Daher nochmals +drei Kriege+, der letzte (1585–1589) genannt ~Krieg der

drei Heinriche~ (+Heinrich III.+ von Valois, +Heinrich+ von Navarra,

+Heinrich+ von Guise). In Paris bildet sich die ~Ligue der Sechzehn~,

welche die Absetzung des schwachen Königs bezweckt. Volksaufstand,

Tag der Barrikaden 12. Mai 1588. Heinrich III. entflieht nach +Blois+,

wohin er die Reichsstände (États-généraux) zusammenruft. Da er bei

diesen keinen Beistand gegen die Ligue findet, läßt er den Herzog

+Heinrich von Guise+ und dessen Bruder, den +Kardinal Ludwig+,

ermorden. Aufstand der Katholiken, an dessen Spitze sich der Bruder der

Ermordeten, Herzog +Karl von Mayenne+, stellt. Heinrich III. flieht zu

Heinrich von Navarra in das Lager der Hugenotten, wird vor Paris, in

St. Cloud, von dem Mönch +Jakob Clément+ ermordet (1589).

[~1589–1792.~]

~Haus Bourbon~ (stammt ab von einem jüngeren Sohne Ludwigs IX., des

Heiligen).

[~1589–1610.~]

~Heinrich IV.~ Die katholische Partei verweigert ihm die Anerkennung.

Heinrich IV. siegt über Karl von Mayenne bei ~Ivry~ 1590, belagert

aber vergeblich Paris, welches von Mayenne und dem Herzog von Parma

(s. S. 243) entsetzt wird. Erst nachdem Heinrich in St.-Denis abermals

seinen Übertritt zur katholischen Kirche erklärt hat, öffnet ihm Paris

die Tore (1594). Darauf Aufhebung des päpstlichen Bannes, Friede mit

Philipp II. von Spanien. Die Religionskriege werden beendet durch das

[~1598.~]

~Edikt von Nantes~, welches den Reformierten gleiche +bürgerliche+

Rechte mit den Katholiken gibt, aber keineswegs vollständig freie

Religionsübung. Es gestattet den reformierten Kultus den +Edelleuten+

mit selbständiger Gerichtsbarkeit (+seigneurs hauts justiciers+) und

den +Bürgern+ in einer +bestimmten+ Anzahl von Städten und Flecken,

untersagt ihn aber in allen bischöflichen und erzbischöflichen Städten,

am Hofe des Königs, in Paris, sowie im Umkreise von 5 Meilen um die

Hauptstadt. Die Reformierten werden zu öffentlichen Ämtern zugelassen

und behalten ihre Sicherheitsplätze. Das Edikt wird erst nach

langer Weigerung von den Parlamenten (d. h. höchsten Gerichtshöfen)

registriert.

Heinrichs IV. Minister, der Herzog von ~Sully~, trifft Maßregeln

zur Wiederherstellung des zerrütteten Wohlstandes und der Finanzen.

Förderung des Ackerbaues und Gewerbes, des Seehandels; Kolonien in

+Kanada+ (Quebec 1608). Der König beabsichtigt, als Verbündeter der

protestantischen +Union+ in den Jülich-Cleveschen Erbstreit (S. 252)

einzugreifen, wird aber von dem Fanatiker Franz +Ravaillac+ in Paris

ermordet. Sein Sohn

[~1610–1643.~]

~Ludwig XIII.~, 9 Jahre alt. Regentschaft seiner Mutter +Maria von

Medici+. Sully vom Amte entfernt; an die Spitze der Geschäfte tritt

der Italiener +Concini+ (Maréchal +d’Ancre+), nach dessen Ermordung

1617 der Herzog von +Luynes+, endlich der große Staatsmann ~Kardinal

Richelieu~ (Armand-Jean du Plessis, geb. 1585 in Poitou, 1607 Bischof

von Luçon, 1616 Staatssekretär, 1622 Kardinal, † 1642). Von 1624–1642

verwaltet ~Richelieu~ eigentlich allein das Reich; nur einmal (11. Nov,

1630, +journée des dupes+) glaubt Maria von Medici ihn gestürzt zu

haben, doch beherrscht er von da an den König sicherer als je.

Richelieus Ziel ist die Erhebung Frankreichs zur ersten Macht Europas

und die Begründung der Allgewalt des Königs. Er bricht die Macht des

Adels, macht die Krone unabhängig von den +Reichsständen+, die nicht

mehr berufen werden, besiegt die Hugenotten (Belagerung und Einnahme

von +La Rochelle+ 1628), welche fortan nicht mehr eine bewaffnete

politische Partei, sondern eine +geduldete Sekte+ sind. Unruhen,

erregt von +Gaston von Orléans+, Bruder des Königs, enden mit dem

vollständigen Siege Richelieus; die Königin-Mutter wird verbannt,

Gaston entflieht nach +Lothringen+, versucht vergebens gewaltsame

Rückkehr mit Hilfe des Herzogs von +Montmorency+, des Statthalters von

Languedoc; dieser wird 1632 in Toulouse hingerichtet.

[1633.]

Das Herzogtum +Lothringen+ (vgl. S. 206, 233) von französischen Truppen

besetzt (bis 1659). Der Dreißigjährige Krieg bietet Gelegenheit,

Frankreichs Macht auf Kosten Deutschlands zu erhöhen.

+Richelieu+ legt den Grund zur Machtstellung Ludwigs XIV. Frankreich

verdankt ihm die Segnungen einer geordneten +Verwaltung+ und das

Aufblühen seiner klassischen +Literatur+. Stiftung der französischen

Akademie 1635, der maßgebenden Behörde in Sachen der Sprache und des

Stils; +Corneilles+ Cid 1636.

§ 4. Italien.

Das Herzogtum ~Mailand~ ist seit 1556 (s. S. 234) ein Nebenland von

+Spanien+, dem Namen nach deutsches Reichslehen. In ~Mantua~ herrscht

seit 1328 das Haus +Gonzaga+; nach dessen Aussterben der Mantuanische

Erbfolgekrieg 1628–1631. +Richelieu+ zieht persönlich gegen die

Kaiserlichen zu Felde und setzt die Ansprüche der französischen

Nebenlinie +Nevers+ auf das Herzogtum durch.

Glänzender Hof der Herzöge von ~Ferrara~ (S. 210). Nach dem Tode

Alfons’ II. 1597 wird Ferrara als päpstliches Lehen mit dem

Kirchenstaate vereinigt; ~Modena~ und Reggio verbleiben einer

Nebenlinie des Hauses +Este+.

~Parma~ und Piacenza früher zu Mailand gehörig, 1512 vom Papst Julius

II. für den Kirchenstaat in Besitz genommen, bilden seit 1545 ein

selbständiges Herzogtum im Besitz des Hauses +Farnese+ bis 1731.

~Venedig~ ist 1508 gefährdet durch die Liga von +Cambrai+ (Papst Julius

II., Kaiser Maximilian I., Ludwig XII., Ferdinand der Katholische);

doch wendet sich der Krieg bald gegen Frankreich (S. 235). Während der

folgenden Kriege ist Venedig meist mit Karl V. verbündet. Gegenüber dem

Vordringen der +Türken+ schließt es sich an Spanien an, muß aber trotz

des mit den Spaniern gemeinsam erfochtenen Sieges bei Lepanto (S. 242)

1573 den Türken +Cypern+ abtreten; es behält von seinem Inselbesitz nur

+Kandia+ und die +Ionischen Inseln.+

~Genua~ macht sich 1529 unter dem Dogen +Andrea Doria+, welcher

der Republik eine neue Verfassung gibt, frei von der französischen

Schutzherrschaft (S. 235). Verschwörung des+Fiesco+ 1547. +Giannettino

Doria+, der Neffe des Dogen, wird ermordet, Andrea Doria muß flüchten.

Schon sind die Verschworenen im Besitz fast der ganzen Stadt, als

Fiesco durch Zufall ertrinkt. Rückkehr des Dogen, Wiederherstellung der

Verfassung.

Die Herzöge von ~Savoyen~, welche auch +Piemont+ besitzen (S. 210),

sind unter den einheimischen Fürsten von Nord-Italien die mächtigsten.

Doch verlieren sie 1536 das +Waadtland+ an Bern und geraten während der

Kriege Frankreichs mit Karl V. und Philipp II. in Bedrängnis. Nach dem

Frieden von Cateau-Cambrésis (1559, S. 236) wird +Emanuel Philibert+ in

sein Herzogtum zurückgeführt.

In ~Florenz~ wird 1494 Pietro von Medici, Lorenzos Sohn, weil er mit

dem erobernd vordringenden Karl VIII. von Frankreich (S. 209 f.) einen

Vertrag geschlossen hatte, vertrieben. Haupt der demokratischen Partei

der Dominikaner +Savonarōla+. Er bewirkt auf kurze Zeit eine Wendung

zur Sittenstrenge, verfällt aber dem päpstlichen Bann und wird 1498

hingerichtet. Infolge des Sieges der Heiligen Liga (S. 235) werden 1512

die +Medici+ wiedereingesetzt. Zweite Vertreibung 1527, die Republik

auf kurze Zeit wiederhergestellt. Karl V. setzt 1531 +Alessandro+ von

Medici als erblichen Herzog ein. Dessen Nachfolger +Cosimo+ vereinigt

die Republik +Siena+ mit seinem Gebiete und wird 1569 vom Papst Pius

V. zum ~Großherzog von Toskana~ erhoben (bestätigt von Kaiser Rudolf

II. 1576). Unter Cosimos II. Regierung lehrt in Florenz +Galileo

Galilei+, der 1633 von der Inquisition in Rom gezwungen wird, das

+Kopernikanische Sonnensystem+ abzuschwören († 1642 in Arcetri bei

Florenz).

Die ~Päpste~ dieser Zeit sind mit Erfolg bestrebt, den Kirchenstaat zu

vergrößern und ihr geistliches Ansehen zu erhöhen.

[1492–1502.]

+Alexander VI.+ aus dem Hause +Borgia+, durch Ausschweifungen

berüchtigt; sein Sohn +Cesar Borgia+ herrscht grausam in der Romagna.

[1503–1513.]

+Julius II.+, kriegerisch und kunstliebend, beginnt den Neubau der

Peterskirche, beruft dazu den Baumeister Bramante, den Bildhauer

Michelangelo (an Julius’ II. Grab Statue des Moses) und den Maler

Raffael nach Rom.

[1513–1521.]

+Leo X.,+ Sohn Lorenzos von Medici (S. 211), kunstliebend und gelehrt.

[1521–1523.]

+Hadrian VI.,+ aus Utrecht, früher Lehrer Karls V., auf Abstellung

kirchlicher Mißbräuche bedacht.

[1523–1534.]

+Clemens VII.,+ Neffe Lorenzos von Medici, klug, aber nicht tatkräftig.

[1555–1559.]

+Paul IV.,+ streng kirchlich, hat 1542 als Kardinal unter Paul III. die

Herstellung der +Inquisition+ (S. 186) und die Einrichtung des Index

librorum prohibitorum bewirkt.

[1572–1585.]

+Gregor XIII.+ ordnet 1582 den +verbesserten Kalender+ an (Ausfall

des Schaltjahres am Ende des Jahrhunderts, mit Ausnahme jedes vierten

Jahrhunderts).

[1575–1590.]

+Sixtus V.+ unterdrückt das Räubertum im Kirchenstaat; Vollendung der

Peterskirche.

~Neapel~ ist von 1504–1713 ein Nebenland Spaniens (s. S. 235). Der

Aufstand des Fischers +Tommaso Aniello,+ genannt +Masaniello+ (1647),

wird schnell unterdrückt.

~Blütezeit der italienischen Kunst und Literatur.~

Maler: +Leonardo da Vinci+ († 1519), +Raffael Santi+ († 1520), +Antonio

Allegri,+ genannt +Correggio+ († 1534), +Michelangelo Buonarotti+ (†

1564), zugleich Bildhauer und Architekt, +Tizian+ († 1576), +Paul

Veronese+ († 1588). Musiker: +Palestrina+ († 1594). Dichter: +Ariosto+

(† 1533), +Torquato Tasso+ († 1595). Unter den Prosaschriftstellern

ragt hervor der Politiker +Macchiavelli+ († 1527 in Florenz: Il

Principe, Buch vom Fürsten).

§ 5. Pyrenäische Halbinsel und Niederlande,

[~1479–1516.~]

~Ferdinand der Katholische,~ König von +Aragon,+ übernimmt 1504

nach dem Tode seiner Gemahlin +Isabella+ (S. 215) die Regierung in

+Kastilien+ für seine abwesende Tochter +Johanna+, Gemahlin des

Erzherzogs Philipp von Österreich (S. 225). Philipp und Johanna

kommen 1506 nach Kastilien; Ferdinand tritt in einem Vertrage die

Regentschaft an Philipp ab, aber bald darauf stirbt dieser plötzlich

1506. Johanna, schon früher schwermütig, verfällt in Wahnsinn, lebt

im Schlosse +Tordesillas+ in Haft bis zu ihrem Tode (1555). Ferdinand

übernimmt wieder die Regentschaft, erweitert 1512 das Reich Aragon

durch Eroberung des kleinen Königreichs +Navarra+; nur der nördlich von

den Pyrenäen gelegene Teil desselben bleibt dem französischen Grafen

+Jean d’Albret+ (S. 236). Befestigung der Monarchie in dem nunmehr

vereinigten ~Königreich Spanien~ mit Hilfe des staatsklugen Kardinals

+Ximenez+.

[~1516–1556.~]

~Karl I.~ (als deutscher Kaiser +Karl V.,+ s. S. 228) begründet nach

Niederwerfung eines Aufstandes in Kastilien (1521) die unbeschränkte

Königsgewalt in +Spanien+; die Cortes fortan ohne Bedeutung. Durch

Erwerbung großer Gebiete in +Amerika+ (S. 223) gelangt Spanien zu hoher

Machtstellung.

[~1556–1598.~]

~Philipp II.~, viermal vermählt, mit: 1. +Maria+ von Portugal (Mutter

des Don Carlos), 2. +Maria der Katholischen+ von England (S. 246),

3. +Elisabeth+ von Valois (S. 236), 4. +Anna+, Tochter Maximilians

II. Unter seinem starren Despotismus erschöpfen sich die Kräfte des

spanischen Reiches.

Krieg mit Frankreich (S. 236). Blutige Verfolgung der Moriskos und der

Protestanten in Spanien; die Schrecken der Inquisition (S. 215) dauern

fort. Zwist zwischen dem König und seinem Erben +Don Carlos+; dieser

wird verhaftet und stirbt im Gefängnis 1568. Über die +Türken+, welche

1565 vergeblich die dem Johanniterorden (S. 178) gehörige Insel +Malta+

angreifen (tapfere Verteidigung durch den Großmeister +La Valette+),

erficht +Don Juan d’ Austria+, Karls I. (V.) natürlicher Sohn, den

großen

[~1571.~]

~Seesieg bei Lepanto~ (Naupaktos, S. 44). In demselben Jahre werden die

+Philippinen+-Inseln in Besitz genommen (1898 an die Union abgetreten).

[~1568–1648.~]

~Freiheitskrieg der Niederlande.~

~Veranlassung~: Die seit Karls V. Abdankung an Spanien gekommenen

niederländischen Provinzen (S. 225) waren seit alter Zeit im Besitz

bedeutender Privilegien; die +Stände+ (+Staaten+, +États+) hatten

Steuern und Truppen zu bewilligen. Aber Druck der spanischen

Besatzungen, Strafedikte gegen die Ketzer, die geplante Gründung

neuer Bistümer, Furcht vor Einführung der spanischen Inquisition

bewirken unter der Statthalterin +Margarete von Parma+ (1559–1567),

der Halbschwester des Königs Philipp II. (ihr Ratgeber Bischof

+Granvella+), heftige Erregung. Bund des Adels (Kompromiß zu +Breda+)

zur Verteidigung der Privilegien. Im Staatsrat sind Graf +Egmont+,

Statthalter von Flandern, und Wilhelm von +Nassau-Oranien[46]+,

Statthalter von Holland und Seeland, um Erhaltung des Friedens bemüht.

[1566.]

Überreichung einer Bittschrift an die Statthalterin in +Brüssel+ durch

300 Vertreter des niederen Adels (~Geusen~, Bettler, ihr Parteiname,

entstanden durch den verächtlichen Ausruf des Grafen von Barlaimont:

+Ce n’est qu’un tas de gueux+). Volksunruhen, veranlaßt durch

calvinische Prediger; Bildersturm und Plünderung der Kirchen. Egmont

und Wilhelm von Oranien treten diesen Unordnungen entgegen.

Obwohl die Ruhe schließlich wiederhergestellt war, wird

[1567.]

Herzog ~Alba~ mit einem spanischen Heere über +Genua, Savoyen, Burgund+

nach den Niederlanden gesandt. Wilhelm von Oranien entflieht nach

Nassau. Tausende von Niederländern verlassen ihr Vaterland. Alba

übernimmt die Regierung; der von ihm in Brüssel eingesetzte Gerichtshof

arbeitet entsetzlich, vom Volk als »Blutrat« bezeichnet.

[1568.]

Hinrichtung der Grafen +Egmont+ und +Hoorn+.

~Wilhelm von Oranien~ macht mit Flüchtlingen und deutschen Söldnern,

die er in Nassau um sich gesammelt hat, einen Einfall in die

Niederlande, wird aber von Alba zurückgeschlagen.

Die willkürlichen, von Alba auferlegten Steuern (der 10te Pfennig

von jeder verkauften Ware, der 100ste vom Vermögen) erregen einen

neuen Aufstand. Einnahme von +Briel+ (an der Maasmündung) durch die

Wassergeusen 1572. Schnelle Ausbreitung des Aufstandes, besonders in

den nördlichen Provinzen, wo Wilhelm von Oranien nach seiner Rückkehr

aus Deutschland an die Spitze tritt. Herzog Alba wird auf seinen

eigenen Antrag 1573 zurückberufen.

Sein Nachfolger +Luis de Requesens+ siegt zwar 1574 auf der Mooker

Heide, wo zwei Brüder des Prinzen von Oranien fallen, belagert

aber +Leyden+ vergeblich (Durchstechung der Deiche, Gründung der

Universität) und kann des Aufstandes nicht Herr werden († 1576).

Plünderungen der Städte Antwerpen, Mastricht, Gent u. a. durch die

königlichen Truppen führen die

[~1576.~]

~Pazifikation von Gent~ herbei, einen Vertrag +aller+ Provinzen,

durch welchen sie sich, ungeachtet der religiösen und nationalen

Unterschiede, vereinigen, um die spanischen Soldaten aus dem Lande zu

treiben.

Der neue Statthalter +Don Juan d’Austria+, Philipps II. Halbbruder,

wird von den meisten Provinzen nicht anerkannt, doch entsteht unter

ihnen bald Uneinigkeit. Ihm folgt +Alexander Farnese von Parma+,

Margaretes Sohn (1578–1592), ein staatskluger Fürst und trefflicher

Feldherr. Dieser unterwirft unter dem Versprechen der Herstellung ihrer

alten politischen Freiheiten die +südlichen+, katholischen Provinzen

(Belgien). Die sieben +nördlichen+, überwiegend calvinischen (Holland,

Seeland, Utrecht, Geldern, Overyssel, Groningen, Friesland) schließen

[~1579.~]

die ~Utrechter Union~, sagen sich 1581 gänzlich von Spanien los und

übertragen die Leitung +Wilhelm von Oranien+. Nach dessen Ermordung

zu +Delft+ 1584 durch den Fanatiker Balthasar Gerard tritt sein Sohn,

der 17jährige ~Moritz von Oranien~, an die Spitze. Kriegsglück

Alexanders von Parma, Einnahme von +Antwerpen+ 1585. Die den Holländern

geleistete englische Hilfe (+Leicester+ Statthalter) bestimmt Philipp

zur Ausrüstung der ~Armāda~, welche, angeführt vom Herzog Medina

Sidonia, furchtbaren Stürmen und der Tapferkeit der Engländer erliegt

(1588). Seitdem Niedergang der spanischen Seeherrschaft. Moritz erobert

Breda 1590, dann Nimwegen und Groningen, die Spanier erobern 1604 nach

dreijähriger Belagerung Ostende. Endlich wird unter König

[~1598–1621.~]

~Philipp III.~

[1609.]

ein zwölfjähriger ~Waffenstillstand~ geschlossen. Unter dem schwachen,

von Günstlingen beherrschten Könige sinkt Spaniens Macht und Wohlstand

weiter, namentlich auch infolge der Austreibung von 500000 Moriskos.

Nach Ablauf des Waffenstillstandes mit den Niederländern wird der Kampf

wieder aufgenommen, bis unter König

[~1621–1665.~]

~Philipp IV.~ die ~Republik der Niederlande~ im Westfälischen Frieden

1648 (s. S. 260) die Anerkennung ihrer Unabhängigkeit von seiten

Spaniens und des Deutschen Reiches erlangt.

In dem aufblühenden neuen Staate fehlt es nicht an inneren Parteiungen;

der +oranischen+ Partei steht die +Generalstaaten+-Partei gegenüber,

den strengen Calvinisten (Gomarianern) die gemäßigten (Arminianer).

Die Synode zu +Dordrecht+ verurteilt 1619 den verdienten Staatsmann

+Olden Barneveld+, welcher Moritz von Oranien entgegengetreten war, zum

Tode; +Hugo Grotius+, zur Haft verurteilt, flieht 1621 nach Frankreich

(sein Buch +de iure belli ac pacis+ Grundlage des Völkerrechts, 1635

schwedischer Gesandter in Paris, † 1645). Die Statthalterwürde wird

1650 aufgehoben, 1672 wiederhergestellt.

Wilhelm I. von Nassau-Oranien,

†1584.

_______________|_____________

| |

Moritz, Friedrich Heinrich,

†1625. †1647.

____________|___________

| |

Wilhelm II., Luise Henriette, †1667.

†1650. Gem. Friedrich Wilhelm

| v. Brandenburg.

| |

Wilhelm III., Friedrich I.

†1702. von Preußen.

~Aufschwung der niederländischen Seemacht~: Ostindische Kompagnie 1602

gegründet, +Neu-Amsterdam+ (New York, S. 270) 1612, +Batavia+ auf Java

1619, +Kapstadt+ 1651, +Ceylon+ besetzt 1656, 1634–54 auch +Brasilien+.

+Tasman+ umfährt Australien (Neu-Holland) 1642.

Blüte der Wissenschaften auf der Universität +Leyden+ (gegr. 1575). Der

Philosoph +Baruch Spinoza+ geb. zu Amsterdam 1632, † 1677.

Blüte der Malerei (+Rembrandt+ † 1669, +Ruysdael+ † 1682, +Hobbema+ †

1709), der Dichtkunst (+Vondel+ † 1679) und Musik (Roland de Lattre

[Orlandus Lassus] † 1594 in München).

In den spanischen Niederlanden die Maler +Rubens+, geb. in Siegen 1577,

† in Antwerpen 1640; +van Dyk+ † 1641; +Teniers+ der Ältere † 1649,

+Teniers+ der Jüngere † 1690; +Snyders+ † 1657.

Auch in ~Spanien~ Blüte der Literatur (+Cervantes+ † 1616, +Lope de

Vega+ † 1635, +Calderon+ † 1681) und Malerei +(Velasquez+ † 1660,

+Murillo+ † 1682), aber das Volk verarmt und unwissend; Gewerbfleiß,

Handel und Seemacht im Niedergang begriffen.

~Portugal~ im Besitz ansehnlicher Kolonien, blühend unter +Emanuel

dem Großen+ (1495–1521). Sein Urenkel +Sebastian+ fällt 1578 in der

unglücklichen Schlacht bei +Alkassar+ in Marokko. Philipp II. von

Spanien erhebt Erbansprüche als Sohn einer Tochter Emanuels, nimmt

1580 das Land in Besitz. Als ~spanische Provinz (1580–1640)~ verliert

Portugal einen großen Teil seiner Kolonien (Molukken, Sunda-Inseln,

Ceylon) an die Niederländer. 1640 Erhebung gegen die spanische

Herrschaft; eine fast unblutige Revolution erhebt das Haus ~Braganza~

(König Johann IV.) auf den Thron, das ihn bis 1910 behauptet.

§ 6. England und Schottland.

[~1485–1603.~]

~Haus Tudor~ (s. s. 213).

[1485–1509.]

~Heinrich VII.~ erhöht das Ansehen der Krone, indem er dem Adel

verbietet, bewaffnetes Gefolge zu halten (Gerichtshof der +Sternkammer+

gegen Aufruhrversuche) und die Finanzen ordnet. Er versucht ganz Irland

zu unterwerfen (S. 192). Seine Tochter +Margarete+ vermählt mit +Jakob

IV.+, König von Schottland (aus dem Hause +Stuart+, s. S. 212).

[~1509–1547.~]

~Heinrich VIII.~, grausam und tyrannisch. Er ist sechsmal vermählt,

nämlich mit: 1. +Katharina von Aragon+, Schwester der »wahnsinnigen«

Johanna (S. 225), Witwe seines Bruders +Arthur+, Mutter von +Maria

der Katholischen+ (geschieden). 2. +Anna Boleyn+, Mutter der

+Elisabeth+ (hingerichtet). 3. +Johanna Seymour+ († nach der Geburt

ihres Sohnes +Eduard VI.+). 4. +Anna von Cleve+ (geschieden). 5.

+Katharina Howard+ (hingerichtet). 6. +Katharina Parr+ (überlebt den

König). Die verweigerte Scheidung von der ersten Gemahlin (Kardinal

+Wolsey+, gestürzt 1529) wird für den anfangs streng katholischen König

(+Defensor fidei+) Grund zur Trennung der +englischen Kirche+ vom

Papsttum (1531). Der König kirchliches Oberhaupt. Blutige Verfolgung

aller den +Suprematseid+ Verweigernden (der Kanzler Thomas More †

1535); Einziehung vieler Klöster, aber Beibehaltung katholischer Lehren

(die 6 Artikel).

~Stammtafel der Familien Tudor und Stuart~ (S. 213):

~Heinrich VII.~ †1509.

____________|_____________________________________

| | |

~Heinrich VIII.~ Margarete, Maria,

†1547. Gem. Jakob IV. Gem. Hz.

| v. Schottland. v. Suffolk

~Maria d. Katholische~ | |

†1558. ~Jakob V.~ |

~Elisabeth~ †1603. v. Schottland Franziska,

~Eduard VI.~ †1553. †1542. Gem. Henry Gray.

Gem. Maria |

v. Guise. Johanna Gray

| †1554.

~Maria (Stuart)~ †1587.

Gem. Darnley.

|

~Jakob VI.~ v. Schottland †1625.

[~1547–1553.~]

~Eduard Vl.~, 10 Jahre alt. Die Regierung geleitet von dem Protektor

Herzog von +Somerset+, dann von Graf +Warwick+, Herzog von

+Northumberland+. Nun erst finden die +Lehren+ der Reformation in

England Eingang. Gründung der episkopalen Hochkirche (High Church).

+Book of common prayer+ und Glaubensbekenntnis in 42 Artikeln, verfaßt

von Thomas +Cranmer+, Erzbischof von Canterbury.

[~1553–1558.~]

~Maria die Katholische~, »die Blutige«. +Northumberlands+ Versuch,

+Johanna Gray+, die Gemahlin seines Sohnes, auf den Thron zu setzen,

mißlingt; alle drei werden hingerichtet. Maria vermählt sich mit

Philipp II. von Spanien, dem aber keine Regierungsrechte zugestanden

werden. Wiederherstellung der katholischen Religion. Grausame

Verfolgung der Protestanten, Erzbischof +Cranmer+ und viele andere

verbrannt. +Calais+ an Frankreich verloren (s. S. 236).

[~1558–1603.~]

~Elisabeth.~ Wiederherstellung der ~anglikanischen Kirche~

(Episkopalkirche), protestantische Lehre mit Beibehaltung der

katholischen Hierarchie und teilweise des Kultus. Glaubensbekenntnis

die ~39 Artikel~. Zahlreiche +Dissenters+ (Presbyterianer, Puritaner).

Handel und Schiffahrt entwickeln sich, besonders seit der Vernichtung

der Armada. Entdeckungsreisen (+Franz Drake+, zweite Erdumsegelung 1577

bis 1580, S. 223). Ansiedelungen in Nordamerika, +Walther Raleigh+

gründet die Kolonie +Virginia+ 1584. Ostindische Kompagnie 1600. Die

Kaufleute der deutschen Hanse werden 1598 aus ihrem Hause in London,

dem +Stalhof+, vertrieben, erhalten es jedoch später noch einmal

zurück. -- Unter Elisabeths Regierung lebt der große dramatische

Dichter ~William Shakespeare~ (1564 bis 1616 und der Philosoph Franz

Bacon von Verulam, 1561 bis 1626).

[1587. 8. Febr.]

~Hinrichtung~ der Königin ~Maria Stuart~.

+Maria Stuart+, Tochter +Jakobs V.+ von Schottland und der +Maria von

Guise+ (S. 236), Urenkelin Heinrichs VII. von England, geb. 1542,

zuerst vermählt mit +Franz II.+ von Frankreich († 1560), nimmt nach

dem Tode der Königin +Maria der Katholischen+ den Titel +Königin

von England+ an. Nach dem Tode ihres Gemahls Franz übernimmt sie

die Regierung in ~Schottland~ (1561). Streit mit den schottischen

Calvinisten. (+John Knox+, in Genf mit +Calvin+ befreundet, † 1572).

Maria heiratet ihren Vetter +Heinrich Darnley+, der ihren Günstling

+Riccio+ ermorden läßt (1566) und dann unter Mitwissenschaft der

Königin von +Bothwell+ ermordet wird (1567). Maria heiratet gleich

darauf in dritter Ehe den Mörder +Bothwell+. Aufstand der Schotten,

Maria gefangen, ihr und Darnleys einjähriger Sohn +Jakob+ als König

anerkannt. Maria entflieht nach England (1568). Hier wird sie bis

1587 gefangen gehalten und zuletzt in Fotheringhay wegen Teilnahme an

Verschwörungen gegen das Leben Elisabeths hingerichtet.

[1588.]

Auszug aus der Alten, Mittleren und Neueren Geschichte · 第 25 / 49 段