~Schlacht bei Solferino~ (südlich vom Gardasee), 111000 Franzosen und

50000 Sardinier gegen 140000 Österreicher unter Kaiser Franz Joseph.

Die feste Stellung der Österreicher wird erstürmt; sie ziehen sich in

das +Festungsviereck+ (Mantua, Peschiera, Verona, Legnago) zurück. Der

Prinzregent von Preußen zur Hilfeleistung bereit, verlangt aber für

sich den Oberbefehl über die +gesamte deutsche Streitmacht+ und völlige

Selbständigkeit. Österreich dagegen fordert von ihm Unterordnung

unter die Befehle des Bundestages. Zusammenkunft der beiden Kaiser in

Villafranca, dann Waffenstillstand von +Villafranca+ (Juli) und (10.

Nov.) ~Friede zu Zürich~: 1. Österreich tritt die +Lombardei+ (mit

Ausnahme von +Mantua+ und +Peschiera+) an +Napoleon II.+ ab, der sie

an +Sardinien+ gibt. 2. Italien soll einen +Staatenbund+ bilden unter

dem Ehrenvorsitz des Papstes. 3. Die während des Krieges vertriebenen

Herrscher von +Toskana+ und +Modĕna+ sollen wieder eingesetzt, die

aufständischen +Legationen+ (Bologna usw.) dem Papst zurückgegeben

werden, aber »ohne fremde Intervention«.

Trotz dieser Bestimmungen des Züricher Friedens werden durch

Volksabstimmung

[~1860.~]

+Toskana+, +Parma+ (wo der Herzog gleichfalls hatte fliehen müssen),

+Modĕna+ und die päpstlichen +Legationen+ mit der Monarchie Viktor

Emanuels vereinigt, wogegen dieser +Savoyen+ und +Nizza+ an Frankreich

abtreten muß.

Landung ~Garibaldis~ in +Sicilien+ (11. Mai) mit 1000 Freiwilligen,

deren Zahl sich schnell vermehrt. Palermo und Messina ohne großen

Widerstand eingenommen. Er setzt nach dem Festlande über (20. Aug.);

König Franz II. verläßt seine Hauptstadt +Neapel+ und zieht sich mit

40000 Mann hinter den +Volturno+ zurück. Unterdes waren +sardinische+

Truppen in Umbrien und die Marken eingerückt. Der in päpstliche Dienste

getretene französische General +Lamoricière+ wird in dem

[18. Sept.]

~Treffen bei Castelfidardo~ von +Cialdini+ geschlagen.

Der Kirchenstaat mit Ausnahme des Gebietes um Rom (+Patrimonium Petri+)

wird von Viktor Emanuel besetzt, der alsdann in das neapolitanische

Gebiet einrückt und sich mit Garibaldi vereinigt. König +Franz II.+

zieht sich mit seinen Truppen nach ~Gaëta~ zurück. Belagerung dieser

Festung; sie ergibt sich Febr. 1861.

[~1861.~ 17. März.]

~Viktor Emanuel II. König von Italien.~ Mit Ausnahme von +Venetien+ und

dem Gebiet um +Rom+ (Patrimonium Petri) ist die ganze Halbinsel unter

+einem+ Scepter vereinigt. Die meisten der vertriebenen Fürsten wenden

sich nach Österreich. Tod +Cavours+ 6. Juni 1861.

[1862.]

Neuer Freischarenzug +Garibaldis+, um gegen den Willen der Regierung

Rom zu befreien. Er wird am +Aspromonte+, der Südspitze Italiens,

verwundet und gefangen, zieht sich dann nach der Insel +Caprera+ (bei

Sardinien) zurück.

[~1864.~ 15. Sept.]

Vertrag zwischen +Frankreich+ und +Italien+: die Dauer der

französischen Besetzung Roms (s. S. 363) auf noch 2 Jahre festgesetzt,

zur Hauptstadt Italiens wird ~Florenz~ bestimmt; die italienische

Regierung übernimmt den Schutz des Patrimonium Petri gegen jeden

fremden Einfall.

[~1861–1867.~]

~Krieg in Mexiko.~ Der 1861 in den Vereinigten Staaten von Amerika

ausgebrochene Bürgerkrieg (s. u. § 18) veranlaßt +Napoleon III.+ zu

einem weitausschauenden Unternehmen. Frankreich verbündet sich mit

+England+ und +Spanien+, um die Republik +Mexiko+ (Präsident +Juarez+)

zur Erfüllung vertragsmäßiger Verpflichtungen gegen Kaufleute dieser

Länder zu zwingen. Nach Besetzung der Hafenstadt +Veracruz+ kommt ein

Vertrag zustande; die französischen Truppen aber dringen weiter vor.

England und Spanien nehmen an dem nun beginnenden Kriege nicht teil.

[1863.]

Die Franzosen erobern +Puebla+, dann auch die Hauptstadt +Mexiko+; eine

dorthin berufene Nationalversammlung wählt den Erzherzog ~Maximilian~,

Bruder des Kaisers von Österreich (S. 282), zum ~Kaiser von Mexiko~.

Dieser erscheint 1864, kämpft gegen die republikanischen Truppen,

unterstützt von den Franzosen unter +Bazaine+, kann aber des Landes

nicht Herr werden. Die +Vereinigten Staaten+, wo mittlerweile der Krieg

zu Ungunsten der Südstaaten entschieden ist, schreiten zu Gunsten der

Republik ein, nach dem von +Monroe+ (S. 346) ausgesprochenen Grundsatz.

[1867.]

Abzug der Franzosen aus Mexiko. Kaiser Maximilian setzt allein den

Kampf fort, wird nach tapferer Gegenwehr in +Queretaro+ eingeschlossen,

durch Verrat gefangen, auf Juarez’ Befehl vor ein Kriegsgericht

gestellt und erschossen. +Juarez+, 1871 als Präsident wiedergewählt,

hat mit Parteikämpfen zu ringen, † 1872. Geordnete Zustände stellt der

Präsident Porfirio +Diaz+ (1877–1911) her (s. u. § 18).

Napoleons III. Ansehen in Frankreich durch das Fehlschlagen der

Expedition nach Mexiko schwer erschüttert; er versucht es durch

+Einmischung in die deutschen Verhältnisse+ wiederherzustellen.

§ 7. Deutschlands Einigung durch Preußen.

[~1861.~ 26. Febr.]

In ~Österreich~ wird eine neue ~Gesamtstaatsverfassung~ verkündigt

(engerer Reichsrat für die deutsch-slavischen Länder, weiterer

Reichsrat durch Hinzutritt der ungarischen Abgeordneten für die

gemeinsamen Angelegenheiten). Widerstand gegen diese Verfassung

besonders von seiten der +Ungarn+, welche die Wiederherstellung ihrer

besonderen Verfassung mit eigenem Ministerium und die politische

Wiedervereinigung der seit 1849 abgetrennten Länder Siebenbürgen,

Kroatien, Slawonien und der Militärgrenze mit dem Königreich Ungarn

verlangen (S. 357 f.)

[2. Jan.]

In ~Preußen~ nach dem Tode Friedrich Wilhelms IV. König ~Wilhelm

I.~;[58] Krönung in +Königsberg+ 18. Okt. Bald darauf bricht

infolge der von der Regierung auf Veranlassung des Königs

durchgeführten +Verstärkung des Heeres+ (Kriegsminister +v. Roon+) ein

~Verfassungsstreit~ aus.

[~1862.~]

Auflösung des Abgeordnetenhauses. Die oppositionelle Mehrheit kehrt

infolge der Neuwahlen verstärkt zurück.

[23. Sept.]

Ministerpräsident ~v. Bismarck.~[59] Die Verstärkung des Heeres wird

aufrecht erhalten; das +Staatshaushaltsgesetz+ kommt in diesem und den

nächsten Jahren nicht zustande.

Der Kurfürst von +Hessen+ (S. 360) wird genötigt, die vom deutschen

Bundestage nunmehr gebilligte Verfassung von 1831 anzuerkennen.

[~1863.~]

+Aufstand in Polen.+ Intervention der drei Mächte England, Frankreich,

Österreich zu Gunsten der Polen ohne Erfolg. Preußen schließt einen

Vertrag mit Rußland und sperrt seine Grenzen für die Aufständischen

aufs strengste ab. Damit erwirbt es sich ein weiteres Anrecht auf

Rußlands Dank (S. 366).

[Aug.]

~Fürstentag zu Frankfurt am Main~ unter Vorsitz des Kaisers +Franz

Joseph,+ zur Beratung einer +Reform des Deutschen Bundes+ (Direktorium

von 5 Fürsten und Bundesrat unter Österreichs Vorsitz, Parlament aus

Abgesandten der Landtage der Einzelstaaten). Die Beratungen bleiben

erfolglos, da +Preußen+ die Beteiligung ablehnt.

Durch die wiederholte Verletzung des Londoner Protokolls, besonders

aber durch das dänische Patent vom 30. März 1863 und die in Kopenhagen

von den »+Eiderdänen+« durchgesetzte gemeinsame +Verfassung+ für

Dänemark und Schleswig, welche +Schleswig+ mit ~Dänemark~ vereinigt,

also von Holstein trennt und die Rechte der holsteinischen Stände (S.

362) auf ein geringes Maß herabdrückt, wird die seit 1852

gegenüber den Übergriffen der Dänen oft bewährte Geduld des deutschen

+Bundestages+ erschöpft; er beschließt (1. Okt. 1863) ~Bundesexekution~

gegen Dänemark.

[~1863.~ 15. Nov.]

Tod Friedrichs VII.; nach dem Londoner Protokoll (S. 362) folgt

+Christian IX.+ († 1906). Dieser bestätigt die Gesamtstaatsverfassung.

Große Aufregung in Deutschland; man fordert vollständige +Trennung+

Schleswig-Holsteins von Dänemark und sofortige Besetzung des ganzen

Landes durch deutsche Bundestruppen. Aber auf Antrag +Österreichs+ und

+Preußens+, welche sich durch das Londoner Protokoll gebunden erklären,

bringt der Bundestag nur seinen früheren Beschluß zur Ausführung und

läßt 12000 +Hannoveraner+ und +Sachsen+ in die zum Bunde gehörigen

Herzogtümer +Holstein+ und +Lauenburg+ einrücken. In Holstein wird

+Friedrich VIII.+ von Augustenburg (S. 362) als Herzog ausgerufen.

[~1864.~]

~Krieg gegen Dänemark.~

+Österreich+ und +Preußen+ verlangen (Jan. 1864) die Aufhebung

der neuen dänischen Verfassung, weil sie den 1852 übernommenen

Verpflichtungen widerspreche. Da Dänemark sich weigert, rücken 37000

Preußen und 23000 Österreicher unter dem Oberbefehl des preuß.

Feldmarschalls +v. Wrangel+ in Schleswig ein. Holstein bleibt von den

Bundestruppen besetzt. Die Österreicher rücken auf das +Danewerk+

los; die Preußen gehen nach einem vergeblichen Versuch bei +Missunde+

bei +Arnis+ über die +Schlei+. Darauf Rückzug der dänischen Truppen

(35000 Mann) aus dem Danewerk; der größte Teil zieht nach +Düppel+.

General +v. Moltke+[60] trifft beim Oberkommando der Verbündeten ein.

Die Österreicher unter +Gablenz+ dringen nach siegreichem Kampfe bei

+Översee+ (6. Febr.) vereint mit einem Teil der Preußen in +Jütland+

ein; die preußischen Hauptkräfte übernehmen die Belagerung der Düppeler

Schanzen.

[~18. Apr.~]

~Die Preußen erstürmen die Düppeler Schanzen~ (118 Geschütze erobert).

Die Dänen ziehen sich nach Alsen, Fünen und Nordjütland zurück, räumen

auch die Festung Fridericia.

[12. Mai bis 25. Juni.]

~Waffenruhe~, Verhandlungen zu ~London~. Da man sich weder über eine

+Personal-Union+ der Herzogtümer mit der Krone Dänemark, noch über eine

+Teilung Schleswigs+ nach den Nationalitäten einigen kann (Dänemark

hofft vergeblich auf Hilfe von England und Rußland), so sagt Preußen

sich von dem durch Dänemark so oft gebrochenen Londoner Protokoll

los, und der Krieg beginnt von neuem. -- Die +Preußen+ unter General

+Herwarth von Bittenfeld+ bewerkstelligen bei Nacht auf Kähnen den

[~1864. 29. Juni.~]

~Übergang nach der Insel Alsen~, schlagen die Dänen auf allen Punkten

und treiben sie nach Fünen hinüber. Auch Nordjütland wird von den

Verbündeten besetzt.

Zur See hatten am 17. März drei preußische Schiffe bei +Jasmund+ (an

der Ostseite von Rügen), am 9. Mai zwei österreichische und drei

preußische Schiffe bei +Helgoland+ gegen die Dänen gekämpft; vom 13.

bis 17. Juli gelang mit Hilfe der Kanonenboote die Besetzung der Inseln

+Sylt+ und +Föhr+.

[20. Juli.]

Waffenstillstand, Verhandlungen in Wien.

[22. Aug.]

~Genfer Konvention~ zum Schutz der Verwundeten und Kranken im Kriege,

von den meisten europäischen Staaten unterzeichnet (das Rote Kreuz).

[30. Okt.]

~Friede zu Wien~: König Christian IX. von Dänemark tritt die

Herzogtümer Schleswig, Holstein und Lauenburg an +Österreich+ und

+Preußen ab+.

Die Bundestruppen verlassen Holstein; Österreich und Preußen setzen für

die Herzogtümer eine +gemeinschaftliche Regierung+ ein. Mißstimmung

darüber in den Herzogtümern und vielfach in Deutschland; man wünscht

ein +selbständiges Schleswig-Holstein+. Österreich begünstigt die

Einsetzung des Prinzen Friedrich von Augustenburg; der preußische

Minister +v. Bismarck+ verlangt (Febr. 1865) für den Fall, daß zu den

in Deutschland vorhandenen Kleinstaaten ein neuer hinzutreten soll:

1. Daß dessen gesamte Streitkräfte ein Teil der preußischen Armee und

Flotte werden, 2. Seine Eisenbahnen, sein Post- und Telegraphenwesen

unter preußische Leitung kommen, 3. Eintritt der Herzogtümer in den

Zollverein und Abtretung einiger militärisch wichtiger Orte, namentlich

Friedrichsort an der Kieler Förde und Sonderburg.

Um Streitigkeiten zwischen den Regierungskommissaren der beiden

Großmächte fernerhin zu vermeiden, schließen Österreich und Preußen den

[~1865.~ 14. Aug.]

~Vertrag zu Gastein~: 1. Beide Mächte behalten die gemeinschaftliche

Oberhoheit über +beide+ Herzogtümer; +Österreich+ übernimmt +vorläufig+

die Verwaltung in Holstein, +Preußen+ in Schleswig. +Rendsburg+ soll

Bundesfestung, +Kiel+ Bundeshafen werden; die Benutzung dieses Hafens

bleibt gemeinschaftlich, doch erhält +Preußen+ dort den Oberbefehl;

auch werden ihm zwei Militärstraßen, Telegraphen- und Postlinien durch

Holstein zugesichert. 3. Österreich tritt das Herzogtum +Lauenburg+

(S. 341) an Preußen ab gegen Zahlung von 2½ Millionen dänischer

Taler. Bald zeigt sich, daß diese Einigung keinen Bestand haben kann.

Österreich, entschlossen, eine wesentliche Machtvergrößerung Preußens

nicht zuzugeben, verständigt sich mit den +deutschen Mittelstaaten+;

Preußen, welches eine kriegerische Entscheidung der deutschen Frage

als unvermeidlich ansieht, tritt mit +Italien+ in Unterhandlung. Es

beginnt ein +Krieg,+ der durch das energische Vorgehen der preußischen

Heeresmacht schnell zu Ende geführt wird.

~1866. Der deutsche Krieg.~

Verbündete ~Preußens~: Die +kleineren norddeutschen+ Staaten und

+Italien+ (s. S. 379).

Verbündete ~Österreichs~: +Bayern, Württemberg, Sachsen, Hannover,

Baden, beide Hessen.+

~Ursache~: Das Verlangen der deutschen Nation nach größerer Einheit.

Eine Neugestaltung Deutschlands mit starker Bundesgewalt gegenüber den

Einzelstaaten war unmöglich, solange sich im Deutschen Bunde +zwei+

Großmächte gegenüberstanden, von welchen die eine größtenteils +nicht

deutsche+ Bevölkerung und +nicht deutsche+ Interessen hatte.

~Veranlassung~: Der Streit über die Zukunft der Herzogtümer Schleswig

und Holstein.

[~1866.~ 9. April.]

Preußen stellt bei dem +Bundestage+ in Frankfurt den

Antrag auf +Reform der Verfassung des Deutschen Bundes+ unter Mitwirkung

eines aus allgemeinem Wahlrecht hervorgehenden +Parlaments.+

Die von +Frankreich, England+ und +Rußland+ (24. Mai) angebotene

Vermittelung wird vereitelt durch die Forderung Österreichs, daß auf

der etwaigen +Friedenskonferenz+ von keiner +Gebietsveränderung+ die

Rede sein solle.

Österreich stellt (1. Juni) die Entscheidung der

schleswig-holsteinischen Erbfolgefrage dem +Deutschen Bunde+ anheim

und läßt durch den Gouverneur +v. Gablenz+ die holsteinische

Ständeversammlung einberufen. Preußen erklärt dies für einen Bruch des

Gasteiner Vertrages; Gen. +v. Manteuffel,+ Gouverneur von Schleswig,

rückt mit Truppen in Holstein ein. Gablenz mit den österreichischen

Truppen zieht sich unter Protest zurück.

[10. Juni.]

Preußen legt den deutschen Regierungen den Entwurf einer

neuen +bundesstaatlichen+ Verfassung unter preußischer Leitung mit

Ausschluß Österreichs vor. Der Bundestag zu Frankfurt beschließt auf

Österreichs Antrag

[14. Juni.]

~Mobilmachung~ der gesamten ~Bundesarmee~ mit Ausnahme der

drei preußischen Bundesarmeekorps. Austritt Preußens und ~Auflösung~

des ~Deutschen Bundes~.

[~1866.~ 15. Juni.]

Aufforderung +Preußens+ an +Sachsen, Hannover+ und +Kurhessen+, von dem

Bundesbeschluß zurückzutreten, ihre Truppen auf Friedensfuß zu setzen

und sich dem vorgeschlagenen neuen Bunde unter preußischer Leitung

anzuschließen. Diese Aufforderung wird abgelehnt.

~A. Östlicher (Haupt-) Kriegsschauplatz.~

~Preußen gegen Österreicher und Sachsen.~

~Preußen~: +Erste Armee+ (~Prinz Friedrich Karl~) i. d. +Lausitz,+

93000 M. +Elbarmee+ (General +Herwarth v. Bittenfeld+) i. d. Provinz

+Sachsen+, 46000 M. +Erstes Reserve-Korps+ (General +v. d. Mülbe+) bei

+Berlin+, 24000 M. +Zweite Armee+ (~Kronprinz Friedrich Wilhelm~) in

+Schlesien+, 115000 M.

~Österreich~: +Nordarmee+ (~Feldzeugmeister v. Benedek~) in +Böhmen+

und +Mähren+, 240000 M.

+Sächsische Armee (Kronprinz Albert)+ 24000 M.

[16. Juni.]

Einmarsch der preußischen Elbarmee in Sachsen. König Johann begleitet

seine Truppen nach +Böhmen+; nur die Festung +Königstein+ bleibt von

sächsischen Truppen besetzt.

[19. Juni.]

Die Elbarmee besetzt +Dresden+; bei ihrem weiteren Vormarsch bleibt die

1. Division des +Korps v. d. Mülbe+ als Besatzung in Sachsen.

[23. Juni.]

Die preußische Elb- und die erste Armee überschreiten die

+österreichische Grenze ohne Gefecht,+ die zweite Armee folgt am 26.

Juni; gemeinsames Ziel +Gitschin+.

Erstes Zusammentreffen an der +Iser+: Siegreiche Gefechte der

Preußen am 26. Juni bei +Podol+ (Teile der +ersten Armee+) und bei

+Hühnerwasser+ (Teile der +Elbarmee+); dann gewinnen beide Armeen

Anschluß und sind bei +Münchengrätz+ (28. Juni) und +Gitschin+ (29.

Juni) siegreich.

Das zur preußischen +zweiten Armee+ gehörige Korps v. Bonin wird am

27. Juni von den Österreichern bei +Trautenau+ geschlagen, aber die

preußische Garde dringt siegreich vor bei +Soor+ (28. Juni) und besetzt

+Königinhof+ (29. Juni). Vereinigung mit dem Korps des Generals von

Steinmetz, welcher drei österreichische Korps bei +Nachod+ (27. Juni),

+Skalitz+ (28. Juni), +Schweinschädel+ (29. Juni) zurückgeschlagen hat.

~König Wilhelm I.~ trifft am 1. Juli in Gitschin ein und übernimmt den

~Oberbefehl~ über ~alle preußischen Heere~; Chef des Generalstabes

~General v. Moltke.~ Es wird beschlossen, mit vereinten Kräften die

Österreicher anzugreifen, welche hinter dem Flüßchen +Bistritz+ auf den

Höhen von +Chlum+, im Rücken gedeckt durch die Festung +Königgrätz,+

ihre Aufstellung genommen hatten (206000 Mann mit über 500 Geschützen).

[~1866.~ 3. Juli.]

~Schlacht bei Königgrätz.~ Harter Kampf der ersten preußischen

Armee bei +Sadowa+ und +Benatek+ gegen die Österreicher; große

Verluste erleidet die Division des Generals v. Fransecky im Walde

von +Masloved+. Auf dem rechten Flügel kämpft die ~Elbarmee~ bei

+Nechanitz+ gegen Sachsen und Österreicher. Am Nachmittag kommt die

zweite (schlesische) Armee unter dem +Kronprinzen+ nach anstrengendem

Marsche von links her den Österreichern in die Flanke; das Gardekorps

erstürmt die Höhe von +Chlum+. Rückzug der Österreicher nach

+Königgrätz+, die Preußen erbeuten 5 Fahnen, 161 Geschütze, machen

20000 Gefangene. Weiterer Rückzug nach +Olmütz+.

Kaiser +Franz Joseph+ ruft Frankreichs Vermittelung an und tritt

+Venetien+ an Napoleon III. ab; der von Frankreich begehrte

Waffenstillstand wird jedoch von +Preußen+ und von +Italien+

zurückgewiesen. Ein großer Teil der österreichischen Südarmee wird aus

Italien zum Schutze der bedrohten Hauptstadt +Wien+ herangezogen. Die

Preußen besetzen ~Prag~ (8. Juli) und ~Brünn~ (12. Juli); die erste

Armee rückt von Brünn aus rasch gegen +Wien+ vor, während die zweite

nach dem Treffen bei +Tobitschau+ (15. Juli, General v. Bonin) durch

Besetzung von +Prerau+ die Eisenbahnverbindung zwischen Olmütz und Wien

abschneidet.

Benedek führt seine Truppen über die +Kleinen Karpathen+, um Wien auf

dem Umwege durch das Waagtal zu erreichen. Das preußische Hauptquartier

wird am 18. Juli nach +Nikolsburg+ (südlich der Taya) verlegt. Das

Treffen bei ~Blumenau~ (unweit +Preßburg+) am 22. Juli (General +v.

Fransecky+) entscheidet sich bereits zu Gunsten der Preußen, als es um

12 Uhr abgebrochen werden muß infolge der mittlerweile abgeschlossenen

+fünftägigen Waffenruhe+. Darauf

[~26. Juli.~]

~Waffenstillstand zu Nikolsburg~, nachdem ohne Frankreichs Mitwirkung,

aber mit Rücksicht auf seine Forderungen, die +Friedenspräliminarien+

unterzeichnet worden sind.

~B. Westlicher Kriegsschauplatz.~

~a) Preußen gegen Hannover und Kurhessen.~

~Preußische Westarmee~: General ~Vogel v. Falckenstein~; sie ist

zunächst noch getrennt: Division Goeben bei +Minden+, Division

Manteuffel in +Holstein+, Division Beyer bei +Wetzlar+, zusammen 48000

M.

+Hannoveraner+ 21000 M., +Kurhessen+ 8000 M.

[~1866.~ 16.–18. Juni.]

Die preußische Westarmee besetzt +Hannover+ und +Kurhessen+.

Abmarsch der +hannoverschen+ Truppen über +Göttingen+ nach

+Heiligenstadt+ zur Vereinigung mit den süddeutschen Bundeskorps,

die aber nicht erreicht wird. König +Georg V.+ begleitet sein Heer.

Die +Kurhessen+ gewinnen durch schleunigen Abmarsch Anschluß an

die Süddeutschen, finden im Laufe des Feldzuges als Besatzung von

+Mainz+ Verwendung. +Kurfürst Friedrich Wilhelm+ von Hessen kommt als

Gefangener nach +Stettin+.

[~1866. 27. Juni.~]

Gefecht bei ~Langensalza~ zwischen 20500 +Hannoveranern+ und 8500

+Preußen+ und +Koburg-Gothaern+ (Gen. +v. Flies+). Die Preußen müssen

sich nach 7stündigem, hartem Kampfe zurückziehen; aber durch schnelles

Herbeiziehen von Verstärkungen (Generale +v. Manteuffel+ und +v.

Beyer+) wird der Zweck erreicht, der hannoverschen Armee den Weg zu

ihren süddeutschen Verbündeten zu verlegen.

[29. Juni.]

~Kapitulation von Laugensalza~. Das Heer wird aufgelöst und entwaffnet

(mit Ausnahme der Offiziere); König +Georg V.+ begibt sich nach

Österreich.

~b) Preußen gegen die Süddeutschen.~

~Die preußische Mainarmee,~ bisher Westarmee (S. 377) 45000 M. Bei

dem später eintreffenden Korps des Großherzogs +Friedrich Franz+ von

Mecklenburg-Schwerin die Truppen von Mecklenburg, Sachsen-Altenburg und

Braunschweig.

Nach Langensalza erhält die +Mainarmee+ den Auftrag, über Fulda auf

Schweinfurt zu marschieren, um die Vereinigung der beiden süddeutschen

Korps zu verhindern und zunächst die Bayern zu schlagen.

~Für Österreich~: Das VII. Bundes-Armeekorps (+Bayern+-Versammlung

bei Schweinfurt) 40000 M. und das VIII. Bundes-Armeekorps

(Württemberg, Baden, Hessen-Darmstadt, Nassau und eine österreichische

Brigade-Versammlung bei +Frankfurt a. M.+) 46000 M. Oberbefehl: Prinz

+Karl von Bayern.+

Die +Mainarmee+ besiegt die +Bayern+ bei ~Dermbach~ (4. Juli) und an

der Fränkischen Saale (Kissingen 10. Juli), die +Hessen+ bei ~Laufach~

(13. Juli) und das +VIII+. Korps bei ~Aschaffenburg~ (14. Juli).

Dadurch werden die Verbündeten (dauernd getrennt) auf das +linke

Mainufer+ gedrängt; am 16. Juli besetzt General +v. Falckenstein+

Frankfurt, von wo sich der Bundestag nach +Augsburg+ geflüchtet hat.

Fortsetzung des Feldzuges unter dem Oberbefehl des Gen. ~v.

Manteuffel~. Gefechte bei +Tauberbischofsheim+ gegen die Württemberger

und bei +Werbach+ gegen die Badener (24. Juli), bei +Roßbrunn+ gegen

die Bayern (26. Juli). Die Bayern behaupten noch die Citadelle von

+Würzburg+, aber das von Leipzig her vorrückende Reservekorps des

Großherzogs von Mecklenburg (25000 M.) besetzt ~Nürnberg~ (31. Juli).

Waffenstillstand am 2. August.

~C. Krieg zwischen Österreich und Italien.~

Italien zum Bündnis mit Preußen veranlaßt durch die günstige

Gelegenheit, +Venetien+ zu gewinnen.

Die österreichische Südarmee (138000 Mann) unter Erzherzog +Albrecht+

sammelt sich bei Verona. Von den Italienern (210000 Mann) rückt ein

Korps von Bologna her gegen den Po vor, der größte Teil überschreitet

unter Führung des Königs +Viktor Emanuel+ den Mincio, wird aber am

24. Juni bei ~Custozza~ geschlagen. Neues Vorgehen der Italiener,

nachdem ein großer Teil der österreichischen Truppen zum Schutze Wiens

abberufen ist. Die italienische Flotte wird am 20. Juli bei der Insel

~Lissa~ von der österreichischen (Admiral +Tegethof+) geschlagen.

Waffenstillstand am 25. Juli.

[~1866.~ 23. Aug.]

~Friede zu Prag~ zwischen +Preußen+ und +Österreich+: 1. Der Kaiser

von Österreich erkennt die +Auflösung des Deutschen Bundes+ an, gibt

seine Zustimmung zu einer ~Neugestaltung Deutschlands ohne Österreich~,

erkennt im voraus die in Norddeutschland von +Preußen+ vorzunehmenden

Gebietsveränderungen an, bedingt aber dem Königreich Sachsen

unveränderten Bestand (als Glied des neuen Norddeutschen Bundes) aus.

2. +Österreich+ überträgt seine Rechte auf +Schleswig-Holstein+ an

+Preußen+, nur soll der nördliche Teil Schleswigs mit Dänemark wieder

vereinigt werden, wenn die Bevölkerung den Wunsch dazu durch freie

Abstimmung zu erkennen gibt (aufgehoben 1878). 3. +Österreich+ zahlt

20 Millionen Taler Kriegskosten. 4. +Preußen+ bedingt die Übergabe

+Venetiens+ an Italien aus.

Auszug aus der Alten, Mittleren und Neueren Geschichte · 第 39 / 49 段