schweren inneren Kämpfen zu einer freieren, aber noch wenig befestigten
Verfassung gelangt. 2. Frankreichs +Eroberungslust+, genährt durch
die Notstände im Innern, gefährdet den Bestand des europäischen
Staatensystems. 3. In den übrigen europäischen Staaten (mit Ausnahme
Englands) macht sich das Streben nach Einführung +freier Verfassungen+
geltend, doch lehren die zunächst folgenden Kriegszeiten auch den Wert
einer starken Monarchie erkennen.
§ 2. Frankreichs Kriege gegen das Ausland.
[~1792–1797.~]
~Erster Koalitionskrieg.~
~Veranlassung~: Zusammenkunft des Kaisers +Leopold II.+ und des Königs
+Friedrich Wilhelm II.+ von Preußen zu ~Pillnitz~ bei Dresden (Aug.
1791); auch Vertreter der +Emigranten+ (S. 307) erscheinen dort.
Eine gebieterische +Erklärung+ gegen Frankreich wird beschlossen und
veröffentlicht. Leopold II. ist noch um Erhaltung des Friedens bemüht,
schließt aber (Febr. 1792) mit Preußen ein Verteidigungsbündnis. Sein
Sohn und Nachfolger
[~1792–1806.~]
~Franz II.~ (als Kaiser von Österreich +Franz I.+ bis 1835) empfängt
von +Frankreich+ die Kriegserklärung (S. 310). Der erste Angriff der
Franzosen auf das österreichische +Belgien+ mißlingt. +Lafayette+ führt
seine Absicht, mit Truppen der Nordarmee dem bedrängten König Ludwig
XVI. zu Hilfe zu kommen, nicht aus, wird auf der Flucht (19. Aug.) von
den Österreichern ergriffen und als Gefangener nach Olmütz gebracht
(1797 entlassen).
[~1792.~ 25. Juli.]
Drohendes Manifest des Herzogs +Karl Wilhelm Ferdinand von
Braunschweig+, welcher mit 80000 Mann Preußen und Österreichern von
Koblenz aus langsam in Frankreich einrückt. Die Festungen Longwy und
Verdun genommen.
[20. Sept.]
Treffen bei +Valmy+; der Herzog von Braunschweig bricht den Kampf ab.
Rückzug durch die Champagne.
Im Süden +Savoyen+ und +Nizza+ von den Franzosen besetzt, da der König
von Sardinien sich dem Bündnis gegen Frankreich angeschlossen hat.
[Okt.]
Der französische General +Custine+ dringt +über den Rhein+ vor, erobert
Speier, Worms, Mainz und Frankfurt. Nur Frankfurt wird von preußischen
und hessischen Truppen bald wieder gewonnen.
[Nov.]
Der französische General +Dumouriez+ besiegt die Österreicher bei
+Jemappes+ und erobert +Belgien+.
[~1793.~]
Nach der Hinrichtung Ludwigs XVI. treten +England+, +Holland+,
+Spanien+, +Neapel+, das +Deutsche Reich+ dem Bündnis gegen Frankreich
bei.
[März.]
+Dumouriez+, von den Österreichern (unter dem Prinzen Friedrich Josias
von Koburg) bei +Neerwinden+ geschlagen, flüchtet mit dem Herzog
von Chartres (Ludwig Philipp, Sohn des Herzogs von Orléans) in das
österreichische Lager, später nach England.
[Juli.]
Die Österreicher erobern die Festungen Condé und Valenciennes.
+Custine+, welcher nach Dumouriez’ Flucht in Belgien befehligt, deshalb
abgesetzt und bald darauf in Paris hingerichtet.
Die Preußen erobern nach längerer Belagerung +Mainz+. Der französische
General +Beauharnais+ bringt zu spät Hilfe, wird abgesetzt und
hingerichtet.
[Aug.]
Der Konvent verfügt die Aushebung aller Waffenfähigen vom 18.–25.
Lebensjahre (levée en masse). Energie des Wohlfahrtsausschusses;
~Carnot~ stellt 600000 Mann unter Waffen.
Erfolgreiche Wendung des Krieges für die Franzosen; die Nordarmee
(General +Jourdan+) siegt bei +Hondschoote+ (unweit Dünkirchen) über
die Engländer, Hannoveraner und Hessen, bei +Wattignies+ (an der
Sambre) über die Österreicher; die Moselarmee (General +Hoche+) erobert
die von General +Wurmser+ besetzten +Weißenburger Linien+ im Elsaß
wieder.
[~1794.~]
Jourdan siegt bei +Fleurus+ über den Prinzen von Koburg und erobert
+Belgien+.
Die Preußen, zweimal siegreich bei +Kaiserslautern+ in der Rheinpfalz
(Mai und Sept., +Blüchers+ Reiterangriffe), gehen dann doch über den
Rhein zurück; die Franzosen besetzen die Reichsstädte +Aachen+ und
+Köln+.
[~1795.~ Jan.]
Der französische General +Pichegru+ erobert Holland. Flucht des
Erbstatthalters +Wilhelm V.+ (aus dem Hause Nassau-Diez, welches
1748 dem Hause Nassau-Oranien in der Statthalterwürde gefolgt war)
nach England, Begründung der ~Batavischen Republik~ (1795–1806). Die
Engländer besetzen die holländischen Kolonien +Kapland+ und +Ceylon+.
[April.]
~Friede zu Basel~ zwischen +Frankreich+ und +Preußen+. +Öffentliche
Bedingungen+: 1. Frankreich bleibt bis zum endgültigen Frieden mit dem
Deutschen Reich im Besitz des +preußischen+ Gebiets am linken Rheinufer
(halb Cleve, Mörs, Obergeldern). 2. Eine Demarkationslinie (vom Main
bis nach Schlesien) setzt die Neutralität, des nördlichen Deutschlands
fest. +Geheime Bedingung+: Für den Fall, daß beim allgemeinen Frieden
das linksrheinische Deutschland an Frankreich abgetreten wird, erhält
Preußen eine Entschädigung aus rechtsrheinischem Gebiet zugesichert.
Auch +Spanien+ schließt mit Frankreich Frieden zu +Basel+, indem es
seinen Anteil an der Insel San Domingo abtritt; der Minister +Godoy+
erhält den Titel Friedensfürst. Die Verwaltung Spaniens unter Karl IV.
(1788–1808) zerrüttet, die Seemacht durch die Engländer fast vernichtet.
[~1795.~]
England (Minister William Pitt der Jüngere) verspricht den
Österreichern Subsidiengelder. Wurmser und +Clerfait+ halten die
Rheinlinie gegen Jourdan und Pichegru.
[~1796.~]
Erzherzog ~Karl von Österreich~, Bruder des Kaisers Franz, besiegt
den französischen General Jourdan bei +Amberg+ (in der bayrischen
Oberpfalz) und +Würzburg+, wendet sich dann gegen Moreau, der sich
durch den Schwarzwald zurückzieht. Zur selben Zeit
~Napoleon Bonapartes glänzender Feldzug in Italien.~ Er besiegt wenige
Wochen nach seiner Vermählung mit +Josephine+, Witwe des Generals
+Beauharnais+ (S. 314), von Nizza aus vordringend, die Österreicher
bei +Millesimo+, die Sardinier bei +Mondovi+ und zwingt den König
+Viktor Amadeus+ von Sardinien zum +Frieden+; Abtretung von +Savoyen+
und +Nizza+ an Frankreich. Nach Erstürmung der Addabrücke bei +Lodi+
(10. Mai) zieht er in +Mailand+ ein und erobert die ganze +Lombardei+
bis auf +Mantua+. Die Herzöge von +Parma+ und +Modĕna+, der +Papst+
und +Neapel+ erkaufen Waffenstillstand und Frieden durch Geld und
Kunstschätze. Papst Pius VI. tritt im Frieden zu +Tolentino+ (Febr.
1797) Avignon und Venaissin, die Romagna und Ancona, Bologna und
Ferrara ab.
[~1796–1797.~ Juli–Febr.]
~Belagerung von Mantua.~ Die Österreicher versuchen, die Festung
(General Wurmser) zu entsetzen, werden aber in mehreren Schlachten,
namentlich bei ~Arcole~ (Nov. 1796) und ~Rivoli~ (Jan. 1797) besiegt.
[~1797.~ März]
Nach dem Falle Mantuas dringt +Bonaparte+ über die Ostalpen vor gegen
Wien, während +Hoche+ und +Moreau+ wieder über den Rhein gehen.
Die Bewohner des +venetianischen+ Gebiets erheben sich gegen die
Franzosen, in +Tirol+ und +Böhmen+ wird die Bevölkerung unter die
Waffen gerufen. +Bonaparte+, in Gefahr abgeschnitten zu werden, knüpft
Unterhandlungen an; Friedenspräliminarien zu ~Leoben~ (an der Mur).
[Mai.]
Bonaparte kehrt nach Oberitalien zurück und erklärt der Republik
~Venedig~ den Krieg, besetzt Stadt und Gebiet ohne bedeutenden
Widerstand.
In Oberitalien wird die ~Cisalpinische Republik~ (Mailand, Modĕna,
Ferrara, Bologna, Romagna) eingerichtet; die Republik +Genua+ wird
umgewandelt in die ~Ligurische Republik~; beide von Frankreich abhängig.
[~1797.~ Sept.]
Staatsstreich in Paris, die Royalisten aus dem Rat der Alten und dem
Rat der Fünfhundert ausgestoßen, zwei Mitglieder des Direktoriums
(+Carnot+ und +Barthélemy+) zur Deportation verurteilt. Die Republik
wird dadurch auf Betreiben des von Bonaparte nach Paris abgesandten
Generals +Augereau+ befestigt.
[Okt.]
~Friede zu Campo Formio~ (bei Udine) zwischen Frankreich und
Österreich. +öffentliche Bedingungen+: 1. Österreich tritt die
+Lombardei+ und die +Niederlande+ (Belgien und Luxemburg, S. 274)
ab, erhält +Venedig+ und dessen Gebiet, S. 304 (Venetien, Istrien,
Dalmatien, aber nicht die Ionischen Inseln). 2. Zur Herstellung des
Reichsfriedens und Festsetzung der Entschädigungen tritt ein Kongreß
zu +Rastatt+ zusammen. +Geheime Bedingung+: Österreich willigt in die
Abtretung des linken Rheinufers an Frankreich; die beeinträchtigten
Fürsten sollen +in Deutschland entschädigt werden+.
[~1797–1840.~]
~Friedrich Wilhelm III., König von Preußen~ (s. Anhang).
[1797–1799. Dez. April.]
~Kongreß zu Rastatt~, keine Einigung erzielt.
[~1798.~ Febr.]
Die Franzosen besetzen und brandschatzen +Rom+. Errichtung der
~Römischen Republik~. Papst +Pius VI.+ wird als Gefangener nach Valence
(an der Rhone) geführt, wo er im folgenden Jahre stirbt.
Agitationen in der Schweiz (Waadtland) gegen die Regierung in Bern.
Eindringen der Franzosen.
[April.]
Der Bund der Eidgenossen wird in die ~Helvetische Republik~ (19
gleichberechtigte Kantone, S. 225) umgewandelt; der Bundesschatz (16
Mill. Francs) ausgeliefert; +Genf+ an Frankreich abgetreten.
[~1798–1799.~]
~Bonapartes Zug nach Ägypten~, vorbereitet unter der Maske einer
Unternehmung gegen England, dessen Seeherrschaft zu brechen am ersten
im Mittelländischen Meere gelingen konnte.
Auslaufen der Flotte aus +Toulon+ (Mai 1798), mit 35000 Mann
unter ~Bonaparte~, +Berthier+, +Kléber+, +Desaix+. Die bisher dem
Johanniterorden (S. 242) gehörige Insel +Malta+ wird für Frankreich in
Besitz genommen. Landung in Ägypten, Einnahme von +Alexandrīa+. Sieg
über die +Mamelucken+ in der Schlacht bei den ~Pyramiden~ (21. Juli),
darauf die Hauptstadt +Kairo+ besetzt. Desaix dringt nach Oberägypten
vor. Französische Gelehrte (+Denon+, Generaldirektor der Museen, unter
ihm die Vendômesäule errichtet) beginnen die Altertümer Ägyptens zu
erforschen (S. 4, Anm. 1).
[~1798.~ 1. Aug.]
~Seeschlacht bei Abukir~ (+Nelson+). Die französische Flotte von den
Engländern fast vernichtet, dem Landheere die Verbindung mit Frankreich
abgeschnitten. Kriegserklärung der Türkei an Frankreich.
Bonaparte unterdrückt einen Aufstand in +Kairo+ und zieht darauf nach
+Syrien+, erstürmt +Jaffa+, kann aber das mit Hilfe von Engländern
verteidigte +St. Jean d’Acre+ (+Akkon+) nicht nehmen. Pest im
französischen Heere, Rückzug nach Ägypten; Landung und Niederlage der
Türken bei ~Abukir~ 1799.
[~1799–1802.~]
~Zweiter Koalitionskrieg.~
Der englische Minister +William Pitt+ (S. 300) gewinnt +Österreich+,
+Rußland+, +Neapel+, +Portugal+, +die Türkei+ zum Bündnis gegen
Frankreich. Kaiser ~Paul von Russland~ (1796 bis 1801) wird 1798
zum Großmeister des Malteserordens erwählt; eine russisch-türkische
Flotte vertreibt die Franzosen von den Ionischen Inseln. Preußen unter
Friedrich Wilhelm III. bleibt neutral.
Eröffnung des Krieges Ende 1798 durch einen Einfall der Neapolitaner
unter dem österreichischen General +Mack+ in die Römische Republik.
Der Einfall wird zurückgeschlagen, der König Ferdinand IV. von Neapel
(S. 305) flieht nach Palermo, sein festländisches Gebiet wird von den
Franzosen besetzt und in die
[~1799.~ Jan.]
~Parthenopeische Republik~ verwandelt. Auch der Großherzog Ferdinand
III. von +Toskana+ wird verjagt. Der König Karl Emanuel IV. von
+Sardinien+ entflieht aus Turin nach der Insel Sardinien, seine
festländischen Besitzungen werden in französische Verwaltung genommen
und 1802 in Frankreich einverleibt.
[März.]
+Jourdan+, von Erzherzog +Karl+ bei +Ostrach+ und bei +Stockach+
(nördlich vom Bodensee) geschlagen, geht über den Rhein zurück.
[April.]
Auflösung des Kongresses zu Rastatt. Zwei von den abreisenden
französischen Gesandten werden von österreichischen Husaren ermordet.
[Juni.]
+Masséna+ bei ~Zürich~ von Erzherzog +Karl+ geschlagen, behauptet aber
seine Stellung am Vierwaldstätter See. Inzwischen ist ein russisches
Heer unter ~Suwōrow~ (geb. 1729) in Italien erschienen und hat sich mit
den Österreichern (unter +Melas+) vereinigt. Die Siege bei ~Cassano~
und an der ~Trebbia~ bewirken die Auflösung der Cisalpinischen,
Römischen und Parthenopeischen Republik. In Neapel grausames
Blutvergießen nach der mit Unterstützung +Nelsons+ erfolgten Rückkehr
Ferdinands IV.
Ein neues französisches Heer unter Joubert wird bei ~Novi~ (15.
Aug.) ebenfalls geschlagen; dann muß Suwōrow auf Betreiben des
österreichischen Ministers +Thugut+ Italien räumen und über die Alpen
ziehen (berühmter Marsch über den St. Gotthardpaß), um sich mit dem
zweiten russischen Heere unter +Korsakow+ in der Schweiz zu vereinigen.
Aber dieses Heer war, da Erzherzog +Karl+ sich nach dem Rhein gewandt
hatte, vor Suwōrows Ankunft von Masséna in der +zweiten+ Schlacht bei
~Zürich~ (25. 26. Sept.) geschlagen. Suwōrow gelangt nach weiteren
erstaunlich beschwerlichen Märschen und Kämpfen im Okt. in das
Rheintal, führt dann voll Erbitterung gegen Österreich sein Heer nach
Rußland zurück († 1800).
[~1799.~ Okt.]
Ein +englisch-russisches+ Heer unter dem Herzog von +York+ (Sohn
Georgs III.), welches in Holland gelandet war, wird von den Franzosen
zurückgedrängt und durch die Kapitulation bei +Alkmar+ zum Abzug
genötigt.
+Bonaparte+ eilt, nachdem er den Befehl in Ägypten an +Kléber+
(ermordet 1800) übertragen hat, mit wenigen Begleitern nach
Frankreich zurück, um das Mißgeschick der französischen Waffen wieder
gutzumachen. Er stürzt im Einverständnis mit den Direktoren +Sieyès+
und +Roger-Ducos+ und seinem Bruder +Lucian Bonaparte+, Präsidenten des
Rates der Fünfhundert,
[9. Nov.]
durch den ~Staatsstreich des 18. Brumaire~ das Direktorium und treibt
am folgenden Tage den Rat der Fünfhundert auseinander.
[~1799–1804.~]
~Konsularregierung~,
~Napoléon Bonaparte~ an der Spitze des Staates als ~erster Konsul~ +auf
10 Jahre+; neben ihm zwei von ihm ernannte Konsuln mit nur beratender
Stimme.
Die ~neue (vierte) Verfassung~, von +Sieyès+ entworfen, aber von
Napoleon bedeutend verändert, durch Abstimmung von der ganzen Nation
angenommen, läßt den +Schein einer Republik+ bestehen, schafft aber in
Wirklichkeit eine +Militärmonarchie+. Ein +Senat+ (80 reich besoldete
und wenig beschäftigte Senatoren) ernennt aus den von den Departements
eingesandten Namenlisten die +Mitglieder der gesetzgebenden Gewalt+,
die obersten Beamten und Richter. Gesetzgebende Gewalt +ohne+
Vorschlagsrecht: a) +Tribunat+ (100), verhandelt über die Vorschläge
der Regierung, ohne abzustimmen; b) +Gesetzgebender Körper+ (300),
hat diese Vorschläge +ohne Debatte+ anzunehmen oder abzulehnen. Die
+ausübende Gewalt+ hat der +erste Konsul+, dem ein Staatsrat zur Seite
steht. ~Talleyrand~ (früher Bischof von Autun, dann im Dienst der
Revolution) Minister des Auswärtigen (bis 1807).
Die Verwaltung wird neu geordnet und wieder zentralisiert (S. 308):
strenge Abhängigkeit der +Präfekten+ in den Departements und ihrer
Unterbeamten von der Regierung in Paris. Ordnung der Finanzen
hergestellt; Verbesserung der Rechtspflege, Ausarbeitung eines neuen
Gesetzbuches (+Code Napoléon+ 1804).
Die Friedensanträge des ersten Konsuls werden zurückgewiesen, nur
Kaiser +Paul+ von Rußland wendet sich von der Koalition ab. Er erneuert
die bewaffnete Seeneutralität (S. 297). Denselben Zweck verfolgt die
+Nordische Konvention+ zwischen Rußland, Schweden, Dänemark, Preußen
(1800), gegen England gerichtet.
[~1800.~]
+Napoleon+ führt sein Heer (32000 Mann) über den +Großen St. Bernhard+
(Umgehung des Forts +Bard+), schlägt die Österreicher unter +Melas+
bei ~Marengo~ (14. Juni, Gen. Desaix †, als er Napoleon im kritischen
Augenblick noch zu Hilfe kommt) und stellt die Cisalpinische Republik
wieder her.
In Deutschland dringt General +Moreau+ unter siegreichen Gefechten
bis +München+ vor, schlägt (3. Dez.) die Österreicher nochmals bei
~Hohenlinden~ (östlich von München), schließt dann Waffenstillstand zu
+Steyer+.
[~1801.~]
~Friede zu Lunéville~: 1. +Kaiser und Reich+ willigen in die ~Abtretung
des linken Rheinufers an Frankreich~; die Fürsten, welche Gebiet
verlieren, sollen +in Deutschland entschädigt+ werden. 2. Anerkennung
der Batavischen, Cisalpinischen, Ligurischen, Helvetischen Republik.
-- Deutschland verliert durch diesen Frieden mit Einschluß des
belgischen Gebietes (vgl. S. 225, 316) 63000 qkm. (1150 □ Meil.) mit
beinahe 3½ Mill. Einwohnern. Die schmachvollen Unterhandlungen über die
Entschädigungen ziehen sich ~2 Jahre~ hin.
+Toskana+ endlich wird zu Gunsten des in +Parma+ regierenden
spanisch-bourbonischen Herzogs Ludwig I. (S. 284) in ein von Frankreich
abhängiges +Königreich Etrurien+ verwandelt. Ferdinand III. von Toskana
erhält dafür das vergrößerte Erzbistum Salzburg und die Kurwürde.
Ebenso tauscht Herzog +Herkules III.+ von +Modena+ (S. 341) gegen sein
Land den Breisgau und die Ortenau ein.
[~1801–1825.~]
~Alexander I., Kaiser von Russland~, nach Ermordung seines Vaters Paul
I. durch Verschworene. Aussöhnung Rußlands mit +England+, Auflösung der
Nordischen Konvention.
[~1801.~]
~Die Franzosen räumen Ägypten~; das Heer wird auf englischen Schiffen
nach Frankreich zurückgebracht.
~Konkordat~ zwischen dem neuen (S. 316) Papst +Pius VII.+ und der
französischen Republik. Der Papst erkennt die Einziehung der
Kirchengüter an, willigt ein, daß die Erzbischöfe und Bischöfe von
der französischen Regierung ernannt werden, und behält sich nur die
Bestätigung vor, begnügt sich mit dem Besitz des +verkleinerten+
Kirchenstaats (S. 315).
[~1802.~ März.]
~Friede zu Amiens~ zwischen Frankreich und England (nach Rücktritt des
Ministers +Pitt+):
1. Herausgabe aller von England gemachten Eroberungen an Frankreich
und seine Verbündeten mit Ausnahme von +Trinidad+, welches Spanien,
und +Ceylon+ (S. 314), welches die Batavische Republik abtritt. 2.
+Malta+ (von den Engländern 1800 erobert) soll dem Johanniterorden
zurückgegeben werden. Infolge dieses Friedens ebenfalls +Friede+
zwischen +Frankreich+ und der +Pforte+.
Stiftung des +Ordens der Ehrenlegion+; monarchisches Auftreten
+Napoleons+. Er läßt sich zum Präsidenten der +Italienischen+ (bisher
Cisalpinischen) Republik wählen und übernimmt auf Grund einer
Volksabstimmung in Frankreich (3½ Millionen Stimmen) das
[~1802.~ Aug.]
~Konsulat auf Lebenszeit~. +Elba+ und +Piemont+ werden mit Frankreich
vereinigt. Die +Helvetische Republik+ erhält durch die +Mediationsakte+
eine neue Verfassung (1803).
Für die inneren Verhältnisse ~Deutschlands~ wird der Friede zu
Lunéville nach einem von +Frankreich+ und +Rußland+ festgesetzten
Entschädigungsplan zur Ausführung gebracht durch den
[~1803.~ Febr.]
~Reichsdeputations-Hauptschluß~ zu Regensburg. Von +geistlichen+
Ständen bleiben nur: 1. der bisherige Kurfürst von Mainz, von jetzt
ab +Kurerzkanzler+ und Fürst Primas (v. Dalberg), mit einem Gebiet,
gebildet aus Überresten des Erzstifts Mainz auf dem +rechten+
Rheinufer, dem Bistum +Regensburg+ und den Städten +Regensburg+,
+Aschaffenburg+ und +Wetzlar+; 2. der +Johanniter+- und der
+Deutschordensmeister+. Von den 52 freien +Reichsstädten+ bestehen
nur ~6~ fort, die 3 Hansestädte +Lübeck+, +Hamburg+, +Bremen+,
ferner +Frankfurt+, +Augsburg+, +Nürnberg+. Alle übrigen geistlichen
Gebiete und Reichsstädte werden zu Entschädigungen verwendet.
Die Kurfürstentümer +Trier+ und +Köln+ gehen ein. +Vier neue
Kurfürstentümer+: Hessen-Kassel, Baden, Württemberg, Salzburg.
+~Hauptsächlichste Entschädigungen~+: 1. Großherzog von ~Toskana~:
+Salzburg+ und +Berchtesgaden+. 2. Herzog von ~Modĕna~: +Breisgau+
(wofür Österreich die Stifter +Trient+ u. +Brixen+ erhält). 3.
~Bayern~: Bistümer +Würzburg+, +Bamberg+, +Freising+, +Augsburg+,
Abteien und Reichsstädte in Franken und dem östlichen Schwaben. 4.
~Baden~ erhält den rechtsrheinischen Teil der +Pfalz+ (Heidelberg,
Mannheim) und der Bistümer Straßburg, Speier, Basel, Konstanz.
5. ~Württemberg~: mehrere Klöster und Reichsstädte, besonders
+Reutlingen+, +Eßlingen+, +Heilbronn.+ 6. ~Preußen~: die Bistümer
+Münster,+ +Paderborn,+ +Hildesheim,+ das mainzische +Thüringen+
(Eichsfeld und Erfurt), mehrere Abteien, besonders +Quedlinburg+, und
die Reichsstädte +Mühlhausen,+ +Nordhausen,+ +Goslar.+ 7. ~Oldenburg~:
Bistum +Lübeck.+ 8. ~Hannover~: Bistum +Osnabrück+. 9. ~Wilhelm~ von
~Oranien,~ Sohn des Erbstatthalters von Holland: Stifter +Fulda+
und +Corvey.+ Im allgemeinen +gewinnen+ die entschädigten Fürsten
bedeutend an Gebiet und Untertanen, z.B. erhält Preußen 13000 qkm (240
□ Meilen), für 2600 qkm (48 □ Meilen); die übergroße Zahl der deutschen
Kleinstaaten wird vermindert.
§ 3. Machtentfaltung des ersten französischen Kaiserreiches.
[1803.]
Neuer Bruch zwischen +Frankreich+ und +England+. England gibt Malta
nicht heraus, fordert die Entfernung französischer Truppen aus der
Batavischen Republik und der Schweiz, auch Herausgabe von Piemont.
Aufenthalt der bourbonischen Prinzen in London. Die Franzosen ~besetzen
Hannover;~ das Lager bei +Boulogne+ bedroht England mit einer Landung.
William +Pitt+ wiederum leitender Minister in England († 1806).
[1804.]
Verschwörung gegen das Leben des ersten Konsuls entdeckt. +Pichegru+
erdrosselt im Gefängnis gefunden, +George Cadoudal+ hingerichtet,
+Moreau+ verbannt, geht nach Amerika. Der +Herzog von Enghien+
(bourbonischer Prinz von der Nebenlinie Condé) wird als an der
Verschwörung beteiligt aus Ettenheim in Baden mit Gewalt entführt und
auf Napoleons Befehl in Vincennes (bei Paris) erschossen. Tribunat
und Senat beschließen die Umwandlung der Republik Frankreich in ein
erbliches +Kaiserreich+; der Beschluß wird durch +Volksabstimmung+ (mit
über 3½ Mill. Stimmen) genehmigt.
[1804. 2. Dez.]
+Napoleon+ krönt sich und seine Gemahlin +Josephine Beauharnais+ in der
Kirche +Notre-Dame+ zu Paris, nachdem Papst Pius VII. die Ceremonie der
Salbung vollzogen hat.
[~1804–1814(15).~]
~Napoleon I., Kaiser der Franzosen.~ Einrichtung eines glänzenden
Hofstaates. Großwürdenträger, 18 Maréchaux de l’Empire. Neuer Adel.
+Senat+ und +gesetzgebender Körper+ bleiben, aber ohne selbständige
Befugnisse, das Tribunat wird 1807 aufgehoben.
[1805.]
+Napoleon+, ~König von Italien.~ Sein Stiefsohn +Eugen+ +Beauharnais,
Vizekönig+ von Italien. Die +Ligurische Republik+ wird in Frankreich
einverleibt.
~Die Familie Bonaparte.~
Carlo Bonaparte, †1785, Gem. Maria Lätitia Ramolino, †zu Rom 1836.
____________________________|________________________________...
| | | |
~Joseph,~ ~Napoléon I.~ Lucian, Elise,
K. v. Neapel 1806, 1804–1814, F. v. Canino, Fürstin von
K. v. Span. 1808, †1821. †1840. Piombino,
†als Gr. v. Gem. | †1820.
Sur-villiers 1. Josephine |
1844. Beauharnais, Karl Lucian,
†1814. F. v. Canino.
2. Marie Luise v.
Österreich, †1847.
(Hzgin. v. Parma.)
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| | |
Stiefkinder: Adoptiert: Eigenes Kind:
a) Eugen, b) Hortense, c) Stephanie, Napoleon (II.),
Vizek. v. Gem. v. Ludw., Großhzgin. König v. Rom,
Italien K. v. Holland, v. Baden, †als Hz.
(Gem. Przn. †1837. †1860. v. Reichstadt
v. Bayern), 1832.
†als Hz. v.
Leuchtenberg
1824.
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| | | | | |
Josephine Eugenie August, Amalie Theodelinde Max,
(Gem. Oskar (Gem. Fürst von Hz. v. (Gem. Pedro I., (Gem. Gr. v. Hz. v.
I., König Hohenzollern- Leuchtenberg Kaiser Württemberg) Leuchtenberg,
von Hechingen), (Gem. d. v. †1857. †1852.
Schweden) †1847. Kgin. v. Brasilien),
†1876. Portugal). †1873.
†1835.