Kühnen+ (burgundische Nebenlinie der Valois). Dieser legt durch seine
Heirat mit der Erbtochter des Grafen von +Flandern+ den Grund zur
Herrschaft des burgundischen Hauses in den Niederlanden (S. 205).
[~1364–1380.~]
~Karl V., der Weise~. Beruhigung der inneren Verhältnisse, dann
Erneuerung des Krieges; die meisten früheren (S. 192) englischen
Besitzungen in Frankreich werden wiedergewonnen.
Ritter +Bertrand du Guesclin+, seit 1370 Connétable von Frankreich,
siegreich gegen die Engländer.
[~1380–1422.~]
~Karl VI.~, verfällt in Wahnsinn, seine Oheime, die Herzoge von Orléans
und Burgund, Reichsverweser, 2 Parteien: +Burgund+ und +Orléans+
(Armagnacs) (S. 205).
[1407.]
Der Herzog von Orléans wird auf Befehl des Herzogs +Johann+ von
Burgund ermordet. Die dadurch veranlaßten Parteikämpfe erleichtern das
abermalige Vordringen der Engländer.
[1415.]
Sieg +Heinrichs V.+, Königs von England, bei ~Azincourt~ (unweit
Crécy), darauf Eroberung der Normandie.
[1419.]
Johann von Burgund auf der Brücke von Montereau durch die Begleiter des
Dauphin Karl (+Duchâtel+) ermordet. Johanns Sohn +Philipp+ schließt
deshalb mit Beistimmung der Königin +Isabeau+ mit den Engländern den
Vertrag von +Troyes+; Heinrich V. heiratet +Katharina+, Tochter Karls
VI., und wird als Regent und Nachfolger auf dem Thron Frankreichs
anerkannt, † 1422.
Unter +Johann+ und seinem Sohne +Philipp dem Guten+ erreicht das
burgundische Herzogshaus den Gipfel seiner Macht. Blüte des Handels,
der Gewerbe und der Künste in den flandrischen Städten, besonders in
+Brügge+ und +Gent+ (die Maler Hubert und Johann van Eyck um 1420).
Philipp bemächtigt sich der Erbschaft der Gräfin Jakobäa von +Holland+
(S. 205).
[~1422–1461.~]
~Karl VII.~, zunächst nur südlich von der Loire anerkannt, im Norden
der minderjährige +Heinrich VI.+, König von England, geb. 1421.
[1429.]
~Johanna d’Arc~ (geb. 1412 in Domremy an der Maas), genannt die
~Jungfrau von Orléans~, weil sie dieser Stadt Entsatz bringt.
Die Engländer und Burgunder zurückgetrieben, Karl VII. in Reims
gekrönt. +Johanna+ 1430 bei Compiègne von den Burgundern gefangen,
den Engländern ausgeliefert, 1431 in Rouen von einem geistlichen
Gerichtshof als Zauberin und Ketzerin verurteilt und verbrannt. Das
ungerechte Urteil wird später (1456) auf Befehl des Papstes widerrufen.
Ihre Seligsprechung durch Papst Leo XIII. 1894.
[1435.]
Friede zu +Arras+ zwischen Karl VII. und Philipp von Burgund. Die
Engländer verlieren schließlich +alle+ französischen Besitzungen außer
+Calais+ (S. 236), ihr Feldherr +Talbot+ † 1453 in dem Treffen bei
+Castillon+. Errichtung der Ordonnanz-Kompanien, Anfang der stehenden
Heere.
[~1461–1483.~]
~Ludwig XI.~ bricht durch Klugheit und Treulosigkeit die Macht der
großen Vasallen, welche gegen ihn die +Ligue du bien public+ schließen
(Herzöge von Burgund, Bretagne, Orléans, Anjou, Nemours, Bourbon,
Grafen von Charollais u. a.) und legt den Grund zur +unumschränkten+
Monarchie. Nach dem Tode Karls des Kühnen (1477, s. S. 206) zieht er
das Herzogtum +Burgund+ als erledigtes Lehen ein, während die andern
Besitzungen des Herzogs an Deutschland kommen; nach dem Tode Renés
von Anjou (1480) werden +Anjou+, +Maine+ und die +Provence+ mit den
Kronländern vereinigt.
[~1483–1498.~]
~Karl VIII.~ gewinnt die +Bretagne+ durch Vermählung mit der Tochter
des letzten Herzogs (S. 235), zieht 1494 nach Italien, um die Ansprüche
des Hauses Anjou auf das Königreich +Neapel+ geltend zu machen (S.
190). Er erobert das Königreich, wird aber durch ein Bündnis zwischen
dem Papste, dem Kaiser, dem Herzog von Mailand, Venedig und Spanien zum
Rückzuge genötigt.
§ 3. Italien.
Entwickelung selbständiger Staaten seit dem Sinken der deutschen
Kaisermacht (1250).
~Mailand~, seit Kaiser Heinrich VII. (1310) unter den +Visconti+ als
kaiserlichen Statthaltern, seit 1395 als +Herzögen+ (S. 203). Nach
dem Aussterben der Visconti bemächtigt sich der von den Mailändern in
Sold genommene Condottiere +Franz Sforza+ der Herrschaft und wird 1450
Herzog von Mailand.
Die Grafen von ~Savoyen~, deren Ahnherr Graf Humbert Weißhand 1032
mit Burgund unter die Herrschaft der deutschen Könige kam, seit etwa
1050 durch Heirat auch im Besitz von Piemont, erhalten 1416 von Kaiser
Sigismund die +Herzogs+würde. Die Markgrafen von +Este+ (S. 166) werden
1452 von Friedrich III. zu Herzögen von ~Modena~ und +Reggio+ erhoben;
Papst Paul II. belehnt sie 1471 mit dem Herzogtum +Ferrara+.
~Venedig~, seit 697 durch Vereinigung der Inselgemeinden +ein+
Staat unter einem +Dogen+ (dux), seit etwa 1000 Beherrscherin des
Adriatischen Meeres, wächst während der Kreuzzüge an Macht und Ansehen
(s. S. 176, 178). Nach Beendigung der Seekriege mit +Genua+ (1381)
ist Venedig Herrin des Mittelmeeres und des Levantehandels. Sein
Festlandsgebiet erstreckt sich über Padua und Verona bis Brescia; seine
Seemacht stützt sich auf den Besitz von Dalmatien, Kandia und Korfu.
~Verfassung~ streng aristokratisch. 1172 Einsetzung des +großen+ Rates
(450 bis 500 Mitglieder), dann des +kleinen+ Rates (Signoria), der die
Macht des Dogen noch mehr beschränkt. 1298 +Schließung+ des +großen
Rates+, die Namen der ratsfähigen Familien (Nobili) werden in dem
+Goldenen Buch+ verzeichnet. Zur Unterdrückung von Verschwörungen 1310
der +Rat der Zehn+ eingerichtet; Hinrichtung des Dogen +Marino Falieri+
1355. Seit 1539 ernennt der Rat der Zehn die drei +Staatsinquisitoren+,
deren strenge Herrschaft aber erst 1583 beginnt.
~Genua~, seit Herstellung des griechischen Kaisertums (1261) im Orient
mächtig, nach dem Siege über Pisa (1284) auch im Besitz der Inseln
Sardinien, Korsika, Elba, dann aber durch die Kriege mit Venedig und
innere Unruhen geschwächt, seit 1396 bald von Frankreich, bald von
Mailand abhängig.
~Florenz~, seit 1282 mit demokratischer Verfassung (die +Priori delle
arti+ bilden die +Signoria+), öfters durch Parteikämpfe erschüttert,
gewinnt allmählich die Herrschaft über die Landschaft +Toskana+; Pisa
erst 1429 unterworfen. Seit 1400 gelangt das Geschlecht der ~Medici~
zu hohem Ansehen und fürstlicher Stellung. +Johann von Medici+, reicher
Bankier, Begründer der Macht des Hauses. Sein Sohn +Cosĭmo+, der +Vater
des Vaterlandes+, († 1464), Beschützer der Künste (Brunelleschi,
Ghiberti, Donatello u. a.), Begründer der platonischen Akademie und der
mediceischen Bibliothek. Unter dessen Enkel +Lorenzo+ (il Magnifico, †
1492) die glänzendste Zeit für Florenz.
Entfaltung der ~italienischen Literatur~ durch die drei florentinischen
Dichter +Dante+ Alighieri († 1321), +Petrarca+ († 1374), +Boccaccio+
(† 1375). Von Petrarca besonders angeregt entwickelt sich das erneute
Studium der Wissenschaft und Poesie des Altertums (+Humanismus+),
gefördert durch griechische Gelehrte, die nach der Eroberung
Konstantinopels (S. 218) aus dem byzantinischen Reiche vor den Türken
geflohen waren. Hand in Hand damit geht der Aufschwung der ~bildenden
Kunst~ (+Renaissance+) zuerst in Florenz, dann in Rom (Peterskirche).
Der ~Kirchenstaat~, in der Langobardenzeit begründet, durch die von
Karl d. Gr. bestätigte Schenkung Pippins (s. S. 150) und andere
Erwerbungen erweitert, seit Innocenz III. vom deutschen Reiche völlig
unabhängig. Zerrüttung durch Adelskämpfe (die Orsini und Colonna),
während die Päpste in +Avignon+ residieren (1309–1376). +Cola di
Rienzi+ tritt 1347 als Volkstribun auf, wird vertrieben, kehrt 1354 als
päpstlicher Senator zurück, wird aber durch Volksaufstand getötet (S.
199). Herstellung der Einheit der Kirche durch das Konzil zu Konstanz
(S. 203f.), des Kirchenstaats erst durch Papst +Nikolaus V.+ (1447 bis
1455), der als Freund der Wissenschaften die vatikanische Bibliothek
begründet.
In ~Neapel~ Haus +Anjou+ bis 1435. ~Sicilien~ 1282–1295 mit +Aragon+
verbunden (S. 190), dann unter einer Nebenlinie des aragonischen
Hauses, seit 1409 wieder bei Aragon, dessen König +Alfons V.+ 1435–1442
auch Neapel erobert. Glänzende Hofhaltung, Pflege des Humanismus
(+Laurentius Valla+). Nach Alfons’ Tode (1458) kommt +Neapel+ ohne
Sicilien an seinen natürlichen Sohn Ferdinand I. und dessen Nachkommen;
in Sicilien aragonische Dynastie bis 1504. Von 1504–1713 Neapel und
Sicilien bei Spanien (S. 235).
§ 4. England.
[~1272–1307.~]
~Eduard I.~, Sohn Heinrichs III. (S. 193), unterwirft +Wales+
vollständig (Prinz von Wales, Titel seines ältesten Sohnes und fortan
jedes Thronerben), mischt sich als Lehnsherr in die schottischen
Thronstreitigkeiten, beruft Vertreter der Grafschaften und Städte zum
Parlament; Anfang des Unterhauses.
[~1307–1327.~]
~Eduard II.~, von den Schotten geschlagen, muß Robert Bruce als
schottischen König anerkennen. Er wird auf Anstiften der Königin und
ihres Günstlings +Mortimer+ vom Parlament abgesetzt und später auf
grausame Weise ermordet. Ihm folgt der tatkräftige
[~1327–1377.~]
~Eduard III.~ König +David Bruce+ von Schottland als Gefangener in
London, gegen Lösegeld freigelassen. Seit 1371 Haus +Stuart+ in
Schottland; Robert II., 1371–1390, Tochtersohn von Robert Bruce,
nicht mehr lehnsabhängig von England. -- Trennung des englischen
Parlaments in +Oberhaus+ und +Unterhaus+. Steuerbewilligungsrecht und
Petitionsrecht des Unterhauses. Ausbildung des +Selfgovernment+ in den
Grafschaften (das Friedensrichteramt). Krieg mit Frankreich s. S. 207.
Geoffrey +Chaucer+, Begründer der englischen Literatur, † 1400.
[~1377–1399.~]
~Richard II.~, Enkel Eduards III. Die Bestrebungen des Reformators
+Wycliffe+ (Prof. in Oxford, 1382 abgesetzt, vgl. S. 203) werden
vereitelt durch den gefährlichen Aufstand der Bauern unter +Wat Tyler+
1381. Richard zur Abdankung genötigt von seinem Vetter +Heinrich von
Lancaster+, † im Gefängnis.
[1399–1461.]
~Haus Lancaster~ (Nebenlinie des Hauses Plantagenet).
[~1399–1413.~]
~Heinrich IV.~, Enkel Eduards III. Kämpfe gegen Empörungen des hohen
Adels (Heinrich Percy); der König behauptet sich im Bunde mit der
Kirche. Grausame Verfolgung der Anhänger Wycliffes.
[~1413–1422.~]
~Heinrich V.~, als Prinz der Genosse wüster Gesellen, als König
energisch und tapfer. Aufstand der +Lollharden+ (Anhänger Wycliffes)
unterdrückt. Krieg in Frankreich s. S. 209.
[~1422–1461.~]
~Heinrich VI.~, beim Regierungsantritt unmündig, später von
Günstlingen geleitet, kann den Übermut des Adels nicht im Zaum halten.
Unglücklicher Ausgang des Krieges in Frankreich. Sein Vetter +Richard
von York+, zweimal wegen Krankheit des Königs zum Protektor des Reiches
erwählt, erhebt zuerst 1452 offen Anspruch auf die Krone. Gegen ihn
die Königin +Margarete+ (aus dem Hause +Anjou+) und der Herzog von
+Somerset+ († 1454).
[1459–1485.]
~Bürgerkrieg in England~; Parteien der +Roten Rose+ (Lancaster) und
der +Weißen Rose+ (York). Richard von York bei Wakefield besiegt und
getötet 1460. Dennoch behauptet sich seine Partei im Felde und ruft
1461 in London seinen Sohn +Eduard+ zum König aus.
Die Familien ~Lancaster~, ~York~ und ~Tudor~.
Eduard III. †1377.
_____________________|__________________________________...
| | | |
Eduard, Lionel Johann von Gent, Edmund,
(der Schwarze Prinz) Hz. v. Clarence Hz. ~v. Lancaster~, Hz. ~v. York~,
†1376. †1368. †1399. †1402.
| | ____|__________
~Richard II.~, | | |
abgesetzt 1399, | ~Heinrich IV.~ John Bedford.
†1400. | †1413 |
| | |
| | |
| ~Heinrich V.~ John Bedford.
| †1422 Gem. Kath. |
| v. Frankreich |
| | |
Seine ~Heinrich VI.~ ~Margarete.~
Urenkelin -- 1461, Gem. Edm. ~Tudor~
Anna ermordet (Sohn v. Owen Tudor
Mortimer, 1471. u. Kath. v.
Gem. v. | Frankreich,
Richard v. Eduard, Witwe
Cambridge Prinz v. Wales, Heinrichs V.).
ermordet 1471. |
|
~Heinrich VII.~ †1509.
Tudor.
___________|________
| |
~Heinrich VIII.~ Margarete,
†1547. Gem. Jakob IV. Stuart
| v. Schottland.
___|______________________
| | |
~Maria~ die ~Elisabeth~ ~Eduard VI.~
Katholische †1558. †1603. †1553.
... Edmund,
Hz. ~v. York~,
1402.
________|_______
| |
Eduard, Richard,
Hz. v. York Gr. v. Cambridge.
Gem. Anna Mortimer.
|
_________________________
Richard, Hz. v. York, 1460
________|________
| |
~Eduard IV.~ ~Richard III.~
1483 (Hz. v. Gloucester)
| 1485
|_______________________________________
| | |
Elisabeth, ~Eduard V.~ Richard.
Gem. Heinr. Tudor. ermord. ermord.
1483 1483
[1461–1485.]
~Haus York~ (Nebenlinie des Hauses Plantagenet).
[~1461–1483.~]
~Eduard IV.~ sichert seine Herrschaft durch die Siege bei +Towton+ 1461
und +Hexham+ 1464, nimmt Heinrich VI. gefangen, doch wird er 1470 von
+Margarete+ und Graf +Warwick+ (dem »Königsmacher«), der früher das
meiste zu seiner Erhebung beigetragen hatte, vertrieben und Heinrich
VI. wieder auf den Thron gesetzt. Eduard IV. kehrt bald zurück, besiegt
das Haus Lancaster bei +Barnet+ (Warwick †) und +Tewkesbury+ 1471 und
rottet es fast aus; nur +Heinrich Tudor+ entkommt. König Heinrich VI.
im Tower ermordet 1471.
[~1483.~]
~Eduard V.~, Sohn Eduards IV., mit seinem jungen Bruder +Richard+ im
Tower erstickt auf Befehl seines Oheims, des grausamen +Richard von
Gloucester+ (spr. Gloster), welcher den Thron besteigt als
[~1483–1485.~]
~Richard III.~ Er wird bei +Bosworth+ 1485 besiegt von einem Sprößling
des Hauses Lancaster, ~Heinrich Tudor~, Grafen von Richmond, welcher
durch seine Heirat mit +Elisabeth von York+, Tochter Eduards IV.,
die Ansprüche beider Häuser vereinigt. Nach Beendigung der blutigen
Adelskriege erstarkt das +Königtum+ unter dem Hause +Tudor+ (1485–1603).
§ 5. Die Pyrenäische Halbinsel.
Den vier christlichen Königreichen steht noch immer das durch Ackerbau
und Kunstfleiß blühende arabische (maurische) Königreich +Granāda+
gegenüber (S. 194).
~Navarra~, 1285–1329 mit Frankreich vereinigt (s. S. 207), 1425–1431
mit Aragon, bleibt ein unbedeutendes Grenzland.
König Pedro III. von ~Aragon~ (S. 190) unterstützt die Sicilianische
Vesper, gewährt 1283, um die Kriegskosten zu bestreiten, den
Reichsständen (Cortes) große Rechte durch das Privilegium von
Saragossa. Pedro IV. erhöht 1348 die Macht des Königtums und erobert
die Balearen, bewilligt aber die Einsetzung eines Oberrichters
(Justicia), der Streitigkeiten zwischen König und Reichsständen zu
entscheiden hat.
Alfons XI. von ~Kastilien~ besiegt 1340 die Araber, bringt aber
den Krieg nicht zu Ende. Zwiespalt unter seinen Söhnen +Pedro dem
Grausamen+ und +Heinrich von Trastamara+; letzterer findet bei
Aragon Hilfe und vertreibt mit französischen Söldnern den Gegner.
Pedro wird 1367 durch einen Kriegszug des Schwarzen Prinzen (S.
208) zurückgeführt, aber nach Erneuerung des Kampfes 1369 besiegt
und getötet. Heinrich herrscht darauf bis 1379 in Freundschaft mit
Frankreich. Sein Sohn +Johann I.+ versucht vergebens 1385 ~Portugal~
zu erobern. Unter +Johann II.+ tritt der Connétable +Alvaro de Luna+
der großen Macht des Adels entgegen, wird aber 1453 gestürzt. Johanns
Tochter +Isabella+ vermählt sich 1469 mit +Ferdinand+, dem Thronfolger
von +Aragon+, wird 1474 Königin von Kastilien.
[1479–1516.]
Ferdinand II., der Katholische, von Aragon. Vereinigung der beiden
Reiche +Kastilien+ und +Aragon+, doch regiert Isabella in Kastilien
selbständig. Die Großmeisterwürde der drei Ritterorden (S. 194) wird
mit der Krone vereinigt, die Willkür des Adels durch Erneuerung des
Friedensbundes der Städte (+Hermandad+) eingeschränkt. Mit päpstlicher
Genehmigung Erneuerung der ~Inquisition~ (S. 186) zur Verfolgung der
Ketzer, besonders gegen die Moriscos (Nachkommen der Mauren, span.
Moros) und Juden gerichtet. Der Dominikaner +Torquemada+ 1483 zum
Großinquisitor ernannt; Tausende zum Feuertode verurteilt (Autos da fé).
[1492.]
Eroberung von ~Granada~; der letzte König Abdallah (Boabdil) zieht sich
nach Afrika zurück.
~Portugal~ im Aufblühen unter der unecht burgundischen Dynastie
seit 1385. Unter König Johann I. wird +Ceuta+ erobert 1415; sein
Sohn +Heinrich der Seefahrer+ fördert die Entdeckungsfahrten längs
der afrikanischen Küste. 1455 wird +Cap Verde+ erreicht, 1482 die
Kongomündung: an dieser Fahrt nahm der um die Nautik und Geographie
(sein Globus in Nürnberg) sehr verdiente Nürnberger Kaufmann Martin
Behaim teil, Freund des Columbus und Magelhães, († 1506 in Lissabon).
1487 umfährt ~Bartolomeo Diaz~ das +Cabo tormentoso+, von König Johann
II. +Cabo de boã esperanza+ (Kap der guten Hoffnung) genannt.
§ 6. Der Norden und Osten.
~Dänemark~, seit +Knud+ dem Großen (S. 170) ein christliches Reich,
entfaltet seine Seemacht unter +Waldemar I.+, der 1168 Rügen erobert,
und Waldemar II., dem Sieger, der 1219 Estland gewinnt, auch bis 1227
über Holstein und den angrenzenden Teil von Mecklenburg herrscht (S.
187). Dann folgen schwächere Könige; erst +Waldemar IV.+ beseitigt
die innere Zerrüttung. Er überläßt 1346 Estland dem Deutschen Orden,
gewinnt 1360 von Schweden die Landschaft Schonen zurück, muß dann vor
der Seemacht der deutschen Hanse weichen (S. 201).
+Margareta+, Tochter Waldemars IV., Gemahlin Hakons VI. von Norwegen,
regiert seit 1375 in Dänemark für ihren unmündigen Sohn Olaf († 1387),
nach Hakons Tode 1380 auch in ~Norwegen~, wird 1388 von einem Teil des
schwedischen Adels zur Regentin ~Schwedens~ erwählt. Sie besiegt ihren
Gegner Albrecht von Mecklenburg (seit 1364 König von Schweden), dessen
Anhänger sich mit Hilfe der seeräuberischen +Vitalienbrüder+ noch
einige Jahre in Stockholm behaupten, bis die deutsche +Hanse+ dagegen
einschreitet.
[1397.]
~Kalmarische Union~. Die Stände der drei Reiche beschließen zu +Kalmar+
die Vereinigung unter einem gemeinsamen Wahlkönigtum. +Margareta+
regiert mit hohem Ansehen, † 1412.
[1409–1435.]
Krieg um ~Schleswig~. Dieses Herzogtum, schon seit 1326 nach der sogen.
Waldemarschen Konstitution, nach der es nie wieder mit Reich und Krone
von Dänemark vereinigt werden sollte, größtenteils im erblichen Besitz
der deutschen Grafen von +Holstein+ (aus dem Hause Schauenburg, S.
179), 1386 von Margareta dem Grafen Gerhard VI. zu Lehen gegeben,
wird von seinen Söhnen mit Hilfe der Hanse behauptet gegen Margaretas
Nachfolger +Erich VII+.
[1460.]
König +Christian I.+ von Dänemark (aus dem Hause der Grafen von
Oldenburg, Schwestersohn Adolfs VIII. von Holstein) wird von
den Ständen von +Schleswig-Holstein+ nach dem Aussterben des
Schauenburgischen Hauses zum Herzog erwählt, nachdem er die
Waldemarsche Konstitution beschworen hat. Personal-Union mit Dänemark
bis 1863.
Als Unionskönig kann Christian I. die Herrschaft über +Schweden+ gegen
den dort erwählten Reichsvorsteher +Sten Sture+ nicht behaupten, doch
wird unter seinem Nachfolger +Johann+ die Union der drei Reiche wieder
hergestellt.
[1500.]
Schlacht bei +Hemmingstedt+; die +Dithmarschen+, wie die Stedinger (S.
188), eine Art Bauernrepublik unter dem Schutze des Stiftes Bremen,
behaupten ihre Freiheit gegen das dänisch-holsteinische Adelsheer.
~Rußland,~ nach dem Tode Wladimirs des Großen (S. 170) in mehrere
Fürstentümer geteilt unter Oberhoheit des Großfürsten von +Kiew+,
kommt 1237 unter die Herrschaft der +Mongolen+ (S. 195). Der Chan der
»Goldenen Horde« ernennt den Großfürsten und die Teilfürsten, empfängt
von ihnen Tribut. Um 1330 wird Moskau Residenz des Großfürsten, als
Kiew von den +Litauern+ erobert worden ist.
[~1480.~]
~Iwan III., der Große~, Zar von Großrußland, Begründer der
einheitlichen Monarchie, macht der Mongolenherrschaft ein Ende, nachdem
er 1478 die mit der deutschen Hanse verbündete Republik +Nowgorod+
unterworfen hat.
~Polen,~ seit etwa 840 unter Fürsten aus dem Hause der Piasten,
christlich seit 965, oft in Kampf mit dem deutschen Reiche, mit den
heidnischen Preußen (später dem Deutschen Orden) und mit Rußland. An
Stelle der Teilfürstentümer begründet +Wladislaw Lokietek+ 1320 ein
einheitliches +Königtum+, Residenz +Krakau+.
[1333–1370.]
~Kasimir der Große~, trefflicher Regent, sorgt für den Bauernstand,
gründet Städte, zieht deutsche Ansiedler herbei. Ihm folgt sein
Schwestersohn +Ludwig der Große+ (s. unten) von Ungarn († 1382); dessen
Tochter Hedwig vermählt sich 1386 mit dem bisher noch heidnischen
Großfürsten +Jagello von Litauen+. Seitdem Polen und Litauen vereinigt
unter den Jagellonen 1386–1572. Ludwigs zweite Tochter Maria, Erbin von
Ungarn, mit dem deutschen König Sigismund vermählt (S. 203).
~Preußen~ wird 1230–1283 in langem Kampfe von dem ~Deutschen Orden~
(s. S. 178f.) erobert; durch den Anschluß des in Livland vom Bischof
von Riga gegründeten +Schwertbrüder+ordens (1237) erweitert sich das
Ordensgebiet über Kurland, Livland, Estland hin. +Königsberg+ 1255
gegründet; seit 1309 die ~Marienburg~ Sitz des Hochmeisters. Blüte des
Ordens unter +Winrich von Kniprode+ (1351–1382), dann allmählicher
Verfall. Verhängnisvoll für den Orden wurde die Vereinigung Litauens
mit Polen 1386.
[~1410.~]
~Schlacht bei Tannenberg,~ Sieg der ~Polen~ über den Orden. +Heinrich
von Plauen+ verteidigt die Marienburg, schließt als Hochmeister den
noch günstigen +ersten+ Frieden zu Thorn, wird aber 1413 von den
Ordensrittern abgesetzt. Unzufriedenheit des Landadels und der Städte
mit der Ordensherrschaft, sie treten in Verbindung mit +Polen+. Neuer
Krieg 1454, König Kasimir II. erobert 1457 die Marienburg und behauptet
sie in heftigem Kampfe 1460; der Hochmeister zieht sich nach Königsberg
zurück.
[~1466.~]
~Zweiter Friede zu Thorn~: Westpreußen mit Ermeland an Polen
abgetreten, +Ostpreußen+ bleibt dem Orden als +polnisches Lehen+.
In ~Livland~ behauptet ein Teil des Ordens unter dem Landmeister Wolter
von +Plettenberg+ (1494–1535) seine Unabhängigkeit gegen Rußland.
~Ungarn~ gegen Ende des 9. Jahrhunderts von den ~Magyaren~ (S.
158, 160) in Besitz genommen, bis 1301 unter dem Regentenhause der
+Arpaden+. Einführung des Christentums durch Herzog +Geisa+ und seinen
Sohn +Stephan den Heiligen+, ersten +König+ von Ungarn (S. 163).
Einwanderung zahlreicher Deutscher, namentlich in +Siebenbürgen+
unter König Geisa II. um 1150. Bildung einer mächtigen Aristokratie
(+Magnaten+). Die +Goldene Bulle+, dem Könige +Andreas II.+ 1222 nach
seiner Rückkehr von einem Kreuzzuge (S. 177) abgenötigt, bildet die
Grundlage der Privilegien des ungarischen Adels.
Nach dem Erlöschen der Arpaden regiert in Ungarn das Haus ~Anjou~
(1308–1382), Blütezeit unter ~Ludwig dem Großen~ (1342–1382, s. oben),
der 1370 auch den polnischen Thron besteigt.
Unter König +Sigismund+, Ludwigs d. Gr. Schwiegersohn aus dem Hause
Luxemburg (1387–1437), beginnender Verfall des Reiches. Albrecht von
Österreich 1438–1439, dann 1440 +Wladislaw III.+ von Polen gewählt, der
bei +Varna+ 1444 gegen die Türken fällt, darauf Albrechts unmündiger
Sohn +Ladislaus Postumus+ (vgl. S. 206). Der Reichsverweser +Johann
Hunyadi+ besiegt die Türken bei Belgrad 1456; sein Sohn ~Matthias
Corvinus~ wird zum König erwählt. Nach dessen glänzender Regierung
(1458–1490) wird Ungarn unter +Wladislaw+, dem Sohn Kasimirs IV. von
Polen, mit Böhmen vereinigt und dem Erzherzog Maximilian (S. 206) die
Nachfolge zugesichert.
Reich der ~Osmanischen Türken~, um 1300 durch +Osman I.+ in Kleinasien
begründet. Sein Sohn +Urchan+ erobert 1330 +Nicäa+, bildet aus
dem Knabenzins unterworfener christlicher Völker das Fußvolk der
+Janitscharen+, unternimmt Landungen an der europäischen Küste. +Murad
I.+ macht Adrianopel 1365 zu seiner Residenz, unterwirft Bulgarien (S.
194).
[1389.]
Sieg Murads über die +Serben+ auf dem Amselfelde bei +Kossova+; Serbien
wird tributpflichtig (S. 172).
[1396.]
Sieg Bajazets I. bei +Nikopoli+ an der Donau über ein großes Kreuzheer
ungarischer, deutscher und französischer Ritter unter Führung König
Sigismunds. Seitdem Schrecken des türkischen Namens im christlichen
Abendlande.