Ihre Hauptmacht unter +Barclay de Tolly+ kämpft am 17. August bei
~Smolensk~; die brennende Stadt wird den Franzosen (18. Aug.)
überlassen. Unter +Kutūsows+ Oberbefehl
[7. Sept.]
~Schlacht bei Borodinó~ an der Moskwa: beide Teile erleiden ungeheuere
Verluste. Rückzug der Russen in guter Ordnung bis hinter +Moskau+. Das
französische Hauptheer, auf 100000 Mann zusammengeschmolzen, besetzt
die von den Einwohnern verlassene Stadt. Napoleon im +Kreml+.
[15.–20. Sept.]
~Brand von Moskau~ (der Gouverneur +Rostopschin+). Plünderung der Stadt
unter Schutt und Trümmern; der Kreml wird gegen das Feuer geschützt.
Kaiser +Alexander+ lehnt auf +Steins+ Rat Friedensanträge Napoleons ab.
Nach +fünfwöchigem+ Aufenthalt in Moskau
[19. Okt.]
~Rückzug aus Rußland~, von ~Napoleon~ erst nach Südwesten, dann in der
Richtung auf +Smolensk+ angetreten, beunruhigt durch das russische
Hauptheer unter +Kutūsow+ und zahllose Kosakenschwärme.
[6. Nov.]
~Eintreten der Kälte.~ Furchtbares Elend durch Hunger und Frost.
Fortwährende Gefechte, namentlich bei +Krasnoi+ (Ney) und +Borissow+
(Oudinot).
[~1812.~ 26.–28. Nov.]
Schrecklicher ~Übergang über die Beresina~.
Brückenbau bei Studienka; +Ney+ und +Oudinot+ wehren am 28. die
andringenden Russen auf dem rechten Ufer ab, +Viktor+ auf dem linken,
doch fallen Tausende von Nachzüglern den Russen in die Hände. Von da ab
völlige Auflösung des Heeres bei erneuter Kälte; Napoleon verläßt das
Heer (5. Dez.) und eilt nach +Paris+. +Murat+, dann +Eugen Beauharnais+
leiten den Rückzug.
[30. Dez.]
~York~ schließt zu ~Tauroggen~ (nahe der preußischen Grenze) einen
Neutralitätsvertrag mit dem russischen General +Diebitsch+.
Schwarzenberg führt sein Heer fast ohne Verluste nach Galizien zurück
(Febr. 1813).
[~1813 und 1814.~]
~Der deutsche Befreiungskrieg.~
[~1813.~ 3. Febr.]
König ~Friedrich Wilhelm III.~ erläßt in +Breslau+ einen Aufruf zur
Bildung freiwilliger Jäger-Abteilungen. Begeisterte Erhebung in
Preußen. Männer und Jünglinge jedes Standes eilen zu den Waffen.
[7. Febr.]
Der ostpreußische Landtag zu +Königsberg+ beschließt Ausrüstung von
30000 Mann Linie und Landwehr.
[28. Febr.]
Bündnis zu ~Kalisch~ zwischen +Rußland+ und +Preußen+. Das
russisch-preußische Hauptheer sammelt sich in +Schlesien+.
Die Franzosen räumen +Berlin+ und +Hamburg+. Die Herzöge von
+Mecklenburg+ sagen sich vom Rheinbund los. +Tettenborn+ mit den
Kosaken zieht als Befreier in Hamburg ein (18. März).
[17. März.]
~Aufrufe Friedrich Wilhelms III.~ ~»An mein Volk«~ und ~»An mein
Kriegsheer«~; Verordnung zur Errichtung der Landwehr und des
Landsturmes. ~Eisernes Kreuz~ gestiftet.
[27. März.]
+Dresden+ wird nach Abzug des Marschall +Davout+ durch +Russen+ und
+Preußen+ unter +Wittgenstein+ und +Blücher+ besetzt. Flucht des Königs
von Sachsen.
[2. April.]
Gefecht bei +Lüneburg+ (+Johanna Stegen+). Der französische General
+Morand+ mit 2000 Mann von Russen und Preußen gefangen. Die Erhebung in
+Bremen+ wird von General +Vandamme+ unterdrückt.
[5. April.]
Gefecht bei +Möckern+ (östlich von Magdeburg). +Eugen Beauharnais+,
(S. 329) von Preußen (unter York, Bülow und Borstell) und Russen
geschlagen, zieht sich auf das linke Elbufer zurück. Französische
Besatzungen behaupten sich in Magdeburg, Stettin, Küstrin, Glogau,
Danzig, Modlin, Zamosc.
Napoleon führt ein neugebildetes Heer (120000 Mann) über den Rhein,
zieht die Truppen der Rheinbundfürsten an sich, überschreitet den
Thüringer Wald, wird beim Vorrücken nach Sachsen von den Russen und
Preußen (85000 Mann) angegriffen.
[~1813.~ 2. Mai.]
~Schlacht bei Groß-Görschen oder Lützen.~ Der Sieg bleibt trotz
größerer Verluste den Franzosen. Die Verbündeten ziehen sich über
+Dresden+ nach der +Lausitz+ zurück. +Scharnhorst+, in der Schlacht
verwundet, stirbt in +Prag+ (28. Juni).
Napoleon zieht in +Dresden+ ein, führt den aus Prag zurückgekehrten
König von Sachsen dorthin zurück.
[18. Mai.]
+Schwedische+ Truppen unter Führung des +Kronprinzen+ (Bernadotte)
landen in Pommern.
[20. u. 21. Mai.]
~Schlacht bei Bautzen.~ Napoleon erzwingt den Übergang über die Spree
und siegt mit großen Verlusten. Die Verbündeten ziehen sich nach
~Schlesien~ zurück. Blüchers Reitergefecht bei +Haynau+ (26. Mai).
[30. Mai.]
+Hamburg+ nach Abzug der Russen von +Davout+ besetzt und furchtbar
gebrandschatzt.
[4. Juni.]
~Waffenstillstand~ zu +Poischwitz+ (bei Striegau) auf sechs Wochen,
verlängert bis zum 10. August. Beide Teile erschöpft, erwarten
Verstärkung und bewerben sich um +Österreichs+ Bundesgenossenschaft.
[14. u. 15. Juni.]
Subsidienverträge +Englands+ mit +Preußen+ und +Rußland+ zu
+Reichenbach+.
[17. Juni.]
Franzosen und Rheinbundtruppen überfallen die Reiterei der +Lützowschen
Freischar+ bei +Kitzen+ (unweit Lützen).
Verhandlungen zu ~Prag~. Österreich übernimmt die Vermittelung;
Napoleon geht auf +Metternichs+ Bedingungen (Auflösung des Herzogtums
Warschau, Rückgabe der illyrischen Provinzen an Österreich, Räumung der
preußischen Festungen, der Hansestädte und Oldenburgs) nicht ein.
[12. Aug.]
~Österreich erklärt den Krieg an Frankreich.~ Die Verbündeten, durch
englische Hilfsgelder unterstützt, stellen ~drei Heere~ auf:
1. Das ~Böhmische~ oder ~Hauptheer~ unter Fürst ~Schwarzenberg~: 123000
Österreicher, 75000 Russen unter +Wittgenstein+, 49000 Preußen unter
+Kleist+. Beim Heere befinden sich die drei verbündeten Monarchen
~Alexander~, ~Franz~, ~Friedrich Wilhelm~.
2. Das ~Schlesische Heer~ unter ~Blücher~: 38000 Preußen unter +York+,
61000 Russen unter +Sacken+ und +Langeron+; +Gneisenau+ Chef des
Generalstabes.
3. Das Nordheer unter dem Kronprinzen +Karl Johann+ von Schweden
(~Bernadotte~): 75000 Preußen unter +Bülow+ und +Tauenzien+, 30000
Russen unter +Winzingerode+, 20000 Schweden, 27000 Mann gemischte
Truppen (russisch-deutsche Legion, Kosaken, Hannoveraner,
Mecklenburger, Hanseatische Legion, Lützowsche Freischar) unter
+Wallmoden+.
~Im ganzen~ 485000 gegen 440000 Franzosen und Rheinbundtruppen.
~Napoleon~ beginnt die Feindseligkeiten mit einem Angriff auf
+Blücher+, der hinter die Katzbach zurückgeht. Indessen rückt
+Schwarzenberg+ aus Böhmen gegen Dresden vor. +Napoleon+ eilt dorthin
und läßt +Macdonald+ gegen +Blücher zurück+. Ehe es auf diesen beiden
Punkten zur Schlacht kommt, wird +Oudinot+, dessen Angriff auf Berlin
durch +Davout+ von Hamburg aus unterstützt werden sollte, in der
[~1813.~ 23. Aug.]
~Schlacht bei Großbeeren~ von +Bülow+ geschlagen, während der Kronprinz
von Schweden untätig zusieht, +Berlin+ wird durch diesen Sieg vor
Einnahme und Plünderung gerettet.
Davout kehrt nach einigen Gefechten gegen die Truppen des Generals
+Wallmoden+ (+Th. Körner+ † 26. Aug. bei +Gadebusch+) nach Hamburg
zurück. Ein von Magdeburg gegen Berlin heranziehendes Korps von 9000
Mann wird bei +Hagelberg+ 27. August von der kurmärkischen Landwehr
vernichtet.
[26. Aug.]
~Schlacht an der Katzbach~. Macdonald, der mit 80000 Mann in Schlesien
vorrückt, wird von den Preußen und Russen unter +Blücher+ (später zum
Fürsten von +Wahlstatt+ ernannt) entscheidend geschlagen.
Indessen mißglückt der Angriff der +Böhmischen Armee+ auf +Dresden+.
+Napoleon+ erkämpft in der
[26. u. 27. Aug.]
~Schlacht bei Dresden~ nochmals einen großen Sieg auf deutschem Boden.
Doch wird General +Vandamme+, welcher der Böhmischen Armee den Rückzug
abschneiden will, in der
[29. u. 30. Aug.]
~Schlacht bei Kulm und Nollendorf~, nicht weit von Teplitz, von Russen
und Österreichern geschlagen und durch das rechtzeitige Erscheinen
der Preußen in seinem Rücken (General +v. Kleist+) mit 10000 Mann zur
Ergebung genötigt.
[6. Sept.]
~Schlacht bei Dennewitz~ (unweit Jüterbog).
Marschall Ney, welcher mit 70000 Mann Berlin besetzen soll, von +Bülow+
und +Tauenzien+ geschlagen.
~Napoleon~ zieht nach +Bautzen+ gegen Blücher, der ihm ausweicht,
dann gegen die Böhmische Armee, die ihm bei +Nollendorf+ (17. Sept.)
erfolgreich Widerstand leistet, dann nochmals gegen Blücher (Gefecht
bei +Bischofswerda+). ~Blücher~ gibt dem Feldzug die entscheidende
Wendung durch seinen Übergang über die ~Elbe~.
[~1813.~ 3. Okt.]
Tapferer Kampf des Yorkschen Korps bei ~Wartenburg~ gegenüber der
Einmündung der Schwarzen Elster. Auch die unter Bernadottes Führung
zögernde Nordarmee überschreitet nun die Elbe.
[8. Okt.]
+Vertrag zu Ried+ zwischen +Österreich+ und +Bayern+, welches sich vom
Rheinbunde lossagt und dem Bündnis gegen Napoleon beitritt. Dafür wird
dem König +Max Joseph+ von Bayern (1799–1825) die Erhaltung seines
durch Napoleon vergrößerten Gebietes zugesichert.
Als die 3 Hauptheere der Verbündeten eine Vereinigung im Rücken
Napoleons versuchen, verläßt dieser +Dresden+, zieht nach +Düben+
(an der Mulde) gegen +Blücher+, der ihm ausweicht, versammelt dann
seine Truppen bei +Leipzig+ gegen die inzwischen durch die Elbpässe
gedrungene Böhmische Armee. Reitergefecht bei +Libertwolkwitz+ (14.
Okt.).
[~16. 18. 19. Okt.~]
~Völkerschlacht bei Leipzig.~
Am 16. Okt. unentschiedener Kampf Napoleons gegen die Böhmische Armee
(Schwarzenberg) bei ~Wachau~ (südl. von Leipzig); Sieg +Blüchers+ bei
~Möckern~ (nördl. von Leipzig) über Marmont.
Am 17. Stillstand des Kampfes; Napoleon schickt Friedensanträge
an Kaiser +Franz+, die jedoch wegen ihrer Unzulänglichkeit keine
Berücksichtigung finden. Gegen Abend Vereinigung der +vier+ Heere
der Verbündeten: die Nordarmee und die russische Reservearmee (unter
Bennigsen) schließen den Kreis nördlich, östlich und südlich von
Leipzig (die Straße im Westen nach Lindenau nicht besetzt); 255000
gegen 160000 Mann.
Am 18. ~allgemeiner Angriff~ und nach neunstündigem Kampfe
~vollständiger Sieg~ der Verbündeten. Kampf um +Probstheida+ südlich,
+Schönfeld+ an der Parthe und +Paunsdorf+ östlich von Leipzig; bei
Paunsdorf gehen die meisten +Sachsen+ und +Württemberger+ zu den
Verbündeten über.
Am 19. Erstürmung von +Leipzig+ und Gefangennehmung des Königs von
Sachsen. Nach Verlust von mehr als 60000 Mann tritt das geschlagene
Heer Napoleons den Rückzug an. Voreilige Zerstörung der Elsterbrücke.
Viele Fliehende, unter ihnen der tapfere Fürst +Poniatowski+, Neffe des
letzten polnischen Königs, finden ihren Tod in der Elster.
Auf dem Rückzuge Kampf Napoleons an der +Unstrut+ gegen +Yorks+ Vorhut;
Sieg bei ~Hanau~ (30. und 31. Okt.) über ein österreichisch-bayrisches
Heer unter +Wrede+.
Unmittelbare Folgen der Schlacht bei Leipzig: Flucht des Königs
+Jérôme+ aus Kassel, Ende des Königreichs +Westfalen+, der
Großherzogtümer +Frankfurt+ und +Berg+. Wiederherstellung der
alten Regierungen in +Hessen-Kassel+, +Braunschweig+, +Hannover+,
+Oldenburg+. Die »Zentralverwaltung für die in Deutschland eroberten
Länder«, unter dem Freiherrn +vom Stein+, sorgt in Sachsen, Frankfurt
und Berg für die weiteren Rüstungen.
[~1813. Nov.~]
Napoleon geht bei +Mainz+ über den +Rhein+ zurück. ~Württemberg~,
~Hessen-Darmstadt~, ~Baden~ und die noch übrigen Glieder des
Rheinbundes schließen sich den Verbündeten an. Allmählich werden
die von den Franzosen besetzten Festungen befreit: +Dresden+ (11.
Nov.), +Stettin+ (21. Nov.), +Lübeck+ (5. Dez.), +Zamosc+, +Modlin+,
+Torgau+ (26. Dez.), +Danzig+ (30. Dez.), +Wittenberg+ (12. Jan. 1814),
+Küstrin+ (7. März).
In +Glogau+, +Magdeburg+, ~Hamburg~ (+Davout+), +Erfurt+, +Würzburg+,
+Wesel+, +Mainz+ halten sich die französischen Besatzungen bis zum
Frieden.
Aufstand in ~Holland~ (Nov.), die französischen Behörden verjagt. Ein
Teil der +Nordarmee+ unter +Bülow+ rückt in Holland ein, während der
+Kronprinz von Schweden in Holstein+ einfällt und in einem kurzen
Winterfeldzug ~Dänemark~ zum Verzicht auf +Norwegen+ zwingt (Friede zu
+Kiel+, Jan. 1814).
Aus ~Spanien~ werden die Franzosen, nachdem sie schon 1812 den Süden
des Landes und vorübergehend auch Madrid hatten aufgeben müssen,
während des Jahres ~1813~ fast ganz verdrängt. Entscheidender Sieg
+Wellingtons+ bei +Vittoria+ (21. Juni).
In Deutschland erfolgt, da Napoleon auf ein von Metternich gemachtes
Anerbieten, welches ihm die +Alpen-+ und +Rheingrenze+ verspricht,
nicht ernstlich eingeht, am
[1. Dez.]
der Beschluß, den Krieg energisch weiterzuführen und den Rhein zu
überschreiten. Das Hauptheer unter +Schwarzenberg+ geht Ende Dez. bei
+Basel+ über den Rhein, um die Hochebene von +Langres+ zu erreichen,
das Schlesische Heer unter Blücher in der Neujahrsnacht 1814 bei
+Mannheim+, +Kaub+ und +Koblenz+.
[~1814.~]
~Feldzug in Frankreich.~
[29. Jan.]
Um die Vereinigung der verbündeten Heere zu verhindern, greift
+Napoleon+ bei ~Brienne~ +Blücher+ an, der sich zurückziehen muß, sich
aber dann mit Teilen des Hauptheeres (Kronprinz von Württemberg, Wrede)
vereinigt und den Kaiser in der
[1. Febr.]
~Schlacht bei La Rothière~ schlägt und über die +Aube+ zurückdrängt.
Darauf wieder Trennung; das Hauptheer soll an der +Seine+, das
Schlesische an der +Marne+ entlang nach Paris vorrücken. Napoleon läßt
40000 Mann gegen Schwarzenberg zurück, wirft sich mit 30000 auf die
getrennten Teile des +Schlesischen+ Heeres, schlägt
[10.–14. Febr.]
sie in +vier+ Treffen bei +Champaubert+, ~Montmirail~,
+Château-Thierry+ und +Vauchamps+ und zwingt +Blücher+ zum Rückzug über
+Etoges+. Dann wendet
[~1814.~ 17. u. 18. Febr.]
er sich gegen die vorgeschobenen Teile des Hauptheeres und schlägt
sie bei +Nangis+ und ~Montereau~; Schwarzenberg ordnet den Rückzug
nach +Troyes+ an. Beide Heere der Verbündeten vereinigen sich wieder
auf kurze Zeit an der +Aube+. Mittlerweile waren Bevollmächtigte der
Verbündeten mit dem Gesandten Napoleons, +Caulaincourt+, zu einem
[5. Febr. bis 19. März.]
~Kongreß in Châtillon~ (an der Seine) zusammengetreten, auf dem man
Napoleon den Besitz +Frankreichs+ mit den Grenzen von 1792 zugestanden
hätte; allein die Verhandlungen werden infolge seines übermütigen und
zweideutigen Benehmens abgebrochen.
Die beiden Heere trennen sich wieder. Das Hauptheer unter
+Schwarzenberg+ siegt in der
[27. Febr.]
~Schlacht bei Bar-sur-Aube~ über +Oudinot+ und +Macdonald+, rückt aber
dann nur langsam vor.
Blücher dringt vor bis in die Nähe von +Meaux+ (an der Marne),
wendet sich dann nordwärts und vereinigt sich bei +Soissons+ mit dem
+Nordheer+ unter +Bülow+ und +Winzingerode+, welches inzwischen Holland
und Belgien befreit hat. Die vereinigten Heere besiegen Napoleon in der
[9. u. 10. März]
~Schlacht bei Laon~, doch ohne ihn vernichten zu können. Er zieht mit
30000 Mann gegen das +Hauptheer+, welches ihn in der
[20. u. 21. März.]
~Schlacht bei Arcis-sur-Aube~ besiegt. Unterdes von der +spanischen+
Seite her gleichfalls siegreiches Vordringen +Wellingtons+ gegen
+Soult+. Besetzung von +Bordeaux+ (12. März), wo die königliche Fahne
der Bourbons zuerst aufgepflanzt wird.
+Napoleon+ faßt den verwegenen Plan, sich den Verbündeten in den
Rücken, nach +Lothringen+, zu werfen, die Besatzungen der Festungen an
sich zu ziehen und die gesamte Bevölkerung zu den Waffen zu rufen. Die
Verbündeten senden ihm 8000 Reiter nach, die übrigen Truppen, 170000
Mann, ziehen gegen +Paris+. Die Marschälle Marmont und Mortier werden
bei ~La Fère Champenoise~ (25. März) zurückgeschlagen und ziehen sich
nach Paris zurück. Die Regentin +Marie Luise+ entflieht nach +Blois+.
[30. März.]
~Schlacht bei Paris~, auf der Ostseite (Pantin, Vincennes), zuletzt
Erstürmung des Berges +Montmartre+ auf der Nordseite.
[31. März.]
~Einzug der Verbündeten in Paris~, wo der Senat auf Veranstaltung
+Talleyrands+ den Kaiser und seine Familie des Thrones für verlustig
erklärt. +Napoleon+ war, seiner Hauptstadt zu Hilfe eilend, wenige
Stunden zu spät gekommen. Da ihm zu einem verzweifelten Sturme
auf Paris die Marschälle den Gehorsam verweigern, entsagt er in
+Fontainebleau+ der Krone (6. und 11. April). Er erhält von den
Verbündeten die Insel +Elba+ als Fürstentum mit 2 Millionen Franks
Einkünften aus Frankreich; 800 seiner alten Soldaten dürfen ihn
begleiten. Seine Gemahlin erhält das Herzogtum +Parma+; beide behalten
den kaiserlichen Titel.
[~1814.~ 10. April.]
~Wellington~ besiegt +Soult+ in der ~Schlacht bei Toulouse~.
[4. Mai.]
Ankunft +Napoleons+ auf +Elba+. Rückkehr der ~Bourbons~ nach
Frankreich. Ludwigs XVI. Bruder, der sich als König
[~1814–1824.~]
~Ludwig XVIII.~ nennt, erteilt dem Lande eine der englischen
nachgebildete, gemäßigte +Verfassung+ (Charte octroyée: +Pairskammer+
und +Deputiertenkammer+) und schließt mit den Verbündeten den
[~1814.~ 30. Mai.]
~Ersten Frieden zu Paris~: 1. ~Frankreich~ nimmt im allgemeinen seine
Grenzen von 1792 wieder an (gegen 1790 Vermehrung um 8200 qkm [150 □
Meilen]: +Avignon+ und +Venaissin+, +Teile+ von Savoyen, Elsaß und
Belgien). 2. +England+ gibt die französischen Kolonien zurück mit
Ausnahme von +Tabago+, +St. Lucie+ und +Isle de France+, behält ferner
+Malta+ (S. 320f) und die früher holländischen Kolonien +Kapland+ (S.
331) und +Ceylon+. 3. Die ~Verbündeten~ +verzichten auf alle Summen+,
welche sie als Entschädigung für französische Erpressungen zu fordern
haben (!).
Nach dem Pariser Frieden kehrt Papst +Pius VII.+ nach +Rom+, der König
von Sardinien +Viktor Emanuel+ nach +Turin+, der König von Spanien
+Ferdinand VII.+ nach +Madrid+ zurück. In +Spanien+ beginnt, nachdem
der König die sehr freisinnige Verfassung der +Cortes+ vom Jahre 1812
verworfen hat, sofort ein grausamer Kampf der unumschränkten Gewalt
gegen die liberale Partei. -- Pius VII. stellt den +Jesuitenorden+ (s.
S. 304) wieder her.
Besuch Kaiser +Alexanders+ und König +Friedrich Wilhelms III.+ in
+London+ (Juni 1814), begleitet von ihren siegreichen Feldherren
(+Blücher+); begeisterter Empfang von seiten der englischen Nation.
§ 5. Wiederherstellung des europäischen Staatensystems.
[~1814–1815.~ Sept. Juni.]
~Wiener Kongreß~,
unter persönlicher Teilnahme der Kaiser von +Österreich+ und +Rußland+,
der Könige von +Preußen+, +Dänemark+, +Bayern+ und +Württemberg+ und
vieler deutscher Fürsten. Vertreten sind alle Staaten Europas, mit
Ausnahme der Türkei. Die geschäftliche Leitung der Verhandlungen hat
der österreichische Staatskanzler Fürst +Metternich+; für Frankreich
weiß +Talleyrand+ als Gesandter Ludwigs XVIII. großen Einfluß zu
gewinnen. Streit entsteht namentlich über die künftige Gestaltung
+Sachsens+ und +Polens+, doch ist der Ausgleich schon gefunden, ehe die
Nachricht von Napoleons Entweichen aus Elba anlangt.
~Hauptbestimmungen der Wiener Kongreßakte (8. Juni 1815):~
1. ~Österreich~ erhält seine alten Gebiete zurück: +Tirol, Vorarlberg,
Kärnten, Krain, Triest, Galizien, Mailand,+ dazu das 1797 erworbene
+venetianische Gebiet+ und das 1805 erworbene Erzbistum +Salzburg+,
tritt aber den +Breisgau+ und seine oberschwäbischen Besitzungen an
Baden und Württemberg, +Belgien+ an Holland ab.
2. ~Preußen~ erhält zurück: einen Teil des Herzogtums Warschau (Provinz
+Posen+) und +Danzig+, die alten Besitzungen in Westfalen und am
Rhein, auch +Neuchâtel+. Zur Entschädigung für nicht zurückerhaltene
frühere Besitzungen (+Ansbach+ und +Baireuth+ an Bayern, +Ostfriesland,
Goslar, Hildesheim+ an Hannover, +polnische+ Gebiete an Rußland) werden
die +Rheinprovinz+ und +Westfalen+ außer anderem besonders durch die
Herzogtümer +Jülich+ und +Berg+, die Kurlande +Köln+ und +Trier+
vergrößert, ferner +Schwedisch-Pommern+ mit Rügen und die Hälfte des
Königreichs +Sachsen+ hinzugefügt.
3. ~Bayern~ wird durch +Ansbach+ und +Baireuth, Aschaffenburg,
Würzburg+ und die +linksrheinische Pfalz+ vergrößert; die
rechtsrheinische mit +Heidelberg+ und +Mannheim+ bleibt bei +Baden+ (S.
320).
4. Ein ~Königreich der Niederlande~ wird gebildet aus der früheren
+Republik+ der Niederlande (+Holland+) und dem früher österreichischen
+Belgien+. König +Wilhelm I.+, Sohn des letzten Erbstatthalters von
Holland (S. 314, 321), erhält zum Ersatz für seine nassauischen
Stammlande auch das +Großherzogtum Luxemburg.+
5. Die deutsche +Kaiserwürde+ nicht wiederhergestellt. Der ~Deutsche
Bund~ tritt an die Stelle des früheren +Deutschen Reiches,+ gebildet
von 35 souveränen Fürsten und 4 freien Städten. Grundgesetz
die +Bundesakte+ vom 8. Juni 1815, ergänzt durch die +Wiener
Schlußakte+ 1820. Oberste Behörde der ~Bundestag zu Frankfurt a.
M.~, eine Versammlung von Gesandten der Bundesstaaten unter Vorsitz
des österreichischen Gesandten. Bundesheer aus Kontingenten der
Einzelstaaten; Bundesfestungen: Mainz, Luxemburg, Landau, Ulm,
Rastatt. +Österreich+ und +Preußen+ gehören nicht mit ihrem ganzen
Gebiet zum Bunde, ersteres nicht mit seinen polnischen, ungarischen
und italienischen Gebieten, letzteres nicht mit Preußen und Posen.
+Bayern+, +Württemberg+, +Sachsen+ (letzteres verkleinert) bleiben
+Königreiche+; dazu kommt das frühere Kurfürstentum +Hannover+
(vergrößert) ebenfalls als Königreich, in Personal-Union mit England
(seit 1714, vgl. S. 299). Der König von England ist als König von
Hannover, der König von +Dänemark+ als Herzog von Holstein und
Lauenburg, der König der +Niederlande+ als Großherzog von Luxemburg am
Deutschen Bunde beteiligt.
6. ~Rußland~ erhält den größten Teil des Herzogtums +Warschau+
als ~Königreich Polen~. +Krakau+ wird Freistaat unter dem Schutze
+Rußlands+, +Österreichs+ und +Preußens+.
7. ~England~ behält +Malta+, +Helgoland+, die ihm früher zugesicherten
+Kolonien+ (S. 339) und die Schutzherrschaft über die Republik der 7
+Ionischen Inseln+ (S. 316). Auf Englands Antrag gemeinsame Erklärung
der Großmächte gegen den +Sklavenhandel+.
8. ~Schweden~ wird, gemäß dem Kieler Frieden (S. 337), mit +Norwegen+
durch Personal-Union vereinigt; ~Dänemark~ wird entschädigt durch
Schwedisch-Pommern mit Rügen, wofür es das von Hannover an Preußen
abgetretene +Lauenburg+ eintauscht (bis 1689 deutsches Herzogtum,
vgl. S. 189, 204, dann mit Hannover vereinigt, 1803 von den Franzosen
besetzt).
9. Die 19 Kantone der Schweiz (S. 316) werden durch +Genf+, +Wallis+
und +Neuchâtel+ (zugleich +Kanton+ und +Fürstentum+ im Besitz der Krone
+Preußen+, S. 274) auf 22 vermehrt, die Bundesverfassung neu geordnet.
10. ~Wiederherstellung~ der alten Dynastien in +Spanien+, +Portugal+,
+Sardinien+ (das durch +Genua+ vergrößert wird) und +Toskana+. +Moděna+
wird gleich Toskana österreichisches Nebenfürstentum, da die Erbtochter
des letzten Herzogs aus dem Hause +Este+ (Herkules III., S. 304) sich
mit dem Erzherzog Ferdinand vermählt hat (S. 282). +Parma+, +Piacenza+
und +Guastalla+ (S. 304) kommen an Napoleons Gemahlin, die Erzherzogin
+Marie Luise+, sollen aber nach ihrem Tode († 1847 als Witwe des Grafen
+v. Neipperg+) an die in +Lucca+ herrschenden Bourbonen zurückfallen.
Auch der +Kirchenstaat+ wiederhergestellt, dagegen wird in +Neapel+
Murat (S. 327) als König anerkannt.
Nachrichten von der Mißstimmung in Frankreich gegen die Regierung
der Bourbons und von den beim Wiener Kongreß besonders wegen der
polnisch-sächsischen Frage ausgebrochenen Streitigkeiten ermutigen
Napoleon zur Rückkehr nach Frankreich.
[~1815.~ 1. März.]
~Landung Napoleons bei Cannes~ mit 7 Schiffen. Schneller Marsch auf
+Paris+. Alle gegen ihn gesandten Truppen, auch +Ney+ mit seinem Korps,
gehen zu ihm über. Ludwig XVIII. entflieht nach Gent.
[~1815.~ 20. März.]
Einzug Napoleons in +Paris+ (+les cent jours+). Die auf dem Wiener
Kongreß vertretenen Staaten erlassen eine gemeinschaftliche
+Achtserklärung+ gegen ihn und schließen ein neues Kriegsbündnis.
[Mai.]