Ludwig gibt die durch Aussterben der Askanier 1320 erledigte Mark

+Brandenburg+ (S. 179) seinem Sohne +Ludwig+, mit dem er später

+Margarete Maultasch+, Erbin von Tirol und Kärnten, vermählt, nachdem

diese ihre Ehe mit einem Sohne Johanns von Böhmen getrennt hat. Kärnten

kommt, ehe die Vermählung stattfindet, an die Herzöge von +Österreich+

(1335). Tirol wird von Margarete Maultasch nach dem Tode ihres zweiten

Gemahls Ludwig doch dem Hause Habsburg vermacht (S. 200).

[1325.]

Friedrich wird gegen Verzichtleistung auf den Thron in Freiheit

gesetzt, stellt sich wieder als Gefangener, wird von Ludwig als

Mitkönig anerkannt, stirbt 1330.

[1327–1330.]

Ludwigs Römerzug. Er wird in Rom zum Kaiser gekrönt, stellt einen

Gegenpapst auf, kann aber die kaiserlichen Herrschaftsrechte nur wenig

zur Geltungbringen, In Deutschland Streitigkeiten mit den Fürsten.

Frankreich und dem Papste gegenüber einigen sich endlich die Kurfürsten

zur Unterstützung Ludwigs:

[~1338.~]

Der ~Kurverein zu Rense~ (am Rhein, oberhalb Koblenz) erklärt jeden

rechtmäßig gewählten deutschen König auch ohne päpstliche Krönung für

den rechtmäßigen ~römischen Kaiser.~

Ludwigs eigenmächtiges Verfahren zur Vergrößerung seiner Hausmacht

(Brandenburg, Tirol, Holland) führt im Verein mit päpstlichen und

französischen Umtrieben 1346 zur Wahl eines Gegenkönigs: +Karl+ a.

d. Hause Luxemburg, Sohn des bei +Crecy+ im Kampfe für Frankreich

gefallenen Königs Johann von Böhmen (S. 208). Kaiser Ludwig † 1347 (auf

der Bärenjagd bei München), +Karl+ wird allgemein anerkannt.

[~1347–1437.~]

~Luxemburgische Kaiser.~

[~1347–1378.~]

~Karl IV.,~ ein staatskluger Fürst, gelehrt und kunstsinnig. Die

bayrische Partei stellt 1349 den Grafen +Günther von Schwarzburg+ als

Gegenkönig auf; doch stirbt dieser schon nach wenigen Monaten. In

+Brandenburg+ tritt, von Karl begünstigt, der +falsche Waldemar+ gegen

die bayrischen Markgrafen auf. (S. Anhang.) 1350 Aussöhnung mit den

Wittelsbachern.

[1349–50.]

~Pest~ (schwarzer Tod) in Deutschland und in fast ganz Europa.

Erbitterte Verfolgungen der durch Verleihen von Geld gegen Zinsen reich

gewordenen Juden. Sie sollten die Brunnen vergiftet haben. Umzüge der

Geißler (Flagellanten).

Karls Hauptsorge ist auf sein Erbland ~Böhmen~ gerichtet. Er zieht

deutsche Ansiedler heran, baut in +Prag+ den Dom und die Burg

Hradschin, stiftet daselbst 1348 nach dem Muster von Paris (S. 192)

eine ~Universität~ mit vier Fakultäten, die erste in Deutschland. Durch

Verträge mit den schlesischen Fürsten (S. 182) vollendet er die schon

von seinem Vater angebahnte Vereinigung +Schlesiens+ mit Böhmen; auch

die +Lausitz+ kommt zu Böhmen.

[1353.]

Zutritt +Berns+ zur Eidgenossenschaft, welche nun, immer noch zum

deutschen Reich gehörig, Uri, Schwyz, Unterwalden, Luzern, Zürich,

Glarus, Zug und Bern (die sogenannten 8 +alten+ Orte) umfaßt.

[1354–1355.]

Erster Zug Karls IV. nach Italien. Während der Abwesenheit der Päpste

in Avignon hatte +Cola di Rienzi+ sich zum »Volkstribunen« gemacht und

die altrömische Republik wieder aufgerichtet (S. 211). Karl empfängt

die Huldigung der lombardischen Städte, verweilt aber in Rom nur einen

Tag, um die Kaiserkrone zu empfangen.

[~1356.~]

~Goldene Bulle~,[37] +Reichsgrundgesetz+, beschlossen auf zwei

Reichstagen zu +Nürnberg+ und +Metz+. Die Kaiserwahl wird endgültig

den 7 Kurfürsten übertragen, welche sie schon seit längerer Zeit

tatsächlich ausübten;[38] +drei geistliche+: 1. Erzbischof von ~Mainz~

(Erzkanzler für Deutschland), 2. Erzbischof von ~Trier~ (Erzkanzler

für Burgund), 3. Erzbischof von ~Köln~ (Erzkanzler für Italien); +vier

weltliche+: 4. König von ~Böhmen~ (Erzschenk), 5. ~Pfalz~graf bei Rhein

(Erztruchseß), 6. Herzog von ~Sachsen~-Wittenberg (Erzmarschall), 7.

Markgraf von ~Brandenburg~ (Erzkämmerer).

Die Kurfürstentümer, welche im Mannesstamme auf den Erstgeborenen

forterben und gewisse Regalien erhalten (Privilegium +de non

appellando,+ Münzrecht, Bergwerks- und Salzhoheit, Judenzoll u. a.

m.), sollen unteilbar sein. Bestimmungen über den +Landfrieden+; den

Städten wird die Bildung besonderer Städtebündnisse und die Aufnahme

von Pfahlbürgern (die in der Stadt nicht ansässig sind) untersagt.

[1363.]

Österreich erwirbt +Tirol+ durch Vertrag mit Margarete Maultasch.

[1365.]

Karl IV. reist nach +Avignon+, um den Papst zur Rückkehr nach Rom zu

bewegen, und läßt sich in +Arles+ krönen, um die Oberhoheit über die

tatsächlich an Frankreich gekommenen burgundischen Gebiete festzuhalten

(S. 196, 198).

[1368.]

Zweiter Römerzug. Karl IV. führt Papst Urban V. nach Rom, aber bald

nach seinem Abzuge kehrt der Papst nach Avignon zurück.

[1373.]

Durch den Vertrag zu +Fürstenwalde+ überläßt +Otto der Finne+ (Faule),

der letzte bayrische Markgraf von Brandenburg, die Mark gegen ein

Jahrgehalt an Karl IV.

~Städtebünde.~

Die ~Hanse.~ Verbindungen deutscher Kaufleute im Auslande, namentlich

zu +Wisby+ auf der Insel Gotland und in +London+ schon im 12.

Jahrhundert, haben Handelsbündnisse ihrer Heimatstädte zur Folge. 1241

Bündnis zwischen +Lübeck+ und +Hamburg+. Um 1294 tritt ~Lübeck~ an die

Spitze eines Bundes von Seestädten an der Nord- und Ostseeküste (von

+Bremen+ bis +Reval+), denen sich zahlreiche norddeutsche Binnenstädte

(Köln, Osnabrück, Braunschweig, Magdeburg, Berlin, Thorn, Breslau u. a.)

anschließen, später auch die niederländischen Seestädte (Kampen,

Deventer u. a.) Zweck des Bundes: Sicherung der Straßen zu Wasser und

zu Lande, Erwerbung und Erhaltung von Handelsprivilegien im Auslande.

+Hansetage+ meist zu +Lübeck+ gehalten. Auswärtige Niederlassungen

(Kontore) zu +Brügge+, +London+, +Bergen+, +Nowgorod.+ In Wisby,

Stockholm, Kopenhagen, Malmö, Riga zahlreiche deutsche Kaufleute

ansässig. Jährlicher Markt zur Zeit des Heringsfangs an der Küste von

+Schonen+. Einteilung des Bundes in 3 Drittel, im 16. Jahrhundert in 4

Quartiere mit den Vororten Lübeck, Köln, Braunschweig, Danzig.

[1361–1362.]

Krieg gegen Waldemar IV., König von Dänemark, welcher +Wisby+

eingenommen und geplündert hatte. Die Kriegsflotte der Hanse hat

anfangs Erfolge, wird aber vor +Helsingborg+ geschlagen. Ihr Führer,

der Lübecker Bürgermeister Johann +Wittenborg+, wird deshalb angeklagt

und in Lübeck hingerichtet.

[1367–1370.]

Zweiter Krieg; Waldemar IV. flüchtet aus seinem Reiche. Kopenhagen,

Helsingör u. a. Städte erobert. Im Frieden zu +Stralsund+ 1370 wird die

Küste von Schonen auf 15 Jahre an die Hanse abgetreten; auch verspricht

der dänische Reichsrat, den Nachfolger Waldemars nur mit Zustimmung der

Städte zu erwählen. Bis ins 16. Jahrhundert behauptet der Hansebund

die Handelsherrschaft über Skandinavien, Rußland, England. Da er

sich aber nicht an einen starken Staat anlehnte, so zerfiel er, als

die nordischen Staaten mehr und mehr erstarkten. Die im Binnenlande

gelegenen deutschen Städte wurden durch ihre Landesfürsten teilweise

zum Austritt aus der Hanse gezwungen, wie z. B. Berlin durch Kurfürst

Friedrich II.

Im Innern zeigt sich in den ~Hansestädten,~ in welchen der Großhandel

die Gewerbtätigkeit übertrifft, das Festhalten an der aristokratischen

Regierung des sich selbst ergänzenden +Rats+, während in den

~süddeutschen Städten~ die nach +Zünften+ geordneten Handwerker

bedeutenden Anteil an der meist jährlichen Neuwahl des Rats erhalten.

+Zunftkämpfe+ in Ulm 1292, Speier 1327, Straßburg 1332, Regensburg

1334, Augsburg 1368; in Nürnberg behaupten die Patrizier 1349 das

Übergewicht, ebenso in Köln 1370, doch siegen dort die Zünfte 1396.

Nicht von gleicher Dauer wie der Hansebund waren die ~süddeutschen

Städtebündnisse~, welche die Selbständigkeit der Städte gegen die

+Fürsten+ und die +Reichsritter+ sichern sollten: der 1254 geschlossene

~rheinische Bund~ (S. 189) öfters von seiten der Städte erneuert; der

~schwäbische Städtebund~, zuerst 1331, dann wiederum 1376 geschlossen,

namentlich gegen den Grafen von Württemberg +Eberhard den Greiner+ (d.

h. Zänker), auch der Rauschebart genannt.

~Adelsbündnisse~ in Schwaben, Franken und am Rhein gegen Fürsten

und Städte gerichtet (der +Löwenbund+, der +St. Georgsbund+, die

+Schlegler+).

[~1377–1389.~]

~Süddeutscher Städtekrieg.~

[1377.]

Sieg der schwäbischen Städte (Vorort +Ulm+) bei +Reutlingen+ über

Eberhards Sohn Ulrich. Der schwäbische Städtebund vom Kaiser anerkannt.

[1378.]

Tod Karls IV., nachdem er seine Länder unter seine drei Söhne so

geteilt hat, daß +Wenzel+ Böhmen und Schlesien (später fällt ihm auch

Luxemburg zu), +Sigismund+ die Mark Brandenburg, +Johann+ die Lausitz

erhält. In +Mähren+ herrschen 2 Neffen Karls, +Jobst+ und +Prokop+ als

Markgrafen. Zum deutschen König war schon gewählt worden

[~1378–1400.~]

~Wenzel~, Karls IV. ältester Sohn.

[1381.]

Der +schwäbische+ Städtebund vereinigt sich mit den +rheinischen+

und schließt bald auch ein Bündnis mit einem Teil der Schweizer

Eidgenossenschaft.

[1384.]

Wenzel bringt einen Landfrieden auf vier Jahre zustande (Fürstentag

zu +Heidelberg+), doch beginnen die Fehden, sobald er nach Böhmen

zurückgekehrt ist, aufs neue. Herzog +Leopold III.+ von +Österreich+

bekriegt im Bunde mit dem süddeutschen Adel die Eidgenossen. Das

Ritterheer wird in der

[~1386.~]

~Schlacht bei Sempach~ (+Arnold Winkelried?+) gänzlich geschlagen,

ebenso 1388 in der Schlacht bei +Näfels+. Die Herzöge von Österreich

verzichten auf die Unterwerfung der Schweiz.

[1388.]

Erneuerung des Städtekrieges. Eberhard der Greiner siegt über die

schwäbischen Städte bei +Döffingen+ (wo sein einziger Sohn +Ulrich+

fällt), Pfalzgraf +Ruprecht+ über die rheinischen bei +Worms+.

[1389.]

Landfriede zu +Eger+, von König Wenzel verkündet. Die Städte behalten

ihre Reichsfreiheit, müssen aber auf Sonderbündnisse verzichten.

[1400.]

Wenzel, in Böhmen durch Härte (der Generalvikar des Erzbischofs von

Prag, Johann von Nepomuk, Beichtvater der Gemahlin Wenzels, in die

Moldau gestürzt) und Trägheit verhaßt, aus Anlaß innerer Zerwürfnisse

wiederholt gefangen gesetzt, wird von den am Königsstuhl bei Rense

versammelten rheinischen Kurfürsten der deutschen Königswürde entsetzt.

Er stirbt 1419 als König von Böhmen.

[~1400–1410.~]

~Ruprecht von der Pfalz~ vermag selbst bei seiner Partei kaum das

königliche Ansehen zur Geltung zu bringen.

[1401.]

Unglücklicher Zug Ruprechts nach Italien. Das deutsche Heer wird bei

+Brescia+ geschlagen von +Johann Galeazzo Visconti,+ den König Wenzel

zum erblichen Herzog von Mailand ernannt hatte (1395) (S. 198).

[1409.]

Infolge der hussitischen Streitigkeiten (s. S. 204) in Prag und einer

Veränderung der Universitätsstatuten zu Gunsten der czechischen Nation

verlassen die deutschen Professoren und Studenten die Universität Prag

und gehen meist nach +Leipzig+, wo +Friedrich der Streitbare+ von

Meißen (S. 204) eine Universität stiftet.

[1409.]

~Konzil zu Pisa,~ berufen zur Wiederherstellung der kirchlichen Einheit

(seit 1378 +zwei+ Päpste, einer in +Rom+, einer in +Avignon+). Der vom

Konzil erwählte Papst Alexander V. vermag die beiden anderen nicht zur

Abdankung zu nötigen.

[~1410–1437.~]

~Sigismund,~ Wenzels Bruder, Markgraf von +Brandenburg+ und König von

+Ungarn+ (als Gemahl der Tochter König Ludwigs des Großen, S. 217),

gewählt besonders auf Betreiben des Burggrafen +Friedrich VI. von

Nürnberg,+ doch nur durch drei Kurstimmen, während die anderen für

+Jobst von Mähren+ abgegeben werden und +Wenzel+ als dritter noch

Ansprüche auf die Krone erhebt. Jobst † 1411; darauf zweite Wahl

einstimmig für Sigismund. Dieser zieht nach Italien und einigt sich

mit Papst +Johann XXIII.+, Alexanders V. Nachfolger, über die Berufung

eines allgemeinen Konzils nach einer +deutschen+ Stadt.

[~1414–1418.~]

~Kirchenversammlung zu Konstanz,~ zahlreich besucht von Fürsten und

Prälaten, hat eine dreifache Aufgabe zu lösen: 1. Beseitigung der

Kirchenspaltung (+causa unionis+), 2. Verbesserung der kirchlichen

Zustände +(causa reformationis),+ 3. Abstellung der Ketzerei +(causa

fidei).+

Von der Reformpartei wird die Abstimmung nach +Nationen+ (deutsche,

franz., engl., italien., je eine +Kuriatstimme+) durchgesetzt. Papst

Johann XXIII., der persönlich erschienen war, wird zu öffentlicher

Abdankung bewogen, entflieht dann aber mit Hilfe des Herzogs Friedrich

von Österreich. Dieser, in die Acht erklärt, muß sich unterwerfen.

Das Konzil spricht auf Antrag +Gersons+, des Kanzlers der Pariser

Universität, den Grundsatz aus, +daß das Konzil über dem Papste stehe+;

Johann XXIII. wird abgesetzt, Gregor XII. in Rom verzichtet freiwillig.

Inzwischen ist der Tscheche +Johann Hus,+ Professor in Prag, Anhänger

der Lehren des Engländers +Wycliffe+ (S. 312, Verwerfung des Ablasses,

der Ohrenbeichte, der Transsubstantiation), seit 1412 im Bann, im

Vertrauen auf das von Sigismund ihm gewährte sichere Geleit in Konstanz

erschienen; er wird als Ketzer verurteilt.

[~1415.~ 6. Juli.]

~Hus verbrannt,~ 1416 sein Freund +Hieronymus+ von Prag. Sigismund

reist nach Spanien, um Benedikt XIII., der sich von Avignon nach der

Burg Peniscola (unweit Valencia) zurückgezogen hat, zur Abdankung

zu bewegen. Dies mißlingt, aber die spanische Geistlichkeit sagt

sich von Benedikt los. Sigismund reist über Paris nach England, um

zwischen Frankreich und England Frieden zu vermitteln (S. 209),

doch ohne Erfolg. Nach seiner Rückkehr 1417 Beratung über die

+Kirchenverbesserung+ (Beschränkung der päpstlichen Willkür in der

Verleihung kirchlicher Ämter, Aufhebung drückender Abgaben, Besserung

des Lebens der Geistlichen).

Dem Verlangen der Reformpartei, daß diese Verbesserung +vor+ der

Wahl eines neuen Papstes zum Abschluß komme, treten die Anhänger des

Papsttums in den romanischen Nationen, verstärkt durch die Spanier

als +fünfte+ Nation, entgegen. Der neugewählte Papst +Martin V.+

(Kardinal Colonna, S. 211) bringt +drei Konkordate+, mit den Deutschen,

Engländern und Romanen, zum Abschluß, die aber nicht zur Abstellung der

Mißbräuche führen.

[~1415.~]

Sigismund überträgt in +Konstanz+ dem Burggrafen +Friedrich VI. von

Nürnberg+, als Belohnung für wichtige, ihm und dem Reiche geleistete

Dienste die ~Mark Brandenburg~ mit der Kur- und Erzkämmererwürde

(Belehnung 1417).

[1423.]

Sigismund belehnt +Friedrich den Streitbaren+, Markgrafen von +Meißen+,

aus dem Hause +Wettin+ (s. S. 179, 203) mit dem Kurfürstentum

~Sachsen-Wittenberg~, nach dem Aussterben der dort regierenden Askanier

(S. 189). In Sachsen-Lauenburg regieren Askanier noch bis 1689, dann

kommt das Land an Hannover.

[~1419–1436.~]

~Hussitenkrieg.~ Entrüstung der Böhmen über Hus’ Hinrichtung. Seine

Anhänger, +Hussiten+, auch +Utraquisten+ genannt (weil sie das

Abendmahl +sub utraque specie+, Brot und Wein, auch für die Laien

verlangen), wollen die Ausübung ihrer vom Konzil verworfenen Lehre

mit Gewalt durchsetzen. König Wenzel sucht zu vermitteln; nach seinem

Tode 1419 Aufstand in Prag. +Ziska+, Anführer der Hussiten. Sigismund,

Erbe der böhmischen Krone, wird zwar in Prag gekrönt, muß aber das

Land bald verlassen. Die 1421 in Böhmen eindringenden Reichstruppen

werden zurückgeschlagen, Sigismunds Heer wird 1422 bei +Deutsch-Brod+

vernichtet. Verheerende Züge der Hussiten in die umliegenden

Länder (Österreich, Bayern, Franken, Sachsen, Schlesien, Lausitz,

Brandenburg); öftere Niederlagen der gegen sie aufgebotenen Reichsheere.

[~1431–1449.~]

~Konzil zu Basel~, zur Wiederherstellung des Friedens und zur

Durchführung der kirchlichen Reformen berufen. Durch Gesandte des

Konzils wird ein Vergleich mit den gemäßigten Hussiten (Kalixtinern,

Utraquisten) geschlossen: +Prager Kompaktaten+ 1433; die +Taboriten+,

(Tabor, Stadt in Böhmen), welche den Vergleich nicht annehmen, werden

bei +Böhmisch-Brod+ 1434 besiegt, Sigismund zieht 1436 in Prag ein.

Während dieser Bedrängnis des deutschen Reiches im Osten erhebt sich

im Westen die Macht der französischen Herzöge von ~Burgund,~ welche

ansehnliche deutsche Reichslehen an sich bringen. Philipp der Kühne (S.

208) verschafft seinem zweiten Sohne die Nachfolge in +Brabant+ und

+Limburg+; sein Enkel Philipp der Gute erbt diese Länder und außerdem

1428 die Grafschaften +Holland+, +Seeland+, +Hennegau+, bald auch

+Luxemburg+. Auch das Herzogtum ~Lothringen~ kommt nach dem Aussterben

des Mannesstammes (S. 165) 1431 an eine +französische+ Dynastie, da die

Erbin sich mit +René von Anjou+, Graf von Provence, Titularkönig von

Neapel (S. 211) vermählt.

Im Innern des deutschen Reiches Verwirrung, Fehden und Selbsthilfe. Bei

der herrschenden Rechtsunsicherheit erlangen die +Femgerichte+ (S. 190)

für einige Zeit große Bedeutung.

[~1438–1740.~]

~Kaiser aus dem Hause Habsburg.~

[~1438–1439.~]

~Albrecht II.~, der tatkräftige Schwiegersohn Sigismunds, dem er auch

in +Böhmen+ und +Ungarn+ folgt, stirbt nach der Rückkehr von einem

Türkenzuge.

[~1440–1493.~]

~Friedrich III.~ von Steiermark, (Vetter Albrechts), der letzte in Rom

(1452) gekrönte deutsche Kaiser. Ein durchaus unfähiger Herrscher, läßt

er sich durch seinen Ratgeber +Aeneas Silvius Piccolomini+ (später

Papst +Pius II.+) bewegen, in dem Streit zwischen dem ~Baseler Konzil~

und Papst Eugen IV. auf die Seite des Papstes zu treten. Die von dem

Konzil beschlossenen kirchlichen Reformen werden durch das +Wiener

Konkordat+ 1448 vereitelt; das Konzil löst sich auf 1449.

Bürgerkrieg in der +Schweiz+ 1440–1450; Zürich mit Österreich

verbündet. Auf Kaiser Friedrichs Bitte schickt Karl VII. von Frankreich

den Dauphin (als König Ludwig XI.) mit den zügellosen Scharen der

+Armagnacs+ gegen +Basel+. Heldentod von 1600 Eidgenossen bei ~St.

Jakob~ 1444. Die Armagnacs plündern darauf im Elsaß, bis der Kurfürst

von der Pfalz sie vertreibt. Friede der Schweizer mit Frankreich. Das

Haus Habsburg verliert seine letzten Besitzungen in der Schweiz; es

behält seine Besitzungen im Elsaß und in Schwaben (Vorder-Österreich).

~Fehden im deutschen Reiche~, denen der Kaiser untätig zusieht. In

+Sachsen+ Bruderkrieg zwischen Kurfürst Friedrich dem Sanftmütigen und

seinem Bruder Wilhelm (1446–50); im Anschluß daran der +Prinzenraub+:

Ritter Kunz von Kaufungen entführt 1455 die beiden Söhne Friedrichs

aus dem Schloß zu Altenburg, wird aber von Köhlern im Walde gefangen.

Der Erzbischof von Köln führt Krieg gegen die Stadt +Soest+ (Soester

Fehde 1444–1449), Kurfürst +Albrecht Achilles+ von Brandenburg gegen

+Nürnberg+ (1449–1453), Pfalzgraf +Friedrich der Siegreiche+ gegen den

Erzbischof von +Mainz+, den Grafen von Württemberg und den Markgrafen

von Baden (Pfälzer Fehde 1462). Zur Herstellung des Friedens in

Deutschland ist der +schwäbische Bund+ förderlich, 1488 auf Betreiben

des Kaisers von Fürsten, Rittern und Städten geschlossen.

[Um ~1450.~]

~Johann Gutenberg~ (in Mainz) erfindet die Buchdruckerkunst. (+Johann

Fust, Peter Schöffer.+)

In ~Böhmen~ Parteikämpfe während der Unmündigkeit des jungen Königs

+Ladislaus Postumus+ (Sohn Albrechts II.), für den Friedrich III. die

Vormundschaft führt. +Georg Podiebrad+ wird 1452 zum Reichsverweser,

1458 nach Ladislaus’ Tode zum König gewählt, aber als Utraquist

angefeindet († 1471). +Matthias Corvinus+ wird König von Ungarn (S.

218), besetzt die Nebenländer Mähren, Schlesien, Lausitz; schließt 1478

Frieden mit Georgs Nachfolger +Wladislav+ (Sohn Kasimirs IV. von Polen).

[1474–1475.]

+Karl der Kühne+ von ~Burgund~, durch Verpfändung im Besitz der

habsburgischen Teile des +Elsaß+, dringt in das Erzbistum +Köln+ ein,

um den abgesetzten Erzbischof zurückzuführen, belagert +Neuß+, wird

aber durch das Anrücken eines Reichsheeres unter Friedrich III. und

durch den Angriff der Schweizer auf Héricourt zum Abzug bewogen.

[1476.]

Karl der Kühne stürzt sich, nachdem er sich +Lothringens+ bemächtigt

und den Herzog Renatus vertrieben hat, auf die Schweizer, wird bei

+Granson+ und bei +Murten+ geschlagen.

[1477.]

Karl der Kühne fällt im Kampfe gegen den zurückgekehrten Herzog

von Lothringen vor +Nancy+; seine Tochter Maria vermählt sich mit

Friedrichs III. Sohn, Erzherzog +Maximilian+. Dieser gewinnt dadurch

die ~Niederlande~ und die ~Freigrafschaft Burgund~ (S. 198) für die

+habsburgische Hausmacht,+ verteidigt diese Erwerbung im Kriege gegen

Ludwig XI. von Frankreich, der die burgundischen Städte in der Picardie

und das +Herzogtum Burgund+ als erledigte Mannslehen einzieht.

[1490.]

Friedrich III., von +Matthias Corvinus+ aus Wien vertrieben (1485),

wird nach dessen Tode († 1490) von seinem Sohn +Maximilian+

zurückgeführt.

[1491.]

+Wladislav IV.+ von Böhmen, nach Corvinus’ Tode auch König von

+Ungarn+, sichert im Frieden zu +Preßburg+ dem Hause Habsburg die

Nachfolge zu.

Albrecht II. †1439.

Gem. Elisabeth, Tochter Sigismunds.

_______________|__________________

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Elisabeth, Ladislaus Postumus,

Gem. Kasimir IV. von Polen. †1457.

|

Wladislav,

1471 König v. Böhmen, 1490 König v. Ungarn.

__________|__________________

| |

Ludwig II. †1526. Anna,

Gem. Maria v. Österreich. Gem. Ferdinand I.

§ 2. Frankreich.

[~1270–1285.~]

~Philipp III.~, +der Kühne+ (+le Hardi+), vermählt seinen

[~1285–1314.~]

Sohn ~Philipp IV.~, +den Schönen+ (+le Bel+), mit +Johanna+, Erbin

von Navarra. Kampf mit Papst +Bonifacius VIII.+, der dem König die

Besteuerung der französischen Geistlichkeit untersagt. Der Papst wird

1313 in Anagni von Verschwörern gefangen genommen, doch von seinen

Anhängern befreit, stirbt bald darauf.

[1309.]

Papst +Clemens V.+, vorher Bischof von Bordeaux, verlegt die päpstliche

Residenz nach ~Avignon~ (an der Rhone); das Papsttum von Frankreich

abhängig (Babylonische Gefangenschaft (1309–1377)).

[1312.]

Aufhebung des +Tempelherrn+ordens durch Clemens V., auf Antrieb des

nach den Schätzen und Gütern des Ordens lüsternen Königs. In Paris

werden 54 Ritter verurteilt und verbrannt, zuletzt auch der Großmeister

+Jakob+ von +Molay+ (1314). Erwerbung burgundischer Gebiete (s. S.

198). Auf +Philipp IV.+ folgen hintereinander seine drei Söhne Ludwig

X., Philipp V., Karl IV., dann nach dem +salischen Gesetz+, welches die

Frauen von der Thronfolge ausschließt[39] (Beschluß der Reichsstände

von 1317), das

[~1328–1498.~]

~Haus Valois~ (Nebenlinie der Capetinger).

[~1328–1350.~]

~Philipp VI.,~ Sohn Karls von Valois, eines Bruders Philipps IV. Gegen

ihn erhebt Ansprüche auf den französischen Thron ~Eduard III.~ von

England, als Sohn einer Tochter Philipps IV., daher

[~1339–1453.~]

mehr als ~hundertjähriger Krieg~ zwischen Frankreich und England.

[1340.]

Seesieg der Engländer bei ~Sluys~, dem Hafenort von Brügge. Die

flandrischen Städte, geleitet von +Jakob von Artevelde+, mit ihnen

verbündet.

[1346.]

Sieg der Engländer bei ~Crécy~ in der Picardie, Anwendung von

+Geschützen+; Tod des blinden Königs +Johann von Böhmen+ (S. 199).

+Calais+ erobert 1347

[~1350–1364.~]

~Johann II., der Gute.~

[1356.]

Sieg des +Schwarzen Prinzen+ (Sohn Eduards III.) bei +Maupertuis+

unweit +Poitiers+. Johann 4 Jahre lang in England Gefangener.

Währenddessen in Frankreich Verwirrung und furchtbare innere Kämpfe, da

der junge Dauphin[40]

als Statthalter nicht durchzugreifen vermag.

[1357–1358.]

Aufstand in Paris, geleitet von +Etienne Marcel+, dem Vorsteher der

Innungen (+prévôt des marchands+), der mit +Karl dem Bösen+, König von

Navarra, in Verbindung tritt.

[1358.]

Bauernkrieg mit furchtbaren Greueltaten, +Jacquerie+ genannt nach dem

Anführer +Guillaume Caillet+, mit dem Beinamen +Jacques Bonhomme+,

welcher dann zum Spottnamen des französischen niederen Volks wurde. Der

Adel schart sich um den Dauphin; nach Unterwerfung der Bauern wird auch

der Aufstand in Paris blutig unterdrückt.

[1360.]

+Friede+ mit England zu +Bretigny+ (bei +Chartres+): Eduard III.

verzichtet auf die französische Krone und erhält +Poitou+, +Guyenne+

und +Gascogne+ als unabhängigen Besitz ohne Lehnspflicht (S. 192).

[1363.]

Auszug aus der Alten, Mittleren und Neueren Geschichte · 第 21 / 49 段