englischen Truppen nach England gegen den von Frankreich unterstützten
Prätendenten +Karl Eduard+ (S. 299) abberufen sind, vollendet der
Marschall Moritz von Sachsen durch den Sieg bei ~Raucoux~ 1746 die
Eroberung der österreichischen Niederlande. Maria Theresia schließt
ein Bündnis mit Elisabeth von +Rußland+ (S. 295), die 1748 Truppen
nach Deutschland sendet. Frankreichs Verluste in dem gleichzeitigen
+Seekriege+ mit England (S. 299f.) dämpfen die Kriegslust der Franzosen.
[~1748.~]
~Friede zu Aachen~: 1. Österreich tritt +Parma+ und +Piacenza+ an
den spanischen Infanten +Don Philipp+ ab (zweite Sekundogenitur
der +spanischen+ Bourbons in Italien, S. 279). 2. Gewährleistung
+Schlesiens+ für +Preußen+, der +Pragmatischen Sanktion+ für
+Österreich+, der +britischen Thronfolge+ für das Haus +Hannover+ (S.
272).
Veränderung des europäischen Staatensystems durch den Eintritt Preußens
in die Reihe der Hauptmächte. ~Friedrichs d. Gr. Friedensregierung~
(s. +Anhang+) wird ein Vorbild für andere Staaten. -- In +Sanssouci+
(1745–1747 erbaut) lebt 1750–1763 +Voltaire+; auch die Gelehrten
Maupertuis, d’Argens, La Mettrie und Algarotti werden herangezogen.
In ~Österreich~ durch Maria Theresia Abstellung vieler Mißstände,
Hebung der Finanzen, Bildung eines tüchtigen Heeres (Daun). Sparsame
Hofhaltung. Sorge für Handel, Industrie und Ackerbau. Erleichterung der
Leibeigenschaft. Gründung der Volksschule. Abschaffung der Folter.
In ~Dresden~ glänzende Hofhaltung Augusts des Starken († 1733) und
Augusts III. († 1763). Italienische Oper, Gründung der Gemälde-Gallerie
1746. Minister Graf +Brühl+ († 1763).
Aufblühen der ~deutschen Literatur~: Albrecht von +Haller+ in Bern,
dann in Göttingen (Universität gegr. 1737; † 1777 in Bern). Fr. von
+Hagedorn+ in Hamburg († 1754), +Gottsched+ († 1766) und +Gellert+
(† 1769) in Leipzig; +Gleim+ in Halberstadt († 1803), +Ramler+ (†
1798) und Ewald von +Kleist+ in Berlin († 1759 in Frankfurt a.
O.). +Klopstock+ geb. 1724 zu Quedlinburg (1748 der Messias), 1751
in Kopenhagen († 1803 in Hamburg). +Lessing+ geb. 1729 zu Kamenz
(Oberlausitz), 1751 in Berlin († 1781 in Braunschweig).
[~1756–1763.~]
~Siebenjähriger (Dritter Schlesischer) Krieg.~
Maria Theresia, seit 1746 mit +Rußland+ verbündet, sucht auch
Frankreich zu gewinnen. Fürst +Kaunitz+ (1740–1753 österreichischer
Gesandter in Paris, dann Reichskanzler in Wien) bewirkt eine
Aussöhnung der Jahrhunderte lang feindseligen (S. 206) Kabinette
von Wien und Versailles; die +Marquise von Pompadour+ begünstigt
das Bündnis. +England+, 1750 dem österreichisch-russischen Bündnis
angeschlossen, tritt 1755 mit Rußland in besonderen Bund, aber erneute
Feindseligkeiten Frankreichs wegen der Besitzungen in Nordamerika
veranlassen Georg II., im Jan. 1756 den Vertrag von +Westminster+ mit
+Preußen+ abzuschließen. Beide Mächte garantieren sich ihren Besitz.
Für den Fall eines Krieges verspricht England Hilfsgelder. Darauf
Bündnis zwischen +Frankreich+ (Ludwig XV. 1715–1774) und +Österreich+
(Mai 1756).
Friedrich d. Gr., von den Plänen seiner Feinde unterrichtet,
entschließt sich ihnen zuvorkommen und eröffnet den Krieg, ehe die
Rüstungen der Gegner beendet sind.
[~1756.~]
(29. Aug.) Einfall +Friedrichs+ in Sachsen mit 67000 Mann. Dresden
besetzt, das sächsische Heer bei +Pirna+ eingeschlossen. Friedrich
zieht mit 24000 Mann den +Österreichern+ entgegen und gewinnt den
[1. Okt.]
~Sieg bei Lobositz~ (in Böhmen).
[16. Okt.]
17000 Sachsen ergeben sich als Kriegsgefangene und werden zum Dienst im
preußischen Heere gezwungen. Kurfürst Friedrich August II. verläßt die
Festung Königstein und entflieht nach Warschau (S. 279).
[~1757.~]
Erklärung des +Reichskrieges+ an Preußen; doch bleiben Hannover,
Hessen, Braunschweig, Sachsen-Gotha mit Preußen verbunden. +Österreich+
und +Rußland+ (Elisabeth, Tochter Peters d. Gr. 1741–1762) schließen
einen. Angriffs- und Teilungsvertrag gegen Preußen (Febr.), ebenso
+Österreich+ und +Frankreich+ (Mai). König Adolf Friedrich von
+Schweden+ (1751–1771, S. 294) tritt gegen das Versprechen, Pommern
zu bekommen, dem Bunde gegen seinen Schwager Friedrich bei; seine
Teilnahme am Kriege ist jedoch unbedeutend. Bündnis zwischen +Preußen+
und +England+; letzteres verpflichtet sich 1758 zur Zahlung von
Hilfsgeldern (4 Millionen Taler jährlich).
[April.]
Die Preußen rücken in vier Heeresabteilungen (über Trautenau,
Reichenberg, Nollendorf, Komotau, zusammen 117000 Mann) in Böhmen ein.
[6. Mai.]
~Sieg Friedrichs bei Prag~ über die Österreicher (Herzog Karl von
Lothringen und Browne). ~Schwerin †.~
Friedrich belagert +Prag+, greift mit einem Teil seines Heeres den zum
Einsatz anrückenden +Daun+ an, erleidet aber eine bedeutende
[18. Juni.]
~Niederlage bei Kolin.~ Prag und ganz Böhmen aufgegeben, Rückzug nach
der Lausitz. Die Franzosen dringen bis zur Weser vor.
[26. Juli.]
~Schlacht bei Hastenbeck~, Sieg der +Franzosen+ über Friedrichs
Verbündete (unter dem +Herzog von Cumberland+, zweitem Sohne König
Georgs II.).
Die Russen (+Apraxin+) greifen in Ostpreußen den Feldmarschall Lehwaldt
mit überlegener Macht an und siegen (30. Aug.) bei ~Großjägersdorf~,
gehen aber wegen Verpflegungssorgen und Krankheit der Kaiserin
Elisabeth nach der preußisch-polnischen Grenze zurück.
Friedrich läßt die größere Hälfte seines Heeres (unter dem Herzog von
+Braunschweig-Bevern+ und General +v. Winterfeld+) in der Lausitz
zurück und zieht mit 25000 Mann nach Thüringen. Winterfeld † im Gefecht
bei +Moys+ (unweit Görlitz, 7. Sept.).
[8. Sept.]
Vertrag zu ~Kloster Zeven~ (Herzog von +Cumberland+ und +Richelieu+),
wonach die Franzosen +Hannover+ besetzen. Ein +zweites+ französisches
Heer unter +Soubise+ vereinigt sich mit dem +Reichsheere+, um Sachsen
zu befreien. Friedrich zieht diesen Feinden entgegen; General +v.
Seydlitz+ mit der Vorhut vertreibt sie (19. Sept.) aus +Gotha+.
[5. Nov.]
~Sieg Friedrichs bei Roßbach~ (westlich von der Saale, unweit
Merseburg) mit 22000 Mann (die Reiterei unter ~Seydlitz~) über
+Soubise+ und das +Reichsheer+ (64000 Mann).
Der Vertrag von Zeven wird von der englischen Regierung verworfen.
Herzog ~Ferdinand von Braunschweig~ erhält den Oberbefehl gegen die
Franzosen. Friedrich zieht in Eilmärschen nach Schlesien, wo die
+Österreicher+ den Herzog von +Braunschweig-Bevern+ in der
[22. Nov.]
+Schlacht bei Breslau+ geschlagen und gefangen hatten.
[5. Dez.]
~Sieg Friedrichs bei Leuthen~ mit 32000 Mann über 80000 +Österreicher+
(Karl von Lothringen und Daun). +Breslau+ wiedergewonnen.
[~1758.~]
Friedrich erobert Schweidnitz, dringt in +Mähren+ ein, belagert
+Olmütz+ vergeblich, muß sich, da Daun heranrückt, nach Schlesien
zurückziehen. Im Osten Vorrücken der Russen (+Fermor+), die sich mit
den Österreichern zu vereinigen suchen. Im Westen treibt +Ferdinand von
Braunschweig+ die Franzosen über den Rhein zurück, schlägt sie in der
[23. Juni.]
~Schlacht bei Krefeld~ und verteidigt sich dann, durch englische
Truppen (8500 Mann) verstärkt, in +Westfalen+ gegen zwei französische
Heere.
Die Russen dringen nach Eroberung Ostpreußens bis zur Oder vor und
belagern +Küstrin+. Friedrich läßt einen Heeresteil in Sachsen unter
seinem Bruder, dem Prinzen +Heinrich+, zurück, einen andern in
Schlesien unter dem Feldmarschall +Keith+ und zieht gegen die Russen.
[25. Aug.]
~Sieg Friedrichs~ (+Seydlitz+) ~bei Zorndorf~ (unweit Küstrin) über die
Russen (42000 Mann unter +Fermor+ gegen 36000 Preußen).
Die Österreicher rücken nach der Lausitz vor; der König kommt seinem
Bruder Heinrich zu Hilfe.
[14. Okt.]
~Niederlage Friedrichs bei Hochkirch~ (unweit Bautzen) durch ~Daun.~
Dennoch behauptet er Sachsen und Schlesien und entsetzt +Neiße+.
[~1759.~]
Herzog +Ferdinand von Braunschweig+, von den Franzosen unter dem Herzog
von Broglie bei +Bergen+ (unweit Frankfurt am Main) zurückgeschlagen
(13. April), behauptet, das Wesergebiet durch seinen
[1. Aug.]
~Sieg bei Minden.~ Erneutes Vorrücken der Russen (+Soltykow+), sie
schlagen den General +v. Wedell+, dem der König die Vollmacht eines
Dictators gegeben hatte, bei ~Kay~ unweit Züllichau (23. Juli).
Friedrich kann ihre Vereinigung mit den +Österreichern+ unter +Laudon+
nicht hindern. Schwere
[12. Aug.]
~Niederlage Friedrichs bei Kunersdorf~ (bei Frankfurt a. d. Oder)
durch die +Österreicher+ und die im Anfange bereits geschlagenen
+Russen+. Aber +Daun+ mit dem zweiten österreichischen Heere bleibt in
der Lausitz stehen, wird von Prinz +Heinrich+ am Vorrücken gehindert.
Friedrichs Lager bei +Fürstenwalde+. Er folgt den in der Richtung auf
+Glogau+ abziehenden Russen und wendet sich dann nach Sachsen.
[4. Sept.]
+Dresden+ von Österreichern und Reichstruppen eingenommen. Der
General Schmettau erhält freien Abzug. Friedrich versucht die Stadt
wiederzugewinnen; aber das von ihm nach ~Maxen~ (unweit Pirna)
entsandte Korps des General +Finck+ (12000 Mann) wird von Daun
eingeschlossen
[20. Nov.]
und gefangen. Friedrich behauptet seine Winterquartiere in der Gegend
zwischen Freiberg und Meißen.
[~1760.~]
+Fouqué+ von +Laudon+ in der
[23. Juni.]
~Schlacht bei Landshut~ geschlagen und mit 8000 Mann gefangen. Nach
vergeblicher Belagerung +Dresdens+ zieht der König nach Schlesien, wo
+Breslau+ vom General +v. Tauenzien+ tapfer verteidigt wird.
[15. Aug.]
~Sieg Friedrichs bei Liegnitz~ über die +Österreicher+ unter +Laudon+.
Er hindert die Vereinigung der Russen mit den Österreichern.
[Sept.]
+Kolberg+ behauptet sich gegen die belagernden Russen, wird entsetzt
durch den raschen Zug des Generals von Werner.
[Okt.]
Besetzung +Berlins+ durch Russen (+Tottleben+) und Österreicher. Beim
Heranrücken des Königs ziehen sich die Feinde zurück. Darauf blutiger
[3. Nov.]
~Sieg Friedrichs bei Torgau~ über die +Österreicher+ unter +Daun+.
General +v. Zieten+ entscheidet den Sieg durch Erstürmung der Süptitzer
Höhen.
[~1761.~]
Friedrich im Lager bei ~Bunzelwitz~ (bei Schweidnitz) den vereinigten
+Österreichern+ (Laudon) und +Russen+ (Buturlin) gegenüber, die
nichts Entscheidendes gegen ihn wagen. Trennung der verbündeten
Heere. +Schweidnitz+ wird von den Österreichern, +Kolberg+ von den
Russen genommen. Friedrich im Lager bei +Strehlen+, um Breslau zu
decken. In Sachsen behauptet sich Prinz Heinrich, an der Weser Herzog
Ferdinand von Braunschweig. Bedrängte Lage Friedrichs, der infolge
der Thronbesteigung +Georgs III.+ (1760–1820) auch die englischen
Hilfsgelder verliert. Der
[~1762.~ 5. Jan.]
~Tod der Kaiserin Elisabeth~ von Rußland bringt eine günstige Wendung.
Ihr Nachfolger +Peter III.+ (S. 277, 293), ein Verehrer Friedrichs,
schließt mit Preußen Frieden, bald darauf ein +Bündnis+, doch wird
dieses durch seine Entthronung und Ermordung (Juli) wieder aufgehoben.
Seine Nachfolgerin +Katharina II.+ ruft ihre Truppen von Friedrichs
Heer ab, doch tragen die Russen unter Czernitschew noch durch ihre
untätige Gegenwart zu dem
[21. Juli.]
~Sieg Friedrichs bei Burkersdorf~ über die +Österreicher+ bei.
Schweidnitz wiedergewonnen. Nachdem Herzog Ferdinand die Franzosen
bei +Wilhelmsthal+ unweit Kassel (24. Juni), Prinz Heinrich die
Österreicher und Reichstruppen bei ~Freiberg~ (29. Okt.) besiegt hat
und General v. Kleist bis +Nürnberg+ vorgedrungen ist (29. Nov.), tritt
Waffenruhe ein. Da England und Frankreich miteinander Frieden schließen
und die französischen Truppen Deutschland räumen, ist auch Maria
Theresia zum Frieden geneigt.
[~1763.~ 15. Febr.]
~Friede zu Hubertusburg~ (Jagdschloß unweit Grimma): Friedrich d. Gr.
behält Schlesien, räumt den noch besetzten Teil Sachsens, verspricht
seine Kurstimme für die Wahl des Erzherzogs +Joseph+ zum römischen
König.
~Preußen~ hat im Siebenjährigen Kriege den Kampf um sein Dasein
ruhmvoll bestanden und Deutschland gegen die Angriffe des Auslandes
verteidigt. Das gesunkene deutsche Nationalgefühl richtet sich wieder
an Friedrichs Heldentum auf.
Durch die Eroberung von Schlesien, die Erwerbung Westpreußens bei der
ersten polnischen Teilung (S. 296), -- Friedrich nennt sich seitdem
König +von+ Preußen -- und die Aufrechterhaltung des deutschen
Reichssystems gegen die Bestrebungen Kaiser Josephs II. (S. 290f.)
wird Preußen eine +europäische Großmacht+. Alle Welt bewunderte das
Resultat, aber das preußische Staatswesen besaß bereits nicht mehr die
Zuneigung der Zeitgenossen. -- Friedrichs Fürsorge für sein Land, s.
Anhang.
[~1765–1790.~]
~Joseph II., deutscher Kaiser~, für die österreichischen Länder bis
~1780~ nur +Mitregent+ seiner Mutter +Maria Theresia+ und wie sein
Vater ohne bedeutenden Einfluß auf die innere Regierung.
[1767.]
Versuch einer Reform des Reichskammergerichts zu +Wetzlar+.
[1769.]
Zusammenkunft mit Friedrich II. in +Neiße+, der 1770 ein Gegenbesuch in
+Mährisch-Neustadt+ folgt.
[~1778–1779.~]
~Bayrischer Erbfolgekrieg.~ Veranlassung: Aussterben der bayrischen
Kurlinie mit +Max Joseph+ (1777). +Karl Theodor+, 1743–1799 (S. 279),
Kurfürst von der Pfalz und Herzog von Jülich und Berg, als Haupt der
älteren Linie des Hauses +Wittelsbach+ (vgl. S. 186) rechtmäßiger Erbe
der bayrischen Länder, läßt sich von Kaiser Joseph II. bewegen, alte
Ansprüche Österreichs auf +Niederbayern+ und auf Teile der +Oberpfalz+
anzuerkennen.
Vertrag zu Wien (1778, Januar). Besetzung von Niederbayern durch
österreichische Truppen. +Karl Theodor+ war kinderlos; mit seinem
Erben, dem Herzog Karl von +Pfalz-Zweibrücken+, tritt Friedrich
der Große in Verbindung und ermutigt ihn zum Widerstande gegen die
österreichischen Ansprüche.
Friedrich rückt mit Truppen in +Böhmen+ ein; es kommt zu keiner
Schlacht.
[~1779.~]
~Friede zu Teschen~: Österreich behält von Bayern nur das +Innviertel+
und willigt in die künftige (1791 erfolgte) Vereinigung der
Markgrafschaften +Ansbach+ und +Baireuth+ mit der +preußischen
Monarchie+. Bayern und +Pfalz+ (mit Jülich und Berg, s. S. 252, 279)
bleiben vereinigt.
[~1780–1790.~]
~Joseph II.~ in Österreich. Auf die durch manche Verbesserungen der
Verwaltung für Österreich segensreiche Regierung Maria Theresias
(S. 285) folgt das stürmische Vorgehen Josephs. Von dem Ideal eines
starken Einheitsstaates erfüllt, strebt er danach, die Macht der
bevorrechtigten Stände (Geistlichkeit und Adel) zu brechen, alle
provinzielle Selbständigkeit zu beseitigen und +Einheit+ der Verwaltung
(Zentralisation) herzustellen. Die deutsche Sprache auch in Ungarn als
Amtssprache eingeführt.
[1781.]
+Toleranzedikt+ zu Gunsten der nicht katholischen Untertanen. Über
700 +Klöster+ aufgehoben, für die noch verbleibenden (mehr als
1300) Staatsaufsicht vorgeschrieben. Beschränkung des Verkehrs
der Geistlichkeit mit Rom; der Besuch des jesuitischen Collegium
germanicum in Rom verboten (Jesuitenorden 1773 durch Papst Clemens XIV.
aufgehoben); landesherrliches +Placet+ für die päpstlichen Erlasse
eingeführt. Vergebliche Reise des Papstes Pius VI. nach Wien 1782, um
diese Neuerungen abzuwenden.
+Aufhebung der Leibeigenschaft+, doch bleiben noch manche
Dienstverpflichtungen der Bauern bestehen. Reform des Gerichtswesens.
[~1785.~]
Kaiser Josephs Plan eines Ländertausches, wonach +Karl Theodor+ ganz
+Bayern+ an Österreich abtreten und dafür die +österreichischen
Niederlande+ (Belgien) außer +Luxemburg+ und +Namur+ als ~Königreich
Burgund~ erhalten soll. Frankreich verhält sich gleichgültig, Rußland
sucht durch Zureden und Drohungen den bayrischen Thronerben, den Herzog
Karl von +Pfalz-Zweibrücken+, zur Einwilligung zu bewegen. Dieser
wendet sich um Hilfe an +Friedrich den Großen+, welcher noch ein Jahr
vor seinem Tode († 1786, 17. Aug.), den
[~1785.~]
~deutschen Fürstenbund~ zwischen +Preußen+, +Sachsen+, +Hannover+
zustande bringt, dem dann viele kleinere Staaten beitreten nach dem
Vorgang »des einstigen Schmalkaldischen« (S. 230ff.).
Damit die deutsche Reichsverfassung und die Dynastien gegen die Pläne
des Kaisers sicher gestellt. Ebenso Widerstand gegen Josephs Reformen
in den österreichischen Niederlanden und in Ungarn. Die Aufhebung der
Verfassung von Brabant bewirkt einen Aufstand der belgischen Provinzen
(1789). Joseph, aus dem gemeinschaftlich mit Rußland unternommenen
Türkenkriege (S. 297) krank zurückgekehrt, stirbt kinderlos Febr. 1790,
nachdem er fast alle Neuerungen wieder aufgehoben hatte.
[~1786–1797.~]
~Friedrich Wilhelm II., König von Preußen~, Neffe Friedrichs d. Gr.,
nicht von gleicher Tätigkeit und Entschlossenheit wie seine beiden
Vorgänger. Die Finanzen des Staates kommen in Unordnung, das Heerwesen
verfällt (s. Anhang).
[1791.]
Ansbach und Bayreuth durch Erbanfall gewonnen.
[~1790–1792.~]
~Leopold II. Kaiser~, Josephs Bruder und Nachfolger, seit 1765
Großherzog von Toskana. Er unterdrückt den Aufstand in Belgien, indem
er zugleich die alten Verfassungen und Privilegien wiederherstellt.
Manche Reformen Josephs noch von Leopold II. beseitigt, doch bleibt
das Toleranzedikt und die Aufhebung der Leibeigenschaft. Durch die
Konferenzen in +Reichenbach+ 1790 wird ein Krieg mit +Preußen+
abgewendet, welches mit den +Türken+ und mit +Polen+ Bündnisse
geschlossen hatte (Minister +v. Hertzberg+), um Rußland und Österreich
entgegenzuwirken (S. 297). Der Fürstenbund gesprengt. Preußen wieder im
Schlepptau der österreichischen Politik.
~Entfaltung d. deutschen Literatur u. Wissenschaft.~
+Winkelmann+ 1717–1768, Geschichte der Kunst des Altertums 1764.
+Lessings+ Laokoon 1766, Hamburgische Dramaturgie 1767, Nathan 1779;
+Goethes+ Götz v. Berlichingen 1773, Iphigenie 1787, Hermann und
Dorothea 1797; +Schillers+ Räuber 1781, Don Carlos 1787, Glocke und
Wallenstein 1799. +Kant+ 1724–1804 in Königsberg i. Pr.; Kritik der
reinen Vernunft 1781; F. A. +Wolf+ 1759–1824, Prolegomena ad Homerum
1792.
~Klopstock~ s. S. 285. ~Lessing~ 1729 in Kamenz geb., 1760 in Breslau,
1767 in Hamburg, 1770 in Wolfenbüttel, † 1781. ~Wieland~ 1772–1813
(geb. 1733), ~Goethe~ 1775, ~Herder~ 1776 bis 1803 (geb. 1744) in
~Weimar~ am Hofe des Herzogs +Karl August+. ~Goethe~ geb. 1749 in
Frankfurt a. M., † 1832 in Weimar. ~Schiller~ geb. 1759 in Marbach,
1782 Flucht aus Stuttgart, 1785 in Dresden, 1789 in Jena, 1799 in
Weimar, † 1805.
Zu nationaler und allgemeiner Bedeutung gelangt auch die ~deutsche
Musik~: +Seb. Bach+ in Leipzig († 1750, Matthäuspassion 1729), +Händel+
(geb. in Halle a. Saale, † in London 1759, Messias 1741), +Gluck+ († in
Wien 1787), +Haydn+ († in Wien 1809, die Schöpfung 1797), +Mozart+ (†
in Wien 1791).
Auch an dem Aufschwung der ~Naturwissenschaften~ nimmt Deutschland
teil. +Linné+ 1741 in Upsala, +Jussieu+ und +Buffon+ in Paris. +Euler+
1741 in Berlin, 1766 in Petersburg, +Blumenbach+ 1780 in Göttingen;
+Herschel+, 1781 Entdeckung des Planeten Uranus in Greenwich. +Celsius+
1730 in Upsala, +Réaumur+ in Paris. +Galvani+ 1780 in Bologna, +Volta+
in Pavia. +Lavoisier+ 1794 in Paris hingerichtet. Französische
Gradmessung zur Bestimmung des Erdumfangs 1792–1808.
§ 8. Der Norden und Osten.
~Dänemark~ (mit ~Norwegen~), seit Beendigung des Nordischen Krieges
im vollständigen Besitz +Schleswigs+ (S. 277), erfreut sich unter
+Friedrich IV.+, +Christian VI.+, +Friedrich V.+, +Christian VII.+,
(Graf +Bernstorff+ Minister 1751–1770) eines langen inneren und äußeren
Friedens. Unter dem schwachen +Christian VII.+ beginnt 1770 der
Minister ~Struensee~ (geb. in Halle, Arzt in Altona, Reisebegleiter
des Königs, Erzieher des Kronprinzen, Günstling der Königin +Karoline
Mathilde+) übereilte Reformen nach dem Vorbild Friedrichs II. und
Josephs II. Er wird 1772 durch eine Verschwörung der Adelsaristokratie
(Königin-Mutter +Juliane Marie+) gestürzt und mit seinem Freunde
+Brandt+ enthauptet.
Der jüngere +Bernstorff+ (Neffe des vorigen), Minister 1773 bis
1780 und wiederum 1784–1797, beendigt den Streit mit dem Hause
Holstein-Gottorp 1773 durch einen Vertrag mit der in +Rußland+
regierenden älteren Linie desselben: Abtretung des Stammlandes
+Oldenburg+ (S. 268) an die jüngere Linie, welche im Besitz des Bistums
+Lübeck+ (S. 255, Hauptort Eutin) war; dafür ganz +Holstein+ mit
Dänemark vereinigt.
~Schweden~ im Innern zerrüttet und geschwächt durch die Zwistigkeiten
der den Reichstag beherrschenden Adelsparteien (+Hüte+ für Frankreich,
+Mützen+ für Rußland). Die königliche Gewalt unbedeutend unter
+Friedrich+ von Hessen-Kassel (1720 bis 1751, S. 277). Unglücklicher
~Krieg gegen Rußland~ 1741 bis 1743, beendigt durch den Frieden
zu ~Åbo~: 1. Abtretung des südlichen Finnland, der +Kymmene+-Fluß
wird Grenze zwischen Schweden und Rußland, dadurch gesicherte Lage
Petersburgs. 2. Prinz +Adolf Friedrich+ von Holstein-Gottorp (S.
293), Verwandter des russischen Kaiserhauses, wird zum Thronfolger in
Schweden bestimmt.
~Das dänische Königshaus und das Haus Holstein-Gottorp.~
Christian I., K. v. Dänemark, † 1481.
_________________|___________
| |
Johann, K. v. Friedrich I., K. v. Dänemark, † 1533.
Dänemark, † 1513. |
| ______|____________
| | |
Christian II., Christian III., Adolf, Hz. zu Gottorp.
K. v. Dänemark, K. v. Dänemark, |
abgesetzt 1523. † 1559. |
___________|__ Sein Urenkel
| | Christian Albrecht,
Friedrich II., Johann, Stifter der Universität Kiel 1665.
K. v. Dänemark. Hg. zu _____|________________
| Sonderburg. Friedrich IV., Christian August,
Königliche Linie | Hz. zu. Gottorp. Bischof v. Lübeck.
bis Friedrich VII., ___|_ | |
† 1863 ___________| | | _______|____________________
| | | | | |
Augustenburger Glücksburger | Adolf Friedr., Friedr. Aug., Georg
Linie. Linie. _______| K. v. Bischof Ludwig.
| Schweden. v. Lübeck,
Karl Friedrich, Gem. Luise 1773 Hz.
Gem. Anna, d. Ulrike v. Oldenburg.
ält. Tochter v. Preußen.
Peters d. Gr.
| |
Peter III., † 1762, | |
Zar von Rußland. Schwedische Peter,
Gem. Katharina II. Linie bis 1818. Begründer der
v. Anhalt Zerbst, † 1796. Oldenburger
| Linie.
Russische Linie.
[~1751–1818.~]
~Haus Holstein-Gottorp~ in Schweden.
Unter Adolf Friedrich (1751–1771) unrühmliche Teilnahme am
Siebenjährigen Kriege. Sein Sohn ~Gustav III.~ (1771–1792) stürzt durch
einen unblutigen Staatsstreich 1772 die Macht des Adels; die +Stände+
(Adel, Geistlichkeit, Bürger, Bauern) beraten fortan nur über die vom
König gemachten Vorschläge und haben das Recht des Einspruchs gegen
einen Angriffskrieg.
[1788–1790.]
~Krieg gegen Rußland~, um die Ostseeprovinzen wiederzugewinnen. Nach
dem unentschiedenen Seetreffen bei der Insel +Hogland+ rückt Gustav
III. in den an Rußland 1743 abgetretenen Teil Finnlands ein; die
Offiziere verweigern ihm den Gehorsam. Er findet Unterstützung in
Stockholm und Dalarne; die Stände bewilligen ihm (+gegen+ den Adel)
das Recht des +Angriffskrieges+. Trotz glänzender Waffentaten Gustavs
(Seesieg bei Svenskasund 1790) Friede zu +Werelä+ ohne Vorteil für
Schweden.
[1792.]
+Gustav III.+ von +Ankarström+, einem ehemaligen Offizier, ermordet;
Regentschaft eingesetzt für seinen minderjährigen Sohn Gustav IV.
~Rußland~ und ~Polen~.
Alexei, †1676.
____________|_________________________________
| | | |
~Feodor III.~, ~Iwan V.~, Sophia. ~Peter der Große~,
†1682. †1696. †1725. Gem.
_________|____ ~Katharina I.~,
| | †1727.
Katharina, ~Anna~, ________|________________
Herzogin v. †1740. Alexei, Anna, ~Elisabeth~,
Meckl.-Schwerin. †1718. Gem. Karl †1762.
| | Friedr. v.
Anna, ~Peter II.~, Holstein-Gottorp.
Herzogin v. Braunschweig. †1730. |
| ~Peter III.~,
~Iwan VI.~ bis 1741, † 1764. †1762. Gem.
~Katharina II.~,
† 1796.