~Polnischer Aufstand.~ Erhebung in Warschau (1830, 29. Nov.). Ein

Mordversuch gegen den Großfürsten +Konstantin+, Bruder des Kaisers

Nikolaus (S. 347), mißlingt. Provisorische Regierung mit Fürst +Adam

Czartoryski+ an der Spitze. Kaiser Nikolaus durch den Reichstag

abgesetzt (1831, Jan.). Ein russisches Heer von 118000 Mann unter

General +Diebitsch+ dringt in Polen ein; blutige ~Gefechte bei Grochow~

(19.–25. Febr. 1831), wo die Polen der russischen Übermacht lange

Widerstand leisten, sich aber doch zuletzt auf Praga zurückziehen

müssen. Der Aufstand verbreitet sich über Litauen und Podolien.

Diebitsch siegt in der Schlacht bei ~Ostrolenka~ (26. Mai), stirbt

aber bald darauf an der Cholera. Uneinigkeit der Polen, Bluttat der

demokratischen Partei in Warschau. Dadurch wird dem neuen russischen

Oberfeldherrn +Paskjewitsch+ das Vordringen erleichtert, er erobert

Warschau (Sept. 1831). Bald wird der Aufstand im ganzen Lande

unterdrückt. Polen verliert die von Kaiser Alexander I. 1815 verliehene

Verfassung und wird fortan als russische Provinz mit Strenge regiert.

[1831.]

Aufstände in +Modĕna+, +Parma+ und der +Romagna+, mit österreichischer

Hilfe unterdrückt.

[1833–1840.]

In ~Spanien~ Bürgerkrieg nach dem Tode Ferdinands VII. Durch

+Espartero+ siegt nach blutigem Kampfe die +Verfassungs+partei

(Christinos) für die unmündige Königin +Isabella II.+ (1833–1868) und

deren Mutter +Marie Christine+ (von Neapel) über die »Karlisten«, d. h.

die Anhänger des Prinzen Don +Carlos+ (Bruder Ferdinands VII.), welcher

1839 zur Flucht nach Frankreich genötigt wird († 1855 in Triest).

Verkündigung einer Verfassung.

[1837.]

+Espartero+ Regent (1841–1843), dann sein persönlicher Feind +Narvaez+;

dieser ruft die von Espartero vertriebene Königin Marie Christine

zurück und verstärkt durch die abgeänderte Verfassung (1845) die

königliche Gewalt.

[1833.]

Aufstandsversuch in +Frankfurt a. M.+ gegen den deutschen Bundestag.

Hierdurch und durch das im Jahre vorher von der demokratischen Partei

in Rheinbayern veranstaltete +Hambacher Fest+ werden wiederum (S. 345)

die Einsetzung politischer Untersuchungskommissionen, Verhaftungen und

Verurteilungen herbeigeführt.

[1833.]

Gründung des ~deutschen Zollvereins,~ angeregt durch das +preußische

Zollgesetz+ von 1818, welches alle Zollgrenzen im Innern des Landes

aufhob und alle Zollstellen an die Grenzen verlegte. Besondere Vereine

der kleineren Staaten, namentlich der 1828 gegründete mitteldeutsche

Handelsverein haben keinen Bestand. Nach und nach werden Verträge mit

Preußen abgeschlossen.

+Österreich+, wo 1835–1848 ~Kaiser Ferdinand I.~ regiert, bleibt

ausgeschlossen. Hannover, Braunschweig, Oldenburg, Mecklenburg-Strelitz

und Schaumburg-Lippe bilden 1834 den +Steuerverein+ und treten dem

deutschen Zollverein erst 1851 bei. Der Zollanschluß der Hansestädte

Bremen und Hamburg erfolgt erst 1888.

[~1837.~]

Nach dem Tode Wilhelms IV., Königs von England (1830–1837),

folgt in +Hannover+ nach dem salischen Gesetze (s. S. 207) sein

Bruder +Ernst August+ (1837–1851), welcher die 1833 für Hannover

verkündigte Verfassung aufhebt, weil sie ohne seine, des damaligen

Thronerben, Zustimmung zustande gekommen sei. Absetzung der 7 dagegen

protestierenden Göttinger Professoren (+Jakob+ und +Wilhelm Grimm+,

+Dahlmann+, +Gervinus+, +Ewald+, +Albrecht+ und +Weber+). Abgeänderte

Verfassung 1840.

[1837 u. 1838.]

Streit der preußischen Regierung mit den Erzbischöfen von +Köln+ und

+Gnesen-Posen+, besonders wegen der konfessionellen Erziehung der

Kinder aus gemischten Ehen.

~Georg III.,~

K. v. England u. Hannover,

†1820.

_____|______________________________________________

| | | |

~Georg IV.,~ ~Wilhelm IV., ~ Eduard~, ~Ernst August,~

K. v. E. u. H., K. v. E. u. H., Hz. v. Kent, K. v. Hannover,

†1830. †1837. †1820. †1851.

| | |

| ~Viktoria,~ ~Georg V.,~

| K. v. England, K. v.

| †1901, Hannover,

Charlotte, Gem. Albert †1878.

†1817, v. Koburg, |

Gem. Leopold I. †1861. Ernst August,

v. Koburg, Hz. v.

†1865. Cumberland.

_____|______

Georg Wilhelm. Ernst August.

Albert,

†1861,

Gem.

Viktoria

v. Engl.,

†1901.

_______________________________________________|________

Viktoria, ~Eduard VII.,~ ~Alfred,~ Arthur, Leopold

†1901, †1910. Hz. v. Hz. v. Hz. v. Albany,

Gem. K. v. England, Koburg, Connaught. †1884.

Friedr. III. Gem. Alexandra †1900. |

v. Preußen. v. Dänemark. ~Karl Eduard,~

| Hz. v. Koburg.

~Georg V.,~ |

Gem. Mary v. Teck. Johann Leopold.

_______________|___________________________________

Eduard, Prinz v. Wales; Albert, Heinrich, Georg, Johann.

~Franz,~

Hz. v. Koburg,

†1806.

_______|___________________________________________________

| | |

~Ernst I.~ Ferdinand ~Leopold I.,

Hz. v. Koburg, Gem. Fürstin v. Kohary, K. d. Belgier,

†1844. †1851. †1865.

__|_______________ __|_________________ __|______________

| | | | | | |

~Ernst II.,~ Albert, ~Ferdinand II.,~ August, ~Leopold II.,~ Philipp,

†1861, †1885, G. Gem. K. d. Belgier, G. v.

Gem. Maria da Klementine †1909. Flandern,

Viktoria Gloria, K. v. †1905.

v. Engl., v. Portugal Orléans,

†1901. †1853. †1907.

___________________|__ |

| | _______|________

~Pedro V.,~ ~Ludwig I.,~ | |

K. v. K. v. Philipp, ~Ferdinand,~

Portugal, Portugal, Prinz v. 1887 Fürst,

†1861. †1889. Koburg. 1908 K. v.

| Bulgarien.

~Karl I.,~ |

K. v. Portugal 1. Boris,

†1908. Prinz v.

| Tirnowa.

| 2. Kyrill.

~Manuel II.,~

K. v. Portugal,

vertrieben 1910. ~Albert I.,~

K. d. Belgier.

_________|________

| |

Leopold. Karl.

[~1840–1861.~]

~Friedrich Wilhelm IV., König von Preußen,~ bei seinem

Regierungsantritt mit großen Erwartungen begrüßt. Amnestie für

politische Vergehen, Freilassung der verhafteten Erzbischöfe von Köln

und Gnesen-Posen. 1847 Berufung des +ersten vereinigten Landtags+ nach

Berlin (s. Anhang).

[~1837–1901.~]

~Viktoria, Königin von England,~ Nichte +Wilhelms IV.+, 1840 vermählt

mit +Albert+ von Sachsen-Koburg (prince-consort, † 1861). Vgl. die

Stammtafel S. 352. In Irland vergebliche Bestrebungen für den Widerruf

(+repeal+) der seit 1801 bestehenden parlamentarischen Vereinigung mit

England (+O’Connell,+ † 1847). In England Bewegung für den Freihandel

(Richard +Cobden+ in Manchester); die Abschaffung der beschränkenden

Korngesetze wird 1846 erreicht.

Krieg gegen +Afghanistan+ 1839–1842; durch zwei Kriege gegen die

+Sikhs+ (1845–1849) wird das Pendschab-Gebiet unterworfen. Krieg gegen

+China+ 1810 wegen Verbots der Opiumeinfuhr aus Indien (+Opiumkrieg+);

1842 werden fünf chinesische Häfen den Europäern geöffnet, der

Opiumhandel gestattet, die Insel +Hongkong+ an England abgetreten.

In +Hinterindien+ erwirbt England durch Kriege gegen das Reich

+Birma+ 1826 die Küste von Arakan und die Landschaft Assam, 1853 das

Mündungsgebiet des Irawadi (Pegu), 1886 ganz Birma (s. § 13).

In ~Frankreich~ versucht während der Regierung Ludwig Philipps der

Neffe Napoleons I., ~Louis Napoleon,~[57] 1836 in +Straßburg+ und

1840 in +Boulogne+ einen Aufstand. Er wird das erstemal auf einem

französischen Kriegsschiff nach Amerika geschickt, das zweitemal zu

lebenslänglicher Haft verurteilt, entkommt aber 1846 aus der Festung

Ham.

[~1840.~]

Beginn der +Befestigung von Paris+ unter dem Ministerium +Thiers+ aus

Anlaß einer Kriegsgefahr, welche dadurch entstanden war, daß Frankreich

sich des aufständischen +Mehemed Ali+ von Ägypten (s. S. 347) gegen den

Sultan annahm. Frankreichs Kriegsdrohung gegen Deutschland erregt das

Nationalgefühl gewaltig. Nik. +Beckers+ Rheinlied, +Schneckenburgers+

»Wacht am Rhein«. Bündnis der 4 anderen Großmächte; Frankreich gibt

nach, an Stelle von Thiers tritt +Guizot+ (Okt. 1840). Mehemed Ali,

dessen Sohn Ibrahim die Türken 1839 bei +Nisib+ in Syrien besiegt

hatte, muß auf Verlangen Englands (Lord +Palmerston+) Syrien räumen und

behält nur die +erbliche+ Herrschaft über +Ägypten+ unter Oberhoheit

der Pforte.

[~1840.~ 15. Dez.]

Die Überreste Napoleons I., durch den Prinzen von Joinville, dritten

Sohn Ludwig Philipps, von St. Helena nach Paris gebracht, werden dort

im Dom der Invaliden feierlich beigesetzt.

Langwierige Kriege in ~Algier~ (S. 348) zur Eroberung des inneren

Landes (Marschall +Bugeaud+, General aus Napoleons Schule).

+Abd-el-Kader+, Anführer der Araber und Kabylen, wird 1847 gefangen,

1852 nach Kleinasien entlassen.

[1846.]

Der Freistaat ~Krakau~ wird wegen erneuter polnischer Aufstandsversuche

durch Beschluß der Schutzmächte (S. 341) dem Kaiserreich +Österreich+

einverleibt.

[~1847.~]

~Sonderbundskrieg in der Schweiz.~ Sieben katholische Kantone sagen

sich von der Eidgenossenschaft los, werden aber von den Bundestruppen

unter General Dufour besiegt. Darauf (1848) Umgestaltung des

+Staatenbundes+ (S. 341) souveräner Kantone zu einem +Bundesstaat+

(Föderativrepublik von 25 Staaten, vgl. S. 302). An die Stelle

der bisherigen Tagsatzung, in der abwechselnd Zürich, Bern und

Luzern Vorort gewesen war, tritt die ~Bundesversammlung~ in ~Bern~,

bestehend aus 1. +Ständerat+ (44 Vertreter der einzelnen Kantone),

2. +Nationalrat+ (Vertreter der ganzen Schweizer Bevölkerung, nach

Maßgabe der Volkszahl gewählt). Die vollziehende Gewalt übt der von

der Bundesversammlung gewählte ~Bundesrat~ (7 Mitglieder, auf 3 Jahre

gewählt). Bundesgericht, einheitliches +Militär-, Post-+und +Münzwesen+

(s. § 14).

§ 4. Die Revolutionszeit 1848–1852.

In Frankreich führt die Unzufriedenheit mit der Politik des

Ministeriums +Guizot+ und den noch bestehenden Beschränkungen des

+Wahlrechts+ zur

[~1848.~ 22.–24. Febr.]

~Pariser Februarrevolution.~ Straßenkampf gegen die Truppen; Barrikaden

erbaut. Die Nationalgarde bleibt untätig, die Truppen geben den

Kampf bald auf. +Ludwig Philipp+ flieht nach England († 1850). Seine

Thronentsagung zu Gunsten seines Enkels, des +Grafen von Paris+ (S.

349), wird nicht beachtet, sondern die Republik proklamiert. Die

Deputiertenkammer wählt eine provisorische Regierung. +Lamartine+

als Mitglied derselben hindert Verwüstung und Plünderung. Eine

+Nationalversammlung+ wird nach Paris berufen, um die Verfassung der

Republik festzustellen. Die Forderungen der Sozialisten (+Louis Blanc+)

führen zur Einrichtung von +Nationalwerkstätten+ in Paris, in denen

jedem französischen Bürger vom Staate Arbeit und Lohn geboten werden

soll. Diese erweisen sich jedoch bald als kostspielig und zwecklos.

[~1848.~ 23.–26. Juni.]

Blutiger Straßenkampf in Paris nach Schließung der Nationalwerkstätten.

General +Cavaignac+ erhält durch Beschluß der Nationalversammlung

diktatorische Gewalt und wirft den Aufstand der Arbeiter nieder (gegen

10000 getötet, viele deportiert).

[10. Dez.]

Prinz ~Louis Napoleon~ (S. 353) wird infolge der Furcht aller

Besitzenden vor dem Sozialismus und unter dem Einfluß der Geistlichkeit

durch +Volksabstimmung+ (Plebiscit) mit fast 6 Millionen Stimmen zum

+Präsidenten+ der französischen Republik erwählt. Seine Regierung

findet Beifall, doch weigert sich die Nationalversammlung, die

Verfassung abzuändern, welche die Wiederwahl desselben Präsidenten erst

nach 4 Jahren gestattet.

[~1851.~ 2. Dez.]

~Staatsstreich Louis Napoleons.~ Er läßt die angesehensten Mitglieder

der Nationalversammlung verhaften, erklärt diese für aufgelöst,

fordert wiederum +Volksabstimmung+, läßt Aufstandsversuche in Paris

am 3. und 4. Dez. blutig niederwerfen. Er wird mit mehr als 7

Mill. Stimmen zum +Präsidenten auf 10 Jahre+ erwählt. Am 14. Jan.

1852 verkündet er eine neue, der des ersten Kaiserreiches ähnliche

Verfassung (Senat, gesetzgebender Körper, s. S. 318). Feierliche

Friedensversicherungen gegenüber den europäischen Staaten, besonders

durch eine Rede in Bordeaux (»+L’Empire c’est la paix+«). Auf Grund

eines Senatsbeschlusses und einer +dritten Volksabstimmung+ besteigt er

als

[~1852.~ 2. Dez.]

~Napoleon III., Kaiser der Franzosen~ (1852–1870) den Thron und wird

bald von allen Mächten anerkannt.

[~1848.~ Frühjahr.]

~Revolutionäre Bewegungen in Deutschland und Österreich.~ Eine badische

Volksversammlung bei +Mannheim+ (27. Febr.) fordert Preßfreiheit,

Schwurgerichte, Vereinsrecht, Volksbewaffnung, deutsches Parlament.

Ähnliche Versammlungen finden in Württemberg, Hessen-Darmstadt, Nassau

u. a. Staaten statt. Die Regierungen zeigen sich nachgiebig; der

+Bundestag in Frankfurt+ hebt die Zensur für Druckschriften auf.

[13.–15. März.]

Aufstand in Wien. Metternich, seit 1809 leitender Minister Österreichs,

wird vertrieben. +Bürgerwehr+ und +Studenten+ herrschen in der Stadt.

[18. März.]

Straßenkampf in Berlin, obwohl der König +Friedrich Wilhelm IV.+ schon

aus freien Stücken eine Verfassung und Preßfreiheit versprochen hatte.

Die +unbesiegten,+ aber ermatteten Truppen verlassen auf Befehl des

Königs am 19. ihre Stellungen und marschieren aus der Stadt. Bildung

einer Bürgerwehr. Berufung einer +preußischen Nationalversammlung+ nach

Berlin. Prinz +Wilhelm+ geht auf Befehl seines Bruders nach England.

[~1848.~ 20. März.]

Infolge wiederholter Unruhen in ~München~ dankt König +Ludwig I.+ (†

1868) zu Gunsten seines Sohnes +Maximilian II.+ (1848–1864) ab.

[15. Mai.]

+Zweiter+ Aufstand in ~Wien~, welcher die Einberufung eines

+österreichischen Reichstags+ erzwingt. Kaiser Ferdinand I. verläßt

Wien und geht nach +Innsbruck+.

[Juni.]

~Slavenkongreß~ in Prag, von den ~Tschechen~ (+Palacki+)

ausgeschrieben, um die Bestrebungen der slavischen Völker Österreichs

+gegen das Deutschtum+ zu vereinigen. Im Anschluß daran tschechische

Erhebung in ~Prag~, besiegt durch Fürst +Windischgrätz+.

[31. Okt.]

Einnahme des aufständischen ~Wien~ durch kaiserliche Truppen

(+Windischgrätz,+ +Jellachich+ Ban von Kroatien). +Robert Blum+,

Mitglied des Frankfurter Parlaments, und viele andere werden

erschossen. Der Reichstag wird nach +Kremsier+ verlegt. Fürst Felix

+Schwarzenberg+ übernimmt das Ministerium.

[9. Nov.]

Die preußische Nationalversammlung in ~Berlin~ wird auf Befehl des

Königs (Ministerium +Brandenburg-Manteuffel+) vertagt und zum 27. Nov.

nach +Brandenburg+ berufen.

[10. Nov.]

General +Wrangel+ rückt, ohne Widerstand zu finden, in +Berlin+ ein.

Erklärung des Belagerungszustandes, Entwaffnung der Bürgerwehr. -- Da

die Nationalversammlung in Brandenburg nicht in beschlußfähiger Zahl

zusammenkommt, befiehlt der König

[5. Dez.]

+Auflösung+ der Nationalversammlung und Verkündigung einer preußischen

+Verfassung+, welche nach Beratung durch die neu zu wählenden Kammern

in Gültigkeit treten soll.

[~1848–1849.~]

~Aufstand in Oberitalien gegen Österreich~.

Beginn der Erhebung in +Mailand+ (18. März 1848) die österreichischen

Truppen ziehen sich nach der Festung +Verona+ zurück. König +Karl

Albert+ von +Sardinien+ (1831–1849), welcher Italien befreien will,

wird bei ~Custozza~ (25. Juli) von dem Feldmarschall ~Radetzki~

vollständig geschlagen. +Mailand+ von den Österreichern wieder

eingenommen.

Waffenstillstand bis 20. März 1849, darauf erzwingt +Radetzki+ durch

die Siege bei +Mortara+ (21. März) und ~Novara~ (23. März) den

Frieden. +Karl Albert+ dankt zu Gunsten seines Sohnes +Viktor Emanuel+

(1849–1878) ab. Einnahme von +Brescia+ nach furchtbarem Straßenkampf;

Grausamkeit des Generals +Haynau+ gegen die Gefangenen.

In ~Venedig~ nach Abzug der österreichischen Besatzung (1848, März)

erst +provisorische+ Regierung im Namen des +Königs von Sardinien+,

dann nach der Niederlage des italienischen Heeres +Republik+

(Präsident +Manin+). Belagerung und Einnahme Venedigs durch die

Österreicher (August 1849). Das ganze lombardo-venetianische Königreich

ist der Herrschaft Österreichs wieder unterworfen.

[~1848–1849.~]

~Aufstand der Ungarn gegen Österreich.~ Die Ungarn (Magyaren) verlangen

und erhalten ein eigenes Ministerium (1848, April). Graf +Batthyany+

Ministerpräsident, ~Kossuth~ (spr. +Kóschūt+) Finanzminister. Reichstag

in Pest unter Vorsitz des Erzherzogs +Stephan+ als +Palatin+. Der

+Widerstand+ der +slavischen+ Bevölkerung und der +Nebenländer+

der Krone Ungarn (+Kroatien, Siebenbürgen+) gegen die magyarischen

Ansprüche, ihre Forderung politischer Gleichberechtigung werden vom

Wiener Hofe unterstützt. +Jellachich+, zum +Ban von Kroatien+ ernannt,

fällt mit Heeresmacht in Ungarn ein; Erzherzog +Stephan+ legt sein Amt

nieder. Graf +Lamberg, kaiserlicher Statthalter+ von Ungarn, wird in

Pest ermordet (Sept.); der Kaiser verfügt die Auflösung des Reichstages.

Nach Abdankung +Ferdinands I.+ (2. Dez. 1848) besteigt den Thron sein

Neffe (S. 282)

[~Seit 1848.~]

~Franz Joseph I.~, Kaiser von Österreich. Der ungarische Reichstag

erkennt den Thronwechsel nicht an. Fürst +Windischgrätz+ rückt mit

einem österreichischen Heere in Ungarn ein. +Kossuth+ zieht sich mit

den magyarischen Behörden nach +Debreczin+ zurück, Windischgrätz

besetzt Pest (1849, Jan.), besiegt ein ungarisches, von dem polnischen

General +Dembinski+ geführtes Heer bei +Kapolna+ (Febr.). In

Siebenbürgen ist der polnische General +Bern+, welchem Kossuth ein

Kommando übergeben hatte, siegreich gegen österreichische Truppen und

die von diesen zu Hilfe gerufenen +Russen+. Der ungarische General

+Görgey+ überschreitet mit 50000 Mann die Theiß, entsetzt die belagerte

Festung +Komorn+. Windischgrätz von der Regierung in Wien abberufen,

Pest geräumt; in +Ofen+ bleibt eine österreichische Besatzung. Infolge

der Verkündigung einer

[~1849.~ 4. März.]

~Gesamtverfassung für Österreich~, welche die alte ungarische

Verfassung aufhebt, spricht auf Kossuths Antrag der Reichstag die

Absetzung des Hauses +Habsburg-Lothringen+ aus. +Kossuth+ wird als

»Gouverneur« zum Haupt der magyarischen Regierung ernannt. +Görgey+

erstürmt +Ofen+ (21. Mai); Kossuth und der Reichstag halten einen

pomphaften Einzug in Pest. Unterdes wird bei einer Zusammenkunft der

+Kaiser+ von +Österreich+ und +Rußland+ in +Warschau+ die ~russische

Intervention~ verabredet und ein gemeinsamer Kriegsplan für die

Unterwerfung Ungarns festgestellt.

Ein russisches Heer von 80000 Mann unter +Paskjewitsch+ überschreitet

die Karpathen (Juni), ein zweites rückt von der Walachei aus vor, von

Westen her die Österreicher unter +Haynau+. Die magyarische Regierung

zieht sich nach +Szegedin+ zurück. +Kossuth+ legt bald darauf die

Regierungsgewalt nieder, die Diktatur wird +Görgey+ übertragen. Dieser

entschließt

[~1849.~ 13. Aug.]

sich zur ~Kapitulation von Vilagos~ und streckt mit 25000 Mann vor dem

russischen General +Rüdiger+ die Waffen. Die meisten andern ungarischen

Führer ergeben sich auf Gnade und Ungnade; nur +Klapka+, der Komorn

verteidigt, erhält eine ehrenvolle Kapitulation. +Kossuth, Bem,

Dembinski+ retten sich auf türkisches Gebiet. Haynau verhängt über die

gefangenen Häupter des Aufstandes ein furchtbares Strafgericht. Graf

Batthyany nebst vielen anderen hingerichtet, ihre Güter eingezogen.

Aufhebung der ungarischen Verfassung, Siebenbürgen und Kroatien werden

von Ungarn getrennt.

Die +Gesamtverfassung für Österreich,+ welche nie wirklich ins Leben

getreten war, wird am 31. Dez. 1851 für aufgehoben erklärt.

[~1848–1850.~]

~Versuche, Deutschland zu einigen.~

[~1848.~ 31. März.]

Mit Zustimmung des Bundestages tritt in +Frankfurt am Main+

ein aus Mitgliedern deutscher Ständeversammlungen gebildetes

~Vorparlament~ zusammen und beschließt die Berufung einer +deutschen

Nationalversammlung+ zur Feststellung der deutschen Reichsverfassung.

[April.]

Eine republikanische Erhebung in +Baden+ (Hecker, Struve, Herwegh) wird

durch deutsche Bundestruppen schnell unterdrückt.

[18. Mai.]

~Deutsche Nationalversammlung (Parlament)~ in Frankfurt am Main

(Paulskirche). Auf des Präsidenten +Heinrich von Gagern+ Vorschlag

wird ~Erzherzog Johann~ von Österreich zum ~Reichsverweser~

erwählt; der Bundestag löst sich auf. Erzherzog Johann ernennt ein

Reichsministerium; doch zeigt sich bald, daß die neu geschaffene

+Zentralgewalt+ weder den +Einzelstaaten+ noch dem +Auslande+ gegenüber

wirkliche Macht hat.

[18. Sept.]

Volksaufstand in Frankfurt, veranlaßt durch die Annahme des

Waffenstillstandes mit Dänemark (s. S. 362). Zwei Mitglieder der

Nationalversammlung, Fürst +Lichnowski+ und General +v. Auerswald,+ von

Volkshaufen ermordet.

[~1849.~ März.]

Vollendung der ~deutschen Reichsverfassung~ nach lebhaften

Parteikämpfen in der Nationalversammlung (»+Großdeutsche+«,

welche Österreich an der Spitze Deutschlands erhalten wollen, und

»+Kleindeutsche+«, welche Ausschluß Österreichs und engeren Bund

unter Preußens Führung anstreben). An der Spitze des Reichs soll ein

erblicher +Kaiser+ stehen, neben ihm ein Reichstag, bestehend aus

+Staatenhaus+ (zur Hälfte von den Regierungen, zur Hälfte von den

Volksvertretungen der Einzelstaaten zu ernennen) und +Volkshaus+ (aus

allgemeinen und direkten Wahlen hervorgehend). Kaiserwahl am 28. März.

[~1849.~ 3. April.]

König +Friedrich Wilhelm IV.+ von Preußen erklärt die ihm angetragene

Würde eines ~Kaisers der Deutschen~ nur mit Zustimmung +aller+

deutschen Regierungen annehmen zu können. Endgültige Ablehnung am 28.

April, nachdem inzwischen 28 kleinere Staaten zugestimmt haben.

[Mai.]

Aufstand in ~Dresden,~ um die Einführung der Reichsverfassung zu

erzwingen, mit preußischer Hilfe niedergeworfen.

In ~Baden~ und der bayrischen ~Pfalz~ republikanischer Aufstand

unter Beteiligung des Heeres. Preußische und deutsche Bundestruppen

rücken ein unter dem Oberbefehl des Prinzen +Wilhelm+ von Preußen.

Die Aufständischen in mehreren Treffen besiegt, die Festung +Rastatt+

(22. Juli) zur Übergabe gezwungen. Abberufung und Austritt einer

großen Zahl Abgeordneter aus der Frankfurter Nationalversammlung. Das

»+Rumpfparlament+«, welches seinen Sitz in +Stuttgart+ nimmt, wird (18.

Juni) von der württembergischen Regierung aufgelöst.

[Dez.]

Erzherzog +Johann+ legt die Würde des Reichsverwesers nieder.

Die Fürsten von +Hohenzollern+ (Hechingen und Sigmaringen) legen die

Regierung nieder; ihre Gebiete werden mit +Preußen+ vereinigt.

[~1850.~ 6. Febr.]

In Preußen wird die revidierte Verfassung von dem Könige und den

Kammern feierlich beschworen. Die gesetzgebende Gewalt wird fortan

»gemeinschaftlich durch den König und die beiden Häuser des +Landtags+

ausgeübt«. Der König ist unverantwortlich und wird von verantwortlichen

Ministern beraten. Jeder Regierungsakt des Königs muß von einem

Minister gegengezeichnet sein. An Stelle der »ersten Kammer« tritt

1854 das +Herrenhaus+, bestehend aus Mitgliedern, welche der König

erblich oder auf Lebenszeit ernennt. Das +Abgeordnetenhaus+ geht aus

öffentlichen, indirekten Dreiklassenwahlen (Wahlmänner) hervor. Jetzt

433 Mitglieder. Die Legislaturperioden früher dreijährig, seit 1888

fünfjährig. Die Abgeordneten erhalten Tagegelder und Reisekosten.

Preußens Versuch, eine ~deutsche Union~ mit Ausschluß Österreichs zu

schaffen (General +v. Radowitz+), gestützt auf den am 26. Mai 1849

mit Sachsen und Hannover geschlossenen +Dreikönigsbund,+ gefördert

durch eine Versammlung von Mitgliedern der früheren erbkaiserlichen

Partei des Frankfurter Parlaments zu +Gotha+ (Juni 1849) und durch den

Beitritt der meisten kleineren Staaten, führt zu dem

[~1850.~ 20. März.]

~Erfurter Parlament~, welches die Beratung über die Verfassung der

deutschen Union schnell zu Ende führt. Darauf

[Mai.]

~Fürstenkongreß zu Berlin~, aber keine Einigung, zumal da Sachsen und

Hannover sich schon vorher von dem Dreikönigsbund losgesagt und auf

Österreichs Betreiben mit Bayern und Württemberg den »Vierkönigsbund«

geschlossen haben.

Den preußischen Unionsbestrebungen tritt Österreich nach der

Niederwerfung des ungarischen Aufstandes (S. 357f.) entschlossener

entgegen durch Berufung einer Konferenz der ihm anhängenden Staaten

nach Frankfurt (10. Mai) und Einladung zur

[1. Sept.]

~Wiedereröffnung des Frankfurter Bundestages.~

Verfassungskampf im +Kurfürstentum Hessen+; Kurfürst +Friedrich

Wilhelm+ sucht durch seinen Minister +Hassenpflug+ die Verfassung

von 1831 zu beseitigen. Wiederholte Auflösung der Ständeversammlung;

Kriegszustand über das Land verhängt (7. Sept.). Widerstand der

Behörden und Gerichte. Der Kurfürst verläßt das Land und erhält die

Hilfe des von Österreich wiederhergestellten, von Preußen und seinen

Bundesgenossen nicht beschickten Bundestages zugesagt.

Auszug aus der Alten, Mittleren und Neueren Geschichte · 第 37 / 49 段