüstung, doch wird der Rachekrieg gegen Deutschland

vertagt; der Kriegsminister +Boulanger+ tritt zurück (Mai 1887),

Frankreich wendet sich einer ~weitgreifenden Kolonialpolitik~ zu. Grévy

dankt 1. Dez. 1887 ab.

[1883.]

+Brazza+ legt die Station +Brazzaville+ am +Stanley Pool+ an und stellt

eine Verbindung der Küste mit dem +Kongo+ her. Auf der Kongo-Konferenz

1885 setzt Frankreich die Ausdehnung der bisherigen Kolonie +Gabun+ bis

zum rechten Ufer des +Kongo+ durch. Von hier -- +»Französisch-Kongo«+

-- aus dringen die Franzosen bis zum +Tsadsee+ vor und gewinnen durch

Vertrag mit dem Deutschen Reich 1894 das Hinterland von Kamerun bis

über den +Schari+ hinaus (Äquatorial-Afrika, S. 396). 1908 die Grenze

zwischen Französisch-Kongo, Kamerun und dem Kongostaat endgültig

festgelegt.

[1881.]

~Frankreich~ nimmt ~Tunis~ in Besitz, ohne die Proteste der Türkei und

die Verstimmung Italiens zu beachten.

[1883.]

Das Reich ~Anam~ in Hinterindien (vgl. S. 369) tritt die Provinz

+Tonking+ an Frankreich ab und wird bald darauf französischer

Schutzstaat. Frankreich behauptet diese Erwerbung im Kriege gegen China

(1884–1885).

[1885.]

Die Insel ~Madagaskar~ kommt unter französische Schutzherrschaft; die

Regierung der Königin der malaiischen +Hova+, +Ranavalo Manjaka III.+,

in +Tananarivo+ 1896 aufgehoben.

[1887–1894.]

Präsident +Carnot+; Wehrgesetz, Freundschaft mit Rußland. Carnot

wird von einem Italiener ermordet, sein Nachfolger +Périer+ dankt

Jan. 1895 ab, dann folgt +Faure+, 1899–1906 +Loubet+, beide bemüht,

die Freundschaft mit Rußland zu erhalten. 1897 Unfallversicherung,

1901 Vereinsgesetz zur Beschränkung der geistlichen Orden und

Kongregationen. 1903 Unterrichtsgesetz, Einrichtung weltlicher

Volksschulen an Stelle der von Geistlichen geleiteten. 1905 Gesetz über

Trennung von Kirche und Staat; deshalb Streit mit der katholischen

Kirche. Der Kirchenbesitz wird den Gemeinden überwiesen. Gesetz über

Altersunterstützung und Sonntagsruhe. Seit 1906 Präsident +Fallières+.

1907 und 1911 Winzerunruhen. Die Beziehungen Frankreichs zu England

gestalten sich immer enger; das Bündnis mit Rußland bleibt erhalten.

[1890.]

Frankreichs Herrschaft im Gebiet des mittleren +Niger+ (Sudan), der

westlichen und mittleren +Sahara+ von England anerkannt (S. 407) und

1904 erweitert (s. S. 405).

[1891.]

~Tahiti~, schon früher französischer Schutzstaat, wird nach dem Tode

des englisch-protestantischen Königs Pomare V. französisches Gebiet.

[1892.]

+Behanzin+, König von +Dahomey+, (Ober-Guinea) besiegt. Sein Reich wird

französische Kolonie.

[1893.]

In Hinterindien weiter vordringend nimmt Frankreich einen großen

Teil des Reiches ~Siam~ in Besitz. 1904 der +Menam+ als Grenze der

französischen und englischen Einflußsphäre festgesetzt. 1907 wieder 3

Provinzen an der Grenze von Kambodscha an Frankreich abgetreten.

[1898.]

Frankreich versucht vom Kongo aus vordringend +Faschoda+ am oberen

Nil zu besetzen (General +Marchand+), wird aber durch Kriegsdrohung

Englands und Einmarsch des Gen. +Kitchener+ genötigt, dies aufzugeben.

[1905.]

Nach +Abschluß eines Vertrages mit England+ (8. April 1904), der alle

kolonialen Differenzen aus dem Wege räumt (Frankreich erkennt Englands

Herrschaft in Ägypten an, England räumt den Franzosen die Vorherrschaft

in +Marokko+ ein u. a. m.), sucht Frankreich die Schutzherrschaft über

das Reich ~Marokko~ zu erwerben. Widerspruch ~Deutschlands~; Reise

Kaiser Wilhelms II. nach +Tanger+. Eine Konferenz der am Handel mit

Marokko beteiligten Staaten in +Algeciras+ (bei Gibraltar) beschließt

(Febr. 1906) Reformen für Marokko unter gemeinsamer Aufsicht der in

Tanger wohnenden Gesandten. Frankreich erhält eine bevorzugte Stellung

in Marokko.

Ein östlicher, an Tunis angrenzender Teil des Reiches Marokko bleibt

von den Franzosen besetzt; 1907 besetzen sie auch die Hafenstadt

+Casablanca+ und das benachbarte Schauja-Gebiet. Sultan Muley Hafid,

seit 1908 von den europäischen Staaten anerkannt, sucht sich ihren

Forderungen zu entziehen. 1909 Krieg +Spaniens+ gegen die +Rifkabylen+.

Schwere Kämpfe um +Melilla+ (s. S. 413). Die Häuptlinge unterwerfen

sich. Gleichzeitig der Thronprätendent +Bu Hamara+ im Kampfe gegen

Muley Hafid. Ersterer besiegt und gefangen. Die Konsuln der Mächte

schreiten ein gegen Muley Hafids Grausamkeiten.

[1911.]

Neue Unruhen in Marokko. Der Sultan, von feindlichen Stämmen in +Fez+

eingeschlossen, ruft +Frankreichs+ Hilfe an. Darauf französische

Expedition nach Fez, angeblich zum Schutz der bedrohten Europäer.

Der Sultan gerät ganz in die Gewalt der Franzosen. Diese treten

ziemlich unbeschränkt im Lande auf. (Juli) Entsendung eines deutschen

Kriegsschiffes nach +Agadir+ zur Verteidigung bedrohter deutscher

Interessen. Nach schwierigen Unterhandlungen, wobei Frankreich von

dem verbündeten England geleitet und unterstützt wird, 4. Nov.

~Marokkoabkommen zwischen Deutschland und Frankreich~: +Deutschland

verzichtet auf jeden Landerwerb im Scherifenreich+ (+Sus+-Provinz),

nachdem seine handelspolitischen und wirtschaftlichen Interessen nach

Möglichkeit sicher gestellt sind. +Frankreich übernimmt das Protektorat

in Marokko+, tritt von ~Äquatorial-Afrika~ ein Gebiet von etwa

300000qkm im Süden und Osten von +Kamerun+ mit Zugang zum +Kongo+ und

+Ubangi+ an das Deutsche Reich ab. Das Dreieck zwischen +Logone+ und

+Schari+ (12000 qkm) von Deutschland an Frankreich überlassen.

Frankreich erwirbt einen erheblichen Teil der Negerrepublik +Liberia+.

Östlich von Tunis besetzt es die Oase +Djanet+ (zu Tripolis gehörig).

§ 13. England.

~England~ 1837–1901 unter der ~Königin Viktoria~ (S. 353) ist

hauptsächlich bestrebt, sein ungeheures ~Kolonialreich~ zu erhalten und

zu erweitern.

[1867.]

Krieg gegen Negus +Theodor von Abessinien+. Magdala von Sir Robert

+Napiers+ mit indischen Truppen erstürmt; Theodor †. Abessinien wird

von den Engländern geräumt.

[~1869.~]

~Der Suez-Kanal~ eröffnet, 160 km lang; nach zehnjähriger Bauzeit

vollendet unter Leitung des Franzosen Ferdinand +de Lesseps+ (früher

franz. Konsul in Kairo). Abkürzung des Seewegs nach Indien, Ostasien,

Australien. Jährlich benutzen den Kanal jetzt gegen 4000 Schiffe.

[1876.]

Die Königin Viktoria nimmt auch den Titel ~Kaiserin von Indien~ an.

Seitdem nach jedem Thronwechsel besondere Krönungsfeierlichkeiten in

+Delhi+ (S. 219).

[1877–1881.]

Krieg in ~Afghanistan,~ um die dem Emir 1869 auferlegte

Schutzherrschaft zu erhalten General +Roberts+ besetzt 1879 die

Hauptstadt Kabul und dringt bis Kandahar vor (s. S. 419f.).

[~1877.~]

Erweiterung des Besitzes in ~Südafrika.~ Die +Transvaalrepublik+,

begründet 1848 von holländischen Buren, die aus der +Kapkolonie+[61]

auswanderten, wird dem englischen Kolonialgebiet einverleibt; bald

wird auch ein großer Teil des Kaffernlandes englischer Schutzstaat.

Unabhängig bleibt der 1854 von England anerkannte +Oranje-Freistaat+.

[1878.]

England nimmt +Cypern+ in Verwaltung (S. 401).

[1879.]

Krieg gegen die +Zulukaffern+ (Cetewayo). Prinz Louis Napoleon † (S.

403).

[~1881.~]

Erhebung der ~Buren~ gegen die englische Herrschaft und Sieg bei

+Majubahill+. Die Transvaalrepublik (Südafrikanische Republik) wieder

hergestellt, doch behält England in dem 1884 geschlossenen Vertrage

sich die Genehmigung der Verträge dieses Staates mit anderen Staaten

vor.

[1882.]

Besetzung von ~Ägypten~, veranlaßt durch einen Militäraufstand in

Alexandrien unter +Arabi Pascha+ gegen den Khedive +Tewfik+ und durch

die Ermordung vieler Europäer; Arabi bei +Tel-el-Kebir+ von +Wolseley+

besiegt und gefangen. Dem Namen nach bleibt die Regierung des dem

türkischen Sultan tributpflichtigen Vizekönigs (Khedive); tatsächlich

wird ~Ägypten ein englischer Schutzstaat.~ Neuordnung der Verwaltung

und des Heeres (+Baring+ und +Kitchener+); Nilstauwerk bei +Assuan+.

[1883–1885.]

Aufstand des ägyptischen Sudan gegen die Engländer unter Führung

des ~Mahdi~, eines mohammedanischen Propheten. Vernichtung eines

ägyptischen Heeres von 11000 Mann (+Hicks Pascha+) bei +El Obeïd+. Der

englische General +Gordon+ versucht +Khartum+ zu behaupten, wird bei

der Eroberung der lange belagerten Stadt von den Truppen des Mahdi

getötet (Jan. 1885). Fruchtlose Nilexpedition der Engländer; sie

behalten im Sudan nur den Hafen +Suakin+, verteidigen aber Ägypten mit

Erfolg gegen wiederholte Angriffe der Mahdisten (1885–1898). In der

+Äquatorprovinz (Wadelai)+ hält sich der deutsche Afrikaforscher +Emin

Pascha+ (Dr. Schnitzer) als Statthalter des Khedive, bis er 1889 von

+Stanley+ nach der Küste (Bagamoyo) geführt wird. 1893 wird Emin bei

einem Versuch, bis zum Kongo vorzudringen, ermordet.

[1884.]

Britisch ~Neu-Guinea~ wird unter englischen Schutz gestellt.

[1886.]

England erweitert sein indisches Reich durch völlige Unterwerfung von

~Birma~ in Hinterindien (S. 353).

[~1889.~]

Vertrag mit Deutschland und den Vereinigten Staaten über die

~Samoa~-Inseln.

[~1890.~]

Vertrag mit Deutschland über ~Ostafrika.~ Das Wituland, Uganda und

Sansibar englisch; das deutsche Gebiet zwischen Kilimandscharo und

Rovumafluß reicht im Innern bis zu den großen Seen.

Vertrag mit Frankreich über ~Westafrika~: England herrscht im Gebiet

des unteren Niger (+Nigeria+) bis zum Tsadsee. Abgrenzung der

englischen und französischen Gebiete gegen das Deutsche Hinterland von

~Kamerun~ durch Verträge mit dem Deutschen Reiche 1893 und 1894.

[1890–1893.]

England erweitert sein Gebiet in ~Südafrika~ durch Unterwerfung des

+Betschuana+- und +Matabele-+Landes. +Cecil Rhodes+, Leiter der

Britischen Südafrika-Gesellschaft, seit 1890 Minister der Kapkolonie,

verfolgt noch weitergreifende Pläne, findet aber Widerstand bei den

+Buren+-Republiken (S. 408). Transvaal wehrt einen Einfall englischer

Streifscharen (800 Mann) unter +Jameson+ bei +Krügersdorp+ ab (1. Jan.

1896). Jameson gefangen, an England ausgeliefert, zu längerer Haft

verurteilt, aber bald begnadigt.

[1897.]

Die Engländer besetzen +Tirah+, ein afghanisches Grenzgebiet.

[1898.]

England gewinnt die Herrschaft über den ~ägyptischen Sudan~ zurück;

General Kitchener siegt bei +Omdurman+ und erobert +Khartum+.

[1899.]

Abermaliger Vertrag über die ~Samoa~-Inseln; sie werden geteilt

zwischen Deutschland und den Vereinigten Staaten. England verzichtet

auf einen Anteil, erhält dafür bedeutenden Gebietszuwachs im

Hinterlande von Togo, außerdem die +Tonga+inseln und die Inseln

+Choiseul+ und +lsabel+ (Salomoninseln).

Auszug aus der Alten, Mittleren und Neueren Geschichte · 第 42 / 49 段