Karls X. Gustav von Pfalz-Zweibrücken (S. 250), nimmt sich des Herzogs
von Holstein-Gottorp, seines Schwagers, an, landet 1700 auf Seeland,
bedroht Kopenhagen und erzwingt den ~Frieden zu Travendal~ (in Holstein
a. d. Trave); Dänemark gibt den Angriff auf. Dann wendet er sich gegen
Peter d. Gr. und besiegt mit 8000 Schweden 40000 Russen bei ~Narwa~ (in
Ingermanland). +Sächsische+ Truppen haben inzwischen +Riga+ belagert.
Karl XII. dringt 1701 in +Polen+ ein und verlangt Absetzung Augusts
II., zieht 1702 in Warschau ein, siegt bei +Klissow+ und 1703 bei
+Pultusk+ über sächsische und polnische Truppen.
[1704.]
+Stanislaus Lesczinski+ vom polnischen Reichstag zum König gewählt.
Währenddessen legt +Peter+ den Grund zu der neuen Hauptstadt ~St.
Petersburg~ 1703 und erobert +Narwa+ 1704.
Fortgang des Krieges in Polen und Litauen, Siege Karls XII. bei
+Punitz+ 1704 und seines Generals +Rehnskjöld+ bei Fraustadt 1706. Karl
dringt durch Schlesien in Sachsen ein und erzwingt den
[~1706.~]
~Frieden zu Altranstädt~ (bei Leipzig): 1. August II. entsagt der
polnischen Krone und erkennt +Stanislaus Lesczinski+ als König von
Polen an. 2. Er gibt das Bündnis mit dem Zaren auf und liefert dessen
Bevollmächtigten +Patkul+ aus (welchen Karl grausam hinrichten
läßt). 3. +Sachsen+ sorgt den Winter über für Unterhalt und Sold des
schwedischen Heeres.
Karl bricht dann gegen den russischen Zaren auf (Sept. 1707),
der die Zeit zur Festsetzung an der Ostsee und zur Bildung eines
kriegstüchtigen Heeres trefflich benutzt hatte. Der Weg nach Moskau
versperrt durch Verwüstung des Landes. Durch den von Rußland
abgefallenen Kosakenhetman +Mazeppa+ läßt sich Karl verleiten, über
den Dnjepr (1708) nach der +Ukraine+ zu gehen. Vergebliche Belagerung
+Pultawas+; Peter eilt zum Entsatz herbei und schlägt mit überlegener
Streitmacht die durch Märsche und Mangel ermatteten Schweden in der
[1709 (8. Juli).]
~Schlacht bei Pultāwa,~ welche Schwedens Übermacht mit einem Schlage
vernichtet. Das schwedische Heer völlig aufgelöst und größtenteils
gefangen. Karl flüchtet zu den Türken.
[1709–1714.]
Karl XII. +in der Türkei+ (Lager bei +Bendēr+), sucht die Pforte zum
Kriege gegen Rußland zu bewegen. Dies gelingt endlich 1711. Peter,
verbündet mit dem +Fürsten der Moldau,+ geht über den Dnjestr, wird am
+Pruth+ eingeschlossen, erkauft von den Türken durch Bestechung des
Großwesirs (auf Rat seiner Gemahlin +Katharina+) den
[~1711.~]
~Frieden am Pruth~: 1. +Asow+ an die Pforte zurückgegeben (S. 266) 2.
Dem Könige von Schweden freie Rückkehr in seine Staaten zugesichert.
Karl XII., über diesen Frieden entrüstet, verweigert starrsinnig die
Abreise, wird 1713 von den Türken in seinem Lager bei +Bender+ gefangen
genommen und nach +Demotika+ (bei Adrianopel) gebracht. Währenddessen
nutzen seine Feinde die Zeit aus. August II. vertreibt den König
Stanislaus aus Polen; die Dänen suchen (allerdings vergeblich) die
südlichen Provinzen Schwedens zu erobern. +Peter der Große+ nimmt
+Livland, Estland, Ingermanland, Karelien, Finnland+ vollständig in
Besitz.
Im +Haager Konzert+ (1710) war, um den Krieg von Deutschlands Grenzen
fern zu halten, die Neutralität aller +deutsch-schwedischen+ Provinzen,
sowie +Schleswigs+ und +Jütlands+ festgesetzt worden. Da aber Karl
XII. gegen diesen Vertrag von der Türkei aus protestiert, so nehmen
die Dänen dem Herzog von Holstein-Gottorp +Schleswig+ weg und erobern
die seit 1648 (S. 260) schwedischen Herzogtümer +Bremen+ und +Verden+
(1712), welche dann gegen eine Geldzahlung dem Kurfürsten von Hannover
überlassen werden.
[1712. Dez.]
Der schwedische General +Stenbock+ besiegt die Dänen bei +Gadebusch+
(in Mecklenburg), rückt dann nach Holstein vor, verbrennt +Altona+,
wird aber (Febr. 1713) von Dänen und Russen bei +Tönning+ a. d. Eider
gefangen.
[1713.]
König +Friedrich Wilhelm I.+ von ~Preußen~ (S. 279) schließt sich
den Feinden Schwedens an und besetzt +Stettin+ nach Abschluß eines
Vertrages mit dem russischen General Menschikow, wonach Stettin und
Vorpommern gegen Zahlung von 400000 Talern vorläufig von Preußen
beschlagnahmt (sequestriert) werden.
[1714.]
Karl XII. kehrt endlich in seine Staaten zurück. Abenteuerlicher Ritt
durch Ungarn und Deutschland über Wien, Nürnberg, Braunschweig nach
+Stralsund+.
[1715.]
Belagerung von +Stralsund+ durch preußische, dänische und sächsische
Truppen. Der preußische Feldmarschall Fürst Leopold von Dessau erobert
die Insel +Rügen+.
Karl XII. gibt Stralsund auf und kehrt nach Schweden zurück.
[~1716–1717.~]
Peters d. Gr. +zweite Reise+ (vgl. S. 269) nach Deutschland, Dänemark,
Holland, Frankreich.
Karl XII. unterhandelt mit Peter d. Gr. durch den Freiherrn +von
Görz+, der trotz des Hasses der schwedischen Großen auch an die Spitze
der inneren Verwaltung Schwedens gestellt wird. Vor Abschluß der
Verhandlungen, die ihm Aussicht auf russische Hilfe geben, beginnt Karl
einen neuen Krieg gegen +Dänemark+, indem er in +Norwegen+ einfällt,
wird aber bei der
[~1718.~]
Belagerung von +Frederikshall+ durch eine Kugel getötet. Ende des
Hauses Pfalz-Zweibrücken (seit 1654) in Schweden.
Der schwedische Reichsrat, schon lange mit Karls Regierung unzufrieden,
beruft nicht den Sohn seiner älteren Schwester, Karl Friedrich von
+Holstein-Gottorp+ (S. 293), zur Regierung, sondern die jüngere
Schwester Ulrike Eleonore und deren Gemahl, Prinz +Friedrich+ von
+Hessen-Kassel+ (1720–1751).
+Görz+ wird verurteilt und hingerichtet (1719). Das Königtum wird
gänzlich abhängig von dem Reichsrat, dessen nächste Sorge auf
Herstellung des Friedens gerichtet ist.
Den Nordischen Krieg beenden die Friedensschlüsse zu ~Stockholm
1719~ mit +Hannover+, welches +Bremen+ und +Verden+ behält und an
Schweden 1 Mill. Taler zahlt; ~1720~ mit +Preußen,+ welches +Stettin+,
+Vorpommern bis an die Peene+, die Inseln +Usedom+ und +Wollin+ erhält
und 3 Mill. Taler zahlt; zu ~Friedrichsburg~ auf Seeland ~1720~ mit
+Dänemark+, welches alle Eroberungen zurückgibt. Dafür zahlt Schweden
600000 Taler, entsagt der Zollfreiheit im Sunde (s. S. 250) und gibt
den Herzog von Holstein-Gottorp preis, dem Dänemark seinen Anteil an
+Schleswig+ nimmt. Mit +Polen+ bleibt es bei dem 1719 geschlossenen
Waffenstillstand. +August der Starke+ als König anerkannt. Stanislaus
Lescynski führt den Königstitel weiter und erhält 1 Mill. Taler (S.
279).
[~1721.~]
Friede zu ~Nystadt~ zwischen +Schweden+ und +Rußland+: 1. Schweden
tritt an Rußland ab: +Livland,+ +Estland,+ +Ingermanland,+ +Karelien+
und die dazu gehörigen Inseln (+Ösel,+ +Dagö+ u. a.). 2. Rußland gibt
+Finnland+ zurück und zahlt 2 Mill. Taler.
Schweden, seiner früheren Machtstellung beraubt, behält doch noch
deutsche Gebiete: +Wismar+, welches erst 1803 durch Verpfändung (1903
endgültig) an Mecklenburg kommt, und +Vorpommern+ nördlich der Peene
mit +Rügen+ (1815 an Preußen). Karl Friedrich von Holstein-Gottorp geht
nach Rußland, vermählt sich mit +Anna+, Tochter Peters d. Gr. Sein Sohn
ist der Zar Peter III., 1728 in Kiel geboren, Stammvater des russischen
Kaiserhauses (S. 293).
~Rußland~ hat sich an Schwedens Stelle zur ~europäischen Großmacht~
erhoben und nach langem Ringen die Ostsee erreicht. Peters d. Gr.
innere Regierung ist auf Förderung von Handel und Gewerbe, Bergwesen
und Forstkultur, Volksbildung, Ordnung der Verwaltung gerichtet.
Dem Erbadel setzt er einen +Amtsadel+ zur Seite; 14 Rangstufen der
Offiziere und Beamten (Tschin), die oberen adlig. Oberste Behörde
der +Senat+, 1711 an Stelle des früheren Rats der Bojaren errichtet;
zur Leitung der Kirche der +Heilige Synod+ 1721 errichtet, dessen
Mitglieder der Zar ernennt. Die Zahl der Klöster eingeschränkt. Mönche
und Nonnen zu nützlicher Tätigkeit angehalten.
Peters d. Gr. letzte Kriegstat ist eine Heerfahrt gegen +Persien+
und die Eroberung von +Derbent+ (am Kaspischen Meere) 1722; doch
wird dieser Küstenstrich 1732 an Persien zurückgegeben. Die
Küstenlandschaften am Schwarzen Meere sind noch ganz im Besitz der
+Türken+; den Grenzschutz leistet das Reitervolk der +Kosaken+ in der
Ukraine.
§ 7. Deutschland.
Das +Deutsche Reich+ vermag in den europäischen Kriegen das Eindringen
fremder Truppen nicht abzuwehren, ist aber selbst nicht Gegenstand des
Angriffs. Die letzten habsburgischen Kaiser (S. 272) sind nur auf ihre
Hausmacht bedacht; Ausbildung der +österreichischen Monarchie+.
[~1711–1740.~]
Kaiser ~Karl VI.~ erwirbt 1714 die spanischen Nebenländer (S. 274).
Im Bunde mit Venedig 1715–1718 glücklicher +Türkenkrieg+. Prinz Eugen
siegt 1716 bei +Peterwardein+, 1717 bei +Belgrad+. Der Besitz dieser
Stadt und eines Teils von Serbien samt der Kleinen Walachei und dem
Banat von Temesvar im Frieden zu +Passarowitz+ 1718 bestätigt. Venedig
behält Korfu und die eroberten Plätze in Dalmatien und Albanien,
verliert Morea (S. 304).
[1720.]
Ein Versuch Philipps V. von +Spanien+, die verlorenen Nebenländer
(S. 274) wiederzugewinnen, wird durch die 1718 geschlossene
+Quadrupelallianz+ (England, Frankreich, Österreich, Holland)
vereitelt. Der Herzog von Savoyen muß +Sicilien+ (S. 274) an
+Österreich+ überlassen, erhält dafür +Sardinien+ und nimmt den Titel
+König von Sardinien+ an.
Kaiser Karl VI., ohne männliche Nachkommen, setzt eine Erbfolgeordnung
fest unter dem Titel ~Pragmatische Sanktion~, welche 1. die
Unteilbarkeit der zur österreichischen Monarchie gehörigen Länder
anordnet, 2. dieselben in Ermangelung männlicher Nachkommen auf Karls
Töchter (die älteste ~Maria Theresia~) und deren Nachkommen nach dem
Erstgeburtsrecht vererbt, 3. im Fall des Aussterbens dieser Linie die
Töchter +Josephs I.+ (vermählt mit Friedrich August II. von Sachsen (in
Polen August III.) und Kurfürst Karl Albert von Bayern, S. 282) und
deren Nachkommen zu Erben einsetzt.
[1725.]
Bündnis zwischen +Österreich+ und +Spanien+ zum Schutz der
Pragmatischen Sanktion; Gegenbündnis (zu Herrenhausen bei Hannover)
zwischen +England+, +Frankreich+ und +Preußen+. Doch tritt Preußen
bald wieder auf die Seite Karls VI., der 1728 in dem Berliner Vertrag
verspricht, nach dem Aussterben des Pfalz-Neuburger Hauses Preußen zum
Besitz des Herzogtums Berg (S. 252) zu verhelfen. (In einem geheimen
Vertrage versprach Karl VI. 1739 die Erbnachfolge in Jülich und Berg
der Linie Pfalz-Sulzbach, aus der auch Karl Theodor 1743 das Erbe
antrat.) Auch England erkennt 1731 die Pragmatische Sanktion an.
[~1733–1735.~]
~Polnischer Thronfolgekrieg.~
Von Frankreich geleitet, wählt nach dem Tode Augusts II. von Sachsen
1733 die Mehrheit des polnischen Adels den König ~Stanislaus
Lesczinski~, welcher Schwiegervater +Ludwigs XV.+ geworden war, zum
zweiten Male (S. 277). +Rußland+ und +Österreich+ lassen von einer
Minderheit den Kurfürsten von Sachsen (Augusts II. Sohn) als ~August
III.~ wählen und halten die Wahl in Polen mit ihren Truppen aufrecht.
Dagegen treten +Frankreich+, +Spanien+ und +Sardinien+ für Stanislaus
mit den Waffen ein.
Hauptschauplatz des Krieges +Italien+, wo +Mailand+, +Neapel+ und
+Sicilien+ erobert werden, die Österreicher also alles bis auf +Mantua+
verlieren. Am +Oberrhein+ kämpft der alte +Prinz Eugen+ († 1736) ohne
Glück, nur Herzog +Franz Stephan+ von Lothringen, der spätere Gemahl
Maria Theresias, hält die Ehre der kaiserlichen Waffen aufrecht.
+Lothringen+ von den Franzosen besetzt. Friedenspräliminarien 1735 und
nach weiteren Unterhandlungen
[~1738.~]
~Friede zu Wien~: 1. +Stanislaus Lesczinski+ verzichtet zum zweiten
Mal auf den polnischen Thron, erhält als Entschädigung die Herzogtümer
~Lothringen~ und ~Bar~, welche ~nach seinem Tode Frankreich zufallen~
(Stanislaus † 1766). 2. Der Herzog von Lothringen +Franz Stephan+,
Gemahl der Maria Theresia, wird durch das Großherzogtum ~Toskana~
entschädigt, wo 1737 das Haus +Medici+ (S. 240) ausgestorben war. 3.
Österreich überläßt ~Neapel~ und ~Sicilien~ als eine +Sekundogenitur+
(so daß dieses Königreich nicht mit der Krone Spanien vereinigt werden
darf) an die spanische Linie des Hauses +Bourbon+; es erhält dafür
+Parma+ und +Piacenza+ (nach dem Aussterben der +Farnese+ (S. 239) 1731
durch Erbschaft an Spanien gekommen). 4. Frankreich garantiert die
Pragmatische Sanktion.
[1736–1739.]
Unglücklicher ~Türkenkrieg~ Österreichs (im Bunde mit Rußland, s. S.
295); ~Friede zu Belgrad~: +Orsowa+, +Belgrad+, +Serbien+ und die
Kleine +Walachei+ den Türken zurückgegeben (S. 278). Temesvar bleibt
bei Österreich.
[~1713–1740.~]
~Friedrich Wilhelm I., König von Preußen~, Sohn Friedrichs I. (S. 267)
erschließt durch gute Verwaltung und soldatische Zucht die natürlichen
Hilfsquellen des Landes und hebt dessen Ertragsfähigkeit (s. +Anhang+).
Bei nur 2½ Mill. Einwohnern hinterläßt er ein vorzügliches Heer von
83000 Mann (+Fürst Leopold von Anhalt-Dessau+) und einen Staatsschatz
von 10 Mill. Talern. +Seine Regierung bereitet die künftige Größe
Preußens vor.+
[~1740–1786.~]
~Friedrich II., der Große,~[50]
vereint die strenge Staatsordnung mit vielseitigen Kulturbestrebungen
(S. Anhang): »Der König ist der erste Diener seines Staates« (Schrift
+Anti-Macchiavell+). Kluge Fürsorge für sein Land und Heer, hohe
Feldherrnbegabung und politisches Talent wirken zusammen zu großen
Erfolgen.
[~1740.~ Okt.]
Mit dem Tode ~Karls VI. erlischt der Mannesstamm~ des Hauses
~Habsburg~. (Stammtafel S. 282). Die deutsche +Kaiser+würde bleibt
erledigt bis 1742.
[~1740–1780.~]
~Maria Theresia~, Königin von Böhmen und Ungarn, Erzherzogin von
Österreich, geb. 1717, vermählt 1736 mit +Franz Stephan+ aus dem Hause
~Lothringen~, seit 1738 Großherzog von Toskana (Mitregent).
[~1740–1748.~]
~Österreichischer Erbfolgekrieg.~ Auf das habsburgische Erbe erhebt
Anspruch Kurfürst +Karl Albert von Bayern+, der die Pragmatische
Sanktion nicht anerkannt hatte, als Nachkomme einer Tochter Kaiser
Ferdinands I. auf Grund eines Testaments von 1547. Er wird unterstützt
von +Frankreich+, welches auch Philipp V. von Spanien und Friedrich
August II. von Sachsen (Gemahl der ältesten Tochter Josephs I., S. 278,
282) veranlaßt, Ansprüche zu erheben.
Friedrich II. von Preußen erbietet sich, gegen Anerkennung seiner
Ansprüche auf Teile Schlesiens +für+ Österreich zu kämpfen; durch
die Zurückweisung seines Anerbietens entsteht noch vor Eröffnung der
Feindseligkeiten durch die übrigen Prätendenten der
[~1740–1742.~]
~Erste Schlesische Krieg.~
+Preußische Ansprüche+ auf Teile Schlesiens: 1. Das Fürstentum
+Jägerndorf+ war 1523 von der Ansbacher Linie des Hauses Hohenzollern
erworben, später (1596) mit Brandenburg vereinigt, aber Fürst +Johann
Georg+ wurde 1621 als Anhänger +Friedrichs V.+ von der Pfalz von
Kaiser Ferdinand II. in die Acht erklärt und vertrieben (S. 253 f.).
2. Mit dem Herzog von +Liegnitz+, +Brieg+ und +Wohlau+ hatte Kurfürst
+Joachim II.+ ~1537~ eine Erbverbrüderung geschlossen, der jedoch
Ferdinand I. als König von Böhmen und Oberlehnsherr widersprochen
hatte. Nach dem Aussterben des herzoglichen Hauses der Piasten 1675
setzte sich Österreich in den Besitz ihrer Länder. 1686 entsagte
Kurfürst +Friedrich Wilhelm+ den schlesischen Herzogtümern gegen
Abtretung des +Schwiebuser+ Kreises und Erteilung einer Anwartschaft
auf +Ostfriesland+. Der Schwiebuser Kreis ward aber Österreich in einem
+geheimen Vertrag mit dem Kurprinzen+ wieder zugesichert und von diesem
(als Kurfürst Friedrich III.) 1695 wieder zurückgegeben.
[1740. (Dez.)]
Friedrich besetzt einen großen Teil Schlesiens.
[~1741.~]
Einzug Friedrichs in +Breslau+ (3. Jan.), Erstürmung der Festung
+Glogau+ (9. März, Erbprinz Leopold von Dessau). Sieg bei ~Mollwitz~
(10. April, Feldmarschall +Schwerin+) über ein österreichisches Heer
unter Neipperg, welches aber ungehindert aus Schlesien abzieht. Bündnis
mit +Frankreich+ (5. Juni).
+Franzosen+ und +Bayern+ rücken in Österreich ein und besetzen
+Linz+ (15. Sept.); Maria Theresia ruft in +Preßburg+ die Hilfe des
ungarischen Adels an und läßt durch Neipperg zu +Klein-Schnellendorf+
einen Waffenstillstand mit Preußen schließen (9. Okt.), indem sie
Niederschlesien aufgibt. Die Franzosen, Bayern und Sachsen erobern
+Prag+ (16. Nov.); Karl Albert läßt sich als König von Böhmen huldigen,
wird bald darauf in Frankfurt als
[~1742–1745.~]
~Karl VII.~ zum deutschen Kaiser gewählt.
[~1742.~]
Die Österreicher rücken in +Bayern+, die Preußen in +Mähren+ ein.
Friedrichs Sieg bei ~Chotusitz und Czaslau~ (17. Mai) führt zu dem
~Frieden zu Breslau~: Österreich tritt an Preußen +Ober-+ und
+Niederschlesien+ und die +Grafschaft Glatz+ ab, es behält nur die
Fürstentümer +Teschen+, +Troppau+ und (zum Teil) +Jägerndorf+.
Österreich führt nun den Krieg gegen Frankreich und Bayern mit mehr
Glück; die Franzosen räumen +Prag+ (Dez. 1742), Karl VII. muß aus
München entfliehen (Juni 1743). Ein neues französisches Heer wird
von König Georg II. von England (1727–1760), der als Bundesgenosse
Österreichs die sog. +Pragmatische Armee+ (Engländer, Hannoveraner,
Hessen) heranführt, besiegt in der
[~1743.~]
~Schlacht bei Dettingen~ (am Main unweit Aschaffenburg). Kaiser Karl
VII. lebt als Flüchtling in Frankfurt.
Deutsche Linie des Hauses Habsburg.
Ferdinand I. (1556–1564).
__________________|________________________________________
Maximilian II. (1564–1576). Ferdinand v. Tirol. Karl von Steiermark.
__________________|____________________________ |
Rudolf II. Matthias Maximilian. Albrecht, Ferdinand II.
(1576–1612). (1612–1619). Statth. (1619–1637).
d. span. |
Niederlande, Ferdinand III.
1595–1621. (1637–1657).
|
Leopold I.
(1658–1705).
___________________________________________________|___________________
Maria Antonie, Joseph I. (1705–1711). Karl VI. (1711–1740).
Gem. Max Em. | |
v. Bayern. | |
| _______|________ |
Joseph Ferdinand, Maria Josepha, Maria Amalia, Maria Theresia
Kurpr. v. Bayern Gem. August III. Gem. Karl Albert (1740–1780).
(†1699). v. Sachsen-Polen, v. Bayern
(Kais. Karl VII.).
Haus Lothringen.
Franz I., Großhzg. v. Toskana 1738, deutscher Kaiser 1745–1765.
Gem. Maria Theresia, Tochter Karls VI, des letzten Habsburgers.
_______________________|_______________________
Joseph II., Leopold II., Ferdinand,
1765–1790. Großhzg. v. Toskana Gem. d. Erbin v.
seit 1765, deutscher Modena.
Kaiser 1790–1792. _______________________
__________________|_____________________________________________ |
Franz II (I.), Ferdinand, Karl, Joseph, Johann, Rainer, Ludwig, |
deutscher Kaiser Grhzg. v. †1847. †1847. Reichs- †1853. †1864. Franz IV.,
1792–1806, Toskana, | verweser Herzog v.
Kaiser v. †1824. Albrecht, 1848–1849, Modena.
Österreich | †1895. †1859. |
1804–1835. Leopold II., Grhzg. v. Toskana. Franz V. Ferdinand,
_______|_________________________________ | 1859 vertrieben,
Marie Luise, Ferdinand I., Franz Karl Ferdinand IV., †1875.
Gem. 1835–1848, †1875. Gem. Sophie letzter Grhz.
Napoleons I., v. Bayern. v. Toskana.
Hzgn. v. Parma, | †1908.
†1847. |
|
____________________________________|_________________________
Franz Joseph I., Ferdinand Karl Ludwig, †1896. Ludwig.
Gem. Elisabeth Maximilian, ___|______________________________
v. Bayern, Ks. v. Mexiko, Franz Ferdinand, Otto, †1906. Ferdinand.
†1898. †1867. (Thronfolger). |
____|___________________ Gem. Sophie, _____|__________
Gisela, Rudolf, Valerie, Hzgn. v. Karl Franz Maximilian
Gem. †1889. Gem. Franz Hohenberg. Joseph, Eugen Ludwig.
Leopold Salvator, präsumpt
von Bayern. Neffe Ferdinands IV. Thronerbe.
Gem. Zita v.
Bourbon-Parma.
Haus Hohenzollern.
~Friedrich Wilhelm der Große Kurfürst~ (1640–1688)
Gem. Luise Henriette von Oranien †1667.
~Friedrich III. (I.)~ 1688 (1701)–1713.
~Friedrich Wilhelm I.,~ 1713–1740.
___________|_____________________________
| | | |
Friedrich II., August Wilhelm, Heinrich, Ferdinand,
d. Große, †1758. †1802. †1813.
1740–1786. | ____|_______
| | |
~Friedrich Wilhelm II.~, Louis Ferdinand, August,
1786–1797. †1806. †1843.
_________________|_____________________________________________________
| | | | | |
~Friedrich Wilhelm III.,~ Ludwig, Wilhelmine, Auguste, Heinrich, Wilhelm,
1797–1840. †1796. Königin d. Kurfürstin †1846. †1851.
Gem. Luise v. Mecklenburg, Niederl. v. Hessen, |
†1810. †1837. †1841. _____________|__
| | | |
| Adalbert, Waldemar, Maria,
| †1873. †1849. †1889.
| Gem. Max. II.,
| K. v. Bayern.
_________|______________________________________________________...
| | | |
~Friedrich~ ~Wilhelm I.,~ Charlotte, Karl.
~Wilhelm IV.,~ 1861–1888, †1860, †1883.
1840–1861. 1871 ~deutsch.~ Gem. Nikolaus I., Gem. Maria
Gem. Elisabeth ~Kaiser,~ Ks. v. Russland. v. S.-Weimar.
v. Bayern. Gem. Augusta |
v. Sachs.-Weimar, |
†1890. |
_______________|_____ Friedrich Karl,
| | †1885.
~Friedrich III.,~ Luise, ___________|_______
†1888, Gem. Grhz. | |
als Kronprinz v. Baden, Luise Margarete, Friedr. Leopold,
Friedrich Wilhelm. †1907. Gem. Artur. Gem. Luise Sophie
Gem. Viktoria, Hz. v. Connaught. v. Holst-Augustenb.
Princess Royal
v. England,
†1901.
_______________________________________________________________________
~Wilhelm II.,~ Charlotte, Heinrich, Viktoria, Sophie, Margarete,
seit 1888. Gem. Erbprinz Gem. Irene Gem. Prinz Gem. Gem. Prinz
Gem. Auguste Viktoria v. Meiningen. v. Hessen, Adolf v. Kronprinz Karl v.
v. Holstein- _________| Schbg. v. Hessen.
Augustenburg. ______|_______ -Lippe. Griechenland.
| | |
| ~Waldemar.~ Sigismund.
___|___________________________________________________________________
| | | | | | |
Wilhelm, Eitel Adalbert. August Wilhelm. Oskar. Joachim. Viktoria
Gem. Cecilie Friedrich, Gem. Alexandra Luise.
V. Mecklenburg. Gem. Sophie v. Schl.-Holstein.
| Charlotte
| v. Oldenburg.
_____|___________________________________________
| | | |
Wilhelm. Louis Ferdinand. Hubertus Karl. Friedrich
~Friedrich Wilhelm III.,~
1797–1840.
Gem. Luise v. Mecklenburg,
†1810.
...__|_________________________________________
| | |
Alexandrine, Luise, Albrecht,
†1892. †1870. †1872.
Gem. Grh. Paul Gem. Friedrich, Gem. Marianne,
Friedr.v.Meckl. Prz. d. Niederl. Przin. d. Niederl.
|
Albrecht,
Regent v. Braunschw.
†1906.
|
Friedr. Heinr.
Joachim Albrecht.
Friedrich Wilhelm.
Gem. Agathe
v. Ratibor
u. Corvey.
Diese Erfolge Österreichs und dessen Verträge mit +Sardinien+ und
+Sachsen+ gegen Preußen machen den König Friedrich für seine neue
Erwerbung besorgt. Er schließt abermals ein Bündnis mit +Frankreich+
und +Karl VII.+ und beginnt, nachdem er (1744) +Ostfriesland+ nach dem
Aussterben des Fürstenhauses der Cirksena mit seinem Staate vereinigt
hat (S. 281), den
[~1744–1745.~]
~Zweiten Schlesischen Krieg.~
Mit 80 000 Mann »kaiserlicher Hilfstruppen« rückt der König durch
Sachsen in Böhmen ein, erobert +Prag+, wird aber bald darauf infolge
des Rückzuges der Franzosen, die ihn ohne Beistand lassen, nach
Schlesien zurückgedrängt (1744).
[~1745.~]
Nach Karls VII. Tode in München entsagt sein Sohn +Max Joseph+
(1745–1777) im ~Frieden zu Füßen~ allen Erbansprüchen auf Österreich
und verspricht dem Gemahl der Maria Theresia, +Franz Stephan+, seine
Stimme bei der Kaiserwahl.
Die Franzosen unter dem Marschall +Moritz von Sachsen+, einem Sohne
Augusts II. und der Gräfin Aurora Königsmark, dringen nach dem Siege
bei +Fontenoy+ in die +österreichischen Niederlande+ ein und erobern
Brüssel.
[~1745.~]
Friedrichs Siege bei ~Hohenfriedeberg~ (in Schlesien, 4. Juni, über
Herzog Karl von Lothringen, Bruder Franz Stephans) und bei ~Soor~ (im
nordöstl. Böhmen, 30. Sept.) beweisen aufs neue die Überlegenheit
der preußischen Waffen. Nach einem dritten Siege, den der alte
Feldmarschall +Leopold von Dessau+ († 1747) bei ~Kesselsdorf~ (unweit
Dresden, 15. Dez.) über die Sachsen davonträgt, folgt der
~Friede zu Dresden~: Bestätigung des Besitzes von +Schlesien+;
Friedrich erkennt den Gemahl Maria Theresias als Kaiser an.
[~1745–1765.~]
~Franz I.~ deutscher Kaiser ~(Haus Lothringen- Toskana~ 1745–1806).