versammelten Kurfürsten, 1520 in Aachen gekrönt. +Friedrich der Weise+
hatte die Kaiserkrone wegen hohen Alters abgelehnt.
[~1521.~ 18. April]
~Reichstag zu Worms.~ Luther verteidigt seine Lehre vor dem Kaiser,
der ihm das freie Geleit hält. Doch wird er in die Reichsacht
erklärt und auf Befehl +Friedrichs des Weisen+ aus Vorsicht auf die
+Wartburg+ gebracht. Das +Wormser Edikt+ verbietet alle Neuerungen.
-- Luther beginnt die ~Bibelübersetzung~ (vollendet 1534). Er kehrt
auf die Nachricht von +Karlstadts+ Unordnungen nach Wittenberg zurück
(Frühjahr 1522) und predigt gegen die +Bilderstürmer+, richtet dann
den Gottesdienst mit deutscher Predigt und Abendmahl unter beiderlei
Gestalt in Kursachsen ein. Die Ausbreitung der Reformation in
Deutschland wird dadurch gefördert, daß Karl V. bald nach Spanien
zurückkehrt und dann durch Kriege mit Franz I. von Frankreich in
Anspruch genommen ist.
[1522–1523.]
Reichstag zu Nürnberg. Die Durchführung des Wormser Edikts für
unmöglich erklärt. Die Berufung eines Konzils verlangt.
[~1522–1523.~]
~Ritterkrieg~ im Rheinlande. +Franz von Sickingen+ an der Spitze eines
Ritterbundes gegen die geistlichen Fürstentümer, belagert vergeblich
+Trier+, wird in seiner Burg +Landstuhl+ (bei Kaiserslautern)
eingeschlossen und fällt. Sein Freund +Ulrich von Hutten+ stirbt als
Flüchtling auf der Insel Ufnau im Zürchersee.
[~1524–1525.~]
~Bauernkrieg~ in Schwaben und Franken, begleitet von furchtbaren
Greueln. Die 12 +Artikel+ der Bauern fordern Wahl der Pfarrer durch
die Gemeinde, Beschränkung der Abgabe des Zehnten auf den Kornzehnt,
Aufhebung der Leibeigenschaft, Freiheit der Jagd und des Fischfanges
u. a. Luther ermahnt anfangs zum Frieden, schreibt dann heftig »wider
die mördischen und raubischen Bauern«. Die Aufständischen werden
geschlagen (namentlich bei Königshofen a. d. Tauber) und blutig
bestraft. -- Die +Wiedertäufer+ in Thüringen mit den Bauern verbündet;
sie werden bei Frankenhausen geschlagen, ihr Führer +Thomas Münzer+ mit
25 anderen Anführern in Mühlhausen in Thüringen hingerichtet.
[1525.]
Kurfürst Friedrich der Weise †. Ihm folgt sein Bruder Johann der
Beständige (1525–1532). Reformation in +Preußen+. Hochmeister +Albrecht
von Brandenburg+ wird +Herzog+ in Preußen unter polnischer Lehnshoheit.
Luthers Vermählung mit Katharina von Bora. Kirchenvisitation in
Sachsen, Sorge für die Schulen, Katechismus 1529.
[~1521–1526.~]
~Erster Krieg~ Karls V. gegen Franz I. von Frankreich. Karl erhebt
Ansprüche auf +Mailand+ und das +Herzogtum+ Burgund (S. 206), Franz
auf das spanische Navarra und auf Neapel (S. 235). Die Franzosen
werden aus Mailand vertrieben, welches +Franz Sforza+ (S. 210) 1522
erhält. Der französische +Connétable Karl von Bourbon+ geht zu Karl
V. über. Mißglückter Einfall der Franzosen in Italien (1523–1524, auf
dem Rückzuge fällt +Bayard+, S. 235), darauf Einfall der Kaiserlichen
in das südliche Frankreich. Franz I. geht über den Mont Cenis, nimmt
Mailand wieder.
[1525.]
~Schlacht bei Pavīa~, Sieg der Spanier unter +Pescara+ und der
deutschen Landsknechte unter +Georg von Frundsberg+; Franz I. gefangen.
[1526.]
Friede zu ~Madrid~. Franz entsagt allen Ansprüchen auf Mailand und
Neapel, sowie der Lehnshoheit über Flandern und Artois, willigt in die
Herausgabe des Herzogtums Burgund, stellt seine Söhne als Geiseln.
Gleichzeitig zeichnet er einen feierlichen Protest gegen den Frieden
auf, läßt sich dann vom Papst von seinem Eide lösen und erklärt die
in Madrid beschworenen Bedingungen als erzwungen für nichtig. Papst
Clemens schließt (Mai 1526) mit Frankreich, Venedig, Florenz und
Mailand die +Heilige Liga+ von +Cognac+ gegen Karl V.
[~1526.~]
~Erster Reichstag zu Speier.~ Die Evangelischen, an der Spitze Kurfürst
Johann der Beständige von Sachsen und Landgraf Philipp von Hessen,
erwirken einen der Ausbreitung der neuen Lehre günstigen Reichsabschied.
[~1527–1529.~]
~Zweiter Krieg~ zwischen Karl V. und Franz I. Das kaiserliche (nicht
bezahlte und aufrührerische) Heer unter dem Connétable von Bourbon
nimmt Rom mit Sturm, Bourbon fällt, der Papst wird in der Engelsburg
belagert (1527), doch erfolgt bald die Aussöhnung mit dem Hofe zu
Madrid. Vergeblicher Einfall der Franzosen in Neapel.
[1529.]
Damenfriede zu ~Cambrai~. +Margarete von+ Österreich, Tante Karls,
und +Luise von Savoyen+, Mutter des Königs von Frankreich. Letzterer
zahlt 2 Millionen Kronen und entsagt den Ansprüchen auf Italien. Karl
verspricht seine Ansprüche auf Burgund +für jetzt+ nicht geltend zu
machen und entläßt die französischen Prinzen.
[1529.]
~Zweiter Reichstag zu Speier~, wo Ferdinand (S. 225) und die
katholische Partei infolge der siegreichen Machtstellung des Kaisers
energischer auftreten. Der Reichstagsbeschluß von 1526 wird aufgehoben.
Strenge Durchführung des +Wormser Edikts+ in den evangelischen
Territorien beschlossen. Hiergegen protestieren die evangelischen
Stände (daher Protestanten genannt). Darauf +Religionsgespräch zu
Marburg+ zwischen Luther und Zwingli. Einigung über 14 Artikel, doch
nicht über die Lehre vom Abendmahl.
[~1526–1532.~]
~Krieg mit den Türken.~ Sultan +Soliman II.+, welcher 1522 die
Johanniter (S. 219) aus Rhodus vertrieben hat, fällt in Ungarn ein;
König Ludwig II. von Ungarn und Böhmen † in der +Schlacht bei Mohacz+
(1526). Eine Partei des ungarischen Adels wählt +Ferdinand+, Karls
Bruder, die andere +Johann Zapolya+ von Siebenbürgen, zu dessen Schutze
Soliman abermals erscheint, jedoch +Wien+ vergeblich belagert (1529).
[1530.]
Karl V. in +Bologna+ gekrönt; letzte Krönung eines deutschen Kaisers
durch den Papst.
Glänzender ~Reichstag zu Augsburg~ unter persönlichem Vorsitz des
Kaisers. Überreichung der von +Melanchthon+ verfaßten ~Augsburgischen
Konfession~ (Confessio Augustana). Der Reichsabschied gebietet die
Aufhebung aller Neuerungen. Deshalb
[Dez.]
~Schmalkaldischer Bund~ der meisten protestantischen Fürsten und
Reichsstädte.
[1531.]
Treffen bei +Kappel+; die Züricher von den katholischen Waldkantonen
geschlagen, Zwingli †, doch behauptet sich seine Lehre.
Karl V. läßt seinen Bruder +Ferdinand+ in Köln zum römischen König
wählen und in Aachen krönen. Der Kurfürst von Sachsen protestiert
im Namen der Evangelischen dagegen. Infolge der von neuem drohenden
Türkengefahr kommt zustande der
[~1532.~]
~Religionsfriede zu Nürnberg.~ Den Protestanten wird bis zu einem
allgemeinen Konzil freie Religionsübung zugestanden.
Soliman II. fällt verheerend in Ungarn ein. Heldenmütige Verteidigung
von +Güns+. Ein großes Reichsheer sammelt sich bei Wien, Soliman geht
zurück. Karl V. reist wieder nach Spanien.
[1534–1535.]
Unruhen der ~Wiedertäufer~ in ~Münster~ (Jan Matthys aus Harlem, dann
+Johann Bockelson+ aus Leyden, »König von Zion«).
[1534.]
Landgraf Philipp von Hessen führt den 1519 vom schwäbischen Bunde
vertriebenen (lutherischen) Herzog Ulrich von ~Württemberg~ in sein
Herzogtum zurück, mit welchem der Kaiser seinen Bruder +Ferdinand+
belehnt hatte. Dieser verzichtet im Frieden zu Kadan auf den ferneren
Besitz Württembergs, wird dafür von den Evangelischen als römischer
König anerkannt. Landgraf Philipp leistet darauf dem Bischof von
+Münster+ Hilfe zur Unterwerfung der Stadt; Johann von Leyden nebst
anderen Anführern grausam hingerichtet.
Württemberg, Pommern, Anhalt und mehrere Reichsstädte treten dem
Schmalkaldischen Bunde bei (1536).
[1535.]
Karls V. Zug gegen +Tunis+ (Seeräuber +Chaireddin Barbarossa+). Tunis
erobert und alle Christensklaven befreit.
[~1536–1538.~]
~Dritter Krieg~ zwischen Karl V. und Franz I., letzterer erneuert seine
Ansprüche auf +Mailand+ nach dem Tode des Herzogs Franz Sforza. Er
verbündet sich mit +Soliman II.+, der Ungarn bedrängt und durch seine
Flotte die Küste Italiens plündern läßt.
[1538.]
+Waffenstillstand zu Nizza+ auf Grund des Besitzstandes. Darauf reist
Karl V., um einen Aufruhr in seiner Geburtsstadt +Gent+ zu bekämpfen,
durch Frankreich, wo er von Franz I. ausgezeichnet empfangen wird.
Einführung der Reformation im +Herzogtum+ Sachsen (Herzog Georg †
1539), im Kurfürstentum Brandenburg (1539), im Herzogtum Mecklenburg
(1540).
[1540.]
Der ~Jesuiten-~Orden, von dem Spanier +Ignatius von Loyōla+ 1534
gestiftet zur Ausbreitung der katholischen Lehre, wird von Papst Paul
III. bestätigt.
[~1541.~]
~Reformation in Genf~ durch ~Johann Calvin.~ Jean +Cauvin+ aus Noyon
in der Picardie, geb. 1509, tritt 1532 in Paris als Reformator auf,
findet Schutz bei Margarete von Navarra, Schwester Franz’ I. (S.
236). Aus Frankreich 1534 vertrieben, lebt Calvin abwechselnd in
Basel, Genf, Straßburg, von 1541 bis zu seinem Tode 1564 in +Genf+.
Die Anhänger Zwinglis schließen sich ihm allmählich an. Calvinische
+Kirchenverfassung+: Die Gemeinde von den erwählten Geistlichen
und +Ältesten+ (Presbyterium) regiert, mehrere Gemeinden durch die
+Synode+; strenge Kirchenzucht. Der Arzt Servet 1553 als Irrlehrer (De
trinitatis erroribus) verbrannt.
[1541.]
Verlängerung des Religionsfriedens auf dem Reichstag zu +Regensburg+ in
Gegenwart Karls V.
Soliman II. setzt in +Ofen+ einen türkischen Pascha ein. Karls V.
unglücklicher Zug nach +Algier+.
[1542.]
Vertreibung des Herzogs +Heinrich+ von Braunschweig-Wolfenbüttel durch
den Schmalkaldischen Bund.
[~1542–1544.~]
~Vierter Krieg~ Karls V. gegen Franz I., der wiederum mit Soliman II.
verbündet ist. Der Kaiser unterwirft den Herzog von +Cleve+, der sich
an Frankreich angeschlossen hat, und dringt bis +Soissons+ vor.
[1544.]
Friede zu ~Crespy~ (spr. +Crépi+): Der Herzog von Orléans, zweiter Sohn
des französischen Königs, soll eine kaiserliche Prinzessin heiraten und
Mailand erhalten. Da er aber schon 1545 stirbt, so bleibt +Mailand+ dem
Kaiser, der es seinem Sohne +Philipp+ zu Lehen gibt.
[1545.]
+Hermann von Wied+, Erzbischof von +Köln+, welcher +Melanchthon+ zu
sich berufen hatte, um in seinem Erzstift die Reformation einzuführen,
wird vom Kaiser verwarnt und sucht Hilfe beim Schmalkaldischen Bunde.
[~1545–1563.~]
~Kirchenversammlung zu Trient~ (Tridentum) in Tirol, von den
Protestanten nicht beschickt, vom Papste zweimal vertagt. Kirchliche
Reformen, zugleich genauere Feststellung der katholischen Lehre.
[1546.]
18. Febr. Tod Luthers in Eisleben.
[~1546–1547.~]
~Schmalkaldischer Krieg.~ Karl V. will die reichsständische
Selbständigkeit in Deutschland brechen und zugleich im Bunde mit
dem Papste, der ihm Geld und Truppen sendet, die kirchliche Einheit
wiederherstellen. Die Häupter des Schmalkaldischen Bundes, +Johann
Friedrich+, Kurfürst von Sachsen, und Landgraf +Philipp+ von Hessen
werden in die Acht erklärt. Herzog +Moritz+ von Sachsen, Philipps
Schwiegersohn, schließt sich der Sache des Kaisers an.
[1546.]
Unentschlossene Kriegführung der Verbündeten an der +Donau+. Johann
Friedrich wird durch einen Einfall des Herzogs Moritz in sein Land
zur Rückkehr veranlaßt. Die süddeutschen Protestanten (Ulm, Augsburg,
Straßburg, Herzog Ulrich von Württemberg u. a.) unterwerfen sich,
Hermann von Wied wird aus Köln vertrieben. Karl V. zieht mit seinem aus
Spaniern (Herzog +Alba+) und Italienern gebildeten Heere nach Sachsen,
geht über die Elbe, schlägt in der
[~1547.~ 24. April.]
~Schlacht bei Mühlberg~ (auf der Lochauer Heide, bei Torgau) den
Kurfürsten von Sachsen, nimmt ihn gefangen und zieht als Sieger
in +Wittenberg+ ein. Vergleich unter Vermittelung Joachims II.
von Brandenburg. Die Kurwürde und die Kurländer kommen an die
+Albertinische+ Linie des Hauses Wettin (Herzog Moritz); die
Ernestinische Linie behält nur die thüringischen Gebiete (+Weimar+,
+Jena+, +Eisenach+, +Gotha+ u. a., S. 227). +Philipp von Hessen+
unterwirft sich in +Halle+ und wird, obgleich sich Moritz und Joachim
II. für seine Freiheit verbürgt hatten, gefangen gehalten.
[1548.]
Auf dem +Reichstag+ zu +Augsburg+ dekretiert der Kaiser, da das
Tridentiner Konzil vom Papste nach Bologna verlegt ist, das ~Interim,~
welches den Protestanten aufgezwungen werden soll. Einstweilen wird
ihnen die Priesterehe und das Abendmahl unter beiderlei Gestalt
zugestanden. Sonst soll Lehre und Kirchenverfassung im wesentlichen
katholisch bleiben. Die Stadt +Magdeburg+, als Mittelpunkt des
Widerstandes in die Reichsacht erklärt, wird vom Kurfürsten ~Moritz von
Sachsen~ 1550–51 belagert, unterwirft sich ihm, ohne Glaubenszwang zu
erleiden. Moritz, erbittert über die Behandlung seines Schwiegervaters
und besorgt für seine Stellung und die »Libertät« aller deutschen
Fürsten, rüstet heimlich gegen den Kaiser und nötigt ihn, nach Abschluß
eines Bündnisses mit +Heinrich II.+ von Frankreich, zur
[~1552.~]
Flucht aus +Innsbruck+. Das in +Trient+ wieder versammelte Konzil
vertagt sich und tritt erst 1562 wieder zusammen. In Passau tritt ein
Fürstentag zusammen. König +Ferdinand+ vermittelt den
~Passauer Vertrag~: Das Interim abgeschafft. Freilassung Philipps
von Hessen, der Religionsfriede soll auf dem nächsten +Reichstage+
festgestellt werden. Auch Kurfürst Johann Friedrich wird freigelassen.
[1552.]
~Karl V.~ zieht mit Heeresmacht gegen ~Heinrich II.~ von Frankreich,
welcher als Moritz’ Verbündeter die ~lothringischen Bistümer~ +Metz+,
+Toul+ und +Verdun+ besetzt hat. Vergebliche Belagerung von +Metz+,
welches Franz von Guise mit Erfolg verteidigt. Frankreich bleibt im
Besitz der drei Bistümer, während das +Herzogtum+ Lothringen nach wie
vor beim deutschen Reiche bleibt.
[1553.]
Moritz siegt bei +Sievershausen+ (unweit Hannover) über seinen
bisherigen Verbündeten +Albrecht Alcibiades von Brandenburg-Kulmbach+
(der den Passauer Vertrag nicht anerkennen will), wird aber tödlich
verwundet.
Karl V. zieht sich verstimmt nach den Niederlanden zurück, überläßt die
Herstellung des Friedens in Deutschland seinem Bruder Ferdinand.
[~1555.~]
~Augsburger Religionsfriede~. Die +Landesherren+ und +freien Städte+,
welche sich zur +Augsburgischen Konfession+ bekennen, erhalten
Religionsfreiheit und das Recht, in ihren Gebieten die Konfession ihrer
Untertanen zu bestimmen: cuius regio, eius religio. Den andersgläubigen
Untertanen soll das Recht auszuwandern gewahrt bleiben. Zu Gunsten
der katholischen Kirche ~geistlicher Vorbehalt~ (+Reservatum
ecclesiasticum+), daß geistliche Reichsstände, welche protestantisch
werden, Amt, Gebiet und Einkünfte verlieren sollen (S. 232). Die
Evangelischen fügen sich dieser Bestimmung gegen eine +Deklaration+,
daß evangelische Untertanen geistlicher Reichsstände bei ihrer
Religion gelassen werden sollen. Die Reformierten sind von dem Frieden
ausgeschlossen.
~Wirkungen der Reformation.~
Die von Deutschland ausgehende religiöse Bewegung führt in den meisten
europäischen Ländern 1. zur +Abschaffung kirchlicher Mißbräuche+
und Vertiefung des religiösen Lebens, 2. zu erhöhter Pflege der von
den Fesseln der Kirche befreiten +Wissenschaften+, Verbesserung des
Schulwesens, Verbreitung geistiger Bildung, 3. zur Stärkung der Gewalt
der Territorialfürsten und durch den Gegensatz der Konfessionen zu
+politischen Kämpfen+, in denen das europäische +Staatensystem+ sich
ausbildet.
~Luthers Lehre~ verbreitet sich nach Dänemark, Schweden, Norwegen und
den Ostseeprovinzen, +Calvins+ Lehre (die ~reformierte Kirche~) nach
Frankreich, den Niederlanden, Schottland; in Deutschland findet sie
namentlich im Kurfürstentum Pfalz (Heidelberger Katechismus 1563), in
Hessen und Bremen Eingang.
Hebung des Wohlstandes in Deutschland, namentlich in den oberdeutschen
+Reichsstädten+; die Kaufmannshäuser Fugger und Welser in +Augsburg+.
Aufblühen der +deutschen Literatur+: Hans Sachs († 1576) in +Nürnberg+,
Joh. Fischart in +Straßburg+ († 1591); das protestantische Kirchenlied.
Die Maler Lukas Kranach, Vater und Sohn, in +Wittenberg+, später in
Weimar († 1553 bezw. 1586).
[~1550.~]
~Abdankung Karls V.~ in Brüssel. Die Krone ~Spanien~ (mit den
Kolonien), dazu +Neapel+, +Mailand+, Freigrafschaft +Burgund+ und die
Niederlande kommen an seinen Sohn +Philipp+, die Kaiserwürde an seinen
Bruder +Ferdinand I.+ (s. S. 225). Karl lebt in der Nähe des Klosters
S. Just (in Estremadura, nördlich vom Tajo) als Privatmann (nicht
Mönch), stirbt 1558.
§ 3. Frankreich.
[~1498–1589.~]
Häuser ~Orléans~ und ~Angoulême~.
Nebenlinien des Hauses Valois (s. S. 208), deren Zusammenhang mit der
Hauptlinie die folgende Stammtafel darstellt.
~Karl V.~ (dritter K. aus dem Hause +Valois+) †1380.
___________________|_______________________
~Karl VI.~ †1422. Ludwig, Hz. v. Orléans.
| Gem. Valentine Visconti.
| ______|__________________
~Karl VII.~ †1461. Karl, Hz. Johann, Graf
| v. Orléans. v. Angoulême.
| | |
~Ludwig XI.~ †1483. ~Ludwig XII.~ Karl, Graf v. Angoulême.
| †1515. Gem. Anna v. Gem. Louise v. Savoyen.
| d. Bretagne, Witwe |
| Karls VIII. |
| | |
~Karl VIII.~ †1498. Claudia. ~Franz I.~ †1547.
Gem. Anna v. d. Bretagne. |________________|
|
~Heinrich II.~ †1559.
Gem. Katharina v. Medici.
_______________________________|_______________________________
| | | | | |
~Franz II.~ Elisabeth, ~Karl IX.~ ~Heinrich III.~ Franz, Margarete,
†1560. Gem. Gem. †1574. (Hz. v. Anjou) Hz. v. Gem.
Maria Stuart. Philipp II. K. v. Polen. Alençon. Heinrich IV.
K. v. Spanien. †1589.
Die französische Monarchie, nach Zeiten schwerer Erschütterung wieder
erstarkt, beginnt schon unter +Karl VIII.+ (S. 209) eine gegen
+Italien+ gerichtete Eroberungspolitik, doch ohne dauernden Erfolg.
[1498–1515.]
~Ludwig XII.~ heiratet Anna von der +Bretagne+, Karls VIII. Witwe,
um dieses Herzogtum bei der Krone zu erhalten, macht Ansprüche auf
~Mailand~ als Enkel von +Valentine Visconti+, verjagt den Herzog
+Ludovico Moro+ (aus dem Hause +Sforza+, s. S. 211), der, als er nach
Mailand zurückkehrt, gefangen wird (1500).
[1501.]
+Ludwig XII.+ erobert im Bunde mit +Ferdinand dem Katholischen+,
König von Aragon, das Königreich ~Neapel~. Spanier und Franzosen bald
uneinig, die letzteren von dem spanischen Feldherrn +Gonsalvo de
Cordŏva+ am +Garigliano+ geschlagen (1504). Ludwig XII. verzichtet auf
Neapel, behauptet aber die Schutzherrschaft über +Genua+. Neapel und
Sicilien bis 1713 in spanischem Besitz. Gonsalvo erster Vizekönig.
[1508.]
Teilnahme Ludwigs an der +Liga zu Cambrai+ gegen Venedig, aber Papst
Julius II., Ferdinand der Katholische und Venedig verbinden sich 1511
zur +Heiligen Liga+, um die Franzosen aus Italien zu vertreiben. Diese
führen den Krieg unter +Gaston de Foix+, Neffen Ludwigs XII., anfangs
glücklich, nehmen 1512 +Brescia+ mit Sturm (~Bayard~, der Ritter ohne
Furcht und Tadel, S. 229), schlagen mit Hilfe von 5000 deutschen
Landsknechten das spanisch-päpstliche Heer bei +Ravenna+, werden aber
1513 von den Schweizern bei +Novāra+ geschlagen und räumen Italien.
[~1515–1547.~]
~Franz I.~
[1515.]
Er erobert +Mailand+ wieder durch den glänzenden Sieg über die
Schweizer bei ~Marignano~.
[1520.]
Zusammenkunft mit Heinrich VIII. von England (+Camp du drap d’or+) in
der Nähe von Calais.
Kriege mit +Karl V.+ (s. S. 229–232): +Mailand+ verloren. Künste
und Wissenschaften werden gefördert durch den Verkehr mit Italien.
Schloßbauten: der +Louvre+ in Paris.
Erhöhung der königlichen Macht durch ein Konkordat mit dem Papste
(1516), welches die Wahl der Bischöfe und Äbte im wesentlichen dem
König überläßt; dagegen Wiedereinführung der +Annaten+ (Gebühren für
die Bestätigung durch den Papst in der Höhe eines Jahreseinkommens) und
Verzichtleistung auf den Grundsatz des Konstanzer und Baseler Konzils,
daß ein allgemeines Konzil +über+ dem Papste stehe (s. S. 203).
Verfolgung der Protestanten und grausame Hinrichtungen.
[~1547–1559.~]
~Heinrich II.~ Wachsende Macht der ~Guisen~, eines Nebenzweiges
des Hauses Lothringen, (+Franz+, Herzog von Guise, und +Karl+, der
»Kardinal von Lothringen«). Verfolgung der Protestanten in Frankreich,
aber Unterstützung der +deutschen+ Protestanten. 1552 +Metz+, +Toul+,
+Verdun+ gewonnen, Krieg mit Karl V. (s. S 233).
[1556–1559.]
Krieg mit +Philipp II.+ von Spanien. Die Franzosen von den Spaniern
(mit Hilfe der Engländer) bei +St. Quentin+ 1557 und durch den Grafen
+Egmont+ bei +Gravelingen+ 1558 geschlagen. +Franz von Guise+ nimmt
+Calais+, die letzte Besitzung der Engländer in Frankreich (S. 209).
[1559.]
Im Frieden zu +Cateau Cambrésis+ geben die Franzosen alle Eroberungen,
außer +Calais+, heraus. Philipp II. heiratet Elisabeth, älteste Tochter
Heinrichs II. Auf Heinrich II., der an einer Turnierwunde stirbt,
folgen hintereinander seine drei schwachen Söhne.
[~1559–1560.~]
~Franz II.~, erster Gemahl der +Maria Stuart+ von Schottland, einer
Nichte der Guisen. Verfolgung der Protestanten, grausame Hinrichtungen
(+Chambres ardentes+). Des Königs Mutter ~Katharina von Medici~ mit den
Guisen verbündet, während die Prinzen aus dem Hause +Bourbon+, Anton,
König von Navarra,[44] und Ludwig von Condé, sich der Protestanten
annehmen.
[~1560–1574.~]
~Karl IX.~, 10 Jahre alt, ebenfalls unter der Leitung seiner Mutter
+Katharina von Medici+,
[1562–1598.]
~Hugenottenkriege.[45]~
Die Verletzung eines den Reformierten gewährten Toleranzedikts durch
+Franz von Guise+ (Blutbad zu +Vassy+ in der Champagne 1562) und
grausame Verfolgungen in mehreren Städten veranlassen eine bewaffnete
Erhebung der Reformierten unter Führung des Prinzen von +Condé+ und
des Admirals +Coligny+. Sie erkämpfen in +drei Kriegen+ (bis 1570) das
Zugeständnis bedingter Religionsfreiheit, welches durch Einräumung
von 4 Sicherheitsplätzen (namentlich der Hafenstadt +La Rochelle+)
gewährleistet wird.
[~1572.~ 23.–24. Aug.]
~Die Bartholomäusnacht~ oder ~Pariser Bluthochzeit.~ Bei Gelegenheit
der Vermählung +Heinrichs von Bourbon+ und +Navarra+, der nach Condés
Tode an die Spitze der Hugenotten getreten war, mit der Schwester des
Königs Karl IX., Margarete von Valois, zuerst ein Mordanschlag auf
+Coligny+ gemacht, dann Ermordung aller in Paris anwesenden Hugenotten,
geleitet von +Heinrich von Guise+ und der Königin-Mutter +Katharina
von Medici+. Heinrich von Navarra rettet sein Leben durch Übertritt
zur katholischen Kirche. In der Hauptstadt werden über 2000, in ganz
Frankreich gegen 20000 Hugenotten ermordet. Diese Bluttat entzündet
den +vierten+ Krieg (1572–1573). La Rochelle, von Herzog +Heinrich von
Anjou+, Bruder des Königs Karl IX., belagert, verteidigt sich tapfer
(Graf Montgomery). Die Wahl des Herzogs von Anjou zum König von Polen
bewirkt einen Vergleich.
Karl IX. stirbt 1574. Sein Bruder, der aus Polen entweicht, wird König
von Frankreich als
[~1574–1589.~]
~Heinrich III.~ Der +fünfte+ Krieg, während dessen Heinrich von Navarra
wieder zum reformierten Glauben übertritt, wird 1576 unter Bedingungen
beendigt, die für die Hugenotten günstiger sind als die früheren
Friedensschlüsse. Daher Unzufriedenheit der strengen Katholiken; die
~Heilige Ligue~ beabsichtigt im Bunde mit +Philipp II.+ Vernichtung der
reformierten Partei und Erhebung der Guisen auf den Thron. Der König
erklärt sich aus Furcht vor der Ligue zum Haupt derselben und verbietet
den reformierten Gottesdienst in ganz Frankreich.