Ivrea (S. 158). Otto befreit und heiratet (in zweiter Ehe) die
burgundische Königstochter ~Adelheid~ (s. S. 158). Er empfängt in
+Pavia+ die Huldigung der italischen Großen, Berengar unterwirft sich
ihm als Vasall.
[953.]
+Liudolf+ von Schwaben und sein Schwager +Konrad+ von Lothringen
empören sich gegen den König und verbinden
[954.]
sich mit den +Ungarn+, die durch Bayern und Franken bis nach Lothringen
streifen. Sie werden nach hartem Kampfe besiegt und verlieren ihre
Herzogtümer, sind fortan dem Könige getreu.
[~955.~ 10. Aug.]
~Sieg Ottos über die Ungarn auf dem Lechfelde bei Augsburg.~ Konrad,
für den König kämpfend, fällt in der Schlacht. Die bayrische
+Ostmark+ (aus der später das Herzogtum +Österreich+ hervorgeht) wird
wiederhergestellt. Das Herzogtum +Bayern+ geht nach dem Tode Heinrichs
955 auf dessen Sohn über (Heinrich der Zänker), in +Schwaben+ regiert
Heinrichs Schwiegersohn Burkhard; +Lothringen +verwaltet Ottos jüngster
Bruder, Erzbischof Brun von Köln. Ottos Sohn Wilhelm ist Erzbischof
von +Mainz+. So suchte Otto das Reich zu festigen, indem er die
Herzogtümer seinen Verwandten gab. Zur Beaufsichtigung und Beschränkung
der herzoglichen Gewalt setzte er überall Pfalzgrafen ein, die das
Königsgut verwalteten.
[Okt.]
Zug Ottos gegen die +Wenden+, Sieg an der +Recknitz+ (in Mecklenburg)
im Verein mit Markgraf Gero.
[957.]
+Liudolf zieht+ im Auftrage des Vaters nach Italien gegen +Berengar+,
besiegt ihn, stirbt aber vor der Rückkehr.
[961–965.]
Zweiter Zug Ottos nach Italien, da Papst Johann XII. um Hilfe gegen
Berengar bittet.
[~962.~ 2. Febr.]
~Kaiserkrönung Ottos I. in Rom.~ Während Kaiser Otto in der Lombardei
gegen Berengar kämpft, versucht Papst Johann XII. sich der kaiserlichen
Schutzherrschaft zu entziehen. Otto kehrt mit Heeresmacht nach Rom
zurück (Nov. 963); der Papst entflieht und wird abgesetzt. Otto
zieht wieder nach Oberitalien; Berengar unterwirft sich und wird als
Gefangener nach Bayern gesandt, stirbt 966 in Bamberg. Inzwischen wird
der von Otto eingesetzte Papst Leo VIII. aus Rom vertrieben; Otto zieht
zum dritten Mal dorthin und sendet den Gegenpapst Benedikt V. als
Gefangenen nach Hamburg.
[965.]
Rückkehr des Kaisers nach Deutschland. Fürstentag in +Ingelheim+; dann
in +Köln+ Zusammenkunft mit seiner Schwester Gerberga, der Königin
von Frankreich, und ihrem Sohne, König Lothar. Er begibt sich nach
+Sachsen+ und teilt nach dem Tode Geros dessen Gebiet in sechs Marken,
die später in drei zusammengezogen werden: +Nordmark+ (Altmark) an der
mittleren Elbe, +Ostmark+ (Lausitz) weiter südlich die Mark +Meißen+.
Der Tod des Erzbischofs Brun veranlaßt den Kaiser 966 zu einem
abermaligen Zuge nach +Köln+; er ordnet die Verhältnisse in Lothringen
und hält dann einen Reichstag zu +Worms+.
[966–972.]
Dritter Zug nach Italien (über Chur und den Septimerpaß). Ottos Sohn,
Otto II. (geb. 955), schon 961 als deutscher König gekrönt, empfängt
in Rom die Kaiserkrone. Die Huldigung der Herzöge von Capua und
Benevent (s. S. 152) gibt Anlaß zu Feldzügen nach +Apulien+ gegen die
oströmische Herrschaft. 968 Synode zu Ravenna; dort wird die Gründung
des Erzbistums +Magdeburg+ und der Bistümer Merseburg, Zeitz, Meißen
beschlossen. Der Kaiser residiert längere Zeit in +Pavia+, schickt
nach abermaligen Kämpfen in Apulien Gesandte nach Konstantinopel; 972
wird in +Rom+ die Vermählung seines Sohnes Otto mit der oströmischen
Prinzessin +Theophano+ gefeiert. Apulien und Calabrien, Neapel und
Salerno bleiben unter oströmischer, Capua und Benevent unter deutscher
Herrschaft.
[972.]
Rückkehr nach Deutschland; Synode in Ingelheim, Fürstentag in
Frankfurt. Im März 973 ist der Kaiser in Magdeburg, dann in Quedlinburg
und Merseburg; er stirbt am 7. Mai 973 in Memleben, wird im Dom zu
Magdeburg neben seiner ersten Gemahlin Editha bestattet.
~Verfassung des deutschen Reiches~: +Wahlkönigtum+; die Königsmacht
beruht auf bedeutenden Reichsgütern in allen Teilen des Reiches,
besonders in Franken und Sachsen, zu deren Verwaltung der König
+Pfalzgrafen+ ernennt. Keine feste Residenz; der König ordnet überall
die wichtigen Angelegenheiten persönlich. Oberste Beamte sind die
+Herzöge+, dem Könige ebenso zur Lehnstreue verpflichtet wie die
ihnen untergeordneten Grafen und kleineren Vasallen. Da diese jedoch
starke partikularistische Gelüste zeigen, so sucht der Kaiser die
Reichseinheit später auf die Kirche zu gründen. Er stützt sich auf die
nur von ihm ernannten +Erzbischöfe+ und +Bischöfe+, welche bedeutende
Reichslehen empfangen und nun einen neuen geistlichen Beamtenstand
bilden, dessen Lehen nicht erblich sind. Diese vom Könige eingesetzten
geistlichen Fürsten erweisen sich als bessere Stützen des Reiches,
als die nach Erblichkeit der Lehen strebenden weltlichen Fürsten. Die
Zahl der unabhängigen +Freien+ ist vermindert; der Heerbann tritt
allmählich zurück gegen das +Lehnsaufgebot+. Die Städte sind noch
unbedeutend. Das +Kaisertum+ gibt den deutschen Königen als obersten
Herrschern über das römische Reich deutscher Nation Anspruch auf
Oberhoheit über die benachbarten Länder und Schutzherrschaft über die
Kirche.
[~973–983.~]
~Otto II.~ erhält die von seinem Vater begründete Kaisermacht
aufrecht. 974 Zug gegen +Dänemark+ bis zum Danewerk, 976 Absetzung des
aufständischen Herzogs Heinrich des Zänkers von +Bayern+. Bayern wird
verkleinert durch Abtrennung des Herzogtums +Kärnten+ mit der Mark
Verona, sowie durch Errichtung einer Mark im +Nordgau+, nördlich von
Regensburg. Die früher schon errichtete Mark +Österreich +erhält der
Babenberger (s.S. 157) Luitpold. Herzog Boleslav von +Böhmen+ huldigt
978 zu Magdeburg.
[978.]
König Lothar von Frankreich überfällt den Kaiser in +Aachen+, versucht
Lothringen zu erobern, verzichtet aber darauf, nachdem Otto mit
Heeresmacht bis +Paris+ vorgedrungen ist.
[980–983]
Krieg in Italien. Der Kaiser dringt von Rom aus nach Unter-Italien
vor, siegt 982 über die Griechen und Sarazenen am Kap Colonne, südlich
von Cotrone (Kroton), muß aber nach einer vernichtenden Niederlage
bei +Squillace+ an der +Küste von Calabrien+ umkehren. Reichstag zu
+Verona+. Ottos dreijähriger Sohn zum König gewählt.
[983.]
Aufstand der +Dänen+ und +Wenden+; Hamburg und die Bistümer Havelberg,
Brandenburg, Zeitz zerstört. Otto II. stirbt in Rom 28 Jahre alt, wird
in der Peterskirche begraben.
[~983–1002.~]
~Otto III.,~ beim Tode des Vaters 3 Jahre alt. Heinrichs des
Zänkers Anspruch auf die Vormundschaft, ja sogar auf die Krone,
wird zurückgewiesen, doch erhält er Bayern zurück. Ottos Mutter,
die Griechin +Theophano+, herrscht in Deutschland, seine Großmutter
+Adelheid+ in Italien. Wachsende Selbständigkeit der Großen des
Reiches, doch wird der Reichsfriede erhalten. Nach Theophanos Tode
(991) führen Adelheid und der Erzbischof +Willigis+ von Mainz die
Regierung, bis der junge Fürst 995 sie selbst übernimmt.
[996.]
Otto III. wird in Rom durch den von ihm eingesetzten deutschen Papst
+Gregor V.+ gekrönt, befreundet sich mit +Adalbert von Prag+ und
Erzbischof +Gerbert+ von Reims, der bald nach Deutschland kommt und in
Magdeburg Ottos Lehrer wird.
[997.]
Adalbert von den heidnischen +Preußen+ erschlagen.
[998–999.]
Ottos zweiter Zug nach Rom, Gerbert als Papst eingesetzt (Silvester
II.); Ottos Plan, als Kaiser in +Rom+ seinen Wohnsitz zu nehmen und von
hier aus die Christenheit als einen theokratischen Universalstaat zu
beherrschen.
[1000.]
Ottos III. Wallfahrt zum Grabe des heiligen Adalbert in +Gnesen+, wo er
in Gemeinschaft mit Herzog Boleslav von Polen ein Erzbistum errichtet:
dann nach +Aachen+ zum Grabe Karls d. Gr. Von da reist er nach Rom.
[1001.]
Papst Silvester II. verleiht dem +Ungarn+fürsten +Stephan dem
Heiligen+, der sein Volk zum Christentum bekehrt, die Königskrone
(Stephanskrone). Otto III., durch Aufstand +aus Rom vertrieben+,
begibt sich mit dem Papste nach Ravenna, versucht vergebens Rom
wiederzuerobern.
[1002.]
Otto † in Paterno (am Fuße des Sorakte), in Aachen bestattet. Silvester
kehrt nach Rom zurück.
[~1002–1024.~]
~Heinrich II.~ (der Heilige), Herzog von Bayern, Sohn Heinrichs des
Zänkers und der Schwester König Rudolfs III. von Burgund, zu Mainz zum
König erwählt und gekrönt, im Gegensatz zu Otto III. eine nüchterne,
praktische Herrschernatur. Er stellt das erschütterte Ansehen der
Kaisergewalt wieder her und behauptet das +deutsch-italische+ Reich.
[1004.]
Erster Zug nach Italien gegen +Arduin+ von Ivrea. Heinrich unterwirft
Ober-Italien und wird in Pavia zum König von Italien gekrönt.
[1004–1018.]
Kriege gegen +Boleslav Chrobry (der Kühne)+ von ~Polen~, der Böhmen
aufgeben muß, aber die Lausitz behält. Die +Wenden+ im Havellande
bleiben unabhängig.
[1007.]
Gründung des Bistums +Bamberg+. Förderung der von dem französischen
Kloster +Cluny+ ausgehenden, auf strengste mönchische Zucht und eine
Erneuerung und Vertiefung des religiösen Lebens gerichteten Reform
des Mönchtums. Die Bischöfe dienen, wie unter Otto I., der geordneten
Reichsverwaltung.
[1014.]
Zweiter Zug nach Italien, Heinrich in Rom zum +Kaiser+ gekrönt. Arduin
gibt den Widerstand auf († 1015).
[1016–1018.]
Kämpfe und Verhandlungen Heinrichs, um sein Erbrecht auf +Burgund+ zur
Anerkennung zu bringen.
[1022.]
Dritter Zug nach Italien. Heinrich unterwirft +Benevent, Capua,
Salerno+, wird beim Kampfe gegen die Griechen in Apulien von den nach
einem Zuge nach Jerusalem dort unlängst eingewanderten +Normannen+
unterstützt.
[1023.]
Fürstentag zu +Aachen+, dann Zusammenkunft mit König Robert von
+Frankreich+ zu Ivois am Chiers (Nebenfluß der Maas, südöstlich von
Sedan).
[1024.]
Tod des Kaisers in der Pfalz zu +Grona+ (bei Göttingen). Sein Grab im
Dom zu Bamberg.
~1024–1125 Fränkische oder salische Kaiser.~
Otto der Grosse †973
|
Konrad der Rote †955. Luitgard.
|______________________________|
|
~Konrad II.~ †1039.
Gem. Gisela.
|
~Heinrich III.~ †1056.
Gem. Agnes von Poitou.
|
~Heinrich IV.~ †1106.
_______________________|___________________________
Konrad ~Heinrich V.~ †1125. Agnes, Gem.
†1101. Friedrich von Büren,
Herzog von Schwaben.
Königswahl durch die Fürsten +aller+ Stämme auf der Rheinebene zwischen
Mainz und Worms (bei Kamba). Die Wahl richtet sich auf die beiden
+Konrade+, Brudersöhne, Urenkel Konrads des Roten (S. 159); nach kurzem
Schwanken wird der ältere erwählt.
[~1024–1039.~]
~Konrad II.~ unternimmt nach der Krönung zu Mainz einen Umritt durch
das Reich (Aachen, Nimwegen, Dortmund, Hildesheim, Goslar, Magdeburg,
Augsburg, Konstanz, Basel, Straßburg, Worms), hält dann einen
Fürstentag in Tribur.
[1026.]
Zug nach +Italien+, Krönung zum lombardischen König, Kaiserkrönung
zu Rom 1027 in Gegenwart +Knuds des Großen,+ Königs von England und
Dänemark, und +Rudolfs III.+ von Burgund. In Apulien huldigen ihm die
Fürsten von Benevent, Capua, Salerno. Rückkehr über Ravenna und Verona.
Unterdessen Fürstenerhebung in Deutschland. In Ulm unterwirft sich
ihm sein Stiefsohn +Ernst, Herzog von Schwaben,+ welcher Ansprüche
auf Burgund erhoben hatte, weil seine Mutter Gisela eine Nichte des
kinderlosen Königs Rudolf III. war. Er kommt in Haft nach der Burg
Giebichenstein bei Halle, wird nach einiger Zeit begnadigt, dann aber
geächtet, weil er sich weigert, seinen Freund Werner von Kiburg zu
bekämpfen; beide fallen 1030 in einem Gefecht im Schwarzwald.
[1030.]
Einfall der +Polen+ unter Herzog Miesco; sie verwüsten das Land
zwischen Elbe und Saale, werden von dem Grafen Dietrich von Wettin
vertrieben. Der Kaiser unternimmt zunächst einen Zug nach +Ungarn+, um
die bayrischen Marken gegen Einfalle zu sichern, zieht dann 1031 nach
+Polen.+ Miesco muß die Lausitz zurückgeben, huldigt dem Kaiser 1033 zu
Merseburg.
[1033]
~Burgund mit dem deutschen Reiche vereinigt.~ Konrad gewinnt das
+arelatische+ Königreich (S. 158) nach dem Tode Rudolfs III. durch drei
Feldzüge gegen den Grafen +Odo+ von Champagne, Neffen Rudolfs III,
nach Abschluß eines Bündnisses mit König Heinrich I. von Frankreich. In
+Zürich+ und +Genf+ huldigen ihm die burgundischen Großen.
[Sidenote:1035]
Konrad verlobt zu Bamberg seinen Sohn +Heinrich+, Herzog von Bayern
(später auch von Schwaben) mit der Tochter Knuds von +Dänemark+ und
überläßt diesem die Mark +Schleswig+; die Eider wieder Reichsgrenze.
[1037–1038.]
Zweiter Zug nach Italien. Die +Erblichkeit+ der kleineren +Lehen+ wird
für Italien durch Gesetz festgestellt. Der Normanne +Rainulf+ wird mit
der Grafschaft +Aversa+ in Campanien belehnt.
[1039.]
Konrad † in Utrecht, begraben in dem von ihm gegründeten Dom zu
+Speier+. Er war einer der bedeutendsten Herrscher des Mittelalters,
reich an Erfolgen. Gegen die großen Vasallen suchte er ein Gegengewicht
in den Inhabern der kleinen Lehen, für deren Erblichkeit er eintrat.
Von den neu ernannten Kirchenfürsten verlangte er eine Abgabe. Ihm
folgt sein schon als Knabe in Aachen zum König gekrönter Sohn
[~1039–1056.~]
~Heinrich III.~ Hohe Machtstellung des Kaisertums. König Heinrich
ist beim Beginn seiner Regierung Herzog von +Bayern, Schwaben+ und
+Franken+, setzt aber später in Bayern und Schwaben wieder andere
Herzöge ein. In +Sachsen+ ist die Kaiserpfalz zu +Goslar+ oft sein
Wohnsitz.
[1041.]
Unterwerfung des Herzogs Bretislav von ~Böhmen.~
[1042.]
Zug nach +Burgund+, Herstellung des Landfriedens daselbst im Anschluß
an die in Frankreich verkündete +Treuga Dei+ (s. S. 169).
[1042–1044.]
In ~Ungarn~ wird König Peter, von Heinrich durch drei Feldzüge wieder
eingesetzt, ein Vasall des Reiches. Vergrößerung der bayrischen
Ostmark bis zur +Leitha+. Die Lehnshoheit über Ungarn wird nicht lange
behauptet.
[1046.]
Zug nach +Italien+. Heinrich läßt durch die Synode zu +Sutri+ drei
gleichzeitige, der Simonie (Verkauf geistlicher Ämter) schuldige Päpste
absetzen, ernennt einen Deutschen (Clemens II.), der ihn zum Kaiser
krönt, und weiterhin noch +drei+ deutsche Päpste, belehnt +Drogo+, Sohn
des Normannen +Tankred von Hauteville,+ mit ~Apulien.~
[1048.]
+Oberlothringen+ wird nach Absetzung des Herzogs Gottfried an
den elsässischen Grafen +Gerhard,+ Stammvater des lothringischen
Herzogshauses, gegeben.
[1055.]
Zweiter Zug nach Italien; die Markgräfin +Beatrix von Tuscien+, mit
welcher sich Gottfried vermählt hat, um in Italien neue Macht zu
gewinnen, muß dem Kaiser nach Deutschland folgen. Unterdrückung einer
Fürstenverschwörung; Gottfried unterwirft sich dem Kaiser.
[1056.]
Sieg der Wenden über ein sächsisches Heer bei +Pritzlava+ an der
Havelmündung. Heinrich, erst 39 Jahre alt, auf der Burg +Bodfeld+ im
Harz. Ihm folgt sein 6jähriger, bereits 1054 zu Aachen gekrönter Sohn.
[~1056–1106.~]
~Heinrich IV.~ Seine Mutter +Agnes+ von Poitou, Reichsverweserin, gibt
Schwaben an ihren Schwiegersohn +Rudolf von Rheinfelden+, Kärnten an
+Berthold von Zähringen+, Bayern an den sächsischen Grafen +Otto von
Nordheim.+ Die Macht der Fürsten erhebt sich bald gegen das Kaisertum.
[1062.]
Entführung des jungen Königs von +Kaiserswert+ nach +Köln+ durch
Erzbischof +Anno+ von Köln, der die Erziehung des Königs übernimmt,
aber bald seinen Einfluß mit Erzbischof +Adalbert+ von Bremen teilen
muß. König Heinrich, 1065 mündig erklärt, entfernt auf Verlangen der
Fürsten Adalbert aus seiner Umgebung, richtet alsbald seinen Unwillen
gegen die sächsischen Großen.
[1070.]
+Otto von Nordheim,+ eines Mordanschlags auf den König angeklagt,
verliert das Herzogtum Bayern; es kommt an seinen Schwiegersohn +Welf+,
den Sohn des Markgrafen Azzo von Este und der letzten Welfin, der nach
dem Aussterben des Mannsstammes eine neue Linie des +Welfenhauses+ (S.
154) begründet. +Magnus+, Sohn des Sachsenherzogs Ordulf, wird als
Bundesgenosse Ottos in Haft gehalten.
[1073.]
+Aufstand der Sachsen+ gegen die von Heinrich in ihrem Lande angelegten
+Burgen+; Flucht Heinrichs von der +Harzburg+, demütigender Friede zu
Gerstungen, Zerstörung der Harzburg. Heinrich findet Hilfe bei den
Bürgern von +Worms+ und mehreren Fürsten, besiegt die Sachsen an der
+Unstrut+ 1075. Bald aber gerät er in Streit mit
[1073–1085.]
~Papst Gregor VII.~ (Hildebrand), aus einer Bauernfamilie in
Toskana stammend, aufgewachsen in Rom unter dem Einfluß der von dem
französischen Kloster +Cluny+ (westlich der Saône, unweit Mâcon)
ausgehenden streng kirchlichen Richtung. Er hatte als Archidiakonus und
Kanzler unter +fünf+ Päpsten die weltlichen Geschäfte des römischen
Stuhles geleitet. Unter seinem Einfluß erließ 1059 Nikolaus II. das
Dekret über die Papstwahl durch die +Kardinäle+.
Gregors Ziel ist die von allen Cluniazensern angestrebte ~Erhebung
der Kirche über die Staaten~, des ~Papsttums~ über das ~Kaisertum.~
Er gebietet strenge Durchführung des +Cölibats+ (Ehelosigkeit) der
Geistlichen, verbietet die von Heinrich ebenso wie von Konrad II.
geübte +Simonie+ (Geldzahlung für den Empfang eines geistlichen Amtes.
Apostelgesch. 8, 18) und die +Laieninvestitur+ (kein Bischof oder Abt
soll die Belehnung mit +Ring+ und +Stab+ aus Laienhand empfangen).
[1076.]
Heinrich läßt den Papst durch eine Synode deutscher Bischöfe in +Worms+
für abgesetzt erklären; darauf spricht Gregor gegen ihn den +Bann+ aus.
Ein Fürstentag zu +Tribur+ erklärt den König für abgesetzt, wenn er
nicht binnen Jahresfrist sich vom Banne löse.
[1077. Januar.]
~Heinrich büßt~ vor dem Papst ~in Canossa~, einem Schlosse bei Reggio
nell’ Emilia, der Markgräfin ~Mathilde~ von Tuscien, Tochter der
Beatrix, gehörig (S. 165). Der Papst löst ihn vom Banne unter der
Bedingung, daß er in seinem Streit mit den Fürsten die Entscheidung des
Papstes anerkenne. Heinrich bleibt in Oberitalien, verhindert die Reise
des Papstes nach Deutschland. Die Fürsten wählen +Rudolf von Schwaben+
zum deutschen König.
[1077–1080.]
Krieg in Deutschland zwischen Heinrich IV. und seinem Schwager Rudolf,
letzterer wird in der Schlacht an der +Elster+ 1080 tödlich verwundet;
sein Herzogtum +Schwaben+ hat +Friedrich von Hohenstaufen+, Heinrichs
Schwiegersohn, bereits 1079 erhalten.
[1081.]
Heinrich, zum +zweiten Mal+ gebannt, zieht nach Italien, erobert Rom
1084, wird durch den von ihm erhobenen Gegenpapst Clemens III. zum
Kaiser gekrönt. Gregor in der Engelsburg belagert, durch die ihm treu
ergebenen Normannen unter +Robert Guiscard+ befreit, stirbt 1085 in
Salerno. Seine letzten Worte »+Dilexi iustitiam et odi iniquitatem,
propterea morior in exilio+«.
Deutschland durch Bürgerkrieg zerrüttet. Kaiser Heinrich erobert 1084
Augsburg, zieht dann nach Metz, läßt 1085 durch eine Synode zu +Mainz+
den Gottesfrieden für das ganze Reich verkünden. In +Sachsen+ bekämpft
er den Gegenkönig +Hermann von Salm+, welcher 1088 abdankt; die Sachsen
unterwerfen sich nach Anerkennung ihrer alten Rechte.
[1090–1097.]
Heinrich kämpft in Italien gegen die Markgräfin +Mathilde+ und Papst
Urban II. Abfall seines Sohnes Konrad († 1101). In Deutschland ist
Herzog +Welf+ von Bayern Führer der päpstlichen Partei. Der Kaiser
verweilt fast machtlos in Italien, während Urban II. als Gebieter der
ganzen Christenheit auftritt und das große Unternehmen des ersten
Kreuzzuges (S. 173) ins Werk setzt. Nach Aussöhnung mit Herzog +Welf+
kehrt der Kaiser nach Deutschland zurück, stellt den Landfrieden zum
Schutze der Bürger und Bauern wieder her und besetzt die Bistümer nach
seinem Ermessen. Aber die Bischöfe fast immer auf der Seite seiner
Gegner.
[1104.]
Empörung seines zweiten Sohnes Heinrich, der ihn in der Burg
+Böckelheim+ (an der Nahe) gefangen setzt und zur Verlesung eines
Sündenbekenntnisses und Abdankung zwingt (Fürstentag zu +Ingelheim+).
Der Kaiser entflieht nach +Lüttich+, wo er 1106 stirbt, während das
deutsche Bürgertum für ihn zum Kriege rüstet; die Leiche erst 1111 vom
Bann gelöst und im Dom zu +Speier+ beigesetzt.
[~1106–1125.~]
~Heinrich V.~, durch die päpstliche Partei zum Thron gelangt, aber
entschlossen, sein Herrscherrecht zu behaupten. Nachdem er die
Grenzländer des Reiches im Westen und Osten (Lothringen und Böhmen)
durch Feldzüge gesichert hat, zieht er nach Rom, nimmt den Papst
Paschālis II. gefangen, erzwingt die Kaiserkrönung und das Recht der
+Investitur+ (1111). Sobald aber der Kaiser Italien verlassen hat,
erklärt ein zu Rom im Lateran versammeltes Konzil den Vertrag für
erzwungen und nichtig; ein zweites Konzil zu +Vienne+ spricht den Bann
über Heinrich aus.
Neuer Aufstand der +Sachsen+ unter ihrem Herzog +Lothar+ von
Supplinburg, der die Billunger (S. 159) beerbt hatte; die Erzbischöfe
von Mainz und Köln u. a. Fürsten schließen sich an. Sieg der Sachsen
am +Welfesholze+ bei Mansfeld 1115. +Friedrich+ und +Konrad+ von
+Staufen+ verteidigen die Sache des Kaisers, während dieser zum zweiten
Mal nach Italien zieht, dort die der Kirche vererbten Mathildischen
Güter in Besitz nimmt und einen Gegenpapst aufstellt (1118). Der
~Investiturstreit~ wird nach langen Verhandlungen mit dem Papste
+Calixtus II.+ beendigt durch das
[~1122.~]
~Wormser Konkordat~: Kirchliche Wahl der Bischöfe und Äbte für
Deutschland in Gegenwart des Kaisers oder seiner Abgesandten,
+kaiserliche+ Belehnung +vor+ der Weihe, aber +nicht+ mit Ring und
Stab, sondern mit dem +Scepter+; für Italien und Burgund die gleiche
Belehnung erst +nach+ erfolgter Wahl und Weihe. Die geistlichen Fürsten
bleiben Lehnsträger des Reiches; sie erscheinen auch fernerhin vielfach
als treue Stützen der kaiserlichen Macht.
Die +Verbindung Deutschlands mit Italien+, trotz der vielfachen Kämpfe
segensreich für beide Länder, aber in Italien mehr und mehr als
Fremdherrschaft empfunden, dauert fort. Handel und Gewerbe entfalten
sich in den aufblühenden Städten, z. B. Worms, Köln, Augsburg u. a. m.
(S. 190). Kunst und Wissenschaft, von der Kirche gefördert, tragen in
Deutschland noch römisches Gepräge, entwickeln sich aber selbständig.
+Romanischer Baustil+: Dome zu Mainz und Speier, Kaiserpfalz zu Goslar.
Der kunstsinnige Bischof Bernward von Hildesheim († 1022). Dichtung und
Geschichtschreibung in lateinischer Sprache: das Waltharilied, Roswitha
von Gandersheim, Widukind von Corvey, Lambert von Hersfeld u. a. Die
Volkssprache wird erst allmählich zur Schriftsprache.
§ 2. Frankreich.
[~843–987.~]
~Karolinger~ in Frankreich.
+Karl der Kahle+ behauptet sich mit Mühe gegen die aufständischen
Großen, erlangt 875 in Italien den Kaisertitel, † 877. Sein Enkel
+Ludwig III.+ besiegt 881 die +Normannen+ bei Saulcourt (Ludwigslied
in deutscher Sprache). +Karl der Dicke+ machtlos gegen sie; nach
seiner Absetzung (S. 157) wird Graf +Odo+ von Paris, der sich bei
der Verteidigung von Paris gegen die Normannen tapfer gezeigt hat,
zum König erwählt, † 898. Eine Gegenpartei erwählt 893 +Karl den
Einfältigen+, Bruder Ludwigs III., der nach Odos Tode allgemein
anerkannt wird. Durch ihn erhalten normannische Scharen, die bereit
sind, das Christentum anzunehmen, 912 feste Wohnsitze in dem oft von
ihnen heimgesuchten Küstenlande. +Rolf+, getauft +Robert+, erster
Herzog der +Normandie+, herrscht als Vasall des französischen Königs
auch über die +Bretagne+.
Häufige Empörungen gegen das schwache Königtum; Karls Sohn +Ludwig IV.+
(d’Outre-mer genannt, weil er nach England geflüchtet war) wird von
Herzog +Hugo von Francien+, dem Neffen Odos, bedrängt, von Otto I. von
Deutschland unterstützt (S. 159). Letzte Karolinger: +Lothar+ († 986).
+Ludwig V.+ (Fainéant) † 987.
[~987–1328.~]
~Capetinger.~