der europäischen Höfe. Bauten, Luxus, Maitressen (+La Vallière+,
+Montespan+, +Fontange+). Nach dem Tode seiner Gemahlin +Maria
Theresia+ von Spanien († 1683) vermählt sich Ludwig insgeheim mit
+Françoise d’ Aubigné+, Witwe des Dichters +Scarron+, die er zur
Marquise von +Maintenon+ erhebt. Seitdem Frömmelei am Hofe. Die
Finanzen geraten nach Colberts Tode (1683) in Unordnung, zunehmende
Willkürherrschaft im Innern. Beginn des wirtschaftlichen Niedergangs.
§ 2. Deutschland.
[~1658–1705.~]
~Leopold I.~ (Sohn Ferdinands III.), mehr auf die Mehrung der
habsburgischen Hausmacht bedacht, als auf die Wiederaufrichtung des
geschwächten Deutschen Reiches. Unter den Reichsfürsten ragt ~Friedrich
Wilhelm~, der ~Große Kurfürst~ von ~Brandenburg~ (1640–1688) hervor
als Verteidiger der Selbständigkeit Deutschlands, während andere,
namentlich die drei geistlichen Kurfürsten zu gegenseitigem Schutze mit
Frankreich 1658 den +Rheinbund+ schließen (aufgelöst 1667).
Seit 1663 +dauernder+ ~Reichstag zu Regensburg~, von den Gesandten der
8 Kurfürsten, der 33 geistlichen, der 61 weltlichen Fürsten (dazu 2
Kurien der Prälaten, 4 Kurien der Reichsgrafen) und der 51 Reichsstädte
gebildet. Für Religionssachen getrennte Beratung, Corpus +Catholicorum+
und Corpus +Evangelicorum+. Neben dem Reichskammergericht in Wetzlar
(S. 224) gilt auch der +Reichshofrat+ zu +Wien+ als oberstes Gericht.
Kriegswesen und Finanzen in schlechtem Zustande, weil alles von der
Bewilligung der so zahlreichen Reichsstände abhängt. Doch kämpfen die
Reichstruppen tapfer mit in den von Österreich mit Nachdruck geführten
~Türkenkriegen~.
[1664.]
Sieg des kaiserlichen Feldherrn +Montecuccoli+ über die Türken bei +St.
Gotthard+ an der +Raab+. Darauf Friedensschluß; die größere Hälfte von
Ungarn bleibt unter türkischer Hoheit (vgl. S. 232). Eine Verschwörung
ungarischer Magnaten gegen die habsburgische Herrschaft wird 1670
entdeckt und bestraft; Aufstand unter Führung des Grafen +Tököly+ 1678;
dieser ruft die Türken zu Hilfe.
[~1683.~]
~Belagerung Wiens durch die Türken.~ Heldenmütige Verteidigung,
geleitet durch +Rüdiger von Starhemberg+. Glücklicher Entsatz durch
die +Schlacht am Kahlen Berge+; Sieg des vereinigten deutschen und
polnischen Heeres unter +Karl V. von Lothringen+ und dem Polenkönig
+Johann Sobieski+. 1684 Beitritt +Venedigs+ zum Kriegsbündnis gegen die
Türkei.
[1686.]
+Ofen+ erobert von kaiserlichen und brandenburgischen Truppen. Sieg
Karls von Lothringen bei +Mohacz+.
[1687.]
Der Reichstag zu Preßburg überträgt dem österreichischen Mannesstamm
die erbliche Thronfolge in Ungarn.
[1691.]
Sieg des Markgrafen +Ludwig von Baden+ bei +Slankamen+ unweit
Peterwardein, des Prinzen +Eugen von Savoyen+ bei +Zenta+ an der Theiß
1697.
[~1699.~]
~Friede zu Karlowitz~: +Ungarn+ und +Siebenbürgen+ kommen an
Österreich, türkisch bleibt nur das Gebiet von +Temesvar+. Morea kommt
an Venedig, Asow an Rußland.
~Standeserhöhungen deutscher Fürsten~ am Ende des 17. und am Anfang des
18. Jahrhunderts:
[1692.]
1. Herzog +Ernst August+ von Braunschweig-Lüneburg (Haus der +Welfen+,
s. S. 184) erhält als Kurfürst von ~Hannover~ die +neunte+ Kurwürde.
[1697.]
2. +Friedrich August I.+, Kurfürst von +Sachsen+, wird nach dem Tode
Johann Sobieskis zum ~König von Polen~ erwählt als +August II.+ (+der
Starke+).
3. Kurfürst +Friedrich III. von Brandenburg+ (1688 bis 1713), Sohn des
Großen Kurfürsten, nimmt
[~1701.~ 18. Jan.]
mit Zustimmung des Kaisers (S. 272) den Titel ~König in Preußen
(Friedrich I.)~ an und krönt sich in +Königsberg+.
Wiederherstellung des ~Geisteslebens in Deutschland~ nach der
Zerrüttung des Dreißigjährigen Krieges:
+Paul Gerhard+ († 1676), +Ph. J. Spener+ († 1705), +A.H. Franke+
(gründet 1698 das Waisenhaus in Halle). Der Philosoph, Mathematiker
und Geschichtsforscher +G.W. Leibniz+ (geb. 1646 zu Leipzig, 1676
in Hannover, 1700 in Berlin, † 1716 in Hannover). +Chr. Thomasius+
in Halle († 1728) hält zuerst deutsche Vorlesungen, bekämpft die
Hexenprozesse und die Anwendung der Folter.
§ 3. Der Norden und Osten.
~Schweden~, durch den Besitz bedeutender Nebenländer (S. 256, 260) fast
rund um die Ostsee ausgedehnt, ist seit dem Dreißigjährigen Kriege die
erste Macht des Nordens.
[1654–1718.]
Haus Pfalz-Zweibrücken (s. S. 250).
[~1655–1660.~]
~Schwedisch-Polnischer Krieg.~
~Karl X. Gustav~ (1654–1660) beginnt Krieg mit Polen, weil +Johann
Kasimir+ (aus der +katholischen+ Linie des Hauses +Wasa+) ihn ebenso
wenig anerkennen will, wie früher Sigismund III. Gustav Adolf (S. 250).
Er dringt von Pommern her in Polen ein, nimmt Warschau und Krakau;
Johann Kasimir flüchtet nach Schlesien. Kurfürst +Friedrich Wilhelm+
von Brandenburg sieht sich genötigt, im Vertrage zu +Königsberg+ 1656
sein Herzogtum Preußen von +Schweden+, wie bisher von +Polen+ (S. 229),
zu Lehen zu nehmen; dazu erhält er das Bistum +Ermeland+. In Polen
Aufstand gegen die Schweden. +Karl Gustav+ und +Friedrich Wilhelm+
gewinnen die dreitägige
[~1656~ (Juli).]
~Schlacht bei Warschau~ gegen die Polen.
Um sich die weitere Hilfe des Kurfürsten von Brandenburg zu sichern,
gesteht +Karl Gustav+ diesem in dem Vertrage zu +Labiau+ die
+Souveränität+ (lehnsfreie Herrschaft) über Ostpreußen und Ermeland
zu. Allein es erklären sich gegen Schweden: +Rußland+, +Dänemark+,
der +Kaiser Leopold I.+ und bald auch der +Kurfürst von Brandenburg+,
dem Polen im Vertrage zu +Wehlau+ 1657 ebenfalls die Souveränität
über Ostpreußen (ohne Ermeland) zusichert. Die Schweden werden bald
aus Polen zurückgedrängt, nur Polnisch-Preußen bleibt von ihnen
besetzt. Karl Gustav greift ~Dänemark~ an und erzwingt durch schnelles
Vordringen (Übergang über die gefrorenen +Belte+, Januar 1658) den
[~1658.~]
~Frieden zu Roeskild~: Dänemark tritt den südlichen Teil der
skandinavischen Halbinsel (+Schonen+, +Halland+, +Blekingen+), das
Stift +Dronthjem+ und die Insel +Bornholm+ an Schweden ab.
Noch in demselben Jahre zweiter Angriff Karl Gustavs, aber die
belagerte Hauptstadt +Kopenhagen+ verteidigt sich tapfer. Eine
holländische Flotte (die Holländer Handelsrivalen der Schweden)
kommt zu Hilfe; kaiserliche, polnische und brandenburgische Truppen
vertreiben die Schweden aus Holstein und Schleswig. Die Brandenburger
besetzen unter Führung des Kurfürsten die Insel +Alsen+. Karl X. hebt
die Belagerung von Kopenhagen auf, stirbt bald darauf zu Gotenburg. Ihm
folgt sein minderjähriger Sohn Karl XI. (1660–1697).
[~1660.~]
~Friede zu Olīva~ (Kloster bei Danzig).
Johann Kasimir entsagt allen Ansprüchen auf den schwedischen Thron,
sowie auf +Livland+ und +Estland+; der Herzog von +Kurland+ wird als
polnischer Vasall wieder eingesetzt. Die ~Souveränität Preußens~ wird
von +Schweden+ und +Polen+ bestätigt.
Gleich darauf ~Friede zu Kopenhagen~ mit Dänemark; der Roeskilder
Frieden bestätigt, aber Dronthjem und Bornholm an Dänemark
zurückgegeben.
In ~Dänemark~ wird gleich nach dem Frieden von dem der Adelsherrschaft
überdrüssigen +dritten+ Stande (Bürger) und der +Geistlichkeit+ dem
Könige Friedrich III. (1648–1670) eine ganz unumschränkte Gewalt
übertragen. Im Anschluß daran erklärt das +Königsgesetz+ 1665 Dänemark
für ein Erbreich in männlicher und weiblicher Linie; es gilt aber nicht
für die Herzogtümer Schleswig-Holstein, welche auch ihren eigenen
Landtag behalten. Das Herzogtum +Oldenburg+ 1667 nach dem Aussterben
der dort regierenden Linie (S. 216) mit Dänemark vereinigt.
Auch in ~Schweden~ übertragen die Stände, der übermäßigen Gewalt des
Reichsrats müde, 1682 dem großjährig gewordenen Könige Karl XI. eine
fast unumschränkte Gewalt.
In ~Polen~ dagegen ist seit der Einführung der Wahlmonarchie 1572
(S. 250) die königliche Macht zum Schatten herabgesunken, der Staat
ist tatsächlich eine +Adelsrepublik+. Der aus dem +Senat+ (Bischöfe,
Woiwoden, Kastellane) und den gewählten +Landboten+ (Abgeordnete des
Adels) bestehende Reichstag übt alle Gewalt aus. Das +liberum veto+,
d. h. das Recht +jedes+ einzelnen Mitgliedes, einen Reichstagsbeschluß
durch seinen Einspruch ungültig zu machen, führt zu Bestechung,
Gewalttat und schließlich fast zur Anarchie; nur selten kommt ein
Beschluß zustande.
Nach +Johann Kasimirs+, des letzten der 3 katholischen Wasas Abdankung
blutige Thronstreitigkeiten; dann regiert +Johann Sobieski+ 1674–1696,
der den kriegerischen Adel durch Feldzüge gegen die Türken (vgl. S.
266) an sich fesselt. Ihm folgt +August II.+ von Sachsen 1697–1733;
Friede mit den Türken zu +Karlowitz+.
~Rußland~ unter dem Hause ~Romānow~ (1613–1762) wachsend an Macht und
Ansehen. +Michael Romānow+ (1613 bis 1645) kämpft zwar unglücklich
gegen Polen, ordnet aber die innere Verwaltung. Sein Sohn +Alexei+
(1645–1676) gewinnt die Länder am Dnjepr (Smolensk und Kiew) von Polen
zurück, unterwirft Sibirien bis zum äußersten Osten und das Amurland
(S. 250) und fängt an, europäische Kultur in Rußland zu verbreiten.
Nach dem Tode seines ältesten Sohnes +Feodor+ (1682) werden von den
+Strelitzen+, der adligen Leibwache des Zaren, dessen beide Brüder
+Iwan+ und ~Peter~ unter Vormundschaft ihrer älteren Schwester
+Sophia+ zu Zaren ausgerufen. Peter in +Preobraschensk+ (bei Moskau)
mit militärischen Übungen beschäftigt; aus seinen Spielgefährten
(Poteschnie) wird später die Garde des Heeres gebildet. Sophia, die ihn
vom Thron ausschließen will, wird 1689 in ein Kloster geschickt.
[~1689–1725.~]
~Peter der Große~, regiert als Alleinherrscher, da der geistesschwache
Bruder Iwan bis zu seinem Tode (1696) ohne jede Macht bleibt. Er ist
der Gründer des russischen Staates.
Peter beginnt seine Reformen mit Hilfe des Schotten +Gordon+ und des
Genfers +Lefort+. +Asow+ erobert 1696 (S. 266). Grausame Bestrafung
eines Aufruhrs der +Strelitzen+. Darauf +Reise+ des Zaren durch
Deutschland über Königsberg und Berlin nach Holland, wo er in
+Zaandam+ als Schiffszimmermann arbeitet, dann nach England. Anwerbung
ausländischer Handwerker, Künstler, Offiziere. Fortsetzung der Reise
über Dresden nach Wien; im Begriff nach Venedig abzureisen, wird der
Zar durch die Nachricht von einem abermaligen Aufruhr der Strelitzen
zurückgerufen. Blutiges Strafgericht; das ganze Korps wird aufgelöst,
das Heer nach europäischer Weise gebildet.
Nach Leforts Tode 1699 +Menschikow+ Günstling und Minister des Zaren,
bemüht um weitere Einführung der westeuropäischen Kultur in Rußland,
doch auch habsüchtig und bestechlich. Peters Entschluß zu dem Kriege
gegen Schweden (S. 274) wird entscheidend für Rußlands weiteren
Aufschwung.
§ 4. England.
[~1649–1660.~]
~England Republik~ (+Commonwealth+).
~Cromwell~ (s. S. 249) unterwirft nach blutigem Kampfe die über die
Hinrichtung des zum Katholizismus hinneigenden Königs Karl erbitterten
Iren, dann durch die Siege bei +Dunbar+ (1650) und bei +Worcester+
(spr. u+͡__ustĕr, 1651) das aufständische Schottland (S. 249), von wo
er des hingerichteten Königs Sohn, +Karl II.+, vertreibt. In England
löst Cromwell das Rumpf-Parlament und das von ihm selbst berufene, aus
eifrigen Independenten bestehende +Barebone+-Parlament auf. Durch das
Heer wird
[1653–1658.]
~Cromwell Lord-Protektor~ der drei Reiche (England, Schottland,
Irland). Seine Regierung hält die Ordnung im Innern aufrecht und macht
England zur ersten protestantischen Macht in Europa.
[1651.]
~Navigationsakte~, welche den Fremden auf ihren eigenen Schiffen
nur die Einfuhr eigener Erzeugnisse erlaubt und namentlich den
+holländischen+ Zwischenhandel schwer trifft, da die Erzeugnisse der
englischen Kolonien nur auf englischen Schiffen nach England gebracht
werden dürfen. Daher Krieg mit +Holland+ (1652–1654), aus welchem die
Engländer als Sieger hervorgehen. England seitdem die erste Seemacht;
Holland tritt mehr zurück (S. 244). Im Kriege mit +Spanien+ (1655–1658)
Eroberung +Jamaikas+ und Einnahme von +Dünkirchen+.
Nach +Oliver Cromwells+ Tode folgt ihm als Protektor sein ihm
unähnlicher Sohn +Richard Cromwell+, der schon nach 8 Monaten abdankt.
Zwistigkeiten unter den Befehlshabern des Heeres führen zur
[~1660.~]
~Herstellung des Königtums.~ General +Monk+ versammelt ein neues
Parlament (Oberhaus und Unterhaus, S. 249), welches auf den Thron ruft
Karls I. Sohn, den gewissenlosen, verschwenderischen und ausschweifenden
[~1660–1685.~]
~Karl II.~ Herstellung der Episkopalkirche; von der +Amnestie+
werden diejenigen ausgenommen, welche Karl I. zum Tode verurteilt
hatten. Cromwells Leiche an den Galgen gehängt. 1662 +Dünkirchen+ an
Frankreich verkauft; 1664–1667 abermaliger +Seekrieg mit Holland+; 1664
New-York (1612 von den Holländern als Neu-Amsterdam gegründet) von den
Engländern besetzt. 1666 Pest und große Feuersbrunst in London. 1667
dringt Admiral Ruyter (1607–1676) in die Themse ein.
Der Minister +Clarendon+ 1667 verbannt; das +Cabal+-Ministerium
(~C~lifford, ~A~rlington, ~B~uckingham, ~A~shley, ~L~auderdale)
bewegt den König, für französische Jahrgelder aufs neue +Krieg gegen
Holland+ (1672–74, s. S. 262) zu führen und zu Gunsten der Katholiken
die +Indulgenzerklärung+ zu erlassen. Allgemeine Entrüstung; das
Parlament setzt 1673 die ~Testakte~ durch, welche jeden Engländer,
der ein Amt bekleiden will, zur Anerkennung der Oberhoheit des Königs
über die englische Kirche und zu einer Erklärung gegen die katholische
Abendmahlslehre zwingt. Der katholische Bruder des Königs, +Jakob,
Herzog von York+, legt sein Amt als Großadmiral nieder. 1674 das
Cabal-Ministerium gestürzt, Friede mit Holland.
Neue Streitigkeiten mit dem Parlament, in welchem sich das Verlangen
erhebt, den +Herzog von York+ als »Papisten« von der Thronfolge
auszuschließen. Unter dem Ministerium +Shaftesbury+ wird 1679 die
~Habeascorpusakte~ (Schutz gegen willkürliche Verhaftung) durchgesetzt.
Entstehung der Parteinamen ~Whigs~ (Liberale) und ~Tories~
(Konservative), ursprünglich Spottnamen, der erstere ein +schottischer+
für Anhänger des Covenants (S. 248), der zweite ein +irischer+ für
Anhänger des +Papismus+.
Die +Ausschließungsbill+ wird im Unterhause von den Whigs durchgesetzt,
im Oberhause verworfen. Die Entdeckung einer Verschwörung gegen den
König hat strenge Maßregeln gegen die Whigs zur Folge; Lord +Will.
Russell+ und +Algernon Sidney+ hingerichtet, der Herzog von +Monmouth+
(natürlicher Sohn des Königs) flüchtet nach Holland. Karl II. stirbt
1685, nachdem er auf dem Totenbette Katholik geworden ist.
[~1685–1688.~]
~Jakob II.,~ Bruder Karls II., bei der überlieferten Politik seines
Hauses verharrend, sucht die +unumschränkte+ Königsgewalt und den
Katholizismus in England wieder herzustellen. +Monmouth+ landet in
England, wird bei +Sedgemoor+ geschlagen, gefangen und hingerichtet
(1685). Blutige Assisen (Gerichtssitzungen), geleitet von dem grausamen
und habsüchtigen Oberrichter +Jeffreys+.
Anstellung von Katholiken unter Erlassung des durch die Testakte
verlangten Eides. Dann Aufhebung der Testakte; Religionsfreiheit
verkündet. Sieben anglikanische Bischöfe weigern sich, die
Indulgenzerklärung zu verkündigen. Prozeß und Freisprechung der
Bischöfe. Durch die Geburt eines katholischen +Prinzen von Wales+ (von
Jakobs +zweiter+ Gemahlin Maria d’Este, Prinzessin von Modena) wird die
Aussicht auf protestantische Thronfolge vereitelt; die beiden Töchter
Jakobs aus erster Ehe, +Maria+ und +Anna+, waren protestantisch.
+Whigs+ und +Tories+ wenden sich an +Wilhelm von Oranien,+ Gemahl der
+Maria,+ und durch seine Mutter Enkel Karls I. (vgl. die Stammtafel S.
299).
[1688. 5. Nov.]
Landung Wilhelms, der von Friedrich III. von Brandenburg und andern
norddeutschen Fürsten unterstützt wird, in +Torbay+; das Heer und die
ganze Nation fallen ihm zu, Jakob entflieht nach Frankreich.
[~1689–1702.~]
~Wilhelm III.~ (und ~Maria~ bis 1694), durch Parlamentsakte auf
den Thron erhoben. Personalunion zwischen England und Holland. Die
Regierung führt Wilhelm III. allein. Das ~Gesetz der Rechte~ (+Bill of
rights+ 1689) sichert die verfassungsmäßigen Freiheiten der Nation.
Aufstand der katholischen Iren für Jakob, der daselbst landet und fast
ein Jahr herrscht. Wilhelm schlägt ihn 1690 am +Boynefluß+. Teilnahme
am Kriege gegen Ludwig XIV., s. S. 264; Englands Seemacht gesichert.
1701 Ordnung der Thronfolge: die katholischen Stuarts ausgeschlossen,
erbberechtigt ist das protestantische Haus +Hannover+ (S. 299).
Aufschwung der Literatur und Wissenschaft: Die Dichter +Milton+ (†
1674) und +Dryden+ († 1700); der Theosoph +Bunyan+ († 1688); die
Philosophen +Hobbes+ († 1679) und +Locke+ († 1704), der Naturforscher
+Newton+ († 1722).
[~1701–1714.~]
§ 5. Der spanische Erbfolgekrieg.
~Philipp III.,~ König von Spanien, †1621.
_________|_________________________________________
~Anna,~ ~Philipp IV.,~ †1665. ~Maria Anna,~
Gem. Ludwig XIII. | Gem. Ferdinand III.
| ______|_____________ |
~Ludwig XIV.~ Maria ~Karl II.,~ Marg. ~Leopold I.,~
| Theresia. †1700. Theresia. †1705.
|___________| |_________|
| |
| |
~Ludwig, Dauphin~, †1711. ~Maria Antonie,~
| Gem. Max Emanuel v. Bayern.
| |
~Philipp von Anjou,~ ~Joseph Ferdinand,~
als K. v. Spanien ~Philipp V.,~ †1699,
†1746. Kurprinz v. Bayern.
Kaiser Leopold I. hatte außer seiner Tochter Maria Antonie zwei +Söhne+
aus dritter Ehe, +Joseph I.+ (Kaiser 1705–1711) und +Karl VI.+ (Kaiser
1711–1740). Er nimmt als Vertreter der deutschen Linie des Hauses
Habsburg das spanische Erbe für den zweiten Sohn in Anspruch. Ludwig
XIV. dagegen fordert es für seinen zweiten Enkel +Philipp von Anjou.+
Wilhelm III. an der Spitze der +Seemächte+ (England und Holland)
schließt mit Ludwig XIV. 1698 einen +Teilungsvertrag+: Haupterbe
soll der Kurprinz Joseph Ferdinand von Bayern sein, Frankreich und
Österreich die Nebenländer erhalten. Dagegen setzt Karl II. den
Kurprinzen durch Testament zum Erben der +gesamten+ Monarchie ein.
Nach dessen plötzlichem Tode 1699 neue Unterhandlungen; endlich
unterzeichnet Karl II. ein Testament, welches +Philipp von Anjou+ zum
Erben einsetzt. ~Große Allianz~ der +Seemächte+ (1701) mit Kaiser
+Leopold+, zunächst um dem Hause Österreich die spanischen Besitzungen
in den +Niederlanden+ und in +Italien+ zu verschaffen. Auf Frankreichs
Seite stehen die Herzöge von +Savoyen+ und +Mantua+, die Kurfürsten von
+Bayern+ und +Köln+ (zwei Brüder); die übrigen deutschen Reichsstände
und +Preußen+ (Friedrich III. von Brandenburg durch den »Krontraktat«
die Annahme der Königswürde gestattet) sind mit dem Kaiser verbündet.
+Portugal+ tritt der großen Allianz bei, endlich auch +Savoyen+ (1703).
Vier Kriegsschauplätze: +Spanien+, +Italien+, +Niederlande+,
+Deutschland+.
Philipp von Anjou wird in Spanien als König ~Philipp V.~ anerkannt.
Seine Hauptstütze ist +Kastilien+.
[1701.]
Prinz ~Eugen von Savoyen~ (1663–1736) als Feldherr Kaiser Leopolds
eröffnet den Krieg siegreich in Oberitalien, wird aber 1702 vom Herzog
von Vendôme in seinem Vordringen gehemmt.
[1703.]
Die Bayern fallen als Verbündete Frankreichs in +Tirol+ ein, werden
aber zurückgetrieben. Der englische Feldherr ~Marlborough~ dringt in
den Niederlanden vor.
[1704.]
Erzherzog Karl landet in Portugal, die Engländer erobern ~Gibraltar~.
Prinz +Eugen+ und +Marlborough+ vereinigen sich an der Donau und siegen
(unweit Donauwörth) über die Franzosen und Bayern in der
[~1704.~]
~Schlacht bei Höchstädt und Blindheim~. Bayern von den kaiserlichen
Truppen besetzt.
[1706.]
Erzherzog Karl gewinnt auf kurze Zeit +Madrid+; Marlborough siegt bei
~Ramillies~ (nördlich von Namur), Prinz Eugen bei ~Turin~ mit Hilfe der
+Preußen+ unter +Leopold von Dessau+. Die Franzosen werden aus Italien
verdrängt, +Mantua+ (s. S. 239) von Österreich in Besitz genommen, dann
auch +Neapel+ (S. 241).
[~1708.~]
Sieg Marlboroughs und Prinz Eugens bei ~Oudenarde~; +Lille+ belagert
und genommen. Strenger Winter in Frankreich.
+Friedensverhandlungen+. Die Verbündeten fordern Herausgabe
der spanischen Monarchie an Erzherzog Karl von Österreich, der
niederländischen Grenzfestungen an die Holländer, für das Deutsche
Reich Wiederherstellung des im +Westfälischen Frieden+ festgesetzten
Besitzstandes. Dies alles wird +von Ludwig XIV. bewilligt+. Aber die
Forderung, daß er seinen Enkel Philipp mit +französischen Waffen+ aus
Spanien vertreiben soll, bewirkt den Abbruch der Verhandlungen.
Fortgang des Krieges. Die Franzosen aufs neue gedemütigt durch den
[~1709.~]
Sieg Prinz Eugens und Marlboroughs bei ~Malplaquet~. Neue
Friedensanträge Ludwigs, der sogar Hilfsgelder gegen seinen Enkel
zahlen will, während die Verbündeten verlangen, daß er ihn durch seine
+Heere+ vertreiben soll.
Der Fall des +Whigministeriums+ in England (1710) und der Tod
Kaiser ~Josephs I.~ (1711) ändern alle Verhältnisse zu Gunsten
Ludwigs XIV. Marlborough abberufen; Erzherzog Karl verläßt Spanien,
um die österreichischen Erblande zu übernehmen. England beginnt
Friedensverhandlungen (S. 299).
[1712.]
Kongreß zu Utrecht. Der französische Feldherr Villars siegt bei
+Denain+ (an der Schelde) über einen Teil von Prinz Eugens Heer.
[~1713.~]
~Friede zu Utrecht~ (ohne Beteiligung Kaiser Karls VI.):
1. ~Philipp V.~, Enkel Ludwigs XIV., wird als König von +Spanien+
anerkannt. Die meisten +Nebenländer+ (Niederlande, Mailand, Neapel,
Sardinien) sollen ~Karl VI.~ zufallen, Sicilien als Königreich dem
Herzog von +Savoyen+.
2. ~England~ erhält von Frankreich +Neufundland+, +Neuschottland+
(Akadien) und die +Hudsonsbailänder+, von Spanien +Gibraltar+ und
+Menorka+. Anerkennung der protestantischen Thronfolge versprochen (S.
284).
3. ~Holland~ erhält das Besatzungsrecht in einigen Grenzfestungen der
bisher spanischen Niederlande, +Lille+ wird an Frankreich zurückgegeben.
4. ~Preußen~ erlangt Anerkennung des Königstitels und des Besitzes von
+Neuchâtel+ und Valengin (aus der oranischen Erbschaft nach Wilhelms
III. Tode 1702, vgl. die Stammtafel S. 244), dazu +Obergeldern+ (an der
Maas). Es überläßt an Frankreich seine Ansprüche auf das Fürstentum
+Oranien+ oder +Orange+ (an der Rhone, S. 242 Anm.).
Karl VI. verweigert seine Zustimmung, der Krieg wird am Rhein
weitergeführt. Villars erobert Landau und Freiburg. Darauf
[~1714.~]
~Friede zu Rastatt und Baden~ (im Aargau, Schweiz). Karl VI. nimmt die
ihm bestimmten Länder an. Österreich gewinnt damit nach der Erwerbung
Ungarns unter Leopold I. (S. 266) unter dessen Sohn Karl VI. auch noch
die Niederlande und die Herrschaft in Italien. Für das +Deutsche Reich+
wird nur der Friede von Ryswyk bestätigt; +Landau+ bleibt französisch.
Die in die Reichsacht erklärten Kurfürsten von +Bayern+ und +Köln+
werden in ihre Würden und Länder wieder eingesetzt.
[~1700–1721.~]
§ 6. Der Nordische Krieg.
~Peter der Große~ (S. 269) will Rußland zur +Seemacht+ erheben und
Schwedens Herrschaft über die Ostsee (S. 256) brechen. Er schließt
unter Vermittelung des livländischen Edelmanns +Patkul+ ein Bündnis
mit +August dem Starken+ (S. 266), welcher Livland wieder für Polen
beansprucht (S. 249, 268). Friedrich IV. von +Dänemark+ schließt
sich an, um das Haus Holstein-Gottorp (jüngere Linie des dänischen
Königshauses) aus dem Mitbesitz von Schleswig-Holstein zu verdrängen.