Nach der Eroberung der Inseln +Usedom+, +Wollin+ und +Rügen+ besetzt

Gustav Adolf +Stettin+, schließt ein Bündnis mit Herzog Bogislaw XIV.,

vertreibt die kaiserlichen Truppen aus Pommern. Subsidienvertrag mit

Frankreich (+Richelieu+). Er rückt an der Oder vor, wo ihm Tilly

entgegentritt (1631), wendet sich nach Mecklenburg, dann zur Oder

zurück, nimmt die Stadt Frankfurt ein. Inzwischen hat Tilly +Magdeburg+

zu belagern begonnen. Gustav Adolf unterhandelt mit seinem Schwager

+Georg Wilhelm+, Kurfürsten von +Brandenburg+, der Bedenken trägt, vom

Kaiser abzufallen; endlich wird ihm die Festung +Spandau+ eingeräumt.

Weitere Unterhandlungen mit Kurfürst Johann Georg von +Sachsen+, der

neutral zu bleiben versucht. Währenddessen

[~1631.~]

(10./20. Mai.) Eroberung ~Magdeburgs~ durch Tilly. Der Sturm geleitet

von +Pappenheim+. Furchtbares Blutbad und Plünderung durch die

zügellosen Soldaten Tillys. Durch eine plötzlich an verschiedenen

Stellen ausbrechende Feuersbrunst wird die Stadt Magdeburg mit Ausnahme

des Domes in Asche gelegt (+nicht+ auf Tillys Befehl).

Tilly will den Kurfürsten von Sachsen zum Anschluß an den Kaiser

zwingen. Johann Georg ruft Schwedens Hilfe an.

[~1631.~ 7. / 17.Sept.]

~Schlacht bei Leipzig~ oder ~Breitenfeld~. Zuerst werden die Sachsen

von Tilly in die Flucht geschlagen, dann glänzender Sieg Gustav Adolfs.

Die Sachsen unter +Arnim+, dem früheren Unterfeldherrn Wallensteins,

rücken in +Böhmen+ ein und nehmen +Prag+. Gustav Adolf zieht durch

+Thüringen+ und +Franken+ nach dem Rhein (über Erfurt, Würzburg, Hanau,

Frankfurt). Die Pfalz erobert. ~Mainz~ besetzt, hier Winterquartiere.

+Wallenstein+, vom Kaiser wieder zum Kommando und unbeschränkten

Oberbefehl über alle kaiserlichen Truppen berufen, wirbt ein neues Heer

und vertreibt (Mai 1632) die Sachsen aus Böhmen. Gustav Adolf zieht

nach +Nürnberg+ und siegt über Tilly bei +Rain+ am Lech (5./15. April).

Tilly, tödlich verwundet, stirbt in Ingolstadt.

Gustav Adolf nimmt +Augsburg+ ein, belagert vergeblich Maximilian in

Ingolstadt, zwingt ~München~ zur Übergabe. Wallenstein von Maximilian

zu Hilfe gerufen.

[~1632.~ Juli–Sept.]

~Festes Lager bei Nürnberg.~ Gustav Adolf und Wallenstein lagern

einander 7 Wochen gegenüber. Ein Angriff der Schweden auf Wallensteins

Verschanzungen wird blutig zurückgeschlagen. Darauf rückt Gustav

Adolf gegen die Donau, Wallenstein nach Sachsen. Auf den Hilferuf des

Kurfürsten kommt Gustav Adolf in Eilmärschen herbei, vereinigt sich

mit +Bernhard von Weimar+ und greift, als er hört, daß Wallenstein von

Leipzig aus Pappenheim nach Nordwesten abgesandt hat, die Kaiserlichen

(etwa 18000 gegen 20000 Schweden) an.

[6./16. Nov.]

~Schlacht bei Lützen.~ ~Gustav Adolf fällt.~ +Pappenheim+, der,

schnell zurückgerufen, von 3 Uhr ab mit seinen Reitern an der Schlacht

teilgenommen hatte, war kurz vor dem König tödlich verwundet worden.

Der Sieg der Schweden wird durch Bernhard von Weimar vollendet.

+Bernhard+, +Gustav Horn+ und +Banér+ erhalten den Befehl über die

schwedischen Heere. Die politische Leitung übernimmt der schwedische

Reichskanzler ~Axel Oxenstierna~; er schließt den +Heilbronner Bund+:

Schweden an der Spitze der 4 oberdeutschen Reichskreise (Baden,

Württemberg, Hessen-Kassel, die süddeutschen Reichsstädte).

[~1633.~]

Zug +Bernhards’ von Weimar+ nach Franken. Er läßt sich von dem

schwedischen Kanzler mit den Bistümern Würzburg und Bamberg als

+Herzogtum+ ~Franken~ belehnen und besetzt die Oberpfalz.

Wallenstein rückt aus Böhmen nach +Schlesien+ vor, nimmt bei +Steinau+

an der Oder ein schwedisches Korps gefangen, kehrt dann aber nach

Böhmen zurück und weigert sich, dem Kurfürsten Maximilian von Bayern

abermals zu Hilfe zu kommen, obgleich +Regensburg+ (14. Nov.) von

Bernhard von Weimar besetzt ist. Spannung zwischen +Wallenstein+

und dem kaiserlichen Hofe. Die ihm feindliche ligistisch-spanische

Partei will ihn vom Oberbefehl entfernen. Wallenstein führt geheime

Unterhandlungen mit den Sachsen, Schweden und Franzosen. Er

beabsichtigt, sich durch sein Heer (Revers der Obersten in +Pilsen+)

eine +unabhängige Stellung+ zu verschaffen, den Kaiser von der

Herrschaft der spanischen Partei zu befreien und den Reichsfrieden

herzustellen.

Der Wiener Hof macht ihm die Hauptführer der Truppen (Gallas,

Piccolomini, Aldringen, Maradas, Colloredo) abwendig; Ilow, Terzka,

Kinsky bleiben Wallenstein treu. Ein kaiserliches Patent vom 18.

Februar 1634 erklärt Wallenstein für abgesetzt, weil »er eine

Konspiration anzuspinnen sich angemaßt, Uns und Unser hochlöbliches

Haus von unserem Erbkönigreich, Land und Leuten zu vertreiben«.

Wallenstein verläßt Pilsen und zieht nach +Eger+, wohin auch Bernhard

von Weimar und Arnim kommen sollen.

[~1634.~ 25. Febr.]

~Wallenstein ermordet zu Eger~ auf Veranstaltung des irischen Obersten

+Butler+, der mit Gallas und Piccolomini im Einverständnis war. Der

Kaiser hat den Mord nicht befohlen, aber die Mörder mit Ehren und

Reichtümern belohnt.

[6./16. Sept.]

Schlacht bei ~Nördlingen~, Sieg der mit einem spanischen Hilfskorps

vereinigten Kaiserlichen (unter +Ferdinand+, des Kaisers Sohn, und

+Gallas+) und Bayern (+Johann von Werth+) über die Schweden unter Horn

und Bernhard von Weimar. Die süddeutschen Protestanten suchen Hilfe bei

Frankreich.

[~1635.~]

~Friede zu Prag~, zwischen dem Kaiser und dem Kurfürsten von Sachsen:

1. Der Kurfürst von Sachsen erhält die +Lausitz+ erblich, das Erzbistum

Magdeburg für seinen zweiten Sohn +August+ auf Lebenszeit. 2. Die

+geistlichen Güter+ (s. S. 255) sollen den protestantischen Besitzern

auf 40 Jahre verbleiben. 3. Gemeinsame Bekämpfung der Schweden und

ihrer Bundesgenossen. -- +Brandenburg+ und andere protestantische

Reichsstände treten diesem Frieden bei; einige aber bleiben dem Bündnis

mit Schweden treu.

~4. Schwedisch-französischer Krieg 1635–1648.~

Frankreich, durch +Richelieus+ Politik mit Schweden eng verbündet (S.

256), erklärt dem Kaiser, bald auch dem König von Spanien den Krieg.

Subsidienvertrag mit +Bernhard von Weimar+, welcher sich, da er infolge

der Schlacht bei Nördlingen sein Herzogtum Franken verloren hat, im

+Elsaß+ einen neuen Staat zu erobern sucht. Einnahme von +Breisach+

1638. Nach seinem Tode 1639 bemächtigt sich Frankreich seines Heeres

und seiner Eroberungen.

[~1636.~]

Sieg der Schweden (nachdem sie fast bis an die Ostsee

zurückgedrängt gewesen waren) unter Banér bei ~Wittstock~ über das

kaiserlich-sächsische Heer.

[1637.]

Kaiser Ferdinand II. †. Sein Sohn

[~1037–1657.~]

~Ferdinand III.~, zum Frieden geneigt. Das +pommersche+ Herzoghaus

erlischt (1637).

[1640.]

Georg Wilhelm †. ~Friedrich Wilhelm~, Kurfürst von Brandenburg (der

~Große Kurfürst~, 1640–1688. S. auch Anhang):

[1641.]

Friedensverhandlungen in +Hamburg+, ein Kongreß verabredet.

[~1642.~]

~Zweite~ Schlacht bei ~Leipzig~ (Breitenfeld), Banérs Nachfolger

~Torstenson~ siegt über die Kaiserlichen unter Erzherzog +Leopold

Wilhelm+ und +Piccolomini+, dringt darauf durch Böhmen nach Mähren

vor. Die feindliche Haltung des auf Schwedens Erfolge eifersüchtigen

Dänenkönigs Christian IV. (S. 255) veranlaßt ihn zur Umkehr.

[1643. Sept.]

Torstenson zieht in Eilmärschen durch Schlesien, Sachsen, Braunschweig

nach dem Norden, erobert Holstein und Schleswig, rückt in Jütland ein.

Unterdessen dringen die Franzosen in Schwaben vor, werden aber bei

+Tuttlingen+ von einem österreichisch-bayrischen Heere (unter +Mercy+

und +Johann von Werth+) geschlagen.

[1644.]

Die Gesandten der Krieg führenden Staaten versammeln sich in +Münster+

und +Osnabrück+; langwierige Vorverhandlungen. Der Marschall ~Turenne~

und der 23jährige Herzog von +Enghien+, später Prinz ~Condé~, erhalten

den Oberbefehl über die französischen Truppen. Sie zwingen die Bayern

zum Rückzug und erobern einen großen Teil der Rheinlande (Worms, Mainz,

Bingen u. a. Städte).

[~1645.~ Jan.]

Ein den Dänen zu Hilfe gesandtes kaiserliches Heer unter +Gallas+ wird

von +Torstenson+ aus Holstein zurückgetrieben und bei Magdeburg fast

vernichtet. Glänzender Sieg +Torstensons+ über die Kaiserlichen

[März.]

bei ~Jankau~ (in Böhmen), worauf er, mit dem siebenbürgischen Fürsten

+Rakoczy+ verbündet, Mähren erobert und bis nahe vor Wien rückt.

+Turenne+, von +Mercy+ und +Johann von Werth+ bei +Mergentheim+ (in

Franken) geschlagen, siegt mit Condé vereinigt bei +Allerheim+ (unweit

Nördlingen).

Friede zwischen +Schweden+ und +Dänemark+ zu +Brömsebro+ (s. S. 250).

Nach dem Mißlingen der Belagerung von Brünn geht +Torstenson+ nach

Böhmen zurück und legt wegen Krankheit den Oberbefehl nieder, welchen

+Wrangel+ erhält.

[1646.]

Schweden und Franzosen rücken in +Bayern+ ein, zwingen den Kurfürsten

Maximilian (1647), einen Waffenstillstand zu schließen.

[1648.]

Zweiter Einfall der Schweden und Franzosen in +Bayern+, nachdem

Maximilian den Waffenstillstand gekündigt hat; furchtbare Verheerung

des Landes. Der schwedische General +Königsmark+ nimmt die

+Kleinseite+ von +Prag+ auf dem linken Moldauufer ein.

[~1648.~]

~Westfälischer Friede.~ Unterhandlungen von 1645 bis 1648 zu +Münster+

mit den Franzosen, zu +Osnabrück+ mit den Schweden. Der kaiserliche

Gesandte Graf +Trautmannsdorf+.

+A. Entschädigungen.+

1. ~Schweden~ erhält als ~Reichslehen~: +Vorpommern+ mit Stettin,

Rügen, Usedom und Wollin, die bisher mecklenburgische Stadt +Wismar+

und die Bistümer +Bremen+ (~nicht~ die Stadt) und +Verden+ (spr.

+Fērden+) als weltliche Herzogtümer, dazu 5 Millionen Taler.

2. ~Frankreich~ erhält den Besitz der schon 1552 (s. S. 233) gewonnenen

lothringischen Bistümer +Metz, Toul+ und +Verdun+ bestätigt; der

Streit mit dem seit 1634 vertriebenen +Herzog+ +von+ ~Lothringen~

bleibt unerledigt (bis 1659, vgl. S. 262). Im ~Elsaß~ erhält es die

österreichische +Landgrafschaft+ (S. 195), den +Sundgau+ und die

+Landvogtei+ über 10 Reichsstädte; diese Städte selbst verbleiben dem

Reiche, ebenso Stadt und Bistum +Straßburg+. Auf dem rechten Rheinufer

erhält Frankreich die Stadt +Breisach+ und das Besatzungsrecht von

+Philippsburg+.

3. ~Bayern~ bleibt im Besitz der +Oberpfalz+, ~Sachsen~ im Besitz

der +Lausitz+; ~Brandenburg~ erhält +Hinterpommern+ mit dem

Bistum +Kammin+, die Bistümer +Halberstadt+ und +Minden+ und die

Anwartschaft auf das Erzbistum +Magdeburg+ (erworben 1680, S. 258).

+Hessen-Kassel+ erhält die Abtei Hersfeld und einen Teil der Grafschaft

Schauenburg, +Mecklenburg+ die Bistümer Schwerin und Ratzeburg,

+Braunschweig-Lüneburg+ ein Anrecht auf das Bistum Osnabrück, wo bis

1803 abwechselnd ein katholischer und ein evangelischer Bischof regiert.

+B. Weltliche Reichsangelegenheiten.+

1. Allgemeine Amnestie und Wiedereinsetzung in den Stand von 1618,

doch bleibt die +bayrische+ Linie des Hauses Wittelsbach im Besitz

der Kurwürde; für die +pfälzische+ wird eine neue, +achte+ Kurwürde

errichtet. 2. Den Reichsständen wird im Verhältnis zum Kaiser die

+Landeshoheit (Superioritas territorialis)+ zuerkannt, namentlich das

Recht, Bündnisse unter sich und mit Auswärtigen, außer gegen Kaiser und

Reich, zu schließen. 3. Die Republik der ~Niederlande~ (S. 244) und die

~Schweiz~ (S. 225) werden als ~unabhängig vom Reiche~ anerkannt.

+C. Geistliche Angelegenheiten.+

1. Der +Augsburger+ Religionsfriede wird bestätigt und auf die

+Reformierten+ ausgedehnt. 2. In betreff der geistlichen Güter und der

Religionsübung wird der 1. Januar ~1624 (Annus normalis)~ als maßgebend

festgesetzt.

Frankreich und Schweden ~garantieren~ den Frieden. Ihre Truppen

verlassen erst 1650 nach Abzahlung der Kriegsentschädigungen das

deutsche Gebiet.

~Folgen des Dreißigjährigen Krieges.~

1. Deutschland ist verwüstet und kommt nur langsam wieder empor. Das

+Deutsche Reich+ ist nach außen ohnmächtig, im Innern geschwächt durch

die Selbständigkeit der vielen kleinen Staaten. Sinken der Städte, der

Hansebund ist aufgelöst.[47]

2. Die Religionsfreiheit ist für Deutschland und dadurch auch für das

übrige Europa gesichert. 3. +Frankreich+ und +Schweden+ gelangen zu

besonderem Ansehen im europäischen Staatensystem.

Der ~brandenburgisch-preußische~ Staat beginnt sich zu entfalten. Er

übernimmt fortan in Deutschland den Schutz der vom Kurfürsten von

Sachsen preisgegebenen protestantischen Sache.

Fussnoten:

[41] Das Festland von +Nord-Amerika+ hatten schon um 1000 die Normannen

(S. 170), dann wieder 1497 John und Sebastian ~Cabot~, gebürtig aus

der Nähe von +Genua+, bez. aus +Venedig+, seit etwa 1490 in +Bristol+

ansässig, entdeckt.

[42] +De Papa male informato ad Papam melius informandum.+

[43]

Friedrich der Sanftmütige. (S. 205, 204.)

_______________|____________________________

Ernst. Albert.

_____|________________________________ __|__________________

Friedrich der Weise Johann †1532. Georg Heinrich †1541

†1525. | †1539. |

Johann Friedrich Moritz †1553.

†1554.

[44]

~Jean d’Albret~, K. von Navarra † 1516.

|

~Henri d’Albret~, K. von Navarra,

Gem. ~Margarete~, Schwester Franz’ I. von Frankreich.

|

~Jeanne d’Albret~, Erbin von Navarra,

Gem. Anton von ~Bourbon~.

|

~Heinrich IV.~, K. v. Frankreich † 1610.

Gem. ~Margarete von Valois~.

[45] +Hugenotten+ (+Huguenots+) soll ein Spottname sein, abgeleitet

von +König Hugo+, einem Gespenst, das nach dem Volksglauben nächtlich

die Straßen von +Tours+ durchzog; danach die Protestanten von ihren

nächtlichen Zusammenkünften +Huguenots+ genannt. Nach andern ist der

Name verdorben aus +Eidgenossen+.

[46] Geb. 1533 zu Dillenburg in Nassau, besaß durch Erbschaft das

souveräne Fürstentum +Orange+ an der Rhone.

~B. Vom Westfälischen Frieden bis zur französischen Revolution.

(1648–1789.)~

§ 1. Frankreich.

[~1643–1715.~]

~Ludwig XIV.~, beim Tode seines Vaters Ludwig XIII. (S. 238) 5 Jahre

alt, zunächst unter Vormundschaft seiner Mutter +Anna+, Tochter

Philipps III. von Spanien; die Regierung leitet der Kardinal ~Mazarin~.

[1648–1653.]

Unruhen der ~Fronde~, veranlaßt durch den Widerstand des Pariser

Parlaments gegen Mazarins Verordnungen. Eine unzufriedene Adelspartei

schließt sich dem Widerstand an; Prinz +Condé+, anfangs für die

Regierung kämpfend, entzweit sich ebenfalls mit Mazarin; dieser geht

1651 für kurze Zeit in die Verbannung. 1652 Kampf zwischen Condé und

+Turenne+, der die königlichen Truppen befehligt, im +Faubourg St.

Antoine+; Condé dringt in die Stadt Paris ein, wird aber bald beim

Volke unbeliebt. Der Hof kehrt nach Paris zurück, Condé entweicht nach

Spanien. +Mazarin+ befestigt das Ansehen der Monarchie.

[1648.]

Frankreichs Erwerbungen im Westfälischen Frieden s. S. 260.

Der 1635 ausgebrochene +Krieg mit Spanien+ (Sieg Condés bei Rocroy

1643) wird beendet durch den

[~1659.~]

~Pyrenäischen Frieden~:[48] 1. Frankreich erhält die Grafschaft

+Roussillon+ (im NO. der Pyrenäen) und mehrere Plätze in +Artois+ und

+Flandern+. 2. Der +Herzog von Lothringen+, Spaniens Verbündeter, wird

in sein Herzogtum wieder eingeführt, muß jedoch den Franzosen eine

Heerstraße von Metz nach dem Elsaß zugestehen. 3. Prinz +Condé+ kehrt

zurück; Ludwig XIV. heiratet +Maria Theresia+, älteste Tochter Philipps

IV. von Spanien, welche jedoch ihren Erbansprüchen entsagt.

[~1661.~]

~Tod Mazarins~. ~Ludwigs Selbstregierung~ (1661 bis 1715), ohne

Reichsstände (+États généraux+), ohne Beachtung der Einsprüche des

Pariser Parlaments, nach persönlicher Willkür (+L’État c’est moi+).

+Colbert+ Finanzminister, Förderung der Gewerbtätigkeit und des Handels

durch das +Merkantilsystem+ (Schutzzölle zur Abwehr ausländischer

Erzeugnisse, Verbesserung der Wege, Kanalbauten). +Kolonien+ auf den

Kleinen Antillen, in Canada, Cayenne, Louisiana, Pondichery. Große

Handels- und Kriegsflotte. +Louvois+ Kriegsminister; starkes stehendes

Heer. +Vauban+ genialer Festungsbaumeister.

Um Frankreichs Ansehen vor dem übrigen Europa zur Geltung zu bringen,

unternimmt Ludwig XIV. eine Reihe von +Eroberungskriegen+ gegen die

Nachbarstaaten.

[~1667–1668.~]

~Raubkrieg gegen Spanien~ (Devolutionskrieg). Nach dem Tode Philipps

IV. (1665) erhebt Ludwig XIV., gestützt auf das in einigen belgischen

Provinzen geltende +Devolutionsrecht+, wonach die Töchter erster Ehe

ein den Söhnen zweiter Ehe vorangehendes Erbrecht haben, Ansprüche auf

die spanischen Niederlande. +Turenne+ erobert einen Teil von Flandern

und Hennegau, +Condé+ besetzt die nicht verteidigte Freigrafschaft

Burgund (Franche-Comté). Die von dem holländischen Ratspensionär

+Jan de Witt+ zustande gebrachte ~Tripelallianz~ (England, Holland,

Schweden) führt den Frieden zu +Aachen+ herbei: Frankreich erhält eine

Anzahl von Grenzstädten, darunter +Lille+, welches von Vauban zu einer

starken Festung umgeschaffen wird, gleichwie das 1662 von England (S.

270) erworbene +Dünkirchen+.

[~1672–1678.~]

~Raubkrieg gegen Holland.~ Ludwig XIV. schließt Bündnisse und

Subsidienverträge mit +England+ (S. 270), +Schweden+ und mehreren

deutschen Reichsfürsten (besonders den geistlichen Fürsten von +Köln+

und +Münster+), vertreibt den Herzog Karl IV. von +Lothringen+ 1670.

Verbündeter der niederländischen Republik ist Kurfürst +Friedrich

Wilhelm+ von +Brandenburg+ (s. S. 244).

Schnelle Eroberung eines großen Teiles der Niederlande (+Turenne+,

+Condé+, der König an der Spitze von über 100000 Mann). Die Brüder +de

Witt+, Führer der aristokratisch-republikanischen Partei, in einem

Aufstande vom Volke getötet; +Wilhelm III. von Oranien+ an die Spitze

der Republik gestellt. Die Öffnung der Schleusen rettet die Provinz

Holland und die Stadt Amsterdam.

Kurfürst Friedrich Wilhelm schließt mit Kaiser +Leopold+ (S. 265) ein

Bündnis gegen Frankreich, wird aber von dem kaiserlichen Feldherrn

+Montecuccoli+ in seinen Truppenbewegungen gehemmt. +Turenne+, in

Westfalen vordringend, nötigt ihn 1673 zu einem Frieden, den Ludwig

XIV. in +Vossem+ (unweit Löwen) bestätigt: Der Kurfürst erhält das von

den Franzosen besetzte Land +Cleve+ (S. 252) zurück mit Ausnahme der

Festungen Wesel und Rees.

Auch +Spanien+ nimmt an dem Kriege teil. 1674 erfolgt die

Kriegserklärung des +Deutschen Reiches+ an Frankreich. Ludwig XIV.

besetzt die Franche-Comté; Condé kämpft gegen den Prinzen von Oranien

in der unentschiedenen Schlacht bei +Seneffe+ (südlich von Brüssel),

Turenne gegen den kaiserlichen General Bournonville bei +Enzheim+

im Elsaß. Kurfürst Friedrich Wilhelm erscheint mit 20000 Mann im

Elsaß, kann sich aber mit Bournonville nicht einigen über gemeinsames

Vordringen; beide werden von +Turenne+ zum Rückzug über den Rhein

genötigt. Friedrich Wilhelm, durch den Einfall der mit Ludwig XIV.

verbündeten Schweden in sein Land zurückgerufen, besiegt die Schweden

in der

[~1675~ (18./28. Juni).]

~Schlacht bei Fehrbellin~ (Derfflinger). In demselben Jahre (Juli)

fällt +Turenne+ bei +Sasbach+ in Baden. Die Franzosen gehen über den

Rhein zurück, dringen aber bald wieder vor. Friedrich Wilhelm erobert

bis 1679 Stettin und ganz Schwedisch-Pommern nebst Rügen, treibt die

Schweden auch aus Preußen bis nach Livland zurück.

[~1678–1679.~]

~Friede zu Nimwegen~: 1. Die +Republik der Niederlande+ erhält

ihr ganzes Gebiet zurück gegen das Versprechen der Neutralität.

2. +Spanien+ tritt an Frankreich die +Franche-Comté+ und abermals

Grenzplätze seines niederländischen Gebiets ab (u. a. +Valenciennes+

und +Cambrai+). 3. Der Kaiser tritt Freiburg an Frankreich ab,

welches das Besatzungsrecht von +Philippsburg+ (S. 260) aufgibt.

4. +Lothringen+ wird dem Herzog Karl V. unter sehr beschränkenden

Bedingungen zurückgegeben; da er diese nicht annimmt, bleibt es von den

Franzosen besetzt. Den vom Kaiser und Reich preisgegebenen Kurfürsten

von Brandenburg zwingt Ludwig XIV. zu dem

[~1679.~]

~Frieden zu Saint Germain en Laye~, in welchem dieser den Schweden

fast alle seine Eroberungen in Pommern (Stettin, Stralsund, Rügen)

herausgeben muß. Bald darauf +Bündnis+ des gegen den Kaiser erbitterten

Kurfürsten[49]

mit Frankreich, bis 1685.

Infolge der Schwäche des Deutschen Reiches steigt der Übermut Ludwigs

XIV. so weit, daß er 1680 ~Reunionskammern~ in +Metz+, +Breisach+,

+Besançon+, +Tournay+ einsetzt. Diese französischen Gerichtshöfe

untersuchen und entscheiden, was jemals zu den in den letzten vier

Friedensschlüssen an Frankreich abgetretenen Ländern und Plätzen gehört

hat. Der König vollstreckt mit seinen Truppen die Reunionsbeschlüsse,

indem er zu der Gewalttat mitten im Frieden den Hohn einer Rechtsform

fügt.

[~1681.~ 30. Sept.]

~Die Franzosen besetzen Straßburg~ im Einverständnis mit dem

+Bischof Franz Egon von Fürstenberg+. Einfall in die spanischen

Niederlande 1683. Besetzung von +Luxemburg+ und +Trier+ 1684. Diesen

Rechtsverletzungen tritt das Deutsche Reich nur mit leeren Protesten

entgegen; schließlich wird 1684 zu +Regensburg+ ein +zwanzigjähriger+

~Waffenstillstand~ mit Ludwig XIV. abgeschlossen, wonach er alle bis

zum 1. August 1681 besetzten Gebiete, dazu auch Straßburg behält.

[1684.]

Eine französische Flotte bombardiert +Genua+, um es für seine

Verbindung mit Spanien zu strafen.

[~1685.~]

~Aufhebung des Edikts von Nantes~ (s. S. 238). Die Ausübung des

+reformierten+ Bekenntnisses in Frankreich wird untersagt, die

Erziehung der Kinder in der katholischen Religion befohlen, die

Auswanderung verboten. Über 50000 Familien entkommen indes nach

Holland, England, Brandenburg. Die +Protestanten im Elsaß+ behalten die

ihnen zugesicherte Religionsfreiheit.

[~1688–1697.~]

~Raubkrieg gegen Deutschland~ (Pfälzischer Krieg). Nach dem Tode des

Kurfürsten Karl von der +Pfalz+ (1685), dessen Schwester Elisabeth

Charlotte (Liselotte) mit dem Herzog Philipp von Orléans, Bruder

Ludwigs XIV., vermählt war, erhebt Frankreich gegenüber der Linie

Pfalz-Neuburg Ansprüche auf einen großen Teil des Landes. Im Erzbistum

+Köln+ will Ludwig XIV. die Wahl des Straßburger Bischofs Wilhelm von

Fürstenberg gegen den Prinzen Clemens von Bayern durchsetzen. Bündnis

zu +Augsburg+ 1686 gegen Frankreich zwischen dem +Kaiser+, +Spanien+,

+Schweden+ und den bedeutendsten +Reichsfürsten+, nach der in England

1688 erfolgten Thronveränderung (S. 271) zu der +Großen Allianz+

erweitert, der +England+, +Holland+ und +Savoyen+ beitreten.

Die französischen Heere rücken in die Rheinlande ein (Sept. 1688).

~Furchtbare Verheerung der Pfalz~ durch ~Mélac~ auf Befehl von Louvois

(März-Juni 1689); die Städte +Heidelberg+, +Mannheim+, +Speier+,

+Worms+ und Hunderte von kleineren Orten verbrannt. Das deutsche

Reichsheer erobert +Mainz+ und +Bonn+, kann aber am Oberrhein die

Franzosen nicht vertreiben; der Markgraf +Ludwig von Baden+ erobert

Heidelberg wieder, hält sich dann aber meist allzu vorsichtig hinter

seiner festen Verteidigungsstellung bei Heilbronn.

In den Niederlanden siegt der Marschall +von Luxembourg+ bei

+Fleurus+ 1690, +Steenkerken+ 1692, +Neerwinden+ 1693, doch behauptet

+Wilhelm III.+ durch zähe Ausdauer das Feld. Eine französische

Landung in +Irland+ zu Gunsten des vertriebenen +Jakob II.+ hat nur

vorübergehenden Erfolg (s. S. 272).

[1692.]

Seesieg der verbündeten +englischen+ und +holländischen+ Flotte über

die französische bei ~La Hougue~ (Ostseite der Halbinsel Cotentin).

[~1697.~]

~Friede zu Ryswyk~ (spr. +Reisweik+, Dorf beim Haag): 1. Frankreich

behält die +im Elsaß+ besetzten Gebiete, gibt aber +Freiburg+ zurück

(S. 263); die pfälzische Erbschaftssache wird einem Schiedsgericht

übergeben. 2. Der Herzog von +Lothringen+ wird vollständig wieder

eingesetzt (S. 263). 3. Spanien erhält +Luxemburg+ zurück, tritt aber

einige Grenzgebiete seiner Niederlande ab. 4. +Wilhelm III.+ wird als

König von England anerkannt.

Blüte der ~französischen Literatur~ im Zeitalter Ludwigs XIV.

+Corneille+ († 1684), +Racine+ († 1699), +Molière+ († 1673), +La

Fontaine+ († 1695), +Boileau+ († 1711), +Bossuet+ († 1704), +Fléchier+

(† 1710), +Fénelon+ († 1715).

Auszug aus der Alten, Mittleren und Neueren Geschichte · 第 27 / 49 段