~Lothar von Sachsen~, gewählt auf Betreiben der Erzbischöfe von Mainz

und Köln, (er läßt seine Wahl vom Papst bestätigen) im Gegensatz zu den

Neffen Heinrichs V., +Friedrich+ und +Konrad+ von Staufen. Er bekämpft

sie mit Hilfe seines Schwiegersohnes +Heinrichs des Stolzen+, Herzogs

von Bayern, aus dem +Welfen+hause (S. 166). Konrad läßt sich in Italien

zum König krönen, wird aber bald von seinen Anhängern verlassen;

Friedrich verteidigt sein Herzogtum +Schwaben+; beide unterwerfen sich

erst 1135.

[Sidenote 1130.]

Lothar entscheidet bei einer zwiespältigen Papstwahl für +Innocenz

II.+, zieht dann 1131 nach +Dänemark+ und benutzt einen Thronstreit

daselbst, um den König Magnus zum Vasallen des Reiches zu machen; dann

1132 Zug nach +Italien+.

[1133.]

Lothar, in Rom von Innocenz II. zum Kaiser gekrönt, nimmt die Allodien

der Markgräfin +Mathilde von Tuscien+ († 1115) vom Papste zu Lehen,

kehrt nach Deutschland zurück, ohne den Gegenpapst +Anaklet+, der sich

auf die +Normannen+ stützt (S. 171), aus Rom vertrieben zu haben.

[1136–1137.]

Zweiter Zug nach +Italien+. Lothar vertreibt den Normannenfürsten

+Roger II.+ auf kurze Zeit vom italischen Festlande, stirbt auf dem

Rückwege in Bayern, nachdem er +Heinrich dem Stolzen+ die Mathildischen

Güter und das Herzogtum Sachsen übertragen hat.

Unter Lothars Regierung erfolgreicher Wiederbeginn der ~deutschen

Kolonisation~ im Norden und Osten des Reiches. Drei Fürstenhäuser,

welche dafür viel geleistet haben, verdanken ihm ihre Einsetzung:

die +Schauenburger+ in ~Holstein~, die +Wettiner+ in ~Meissen~, die

+Askanier+ in ~Brandenburg~ (Albrecht der Bär 1134, Markgraf der

Nordmark, (Altmark)). Bei den wendischen Pommern predigt Bischof +Otto

von Bamberg+ 1124 und 1127 das Christentum.

[~1138–1254.~]

~Haus der Hohenstaufen~ (Staufer), nach der Burg +Staufen+ in Schwaben

benannt.

[~1188–1152.~]

~Konrad III.~, von der dem sächsischen Hause feindlichen Partei ohne

Beteiligung der +Sachsen+ und +Bayern+ gewählt.

Kampf der ~Welfen~ gegen die ~Staufer~ (letztere auch +Waiblinger+

genannt nach der Burg Waiblingen in Schwaben). In Italien heißen die

Parteinamen +Guelfen+ und +Ghibellinen+.

König Konrad spricht über +Heinrich den Stolzen+ die Acht aus und

verleiht das Herzogtum Sachsen an +Albrecht den Bären+, Bayern an

+Leopold IV.+, Markgrafen von Österreich. Während des Kampfes stirbt

Heinrich der Stolze 1139. Die sächsischen Großen halten zu seinem

10jährigen Sohne Heinrich; in Bayern und Schwaben kämpft sein Bruder

Welf VI. für seinen Neffen.

[1140.]

+Schlacht bei Weinsberg+ (unweit Heilbronn), Sieg Konrads über Welf

VI., die Stadt muß sich ergeben. (Die treuen Weiber von Weinsberg).

Nach dem Tode Leopolds von Österreich kommt Bayern an seinen Bruder

+Heinrich Jasomirgott+,[33] welcher +Gertrud+, Heinrichs des Stolzen

Witwe, heiratet (1142). Des letzteren Sohn +Heinrich der Löwe+ erhält

Sachsen zurück. Albrecht der Bär entsagt seinen Ansprüchen auf das

Herzogtum Sachsen, erhält seine anhaltischen Besitzungen zurück,

regiert in der Nordmark und (seit Pribislavs Tode 1150) im Havellande

als +Markgraf von Brandenburg+ (S. »Anhang«).

[1147.]

Während Konrad III. den zweiten Kreuzzug nach Palästina unternimmt,

herrscht in Italien große Verwirrung. Der Mönch +Arnold von Brescia+

im Kampf mit dem Papst. In Rom eine Republik gegründet, der Papst

vertrieben. In Norddeutschland ~Wendenkreuzzug~: Heinrich der

Löwe gegen den Obotritenfürsten +Niklot+, dessen Söhne später das

Christentum annehmen; Albrecht der Bär und Konrad von Wettin gegen

den Pommernfürsten +Ratibor+, der 1149 sich zum Christentum bekennt.

Seitdem deutsche Einwanderung in +Mecklenburg+ und +Pommern+, welche

deutsche Reichsländer werden.

Konrad III. empfiehlt zum Nachfolger seinen Neffen +Friedrich von

Schwaben+, der von den Fürsten einstimmig in +Frankfurt+ gewählt, dann

in +Aachen+ gekrönt wird. Im Gegensatz zu Lothar und Konrad III. zeigt

er dem Papst seine Wahl nur an.

[~1152–1190.~]

~Friedrich I., Barbarossa~, durch Tapferkeit und Gerechtigkeit

hervorragend. Reichstag zu Merseburg 1152, Entscheidung des dänischen

Thronstreits: +Svend+ wird König von Dänemark als Vasall des Reiches.

~Welfen.~

Welf IV.,

Hz. v. Bayern, †1101.

|

Heinrich d. Schwarze,

Hz. v. Bayern, †1126.

Gem. Wulfhild, T. des Magnus Billung.

_____________|_______________________

| | |

Heinrich der Stolze, Welf VI. Judith, Gem. v. Friedrich Hz.

Hz. v. Bayern u. †1191. v. Schwaben,

Sachsen, †1139. †1147.

Gem. Gertrud, T.

Lothars v. Sachsen.

|

~Heinrich~ der Löwe

Herzog v. Sachsen u. Bayern, †1195.

____|__________________

| |

~Otto IV.,~ Wilhelm

†1218. |

1. Gem. Beatrix |

2. Maria Otto das Kind,

v. Brabant erster Hz. v.

Braunschweig-Lüneburg.

~Hohenstaufen (Staufer).~

Friedrich, Herzog von Schwaben, †1105.

Gem. Agnes, Tochter Kaiser Heinrichs IV.

_____________|_________________

| |

Friedrich Hz. ~Konrad III.,~

v. Schwaben, †1147. †1152.

|

~Friedrich I.,~ Barbarossa

†1190.

___|___________________________________

| | |

~Heinrich VI.,~ Friedrich ~Philipp~

†1197. Hz. v. Schwaben von Schwaben

Gem. Konstanze. †1191. †1208.

| ___________|________

~Friedrich II.,~ Beatrix, Beatrix,

†1250. Gem. Otto IV. Gem. Ferdinand III.

| von Kastilien.

__|______________________________________________ |____

| | | | | |

Heinrich, ~Konrad IV.,~ Margarete, †1270, Enzio, Manfred, Alfons X.

†1242. †1254. Gem. Albrecht †1272. †1266. von

| von Thüringen. | Kastilien.

| __|__________ |

Konradin Friedrich. Diezmann. Constantia,

†1268. Gem. Peter III. von

Aragon.

Friedrichs Hauptbestreben ist, das Ansehen des ~Kaisertums~

wiederherzustellen. Daher Streit mit den zu mächtigen Republiken

gewordenen ~lombardischen Städten~. Sechs Züge nach ~Italien~, bei

welchen das deutsche +Rittertum+ seine Kraft entfaltet.

[1154–1155.]

+Erster Zug.+ Friedrich zerstört einige kleine Orte, die sich ihm

widersetzen, und wird in Rom von Hadrian IV. zum Kaiser gekrönt.

Tapferer Kampf +Heinrichs des Löwen+ gegen die aufständischen Römer.

+Arnold von Brescia+ (Schüler des Scholastikers +Abälard+), der gegen

die weltliche Herrschaft der Geistlichen und den Güterbesitz der Kirche

aufgetreten war, wird verurteilt und verbrannt.

Auf dem Rückwege von Rom erstürmt +Otto von Wittelsbach+ den Engpaß im

Etschtale bei +Verona+.

[1156.]

Heinrich der Löwe erhält auch Bayern zurück. +Österreich+ bleibt im

Besitze der +Babenberger+ (S. 162) als ein auch in weiblicher Linie

erbliches +Herzogtum+.

Gegenüber der welfischen Machtstellung in Sachsen und Bayern stützt

die kaiserliche Macht sich auf die Stammgüter in +Schwaben+ und

auf die von den Saliern ererbten Güter in +Franken+, außerdem auf

bedeutende +Reichsgüter+ in anderen Landschaften, besonders in der

Rheingegend. Das »goldene Mainz« Mittelpunkt des Handels und Verkehrs.

Die Verwaltung dieser Güter werden +Ministerialen+ übertragen, d. h.

den Gehülfen (ministri) der Ritter und freien Herren, die ursprünglich

unfrei gewesen waren, dann aber infolge ihrer gehobenen Stellung sich

mehr und mehr von ihren hörigen Standesgenossen abhoben und schließlich

den freien Rittern gleich geachtet wurden. ~Kaiserliche Pfalzen~ zu

Hagenau (im Elsaß), Trifels und Kaiserslautern (in der Rheinpfalz),

Ingelheim, Gelnhausen, Aachen, Dortmund, Goslar, Tilleda (am

Kyffhäuser), Nürnberg u. a. Die +Pfalzgrafschaft am Rhein+ überträgt

Friedrich 1156 seinem Halbbruder Konrad, der die Burg +Heidelberg+

gründet.

[1156]

vermählt Friedrich sich mit +Beatrix+, der Erbin von Hochburgund.

[1157.]

Zug Friedrichs über die Oder nach +Polen+. Herzog Boleslav IV.

unterwirft sich, räumt um 1163 seinen Neffen besondere Fürstentümer in

~Schlesien~ ein; seitdem deutsche Einwanderung in dieses Land.

[Sept.]

Reichstag zu +Würzburg+; es erscheinen Gesandtschaften aus dem

byzantinischen Reich, aus England, Dänemark, Ungarn, Italien,

~Burgund~. Auf dem Reichstage zu +Besançon+ (Okt.) huldigen die

burgundischen Großen. Der Kanzler des Kaisers, Graf +Rainald von

Dassel+, tritt gegen den Kardinal +Roland von Siena+ auf, welcher auf

Grund eines päpstlichen Schreibens die Kaiserkrone für ein päpstliches

Lehen (+beneficium+) erklärt.

[1158.]

Fürstentag zu +Regensburg+; Herzog Wladislav von ~Böhmen~ erhält von

Friedrich die +Königskrone+.

[1158–1162.]

+Zweiter Zug+ nach ~Italien~. Die lombardischen Städte, auch

Mailand, unterwerfen sich. Reichstag auf den +Ronkalischen Feldern+

(bei Piacenza), die kaiserlichen Hoheitsrechte über die Städte in

Oberitalien auf Grund des +römischen Rechts+ festgestellt. Die

Mailänder empören sich von neuem. Streit des Kaisers mit dem Papste

über die kaiserlichen Rechte in Rom. Krieg gegen Mailand, das sich nach

längerer Belagerung ergeben muß. Auf Befehl des Kaisers wird

[1162.]

~Mailand zerstört~ durch die Einwohner der Nachbarstädte.

[1159–1177.]

Kirchenspaltung. Papst ~Alexander III.~ (Roland von Siena) von der

Mehrzahl der Kardinale gewählt, Viktor IV. von der kaiserlich gesinnten

Minderheit. Friedrich entscheidet auf dem Konzil zu Pavia (+Rainald+,

Erzbischof von Köln) für Viktor. Alexander III., im Bunde mit den

lombardischen Städten, spricht über den Kaiser den +Bann+ aus, sieht

sich aber genötigt, nach Frankreich zu entweichen.

[1163.]

+Dritter Zug+. Der Kaiser ohne Heer. Er bestätigt die Anordnungen

seines Kanzlers +Rainald+. Bald neue Unruhen in Italien, Alexander III.

kehrt nach Rom zurück.

[1166–1168.]

+Vierter Zug+. Paschalis III., Viktors Nachfolger, wird von Friedrich

nach Rom geführt; Alexander entflieht nach Benevent, findet Schutz im

Normannenreich (S. 171). Unterdessen stellen die Lombarden +Mailand+

wieder her, erbauen +Alessandria+ (dem Papste zu Ehren benannt) und

besetzen die Alpenpässe. Der Kaiser, dessen Heer durch eine in Rom

ausgebrochene +Seuche+ fast aufgerieben war, entkommt nur mit Mühe nach

Deutschland.

Fehde zwischen +Heinrich dem Löwen+, der seine Herzogsgewalt über

Mecklenburg und Pommern ausgedehnt hat, und den ihm feindlichen Fürsten

(den Erzbischöfen von Magdeburg und Bremen, Albrecht dem Bären, Otto

von Meißen, Ludwig dem Eisernen von Thüringen u. a.). Der Kaiser

schlichtet den Streit zu Gunsten Heinrichs des Löwen, bringt aber

durch Vertrag mit dem kinderlosen Welf VI. die +welfischen Stammgüter+

in Schwaben (Altorf und Ravensburg) an sich, um seine Hausmacht zu

vermehren. Heinrich der Löwe unternimmt eine Wallfahrt nach Jerusalem

(1172).

[1174–1178.]

+Fünfter Zug+ Friedrichs nach Italien. Er belagert vergeblich das

feste +Alessandria+. Heinrich der Löwe verweigert auf den Anruf

des Kaisers die Heeresfolge (Zusammenkunft in +Partenkirchen+ oder

+Chiavenna+). Der Kaiser greift die Lombarden an, wird aber in der

[1176.]

~Schlacht bei Legnano~ besiegt. Unterhandlungen und Waffenstillstand

mit Alexander III. und den lombardischen Städten.

[1177.]

Aussöhnung zwischen Kaiser und Papst in +Venedig+. Alexander III. wird

durch Erzbischof Christian von Mainz im Auftrage des Kaisers nach Rom

zurückgeführt. Friedrich ordnet die Verhältnisse Italiens, empfängt

1178 in +Arles+ die burgundische Krone, kehrt dann nach Deutschland

zurück, um seinen Vetter +Heinrich den Löwen+ zu demütigen.

[~1180.~]

~Heinrich der Löwe geächtet~ und seiner Lehen verlustig erklärt,

nachdem er auf viermalige Vorladung nicht erschienen ist. Friedrich

zieht mit Heeresmacht gegen ihn, dringt 1181 durch Sachsen bis +Lübeck+

vor und nimmt diese Stadt ein, darauf unterwirft sich Heinrich der Löwe

zu +Erfurt+. Er behält seinen Allodialbesitz von mütterlicher Seite,

Braunschweig und Lüneburg, muß aber auf drei Jahre in die Verbannung

gehen, begibt sich nach +England+ zu seinem Schwiegervater König

Heinrich II.

~Teilung des Herzogtums Sachsen~. +Westfalen+ kommt größtenteils an

das Erzbistum Köln; die Grafen von +Holstein, Schwerin, Oldenburg,

Teklenburg+ u. a. werden reichsunmittelbar; ebenso die Stadt +Lübeck+,

während +Hamburg+ den Grafen von Holstein, +Bremen+ seinem Erzbischof

noch Untertan bleibt.[34]

Das +östliche Sachsen+ (Wittenberg und Lauenburg) mit der Herzogswürde

erhält +Bernhard von Askanien,+ Sohn Albrechts des Bären; ~Bayern~

(ohne +Steiermark+, welches selbständiges Herzogtum wird, bald aber an

Österreich kommt) erhält +Otto von Wittelsbach+ († 1183).

[1183.]

Friede mit den lombardischen Städten zu +Konstanz+. Die meisten

beanspruchten Rechte (namentlich freie Wahl der Stadtobrigkeit,

Consules) werden ihnen gegen Anerkennung der Oberhoheit des deutschen

Reiches zugestanden.

[1184.]

Glänzendes Reichsfest in der Rheinebene bei +Mainz+; der Kaiser erteilt

seinen beiden ältesten Söhnen den Ritterschlag. ~Einheit und Macht des

deutschen Reiches überall anerkannt.~

[1184–1186.]

+Sechster+ (friedlicher) Zug nach Italien. Der Kaiser vermählt in

+Mailand+ seinen schon längst zum deutschen König gewählten 21jährigen

Sohn ~Heinrich~ mit ~Konstanze,~ der Erbin des +Normannenreiches+ in

Unteritalien.

[1189–1190.]

+Friedrichs Kreuzzug+ und +Tod+ (s. S. 175). Sein Sohn Heinrich

Reichsverweser. +Heinrich der Löwe,+ der bei des Kaisers Aufbruch

abermals auf 3 Jahre das Reich hatte verlassen müssen, kehrt

eigenmächtig aus England zurück. Da im Nov. 1189 König Wilhelm II. von

Sicilien gestorben ist, so beeilt sich König Heinrich, mit Heinrich dem

Löwen einen Vertrag zu schließen. Mittlerweile kommt die Nachricht von

Kaiser Friedrichs Tode nach Deutschland.

[~1190–1197.~]

~Heinrich VI.,~ ein staatskluger, hochgebildeter Fürst, aber streng und

rücksichtslos.

[1191.]

+Erster Zug+ nach +Italien.+ Heinrich empfängt die Kaiserkrone in

Rom und zieht nach Neapel, um das Erbe seiner Gemahlin Konstanze dem

Normannen +Tankred+ +von Lecce+ zu entreißen. Vergebliche Belagerung

von Neapel. Krankheiten in seinem Heere zwingen den Kaiser zur Rückkehr

nach Deutschland. Dort

[1192–1194.]

neuer Krieg mit Heinrich dem Löwen, der den Vertrag nicht gehalten hat.

Den Krieg beendet ein Vergleich, welcher erleichtert wird durch die

Freigebung von Heinrichs des Löwen Schwager, +Richard Löwenherz+ von

England (s. S. 176). Heinrich der Löwe stirbt 1195 zu Braunschweig.

[1194.]

+Zweiter Zug+ nach +Italien+; das Königreich beider Sicilien

unterworfen, Krönung zu +Palermo+. ~Kaiserliche Herrschaft über ganz

Italien,~ deutsche Statthalter in Tuscien, Ancona, Spoleto.

[1196.]

Reichstag zu +Würzburg+. Der Plan Heinrichs, Deutschland (vereinigt

mit dem Königreich beider Sicilien) zum +Erbreich+ zu machen, wogegen

ebenso alle Lehen, auch in weiblicher Linie, erblich werden sollen,

scheitert an dem Widerstande der geistlichen und weltlichen Fürsten.

[1197.]

+Dritter Zug+ Heinrichs nach +Italien+. Er unterdrückt eine

Verschwörung mit grausamer Härte. Inmitten großartiger Pläne (Eroberung

des oströmischen Reiches, Gründung einer Weltherrschaft, Kreuzzug)

stirbt er, erst 32 Jahre alt, plötzlich in Messina. Sein Sohn

Friedrich, noch nicht 3 Jahre alt, schon vor seiner Taufe von den

deutschen Fürsten zum Nachfolger seines Vaters ernannt.

In Deutschland Doppelwahl;

[~1198–1208.~]

~Philipp von Schwaben~ (jüngster Sohn Friedrich Barbarossas).

[~1198–1215.~]

~Otto IV. von Braunschweig~ (Sohn Heinrichs des Löwen).

[1198–1215.]

Thronkrieg zwischen +Staufern+ und +Welfen+.[35]

Otto IV. von Papst ~Innocenz III.~ anerkannt, von seinem durch den

Papst gebannten Gegenkönig Philipp besiegt und fast auf Braunschweig

beschränkt.

[1208.]

Philipp wird +zu Bamberg+ ermordet von dem bayrischen Pfalzgrafen

+Otto von Wittelsbach+ (Privatrache). Darauf wird ~Otto IV.~, der

sich mit Philipps junger Tochter verlobt, allgemein anerkannt und von

Papst Innocenz III. in Rom 1209 zum Kaiser gekrönt, nachdem er dem

päpstlichen Stuhle die Mathildischen Güter (S. 179) überlassen und

andere Zugeständnisse gemacht hat. Bald aber gerät er in Streit mit dem

Papste, welcher im Verein mit der staufischen Partei in Deutschland

gegen ihn 1212 als König aufstellt seinen Mündel ~Friedrich~, Sohn

Heinrichs VI. Friedrich verspricht, Sicilien, das die Kurie als ein

päpstliches Lehen ansah, nie mit dem Reich zu vereinigen.

[1214.]

Otto IV., als Bundesgenosse Englands von Philipp II. Augustus von

Frankreich bei +Bouvines+ (unweit +Lille+) besiegt (S. 193), zieht sich

in seine Erblande zurück († 1218 auf der Harzburg).

Hohes Ansehen des ~Papsttums~ unter ~Innocenz III.~ (1198 bis 1216),

der als Statthalter Christi auf Erden auch zwischen Frankreich

und England (S. 193), in Aragon und Portugal, Ungarn und den

skandinavischen Reichen als Schiedsrichter auftritt. Herstellung des

+Kirchenstaats+, Krieg gegen die Ketzer in Südfrankreich (S. 191),

Einsetzung der +Inquisition+ auf dem Laterankonzil zu Rom 1215.

Blüte der ritterlichen ~Dichtkunst~ in Deutschland: Heinrich von

Veldeke, Hartmann von Aue; +Wolfram von Eschenbach+ und +Walther von

der Vogelweide+ am Hofe des Landgrafen Hermann von Thüringen († 1217)

auf der Wartburg. Schriftliche Aufzeichnung des +Nibelungenliedes+.

[~1212(15)–1250.~]

~Friedrich II., zugleich König beider Sicilien~, der geistig

bedeutendste Fürst des Mittelalters, leidenschaftlich, mehr Italiener

als Deutscher (in Sicilien geboren, von seiner italienischen Mutter

erzogen), entschiedener Gegner der geistlichen Herrschaft.

Er wird von einem Teile der Fürsten 1212 in Frankfurt zum König

gewählt, verleiht 1214 die +Pfalzgrafschaft am Rhein+ (S. 182) dem

Herzog Ludwig I. von Bayern, dem Sohne Ottos von Wittelsbach, und

bestätigt dem König Waldemar II. von +Dänemark+ den Besitz der Länder

jenseits der +Elbe+ und +Elde+ (Holstein und Mecklenburg), welche

dieser während des deutschen Thronstreits an sich gerissen hatte.

[~1215~.]

Friedrich II. allgemein anerkannt und zu +Aachen+ gekrönt. Er gelobt

einen Kreuzzug und verläßt Deutschland 1220, nachdem er die Wahl seines

jungen Sohnes +Heinrich+ zum römischen König erreicht hat.

[1220.]

Kaiserkrönung Friedrichs II. in +Rom+ nach erneutem Versprechen eines

Kreuzzugs; darauf ordnet er die Verhältnisse des sicilischen Reiches.

In Deutschland Erzbischof +Engelbert von Köln+ Reichsverweser († 1225),

dann König Heinrich.

[1223.]

+Waldemar II. von Dänemark+ wird von dem Grafen Heinrich von Schwerin

gefangen genommen und nach Deutschland geführt. +Hermann von Salza+,

Hochmeister des Deutschen Ordens, vermittelt im Auftrage des Kaisers

seine Freilassung, die erst 1225 gegen hohes Lösegeld und Verzicht auf

die deutschen Gebiete erfolgt.

[1226.]

Der Kaiser bevollmächtigt den Deutschen Orden zur Eroberung +Preußens+

(S. 178). Reichstag zu +Cremona+, Streitigkeiten mit den lombardischen

Städten.

[1227.]

Das in Apulien versammelte Kreuzheer löst sich auf wegen Ausbruchs der

Pest. Ludwig, Landgraf von Thüringen, Gemahl der heiligen Elisabeth,

stirbt. Papst Gregor IX. (1227–41) spricht den Bann über den Kaiser aus.

[1227.]

~Schlacht bei Bornhöved~ in Holstein. Waldemar II., der Sieger, besiegt

von den Grafen von Holstein und Schwerin, Herzog Albert von Sachsen,

dem Erzbischof von Bremen und den Bürgern von Lübeck und Hamburg. Das

Land bis zur Eider für Deutschland gerettet.

[1228–1229.]

~Kreuzzug~ Friedrichs II. (S. 177). Nach der Rückkehr vertreibt er

die in sein italisches Reich eingedrungenen päpstlichen Truppen

(Schlüsselsoldaten genannt).

[1230.]

Friede mit dem Papste zu ~San Germano~, Aufhebung des Bannes.

Gesetzgebung Friedrichs II. für das unteritalische Reich (Constitutio

Monarchiae Siculae); geordnete Verwaltung und Rechtspflege; auf den

Landtagen erscheinen neben dem Adel Vertreter der Städte; direkte

und indirekte Steuern eingeführt; Beamtentum, Söldnerheer und Flotte

geschaffen; staatliche Universität in Neapel gegründet.

[1231.]

In Deutschland wird die ~Landeshoheit~ der geistlichen und weltlichen

~Fürsten~ über ihre Gebiete befestigt durch die von Friedrich II.

genehmigten Beschlüsse des Reichstags zu +Worms+.

[1233.]

Der Dominikaner +Konrad von Marburg+, Beichtvater der Landgräfin

Elisabeth von Thüringen (1207–1231), welcher in Deutschland als

Ketzerrichter auftrat, wird erschlagen; aber ein Kreuzheer besiegt und

vernichtet 1234 die der Ketzerei beschuldigten +Stedinger+ Bauern in

Oldenburg.

[1235.]

Friedrich II. kommt wegen Empörung seines Sohnes Heinrich nach

Deutschland, schickt ihn als Gefangenen nach Italien († 1242), erläßt

auf dem +Reichstag zu Mainz+ ein ~Landfriedensgesetz~ (+erste+

Veröffentlichung eines Reichsgesetzes auch in +deutscher+ Sprache)

und verleiht dem Welfen +Otto+, Neffen Ottos IV., das Herzogtum

+Braunschweig-Lüneburg+.

[Sidenote 1236.]

Siegreicher Kampf Friedrichs gegen die +lombardischen Städte+, in

welchen die Partei der ~Guelfen~ herrscht. Sein Verbündeter der

grausame +Ezzelino da Romano+, Markgraf von Verona, an der Spitze

der ~Ghibellinen~. Der Kaiser zieht noch einmal nach Deutschland, um

Herzog Friedrich den Streitbaren von +Österreich+ wegen Empörung zu

strafen und die Wahl seines zweiten Sohnes Konrad zum römischen König

durchzusetzen.

[1237.]

Glänzender Sieg Friedrichs über die Lombarden bei ~Cortenuova~. Seine

zu weit gehenden Forderungen vereiteln jedoch die völlige Unterwerfung

der Lombardei. Sein Sohn Enzio mit der Erbin von Sardinien vermählt,

über das die Kurie die Lehnshoheit beanspruchte. Papst Gregor IX.

beschuldigt ihn der Ketzerei und bannt ihn 1239 abermals. Er dringt

1240 vor bis in die Nähe Roms, wendet sich dann nach Ancona und

belagert Faenza.

[1241.]

Seesieg seines Sohnes +Enzio+ bei +Elba+ über die genuesische Flotte,

viele zum Konzil nach Rom fahrende Geistliche gefangen. Gregor IX. †.

Sein Nachfolger Innocenz IV. verhandelt mit dem Kaiser, entflieht aber

1244 nach Genua und weiter nach Lyon. (Bedrohung Deutschlands durch die

Mongolen, s. S. 195).

[~1245.~]

~Absetzung des Kaisers~ durch Beschluß des +Konzils zu Lyon+. Innocenz

IV. erneuert den Bann gegen ihn und fordert die deutschen Fürsten zu

einer Neuwahl auf. Die Bettelmönche (Franziskaner und Dominikaner)

predigen das Kreuz gegen ihn.

[1246–1247.]

~Heinrich Raspe~, Landgraf von Thüringen, Schwager der heiligen

Elisabeth, der sie mit ihren Kindern von der Wartburg vertrieb, als

Gegenkönig anfangs siegreich gegen Konrad, Friedrichs Sohn, dann

aber bei Ulm zurückgeschlagen, stirbt 1247 auf der Wartburg. Mit ihm

erlischt das landgräfliche Haus von Thüringen, dessen +östlicher+ Teil

mit der Markgrafschaft +Meißen+ vereinigt wird; aus dem +westlichen+

geht die Landgrafschaft +Hessen+ hervor.

[1247–1256.]

~Wilhelm von Holland~, zweiter Gegenkönig, der jedoch kein Ansehen in

Deutschland erlangt.

~Friedrich~ kämpft 1248 in Italien anfangs glücklich, wird aber vor

Parma zurückgeschlagen. Sein Sohn +Enzio+ gerät 1249 beim Kampfe gegen

Bologna in Gefangenschaft († nach 23jähriger Haft im Kerker). Der

Kanzler +Petrus von Vinea+ wird wegen geheimer Verhandlungen mit dem

Papste als Verräter geblendet, † 1249.

[1250.]

Friedrich stirbt zu Fiorentino (in Apulien) in den Armen seines Sohnes

Manfred. Ihm folgt in Deutschland sein Sohn

[~1250–1254.~]

~Konrad IV.~ (Gegenkönig Wilhelm von Holland), der aber schon 1251 nach

Italien zieht, um gemeinsam mit Manfred um das unteritalische Erbreich

zu kämpfen. Er erobert 1253 Neapel, stirbt aber im folgenden Jahre am

Fieber.

[1256.]

Wilhelm von Holland fällt im Kampfe gegen die Friesen.

[~1256–1273.~]

~Interregnum in Deutschland.~

Graf +Richard von Cornwallis+, Bruder Heinrichs III. von England,

Schwager Kaiser Friedrichs II., von einem Teil der Fürsten erwählt, in

Aachen gekrönt, kommt nur am Rhein zur Anerkennung († 1272). +Alfons X.

von Kastilien+, Enkel des Hohenstaufen Philipp von Schwaben, von andern

Fürsten gewählt, kommt nie nach Deutschland.

Auszug aus der Alten, Mittleren und Neueren Geschichte · 第 19 / 49 段