Schiffe) durch Seegefechte im +Kanal+ und durch Stürme an den Küsten
von Schottland und Irland (S. 244). Eine englische Flotte (unter
Graf +Essex+ und Admiral +Howard+) erobert 1596 +Cadiz+ und kehrt
mit reicher Beute zurück. Graf +Essex+, Günstling der Königin, wird
darauf nach +Irland+ gesandt, um den Aufstand dort zu dämpfen, kehrt
eigenmächtig zurück, wird wegen Empörung hingerichtet (1601). Die von
Spanien unterstützten katholischen Iren 1601 besiegt. Irland damit
endgültig unterworfen (S. 245, 192). Nach Elisabeths Tode folgt in
England als Erbe des Hauses Tudor das in Schottland (S. 212) seit 1371
regierende
[~1603–1649 (1714).~]
~Haus Stuart.~ Personal-Union zwischen England und Schottland.
[~1603–1625.~]
~Jakob I.~ (als König von Schottland Jakob VI.), Sohn der Maria
Stuart, in Schottland +calvinisch+ erzogen, bekennt sich dann zur
+anglikanischen+ Kirche. Das Fehlschlagen der Hoffnungen, welche die
Katholiken auf ihn als Sohn der Maria Stuart gesetzt hatten, bewirkt
die sogenannte ~Pulververschwörung~ (1605). Doch wird der Plan, König
und Parlament in die Luft zu sprengen, noch rechtzeitig vereitelt.
Streitigkeiten mit dem Parlament wegen der schlechten Finanzwirtschaft
des Königs und der geplanten Vermählung des Thronfolgers mit einer
spanischen Infantin.
[~1625–1649.~]
~Karl I.~, Gemahl der katholischen +Henriette+ von Frankreich, strebt
nach unumschränkter Gewalt des Königtums. Geldverlegenheiten nötigen
ihn zur Erhöhung des »Tonnen- und Pfundgeldes«, einer Steuer für ein-
und ausgeführte Waren, und dann nach vergeblicher Auflösung von zwei
Parlamenten zur Bewilligung der +Bitte um Recht+ (~Petition of Right~
1628) gegen willkürliche Besteuerung und Verhaftung englischer Bürger.
Karls Günstling, der Herzog von +Buckingham+, wird ermordet, als er in
Portsmouth den Befehl über die zum Entsatz von +La Rochelle+ (s. S.
239) bestimmte Flotte übernehmen will.
Nach Auflösung des dritten Parlaments (1629) regiert Karl 11 Jahre
lang willkürlich ohne Parlament. Seine Ratgeber Lord ~Strafford~,
früher Mitglied der Oppositionspartei im Unterhause, und Erzbischof
~Laud~. Willkürliche Erhebung des »Schiffsgeldes«, einer Geldabfindung
der Seestädte für die Stellung von Schiffen zum Küstenschutz; +John
Hampden+ verweigert die Zahlung dieser Abgabe, wird gerichtlich dazu
verurteilt. Dieser Prozeß ruft große Aufregung hervor. Auswanderung
bedrückter +Puritaner+ (John Milton ihr Dichter † 1674) nach den
amerikanischen Kolonien, +Boston+ gegründet 1630.
[1637.]
Der unkluge Versuch, die Liturgie und Verfassung der englischen
Episkopalkirche in Schottland einzuführen, bewirkt offenen Aufruhr
und einen förmlichen ~Bund der Schotten~ (+Covenant+) zum Schutze der
religiösen und politischen Rechte und Freiheiten ihres Landes. Um Geld
zum Kriege gegen die Schotten zu erlangen, beruft der König (April
1640) ein Parlament. Dieses bewilligt nichts, sondern erneuert die
alten Beschwerden. Ein kleines, durch freiwillige Spenden und Darlehen
der königlich Gesinnten aufgebrachtes Heer marschiert gegen die
Schotten, wird aber zurückgeschlagen.
[1640. Nov.]
Karl beruft von neuem ein Parlament. Dieses, das sogenannte ~Lange
Parlament~, wird bald mächtiger als der König. Der Minister
+Strafford+, vom Unterhause vor dem Oberhause angeklagt, wird trotz
seiner glänzenden Verteidigung verurteilt und hingerichtet. Erzbischof
+Laud+ verhaftet und später ebenfalls hingerichtet. Ein Aufstand
der katholischen +Irländer+ vermehrt den Unwillen des englischen
Volkes. Der Versuch des Königs, 5 Häupter der Opposition persönlich
im Parlament zu verhaften, bringt den Aufruhr in London zum Ausbruch
(1642). Parteinamen der +Kavaliere+ (Royalisten) und der +Rundköpfe+
(Republikaner). Karl verläßt London und geht nach York.
[1642–1649.]
~Bürgerkrieg in England~; den Truppen des Königs tritt ein
+Parlamentsheer+ entgegen. Der König, anfangs siegreich, beruft das
Parlament nach +Oxford+ (1644), wo sich 83 Lords und 165 Mitglieder
des Unterhauses einfinden. Dagegen Vereinigung der +Schotten+ mit dem
englischen +Parlamentsheere+. Die Königlichen werden bei +Marstonmoor+
(der Reiterführer +Cromwell+) und 1645 bei +Naseby+ geschlagen. Karl,
in Oxford belagert, flieht zu den Schotten, die ihn an das englische
Parlament ausliefern (Januar 1647).
Während des Bürgerkrieges wird die +Episkopalkirche+ in England
+aufgehoben+; gegen die +Presbyterianer+ aber, die zum Vergleich mit
dem Könige geneigt sind, erhebt sich die Partei der ~Independenten~,
an ihrer Spitze ~Oliver Cromwell~. Sie erlangen das Übergewicht im
Heere und bemächtigen sich auch des gefangenen Königs. Cromwell schlägt
die jetzt +zu Gunsten Karls+ in England einfallenden +Schotten+ bei
+Preston+ und verjagt seine presbyterianischen Gegner aus dem Parlament
(1648). Das nunmehrige +Rumpfparlament+ (+Rump-Parliament+) setzt den
König ab und läßt ihn durch einen Gerichtshof verurteilen.
[~1049.~]
30. Jan. ~Karl I.~ zu Whitehall in London ~hingerichtet~.
Abschaffung des Oberhauses. England wird ~Republik~, geleitet von dem
Parlament und einem Staatsrat von 42 Mitgliedern.
§ 7. Der Norden und Osten.
~Christian II.~ von ~Dänemark~ (1513–23) versucht Schweden zu
unterwerfen (vgl. S. 216), aber das ~Stockholmer Blutbad~ (1520) führt
die vollständige Auflösung der +skandinavischen Union+ herbei. Aufstand
der Talbewohner (+Dalkarlar+) unter ~Gustav Wasa~ (geb. 1496, als
Geisel nach Dänemark geführt 1518, flüchtet 1519 nach Lübeck, kehrt
1520 insgeheim zurück). Er wird 1521 zum Reichsverweser, 1523 zum König
erwählt, nimmt +Stockholm+ ein mit Hilfe der hansischen, von Lübeck und
Danzig gestellten Kriegsflotte.
[~1523–1654.~]
Haus ~Wasa in Schweden~. Unter +Gustav I.+ Wasa (1523–1560) Einführung
der Reformation. Der Thron erblich; die Handelsprivilegien der
deutschen Hanse werden bald beschränkt, schließlich aufgehoben (S. 201,
246).
[1561.]
Auflösung des deutschen Ordensstaates in Kurland, ~Livland~ und Estland
(S. 217). Der größte Teil seines Gebiets kommt an +Polen+, Estland an
+Schweden+; der letzte Landmeister Gotthard Kettler wird als Herzog von
+Kurland+ polnischer Vasall.
Gustav Wasas ältester, geisteskranker Sohn +Erich XIV+. wird 1568
entthront von seinem Bruder +Johann III.+ Dessen Sohn +Sigismund+
katholisch und seit 1587 König von Polen, wird in Schweden 1598
verdrängt von seinem Oheim +Karl IX.+, dem jüngsten Sohne Gustavs I.
Dieser ordnet die zerrüttete Verwaltung des Landes und behauptet gegen
Polen den Besitz Estlands. Sein Sohn
[~1611–1632.~]
~Gustav II. Adolf~ gewinnt im Kriege mit Rußland +Karelien+ und
+Ingermanland+ (1617), im Kriege mit Polen (S. 256), +Livland+ (1621),
schließt 1629 unter Richelieus Vermittelung mit Polen Waffenstillstand,
um den Krieg in Deutschland (S. 256) zu beginnen. Ihm folgt, zuerst
unter Vormundschaft des Reichsrats, seine Tochter
[~1632–1654.~]
~Christine,~ gelehrt, aber ohne Lust für die Regierungsgeschäfte.
Sie dankt 1654 ab zu Gunsten ihres Vetters +Karl Gustav+ von
Pfalz-Zweibrücken (Sohn einer Schwester Gustav Adolfs), wird dann
katholisch, stirbt in Rom 1689.
~Dänemark~ und ~Norwegen~ bleiben bis 1815 vereinigt. Schon unter
Christian II., Schwager Kaiser Karls V., dringt die Reformation
in Dänemark ein. Christian von seinem Oheim, dem Herzog von
Schleswig-Holstein, verdrängt, der als +Friedrich I.+ (1523–1533)
mit Hülfe Lübecks den dänischen Thron besteigt und die Reformation
begünstigt.
[1534–1536.]
Die +Grafenfehde+: Jürgen Wullenwever, protestantischer Bürgermeister
von +Lübeck+, unterstützt den Grafen Christoph von Oldenburg
gegen Friedrichs I. Sohn +Christian III.+ Dieser aber behauptet
die Herrschaft in Dänemark (1534–1559) und führt die Reformation
vollständig durch. Wullenwever vom Erzbischof von Bremen verhaftet,
an den Herzog von Braunschweig ausgeliefert, 1537 in Wolfenbüttel
hingerichtet.
[1559–1588.]
+Friedrich II.+ beginnt seine Regierung mit der Unterwerfung der
+Dithmarschen+ (S. 216), führt
[1563–1570]
im Bunde mit Lübeck Krieg gegen +Schweden+, beschränkt die Privilegien
der Hansa.
[1588–1648.]
+Christian IV.,+ nimmt am 30jährigen Kriege teil (s. S. 255). Im
Frieden zu +Brömsebro+ 1645 werden von ihm an Schweden die Provinzen
Jämtland und Herjedalen, die Inseln Gotland und Ösel abgetreten, auch
wird den schwedischen Schiffen Freiheit vom +Sundzoll+ zugestanden.
~Polen~ gewinnt unter den ~Jagellonen (1386–1572)~ seine größte
Ausdehnung (Ostsee, Karpathen, Schwarzes Meer), doch schon in dieser
Zeit entwickelt sich durch die +Privilegien des zahlreichen Adels+ der
Keim des Verfalls. Seit 1572 ist Polen ~Wahlreich~. Einführung des
+liberum veto+ auf den Reichstagen. Wahlkönige: +Heinrich von Anjou+
(s. S. 237), +Stephan Bathŏry+ von Siebenbürgen, dann (1587–1668) 3
Könige aus dem Hause +Wasa: Sigismund III.+ † 1632, +Wladislaw IV.+ †
1648, +Johann Kasimir+ (dankt ab 1668).
~Rußland~ unter ~Iwan IV.,~ +dem Schrecklichen+ (1533 bis 1584)
vergrößert durch Eroberung der Reiche +Kasan+ und +Astrachan+; der
Kosakenhetman Jermak beginnt 1581 die Eroberung +Sibiriens+. Nach dem
Aussterben des Hauses ~Rurik~ mit Iwans IV. Sohn +Feodor I.+ 1598
(Feodors jüngerer Bruder Demetrius war von Boris Godunow [Zar von
1598–1605] umgebracht worden) mehrjähriger Thronstreit; 1605–1606
regiert der von Polen unterstützte +falsche Demetrius+, dem dann
noch zwei andere folgen. Ein Reichstag zu Moskau erhebt 1613 Michael
~Romanow~ auf den Thron, dessen Haus bis 1762 regiert.
Das Reich der ~osmanischen Türken~ erreicht seine höchste Blüte unter
~Soliman II.~ (1520–1566), dem Zeitgenossen Kaiser Karls V. (vgl. S.
230–232). Er stirbt in Ungarn bei der Belagerung der von +Zriny+ tapfer
verteidigten Feste +Szigeth+ (1566). Unter seinen Nachfolgern beginnt
der Verfall, namentlich infolge der Unbotmäßigkeit der +Janitscharen+.
In China kommt die Dynastie der +Mandschu+ oder +Tsing+ zur Regierung
(1644 bis jetzt noch). Im 17. Jahrh. der größte Teil der Dsungarei,
ganz Turkestan und Tibet erobert. Auch den Russen, Franzosen und
Engländern (Kanton) Handelsverkehr gestattet (S. 223f.).
~Japan~ wird nach Abschaffung des Shogunats (1573–1603) dem Mikado nach
und nach wieder Untertan. Ende des mehr als 500jährigen Bürgerkrieges.
Begünstigung des Christentums. Unglücklicher Eroberungskrieg gegen
~Korea~ 1598.
[1603.]
Das Shogunat wird vom Mikado der Familie Tokugawa erblich
übertragen. Ihre Residenz Tokio. Seitdem 250jähriger Friede und hohe
Kulturentwickelung. Seiden- und Baumwollenindustrie, Aufschwung der
Porzellanfabrikation. Unter den Tokugawa (1603–1867) Abschließung
Japans gegen das Ausland. Fernhaltung der Fremden. 1614 die fremden
Priester für Landesfeinde erklärt und Ausrottung des Christentums
befohlen; grausame Verfolgungen. Erst seit dem Niedergang der
Tokugawa-Herrschaft Handelsbeziehungen mit Europa und Amerika
angeknüpft und von 1854 an einzelne Häfen geöffnet.
§ 8. Deutschland, Dreißigjähriger Krieg.
[~1556–1564.~]
~Ferdinand I.~, seit 1526 König von +Böhmen+ und +Ungarn+; doch muß er
die größere Hälfte Ungarns den Türken überlassen. Unter ihm und seinem
Nachfolger Friedenszeit in Deutschland, aber die +Ostseeprovinzen+ (S.
249) und die +Niederlande+ (S. 242ff.) gehen dem Deutschtum verloren.
Während die Protestanten sich durch theologische Streitigkeiten
entzweien (Haß der strengen Lutheraner an der 1548 eröffneten
Universität Jena gegen den »Kryptocalvinismus« Melanchthons), befestigt
sich der Katholizismus durch das eifrige Wirken der +Jesuiten+ (S.
231) und das Tridentinum (S. 232). Beginn der +Gegen+reformation in
Österreich, Bayern und den geistlichen Fürstentümern.
[~1564–1576.~]
~Maximilian II.,~ mild und den Protestanten zugetan, denen er in seinen
Erblanden freie Religionsübung gestattet. Doch wird Herzog +Johann
Friedrich+ von Sachsen-Gotha, der im Bunde mit dem gewalttätigen
Reichsritter +v. Grumbach+ die Länder seines Vaters (S. 232 f.)
wiederzugewinnen trachtet, 1566 geächtet und bis an seinen Tod (1595)
in Österreich gefangen gehalten (Grumbachsche Händel).
[~1576–1612.~]
~Rudolf II.,~ von den Jesuiten erzogen, gelehrt, aber unfähig zu
regieren. Die Astronomen +Tycho de Brahe+ (aus Schonen, † 1601) und
+Kepler+ (S. 227) an seinem Hofe in Prag.
Im Reiche nehmen Streitigkeiten überhand. Sonderung der Lutheraner von
den Reformierten durch die +Konkordienformel, +1580 zuerst in Sachsen
verkündet, aber nicht von allen lutherischen Landeskirchen angenommen.
Auf den Reichstagen Streit über den geistlichen Vorbehalt (S. 234).
Der Kurfürst von +Köln+ Gebhard Truchseß von Waldburg 1583 vertrieben,
weil er zum Protestantismus übertritt. In +Straßburg+ 1592 zwiespältige
Bischofswahl; der von den Protestanten gewählte Administrator muß 1604
zurücktreten. Die Reichsstadt +Donauwörth+, vom Kaiser in die Acht
erklärt, weil das Volk eine katholische Prozession gestört hatte, wird
von +Maximilian von Bayern,+ der die Acht vollstreckt (1607), besetzt
und mit Bayern vereinigt. Deshalb
[1608.]
Gründung der protestantischen ~Union~; Oberhaupt der reformierte
Kurfürst Friedrich IV. von der Pfalz;
[1609.]
Katholische ~Liga,~ Oberhaupt Herzog Maximilian von Bayern. Beide
Fürsten sind +Wittelsbacher+ (S. 200, Anm. 2); Sachsen bleibt der Union
fern.
[~1609–1014.~]
~Jülich-Clevescher Erbfolgestreit.~ Johann Sigismund von +Brandenburg+
und Wolfgang Wilhelm von +Pfalz-Neuburg+ nehmen das Land als das Erbe
ihrer Gemahlinnen nach dem Tode des letzten Herzogs Johann Wilhelm
gemeinsam in Besitz und werden von der Union gegen den vom Kaiser
gesandten Erzherzog Leopold Wilhelm geschützt. Später entzweien sie
sich, Wolfgang Wilhelm wird +katholisch+ und ruft die Hilfe der +Liga+
und +Spaniens+ an. Johann Sigismund tritt zur +reformierten+ Lehre über
und findet Rückhalt an +Holland+ und Heinrich IV. von Frankreich (†
1610, S. 238), doch wird ein Krieg vermieden.
Vertrag zu +Xanten+ 1614: +Cleve, Mark+ und +Ravensberg+ kommen an
Brandenburg, +Jülich+ und +Berg+ an Pfalz-Neuburg. Spanische und
holländische Besatzungen bleiben noch längere Zeit, erst 1666 wird der
Vertrag vollständig ausgeführt.
Kaiser Rudolf, von seinem Bruder +Matthias+ gezwungen, ihm Ungarn,
Mähren und Österreich zu überlassen, gibt den Böhmen, um sie für sich
zu gewinnen, den
[1609.]
~Majestätsbrief~. Dieser gestattet +allen Bewohnern+ Böhmens den
Anschluß an die »utraquistische«, auf entschieden protestantischem
Standpunkt stehende +Böhmische Konfession+ von 1575 und erlaubt den 3
Ständen der +Herren+, +Ritter+ und +königlichen Städte+ den Bau von
Kirchen. Der zugleich abgeschlossene, vom Kaiser anerkannte ständische
+Vergleich+ gibt diese Erlaubnis auch den +Untertanen+ auf den
+königlichen Gütern+.
[1611.]
Rudolf verliert auch die Herrschaft über Böhmen, stirbt 1612 machtlos
in Prag.
[~1612–1619.~]
~Matthias~ verschafft, da er kinderlos ist und seine Brüder Verzicht
leisten, seinem streng katholischen, von den Jesuiten erzogenen Vetter
~Ferdinand~, Herzog von Steiermark, Kärnten und Krain, die Nachfolge
auch in Böhmen und Ungarn, trotz des Widerwillens der protestantischen
Stände.
[~1618–1648.~]
~Der Dreißigjährige Krieg.~
Versuch des Hauses +Habsburg+, im Bunde mit der katholischen Kirche die
Machtstellung des Kaisertums zu erhöhen. In den drei ersten Abschnitten
des Krieges überwiegt die +religiöse+ Parteiung; aus dem Aufstand in
Böhmen entwickelt sich ein großer Kampf des katholischen Europa gegen
das protestantische. Zuletzt führen Schweden und Frankreich im Kampf
gegen das Haus Habsburg +Eroberungs+kriege +auf deutschem Boden+.
~1. Böhmisch-pfälzischer Krieg 1618–1623.~
~Veranlassung~: Schließung der utraquistischen Kirche in Braunau
im Gebiet des dortigen Abts und Niederreißung der Kirche in
Klostergrab im Sprengel des +Erzbischofs von Prag+, also in Gebieten
+geistlicher+ Stände, welche nach Auffassung der Protestanten kraft
der böhmischen Landesverfassung als +königliche Güter+ zu betrachten
waren. Versammlung der 1609 mit Zustimmung des Kaisers eingesetzten
+Defensoren+ und der protestantischen Stände.
[~1618.~ 23. Mai.]
~Aufstand in Prag~; an der Spitze steht Graf +Matthias von Thurn+.
Die Statthalter +Martinitz+ und +Slawata+ und der Geheimschreiber
+Fabricius+ werden aus den Fenstern der kaiserlichen Burg
hinausgestürzt, kommen aber mit dem Leben davon. Die Aufständischen
übertragen die Regierung Böhmens an 30 +Direktoren+. Aus Italien kommt
Graf +Ernst von Mansfeld+ zu Hilfe, gesandt vom Herzog von Savoyen; aus
Schlesien zieht Markgraf Johann Georg von +Jägerndorf+ herbei.
[1619.]
Kaiser Matthias stirbt; Graf Thurn zieht gegen +Wien+. Die
österreichischen, meist protestantischen Stände stellen drohende
Forderungen an +Ferdinand+, der durch die Ankunft einiger Truppen aus
der gefährlichsten Lage gerettet wird. Thurn wird durch eine ungünstige
Wendung des Krieges in Böhmen zum Abzug bewogen. Ferdinand begibt sich
nach +Frankfurt+, wird dort von den drei geistlichen Kurfürsten und den
Gesandten von Pfalz, Sachsen, Brandenburg zum Kaiser gewählt.
[~1619–1637.~]
~Ferdinand II.~ Unterdessen sprechen die Böhmen seine Absetzung als
König von Böhmen aus und wählen den jungen ~Friedrich V.~, Kurfürsten
von der Pfalz, Oberhaupt der Union und der deutschen +Calvinisten+,
Schwiegersohn Jakobs I., Königs von England.
Graf Thurn zum zweitenmal vor Wien, mit +Bethlen Gabor+, Fürsten von
Siebenbürgen, vereinigt (Nov. 1619). Kälte, Mangel und der Einfall
eines kaiserlichen Parteigängers in Ungarn bewirken den Rückzug.
Ferdinand verbündet sich mit seinem Jugendfreunde ~Maximilian~,
Herzog von ~Bayern~, dem Haupt der katholischen Liga, welcher ihm die
österreichischen Stände unterwerfen hilft, mit Spanien (Spinŏla bricht
in die Kurpfalz ein) und mit dem lutherischen Kurfürsten +Johann Georg+
von Sachsen, welcher die Lausitz und Schlesien wieder unterwirft.
Maximilian von Bayern zieht mit dem Heere der Liga (+Tilly+) nach
Böhmen, vereinigt sich mit dem kaiserlichen Feldherrn +Buquoi+. Beide
siegen in der
[~1620.~ 8. Nov.]
~Schlacht~ auf dem ~Weißen Berge~ bei ~Prag~ über Friedrichs V.,
vom Fürsten +Christian von Anhalt+ geführte Truppen. Friedrich,
der »Winterkönig«, entflieht nach Holland, wird vom Kaiser trotz
kurfürstlichen Protestes geächtet, ebenso Christian von Anhalt und
der Markgraf von Jägerndorf. Strenges Walten der Sieger in +Böhmen+;
die Häupter des Aufstandes hingerichtet, viele Güter eingezogen, der
Protestantismus ausgerottet. Gewaltsame +Gegenreformation+ auch in
Österreich und (weniger hart) in Schlesien.
Die protestantische +Union+ löst sich auf, als die Kriegsgefahr näher
rückt. Das Kurfürstentum ~Pfalz~ wird in Vollstreckung der Reichsacht
von Maximilians Feldherrn ~Tilly~ mit Hilfe spanischer Truppen unter
+Spinŏla+ erobert. Heidelberg erstürmt, die Bibliothek (Palatina) nach
Rom gebracht. Tilly, 1622 bei +Wiesloch+ von Mansfeld geschlagen, siegt
bald darauf bei +Wimpfen+ über den Markgrafen von Baden-Durlach, bei
+Höchst+ über Christian von Braunschweig, Administrator des Bistums
Halberstadt.
[1623.]
Tilly dringt nach +Westfalen+ vor, siegt bei +Stadtlohn+ abermals
über Christian, bleibt mit seinen Truppen im niedersächsischen
Kreise zum Schutz der geistlichen Gebiete. Herzog Maximilian erhält
auf dem Fürstentag zu Regensburg die pfälzische +Kurwürde+ und die
+Oberpfalz+, Sachsen die +Lausitz+ (zunächst als Pfand).
~2. Dänisch-niedersächsischer Krieg 1625–1629.~
~Christian IV.~, König von Dänemark (S. 250) und Herzog von Holstein,
als Oberster des niedersächsischen Kreises (S. 224) an der Spitze
der Protestanten, von +Holland+ und +England+ zur Wiedereinsetzung
Friedrichs V. angetrieben, aber unzureichend unterstützt.
Albrecht von ~Wallenstein~ (eig. +Waldstein+) geb. 1583 in Böhmen, aus
utraquistischer Familie, aber katholisch erzogen, 1619 Oberst, 1623
Fürst, 1625 Herzog von +Friedland+, wird kaiserlicher Obergeneral über
ein von ihm selbst errichtetes, durch ein Raubsystem zu erhaltendes
Söldnerheer.
[~1626.~]
+Wallenstein+ schlägt +Mansfeld+ bei der ~Dessauer Brücke~, verfolgt
ihn durch Schlesien und Mähren nach Ungarn, wo sich Mansfeld mit
+Bethlen Gabor+ vereinigt, aber von diesem keine Hilfe erhält. Mansfeld
stirbt in Bosnien. (»Imperatorem decet stantem mori!«)
[1626. Aug.]
Tilly schlägt Christian IV. bei ~Lutter am Barenberge~ in Braunschweig.
Tilly und Wallenstein erobern +Holstein+ (1627), Wallenstein allein
+Schleswig+ und +Jütland+. Er besetzt +Mecklenburg+, wird vom Kaiser
1628 mit diesem Herzogtum belehnt und zum General des Baltischen und
Ozeanischen Meeres ernannt. Er zwingt den Herzog von +Pommern+ zur
Unterwerfung, erhält aber von den Hansestädten keine Schiffe und
belagert vergebens ~Stralsund~ (1628), dessen Bürger sich mit dänischer
und schwedischer Hilfe zehn Wochen lang tapfer verteidigen. Sein
Unterfeldherr +Arnim+ zieht darauf mit 15000 Mann nach Westpreußen, um
die Polen gegen Gustav Adolf (S. 250) zu unterstützen.
[~1629.~]
~Friede zu Lübeck~ zwischen dem Kaiser und Christian IV. Dieser erhält
seine Länder zurück, entsagt aber jeglicher Teilnahme an den deutschen
Streitigkeiten. Ferdinand II. erläßt das
~Restitutionsedikt~: 1. Auf Grund des +geistlichen Vorbehaltes+ (S.
234) sollen die seit dem Passauer Vertrage 1552 von protestantischen
Fürsten in Besitz genommenen geistlichen Güter herausgegeben werden.
Dies betrifft 2 Erzbistümer: +Magdeburg+ und +Bremen+; 12 Bistümer:
+Minden+, +Verden+, +Halberstadt+, +Lübeck+, +Ratzeburg+, +Meißen+,
+Merseburg+, +Naumburg+ (diese drei werden jedoch dem +Kurfürsten von
Sachsen+ ausnahmsweise belassen), +Brandenburg+, +Havelberg+, +Lebus+
und +Kammin+, außerdem viele Klöster und Stifter. 2. +Nur+ die Bekenner
der +Augsburgischen+ Konfession sollen freie Religionsübung haben,
alle anderen »Sekten« -- also auch die Reformierten -- sollen aufhören.
-- Anfang rücksichtsloser Ausführung des Resitutionsedikts durch die
Truppen der Liga und Wallensteins.
[~1630.~]
~Kurfürstentag zu Regensburg.~
Die katholischen Kurfürsten, gestützt auf die lauten Klagen aller
Reichsstände über die von Wallensteins Truppen verübten Grausamkeiten
und Erpressungen, erlangen vom Kaiser Ferdinand II. die +Absetzung
Wallensteins+.
~3. Schwedischer Krieg 1630–1635.~
[~1630.~ Juni]
~Gustav II. Adolf~, König von Schweden, landet auf der Insel Usedom.
+Zwecke und Gründe seiner Einmischung+: Schutz der unterdrückten
Protestanten; Wiedereinsetzung der Herzöge von Mecklenburg, seiner
Verwandten; Sicherung seiner Herrschaft gegen die mit dem Kaiser
verbündete polnische Linie des Hauses Wasa (s. S. 250); Besorgnis vor
der Begründung einer kaiserlichen Seemacht auf der Ostsee.
Damalige +Machtstellung+ Schwedens: Finnland, Karelien, Ingermanland,
Estland, Livland (S. 249 f.), gehörten zu Gustav Adolfs Reiche,
Kurland stand unter schwedischem Einfluß. Es lag für einen ehrgeizigen
Monarchen nahe, an die Erwerbung von +Preußen+ und +Pommern+ zu denken,
welche das Baltische Meer völlig unter den beherrschenden Einfluß
Schwedens gebracht hätte.