~Hugo Capet~, Sohn Hugos von Francien, von den Großen erwählt, dann

in +Reims+ gekrönt, bringt das Königtum wieder zu Ansehen. Er hat

den Vasallen gegenüber noch keine bedeutende Macht, hält aber die

Lehnshoheit fest. Seine Nachfolger +Robert+, +Heinrich I.+, +Philipp

I.+, († 1108) wissen die Erblichkeit des Königtums zu wahren. Heinrich

I. gibt das +Herzogtum Burgund+ (Hauptstadt Dijon, zu unterscheiden

von dem mit Deutschland vereinigten Königreich Burgund, S. 164) seinem

jüngeren Bruder Robert als Lehen. Zur Sicherung des Landfriedens

verkündet der Klerus (zuerst 1040 in Aquitanien) die ~Treuga Dei~, den

Gottesfrieden, einen von der Kirche gebotenen Stillstand aller Fehden

während der kirchlichen Festzeiten und der zweiten Hälfte jeder Woche

(von Mittwoch Abend bis Montag früh).

§ 3. England und der Norden.

[~827–1066.~]

England unter ~sächsischen Königen.~

[827.]

+Egbert+ von +Wessex+ vereinigt die sieben Reiche (S. 142) als erster

König von ~England~. Einfälle und Ansiedlungen der heidnischen

+Normannen+ (+Dänen+). Sein Enkel

[871–901.]

~Alfred der Große~ bekämpft glücklich die Dänen und stellt die alte

+Grafschafts+verfassung wieder her; das Grafschaftsgericht unter

Leitung des vom König ernannten +Ealdorman+, dessen Stellvertreter der

+shirgerefa+ (sherif). Blüte des Reiches noch unter seinem Sohne und

seinem Enkel, dann Verfall und neue Bedrängnis durch die Dänen.

[1002.]

~Ermordung der Dänen~ auf englischem Boden an +einem+ Tage (dänische

Vesper), auf Befehl König +Ethelreds II.+ Infolge davon neue Rachezüge

der Dänen nach England und endlich

[1016–1042.]

~dänische Herrschaft~ über England unter ~Knud dem Grossen~ (S. 164),

der als Sieger Milde übt und in Dänemark das Christentum zum Siege

bringt († 1035), und unter seinen Söhnen +Harald I.+ und +Hardiknud+.

[1042–1066.]

Das Regiment der angelsächsischen Könige wiederhergestellt. ~Eduard

der Bekenner~, Sohn +Ethelreds+, aus der Normandie zurückgekehrt,

begünstigt die Normannen an seinem Hofe, die aber von seinem

Schwiegervater +Godwin+ vertrieben werden. Sein Feldherr Siward besiegt

+Macbeth+, der sich in +Schottland+ nach der Ermordung des Königs

+Duncan+ des Thrones bemächtigt hat (1054). Duncans Sohn Malcolm nimmt

Schottland von Eduard zu Lehen. Nach Eduards Tode wird +Harald II.+,

Godwins Sohn, zum König ausgerufen, verliert aber Thron und Leben in der

[1066.]

~Schlacht bei Hastings~ (spr. Hēstings) gegen ~Wilhelm den Eroberer~,

Herzog von der ~Normandie~, der sich in Westminster zum König von

England krönen läßt. König Malcolm von Schottland schließt mit ihm

Vertrag.

+Dänemark+, +Norwegen+, +Schweden+ bestehen seit Anfang des 11.

Jahrhunderts als christliche Königreiche (Olaf der Heilige in Norwegen

† 1030) nebeneinander, noch oft von wildem Streit erfüllt. Am meisten

kommt +Dänemark+ empor unter dem Neffen Knuds d. Gr. +Svend Estridson+

(† 1076) und dessen Söhnen.

~Fernere Staatengründungen der Normannen~:

1. Schwedische +Waräger+ fahren über die Ostsee; ihr Fürst +Rurik+

gründet 862 durch Vereinigung slavischer Stämme das ~russische Reich~

(Hauptstadt +Nowgorod+, dann +Kiew+). Rußland entwickelt sich unter

den +Ruriks+ (862–1598) als +slavischer+ Staat im Anschluß an das

oströmische Reich. Großfürst +Wladimir+ der Große, vermählt mit der

Tochter eines oströmischen Kaisers, führt 988 das Christentum nach

griechischer Lehre ein.

2. Norwegische +Wikinger+ kommen um 860 nach Island, 983 nach Grönland

(Erich der Rote), um 1000 nach der Küste Nordamerikas (Vinland).

Diese Niederlassungen von den Eskimos zerstört. Bestand hat dagegen

der Freistaat auf der Insel ~Island~. Hier werden um 1100, als das

Christentum bereits eingeführt ist, die nordischen Götter- und

Heldensagen in der poetischen oder Lieder-+Edda+ aufgezeichnet (ergänzt

durch die jüngere prosaische Edda von dem Isländer Snorri Sturluson um

1230). Island wird 1262 mit Norwegen vereinigt.

3. Der Normannenstaat in ~Unteritalien~, um 1020 von christlichen

Normannen aus der Normandie gegründet (vgl. S. 163), nimmt italienische

und arabische Kultur an. Bald treten sie in enge Beziehungen zum Papst.

Von Robert Guiskard (S. 167) wird das ganze unteritalische Festland,

von seinem Bruder Roger Sicilien den Sarazenen entrissen. Herzog

+Roger+ wird 1130 vom Papste in Palermo als +König von Neapel+ und

+Sicilien+ gekrönt.

§ 4. Die Pyrenäische Halbinsel.

[~955–1031.~]

~Kalifat von Cordŏva~, gegründet von dem Omaijaden +Abdurrahman+ (s. S.

150). Glänzendste Zeit im 10. Jahrh. (Abdurrahman III, Hakem II., der

Feldherr +Almansur+). Das volkreiche +Cordŏva+ Sitz der Wissenschaften

und Künste.

[1031.]

Auflösung des Kalifats von Cordŏva in eine Menge kleiner Herrschaften.

Die +Morabethen+ aus Mauretanien zu Hilfe gerufen, stellen sich mit

Erfolg dem Andrängen der Christen entgegen (1086 Schlacht bei +Salaka+

unweit Badajoz) und reißen dann die Herrschaft des mohammedanischen

Spaniens an sich.

~Christliche Reiche~: +Asturien+, seit Alfons III. († 910) bis zum

Duero reichend, nach der neuen Residenz auch Königreich Leon genannt,

mit dem Grenzgebiet +Kastilien+, das seinen Namen von den gegen die

Araber errichteten Kastellen hat. ~Navarra~, ursprünglich fränkische

Grafschaft, seit 905 Königreich, erweitert durch Eroberung der

Landschaft +Aragon+ am oberen Ebro. ~Barcelona~, ebenfalls fränkische

Grafschaft (S. 152), seit etwa 900 unabhängig unter einer erblichen

Dynastie.

[1035.]

+Sancho III.+, der Große, König von +Navarra+, auch über +Kastilien+

herrschend, teilt sein Reich unter seine Söhne. Der zweite, welcher

Kastilien erhält, gewinnt bald auch Leon hinzu; der dritte erhält

Aragon als Königreich. Daher fortan die drei Königreiche ~Navarra~,

~Kastilien~, ~Aragon~, daneben die Markgrafschaft ~Barcelona~

(Katalonien).

König +Alfons VI.+ von +Kastilien+, Enkel Sanchos d. Gr., erobert 1085

+Toledo+; der kastilische Ritter +Rodrigo Diaz+, von den Arabern ~Cid~,

d. h. Herr, genannt, erobert 1094 +Valencia+, doch fällt es nach seinem

Tode wieder in die Hände der Araber.

§ 5. Der Osten.

[~867–1057.~]

Das ~oströmische Reich~ unter der ~makedonischen Dynastie.~

+Basilius I.+ (867–886), durch Ermordung seines Vorgängers Michael

III. auf den Thron gelangt, regiert kraftvoll, wehrt die Araber in

Kleinasien und zur See ab, mildert den Steuerdruck, verbessert die

Rechtspflege. Seine beiden Nachfolger +Leo VI.+ und +Konstantin VII.

Porphyrogennetos+ Beschützer der Wissenschaften. +Nikëphoros II.+

(963–969) kämpft glücklich gegen Araber und +Bulgaren+; +Basilius II.+

(976–1025) unterwirft die Bulgaren in blutigen Kämpfen.

[1043.]

Die ~Serben~, ein im 7. Jahrhundert eingewandertes slavisches Volk,

machen sich unabhängig von Ostrom; Königreich +Serbien+ bis 1458.

[~1057–1204.~]

Haus der ~Komnenen~.

+Alexius I.+ (1081–1118) tritt dem von der Donau her vordringenden

türkischen Stamme der +Petschenegen+ erfolgreich entgegen. Den

+Seldschuken+ (s. u.) kann Kleinasien nicht wieder entrissen werden.

Das ~Kalifat von Bagdad~ gerät seit 861 durch Emporkommen von

Teilfürsten in Verfall. Die +Abbassiden+ werden von den Anführern ihrer

türkischen Leibwache abhängig.

[935.]

Die aus Persien stammenden +Bujiden+ reißen die Würde des +Emir

al Omra+ (Fürst der Fürsten) an sich; der Kalif bleibt nur noch

geistliches Oberhaupt

[969.]

+Ägypten+ sondert sich ab als eigenes Kalifat unter den +Fatimiden+

(Schiiten, vergl. S. 149). Kairo glänzende Hauptstadt, Syrien bald

hinzuerobert.

[998–1030.]

Sultan +Mahmud+, Herrscher des +Gasnaviden+reichs, gewinnt die früher

von den +Samaniden+ (unter Oberhoheit der Kalifen) beherrschten Gebiete

um Buchara und Samarkand, dringt erobernd nach +Indien+ vor. An seinem

Hofe zu Gasna (in Afghanistan) der persische Dichter +Firdusi+ und der

arabische Philosoph +Ibn Sina+ (Avicenna), Erklärer des Aristoteles.

[1058.]

+Togrulbeg+, Sultan der +seldschukischen+, aus der Bucharei stammenden

+Türken+, befreit den Kalifen von der Übermacht der Bujiden. Er

vererbt die Würde des Emir al Omra auf seinen Neffen +Alp Arslan+ und

dessen Sohn +Malekschah+; dieser stellt die Einheit des Kalifenreiches

wieder her, entreißt den Fatimiden Syrien, den Gasnaviden Buchara und

Samarkand, residiert zu Ispahan.

[1092.]

Nach Malekschahs Tode +Teilung der Seldschukenherrschaft+; besondere

Sultanate in Iran, Karman (östliches Persien), Aleppo, Damaskus,

Iconium. Trotzdem wird der Bestand des Kalifats durch die nun folgenden

Angriffe der Christen nicht wesentlich erschüttert.

+Bagdad+ bleibt glänzender Herrschersitz bis zum Eindringen der

Mongolen (S. 195).

~C. Das Zeitalter der Kreuzzüge. (1096–1270).~

§ 1. Die Kreuzzüge.

~Veranlassung~: Die Wallfahrten der Christen nach dem +heiligen Grabe+

(die Kirche über demselben erbaut von +Helĕna+, der Mutter Konstantins

d. Gr.) werden gestört, seitdem die +Fatimiden+, und mehr noch seitdem

die +Seldschuken+ über Palästina herrschen. Mißhandlungen der Pilger,

Hilferufe des bedrängten byzantinischen Reiches; das neu erstarkte

Papsttum schenkt ihnen Gehör und ruft mit Benutzung der asketisch

angeregten und zugleich kriegerischen Stimmung im Abendlande eine

großartige Völkerbewegung hervor.

[1095.]

Papst +Urban II.+ ruft auf den Kirchenversammlungen zu +Piacenza+

und zu +Clermont+ in der Auvergne die Gläubigen zum Kreuzzug auf;

allgemeine Begeisterung. (+Gott will es!+). Der Eremit +Peter von

Amiens+ predigt in Frankreich mit großem Erfolge das Kreuz. Die von

ihm und dem Ritter +Walter Senzaveir+ (Habenichts) geführten Scharen

gelangen unter großen Verlusten nach Kleinasien und werden dort im

Kampfe aufgerieben, andere gehen schon in Ungarn und Bulgarien zugrunde.

[~1096–1099.~]

~Erster Kreuzzug.~ Königreich Jerusalem. Anführende Fürsten: +Gottfried

von Bouillon+, Herzog von Nieder-Lothringen; seine Brüder +Balduin+

und +Eustachius+; +Robert+, Herzog der Normandie, Sohn Wilhelms des

Eroberers; +Robert+ von Flandern; +Stephan+ von Blois; +Raimund+,

Graf von Toulouse; +Hugo von Vermandois+, Bruder Philipps I., Königs

von Frankreich; +Boëmund+ von Tarent, Sohn Robert Guiscards; sein

Neffe +Tankred+. Sie führen über 200000 Krieger, meist Franzosen und

Normannen, nach dem Orient. Der Bischof +Adhemar von Puy+, der in

Clermont zuerst sich das Kreuz anheftete, nimmt als päpstlicher Legat

am Zuge Teil († 1098).

Die Fürsten ziehen auf verschiedenen Wegen (Gottfried von Bouillon die

Donau abwärts, Raimund von Toulouse durch Oberitalien und Dalmatien,

die Nordfranzosen und Normannen von Apulien aus zur See) nach

Konstantinopel; sie leisten mit Ausnahme Raimunds dem Kaiser +Alexius

Komnenus+ den Lehnseid für die zu erobernden Länder und werden auf

griechischen Schiffen übergesetzt.

[1097.]

+Nicäa,+ von den Kreuzfahrern belagert, ergibt sich dem griechischen

Kaiser. Sieg der Kreuzfahrer bei +Doryläum+ über den Sultan von

+Iconium. Balduin+ trennt sich vom Hauptheere, zieht über den Euphrat

und erwirbt sich die Herrschaft in +Edessa.+

[1097–1098. Okt. Juni.]

Das Hauptheer belagert lange vergeblich Antiochīa am Orontes, endlich

verrät ein armenischer Renegat die Stadt an +Boemund+ von Tarent.

[1098.]

+Kerboga,+ Emir von Mosul, rückt mit einem ungeheuren Heere heran

und belagert in Antiochīa die durch Krankheit und Mangel erschöpften

Kreuzfahrer. Siegreicher Ausfall der Christen (die heilige Lanze!), das

Heer der Seldschuken wird in die Flucht geschlagen und zerstreut. Lange

Rast und Streitigkeiten der Kreuzfahrer in Antiochīa.

[~1099.~]

Zug an der Küste entlang nach Jerusalem. Am 7. Juni erblicken die

Kreuzfahrer (nur noch 21500 kampffähige Krieger) die heilige Stadt,

welche im J. 1098 den Seldschuken durch die +Fatimiden+ wieder

entrissen worden war. Nach fünfwöchiger Belagerung.

[15. Juli.]

~Erstürmung Jerusalems.~ Furchtbares Blutbad, Wallfahrt nach der Kirche

des heiligen Grabes.

Das +christliche Königreich Jerusalem+ wird als Lehnsstaat nach

französischem Vorbild eingerichtet; kleinere Lehnsstaaten: das

Fürstentum +Antiochīa,+ die Grafschaften +Edessa+ und +Tripolis.+

Sammlung der Gesetze in den +Assises du royaume de Jérusalem.+ Zwei

Patriarchen, in +Jerusalem+ und in +Antiochīa.+

Gottfried von Bouillon, +Beschützer des heiligen Grabes.+ Er besiegt

den Sultan von Ägypten bei +Askalon+ 1099; † 1100. Sein Bruder +Balduin

I.+ nimmt den +Königs+titel an. Akkon, Tripolis, Beirut, Sidon mit

Hilfe der Pisaner und Genuesen erobert, etwas später +Tyrus+ mit Hilfe

der Venetianer.

Auf Balduin I. († 1118) folgen +Balduin II.+ († 1131), +Fulco+

von Anjou († 1143), unter dem das Königreich Jerusalem die größte

Ausdehnung gewinnt, +Balduin III.+ († 1162), +Amalrich+ († 1173),

+Balduin IV.+ († 1184), +Balduin V.+ (unmündig, † 1186), +Guido+ von

Lusignan († 1195) s. S. 175.

[~1147–1149.~]

~Zweiter Kreuzzug.~ Ohne Erfolg. ~Veranlassung~: Eroberung +Edessas+

durch +Imadeddin Zenki,+ Emir von Mosul (1144), und nochmals durch

dessen Sohn +Nureddin+ (1146). Abt +Bernhard+ von Clairvaux predigt das

Kreuz.

+Konrad III.+ von Deutschland und +Ludwig VII.+ von Frankreich brechen,

jener von +Regensburg,+ dieser etwas später von Metz aus, nach

Palästina auf. Sie ziehen nacheinander durch Ungarn nach Kleinasien.

Das +deutsche+ Heer dringt bis Doryläum vor, erleidet aber durch Mangel

und Kämpfe mit dem Sultan von Iconium schwere Verluste. Die nach Nicäa

Entkommenen kehren zum Teil heim; mit den übrigen schließt sich Konrad

dem Zuge des +französischen+ Heeres +an der Küste entlang+ an, kehrt

aber zur Herstellung seiner Gesundheit nochmals nach Konstantinopel

zurück. +Ludwig+ fährt mit dem französischen Adel zu Schiffe nach

Antiochīa. Das übrige Heer setzt den Weg zu Lande fort, wobei es durch

Hunger und feindliche Angriffe vollends aufgerieben wird. +Konrad+

kommt 1148 zur See nach dem Heiligen Lande und macht zusammen mit den

Franzosen einen vergeblichen Angriff auf +Damaskus+.

[~1189–1192.~]

~Dritter Kreuzzug.~ Eroberung von Akkon.

~Veranlassung: Saladin~, Sohn des Kurden Ejub, Gründer der Dynastie der

+Ejubiden+ in Ägypten, erobert Nureddins Reich, schlägt die Christen

in der blutigen Schlacht bei +Hittin+ (Tiberias) am See Genezareth,

~erobert Jerusalem~ 1187. Die christlichen Einwohner großmütig

behandelt, König Guido von Lusignan und viele Ritter geraten in

Gefangenschaft.

~Kaiser Friedrich I.~, der als Jüngling am zweiten Kreuzzug

teilgenommen hatte, tritt als Greis im Frühjahr 1189 den Zug von

Regensburg aus an, zieht durch Ungarn, erzwingt den Durchzug durch das

griechische Kaiserreich, bleibt den Winter in Adrianopel, setzt 1190

nach Kleinasien über, erobert Iconium und zieht nach Cilicien; dort

ertrinkt er (10. Juni) im +Kalykadnus+ (Saleph). Sein Sohn, Herzog

+Friedrich+ von Schwaben, führt einen Teil der Pilger (viele kehren um)

über Tarsus, Antiochīa und Tyrus nach +Akkon+. Er stirbt 1191 während

der Belagerung dieser Stadt, welche der frei gewordene König +Guido+

leitet.

~Richard Löwenherz~, König von England, und ~Philipp II.~ +Augustus+,

König von Frankreich, fahren zur See, Richard von Marseille, Philipp

von Genua aus nach dem Heiligen Lande (1190); Beteiligung von +Genua+,

+Pisa+ und +Venedig+. Nach längerem Aufenthalt in Sicilien kommen die

beiden Könige vor +Akkon+ an, welches Lusignan schon fast zwei Jahre

belagerte. Die Stadt wird nun schnell zur Übergabe gezwungen (Juli

1191).

Philipp, mit Richard entzweit, kehrt nach Frankreich zurück.

Heldentaten und Grausamkeiten Richards, der zweimal vor Jerusalem

umkehren muß. Waffenstillstand mit Saladin (1192): der Küstenstrich

von +Joppe bis Akkon+ wird an die Christen abgetreten, der Besuch der

heiligen Orte gestattet. +Cypern+ wird von Richard, der es 1191 erobert

hatte, an Guido von Lusignan zu Lehen gegeben, der seine Würde als

»König von Jerusalem« an +Heinrich von Champagne+ überläßt.

Richard leidet auf der Rückkehr Schiffbruch bei Aquileja, wird trotz

seiner Verkleidung bei Wien erkannt, von Herzog +Leopold VI. von

Österreich+, den er vor Akkon tödlich beleidigt hatte, festgenommen und

an Kaiser +Heinrich VI.+ ausgeliefert. Dieser hält ihn in der Feste

+Trifels+ (westlich von Landau in der Pfalz) gefangen und gibt ihn

erst nach 13 Monaten gegen ein Lösegeld von 100000 Mark Silbers und

Lehnshuldigung frei.

[~1202–1204~.]

~Vierter Kreuzzug~.

Lateinisches Kaisertum 1204–1261.

Auf Anregung des Papstes +Innocenz III.+ (1198–1216) (Kreuzpredigt des

+Fulco+ von Neuilly) unternehmen mächtige französische Barone zusammen

mit dem Grafen +Balduin+ von Flandern und dem Markgrafen +Bonifacius+

von Montferrat einen Kreuzzug, der ursprünglich gegen Ägypten gerichtet

war. Die Kreuzfahrer übernehmen für die Venetianer (Doge +Heinrich

Dandolo+), zum Teil als Preis der Überfahrt, die Eroberung von +Zara+

in Dalmatien.

Auf Bitten des byzantinischen Prinzen +Alexius+ für seinen Vater, den

entthronten Kaiser +Isaak Angelus+, fahren die Kreuzfahrer auf der

venetianischen Flotte nach ~Konstantinopel~, nehmen die Stadt ein

und setzen Alexius und seinen Vater auf den Thron (1203). Aber die

Erfüllung der eingegangenen Bedingungen (Vereinigung der griechischen

Kirche mit der römischen, Zahlung bedeutender Geldsummen) scheitert an

dem Widerstande der Bevölkerung. Streitigkeiten, bei denen die Stadt in

Brand gerät. Zweite Einnahme der Stadt; Plünderung, wobei viele Werke

der alten Kunst zugrunde gehen (1204).

Errichtung des ~Lateinischen Kaisertums~ (+Balduin+ Kaiser). Viele

Küstenstriche und Inseln kommen an die +Venetianer+; Korfu, Zante,

Kandia, ein großer Teil von Morea (Peloponnes). Gewaltiges Aufblühen

des venetianischen Handels. Der Markgraf von Montferrat wird König von

+Thessalonich+, französische Herzöge in +Athen+, +Theben+, +Achaja+;

Villehardouin, der Geschichtschreiber des Kreuzzuges, Marschall des

Reiches.

Ein +griechisches+ Kaisertum behauptet sich in +Nicäa+, ein zweites

in +Trapezunt+ am Schwarzen Meere. Von Nicäa aus macht +Michael

Paläolŏgus+ 1261, von +Genua+ unterstützt, dem Lateinischen Kaisertum

ein Ende. Er erkennt 1274 die Suprematie des Papstes an. Aber der

griechische Klerus und das Volk gegen die Ansprüche der Päpste. Schon

1280 wurde diese Union wieder gelöst (S. 218).

[1212.]

+Kinderkreuzzug+. Tausende von Knaben und Mädchen aus Frankreich und

Deutschland ziehen nach Marseille und Genua; viele kommen unterwegs um,

manche werden zur Rückkehr genötigt, andere in Alexandria als Sklaven

verkauft.

[1217.]

Kreuzzug des Königs +Andreas II.+ von Ungarn; er versucht von Akkon aus

vorzudringen, doch ohne Erfolg.

Neue Pilgerscharen, die sich in +Akkon+ sammeln, unternehmen einen

Angriff auf Ägypten, erobern +Damiette+ 1219, müssen es aber 1221

wieder räumen.

[~1228–1229.~]

~Fünfter Kreuzzug.~ Jerusalem auf kurze Zeit wiedergewonnen.

~Friedrich II.~, römischer Kaiser, wegen verzögerter Erfüllung seines

Versprechens, einen Kreuzzug zu unternehmen, im päpstlichen Banne,

fährt zur See nach Akkon, erhält von dem ägyptischen Sultan +Elkâmil+

durch Vertrag +Jerusalem+ (wo er sich krönt[31]) und +Nazareth+, sowie

die Landstriche von da bis zur Küste, nebst +Sidon+.

[1244.]

+Jerusalem+ durch die Chowaresmier (S. 195) im Dienste des Sultans von

Ägypten erobert und den Christen auf immer verloren.

[~1248–1254.~]

~Sechster Kreuzzug.~ Ohne Erfolg.

Ludwig IX., der Heilige, König von Frankreich, fährt zur See nach

+Cypern+ und verweilt dort den Winter. Um die Sarazenenherrschaft

in ihrem Hauptsitze ~Ägypten~ zu vernichten, fährt er im Frühjahr

1249 nach +Damiette+ und nimmt die Stadt ein. Auf dem Zuge nach

+Kairo+ wird Ludwig geschlagen, von Damiette abgeschnitten und mit

dem ganzen französischen Heere gefangen (April 1250). Die Ausführung

des Friedensvertrages, wonach der König gegen Räumung von Damiette

und bedeutendes Lösegeld frei kommen soll, gefährdet vorübergehend

der Sturz der Ejubiden (S. 175) durch die +Mamelucken+. Ludwig fährt

nach Palästina, befestigt während eines fast vierjährigen Aufenthalts

+Akkon+ und andere Küstenstädte, kehrt 1254 nach Frankreich zurück.

[1268.]

+Antiochīa+ von dem Sultan Bibars von Ägypten erobert.

[~1270.~]

~Siebenter Kreuzzug.~ Ohne Erfolg.

Ludwig IX. fährt zur See nach +Tunis+, wo ihn und einen großen Teil des

Heeres Krankheit hinwegrafft.

[1291.]

+Akkon+ wird von den Mamelucken erstürmt, die letzten Besitzungen in

Palästina (+Tyrus+, +Beirut+, +Sidon+) werden von den Christen geräumt.

~Folgen der Kreuzzüge~: 1. Erhöhtes Ansehen der Kirche und des

+Papsttums+. 2. Ausbildung des +Rittertums+, welches sowohl für den

Staat wie für das gesellschaftliche Leben hohe Bedeutung erlangt. 3.

Aufschwung des Seehandels und Entwickelung der +Städte+, zunächst in

Italien (Venedig und Genua). 4. Fortschreiten der geistigen Bildung

durch die im Orient gewonnenen neuen Anschauungen und Kenntnisse

(besonders der Philosophie des Aristoteles, Geographie und Naturkunde).

Stützen der kirchlichen Macht, zugleich Förderer des Ackerbaues,

der Künste und Wissenschaften sind die neugebildeten ~Mönchsorden~:

+Cistercienser+ 1098 (Citeaux unweit Dijon), +Prämonstratenser+

1120 (Prémontré bei Laon), die Bettelorden der +Dominikaner+ 1216,

+Franziskaner+ 1223 (Franz von Assisi in Umbrien) und +Augustiner+

1244. Ausbildung der ~Scholastik~ (Philosophie im Dienste der Kirche)

durch die beiden Dominikaner +Albertus Magnus+ (Albert von Bollstädt

in Schwaben, lehrte in Paris und Köln, † 1280) und +Thomas von Aquino+

(lehrte in Paris, Köln, Rom, Neapel, † 1274).

Die kräftigsten Vorkämpfer der christlichen Staaten im Orient waren

~Die geistlichen Ritterorden.~

1. ~Tempelherren~ oder ~Templer~ (so genannt nach ihrem nahe der Stelle

des salomonischen +Tempels+ gelegenen Ordenshause in Jerusalem),

hervorgegangen aus einem 1118 geschlossenen Bunde 8 französischer

Ritter (+Hugo de Payens+). Zu den drei Mönchsgelübden (Armut,

Keuschheit, Gehorsam) wird die Verpflichtung zum Kampfe gegen die

Ungläubigen hinzugefügt. +Weißer+ Mantel, +rotes+ Kreuz. Der Orden wird

1291 nach Cypern verlegt, 1312 auf dem Konzil zu +Vienne+ durch Papst

Clemens V. aufgehoben.

2. ~Johanniter~, entstanden aus der Brüderschaft des Hospitals des

heiligen Johannes in Jerusalem, welches Kaufleute aus +Amalfi+ um

1048 gestiftet hatten. Die Brüderschaft wird erweitert nach dem

ersten Kreuzzuge, dann nach dem Vorbild der Templer zum Ritterorden

umgestaltet (+Raimund Dupuis+). +Schwarzer+ Mantel, +weißes+ Kreuz. Der

Orden wird verlegt nach Cypern 1291, nach Rhodus 1310, nach Malta 1526,

wo er bis 1798 seinen Sitz hat (daher Malteser genannt).

3. ~Deutscher Orden~, aus einer bei der Belagerung von ~Akkon~ 1190

gestifteten Brüderschaft für Krankenpflege[32] zum ritterlichen Orden

umgewandelt 1198. +Weißer+ Mantel, +schwarzes+ Kreuz. Ordenssitz in

+Akkon+. Unter dem Hochmeister +Hermann von Salza+ wird 1226 der

Orden von dem polnischen Herzog +Konrad von Masovien+ zur Bekämpfung

der heidnischen ~Preussen~ eingeladen, von Kaiser +Friedrich II.+

dazu bevollmächtigt und im Besitz des Landes Kulm sowie der künftigen

Eroberungen bestätigt. +Hermann Balk+, erster +Landmeister+ in

Preußen, welches durch blutige Kämpfe 1230–1283 unterworfen wird. Im

Jahre 1291 wird der Sitz des Hochmeisters nach +Venedig+, 1309 nach

+Marienburg+, 1457 nach +Königsberg+ verlegt. 1525 wird das Ordensland

weltliches Herzogtum. Die katholisch bleibenden Ritter behaupten sich

im Besitz der deutschen Güter; Sitz ihres Hochmeisters zu +Mergentheim+

in Franken. Der Orden wird 1809 aufgehoben.

In allen drei Orden: +Ritter+, +Priester+, +dienende Brüder+.

§ 2. Deutschland und Italien.

[~1125–1137.~]

Auszug aus der Alten, Mittleren und Neueren Geschichte · 第 18 / 49 段