durch eine neue Erhebung der ~Mongolen~ in Asien unter +Timur Lenk+,
welcher in gewaltigem Siegeszuge Persien (bei Ispahan 70000 Köpfe
erschlagener Feinde zusammengeschichtet), das Indusland, Syrien,
Kleinasien unterwirft. Bagdad zerstört. Hauptstadt seines Reiches
+Samarkand+.
[1402.]
Schlacht bei +Angora+ in Kleinasien; Bajazet besiegt und gefangen.
Nach Timurs Tode (1405) zerfällt sein Reich; die Osmanen stellen ihre
Herrschaft in Kleinasien und der griechischen Halbinsel wieder her.
Erste Belagerung von Konstantinopel 1422.
Die Donaugrenze wird von den ~Ungarn~ heldenmütig verteidigt. Öftere
Verhandlungen der oströmischen Kaiser mit den Päpsten über Herstellung
der kirchlichen Einheit (S. 176); die Beschlüsse des (in Ferrara 1438
eröffneten) +Unionskonzils+ zu +Florenz+ 1439 werden in Konstantinopel
von der Geistlichkeit und dem Volke nicht angenommen. Papst Eugen
IV. läßt das Kreuz predigen gegen die Türken, aber die Schlacht bei
Varna (s. oben) lähmt den Kriegseifer. Sultan Mohammed II. macht dem
oströmischen Reiche ein Ende durch die
[~1453.~]
~Eroberung Konstantinopels.~
[~29. Mai.~]
Tapfere Verteidigung durch den letzten Kaiser +Konstantin XII.+ und den
Genuesen +Giustiniani+. Griechische Gelehrte flüchten nach Italien (s.
S. 211).
+Athen+ wird 1456 von den Türken besetzt, die Halbinsel +Morea+ 1460
verwüstet. In +Albanien+ leistet Georg Castriota (Skanderbeg) tapferen
Widerstand, † 1467. +Bosnien+ und die +Walachei+ werden 1462–1464
unterworfen, bald auch Albanien. Belgrad (S. 218) bleibt noch bis 1521
(s. unten) ungarische Grenzfeste.
[1463–1479.]
Seekrieg der +Venetianer+ gegen die Türken; sie behalten Kandia, Korfu
und mehrere Plätze in Morea, verpflichten sich aber zur Tributzahlung,
um ihren Handel zu behalten.
[1480.]
Rhodus von den +Johannitern+ rühmlich verteidigt. Sultan Bajazet II.
überläßt 1489 den Venetianern die Insel +Cypern+ (Katharina Cornaro,
Gemahlin des letzten Fürsten aus dem Hause Lusignan, s. S. 175),
vertreibt sie aber 1500 aus Morea. Kriegszug nach der +Moldau+ 1497.
Sultan Selim I. unterwirft 1515–1517 Mesopotamien, Syrien und Ägypten.
Die Ausbreitung der Türkenherrschaft versperrt die alten Handelswege
nach Indien.
Die von den +Türken+ dem christlichen Europa drohende Gefahr steigert
sich unter Sultan Soliman II., der 1521 +Belgrad+ erobert (vgl. S. 230).
In ~Persien~ erst 1505 die Mongolenherrschaft beseitigt und eine
einheimische Dynastie wieder eingesetzt. Begründung des neupersischen
Reiches. 1582–1627 regiert der Schah Abbas der Große. Residenz Ispahan.
In ~Indien~ begründet Baber, ein Nachkomme Timurs, 1525 das Reich des
Großmogul; Hauptstadt Delhi. Blüte dieses Reiches unter Dschelaleddin
Mohammed (Akbar) 1556–1605.
In ~China~ unter der Ming-Dynastie (1368–1644) wird die bis 1911
noch geltende Regierungsform ausgebildet. Der Kaiser, »der Sohn des
Himmels«, besitzt unumschränkte Gewalt über alle Untertanen, ist
geistliches Oberhaupt, höchster Richter und Anführer im Kriege.
Er genießt abgöttische Verehrung (Kotau). Strenges Zeremoniell.
Gelbe Kleidung äußeres Zeichen seiner Würde. Der Nachfolger von ihm
aus seinen Söhnen gewählt, falls diese fehlen, aus den nächsten
Verwandten. Dem Kaiser stehen Minister zur Seite, auf deren Anregung
und Verantwortung er die Gesetze erläßt. In Wirklichkeit jedoch ist
die Regierung des Reiches der Mitte in eine Willkürherrschaft der
Provinzvorstände (Vizekönige) ausgeartet.
~Japan~, wohin um die Mitte des 6. Jahrhunderts nach Chr. von China
aus (über Korea) der Buddhismus und zugleich chinesische Civilisation
gekommen, wird aus einem Geschlechterstaat in einen Beamtenstaat nach
chinesischem Muster umgewandelt. Der +Mikado+ wird unumschränkter
Herrscher des Reiches. Hauptstadt Kioto. Der Großkanzler (Daijo
Daijin) und die Minister führen die Regierung des Landes, die Provinzen
von Statthaltern verwaltet. Alle Beamten mit erblichem Landbesitz
ausgestattet. Einzelne Familien sichern sich den erblichen Besitz der
wichtigsten Ämter. So bildet sich ein Hausmeiertum aus. Der Mikado von
den Ministern, die Provinzialstatthalter von den Großgrundbesitzern in
den Provinzen, d. h. von den Ministern allmählich bei Seite geschoben.
Militär- und Zivilgewalt getrennt. Der Oberfeldherr des aus den Hörigen
der mächtigsten Geschlechter hervorgegangenen Soldatenstandes, der
+Shogun+, bringt schließlich auch das Amt des Großkanzlers in seinen
Besitz. Nach langen erbitterten Kämpfen fällt das Shogunat, d. h. der
Inbegriff aller Regierungsgewalt, der Familie der Minamoto zu. Der
Kaiser in Kioto in strenger Abhängigkeit gehalten, bleibt nur im Besitz
gewisser Ehrenrechte. Residenz der Shogune in Kamakura.
[1275.]
Vergebliche Expedition des Mongolenfürsten Kublai-Chans zur
Unterwerfung Japans. Eine zweite Flotte gleichfalls zurückgeschlagen,
durch einen Taifun völlig vernichtet (S. 195). Gegen Ende des 15.
Jahrhunderts werden die Militärgouverneure in den Provinzen (Shugo)
nach Beseitigung der Statthalter unabhängige Territorialherren
(Daimyo).
Fussnoten:
[37] so genannt nach den goldenen Siegelkapseln.
[38] Streitig war das Kurrecht zwischen den beiden sächsischen und
den beiden nach dem Tode Ludwigs des Strengen 1294 entstandenen
wittelsbachischen Linien. Dasselbe ward nun Sachsen-+Wittenberg+ und
+Pfalz+ zuerkannt, Sachsen-+Lauenburg+ und +Bayern+ aber abgesprochen
(S. 189).
[39] +De terra vero salica in mulierem nulla portio transit, sed hoc
virilis sexus acquirit+ (bezieht sich eigentlich auf +Allodial+besitz
und weder auf Lehen noch auf die Thronfolge).
[40] Titel des Thronfolgers seit 1349, da der letzte Graf von +Vienne+
sein Gebiet (le Dauphiné) dem französischen Königshause übertrug.
~III. Neuere Geschichte.~
~A. Von der Entdeckung Amerikas bis zum Westfälischen Frieden.
(1492–1648.)~
§ 1. Erfindungen, Entdeckungen u. Kolonien.
Drei noch dem +Mittelalter+ angehörige ~Erfindungen~, die mit dem
Beginn der neueren Zeit zu allgemeinerer Anwendung kommen, sind
auf die Umgestaltung der Welt von großem Einfluß gewesen. 1. Der
~Kompaß~ (um 1310 durch +Flavio Gioja+ von Amalfi erfunden?), fördert
Sicherheit der Schiffahrt und ermöglicht die Entdeckungsfahrten.
2. Das ~Schießpulver~, wahrscheinlich aus Asien (China, Indien,
Arabien) nach Europa gekommen, nach einer unhaltbaren Überlieferung
erfunden durch den Mönch +Berthold Schwarz+ zu Freiburg im Breisgau
(1354?), jedenfalls um die Mitte des 14. Jahrhunderts in Europa zuerst
angewendet. Durch diese Erfindung eine allmähliche Umgestaltung des
+Kriegswesens+ und der Untergang des +Rittertums+ herbeigeführt (S.
226). 3. Die ~Buchdruckerkunst~ (S. 206), allgemeiner verbreitet,
seitdem sich nach der Eroberung von Mainz (1462 in der Pfälzer Fehde,
s. S 206) die Gehilfen +Fusts+ in verschiedene Länder zerstreut hatten,
das wichtigste Mittel zur Verbreitung geistiger Bildung, Förderung des
Humanismus und der +Reformation+.
[~1492.~]
~Entdeckung Amerikas~ durch ~Columbus~.
~Cristoforo Columbo~ (er selbst nannte und schrieb sich, seit er
Spanier geworden, stets ~Cristobal Colon~), aus +Genua+, seit seiner
frühesten Jugend Seefahrer, will einen westlichen Seeweg nach +Indien+
und namentlich nach der Wunderinsel +Zipangu+ (Japan) suchen, welche
der Venetianer +Marco Polo+ (Reisen von 1271–1295, S. 206) in dem
Buche +Mirabilia mundi+ beschrieben hatte. Vom Könige von Portugal
abgewiesen, tritt Colon 1486 in den Dienst der Königin Isabella
von +Kastilien+ (S. 214). Erst nach der Einnahme Granādas werden
notdürftige Mittel für das große Unternehmen beschafft. Vertrag mit
+Colon+, dem der Adel, die erbliche Würde eines Admirals und Vizekönigs
und ⅒ der Einkünfte der neuen Länder zugestanden werden. Er
unternimmt 4 Reisen.
~Erste Reise~ 1492. Abfahrt von Palos mit 3 kleinen Schiffen am 3.
Aug. 1492, von den Kanarischen Inseln am 6. September. Am 12. Oktober
Landung auf +Guanahani+ (San Salvador), einer von den Bahama-Inseln.
Entdeckung von +Cuba+ und +Haïti+; erste Kolonie Española auf Haïti
gegründet.
~Zweite Reise~ 1493–1496 von Cadiz aus. Entdeckung der Kleinen
+Antillen+ und der Insel +Jamaika+; Niederwerfung des Aufstandes in
Española.
~Dritte Reise~ 1498–1500. +Trinidad+ und das Festland von
Südamerika[41] (die Mündung des +Orinoko+) entdeckt; dann Fahrt
nach Española. Colon, als Ausländer, auch durch Härte und nicht
abzuleugnende Habsucht verhaßt, wird bei Hofe angeklagt. +Bobadilla+,
mit Vollmacht als Oberrichter nach der Kolonie gesendet, schickt ihn in
Ketten nach Spanien. Dort wird Colon sofort in Freiheit gesetzt und mit
Auszeichnung behandelt, behält auch die +Admirals+würde, wird aber als
+Statthalter+ durch +Ovando+ ersetzt.
~Vierte Reise~ 1502–1504. Küste von Honduras entdeckt, Schiffbruch,
trauriger Aufenthalt bei den Wilden auf Jamaika, endlich Rückkehr von
Haïti aus.
Columbus stirbt in Valladolid 1506, ohne zu wissen, daß er einen +neuen
Erdteil+ entdeckt hat; er hielt jene Länder für Teile Asiens (Indien).
Sein Sohn +Diego Colon+, 1509 Admiral und Vizekönig von Española (†
1526). Die Admiralswürde vererbt sich auf seinen Enkel und Urenkel.
Der gelehrte Florentiner ~Amerigo Vespucci~ gibt nach mehreren Fahrten
mit den Portugiesen nach Südamerika (die Küste von Venezuela durch den
Spanier +Hojeda+ entdeckt) Karten und Beschreibungen der neu entdeckten
Länder heraus. +Nach+ ihm, nicht durch ihn erhält der neue Erdteil den
Namen ~Amerika~.
[~1498.~]
~Seeweg nach Ostindien~ von ~Vasco da Gama~ entdeckt. Die Portugiesen
behalten die schon seit längerer Zeit von ihnen verfolgte Richtung der
Entdeckungsfahrten (S. 215) bei; +Vasco da Gama+ landet um Weihnachten
1497 an der +Costa Natal+, dann in +Melinde+; von da gelangt er unter
Führung eines arabischen Lotsen nach +Calicut+ an der Küste +Malabar+.
[~1500.~]
~Brasilien~ entdeckt von ~Cabral~, dessen Schiffe bei der zweiten Fahrt
nach Indien in die westliche Meeresströmung geraten; er landet dann in
Calicut und Cotschin.
[1505–1515.]
Begründung portugiesischer Kolonien in Asien durch die Vizekönige
+Almeida+ und +Albuquerque+. Hauptort +Goa+, andere Ansiedlungen in
Diu, Malakka, Ceylon, Macao (der Dichter +Camoëns+ 1555).
[1513.]
Der Spanier +Balboa+ dringt vom Meerbusen von +Darien+ aus zum +Stillen
Ozean+ vor.
[1515.]
Der Spanier +Diaz de Solis+ erreicht die +La Plata+-Mündung.
[~1519–1522.~]
~Erste Erdumsegelung~ unter ~Ferdinand Magalhães~ (spr. Magaliängs),
einem in spanische Dienste getretenen Portugiesen. Durchfahrt nach dem
Stillen Ozean durch die +Magalhães+straße. Er selbst wird 1521 auf
einer der Philippineninseln erschlagen (S. 215).
[1519–1521.]
Eroberung von ~Mexiko~ durch ~Hernan Cortez~. Dieser segelt mit 600
spanischen Soldaten von Cuba nach dem Hafenort Veracruz, wo er seine
Schiffe versenkt. Dann marschiert er mit den Tlaskalanern verbündet auf
+Mexiko+, die Residenz des Königs der Azteken, +Montezuma+, der ihn
in die Stadt einläßt. Er nimmt den König in seinem Palast gefangen.
Infolgedessen Aufstand der Mexikaner, Tod Montezumas. Die Spanier
verlassen die Stadt, nächtlicher Kampf auf einem der Dämme des Sees,
furchtbare Verluste (+Noche triste+). Sieg der Spanier. Von Tlaskala,
wohin er sich zurückgezogen, kehrt Cortez bald mit Verstärkungen
vor die Hauptstadt zurück. Einnahme von Mexiko nach hartnäckigem
Belagerungskampf 1521. Der König +Guatmotzin+ hingerichtet. Cortez
anfangs unumschränkter Statthalter von +»Neuspanien«+, dann auf die
militärische Oberleitung beschränkt, entdeckt +Kalifornien+ 1535,
stirbt in Spanien 1547.
[1532.]
Eroberung von ~Peru~ durch ~Pizarro~.
Die »Conquistadoren« (Eroberer) finden in dem silberreichen Peru,
wie in Mexiko, eine schon lange bestehende einheimische Kultur vor.
Adelsherrschaft bei den +Inkas+, die sich »Söhne der Sonne« nannten.
Sonnentempel in der Hauptstadt +Cuzko+, reich mit Gold geschmückt.
Pizarro nimmt den König +Atahualpa+ vor seinem Heere gefangen und
läßt ihn, nachdem er ein ungeheueres Lösegeld von ihm erpreßt hat,
hinrichten. Gründung von +Lima+ 1535, Fehden zwischen den spanischen
Anführern. Pizarros Nebenbuhler +Almagro+, aus +Chile+ zurückgekehrt,
wird 1538 von ihm besiegt und hingerichtet, er selbst von dessen
Freunden 1541 in einem Aufstande erschlagen. Die Krone übernimmt die
Verwaltung des Landes 1548.
Drei spanische Vizekönigreiche: +Mexiko+, +Peru+, +Neu-Granada+, später
ein viertes für das +La Plata+-Gebiet; für die westindischen Inseln das
Generalkapitanat +Cuba+.
~China~ und ~Japan~ werden den Portugiesen im 16. Jahrh. gleichfalls
geöffnet (+Ningpo+, +Macao+), später auch den Spaniern und
Niederländern (+Formosa+). Der Handelsverkehr mit Europa von den
+Daimyo+ in Japan (S. 220) sehr begünstigt. Das +Christentum+ (schon
Papst Clemens V. hatte 1307 ein Erzbistum in Peking und 1313 ein Bistum
in Zeitun eingerichtet) (S. 195), findet in China (Jesuiten Franz
Xaver, Ruggieri) und ebenso in Japan schnell Verbreitung.
~Folgen der Entdeckungen.~
1. Die Ausbreitung des Christentums und der europäischen Kultur
über die ganze Erde ist ermöglicht. 2. Aufschwung von Handel und
Gewerbe durch die Verwertung der überseeischen Erzeugnisse, Sinken
des Geldwertes durch die Ausbeutung der Gold- und Silberbergwerke
in Südamerika. 3. Bereicherung der Wissenschaften, besonders der
Geographie und Naturkunde. 4. Im europäischen Staatensystem kommen die
+Seemächte+ durch den Besitz von +Kolonien+ zu besonderer Geltung.
Spanien und Portugal treten jedoch am Ende des 16. Jahrh. zurück gegen
die Niederlande und England. 5. Auswanderung aus den übervölkerten
Teilen Europas nach Amerika.
§ 2. Die Reformation in Deutschland.
[~1493–1519.~]
~Maximilian I.~ zieht nicht mehr zur Krönung nach Rom, nennt sich
+»erwählter römischer Kaiser«+.
[1495.]
Reform der Reichsverfassung durch die Beschlüsse des Reichstags zu
+Worms+: ~Ewiger Landfriede~, Reichssteuer (gelangt nicht zu bleibender
Einführung), ~Reichskammergericht~ (erst in +Frankfurt+, dann in
+Speier+, seit 1693 in +Wetzlar+). Besserung der Rechtsprechung durch
Annahme des +römischen Rechts+ (S. 147), welches seit Friedrich I. (S.
183) noch immer als kaiserliches Recht galt.
Auf den +Reichstagen+ werden, nachdem die Berufung der Reichsstädte
(seit 1487) üblich geworden ist, die kaiserlichen Vorschläge in 3
+Kollegien+ beraten: Kurfürsten, Fürsten (geistliche und weltliche),
Reichsstädte. Der Kaiser verkündet die Beschlüsse im +Reichsabschied+.
[1512.]
Reichstag zu +Köln+, Einteilung des deutschen Reiches in 10
~Landfriedenskreise~:
1. der +österreichische+, 2. +bayrische+, 3. +schwäbische+, 4.
+fränkische+ (Maingebiet, Burggrafschaft Nürnberg), 5. +oberrheinische+
(Lothringen, Hessen u. a.), 6. +kurrheinische+ (Mainz, Trier, Köln,
Pfalz), 7. +burgundische+ (Niederlande), 8. +westfälische+, 9.
+niedersächsische+ (Braunschweig, Lüneburg, Lauenburg, Holstein,
Mecklenburg u. a.), 10. +obersächsische+ (Sachsen, Brandenburg, Pommern
u. a.).
+Böhmen+ (mit seinen Nebenländern Mähren, Schlesien, Lausitz) und
die +Schweiz+ bleiben außerhalb der Kreisverfassung; das Ordensland
+Preußen+ steht unter +polnischer+ Oberhoheit (S. 217).
Wenig erfolgreiche Teilnahme Maximilians an den +italienischen+ Kriegen
(S. 285, 239); +Mailand+ kommt an Frankreich, die +Schweiz+ wird
tatsächlich unabhängig vom deutschen Reiche, da den Eidgenossen (seit
1501 dreizehn Orte, außerdem die »zugewandten Orte«) Freiheit von
Reichssteuern und vom Reichskammergericht zugestanden wird (S. 260).
~Bildung der habsburgischen Hausmacht.~ Durch Verträge und Heiraten
gewinnt Maximilian seinem Hause die Herrschaft über +Spanien+ mit
seinen Nebenländern, sowie über +Böhmen+ und +Ungarn+.
~Maximilian I.~, ~Maria~ ~Ferdinand~, ~Isabella~,
Kaiser, v. Burgund, K. v. Aragon, K. v. Kastilien,
†1519. †1482. †1516. †1504
|__________________| |__________________|
| |
~Philipp der Schöne~, ~Johanna die Wahnsinnige~,
Erzhz. v. Österr., †1506. K. v. Aragon u. Kast., †1555.
|_____________________________________________|
|
~Karl V.~ (I.), †1558, ~Ferdinand I.~, †1564,
Gem. Isabella v. Portugal Gem. Anna von Ungarn.
| |
~Philipp II.~, K. v. Spanien. ~Maximilian II.~, Kaiser,
†1598. †1576.
Maximilians Sohn, Erzherzog +Philipp+, heiratet +Johanna+, die Erbin
der spanischen Monarchie (Aragon, Kastilien, Neapel [s. S. 235] und die
amerikanischen Kolonien), nimmt 1504 den Titel König von Kastilien an,
stirbt aber, ehe sein Anspruch mit dem Recht König Ferdinands auf die
Regentschaft über Kastilien ausgeglichen ist (S. 241).
Philipps ältester Sohn +Karl+, 1516 König des vereinigten ~Spaniens~,
erbt 1519 von Maximilian die ~habsburgischen Erblande~ (Österreich,
Steiermark, Kärnten, Krain, Vorderösterreich am Oberrhein, Tirol) und
die ~Niederlande~, überträgt die ersteren 1521 bezw. 1522 an seinen
Bruder +Ferdinand+. Dieser heiratet +Anna+, Schwester Ludwigs II., des
letzten Königs von +Böhmen+ und +Ungarn+ (dessen Gemahlin +Maria+ ist
Ferdinands Schwester) und erwirbt 1526 die Herrschaft über ~Böhmen~ und
~Ungarn~ (S. 207, 230).
Die ~Umbildung des Rechts~ unter dem beherrschenden Einfluß des
römischen (S. 224) bewirkt in Deutschland allmählich eine Stärkung
der fürstlichen Gewalt. Das römische Recht, das der jetzt allgemein
durchgeführten Geld Wirtschaft mehr entspricht als das der früheren
Naturalwirtschaft angepaßte deutsche Recht, mißt den Landesherren
unumschränkte Gewalt zu (S. 183), schließt das Volk und den Adel von
der Teilnahme an der Rechtsprechung und Verwaltung aus und überträgt
diese den römisch gebildeten Juristen. So bildet sich im Laufe der Zeit
überall ~der fürstliche Absolutismus~ aus, wie ihn in Italien Friedrich
II. begründete (S. 187). In Deutschland werden die Fürsten nach und
nach absolute Territorialherren, deren Selbständigkeit die Kaiser nicht
zu bezwingen vermögen. Unter dem Einfluß des römischen Rechts wird
auch die Erstgeburtserbfolge und die Aufhebung der Landesteilungen
allmählich durchgeführt, z. B. für Brandenburg in der Constitutio
Achillea von 1473, für Bayern 1506 usw.
An die Stelle des alten ritterlichen Lehnsaufgebots tritt das
~Söldnerheer~ (+Landsknechte+), das weniger durch den Fahneneid als
durch die Soldzahlung an die Fürsten gekettet (vgl. S. 229), die
sicherste Stütze des Absolutismus wird. Der Unterhalt dieser stehenden
Heere durch Steuern aufgebracht, deren Bewilligung den Landständen
(Vertretung der Geistlichkeit, der Vasallen und Städte) vorbehalten
bleibt.
Das ~Rittertum~ verliert den militärischen Vorrang seit der Einführung
der Feuerwaffen an die Landsknechte und die bürgerliche Artillerie.
Die Burgen gewähren keinen sicheren Schutz mehr. Infolge der
veralteten Art der Bewirtschaftung (Dreifelderwirtschaft) ist der
Ackerbau unrentabel geworden, zumal im Verhältnis zu den städtischen
Erwerbszweigen. Hierdurch und durch die fortgesetzten Erbteilungen der
Adelsgüter verschlechtert sich auch die materielle Lage der Ritter.
Daher Erhöhung der Leistungen und Abgaben der ~Bauern~, die infolge
der Bevölkerungszunahme auch vielfach die Hufen teilen müssen, da sie
von jedem gewerblichen Betrieb der Bürger ausgeschlossen sind. In den
~Städten~ blühen Handel und Gewerbe. Ansammlung großer Kapitalien
in den Händen der patrizischen Geschlechter, z. B. der +Welser+
und +Fugger+ in Augsburg (S. 234). Blüte der Kunst und Literatur.
Pflege des Meistergesanges (+Hans Sachs+ in Nürnberg). In den Städten
geordnete Verwaltung, Sorge für Unterricht, Arme und Kranke, während
der fürstliche Staat für die Volkswohlfahrt wenig leistet, weil es ihm
an Beamten fehlt.
~Aufblühen der Wissenschaften und Künste in Deutschland~, angeregt
durch den von Italien aus sich verbreitenden +Humanismus+ (S. 211).
Deutsche Humanisten: +Johann v. Dalberg+, 1483 Kanzler der Universität
Heidelberg und Bischof von Worms, +Konrad Celtis+, 1497 Prof. in Wien,
+Wilibald Pirkheimer+, Ratsherr in Nürnberg, +Konrad Peutinger+ in
Augsburg, +Johann Reuchlin+, Prof. in Tübingen, 1482 mit Graf Eberhard
in Italien, 1502 Richter des schwäbischen Bundes (S. 206), gerät 1510
mit den Dominikanern von Köln in Streit über die Religionsbücher der
Juden: viele Humanisten nehmen an dem Streit teil, namentlich der
Ritter +Ulrich von Hutten+, als Mitverfasser der +Epistolae obscurorum
virorum+ 1516. +Erasmus von Rotterdam+, bekannt durch seine satirische
Schrift +Laus stultitiae+, gibt 1516 das griechische Neue Testament
heraus.
Nikolaus +Kopernikus+ (geb. zu Thorn 1473, Domherr zu Frauenburg am
Frischen Haff, † 1543), angeregt durch die Schriften des Astronomen
+Johannes Müller+ von Königsberg in Franken (+Regiomontanus+, 1471 in
Nürnberg, † 1476), begründet die richtige Lehre vom Sonnensystem, Seine
Nachfolger Joh. +Kepler+ aus Württemberg († 1630) und +Galilei+ aus
Pisa († 1642).
Blüte der bildenden Künste namentlich in +Nürnberg+: der Holzschnitzer
+Veit Stoß+ († 1533), der Bildhauer +Adam Kraft+ († 1507), der
Erzgießer +Peter Vischer+ († 1529), der Maler +Albrecht Dürer+ (geb.
1471, † 1528); in Augsburg die Maler +Hans Holbein,+ Vater und Sohn, †
1524 im Elsaß, bezw. 1543 in London.
Auch die ~Baukunst~ strebte die Wiedergeburt der griechisch-römischen
Bauweise im Anschluß an die erhaltenen Baudenkmäler an
(~Renaissancestil~) (S. 211). In Deutschland vermischte sich der antike
Stil vielfach mit nationalen, der Gotik entlehnten Elementen, z.B.
Türmchen und Erkern. (+Heidelberger Schloß+.)
[~1517.~]
Beginn der ~Reformation~ durch ~Luther.~
~Martin Luther,~ geb. 10. Nov. 1483 in Eisleben, Sohn eines Bergmanns,
studiert seit 1501 in +Erfurt+, geht 1505 ins Augustinerkloster
daselbst, wird 1508 Professor an der Universität +Wittenberg+, 1511 in
Angelegenheiten seines Ordens nach Rom geschickt. Da der Dominikaner
+Johann Tetzel+ im Auftrage des Erzbischofs Albrecht von Mainz Ablaß
verkaufend umherzieht, schlägt Luther am 31. Oktober 1517 seine
95 Sätze (Thesen) gegen den Mißbrauch des Ablasses an die Tür der
Schloßkirche zu Wittenberg.
[1518.]
In der +Schweiz+ Beginn der Reformation durch Ulrich ~Zwingli~ in
Zürich, veranlaßt durch den Ablaßkrämer Bernardin +Samson+.
+Luther+, vor den Kardinal Thomas de Vio aus Gaëta (+Cajetanus+) nach
Augsburg gefordert, weigert sich zu widerrufen, appelliert an den
Papst.[42] Vermittelung durch den päpstlichen Kämmerer +v. Miltitz+
(Gespräch zu +Altenburg+). Luther geschützt von Kurfürst +Friedrich dem
Weisen+ von Sachsen (+Ernestinische+ Linie des Hauses Wettin), während
Herzog Georg (+Albertinische+ Linie) ihm abgeneigt bleibt.[43] Philipp
+Melanchthon+ (Schwarzerd), ein Verwandter Reuchlins, geb. 1497 zu
Bretten in Baden, seit 1518 als Professor in Wittenberg, Luthers
Mitarbeiter († 1560).
[1519.]
+Disputation zu Leipzig+; Joh. +Eck+, Prof. zu Ingolstadt, gegen
+Karlstadt+ (Andreas Bodenstein aus Karlstadt) und +Luther+. Letzterer
bekennt, daß Papst und Konzilien nicht unfehlbar seien, und daß sich in
Hussens Lehre viel Wahres finde. Das war der Bruch mit Rom. Eck reist
darauf nach Rom und erwirkt eine päpstliche Verdammungsbulle gegen 41
Artikel aus Luthers Schriften.
[1520.]
Luther veröffentlicht 3 reformatorische Schriften: 1. An den
christlichen Adel deutscher Nation von des christlichen Standes
Besserung, 2. Von der babylonischen Gefangenschaft der Kirche, 3.
Von der Freiheit eines Christenmenschen, verbrennt die päpstlichen
Dekretalen und die Bannbulle vor dem Elstertore zu Wittenberg.
[~1519–1556.~]