Bruch zwischen +Österreich und Preußen+, das die Intervention des

Bundestages in Hessen nicht dulden will. Kaiser Franz Joseph hat

in +Bregenz+ eine Zusammenkunft mit den Königen von Bayern und

Württemberg, darauf in +Warschau+ (28. Okt.) mit Kaiser Nikolaus

von Rußland, der den preußischen Gesandten Graf Brandenburg zum

Nachgeben ermahnt. Bundesexekution gegen +Hessen+ durch bayrische und

österreichische Truppen wird in Frankfurt beschlossen. Auch preußische

Truppen rücken in Hessen ein, ziehen sich aber nach einem Zusammenstoß

der Vorposten bei +Bronnzell+ (8. Nov.) zurück. Friedrich Wilhelm IV.

entläßt den Minister v. Radowitz und gibt die Unionsbestrebungen auf.

[29. Nov.]

~Vertrag zu Olmütz~ (+Manteuffel+ und +Schwarzenberg+). Preußen fügt

sich allen Forderungen Österreichs. +Schleswig-Holstein+ wird den Dänen

überlassen, in +Hessen+ die unumschränkte Herrschaft des Kurfürsten

wiederhergestellt. Preußen verzichtet auf seine Pläne hinsichtlich

der Neugestaltung Deutschlands; für die deutsche Verfassung werden

Konferenzen in +Dresden+ anberaumt, welche die

[~1851.~]

~Wiederherstellung des deutschen Bundes~ beschließen. Österreich

hat in den deutschen Verhältnissen ebenso wie in seinen inneren

Kämpfen gegen die nationalen Aufstände gesiegt. Doch hält Preußen den

+Zollverein+ (S. 351) aufrecht, welchem nun auch Hannover und Oldenburg

beitreten, und begründet allmählich eine +preußische Kriegsflotte+,

indem es mehrere von den 1852 im Auftrage des Bundestages versteigerten

Schiffen übernimmt, welche die deutsche Nationalversammlung 1849 als

+deutsche Flotte+ gegen Dänemark zusammengebracht hatte (S. 361). Ein

Gebiet an der +Jahdemündung+ wird 1853 durch Vertrag mit Oldenburg

erworben zur Anlage des Kriegshafens +Wilhelmshaven+, an der Nordsee.

[~1848–1850.~]

~Schleswig-Holsteins Erhebung gegen Dänemark.~

~Veranlassung~: »Offener Brief« des Königs Christian VIII.

(1839–1848) vom 8. Juli 1846, welcher den Fortbestand der Union

der +Herzogtümer+ mit +Dänemark+ trotz des in den beiden Staaten

verschiedenen Erbfolgerechts (s. S. 268) verfügt. Ein Aufstand in

Kopenhagen (30. März 1848) zwingt seinen Nachfolger Friedrich VII.,

die ~Einverleibung Schleswigs~ in Dänemark auszusprechen. Nach der

bis dahin nie bezweifelten Thronfolge mußten die Herzogtümer nach dem

Aussterben des Königlichen Mannesstammes an den Herzog +Christian+ von

Sonderburg-Augustenburg fallen. Daher Aufstand in den Herzogtümern und

Bildung einer +provisorischen Landesregierung+.

[~1848.~ April.]

Preußische und andere deutsche Bundestruppen kommen den

Schleswig-Holsteinern, welche sich eine Armee neu bilden müssen, zu

Hilfe. General +v. Wrangel+ vertreibt die Dänen aus dem +Danewerk+

bei +Schleswig+ (23. April) und dringt bis nach Jütland vor.

Aber die Verluste des Ostseehandels durch die dänische Blockade

und englisch-russischer Einfluß bewirken den Abschluß eines

Waffenstillstandes zu ~Malmö~. Eine +»gemeinschaftliche Regierung«+

wird für die Herzogtümer eingesetzt. Unzufriedenheit mit diesem

Waffenstillstand in ganz Deutschland; die Nationalversammlung zu

Frankfurt genehmigt ihn nach heftigen Verhandlungen.

[~1849.~ März.]

Einsetzung einer +Statthalterschaft+ für Schleswig-Holstein durch die

deutsche Zentralgewalt.

Bei +Eckernförde+ wird das Linienschiff +Christian VIII.+ in Brand

geschossen und die Fregatte +Gefion+ genommen (5. April). Erstürmung

der Düppeler Höhen durch bayrische und sächsische Truppen (13. April).

Das schleswig-holsteinische Heer, geführt von dem preußischen General

+v. Bonin+, besiegt die Dänen bei +Kolding+ (23. April). Doch wiederum

wird die Weiterführung des Krieges durch die Drohungen Englands und

Rußlands gelähmt. Die neu gegründete +deutsche Flotte+ liefert den

Dänen ein Seetreffen bei +Helgoland+ (5. Juni), ist aber dann genötigt,

untätig in der Wesermündung zu bleiben. Das schleswig-holsteinische

Heer belagert die Festung +Fridericia+, erleidet aber durch einen

glücklichen Ausfall der Dänen bedeutende Verluste.

[~1849.~ Juli.]

Waffenstillstand zwischen +Preußen+ und +Dänemark+; Schleswig soll

im Norden von schwedischen, im Süden von preußischen Truppen besetzt

und von einer dänisch-preußischen Kommission verwaltet werden. Die

schleswig-holsteinische Armee geht über die Eider zurück; Holstein

bleibt noch unter der Statthalterschaft. Nach Abschluß des Friedens

zwischen Preußen und Dänemark (Juli 1850) werden alle preußischen

Offiziere aus der schleswig-holsteinischen Armee abberufen.

[~1850.~]

Die von Deutschland verlassenen Schleswig-Holsteiner kämpfen allein

weiter. Der ehemalige preußische General +v. Willisen+ übernimmt

den Oberbefehl über ihr Heer. Er wird bei ~Idstedt~ (24. und 25.

Juli) geschlagen, Schleswig von den Dänen besetzt. In dem Gefecht

bei +Missunde+ (12. Sept.) werden die Schleswig-Holsteiner ebenfalls

besiegt, auch beim Sturm auf +Friedrichstadt+ (4. Okt.) mit Verlust

zurückgeschlagen.

Der inzwischen wiederhergestellte ~deutsche Bund~ erzwingt unter dem

Einfluß Österreichs die Einstellung der Feindseligkeiten. Holstein wird

mit preußischer Zustimmung von österreichischen Truppen besetzt (Jan.

1851) und den Dänen gegen das Versprechen »die Rechte der Herzogtümer

zu wahren« überlassen (Febr. 1852).

[~1852.~ 8. Mai.]

~Londoner Vertrag~ (Protokoll), unterzeichnet von den fünf

+Großmächten+, +Schweden+ und +Dänemark+. Um den Bestand des dänischen

Gesamtstaates zu wahren, wird eine neue Thronfolgeordnung für das

Königreich +Dänemark+ und die +Herzogtümer+ festgestellt. Prinz

+Christian von Sonderburg-Glücksburg+, Gemahl der Prinzessin +Luise+

von +Hessen-Kassel+, einer Schwestertochter Christians VIII. von

Dänemark, wird zum Erben des kinderlosen Königs Friedrich VII. für

die gesamte Monarchie bestimmt. Der Herzog Christian von Augustenburg

verspricht, der neuen Erbfolgeordnung in Dänemark nicht entgegentreten

zu wollen, überträgt 1863 seine Erbansprüche auf seinen Sohn

+Friedrich+ (Vater der Kaiserin +Auguste Viktoria+).

Die deutsche Nationalität in den Herzogtümern wird von den Dänen fortan

schwer bedrückt.

~Einwirkung der Revolution von 1848 auf die übrigen europäischen

Staaten.~

König Karl Albert von +Sardinien+ verleiht seinem Staat im Februar 1848

eine Verfassung, ebenso der Großherzog Leopold II. von +Toskana+ und

Papst Pius IX. (1846–1878) dem +Kirchenstaat+. Sicilien erklärt seinen

Abfall vom Königreich +Neapel+, obgleich König Ferdinand II. daselbst

schon im Januar 1848 eine Verfassung verkündigt hat. Nach dem Siege

der Schweizertruppen im Straßenkampf zu Neapel (Mai) wird Sicilien mit

großer Härte unterworfen (5tägige Beschießung der Stadt +Messina+ im

Sept.), darauf die Verfassung des Königreichs wieder aufgehoben. --

Papst Pius IX., in dem manche vorübergehend den Schöpfer der Einheit

Italiens gesehen hatten, flieht im Nov. 1848, als in Rom sein Minister

Rossi ermordet worden war, nach Gaëta. +Römische Republik+ errichtet

(Mazzini), welcher sich auch Toskana nach Vertreibung des Großherzogs

anschließt. Aber +österreichische+ Truppen besetzen Toskana und die

zum Kirchenstaat gehörige Romagna, +französische+ Truppen stellen in

Rom die weltliche Herrschaft des Papstes wieder her. ~Französische

Besatzung in Rom.~

+Spanien+ und +Portugal+ werden von den Erschütterungen des Jahres

1848 wenig berührt. In Spanien neue Parteikämpfe nach dem Sturz

des Ministers Narvaez (S. 351) 1851, der 1856 zurückkehrt und noch

öfters die Leitung des Ministeriums übernimmt († 1868, sein Gegner

+O’Donnell+). In Portugal Revision der Verfassung 1852; auf die Königin

Maria (S. 346) folgt 1853 ihr Sohn +Pedro V.+, für welchen bis 1855

sein Vater +Ferdinand+ die Regierung führt (S. 352).

Das Königreich der +Niederlande+ erhält im November 1848, +Dänemark+

1849 eine repräsentative Verfassung. In +Schweden+ bleibt die

+ständische+ Verfassung (Adel, Geistlichkeit, Bürger, Bauern) vom Jahre

1809, in +Norwegen+ die repräsentative von 1814. Zweikammersystem in

Schweden 1866 eingeführt durch König Karl XV. (1859–1872), Enkel von

Karl XIV. Johann (Bernadotte).

In +England+ wird der Versuch der Chartisten, durch eine Massenpetition

das allgemeine Wahlrecht einzuführen, durch die entschlossene Haltung

der Londoner Bevölkerung (10. April 1848) vereitelt.

§ 5. Kunst und Wissenschaft im 19. Jahrhundert.

Neues Aufblühen der +bildenden Künste+ durch Vereinigung der Künstler

aus verschiedenen Nationen in +Rom+, besonders Carstens aus Schleswig

(1792–1798 †), Thorwaldsen aus Kopenhagen (1797, † 1844), der Italiener

Canova († 1822), die deutschen Maler Overbeck († 1869), Cornelius (†

1867) und Schnorr von Carolsfeld († 1841).

Nachblüte der Malerei in +Frankreich+ während des ersten Kaiserreichs:

David († 1825), Horace Vernet, Delaroche, Prudhon, Gérard, Isabey, Mme.

Lebrun; in Belgien Wappers, L. Gallait, Alma Tadema (lebt in England).

Französische Maler nach dem ersten Kaisertum: Delacroix, Scheffer,

Jugres; der Bildhauer Carpeaux. Maler der neuesten Zeit: Millet,

Cabanel († 1889), Meissonier († 1891), Baudry († 1886). In der

+Schweiz+: Calame († 1864).

Kunsttätigkeit in +München+ unter König Ludwig I. (reg. 1825–1848):

Cornelius, Kaulbach, v. Schwind, Schwanthaler, v. Klenze. Neuere

Münchener Malerschule: Piloty, Makart († in Wien 1884), Piglhein,

Defregger, Lenbach († 1904).

In +Berlin+ unter Friedrich Wilhelm III: Schinkel, Gottfr. Schadow,

Rauch; unter Friedrich Wilhelm IV.: Cornelius, Kaulbach, Stüler; unter

Wilhelm I. und Wilhelm II. Ad. Menzel, Reinhold Begas, Anton v. Werner.

In +Dresden+: Gottfried Semper († 1879), Rietschel († 1861).

Malerakademie in +Düsseldorf+: W. Schadow, Bendemann, K. F. Lessing,

Achenbach, Camphausen.

Die deutschen +Stilisten+: Böcklin († 1901), Thoma, Klinger.

+Musik+: Vollendung der klassischen +deutschen Musik+ (S. 292) durch

Beethoven († in Wien 1827). Ausbildung der +Oper+ durch K. M. v. Weber

(† 1826), Spohr, Cherubini, Spontini, Rossini, Meyerbeer, Auber,

Berlioz, Gounod, Bizet, Richard Wagner († 1883), Verdi († 1901). F.

Mendelssohns +Oratorium+ Paulus 1836, Elias 1846; Franz Schubert (†

1828), Robert Schumann († 1856), Joh. Brahms († 1897).

+Dichter+ des Befreiungskrieges: E. M. Arndt († 1860), Th. Körner (†

1813), v. Schenkendorf. -- +Romantische Schule+: A. W. Schlegel, L.

Tieck, Heinr. v. Kleist, Ad. v. Chamisso. -- Platen, Heine, Rückert,

Uhland, Geibel, Scheffel, G. Freytag († 1895), Grillparzer, Hebbel, E.

v. Wildenbruch († 1909).

+Französische+ Literatur: Mme. de Staël († 1817), Chateaubriand,

Courier, Lamartine, Béranger, Scribe, Victor Hugo, Delavigne, Musset,

George Sand, A. Dumas, Augier. +Englische+ Literatur: Byron (s. S.

347), Keats, Shelley, Wordsworth, Walter Scott († 1832), Thomas Moore,

Tennyson, Swinburne, Bulwer, Dickens, Thackeray, Meredith, Stevenson,

Kipling.

+Norwegische+ Dichter: Ibsen († 1906), Björnson († 1910).

+Russische+ Dichter: Alex. Puschkin († 1837), Turgenjew († 1883), Graf

Leo Tolstoi († 1910). (Der Maler Wereschtschagin.)

+Geschichtschreibung+: In Deutschland Quellensammlung der +Monumenta

Germaniae+, 1819 vom Freiherrn v. Stein begründet; Niebuhr († 1831),

Schlosser, Dahlmann, Ranke († 1886), v. Sybel, v. Treitschke († 1896),

Mommsen († 1903). In Frankreich: Barante, Guizot, Mignet, Aug. Thierry,

Thiers, Tocqueville, Taine. In England: Grote, Buckle, Carlyle,

Macaulay.

+Altertumsforschung+ und +Sprachwissenschaft+: Franz Bopp, Wilh. v.

Humboldt († 1835), Gottfr. Hermann, Aug. Böckh, E. Curtius, Th. Mommsen

(† 1903); H. Schliemann. -- +Deutsches Altertum+: Jakob und Wilhelm

Grimm, K. Müllenhoff.

Preußisches Archäologisches Institut in +Rom+ 1829 begründet, 1871 vom

Deutschen Reiche übernommen. Deutsches Archäologisches Institut in

+Athen+ seit 1874 (vgl. S. 30).

+Philosophie+: Fichte († 1814 in Berlin), Schelling, Hegel († 1831 in

Berlin), Herbart, Schopenhauer, J. S. Mill, Lotze, Wundt.

Protestantische +Theologie+: Schleiermacher († 1834 in Berlin),

Neander, David Strauß (1835 Leben Jesu), Tholuck († 1877 in Halle),

Beyschlag († 1901 in Halle), Harnack.

+Naturforschung+: Laplace († 1827), Ampère, Arago, Cuvier († 1832);

Berzelius, Nobel († 1896); Wöhler, J. v. Liebig, Bunsen, Pasteur,

Curie (Radium); Alex. v. Humboldt († 1859 in Berlin). Darwin (†

1882), Wallace, Virchow, Robert Koch († 1910); Volta, Faraday, Mayer,

Helmholtz, Röntgen, Edison.

+Astronomie+: Gauß, Bessel, Herschel, Leverrier, Schiaparelli.

+Erdkunde+: Karl Ritter († 1859 in Berlin); die Entdeckungsreisenden

Livingstone († 1863), Burton, Baker, Stanley († 1904), Barth, Rohlfs,

Schweinfurth, Nachtigal († 1885), Emin Pascha (Schnitzer), Wißmann (†

1905). Die Nordpolfahrer Roß († 1856), Parry, Franklin: Nordenskjöld

(Umsegelung Asiens), Nansen, Peary; die Südpolfahrer Borchgrevink und

Shackleton; der Erforscher Zentralasiens Sven Hedin.

§ 6. Machtentfaltung des zweiten französischen Kaiserreiches.

~Napoleon III.~, 1853 vermählt mit der spanischen Gräfin +Eugenie

von Montijo+ und Teba (1856 Geburt des Thronfolgers Louis, † 1879),

beschließt, den Plänen +Rußlands+ in der Türkei entgegenzutreten (s.

S. 296). Kaiser +Nikolaus I.+, stolz auf seine Erfolge in Ungarn (S.

357f.) und gegenüber Preußen (S. 360), sendet den Fürsten +Menschikow+

nach Konstantinopel und fordert die Schutzherrschaft über alle

griechischen Christen im türkischen Reiche; dagegen einigen sich

+Frankreich+ und +England+ zur Unterstützung des Sultans.

[~1853.~ Juni]

Eine französisch-englische Beobachtungsflotte wird am Eingang der

Dardanellen, später im Bosporus aufgestellt.

[Juli.]

80000 Russen gehen über den Pruth und besetzen die Donaufürstentümer.

[Sept.]

Zusammenkunft des Kaisers Nikolaus mit dem Kaiser von +Österreich+ in

Olmütz, dann mit dem König von +Preußen+ in Berlin, doch erreicht er

nicht das gewünschte Bündnis, sondern nur Versicherung der Neutralität

unter bestimmten Voraussetzungen.

[Okt.]

Die Pforte erklärt den Krieg an Rußland. +Omer Pascha+ geht bei Widdin

über die Donau und behauptet sich gegen die Russen bei +Oltenitza+ (4.

Nov.). Die russische Flotte überfällt und vernichtet ein türkisches

Geschwader bei +Sinōpe+ (30. Nov.). Auf die Weigerung des Kaisers,

die Donaufürstentümer zu räumen, folgt, nachdem in England ein

Whigministerium (~Palmerston~) ans Ruder gekommen ist, ein Bündnis der

Westmächte (Frankreich und England) mit der Türkei (1854, März).

[~1854–1856.~]

~Krieg der Westmächte gegen Rußland (Krimkrieg).~

Der russische Feldherr +Paskjewitsch+ überschreitet die Donau,

belagert aber vergeblich +Silistria+. Frankreich und England schicken

Truppen nach der Türkei, welche bei +Gallipoli+ und +Varna+ landen.

+Österreich+, mit Preußen verbündet, verlangt, daß die Russen die

Donaufürstentümer räumen; Kaiser Nikolaus befiehlt die Räumung aus

»strategischen Gründen« (1854, Juli). Eine zweite französisch-englische

Flotte erscheint in der Ostsee, vermag jedoch nichts gegen die Festung

+Kronstadt+ auszurichten und nimmt nur die kleine Festung +Bomarsund+,

auf einer der Alands-Inseln.

[~1854.~ 14. Sept.]

Landung der Franzosen und Engländer (zusammen 55000 Mann unter

Marschall St. Arnaud und Lord Raglan) an der Küste der ~Halbinsel

Krim~; auch 6000 Türken nehmen an dem Feldzuge teil.

[20. Sept.]

~Schlacht an der Alma~, Sieg über die Russen.

[~1854–1855.~ Okt. Sept.]

~Belagerung von Sebastopol~, welches die Russen unter +Menschikow+

mit neuen Befestigungen (unter +Totlebens+ Leitung) umgeben, während

der Hafen durch Versenkung von Kriegsschiffen gesperrt wird. Nachdem

+Menschikow+ Verstärkung erhalten hat, greift er die Verbündeten von

neuem an, wird aber nach blutigem Kampfe in der

[~1854.~ 5. Nov.]

~Schlacht bei Inkerman~ zurückgeschlagen. Langsamer Fortgang der

Belagerungsarbeiten während des Winters. +Österreich+ tritt trotz der

früheren Dienste Rußlands in Ungarn und gegen Preußen (Dez. 1854) dem

Bunde der Westmächte bei und stellt ansehnliche Streitkräfte an der

russischen Grenze auf, ohne jedoch wirklich den Krieg zu beginnen.

Seitdem +Spannung zwischen Rußland+ und +Österreich+. Preußen verharrt

(trotz Olmütz) in seiner neutralen Stellung, gewinnt damit ein

Anrecht auf Rußlands Dank. König +Viktor Emanuel II. von Sardinien+

schließt ein Bündnis mit den Westmächten und schickt 15000 Mann unter

+Lamarmora+ nach der Krim. Die Belagerungsarmee wird bis zu 174000 Mann

verstärkt (28000 Türken).

[1855, 2. März.]

Tod +Nikolaus’ I.+, Kaisers von Rußland. Sein Sohn

[~1855–1881.~]

~Alexander II.~ läßt die Verteidigung Sebastopols durch Fürst

+Gortschakow+ weiterführen. Große Verluste der Belagerer durch

Krankheit, Entbehrungen und tägliche Kämpfe. Endlich nach dreitägiger

starker Beschießung

[~1855.~ 8. Sept.]

~Erstürmung des Malakowturms~ durch die Franzosen (unter +Pélissier+),

des ~Redan~ durch die Engländer, die aber von den Russen wieder

hinausgeschlagen werden.

[11. Sept.]

Die Russen ziehen sich mittels einer Schiffbrücke in den nördlichen

Teil der Festung zurück. Besetzung der Stadt +Sebastopol+ durch die

Verbündeten.

In Asien Einnahme der Festung +Kars+ durch die

[28. Nov.]

Russen.

[~1856.~ 30. März.]

~Friede zu Paris~: 1. +Rußland+ tritt die +Donaumündungen+ mit

einem kleinen, am linken Ufer der untern Donau gelegenen Teil von

+Bessarabien+ ab. 2. Es entsagt der besonderen Schutzherrschaft

über die Christen in der Türkei (deren Gleichstellung mit der

mohammedanischen Bevölkerung von der Pforte zugesichert wird)

und über die Donaufürstentümer (deren Verhältnis später geregelt

werden soll). 3. Es gibt +Kars+ zurück und verspricht, am Schwarzen

Meere keine Waffenplätze anzulegen und dort nicht mehr Schiffe als

die Pforte zu halten. 4. Die Westmächte geben +Sebastopol+ nach

Zerstörung der Hafenbauten und Befestigungen an Rußland zurück. -- Die

Moldau und Walachei werden 1859 vereinigt als Fürstentum +Rumänien+

unter Oberhoheit des türkischen Sultans. Seit 1866 Fürst +Karl von

Hohenzollern+ (1881 König).

Das ~zweite französische Kaiserreich~ gelangt durch diesen Krieg zu

hohem Ansehen in Europa. Zugleich Sorge Napoleons für die innere

Verwaltung. Glänzende Bauten in +Paris+, 1855 Weltausstellung daselbst

(nach dem Vorbilde der Weltausstellung in London 1851).

[1856–1857.]

Zerwürfnis zwischen dem Könige von +Preußen+ und der +Schweiz+

infolge einer Erhebung der königlich gesinnten Partei in +Neuchâtel+

(Neuenburg) gegen die daselbst 1848 eingerichtete republikanische

Verfassung (S. 274, 354). Unter französischer Vermittelung wird durch

+Freilassung der Gefangenen+ seitens der Schweiz und +Verzichtleistung

auf Neuchâtel+ durch den König von Preußen der Streit beigelegt.

[~1857.~ Okt.]

Wegen schwerer Erkrankung König +Friedrich Wilhelms IV.+ übernimmt sein

Bruder ~Wilhelm~, Prinz von Preußen, die Stellvertretung, ein Jahr

darauf die +Regentschaft+.

~Dänemark~ verzichtet auf Verlangen der am Ostseehandel beteiligten

Staaten auf die fernere Erhebung des +Sundzolls+ (S. 250) gegen eine

Entschädigung von 30 Mill. dän. Talern.

[~1857–1858.~]

~Aufstand in Ostindien~, erst nach furchtbarem Blutvergießen von

den Engländern unterdrückt. Die einheimischen Truppen (+Sepoys+),

geführt von dem Großmogul +Mohammed Bahadur Schah+, verteidigen sich

hartnäckig in der alten Residenzstadt +Delhi+, belagern die Engländer

in +Lucknow+. Delhi wird erstürmt, Lucknow entsetzt. Nach Herstellung

der Ruhe wird die Ostindische Kompagnie (S. 300) aufgelöst und die

Verwaltung der englischen Krone übertragen; seitdem steht ein Vizekönig

an der Spitze des Landes. 1876 nimmt die Königin +Viktoria+ den Titel

»+Kaiserin von Indien+« an.

[~1857–1860.~]

~Englisch-französischer Krieg gegen China.~

+Veranlassung+: Verletzungen des englisch-chinesischen Handelsvertrages

von 1842 seitens der Chinesen führen im Oktober 1856 zu

Feindseligkeiten zwischen den Engländern und den chinesischen Behörden

von +Kanton+. Die französische Regierung, welche ebenfalls eine

Änderung ihrer Handelsverträge mit China wünscht, schließt sich den

englischen Forderungen an.

[1857.]

Dez. +Kanton+ durch die Verbündeten besetzt.

[1858. Juni.]

Vertrag von +Tientsin+, welcher dem europäischen Handel und den

Missionen Zutritt in das Innere von China gewährt und stehende

Gesandtschaften in der Hauptstadt +Peking+ gestattet.

Da die Ratifikation dieses Vertrages von den Chinesen unter nichtigen

Vorwänden hinausgeschoben wird, während die Forts von +Taku+ am Peiho

befestigt werden, landen französische und bald auch englische Truppen

und dringen (Sept. 1860) gegen +Peking+ vor. Schlacht bei +Palikao+;

der kaiserliche Sommerpalast vor Peking geplündert und verbrannt.

Darauf Friede von +Peking+ geschlossen; der Vertrag von Tientsin wird

erneuert, China zahlt an England 60 Mill. Franks, an Frankreich 30

Mill. als Entschädigung für die Kriegskosten. Für die auswärtigen

Angelegenheiten wird eine besondere Behörde (Tsunglijamen) eingesetzt

und dieser auch das von den Europäern geleitete Seezollamt unterstellt.

~Japan~ öffnet sich dem Verkehr mit anderen Staaten williger als China.

Handelsverträge mit den Vereinigten Staaten und mit England 1854,

mit Rußland 1855, mit +Preußen+ 1861 (ostasiatische Expedition unter

Führung des Grafen +Eulenburg+ 1859–62, der auch mit China und Siam

Handelsverträge schließt). Seit Anfang 1867 Mikado +Mutsuhito+ (geb.

1852). Widerstand der Großen (Daimios) gegen die Zulassung der Fremden

(S. 220, 251), 1868 unterdrückt. Schon 1867 Abdankung des Shoguns (S.

251) und Wiederherstellung der Macht des Kaisers (S. 220); Berufung

einer Volksvertretung 1869. Der Mikado verlegt seine Residenz von Kioto

nach Tokio. Beginn der neuen Ära für Japan. Regelmäßige Parlamente

seit 1890. Viele Einrichtungen europäischer Kultur eingeführt; erste

Eisenbahn 1872. Das Heerwesen zuerst nach französischem, dann nach

preußischem Muster eingerichtet.

~Frankreich~ nimmt 1862 das Mündungsgebiet des +Mekong+ in

+Hinterindien+ in Besitz (+Cochinchina+). Napoleon III., bemüht, die

Kolonialmacht seines Reiches zu entwickeln, ordnet 1865 persönlich die

Verhältnisse der Kolonie +Algier+ (S. 348, 354); General Mac-Mahon

1864–1870 Gouverneur daselbst.

~Rußland~ erwirbt 1860 von China das +Amur+gebiet, unterwirft 1859

die +Kaukasus+völker, nimmt 1865–68 +Turkestan+ (Städte Taschkent

und Samarkand) in Besitz, verkauft +Alaska+ 1867 für 7 Mill. Dollar

an die Vereinigten Staaten von Amerika. Im Innern ~Aufhebung der

Leibeigenschaft~ 1861 durch weise Maßregeln Kaiser Alexanders II.

begonnen.

~Polen~ verliert nach Niederwerfung des Aufstandes von 1863 (S. 372)

seine letzten Freiheiten. Seitdem russische Sprache und Gesetze

eingeführt (S. 350).

~Die nationale Einigung Italiens.~

+Napoleon III.+ unterstützt das Königreich +Sardinien+ zu erneutem

Angriff auf die Herrschaft +Österreichs+ in Oberitalien (s. S. 356).

(+Orsinis+ Attentat und »Testament«.) Graf +Cavour+, Minister des

Königs Viktor Emanuel II., verfolgt zugleich den Plan, den trostlosen

Zuständen in den andern italienischen Staaten ein Ende zu machen und

Italien politisch zu einigen.

[~1859.~]

~Krieg Frankreichs und Sardiniens gegen Österreich.~ Napoleon III.

übernimmt selbst den Oberbefehl über die französischen Truppen, zieht

nach dem Siege bei ~Magenta~ (4. Juni, Gen. +Mac-Mahon+) zusammen mit

Viktor Emanuel in Mailand ein.

[24. Juni.]

Auszug aus der Alten, Mittleren und Neueren Geschichte · 第 38 / 49 段