Carlo Bonaparte, †1785, Gem. Maria Lätitia Ramolino, †zu Rom 1836.

...____________________________|_________________

| | | |

~Ludwig,~ Pauline, Karoline, Jérôme,

K. v. Holland (Gem. Fürst (Gem. Joachim K. v. Westf.

(Gem. Hortense, v. Borghese), Murat, K. von (Gem. Przn.

Stieftochter †1825. Nepal), v. Württemb.),

Napoleons I.). †1839. †1860.

†1846. |

| |

__|____________ Jérôme Napoléon, †1891,

| | Gem. Clotilde v. Italien, †1911.

Ludwig, Karl Ludwig _____________|_____________

Großhzg. v. (seit dem | | |

Berg u. Tode seines Napoleon Victor, Louis. Maria Lätitia,

Cleve, Bruders gen. Gem. Clementine Gem. Amadena,

†1831. ~Louis Napoléon~) v. Belgien. Hz. v. Aosta,

als Kaiser †1890 (König v.

~Napoléon III.~, Gem. Eugenie Montijo, Spanien

1852–1870. †1873. Gräfin v. Teba. 1870–1873).

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|

Napoleon (Prince-Impérial),

†1879.

Napoleons Pläne zur Vernichtung Englands (die Flotte in +Brest+ soll

die Landung des Heeres in England decken, die Geschwader in +Toulon+

und +Rochefort+ die englische Flotte nach Westindien locken) werden

vereitelt durch +Nelsons+ energische Maßregeln und durch den

[~1805.~]

~Dritten Koalitionskrieg.~

+England, Rußland, Österreich+ und +Schweden+ (+Gustav IV+., 1792–1809)

einigen sich zur Herstellung des europäischen Gleichgewichts. +Spanien+

mit Frankreich verbündet.

Das Lager bei +Boulogne+ wird aufgehoben. Die französischen Heere

rücken unter +Davout, Soult, Lannes, Ney+ nach dem Rhein zu gegen

Österreich, +Napoleon+ vereingt seine Truppen (200000 Mann) an der

oberen Donau. +Bernadotte+, von Hannover kommend, marschiert durch das

neutrale ansbachische Gebiet Preußens. ~Bayern, Württemberg, Baden~

verstärken Napoleons Heer. Nach mehreren unglücklichen Treffen wird der

österreichische General

[~1805.~ Okt.]

~Mack~ in ~Ulm~ mit 25000 Mann zur Ergebung genötigt und kriegsgefangen.

Der Seekrieg (seit 1803) von England glänzend beendet durch

[21. Okt.]

~Nelsons Seesieg bei Trafalgar~ unweit Cadiz über die französische und

spanische Flotte, welche auf Napoleons bestimmten Befehl aus Cadiz

ausgelaufen war. +Nelson+ † (»England expects every man to do his

duty«).

Die Franzosen marschieren auf ~Wien~, das Napoleons Schwager +Murat+

ohne Widerstand einnimmt. Erzherzog +Karl,+ der in Italien mit

+Masséna+ gekämpft hat, zieht sich über die Ostalpen zurück; ein

russisches Heer unter +Kutūsow+, ein zweites unter +Kaiser Alexander+

rückt heran.

[3. Nov.]

Bündnis Alexanders mit Friedrich Wilhelm III. zu +Potsdam+ (am Sarge

Friedrichs d. Gr.).

[2. Dez.]

~Drei-Kaiser-Schlacht bei Austerlitz~ (in Mähren). +Napoleon+ siegt

über die vereinigten +Russen+ und +Österreicher+, ehe Erzherzog Karl

angekommen ist. Waffenstillstand mit Österreich, Rückzug der Russen.

[15. Dez.]

Vertrag +Preußens+, das soeben noch bereit war, der Koalition

beizutreten, mit +Napoleon+ zu +Schönbrunn+ (Gesandter Graf Haugwitz).

Preußen tritt an Frankreich den rechtsrheinischen Rest von +Cleve+

(+Wesel+) und +Neuchâtel,+ an Bayern, das +Berg+ an Frankreich

überläßt, +Ansbach+ ab, erhält dafür (das den Engländern erst

abzuringende) +Hannover,+ schließt mit Frankreich ein Schutz- und

Trutzbündnis.

[26. Dez.]

~Friede zu Preßburg~: 1. Österreich tritt +Venedig+ nebst Gebiet (S.

316) an das Königreich +Italien+ ab, als dessen König es ~Napoleon~

anerkennt. 2. Österreich tritt an ~Bayern~ ab: +Tirol,+ +Vorarlberg,+

+Burgau,+ +Lindau,+ ferner die Bistümer +Brixen, Trient, Eichstädt,

Passau+; außerdem erhält Bayern die freie Stadt +Augsburg+. 3. Von

Österreich erhalten ~Württemberg~ und ~Baden~ die noch übrigen

vorderösterreichischen Besitzungen in Oberschwaben, den Breisgau, die

Stadt +Konstanz+ u. a., dazu kommen die Gebiete des Deutschen Ordens

und der Johanniter (Malteser) in Süddeutschland (Mergentheim, s. S.

179). 4. Bayern und Württemberg werden als ~Königreiche~ anerkannt. 5.

Österreich erhält als Entschädigung: +Salzburg, Berchtesgaden+ und die

Güter des +Deutschen Ordens+; der Kurfürst von +Salzburg+ bekommt von

Bayern +Würzburg+ als Entschädigung. ~Rußland~ bleibt im Kriegsstande,

ebenso England und Schweden.

[~1805.~ Dez.]

Das Haus Bourbon in +Neapel+ (S. 305) wird durch eine Verfügung

Napoleons aus Schönbrunn (+La dynastie de Naples a cessé de régner+)

entthront. Von Paris aus verfügt er weiter über die unterworfenen

Länder.

[~1806.~]

~Joseph~, Napoleons älterer Bruder, wird König von Neapel. Der Hof von

Neapel zieht sich nach +Palermo+ zurück. Sicilien ist für Napoleon

unerreichbar, da die Engländer das Meer beherrschen.

~Joachim Murat,~ Schwager Napoleons, wird Großherzog von +Berg+ (bisher

zu Bayern gehörig, S. 289, 323). Marschall ~Berthier~ wird Fürst von

+Neuchâtel+. ~Louis~ Bonaparte, Napoleons dritter Bruder, Gemahl seiner

Stieftochter +Hortense Beauharnais,+ wird König von ~Holland~ (frühere

Batavische Republik). Seine Schwestern +Elise+ und +Pauline+ erhalten

die Fürstentümer +Piombino+ (mit +Lucca+ und +Carrara+) und +Guastalla+.

[Juli.]

~Errichtung des Rheinbundes~ (s. S. 266).

Napoleon ~Protektor.~ Der bisherige Kurerzkanzler des Reiches +Fürst

Primas+ des Rheinbundes, die Könige vor +Bayern+ und +Württemberg+,

Großherzöge von +Baden, Hessen Darmstadt+ und +Berg+, Herzog von

+Nassau+ u. a. treten bei. Die andern regierenden deutschen Fürsten

schließen sich nach und nach an mit Ausnahme derer von +Österreich,

Preußen, Braunschweig+ und +Kurhessen+.

Viele bis jetzt reichsunmittelbare Fürsten (Fürstenberg, Öttingen,

Hohenlohe, Thurn und Taxis, Leiningen, Solms, Sayn-Wittgenstein

u. a.), Grafen (Castell, Erbach, Stolberg, Metternich u. a.) und

Ritter (Reichsfreiherr vom +Stein+) werden als +Mediatisierte+ den

Rheinbundfürsten untertan; die bisherige Reichsstadt +Nürnberg+ kommt

an Bayern, +Frankfurt+ an den Fürsten Primas +Dalberg+ (+Großherzog von

Frankfurt+). Der Rheinbund hat dem französischen Kaiserreich 63000 Mann

Truppen zu stellen.

Kaiser +Franz+, der schon 1804 den Titel ~Kaiser von Österreich~

angenommen hatte, legt (6. Aug.) die deutsche Kaiserwürde nieder. ~Ende

des alten Deutschen Reiches~.

[~1806–1807.~]

~Krieg Frankreichs gegen Preußen und Rußland.~

+Gründe der preußischen Kriegserklärung+: Errichtung des Rheinbundes,

Wegnahme von +Essen+ und +Werden+ durch den Großh. von Berg; Anerbieten

Napoleons an England, Preußen das ihm soeben aufgedrängte Land

+Hannover+ wieder abzunehmen, während er Preußen zur Bildung eines

+norddeutschen Bundes+ auffordert (den betreffenden Fürsten aber

heimlich abrät).

Gefahrvolle Lage Preußens beim Ausbruch des Krieges. Das Heerwesen

veraltet (Kanton- und Werbesystem), die Leitung unentschlossen. Keine

Bundesgenossen außer +Kursachsen, Weimar+ (Herzog +Karl August+),

+Oldenburg, Mecklenburg+ und dem fernen +Rußland+; dazu Entzweiung mit

England wegen Hannover.

[~1806.~ Sept.]

Zusammenziehung des preußischen Heeres in Thüringen unter Anführung des

+Herzogs von Braunschweig+ (S. 313).

[10. Okt.]

Die Vorhut der Preußen bei ~Saalfeld~ geschlagen, Prinz +Louis

Ferdinand+, Neffe Friedrichs des Großen (geb. 1772), fällt. Das

Hauptheer wird in der

[14. Okt.]

~Doppelschlacht bei Jena und Auerstädt~ vollständig besiegt. Bei +Jena+

kämpft Napoleon selbst gegen den Heeresteil des Fürsten Hohenlohe,

bei +Auerstädt+ Marschall Davout gegen den Herzog von Braunschweig

und König Friedrich Wilhelm III. Rückzug des geschlagenen Heeres

über Magdeburg; die Festung +Erfurt+ ergibt sich am 16. Oktober. Die

Reservearmee unter Prinz Eugen von Württemberg wird am 17. Oktober

bei +Halle+ von Bernadotte geschlagen. +Spandau+ ergibt sich am 25.

Oktober, am 27. zieht Napoleon in ~Berlin~ ein. Friedrich Wilhelm III.

flüchtet mit der königlichen Familie über Küstrin und Graudenz nach

Königsberg.

Hohenlohe kapituliert mit 10000 Mann bei +Prenzlau+ (28. Okt.).

+Blücher+[53] schlägt sich mit 18000 Mann durch bis +Lübeck+, wird

dort von französischer Übermacht besiegt (6. Nov.) und ergibt sich

mit dem Rest seiner Truppen (9400 Mann) bei +Ratekau+ (7. Nov.). Sehr

bald ergeben sich die Festungen +Stettin+, +Küstrin+, +Magdeburg+,

+Hameln+; dagegen ~Kolberg~ (+Gneisenau+, +Schill+, +Nettelbeck+) und

~Graudenz~ (+Courbière+) halten sich tapfer bis zum Frieden.

Ganz Norddeutschland von den Franzosen besetzt. Der bei Auerstädt

schwer verwundete Herzog von Braunschweig stirbt als Flüchtling (10.

Nov.) zu Ottensen bei Hamburg.

[21. Nov.]

Von Berlin aus verfügt Napoleon die ~Kontinentalsperre~ gegen England.

Einmarsch der Franzosen, Bayern und Württemberger in +Schlesien+, wo

nur die Festungen +Kosel+ und +Glatz+ sich behaupten.

[Dez.]

Napoleon schließt in +Posen+ Frieden und Bündnis mit dem Kurfürsten

+Friedrich August III.+ von ~Sachsen~, welcher als König dem Rheinbunde

beitritt. Inzwischen sind zwei +russische Heere+ herangekommen; blutige

Gefechte bei +Pultusk+ zwischen Russen und Franzosen. Letztere beziehen

Winterquartiere an der Weichsel (Napoleon 2. Jan. in Warschau), dringen

dann nach Ostpreußen vor.

[~1807.~ 7. u. 8. Febr.]

~Schlacht bei Preußisch-Eylau.~ Der mörderische Kampf bleibt

unentschieden, doch schlagen die Preußen (unter +L’Estocq+ und

+Scharnhorst+) den rechten Flügel der Franzosen zurück. Abermals

Winterquartiere. König +Friedrich Wilhelm III.+ geht mit seiner

Gemahlin +Luise+, Prinzessin von Mecklenburg-Strelitz (geb. 1776) und

seinen Kindern nach +Memel+

[26. Mai.]

~Danzig~ nach tapferer Verteidigung (Gen. +v. Kalkreuth+) von den

Franzosen genommen. Nach mehreren unentschiedenen Treffen siegt

Napoleon in der

[14. Juni.]

~Schlacht bei Friedland~ über die +Russen+. +Königsberg+ und das Land

bis zum +Niemen+ von Napoleon besetzt. Waffenstillstand. Zusammenkunft

+Napoleons+, +Alexanders+ und +Friedrich Wilhelms III.+ auf dem

+Niemen+. Vergeblicher Versuch der Königin Luise, Napoleon zu milden

Friedensbedingungen zu bewegen.

[7. u. 9. Juli.]

~Friede zu Tilsit. A. Rußland~ erkennt 1. das Herzogtum +Warschau+

(gebildet aus bisher preußischen Gebieten, S. 298) unter dem

Könige von Sachsen an. +Danzig+ wird freie Stadt, ein Teil von

+Neu-Ostpreußen+ (+Bialystock+) an Rußland abgetreten. 2. Rußland

erkennt +Joseph Bonaparte+ als König von Neapel, +Louis Bonaparte+

als König von Holland, +Jérôme Bonaparte+ als König des neu zu

bildenden Königreichs +Westfalen+, ferner den Rheinbund an. 3. Es

nimmt Napoleons Vermittelung zum Frieden mit den Türken an (1806

russische Kriegserklärung an die Türkei wegen Verletzung des Friedens

von +Jassy+, S. 297), +Napoleon+ dagegen die Vermittelung +Alexanders+

zum Frieden mit England. In einem +geheimen+ Artikel verpflichtet

sich Alexander, falls England den Frieden nicht annimmt, zu einem

Bündnis mit Frankreich gegen England ~B. Preußen~ tritt ab: a) zur

freien Verfügung Napoleons +alle Länder zwischen Rhein und Elbe,+

b) an +Sachsen+ den Kottbuser Kreis, c) zur Bildung des Herzogtums

+Warschau+ alle nach 1772 von Polen gewonnenen Länder, auch +Danzig+

und Gebiet. 2. Es erkennt die drei Brüder Napoleons als Könige an. 3.

Alle preußischen Häfen sind bis zum Frieden mit England dem britischen

Handel verschlossen. -- Über die Rückgabe und Räumung der preußischen

Provinzen und Festungen bestimmt der +Vertrag zu Königsberg+ (12.

Juli), daß erst alle rückständigen Kriegsentschädigungen von Preußen

abgetragen werden müssen.

Die Entschädigungen, nach preußischer Rechnung noch 19 Millionen

Franks, nach französischer 154, werden 1808 durch den +Vertrag zu

Paris+ auf 140 Millionen festgesetzt; auch wird bestimmt, daß Preußen

nur ein Heer von 42 000 Mann halten dürfe. Starke französische

Besatzungen bleiben in den Oderfestungen +Stettin, Küstrin, Glogau+;

das übrige Land wird Ende 1808 geräumt. Bis dahin muß der von 5570 auf

2877 □ Meilen verminderte preußische Staat 150000 Franzosen ernähren.

[1807. Aug.]

Gründung des ~Königreichs Westfalen~ (Hauptstadt +Kassel+) durch

eine Verfügung Napoleons, der sich die Hälfte der Domänen vorbehält.

+Hannover+ bleibt von den Franzosen besetzt, ebenso die Städte +Danzig+

und +Erfurt+.

~Schweden~ unter +Gustav IV.+ (1792–1809) verharrt in Feindschaft gegen

Frankreich. +Stralsund+ und +Rügen+ werden von französischen Truppen

besetzt (1807, Aug.), +Finnland+ von russischen.

Gewalttat der Engländer gegen ~Dänemark~, das aufgefordert war, ein

Bündnis zu schließen und seine Flotte den Engländern in Gewahrsam zu

geben. Eine englische Flotte beschießt (1807, Sept.) +Kopenhagen+ und

führt die dänische Flotte weg. Die Insel +Helgoland+ wird englische

Seestation. Bündnis +Dänemarks+ mit Frankreich; +Rußland+ erklärt den

Krieg an England.

~Portugal~, welches, mit England verbündet, dem Kontinentalsystem

nicht beitreten will, wird von einem französischen Heere unter +Junot+

besetzt (1807, Nov.). Die königliche Familie flieht nach Brasilien.

In ~Spanien~ rücken unter dem Vorwande, die Küsten gegen die Engländer

zu schützen, 80000 Franzosen ein. König +Karl IV.+ dankt infolge eines

gegen seinen Günstling +Godoy+ (S. 315) ausgebrochenen Aufstandes zu

Gunsten seines Sohnes +Ferdinand VII.+ ab (1808, März). Vater und Sohn

geraten in Streit, werden von Napoleon nach +Bayonne+ gelockt und

gezwungen, dem Throne zu entsagen (Mai). Napoleon ernennt seinen Bruder

~Joseph~ zum König von Spanien; an Josephs Stelle wird Murat König von

Neapel. +Etrurien+ (S. 319) mit Frankreich vereinigt.

Allgemeiner ~Aufstand der Spanier~; der französische General Dupont

wird bei +Baylen+ (in der Sierra Morena) mit 20000 Mann gefangen

(1808, Juli). Die Engländer unter +Wellesley+ (geb. 1769, anfangs in

holländischen Diensten, dann 1796–1805 Offizier in Ostindien, † 1852)

landen in Portugal und zwingen Junot bei +Cintra+ zur Ergebung (Aug.);

er wird mit 21000 Mann auf englischen Schiffen nach Frankreich gebracht.

[~1808–1814.~]

~Krieg Napoleons in Spanien und Portugal.~

Napoleon, seit dem ~Fürstentag zu Erfurt~ (1808, Okt.), wo ihm 4

+Könige+ und 34 +Fürsten+ und Prinzen aus Deutschland ihre Huldigungen

darbringen, enger mit +Kaiser Alexander+ verbündet, eilt selbst mit

150000 Mann nach Spanien, rückt bis +Madrid+ vor, vertreibt (mit

+Soult+) die Engländer aus Spanien, kehrt dann nach Paris zurück

(1809, Jan.). Fortdauernder Volkskrieg (Guerilla) der Spanier, von den

Engländern unterstützt. Die Festung +Saragossa+ wird nach heldenmütiger

Verteidigung (General +Palafox+) im Februar 1809 von den Franzosen

erobert. General +Wellesley+ nötigt den Marschall Soult zum Abzug aus

+Oporto+, wird nach dem Siege über +Joseph+ bei +Talavera+ (1809, Juli)

zum ~Lord Wellington~ erhoben und leitet die fernere Kriegführung in

Spanien mit Ausdauer und Umsicht (S. 331, 337 ff.).

[~1807–1811.~]

~Neubau des preußischen Staates.~

König Friedrich Wilhelm III. beruft den Freiherrn ~vom Stein~[54] als

leitenden Minister nach Königsberg. +Aufhebung der Erbuntertänigkeit+

1807 (9. Okt.), +Städteordnung+ 1808 (19. Nov.). Vereinfachung der

Ministerien und Verwaltungbehörden. Auf Verlangen Napoleons Stein

entlassen Nov. 1808; dann durch ein Dekret Napoleons aus Madrid

geächtet flieht er nach Österreich. Sein Nachfolger ~v. Hardenberg~[55]

ordnet die Steuern, führt +Gewerbefreiheit+ ein. Gleichzeitig

+Neuordnung des Heeres+ auf Grund der ~allgemeinen Wehrpflicht~ (1814

gesetzlich eingeführt) durch ~Scharnhorst~.[56] Seine Mitarbeiter +v.

Gneisenau+, +v. Grolmann+, +v. Boyen+, +v. Clausewitz+ u. a.

In +Berlin+ hält +Fichte+, während noch französische Besatzung dort

liegt, seine »Reden an die deutsche Nation«. Friedrich Wilhelm III.

kehrt Ende 1809 von Königsberg nach Berlin zurück. ~1810~, am ~19.

Juli~, Tod der edlen Königin +Luise+ in Hohenzieritz. Errichtung der

+Berliner Universität+ (W. v. Humboldt, Fichte, Niebuhr, Savigny,

Schleiermacher). 1811 eröffnet +F. L. Jahn+ den ersten +Turnplatz+ in

der Hasenheide bei Berlin.

Die Befreiung Deutschlands und Europas von dem französischen Joche

wird vorbereitet. (+E. M. Arndts+ Schrift: Geist der Zeit, die

Lieder +Th. Körners+, +Fr. Rückerts+ [Geharnischte Sonette], +M. v.

Schenkendorfs+.) Vergebens versucht Österreich (leitender Minister seit

1805 Graf +Stadion+) allein diese Befreiung, als Napoleon durch den

Kampf in Spanien gehemmt zu sein scheint.

[~1809.~]

~Krieg gegen Österreich.~

Erzherzog +Karl+, als Befehlshaber des nach +Bayern+, Erzherzog

+Johann+ an der Spitze des nach +Italien+ vorrückenden österreichischen

Heeres, fordern die deutschen Völker auf zur Teilnahme an dem Kampfe

gegen die französische Herrschaft. Nur +Tirol+ erhebt sich (+Andreas

Hofer+, +Speckbacher+, +Haspinger+).

Napoleon greift, namentlich mit ~deutschen~ Truppen, den Erzherzog

+Karl+ in Bayern an, drängt ihn nach

[April.]

fünftägigen Gefechten bei +Abensberg+, +Landshut+, +Eckmühl+ und

+Regensburg+ über die Donau nach

[13. Mai.]

Böhmen und besetzt ~Wien~ zum zweitenmal. Sein Versuch, von der Insel

+Lobau+ aus das linke Donauufer zu besetzen, wird vereitelt durch die

blutige

[21. u. 22. Mai]

~Schlacht bei Aspern und Eßling~. Napoleon zum erstenmal +geschlagen+

von Erzherzog +Karl+. Er muß über die Donau zurückweichen (+Masséna+),

behauptet aber Wien und vereinigt sich mit dem Vizekönig +Eugen+,

welcher den Erzherzog +Johann+ aus Ober-Italien nach Ungarn verfolgt

und bei +Raab+ besiegt hatte. Mit 180000 Mann geht Napoleon wieder über

die Donau, schlägt den Erzherzog +Karl+ in der mörderischen

[5. u. 6. Juli.]

~Schlacht bei Wagram~ und verfolgt ihn nach Mähren. Waffenstillstand

zu +Znaim+. An die Stelle des Grafen +Stadion+ tritt +Metternich+ als

leitender Minister Österreichs.

[~14. Okt.~]

~Friede zu Wien (Schönbrunn)~: Österreich tritt ein Gebiet von 110000

qkm (2000 □ Meilen) ab: +Salzburg+ und das +Innviertel+ an +Bayern+,

+Westgalizien+ an das Herzogtum Warschau, einen Teil +Ostgaliziens+ an

Rußland, die +Länder jenseits der Sau+ nebst +Istrien+ und +Dalmatien+

an Napoleon, der daraus einen neuen +Staat der illyrischen Provinzen+

bildet.

Die +Tiroler+, welche dreimal die Feinde aus +Innsbruck+ vertrieben

hatten (Kämpfe am Berge Isel), kämpfen tapfer weiter, unterliegen aber

der Übermacht (Nov.). ~Hofer~ wird verraten und (1810, Febr.) von

den Franzosen ~in Mantua erschossen~. Tirol bleibt unter bayrischer

Herrschaft; +Süd-Tirol+ kommt an das +Königreich Italien+.

[~1809.~ 28. April.]

Kühner Zug des preußischen Majors ~v. Schill~, der mit seinem

Husarenregiment von +Berlin+ auszieht und die Deutschen zum

Freiheitskampf aufruft. Oberst +Dörnberg+ will Jérômes Regierung in

Kassel stürzen. Die Nachrichten von Napoleons ersten Siegen vereiteln

diese Unternehmung. Dörnberg rettet sich nach Böhmen. Schill kämpft

bei +Dodendorf+ (unweit Magdeburg) gegen westfälische Truppen, zieht

weiter nach +Dömitz+ (an der unteren Elbe), fällt tapfer kämpfend

in +Stralsund+ (31. Mai). 11 seiner Offiziere werden in +Wesel+

kriegsrechtlich erschossen, die gefangenen Soldaten auf Napoleons

Befehl zur Zwangsarbeit verurteilt und nach Frankreich geschleppt.

Rachezug +des Herzogs+ ~Friedrich Wilhelm von Braunschweig~ gegen

die Räuber seines Landes. Er sammelt eine Freischar in Schlesien

und Böhmen, zieht durch Sachsen, erstürmt Halberstadt, zieht in

Braunschweig ein (31. Juli), muß aber alsbald vor der feindlichen

Übermacht weichen, kämpft tapfer bei +Oelper+, erreicht die +Weser+ bei

Elsfleth (unterhalb Bremen), führt seine »schwarze Schar« zu Schiffe

nach England. Der Herzog und die meisten seiner Getreuen treten dann in

die englisch-deutsche Legion, welche in Spanien kämpft.

[März.]

König +Gustav IV.+ von ~Schweden~, erbitterter Feind der Revolution

und Napoleons, seit 1808 in unglücklichem Kriege mit +Rußland+, wird

durch einen Militäraufstand zur Abdankung gezwungen. Sein Oheim +Karl

XIII.+ übernimmt die Regierung, schließt Frieden mit Rußland, indem

er +Finnland+ abtritt (S. 277, 327), adoptiert 1810 den französischen

Marschall +Bernadotte+ als Thronfolger.

[Mai.]

~Der Kirchenstaat mit Frankreich vereinigt~ durch Dekret Napoleons

von Schönbrunn, weil Papst Pius VII. (S. 319f.) die Forderung, seine

Häfen den Engländern zu verschließen, standhaft ablehnt. Er spricht

den Bann aus, wird verhaftet und nach Grenoble, von da nach +Savona+

(bei Genua) geführt. Dort lebt er als Gefangener, während Napoleon

ein Konzil der Bischöfe seines Reichs nach Paris beruft (1811). In

+Fontainebleau+ unterzeichnet Pius (1813, Jan.) ein +Konkordat,+

widerruft es aber bald und wird nach +Savona+ zurückgebracht, wo er bis

zu Napoleons Sturz 1814 verbleibt.

[~1810.~ April]

~Napoleon,~ von +Josephine Beauharnais+ († 1814) geschieden, heiratet

+Marie Luise,+ die Tochter des Kaisers +Franz I.+ von Österreich.

[Juli.]

Abdankung und Flucht des Königs +Louis Bonaparte+ von Holland, der sein

Land nicht durch die Kontinentalsperre zugrunde richten will. +Holland+

dem französischen Kaiserreich +einverleibt+, ebenso bald darauf der

Kanton +Wallis+.

[Dez.]

Das nördliche +Hannover, Oldenburg,+ die +Hansestädte+ dem

französischen Kaiserreich +einverleibt+ zur strengeren Durchführung der

Kontinentalsperre.

In ~Spanien~ dringen die Marschälle Soult, Viktor, Mortier nach

+Andalusien+ vor; vergebliche Belagerung von +Cadiz+, wo die

spanischen Cortes (Landstände) zusammentreten und eine +neue

Verfassung+ beschließen (vollendet 1812). +Wellington+ zieht sich auf

die befestigten Höhen von +Torres Vedras+ zwischen dem Tejo und der

portugiesischen Küste zurück, von wo er 1811 gegen +Masséna+ siegreich

vordringt.

[~1811.~ März.]

Geburt eines Sohnes Napoleons, dem der Titel ~König von Rom~ verliehen

wird († 1832).

Napoleon I. auf dem Gipfel seiner Macht.

Im Seekriege mit England hat Frankreich (und Holland) nur Verluste.

Die Engländer erobern 1806 das +Kapland+, 1809 +Cayenne, Martinique,

Senegal, San Domingo,+ 1810 +Guadeloupe, Isle Bourbon, Isle de France+,

1811 +Java+.

Die Vereinigten Staaten, am Handel mit Frankreich durch die englische

Flotte gehindert, beginnen 1812 Krieg gegen England, werden aber 1814

durch Besetzung der Hauptstadt Washington zum Frieden genötigt (S. 302).

§ 4. Sturz des ersten französischen Kaiserreichs.

[~1812.~]

~Krieg Frankreichs gegen Rußland.~

Die Weigerung Rußlands, das +Kontinentalsystem,+ welches Napoleon

selbst durch käufliche +Lizenzen+ umging, streng durchzuführen,

erregt den Unwillen des Gewalthabers. Die Vergrößerung des Herzogtums

+Warschau+ durch Westgalizien (S. 330) erfüllt den Kaiser Alexander

mit Besorgnis vor einer Wiederherstellung Polens; die Absetzung des

Herzogs von +Oldenburg+, seines nahen Verwandten, (S. 293) wird von

ihm als schwere Beleidigung empfunden.

Bündnis Napoleons mit +Preußen+, welches 20000 Mann, und mit

+Österreich+, welches 30000 Mann zu dem russischen Zuge stellen muß.

Schweden (+Bernadotte+) benutzt die Gelegenheit, um sich von der

französischen Abhängigkeit zu befreien und durch ein Bündnis mit

Rußland sich +Norwegen+ als Ersatz für Finnland zu sichern. +England+

und die +Türkei+ schließen Frieden mit Rußland; die Türkei tritt im

Frieden von +Bukarest+ das Land zwischen Dnjestr und +Pruth+ an Rußland

ab.

[~1812.~ Mai.]

Napoleon wird in +Dresden+ von Kaiser Franz I., König Friedrich Wilhelm

III. und den Rheinbundfürsten begrüßt, reist von da über Posen und

Thorn nach +Königsberg+ zu seiner Armee, deren Durchzug Preußen schwer

belastet. +Berlin+ hat wiederum französische Besatzung.

Die +große Armee+ (über 600000 Mann) vereinigt Franzosen, Deutsche,

Italiener, Schweizer, Niederländer, Polen. Beim Vormarsch bilden die

+Österreicher+ unter +Schwarzenberg+, zusammen mit Franzosen und

Sachsen unter +Reynier+, den +rechten+ Flügel, welcher nach Wolhynien

vorrückt; die +Preußen+ unter +York+ gehören dem +linken+ Flügel an,

welcher unter +Macdonalds+ Oberbefehl nach Livland zieht, um Riga

zu belagern. Das +Hauptheer+ überschreitet Ende Juni den Niemen;

Napoleon verweilt 18 Tage in +Wilna+; die Hoffnung der +Polen+ auf

Wiederherstellung ihres Staates verwirklicht sich nicht.

Auszug aus der Alten, Mittleren und Neueren Geschichte · 第 34 / 49 段