~Frankfurt~ werden mit der preußischen Monarchie vereinigt. Die
süddeutschen Staaten und Sachsen müssen einzeln Frieden schließen und
Kriegskosten zahlen. -- Von den beabsichtigten Gebietsabtretungen der
Südstaaten wird in der Hauptsache Abstand genommen (nur Bayern und
Hessen müssen Grenzstriche abtreten, jenes +Orb+ und +Gersfeld+, dieses
die eben geerbte Landgrafschaft +Hessen-Homburg+), weil Napoleon III.
Deutschland gegenüber das Verlangen nach einer +»Grenzberichtigung«+
zeigt (s. S. 377).
Zwischen ~Preußen~ und den ~Südstaaten~ werden Schutz- und
Trutzbündnisse geschlossen: Gegenseitige Garantie des Gebiets, die
süddeutschen Staaten stellen für den Fall eines Krieges ihre gesamten
Streitkräfte unter den Oberbefehl des Königs von Preußen. Das
Verlangen Napoleons III. (Abtretung der bayrischen Rheinpfalz und des
linksrheinischen Hessen mit +Mainz+) wird zurückgewiesen.
[3. Okt.]
~Friede zu Wien~ zwischen +Österreich+ und +Italien.+ Venetien wird mit
dem Königreich Italien vereinigt.
[~1866.~ 3. Sept.]
Beilegung des +Verfassungsstreits+ in Preußen (S. 372) durch ein vom
Landtage angenommenes +Indemnitätsgesetz+ wegen der seit 1862 ohne
Staatshaushaltsgesetz geführten Verwaltung.
Der ~Norddeutsche Bund~, gebildet von +Preußen+, den im Kriege mit
ihm verbündet gewesenen Staaten, dem Königreich +Sachsen+ und der
nördlichen Hälfte des Großherzogtums +Hessen.+ Erster ~Reichstag~
des Norddeutschen Bundes 1867 in ~Berlin~; die Verfassung wird
vereinbart. Bundesleitung bei der Krone ~Preußen~, welche den Bund
völkerrechtlich vertritt, in seinem Namen Krieg erklärt, Frieden
und Bündnisse schließt, Gesandte beglaubigt. Die Vertretung der
Regierungen bildet der ~Bundesrat~, in dem Preußen 17, die übrigen 21
Bundesglieder zusammen 26 Stimmen haben. Reichstag aus +allgemeinen+
und +direkten+ Wahlen. Einheitliches Heer unter dem Oberbefehl des
Königs von Preußen (allgemeine Wehrpflicht), einheitliche Zoll-, Post-
und Telegraphenverwaltung. Graf +Bismarck+ ~Bundeskanzler~.
[~1868.~]
Deutsches +Zollparlament+. Abgeordnete aus den süddeutschen Staaten
erscheinen im norddeutschen Reichstag, um die durch Vertrag zwischen
den Regierungen 1867 angebahnte Wiederherstellung des +Zollvereins+ (S.
361) durchzuführen.
Die preußische Flotte (S. 361) wird zur +norddeutschen Kriegsflotte+;
Kriegshäfen werden in +Kiel+ und +Wilhelmshaven+ angelegt. Bestand
der Flotte 1870: 3 Panzerfregatten, 2 Panzerfahrzeuge, 9 Korvetten, 2
Avisos, 22 Kanonenboote.
[~1867.~]
Streit über Luxemburg. Napoleon III. unterhandelt, um für Frankreich
doch eine Vergrößerung zu gewinnen (S. 379), mit dem König der
Niederlande über +Abtretung des Großherzogtums Luxemburg an Frankreich+
gegen eine Geldentschädigung und verlangt, daß die früher zum Deutschen
Bunde (S. 341), nicht aber zu dem neuen Norddeutschen Bunde gehörende
Festung Luxemburg von der +preußischen Besatzung+ geräumt werde.
Ausgleich durch Beschluß einer Konferenz der Großmächte zu London
(+Italien+ als sechste Großmacht anerkannt): 1. Die Neutralität des
Großherzogtums wird von den Großmächten +gemeinsam+ gewährleistet;
2. Die preußische Besatzung räumt die Stadt +Luxemburg+, deren
Festungswerke geschleift werden.
~Ende des Kirchenstaates~. +Italienische+ Freischaren machen mit
stillschweigender Gutheißung ihrer Regierung 1867 (Sept.) einen Angriff
auf das päpstliche Gebiet. Napoleon III. erklärt den früheren Vertrag
(S. 370) für gebrochen und schickt dem Papste Hilfe. Die Freischaren
werden bei +Mentana+ geschlagen; ihr Führer +Garibaldi+ wird nach
kurzer Haft wiederum nach +Caprera+ entlassen. ~Rom~ erhält von neuem
eine ~französische Besatzung~ (S. 363, 370).
[~1869.~ 8. Dez.]
Eröffnung des ~Vatikanischen Konzils~ in Rom, durch welches das
Ansehen des Papsttums nach der Einschränkung seiner weltlichen
Herrschaft gesichert und erhöht werden soll. Verkündung des
+Unfehlbarkeits-Dogmas+ am 18. Juli 1870. Am 20. Sept. 1870 wird Rom
von den italienischen Truppen besetzt, da die französische Besatzung
zurückgezogen ist (s. S. 385). ~Aufhebung des Kirchenstaates.~ +Rom
wird Hauptstadt des geeinigten Italiens.+
§ 8. Deutsch-französischer Krieg 1870–1871.
~Ursache~: Die Meinung der Franzosen, daß ihrer Nation auf dem
europäischen Festlande eine herrschende Machtstellung zukomme. Letztere
hatte die Schwäche der Nachbarstaaten, vor allem Deutschlands zur
Voraussetzung. Die Begründung des italienischen Einheitsstaates und
die Entstehung eines mächtigen deutschen Bundesreiches erschien den
Franzosen wie eine Schmälerung ihres Ruhmes.
~Veranlassungen~: 1. Die inneren Verlegenheiten der Regierung Napoleons
III., welcher, für seinen Thron fürchtend, dem gesetzgebenden Körper
(S. 355) erweiterte Rechte zögernd zugesteht; 2. Die Ablehnung der seit
1866 wiederholt verlangten Ausgleichungen für die Vergrößerung Preußens
an Land und Macht (S. 379, 380). Der von Napoleon durch Benedetti
1867 schriftlich in Berlin eingereichte Vertragsentwurf, nach welchem
Napoleon Luxemburg und Belgien besetzen und dafür Preußen die Aufnahme
der süddeutschen Staaten in den Norddeutschen Bund gestatten wollte,
war von Bismarck »dilatorisch« behandelt worden.
~Vorwand~: Die Übertragung der spanischen Krone an den Prinzen +von
Hohenzollern+ (s. u. § 16), die in Paris als eine +preußische+,
Frankreich gefährdende Intrige dargestellt wird.
Das durch den französischen Botschafter +Benedetti+ in Ems (9. Juli)
an König Wilhelm I. gestellte Verlangen, »dem Prinzen von Hohenzollern
die Annahme der spanischen Krone zu verbieten«, wird zurückgewiesen.
Nach dem freiwilligen Rücktritt des Prinzen verlangt die französische
Regierung eine Erklärung des Königs, »daß er die Bewerbung des Prinzen
um die spanische Krone in Zukunft niemals wieder zulassen werde«.
König Wilhelm weist den französischen Botschafter ab (13. Juli);
Graf Bismarck läßt die Nachricht davon gebende »Emser Depesche«
in verkürzter Form alsbald durch die Zeitungen verbreiten. Darauf
Kriegserklärung Frankreichs (19. Juli). Die +süddeutschen Staaten+
schließen sich unverzüglich auf Grund der bestehenden Bündnisse (S.
379) der Kriegsrüstung des Norddeutschen Bundes an.
A. Krieg gegen die kaiserliche Armee.
~Deutsche Streitkräfte, Oberbefehl König Wilhelm I.~
+Chef des Generalstabes+: General ~v. Moltke.~
Am 31. Juli stehen bereit:
I. Armee (General ~v. Steinmetz~) +südlich+ von +Trier+, 60000 M.
II. Armee (Prinz ~Friedrich Karl~) +südlich+ von +Mainz+, 194000 M.
einschl. Reserve.
III. Armee (hierbei zwei Bayr. Korps, sowie Württemb. und Badische
Div.; ~Kronprinz von Preußen~) +zwischen Landau+ und +Speier+, 130000 M.
Drei Armeekorps (100000 M.) werden Anfang August zur Verstärkung
herangezogen.
Zur +Küstenverteidigung+: General-Gouverneur +Vogel v. Falckenstein+,
17. Division und Landwehr.
Zusammen (einschl. aller Besatzungs- und Ersatztruppen) nahezu eine
Million Mann.
~Feldzugsplan~: Eroberung von Paris, auf dem Wege dahin Abdrängen des
Feindes von dem reichen Süden in das engere Hinterland des nördlichen
Frankreichs. +Angreifen+ unter Zusammenhalten der Kräfte, wo sich der
Feind stellt.
~Französische Streitkräfte~: 300000 M., vorläufig als Rheinarmee unter
Oberbefehl des Marschalls +Bazaine+. Davon stehen:
Marschall ~Mac-Mahon~ bei +Straßburg+ mit 100000 M.,
Marschall ~Bazaine~ bei +Metz+ mit 150000 M.,
Reserven bei +Nancy+ und +im Lager von Châlons-sur-Marne+,
zusammen 50000 M. Außerdem können noch 115 Bataillone ins Feld rücken,
sobald die +Nationalgarde+ sie im Innern des Landes ersetzt.
Auch der französische Feldzugsplan geht auf +überraschenden Angriff+
aus, wird aber zu langsam ausgeführt.
Eine +französische Flotte+ erscheint in der +Ostsee+, bald darauf
eine zweite in der +Nordsee+; es kommt aber zu keiner Landung. Die
+norddeutsche Flotte+ bewacht die Flußmündungen; 17. Aug. Gefecht
der +Grille+, von 3 Kanonenbooten unterstützt, bei +Rügen+ gegen 8
französische Schiffe. Im Sept. ziehen beide französische Flotten sich
zurück. 9. Nov. Kampf des Kanonenboots +Meteor+ bei +Havanna+ gegen ein
größeres französisches Schiff, das zum Rückzug in den Hafen genötigt
wird. Im Januar 1871 nimmt die Korvette +Augusta+ in der +Gironde+
französische Transportschiffe weg, muß dann aber in einem spanischen
Hafen Schutz suchen.
+Bismarck+ erreicht (29. Juli) durch eine aktenmäßige Enthüllung
der Anerbietungen Napoleons auf Kosten Süddeutschlands, Luxemburgs
und Belgiens, daß England, Dänemark, Österreich und Italien neutral
bleiben. Rußland tritt diplomatisch für Preußen in Wien ein.
[~1870.~ 2. Aug.]
Die Franzosen, von +Metz+ her vorrückend, besetzen durch ein Armeekorps
in Gegenwart des Kaisers Napoleon die nur von 1500 Mann preußischer
Truppen verteidigte Stadt ~Saarbrücken~
[4. Aug.]
Treffen bei ~Weißenburg~. Die Vorhut der ~III. Armee~ (Preußen und
Bayern) erstürmt Weißenburg und den stark befestigten +Geisberg+.
~Mac-Mahon~ vereinigt seine Truppen und erwartet den Feind in starker
Stellung, erleidet aber in der
[6. Aug.]
~Schlacht bei Wörth~ durch das Heer des Kronprinzen ~Friedrich Wilhelm~
eine vollständige Niederlage. +Mac-Mahon+ zieht sich auf das befestigte
Lager bei +Châlons+ zurück.
Daselbst trifft bald auch Kaiser +Napoleon III.+ ein und überträgt
~Mac-Mahon~ den Oberbefehl über die neugebildete Armee.
[6. Aug.]
~Schlacht bei Spichern~ (+Saarbrücken+). Teile der I. und II. Armee
(Gen. v. Kameke, v. Alvensleben, v. Goeben) erstürmen die stark
verschanzten Spicherer Höhen.
Der Kronprinz mit der ~III. Armee~ rückt, nach Absendung eines Korps
unter General v. Werder zur Belagerung von +Straßburg+, durch die
unverteidigten Pässe des +Wasgen-Waldes+ nach +Nancy+. Die ~I. Armee~
marschiert auf +Metz+, die ~II. Armee~ auf +Pont à Mousson+ mit der
Absicht, das französische Heer in und bei Metz von Paris abzuschneiden.
Um dem zuvorzukommen, beschließt ~Bazaine~ den Rückzug über +Verdun+
nach +Châlons-sur-Marne+, zur Vereinigung mit +Mac-Mahon+ und neu
herangezogenen Truppen. +Napoleon III.+ eilt voraus nach Châlons.
+Bazaine+ nimmt, als ihn unweit Metz die Vorhut der I. Armee angreift,
den Kampf auf dem +rechten+ Moselufer an. Durch die
[14. Aug.]
+Schlacht bei Colombey-Nouilly+ wird deutscherseits der Zweck erreicht,
den Abzug des Gegners auf Verdun zu verzögern. Der Abmarsch wird
gänzlich vereitelt durch die
[~16. Aug.~]
~Schlacht bei Vionville -- Mars la Tour~, in welcher Prinz +Friedrich
Karl+ mit Teilen der II. Armee (die Brandenburger unter Gen. v.
Alvensleben) die weit überlegenen feindlichen Streitkräfte bei Metz
festhält. Verlust 16000 Mann, ebensoviel auf französischer Seite.
Nachdem die übrigen Truppen der I. und II. Armee herangekommen sind,
werden die Franzosen in ihren +befestigten Stellungen+ westlich von
Metz von neuem angegriffen.
[~1870 18. Aug.~]
~Schlacht bei Gravelotte-Saint Privat.~ 180000 Deutsche unter dem
Oberbefehl +König Wilhelms+ gegen mindestens ebensoviel Franzosen.
Mörderischer Kampf auf dem linken Flügel; die preußische Garde, von
den Sachsen unterstützt, erstürmt die Höhen von +St. Privat+. Verlust
der Deutschen 20000, der Franzosen 13000. Bazaines Armee wird in die
Festung +Metz+ gedrängt und daselbst eingeschlossen.
Prinz +Friedrich Karl+ leitet die ~Belagerung von Metz,~ während die
III. Armee (Kronprinz) von Nancy her gegen +Châlons+ vorrückt. Mit ihr
wirkt zusammen eine von der II. Armee (die vor Metz bleibt) abgetrennte
IV. +(Maas-) Armee+ unter ~Kronprinz Albert von Sachsen.~
+Mac-Mahon+ verläßt, von Napoleon III. begleitet, Châlons und versucht
auf dem Umwege über Reims +Metz+ zu erreichen, um sich mit Bazaine zu
vereinigen. Dies Unternehmen wird deutscherseits rechtzeitig entdeckt;
die III. und IV. Armee schwenken deshalb vom Vormarsch gegen Paris
rechts ab; die +IV. Armee+ erreicht die Franzosen an der +Maas+, greift
an und verhindert durch die siegreiche
[30. Aug.]
~Schlacht bei Beaumont~ den geplanten Entsatzversuch von Metz, drängt
auch die Mac-Mahonsche Armee in eine äußerst ungünstige Lage.
+Bazaine+ versucht die Einschließung von Metz zu durchbrechen, wird
aber durch die
[31. Aug. u. 1. Sept.]
~Schlacht bei Noisseville~ zurückgetrieben.
Gleichzeitig wird Mac-Mahon von der III. und IV. deutschen Armee bei
+Sedan+ an der Maas eingeschlossen (über 200000 Deutsche gegen 124000
Franzosen).
[~1. Sept.~]
~Schlacht bei Sedan.~ Heftiger Kampf der Bayern bei +Bazeilles+, der
Sachsen bei +Daigny+, der Preußen bei +Givonne+, +Illy+ und +Floing+.
Die Franzosen werden in die Stadt hineingedrängt. Nach Beginn der
Beschießung wird in der Stadt die weiße Fahne aufgezogen. ~Napoleon
III.~ gibt sich gefangen, verläßt die Stadt am 2. Sept. früh.
Zusammentreffen mit Graf Bismarck bei +Donchery+, wo während der Nacht
über die Bedingungen der Übergabe verhandelt war (+Moltke,+ +Bismarck,+
+Wimpffen,+ Mac-Mahon war verwundet).
[~2. Sept.~]
~Übergabe von Sedan,~ 39 Generale, über 2300 Offiziere, 83000 Mann
(außerdem schon während der Schlacht über 20000 M.) kriegsgefangen, 419
Feld- und 139 Festungsgeschütze erbeutet.
3090 Mann erreichen die belgische Grenze und werden dort entwaffnet;
das Korps Vinoy entkommt von Mézières nach Paris.
Zusammenkunft zwischen Kaiser ~Napoleon III.~ und ~König Wilhelm I.~ in
dem Schlosse +Bellevue+ bei +Donchery+; Napoleon als Kriegsgefangener
nach +Wilhelmshöhe+ (bei Kassel) gebracht.
[~1870. 4. Sept.~]
~Frankreich Republik~ (+Dritte Republik+). Provisorische »Regierung
der nationalen Verteidigung«: +Trochu+ Präsident und Gouverneur von
Paris, +Favre+ Auswärtiges, +Gambetta+ Inneres. Für den Krieg »bis aufs
Äußerste« wird die ganze Nation zu den Waffen gerufen, die Flotten
werden aus der Nordsee und Ostsee zurückgezogen. Die Kaiserin Eugenie
flieht mit ihrem Sohn nach England.
Alle deutschen Truppen, welche bei Sedan gekämpft haben, marschieren
gegen Paris und erreichen bis 19. Sept. die Einschließung (S. 387ff.).
~B. Krieg gegen die republikanischen Heere.~
In zahlreichen Festungen Frankreichs stehen noch kaiserliche Truppen,
die sich aber den Geboten der Republik fügen. Nach dem Sturz des
Kaisertums zunächst Friedensverhandlungen in +Ferières+ zwischen
Bismarck und Favre. Sie bleiben erfolglos, da Frankreich jede
Gebietsabtretung verweigert. +Thiers+ bereist die europäischen Höfe,
findet aber keine Unterstützung (S. 382f.). Besonders aus England
erhält Frankreich starke Zufuhr an Waffen und Munition.
Das Korps des +Großherzogs von Mecklenburg+ (s. S. 378), bisher zum
Schutz der deutschen Küste tätig, sichert die +Eisenbahnverbindung+
nach Deutschland durch Einnahme der Festungen +Toul+ und +Soissons+.
Demselben Zwecke dient die nach und nach folgende Einnahme der
Festungen Schlettstadt, Verdun (8. Nov.), Diedenhofen, Montmédy,
Mézières u. a. Schwieriger Schutz der Etappenstraßen gegen Überfälle
französischer +Franctireurs+. Das besetzte französische Gebiet wird in
4 General-Gouvernements eingeteilt.
[27. Sept.]
~Übergabe von Straßburg~ nach längerer Belagerung (bei der
die wertvolle Bibliothek zerstört wurde) durch preußische und
badische Truppen unter Gen. +v. Werder.+ Besatzung von 17000 Mann
kriegsgefangen. Die preußische Garde-Landwehr zieht gegen Paris; mit
der badischen Division und einigen preußischen Regimentern marschiert
Gen. +v. Werder+ durch den Wasgau nach Südwesten (Epinal -- Vesoul --
Dijon, S. 387ff.).
~Gambetta~, welcher Paris im Luftballon verlassen hat, übernimmt (9.
Okt.) die Diktatur in ~Tours.~ Seinem Organisationstalent gelingt es,
im Laufe der nächsten vier Monate etwa 800000 M. ins Feld zu stellen:
aus Resten der alten Armee, Zuzügen aus Algier, Marinetruppen und
durch Massenaufgebot. Es entstehen vier neue Heere; die +Loire-Armee+
bei Orléans, die +Westarmee+ bei Rouen, die +Nordarmee+ bei Lille,
die +Ostarmee+ bei Besançon. ~Eroberung oder Rettung von Paris bleibt
Hauptziel des Krieges.~
[~1870. 27. Okt.~]
~Übergabe von Metz~ (belagert seit 19. August). Nach mehreren
vergeblichen Ausfällen ergibt sich +Bazaine+, durch Hunger gezwungen,
mit seiner großen Armee; 6000 Offiziere, 187000 Mann kriegsgefangen,
622 Feld-, 876 Festungsgeschütze erbeutet.
~Prinz Friedrich Karl~ mit der II. Armee marschiert gegen die
französische +Loire-Armee+, General ~v. Manteuffel~ mit einer neu
eingeteilten I. Armee gegen die +französische Nordarmee+ (S. 387).
+a) Der Feldzug an der Loire und gegen Le Mans.+
[Okt.]
Die ~Loire-Armee~ (etwa 30000 M. stark und noch nicht kriegsbereit)
ergreift in den ersten Oktobertagen von ~Orléans~ aus die Offensive auf
~Paris.~ Gegen sie marschiert südlich von Paris General ~v. d. Tann~
mit dem I. bayrischen Korps und der 22. Division, drängt die Franzosen
nach empfindlicher Niederlage bei +Artenay+ (10. Okt.) zurück +und
besetzt Orléans+ (11. Okt.).
[Nov.]
Zweite Offensive der auf 200000 Mann verstärkten +Loire-Armee+, welche
den General v. d. Tann bei +Coulmiers+ (9. Nov.) zum Rückzug auf
Artenay und zur +Räumung von Orléans+ nötigt, v. d. Tann gewinnt (nicht
verfolgt) Anschluß an den +Großherzog von Mecklenburg+, tritt in den
Verband der diesem unterstellten ~Armee-Abteilung~ (50000 M.), welche
die Einschließung von Paris gegen Westen und Süden sichern soll. Sie
drängt zunächst ein von Westen her anrückendes französisches Korps in
beschwerlichem Kleinkriege gegen Freischaren nach +Le Mans+ zurück.
Inzwischen hat die +Loire-Armee+ sich befestigte Stellungen nördlich
von Orléans geschaffen; von deutscher Seite aber rückt Prinz ~Friedrich
Karl~ heran, und der ~Großherzog von Mecklenburg~ kommt von Westen her
zu gemeinsamem Angriff. Das erneute Vorrücken der Loire-Armee wird
durch die
[28. Nov.]
+Schlacht bei Beaune la Rolande+ (II. Armee) und die
[2. Dez.]
+Schlacht bei Loigny-Poupry+ (Großherzog von Mecklenburg) rechtzeitig
vereitelt.
Nach weiteren harten Kämpfen der beiden deutschen Heere wird ~Orléans~
+von ihnen besetzt+.
Von der Loire-Armee entweicht ein Teil nach Süden, wo +General
Bourbaki+ neue Streitkräfte organisiert (vgl. S. 388), der andere wird
durch General +Chanzy+ nach +Westen+ zurückgeführt und auch durch
Verstärkungen neu gefestigt. Chanzy versucht, über +Vendôme+ auf Paris
zu ziehen; dies vereitelt die deutsche Armee-Abteilung durch schwere
Kämpfe
[7.–10. Dez.]
bei +Beaugency-Cravant+. Chanzy geht hinter die Loir auf +Le Mans+
zurück. Deutsche Erkundungsgefechte: Das Detachement +Boltenstern+ bei
+Montoire+ (27. Dez.). Die Regierung von Tours wird nach +Bordeaux+
verlegt. (Gambetta in Bourges.)
[~1871.~ Jan.]
Die Armee-Abteilung wird aufgelöst und findet teils bei der II. Armee,
teils bei Orléans und Paris Verwendung. ~Prinz Friedrich Karl~,
unaufhaltsam vorrückend trotz der Winterkälte, vernichtet die Armee des
General +Chanzy+ (150000 M.) in der
[~10.–12. Jan.~]
~Schlacht vor Le Mans~ (20000 Gefangene). Die deutsche II. Armee
bleibt bei Le Mans und an der Loire, das Korps des Großherzogs von
Mecklenburg-Schwerin marschiert nach Rouen.
+b) Der Feldzug im Norden und Nordwesten Frankreichs.+
Um die Einschließung von +Paris+ gegen Truppenansammlungen im Norden
Frankreichs zu sichern, rückt die I. Armee, drei preußische Korps unter
General ~v. Manteuffel~, von Metz aus in nordwestlicher Richtung vor
(S. 386). Sie schlägt die aus Marinetruppen und Mobilgarden gebildete
französische +Nord+armee in der
[~1870.~ 27. Nov.]
~Schlacht bei Amiens~, nimmt diese Stadt ein und besetzt dann ~Rouen~
(5. Dez.); die dort auftretende französische +West+armee (S. 385)
weicht ernsten Kämpfen aus. Die +Nordarmee+, von General +Faidherbe+
wieder gesammelt und verstärkt, rückt wieder gegen +Amiens+ vor.
[23. u. 24. Dez.]
~Schlacht an der Hallue~ (Nebenfluß der Somme). Die Franzosen ziehen
sich unter Mangel und Kälte auf +Arras+ zurück. Die Deutschen belagern
darauf die Festung +Péronne+; Faidherbes Versuch, diese zu entsetzen,
wird vereitelt durch die Schlacht bei ~Bapaume~ (3. Jan. 1871);
Péronne ergibt sich 9. Jan. Die bei Rouen verbliebenen Ostpreußen (I.
A.-K.) zerstreuen eine Ansammlung der Westarmee durch das Gefecht bei
+Robert-le-Diable+ (4. Jan.).
Am 8. Jan. hat für den zum südöstlichen Kriegsschauplatz abberufenen
Gen. v. Manteuffel Gen. ~v. Goeben~ den Oberbefehl übernommen.
Der Plan der Franzosen, über +St. Quentin und Reims auf Paris+ zu
marschieren, wird rechtzeitig erkannt; sie werden durch das Gefecht bei
+Tertry-Poeuilly+ (18. Jan.) aufgehalten.
[~1871. 19. Jan.~]
~Schlacht von St. Quentin~, in welcher General v. Goeben die Nordarmee
entscheidend schlägt. Die +Nordfestungen+ verhindern ausgiebige
Verfolgung.
+c) Der Feldzug im Osten Frankreichs.+
[~1870~ (Okt.).]
General ~v. Werder~ wendet sich nach der Einnahme von Straßburg (S.
385) gegen die Franctireurs in den +Vogesen+ und die französische
~Ostarmee~ in +Ober-Elsaß und Burgund+, insbesondere um den Heeren vor
Paris und Metz die Verbindung nach Deutschland zu sichern. Die Ostarmee
will den Abstieg aus den Vogesen bei +St. Dié+ verwehren, wird aber auf
Besançon zurückgedrängt. Die badischen Truppen besetzen ~Dijon~ (31.
Okt.); die aus dem Elsaß nachrückende Landwehr-Division v. Tresckow
schließt die Festung ~Belfort~ ein (8. Nov.).
Die Franzosen verstärken sich durch Heranziehung der vor Orléans (S.
386) geschlagenen und bei Bourges wieder gesammelten Loire-Truppen;
den Oberbefehl übernimmt Gen. ~Bourbaki~. Gen. v. Werder tritt den von
Süden her anrückenden Feinden bei +Nuits+ entgegen (18. Dez.), räumt
dann aber freiwillig +Dijon+, um die Belagerung von Belfort zu decken,
und vereinigt sein Korps in starker Stellung bei +Vesoul+ (30. Dez.).
Bourbaki, von Gambetta getrieben, aber durch mangelnde Ausrüstung der
Truppen gehemmt, beginnt seinen Vormarsch. Dijon wird von den unter
+Garibaldis+ (S. 370, 381) Befehl stehenden Freischaren besetzt.
[~1871.~ 9. Jan.]
Treffen bei +Villersexel+, anfangs glücklich für die Franzosen, aber
bei Abbruch des Nachtgefechts ist die Stadt in deutscher Hand.
General v. Werder durchkreuzt die Absicht Bourbakis, ihn von Belfort
abzudrängen, durch Abmarsch hinter die +Lisaine+ (Nebenfluß des Doubs)
und schiebt sich in einer Stellung Héricourt-Montbéliard zwischen die
französische Ostarmee und Belfort.
[~15.–17. Jan.~]
~Schlacht an der Lisaine.~ In dreitägigem Kampfe bei strenger Kälte
gelingt es den Franzosen (140000 M.) nicht, die deutschen Linien
(43000 M., Badener und preußische Landwehr) zu durchbrechen; in voller
Auflösung strömt die Ostarmee auf Besançon zurück.
Zu derselben Zeit erreichen die zur Unterstützung gesandten deutschen
Truppen (II. und VII. A.-K.) unter General ~v. Manteuffel~ die Gegend
westlich +Vesoul+. Auf die Nachricht von Werders Sieg wendet sich
Manteuffel sofort südlich nach Besançon; Werder schließt sich diesem
Vormarsch an. Weitestes Vordringen einer deutschen ~Südarmee~.
Hierdurch ist für Bourbaki der Rückzug nach Westen oder Süden
abgeschnitten; nach seiner Absetzung führt General +Clinchant+
die Ostarmee auf Pontarlier, in der Hoffnung, längs der Grenze zu
entkommen. Durch den +Jura+ drängen aber die Deutschen kräftig nach,
und unter letzten Gefechten bei +La Cluse+ und +Pontarlier+ tritt die
Ostarmee (80000 Mann) auf ~Schweizer Gebiet~ (1.–3. Febr.) über und
gerät damit in Kriegsgefangenschaft. Nur Teile der Division Cremer
entkommen nach Südfrankreich.