~Verfall des deutschen Reiches.~ Die Reichsgüter (S. 182) werden teils

von den Fürsten in Besitz genommen, teils reichsfreier Besitz von

Rittern, Städten und Klöstern. Fehden und Raubrittertum namentlich

am Rhein und in Schwaben. 1254 Stiftung des +rheinischen Bundes+

(ausgehend von den Städten Mainz und Worms; die Erzbischöfe von Mainz,

Trier, Köln, mehrere Bischöfe, Grafen und Städte schließen sich an) zur

Wahrung des Landfriedens und Beseitigung ungerechter Zölle.

~Befestigung der Landeshoheit~ in den größeren fürstlichen Gebieten:

die +Wittelsbacher+ in Bayern und der Rheinpfalz (Residenz Heidelberg,

S. 186), die +Welfen+ in Braunschweig-Lüneburg (S. 188), die +Askanier+

in Sachsen-Wittenberg und Sachsen-Lauenburg, Anhalt und Brandenburg

(S. 180, 184), die +Wettiner+ in Meißen und Thüringen (S. 188). In den

östlichen Landschaften Fortschreiten der deutschen +Kolonisation+ (S.

179).

Bei dem Mangel geordneter Rechtsprechung von Reichs wegen gewinnt das

von dem sächsischen Schöffen +Eike von Repgow+ um 1230 aufgezeichnete

Rechtsbuch, der +Sachsenspiegel+, bald große Verbreitung; in ähnlicher

Weise wird das in Oberdeutschland geltende Land- und Lehnsrecht um 1276

im +Schwabenspiegel+ aufgezeichnet. In Westfalen entwickeln sich aus

den alten Grafschaftsgerichten die +Femgerichte+; der Erzbischof von

Köln Oberstuhlherr, Freischöffen im ganzen Reiche.

Allmähliches ~Aufblühen der Städte~: sie streben, zum Teil auf frühere

kaiserliche Privilegien gestützt, nach +Selbstregierung+ durch den von

den Bürgern erwählten +Rat+. Worms und Köln treten schon unter Heinrich

IV. und V. hervor. Die Bürger von +Köln+ behaupten ihre Rechte im

Streit gegen den Erzbischof 1258–1271 und in der Schlacht bei Worringen

1288, die Bürger von +Straßburg+ siegen über den Bischof 1262 bei

Hausbergen. Diese und andere +bischöfliche+ Städte (Worms, Speier,

Augsburg, Regensburg) werden gleich den früher von +königlichen+

Beamten (Burggrafen oder Vögten) regierten Städten (Frankfurt, Aachen,

Dortmund, Lübeck, Goslar, Nürnberg, Ulm u. a.) allmählich zu ~freien

Reichsstädten~. Andere bleiben unter bischöflicher oder +fürstlicher+

Hoheit (Mainz, Magdeburg, Würzburg, München, Braunschweig, Stralsund

u. a.), erlangen aber doch bedeutende Rechte zur Sicherung ihres

Handels und Gewerbefleißes.

~Aufblühen der Baukunst.~ Den romanischen Rundbogenstil (Dome zu Mainz,

Worms, Speier und Bamberg; Wartburg) verdrängt allmählich der zuerst

von den Arabern angewandte sog. gotische Spitzbogenstil: Dom zu +Köln+

1248 vom Erzbischof Konrad von Hochstaden an Stelle eines älteren Doms

gegründet; Erwin von Steinbach beginnt 1277 die Westfront des Münsters

zu +Straßburg.+

[~1266–1268.~]

~Untergang des staufischen Herrscherhauses in Italien.~

~Manfred~ verteidigt das Königreich beider Sicilien zuerst als

Reichsverweser für Konradin, den in Deutschland zurückgebliebenen Sohn

Konrads IV., seit 1258 als König. Er fällt 1266 in der +Schlacht bei

Benevent+ im Kampfe gegen +Karl von Anjou+, Bruder Ludwigs IX. von

Frankreich, welchem der Papst das Königreich zu Lehen gegeben hat.

~Konradin~ geht 1267 mit +Friedrich von Baden+ (als Sohn der

babenbergischen Erbtochter von Österreich auch Friedrich +von

Österreich+ genannt) nach Italien. Er wird 1268 bei ~Tagliacozzo~ (nahe

dem +Logo di Celano+, Fuciner-See) geschlagen und auf Befehl Karls von

Anjou in Neapel hingerichtet.

Die Grausamkeit des Königs erregt Unruhen in Sicilien.

[~1282.~ 30. März.]

~Sicilianische Vesper,~ so genannt, weil der Aufstand am Ostermontag

gegen Abend ausbrach. Ermordung aller Franzosen in +Palermo+, dann in

ganz Sicilien, angestiftet von dem Ghibellinen Johann von +Procida+.

König Pedro III. von +Aragon+, Schwiegersohn Manfreds, vereinigt

Sicilien mit seinem Reiche; Karl von Anjou behält das Königreich

Neapel.

§ 3. Frankreich.

Allmähliches Erstarken des Königtums. Die Macht der ~Capetinger~ ist

noch auf ihr Herzogtum +Francien+ (Isle de France und Orléanais)

beschränkt, doch halten sie die Lehnshoheit über die großen Vasallen

fest.

+Philipp I.+ (1060–1108) mit Gregor VII. in Streit wegen der

Hoheitsrechte über die Bischöfe, während des ersten Kreuzzuges im Bann

wegen Verstoßung seiner Gemahlin, vererbt doch die königlichen Rechte

auf seinen Sohn +Ludwig VI.+ (1108–1137). Dieser bringt mit Hilfe des

staatsklugen Abtes +Suger+ von St.-Denis die königliche Gerichtsbarkeit

über die Vasallen zu Ansehen und fördert die Städte. Veredlung des

+Rittertums+ durch die Kreuzzüge; Aufblühen der ritterlichen Dichtkunst

(+Troubadours+ in der Provence, Trouvères in Nordfrankreich). +Ludwig

VII.+ (1137–1180) unternimmt den zweiten Kreuzzug (S. 174f.), läßt sich

von seiner Gemahlin +Eleonore+ von Aquitanien scheiden; diese heiratet

Heinrich II. Plantagenet, König von England, der dadurch +Poitou+,

+Guyenne+ und +Gascogne+ u. a.m. erhält.

[~1180–1223.~]

~Philipp II.~ Augustus. Dritter Kreuzzug mit Richard Löwenherz (S.

175f.). Siegreiche Kriege gegen England nach der Rückkehr (S. 193);

Mehrung der Königsmacht.

[1209–1229.]

~Albigenserkriege~ in Südfrankreich, veranlaßt durch die Predigten der

Cistercienser und Dominikaner (S. 178) gegen die kirchlichen Sekten

der +Katharer+ (in Deutschland +Ketzer+ genannt) und +Waldenser+

(Petrus Waldus zu Lyon 1173). Graf Raimund VI. von +Toulouse+ nimmt

sich der Bedrängten an, welche grausam verfolgt werden (Einwohnerschaft

des erstürmten Béziers, 20000 Seelen, umgebracht), muß vor Simon von

Montfort zurückweichen, gewinnt aber schließlich seine Besitzungen

wieder. Philipp II., Augustus, vermeidet die Einmischung in den Krieg;

sein Sohn +Ludwig VIII.+ (1223–1226) folgt dem Hilferuf Amalrichs

von Montfort gegen Raimund VII., stirbt aber vor Beendigung des

Kriegszuges. Die päpstliche Inquisition vollendet die gewaltsame

Bekehrung der Albigenser.

[~1226–1270.~]

~Ludwig IX., der Heilige,~ anfangs unter Vormundschaft seiner Mutter

Blanka von Kastilien. Raimund VII. unterwirft sich 1229; die Grafschaft

+Toulouse+ mit der Krone vereinigt, ebenso andere Provinzen durch

Vertrag oder Erbanfall. Friedliche Regierung, Verbot der Fehden,

Fürsorge für die Rechtspflege; Gottesurteile abgeschafft; die

Gerichtsbarkeit der großen Vasallen beschränkt durch die Oberaufsicht

der königlichen Gerichte (Parlamente). Aufblühen der Universität

+Paris+. Ludwigs Kaplan Robert von Sorbon gründet die +Sorbonne+,

berühmt als Hauptsitz der theologischen Studien. Sechster und siebenter

Kreuzzug (S. 177).

§ 4. England.

[~1066–1154.~]

~Normannische Könige.~

[~1066–1087.~]

~Wilhelm I.~, der Eroberer, Sohn Roberts II, des Teufels, vollendet

in blutigen Kämpfen die Unterwerfung der Angelsachsen und richtet

den normannischen Lehnsstaat ein, aber mit Beibehaltung der

angelsächsischen Grafschaftseinteilung und Gerichtsverfassung.

Aufzeichnung der Rechtsverhältnisse und Abgaben der Grundbesitzer im

+Domesdaybook+ (von domus dei): Ritterlehen, Kirchengüter, städtischer

Besitz, freie Bauerngüter, Höfe der Unfreien. Zwei Volksstämme und

zwei Sprachen, die +sächsische+ und die +französische,+ bestehen noch

lange Zeit in England nebeneinander; König und Adel sind französische

Normannen.

Wilhelms I. ältester Sohn Robert erbt die +Normandie+; in England

folgen die jüngeren Söhne, zuerst +Wilhelm II.+, dann +Heinrich I.+,

welcher 1106 auch die Normandie in Besitz nimmt. Ihm folgt sein

Schwestersohn +Stephan von Blois+, gegen welchen Heinrichs Tochter

Mathilde, vermählt mit dem Grafen Gottfried von Anjou, Erbansprüche

erhebt. Langwierige Kämpfe; endlich wird Mathildens Sohn Heinrich von

Anjou als Thronfolger anerkannt.

[~1154–1399.~]

~Haus Anjou-Plantagenet.~[36]

[~1154–1189.~]

~Heinrich II.~ besitzt große französische Lehen: 1. +Normandie+ und

+Bretagne+ als Erbe der normannischen Könige, 2. +Anjou+, +Maine+,

+Touraine+ von seinem Vater, 3. durch Heirat mit +Eleonore+ (1152, s.

S. 191) +Poitou+, +Guyenne+ und +Gascogne+, also im ganzen mehr als

halb Frankreich.

[1164.]

Reform der Rechtspflege durch die Beschlüsse von +Clarendon+,

namentlich werden die Vorrechte der Geistlichen beschränkt. Deswegen

Streit mit dem Erzbischof +Thomas Becket+ von Canterbury, welcher von

Anhängern des Königs 1170 ermordet wird.

[1171.]

Kriegszug nach +Irland+, die Fürsten der Insel unterwerfen sich der

englischen Lehnshoheit. Durch einen Aufstand wird ein Teil wieder

selbständig.

[1174.]

Heinrichs Buße am Grabe des auf sein Anstiften ermordeten

Erzbischofs; seine aufständischen Söhne müssen sich unterwerfen. Die

Gerichtsbarkeit über die Geistlichen wird durch Verträge mit Papst

Alexander III. geregelt.

[~1189–1199.~]

~Richard Löwenherz~, in ritterlichen Kämpfen hervorragend, aber ohne

Mäßigung. Kreuzzug, Gefangenschaft in Deutschland (S. 176), dann Kriege

mit Philipp II. Augustus von Frankreich. Richards Bruder

[~1199–1216.~]

~Johann~ (ohne Land) läßt seinen Neffen +Arthur von der Bretagne+, der

ihm den Thron streitig macht, ermorden, wird deshalb als französischer

Vasall (S. 192) von Philipp II. vor den französischen Lehnsgerichtshof

geladen, verliert 1204 die Normandie, bald auch die übrigen

französischen Lehen bis auf Guyenne an die Krone Frankreich. -- Streit

mit Papst Innocenz III. über die Wahl eines Erzbischofs von Canterbury

(1205). England mit dem Interdikt, Johann mit dem Bann belegt. Der

König unterwirft sich dem Papst und leistet ihm den Lehnseid (1213).

Während er dann von La Rochelle aus die verlorenen Gebiete in

Frankreich zurückzuerobern versucht, werden seine Verbündeten, der Graf

von Flandern und Otto IV. von Deutschland, bei +Bouvines+ geschlagen

(1214 s. S. 186). Aufstand der großen Vasallen; sie erzwingen auf der

Wiese Runnymede bei +Windsor+ die Bewilligung der

[1215.]

~Magna charta libertatum~, +Grundlage der englischen Verfassung+: Freie

Wahl der Bischöfe und Äbte durch die Geistlichen; Erblichkeit der

Lehen; Steuern anstatt der Lehnsdienste (Schildgeld) und Hilfsgelder

sollen nur mit Zustimmung der Prälaten und Barone erhoben werden; jeder

Freie soll nur von seinesgleichen nach Landesrecht gerichtet werden;

die Städte sollen ihre Privilegien behalten und die Kaufleute freien

Verkehr haben.

[~1216–1272.~]

~Heinrich III.~, anfangs unter Vormundschaft des Grafen Wilhelm von

+Pembroke+. Ein französisches Heer, das in England gelandet war, wird

zum Abzug genötigt. Vertrag mit Frankreich 1259; Guyenne als englischer

Besitz anerkannt.

Öftere Streitigkeiten mit den zum +Parlament+ versammelten Baronen;

das Land bedrückt durch die Geldforderungen päpstlicher Legaten, um

Heinrichs jüngstem Sohn Edmund die Herrschaft über Neapel und Sicilien

zu verschaffen. +Simon von Montfort,+ Graf von +Leicester+ (spr.

Lester), nimmt 1264 den König gefangen, beruft 1265 auch Vertreter der

Grafschaften (zwei Ritter aus jeder Grafschaft) und der Städte zum

Parlament, wird aber bei +Evesham+ von dem Kronprinzen Eduard besiegt.

Der König befreit; darauf erneute Bestätigung der +Magna charta.+ In

dieser Zeit allmähliche Vermischung und Ausgleichung der Angelsachsen

und Normannen.

§ 5. Die Pyrenäische Halbinsel.

Fortdauernde Kämpfe zwischen Christen und Mohammedanern. König Alfons

VI. von ~Kastilien~ überträgt dem Grafen +Heinrich von Burgund+ 1095

die Grafschaft ~Portugal~ (zwischen Minho und Duero) als Lehen.

Heinrichs Sohn Alfons macht sich von der Lehnspflicht frei und

nennt sich 1140 ~König von Portugal~. Deutsche Kreuzfahrer aus den

Rheinlanden, welche zur See nach Palästina ziehen, helfen 1147 zur

Eroberung +von Lissabon.+

[1118.]

König Alfons I. von ~Aragon~ vertreibt die Araber aus +Saragossa+.

Durch die Vermählung seiner Nichte mit dem Markgrafen von Barcelona

werden 1137 die Länder Aragon und Katalonien vereinigt.

[1157.]

~Kastilien~ geschwächt durch Abtrennung von Leon. Dem erneuten

Anstürmen der Araber treten die drei bald darauf gegründeten

~Ritterorden~ von +Alcántara+ (am Tajo), +Calatrāva+ (am Guadiana),

+San Jago di Compostella+ (in Galicien) erfolgreich entgegen.

[1212.]

Großer Sieg der vereinigten Könige und Ritter bei ~Tolosa~ (in der

Sierra Morena).

[1230.]

+Ferdinand III.+ vereinigt Leon wieder mit Kastilien, erobert 1236

+Cordova+, 1248 +Sevilla+. Sein Sohn +Alfons X.+, der Weise (S. 189)

erweitert sein Reich auf Kosten der Mauren. Selbst Philosoph und

Astronom (seine Verbesserung der Ptolemäischen Planetentafeln), ist er

ein eifriger Förderer der Wissenschaften; Universität Salamanca. Alfons

1282 abgesetzt, † 1284 als Flüchtling bei den Mauren in Sevilla.

[1238.]

Jakob I. von Aragon erobert +Valencia+, bald darauf vertreibt Alfons

III. von Portugal die Araber aus +Algarbe+. Nur in Andalusien behauptet

sich das arabische Königreich ~Granāda~ bis 1492.

§ 6. Der Osten.

Das ~oströmische Reich~ ist unter den letzten Komnenen (S. 172) durch

Thronstreitigkeiten geschwächt; die +Bulgaren+ machen sich 1186

unabhängig. Das 1204 von den Kreuzfahrern errichtete +Lateinische

Kaisertum+ (S. 176) gewinnt keinen festen Bestand; griechische Sprache

und Sitte behauptet sich. Unter dem Hause der ~Paläologen~ seit 1261

bleibt das Reich von dem Ansturm der Mongolen verschont, wird aber bald

danach von den Türken bedrängt.

[1206.]

Die ~Mongolen~ erheben am Amur den Stammfürsten +Temudschin+ zu ihrem

Oberhaupt, ~Tschingis Chan~ † 1226. Er beginnt große Eroberungszüge,

unterwirft Nord-China und vernichtet nach Westen zu das Reich der

+Chowaresmier,+ welche seit 1150 die meisten seldschuckischen Sultanate

und das frühere Gasnavidenreich (S. 172) erobert hatten. Sein Sohn

+Oktai+ macht +Karakorum+ zum Herrschersitz. Sein Enkel +Kublai

Chan+ (1260–1294) begründet in China die mongolische Dynastie +Jüan+

(1280–1367), sucht auch Japan zu erobern (S. 220). An Kublais Hofe in

Peking der venezianische Reisende +Marco Polo+ (S. 221).

[1237.]

Temudschins Enkel +Batu+ dringt vom +Chanat Kiptschak+ (Reich der

Goldenen Horde) aus erobernd in Rußland ein. Moskau und Kiew verbrannt,

dann Zug durch Polen und Angriff auf +Schlesien+. Ein deutsches

Ritterheer unter +Heinrich dem Frommen,+ Herzog von Liegnitz, tritt den

Mongolen entgegen.

[1241.]

~Schlacht bei Wahlstatt~ (Liegnitz). Die Mongolen, obwohl Sieger,

ziehen nach Südosten ab durch Ungarn, nehmen ihre Wohnsitze im +Chanat

Kiptschak+; Hauptstadt Sarai (Gouv. Astrachan). +Rußland+ bleibt ihnen

Untertan bis 1480.

[~1258.~]

~Vernichtung des Kalifats~ durch die asiatischen Mongolen, welche

+Bagdad+ zerstören. Ihrem Vordringen nach Syrien treten die

+Mamelucken+ (S. 177) entgegen. Das große Reich der Mongolen, welche

größtenteils den Islam annehmen, löst sich in einzelne Chanate auf;

China wird 1368 durch +Taitsu+, einen buddhistischen Priester, von der

Mongolenherrschaft befreit. Mit ihm beginnt die Dynastie der +Ming+

(1368–1644).

Fussnoten:

[30] Stammtafel:

~Karl der Grosse †814~

Karl †811 Pippin †810 ~Ludwig der Fromme †840~

________________________________|____________________________

~Lothar I.~ †855 Ludwig der Deutsche †876 ~Karl d.~ |

| | ~Kahle~ †877 |

_____|_________________________ ______|______________ ___|_____

~Ludwig II.~ Lothar II. Karl Karlmann Ludwig ~Karl~ Französische

†875. v. Lothr. v.d. †880. †882 ~d. Dicke~ Karolinger,

†869. Provence | †888. erloschen

Arnulf 987.

†899.

|

Ludwig das Kind †911.

[31] Friedrichs Nachfolger in der Kaiserwürde führen seitdem den Titel:

König von Jerusalem (seit 1806 die Kaiser von Österreich).

[32] Ein deutsches Hospital hatte in Jerusalem seit etwa 1110

bestanden, war aber 1187 mit zu Grunde gegangen.

[33] So genannt von der Beteuerung, die er stets im Mund führte.

[34] +Lübeck+, zunächst +kaiserliche+ Stadt, erhielt das Privilegium

als +freie Reichsstadt+ 1226; +Hamburg+ und +Bremen+, seit 1473

bisweilen zu Reichstagen berufen, erhielten die ausdrückliche

Anerkennung als freie Reichsstädte erst 1510 bezw. 1646.

[35] Vgl. die Lieder Walthers v. d. Vogelweide.

[36] So genannt von dem +Ginsterzweig+ (planta genista), welchen

+Gottfried+ von Anjou, Vater Heinrichs II., als Helmzier zu tragen

pflegte.

D. Vom Ende der Kreuzzüge bis zur Entdeckung Amerikas. (1270–1492.)

§ 1. Deutschland.

[~1273–1347.~]

~Könige und Kaiser aus verschiedenen Häusern.~

[~1273–1291.~]

~Rudolf I., Graf von Habsburg~, reich begütert im Aargau und am

Vierwaldstättersee, Landgraf im Elsaß, wird in +Frankfurt+ von den

sieben angesehensten Reichsfürsten zum römischen König gewählt,

besonders auf Betreiben seines Verwandten, des Burggrafen Friedrich

III. von Nürnberg (aus dem Hause +Hohenzollern+). Krönung zu +Aachen,+

erster Reichstag 1274 zu +Nürnberg+; Beschluß, das Reichsgut

zurückzufordern. Doch kommt dieser Beschluß nur in geringem Maße zur

Ausführung; der König sieht sich auf Vergrößerung seiner +Hausmacht+

angewiesen.

[1276.]

Krieg gegen ~Ottokar~, König von Böhmen, welcher nach dem Aussterben

der Babenberger (1246) +Österreich+ in Besitz genommen, von den Ungarn

+Steiermark+ wieder erobert, +Kärnten+ und +Krain+ durch Erbschaft

erworben hatte. Ottokar wird geächtet, unterwirft sich, erneuert aber

bald den Krieg.

[~1278.~]

~Sieg Rudolfs auf dem Marchfelde~ (bei Dürnkrut), Ottokar fällt.

Vergleich mit dem Vormunde seines Sohnes +Wenzel+. Dieser behält

+Böhmen+, später bekommt er auch +Mähren+ zurück. Bildung der

~habsburgischen Hausmacht~: +Österreich+, +Steiermark+ und +Krain+

kommen als Reichslehen an die Söhne Rudolfs, +Kärnten+ an Graf

+Meinhard+ von Tirol, seinen Schwager.

[1281.]

Rudolf verkündet +Landfriedens+ordnungen in Bayern, Franken und am

Rhein. In Schwaben leisten Graf Eberhard von +Württemberg+ und Markgraf

Rudolf von +Baden+ (Stammburg +Zähringen+ bei Freiburg im Breisgau)

der Absicht des Königs, das Herzogtum Schwaben wiederherzustellen,

erfolgreich Widerstand.

[1289.]

Feldzug nach +Burgund+; die Freigrafschaft (+Franche-Comté+, Hauptstadt

Besançon) für das deutsche Reich wiedergewonnen. Die Provence und

Avignon bleiben im Besitz Karls von Anjou (S. 190).

[1290.]

Rudolf residiert zu +Erfurt+, schlichtet Streitigkeiten in Thüringen,

läßt 29 Raubritter enthaupten und 66 Burgen brechen.

[1291.]

Rudolf † zu +Speier+. Zum Nachfolger wird nicht sein Sohn Albrecht

gewählt, sondern auf Betreiben des Erzbischofs von Mainz, Gerhard v.

Eppstein, ein mit diesem verwandter, minder mächtiger Graf,

[~1292–1298.~]

~Adolf von Nassau~. Dieser will den Streit zwischen Landgraf +Albrecht+

dem Entarteten von Thüringen und seinen Söhnen +Friedrich+ und

+Diezmann+ (S. 181) benutzen, um die Mark +Meißen+ als erledigtes

Reichslehen einzuziehen, wird aber, ehe er dies durchführen kann, durch

eine von Erzbischof Gerhard v. Eppstein berufene Fürstenversammlung

+abgesetzt+ und fällt in der Schlacht bei +Göllheim+ (am Donnersberge)

im Kampfe gegen den nun zum Throne berufenen

[~1298–1308.~]

~Albrecht I. von Österreich,~ Sohn Rudolfs I. Papst Bonifacius VIII.

verweigert ihm die Anerkennung; Albrecht schließt ein Bündnis mit

König Philipp IV. von Frankreich und demütigt die vier +rheinischen

Kurfürsten+ (Mainz, Trier, Köln, Pfalz), indem er 1301 zu Gunsten der

Städte die willkürlichen Rheinzölle aufhebt.

[1303.]

Aussöhnung mit dem Papste, dessen Recht auf Bestätigung der deutschen

Königswahl Albrecht anerkennt. Gleich darauf ~Sturz der päpstlichen

Macht~ (S. 207), doch unternimmt Albrecht keinen Zug nach Italien,

sondern versucht +Böhmen+ für seine +Hausmacht+ zu gewinnen. Das von

ihm nach Meißen entsandte Heer wird 1307 von Friedrich und Diezmann bei

+Lucka+ unweit Altenburg geschlagen.

[1308.]

Albrecht wird von seinem Neffen +Johann+ (Parricīda), dem er sein Erbe

vorenthielt, zwischen Aar und Reuß, nahe bei der +Habsburg+ ermordet.

Die Königswahl lenkt der Erzbischof von Trier auf seinen Bruder:

[~1308–1313.~]

Heinrich VII., Graf von ~Luxemburg~. Dieser stellt die Rheinzölle zu

Gunsten der Fürsten wieder her. Den Söhnen Albrechts bestätigt er den

Besitz ihrer Lehen, erkennt aber 1309 die ~Schweizer Waldstätte~ als

~reichsunmittelbar~ an.

~Entstehung der Schweizer Eidgenossenschaft.~

Schon in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts treten die Waldorte dem

Bestreben der Grafen von Habsburg, die mit der Grafschaft verbundene

Vogtei zu einer vollständigen Landeshoheit über sie auszubilden,

entgegen. König Heinrich (S. 187) erteilt 1231 einen Freibrief für

+Uri+, Kaiser Friedrich II. 1240 für +Schwyz+. König Rudolf erkennt

den Freibrief für Uri an, ernennt in Schwyz nur einheimische Amtleute.

Gleich nach seinem Tode, am 1. August 1291, schließen die drei Waldorte

+Uri+, +Schwyz+, +Unterwalden+ zur Erhaltung ihrer Freiheit einen

+ewigen Bund,+ fügen sich aber zunächst noch der Herrschaft König

Albrechts.

Die von der Volksdichtung ausgeschmückte Erzählung, welche die Tatsache

des +allmählichen+ Erringens der +Reichsunmittelbarkeit+ der Waldstätte

auf ein kurzes Zeitmaß zusammendrängt, erscheint erst nach und nach

sich ausbildend in Chroniken des 15. Jahrhunderts und steht vielfach

in Widerspruch mit den Urkunden. Weder der +Schwur auf dem Rütli+

(1307, Werner Stauffacher, Walter Fürst, Arnold vom Melchtal), noch die

Vertreibung der Vögte am 1. Januar 1308 ist historisch verbürgt. Ein

Landvogt +Geßler+ hat weder in Uri noch in Küßnacht regiert. Die Sage

vom Apfelschuß findet sich auch in Norwegen, Island, Dänemark, am Rhein

und in England; sie ist eine allgemein germanische Sage. Das älteste

Lied von +Tell+ stammt aus der Zeit der burgundischen Kriege (1477);

die uns geläufige Tradition gibt erst der Chronist +Tschudi+ (um 1550).

[~1310.~]

Heinrichs VII. Sohn +Johann+ wird König von ~Böhmen~, gewählt durch

die böhmischen Stände entgegen den Ansprüchen der Habsburger (der

Mannesstamm der +Prschemysliden+ in Böhmen war 1306 ausgestorben,

Johann heiratet den letzten weiblichen Sproß); dadurch erhalten

die Luxemburger eine +Hausmacht+. Seitdem Gegensatz zwischen den

Habsburgern und Luxemburgern.

[1310–1313.]

Heinrichs VII. Römerzug. Er wird von den +Ghibellinen+ (+Dante+, 1302

aus Florenz verbannt) herbeigerufen, schlichtet die Parteikämpfe in

Mailand (die +Visconti+ hier seit 1277), unterwirft Brescia, wird

in Genua und Pisa freudig aufgenommen, in +Rom+ zum Kaiser gekrönt,

belagert aber vergeblich die guelfisch gesinnte Stadt +Florenz+ und

stirbt auf dem Zuge gegen Neapel.

In dieser Zeit bringt König Philipp IV. von Frankreich die

+Freigrafschaft Burgund+ (S. 196) durch Heirat an sich und zwingt den

Erzbischof von +Lyon+ zur Huldigung.

[~1314–1347.~}]

~Ludwig der Bayer~ (Haus Wittelsbach).

[~1314–1330.~}]

~Friedrich von Österreich~, Sohn Albrechts. Doppelwahl durch Parteiung

der Fürsten; beide Könige sind Enkel Rudolfs von Habsburg. Friedrichs

Macht wird geschwächt durch den

[1315.]

Sieg der Schweizer Eidgenossen am Berge ~Morgarten~ über +Leopold

von Österreich+, Friedrichs Bruder. Darauf bestätigt der von der

luxemburgischen Partei gewählte Herzog Ludwig von Oberbayern, der kurz

vorher (1313) die Österreicher bei Gammelsdorf a. d. Isar besiegt

hatte, den Waldstätten ihre Reichsunmittelbarkeit.

[1322.]

Schlacht bei ~Ampfing~ oder ~Mühldorf~. Friedrich von Österreich

geschlagen (Sage von Schweppermann) und als Gefangener nach der Burg

+Trausnitz+ geführt.

[1324.]

Papst +Johann XXII.+, in Avignon (s. S. 207) unter französischem

Einfluß, mischt sich in den Thronstreit und spricht den Bann über

+Ludwig+ aus, doch bleibt derselbe unwirksam, da durch die sittliche

Entartung des päpstlichen Hofes in Avignon das Ansehen des Papsttums

überhaupt gesunken ist.

Auszug aus der Alten, Mittleren und Neueren Geschichte · 第 20 / 49 段