Er regiert seit 737 ohne König, seine beiden Söhne +Karlmann+ und

+Pippin+ setzen 743 wieder einen König (Childerich III.) ein. Karlmann

tritt 747 von der Regierung zurück.

[~751–768.~]

~Pippin, König der Franken,~

nachdem Childerich III. unter Zustimmung des Papstes Zacharias durch

die zu +Soissons+ versammelten fränkischen Großen abgesetzt und in ein

Kloster geschickt ist. Pippin wird auf den Schild erhoben, dann von den

Bischöfen gesalbt. 753 Kriegszug gegen die +Sachsen+.

[754.]

Papst Stephan II., der als Schutzflehender erscheint, wiederholt zu

St. Denys (bei Paris) die Salbung an Pippin und seinen Söhnen. Pippin

zieht darauf nach +Italien+ und drängt den Langobardenkönig +Aistulf+

zurück, welcher +Rom+ seinem Reiche einverleiben will. Pippin bestätigt

den Papst in dem Besitz des Ducats von Rom (Kirchenstaat, S. 145)

und erweitert ihn durch Schenkung des +Exarchats Ravenna+ und der

+Pentapolis+ (Gebiet von +Ancona+ und +Rimini+). Er beansprucht für

sich und erhält vom Papst den Titel +Patricius+ von Rom (S. 138, 143).

[719–754.]

~Bonifatius~, der Apostel der Deutschen.

Im inneren Deutschland hatten in der Merowingerzeit ~irische~ und

~fränkische~ Missionare, gestützt auf die aus römischer Zeit her

bestehenden Bistümer in Basel, Konstanz, Straßburg, Augsburg, Mainz,

Trier, Köln, an mehreren Orten Kirchen und Klöster gegründet: +Columba+

und +Gallus+ um 610 bei den Alamannen am Bodensee (Kloster St. Gallen),

+Pirmin+ (Kloster Reichenau), +Emmeram+ in Regensburg, +Kilian+ in

Würzburg, +Rupert+ in Salzburg u. a.

~Bonifatius~ (sein ursprünglicher Name +Winfried+), ein ~Angelsachse~

aus Wessex, erhält 719 in Rom von Papst Gregor II. den Auftrag, in den

noch heidnischen Gegenden Deutschlands das Christentum zu verkündigen.

Er predigt zuerst in Gemeinschaft mit seinem Landsmann +Wilibrord+,

dem Bischof von Utrecht, in +Friesland+, wendet sich dann nach

Ostfranken, Thüringen, Hessen, Bayern. Bei Geismar in Hessen fällt

er die Wodanseiche. Seit 722 Bischof, 732 Erzbischof ohne bestimmten

Bischofsitz, bringt er alle neu gegründeten Bistümer (Salzburg,

Regensburg, Freising, Passau, Würzburg, Eichstätt, Erfurt, letzteres

bald zu Mainz gezogen) und Klöster (Fritzlar, Fulda, Ohrdruf) in

strenge Abhängigkeit vom römischen Stuhle. Auch im westlichen Teile

des Frankenreichs ordnet er die verfallenen kirchlichen Einrichtungen

wieder. Er wird 748 ~Erzbischof von Mainz~, 755 bei einer letzten

Missionsreise von den heidnischen Friesen bei Dokkum erschlagen;

begraben in +Fulda+.

[~768–814.~]

~Karl der Große~,

anfangs gemeinschaftlich mit seinem Bruder +Karlmann+ regierend,

nach dessen Tode 771 Alleinherrscher. Karlmanns Söhne fliehen zu

+Desiderius+, dem König der Langobarden, dessen Tochter Desiderata

Karl geheiratet, dann verstoßen hatte. Zur Sicherung der Reichsgrenze

beginnt Karl die langwierigen ~Sachsenkriege~; durch die Unterwerfung

der noch heidnischen +Sachsen+ (geteilt in Westfalen, Engern,

Ostfalen, Nordalbinger) wird die Einigung der deutschen Volksstämme im

Frankenreiche vollendet.

[772.]

~Erster Sachsenkrieg.~ Maifeld zu +Worms+, von da aus Zug gegen

die +Engern+. Eroberung der +Eresburg+ (Stadtberge an der Diemel),

Zerstörung der +Irminsul+, eines heiligen Denkmals.

[773–774.]

Zug nach +Italien+; ~Zerstörung des Langobardenreiches~.

Da Papst Hadrian I. sich weigert, Karlmanns Söhne zu Königen der

Franken zu krönen, besetzt Desiderius die +Pentapolis+ und bedroht

Rom. Karl als +Patricius+ von Rom kommt dem Papst zu Hilfe. Einnahme

von +Pavīa+ nach langwieriger Belagerung; Desiderius in ein Kloster

gebracht. Karl krönt sich mit der eisernen Krone der Langobarden

und wird König von +Italien+ (Langobardenreich, also Nord- und

Mittel-Italien; Süd-Italien bleibt teils im Besitz der Byzantiner,

teils selbständig unter dem Herzog von Benevent). Karl bestätigt dem

Papst die Schenkung seines Vaters.

[775–777.]

Fortsetzung des ~Sachsenkrieges~: 775 Zug von Düren aus nach

+Westfalen+, Eroberung der +Sigiburg+ (Hohensyburg am Einfluß der Lenne

in die Ruhr). 776 von Worms aus Wiederherstellung der von den Sachsen

zerstörten +Eresburg+ und Zug bis zur Lippe, 777 Maifeld in +Paderborn+.

[778.]

Zug nach +Spanien+, veranlaßt durch ein Hilfsgesuch des Emirs von

Saragossa gegen den Kalifen von Cordŏva. Pamplona erobert, Saragossa

belagert. Beim Rückzuge überfallen die Basken im Tal +Roncesvalles+ die

Nachhut des Heeres. Tod des in der Sage gefeierten Helden +Roland+.

Infolgedessen die spanischen Eroberungen verloren.

Inzwischen neue Erhebung der ~Sachsen~ unter +Widukind+. Karl siegt

779 bei +Bocholt+ an der Aa (nördlich von Wesel), zieht 780 von der

Eresburg aus nach Lippspringe und von da bis zur Elbe. Die Sachsen

unterwerfen sich, Einführung des Christentums.

[781.]

Zug nach +Italien+, Zusammenkunft mit dem Papste in Rom.

[782.]

Abermals Aufstand der ~Sachsen~ unter +Widukind+. Sie vernichten ein

fränkisches Heer, welches mit ihnen zusammen die wendischen +Sorben+

bekämpfen soll, am Berge +Süntel+. Deshalb Strafgericht zu +Verden+

an der Aller, 4500 Sachsen getötet. 783 infolge dieser Bluttat neuer,

furchtbarer Aufstand. Karl siegt erst bei +Detmold+, dann an der

+Hase+, dringt bis zur +Elbe+ verwüstend vor. 785 unterwirft sich

Widukind und wird Christ.

Einführung der fränkischen +Grafschafts+verfassung in Sachsen. Anfänge

des städtischen Lebens knüpfen sich an die nach und nach gegründeten

+Bischofsitze+: Bremen, Münster, Paderborn, später Osnabrück, Verden,

Minden; unter Ludwig dem Frommen Hildesheim und Halberstadt.

[787.]

Zug nach +Italien+; Herzog Arichis von Benevent unterwirft sich.

[788.]

Aufhebung des Herzogtums +Bayern+ nach zweimaliger Auflehnung des

Herzogs +Tassilo+; dieser wird in ein Kloster geschickt.

[789.]

Krieg gegen die ~Slaven~ (Wenden); Karl zieht von Köln aus durch

Sachsen, überschreitet die Elbe, besiegt den Stamm der Wilzen, dringt

bis zur +Peene+ vor.

[791.]

Krieg gegen die ~Avaren~ (S. 148), welche Tassilo unterstützt hatten;

Zug von Regensburg aus bis zur Raab.

[794.]

Karl und sein gleichnamiger ältester Sohn unterdrücken einen neuen

Aufstand der ~Sachsen~, mit zwei getrennten Heeren eindringend. Fernere

Züge 795–799, viele Sachsen hinweggeführt und in fränkischem Gebiet

angesiedelt.

[795.]

Karls Sohn Ludwig bekämpft die Mauren, gründet bis 811 die +spanische+

Mark (Barcelona 801 erobert).

[796.]

Karls Sohn Pippin erstürmt den Königsring (Hauptlager) der +Avaren+

zwischen Donau und Theiß. Das Land zwischen +Enns+ und +Raab+ wird als

Avarische Mark mit deutschen Ansiedlern besetzt, +Salzburg+ 798 zum

Erzbistum erhoben, ebenso um dieselbe Zeit +Köln.+

[~800.~ 25. Dezbr.]

~Karl erneuert das weströmische Kaisertum.~

Papst Leo III., von Verwandten seines Vorgängers Hadrian bei einem

Aufstande mißhandelt und verjagt, sucht Schutz bei Karl im Lager

zu Paderborn (799). Karl läßt ihn mit bewaffnetem Geleit nach Rom

zurückführen, begibt sich zunächst nach +Aachen+, dann nach der

+Nordseeküste+, um eine Flotte und befestigte Küstenplätze einzurichten

zur Abwehr der seeräuberischen +Normannen+, zieht dann nach Italien

und wird am Weihnachtsfest 800 in der Peterskirche zu +Rom+ vom Papste

als römischer Kaiser gekrönt. Gesandte des Kalifen +Harun al Raschid+

begrüßen ihn 801 in Ivrea, Gesandte des oströmischen Reiches 802 in

Aachen.

[804.]

Letzter Feldzug gegen die ~Sachsen~; Karl zieht von Aachen aus nach

Lippspringe, hält dort das Maifeld ab, dringt dann bis zur unteren Elbe

(bei Harburg) vor.

[806.]

Karl der Jüngere besiegt den slavischen Stamm der ~Sorben~ (zwischen

Elbe und Saale); Grenzfesten werden bei Magdeburg und Halle angelegt.

+Sorbische Mark+ gegründet.

[808.]

Karl der Jüngere bekämpft jenseits der Elbe die ~Dänen~; ihr König

+Götrik+ befestigt das +Danewerk+ (westlich von Schleswig) zum Schutz

seiner Grenze, wird 810, als der Kaiser selbst gegen ihn zieht, von

seinen Untertanen ermordet. 811 Friede mit seinem Nachfolger Hemming an

der +Eider+. Bei diesen Expeditionen werden +Hamburg+ und +Itzehoe+ und

nördlich von der Eider die +Dänische Mark+ angelegt.

[811.]

Maifeld zu +Aachen+; dann besichtigt der Kaiser die in +Boulogne+ zur

Abwehr der ~Normannen~ gerüstete Flotte.

[813.]

Nach dem Tode der beiden älteren Söhne Karl und Pippin krönt Karl

zu +Aachen+ seinen jüngsten Sohn +Ludwig+ als Nachfolger. Er stirbt

daselbst, 72 Jahre alt, am 28. Januar 814. Sein Grab in dem von ihm

dort erbauten Münster.

Grenzen des Frankenreiches: Ebro -- Raab, Eider -- Garigliano.

Grenzmarken: die spanische und bretonische (S. 142) im Westen,

die avarische und sorbische im Osten, die sächsische und dänische

im Norden. Während seiner ganzen Regierung sorgt Karl d. Gr. für

+Gesetzgebung+ und +Verwaltung+. Aufzeichnung der noch ungeschriebenen

Volksrechte (lex Saxonum); die in den verschiedenen Reichsteilen

geltenden älteren Volksrechte der Franken, Westgoten, Burgunder,

Alamannen, Bayern, Langobarden werden ergänzt durch die +Capitularia+,

die bei den Versammlungen der geistlichen und weltlichen Großen

(+Placita, Conventus generales+) verkündet werden. Aufsicht über die

von den Bischöfen, Gaugrafen und Markgrafen (marchiones) geführte

Verwaltung durch die +Königsboten+ (missi regis, missi dominici);

die Herzogswürde ist abgeschafft. Bei wachsender Ausbildung des

+Lehnswesens+ ruht doch die Hauptkraft des Heeres noch auf dem

+Heerbann+ der +Freien+; die ärmeren Freien werden geschützt gegen die

Versuche der Großen, sie gewaltsam zu abhängigen Lehnsträgern zu machen.

Zur Förderung der Bildung im Frankenreiche werden ausländische

Geistliche berufen, besonders der Angelsachse +Alcuin,+ Abt von

Tours. +Hofschule+ zur Ausbildung tüchtiger Beamten; zahlreiche

+Klosterschulen+ (Fulda, St. Gallen). Paul, Warnefrieds Sohn (+Paulus

Diacŏnus+) Geschichtschreiber der Langobarden; der Franke +Einhard+,

Verfasser der +Vita Carŏli imperatoris+. Karl d. Gr. selbst bemüht sich

um die Grammatik der deutschen Sprache, gibt den Monaten und den Winden

deutsche Namen, läßt die alten Heldenlieder sammeln. Sorge für den

Landbau (Capitulare de villis). Anlage eines Kanals von der Donau zum

Main, 793 in Regensburg angeordnet, aber nicht vollendet. Residenzen

des Herrschers die +Pfalzen+ (palatia) zu Aachen, Ingelheim, Worms,

Nimwegen, Heristal, Diedenhofen, Attigny u. a.

[~814–840.~]

~Ludwig der Fromme.~ Die Reichsverwaltung wird zunächst in der von

Karl d. Gr. begründeten Weise weitergeführt, doch wird der Einfluß der

Geistlichen überwiegend. Ludwig läßt sich 816 in +Reims+ nochmals vom

+Papste+ Stephan IV. krönen; sein ältester Sohn +Lothar+, schon 817 zum

Mitregenten ernannt, übernimmt die Verwaltung +Italiens+ und wird 823

in Rom zum +Kaiser+ gekrönt.

[826.]

Taufe des Dänenkönigs Harald zu +Mainz+; der Mönch +Ansgar+ von Corvey

predigt das Christentum in Dänemark, dann auch in Schweden.

[830.]

Empörung der drei älteren Söhne, Lothar, Pippin und Ludwig, als der

Kaiser die früher beschlossene Reichsteilung abändert zu Gunsten

des jüngsten Sohnes Karl (aus zweiter Ehe mit Judith, die aus dem

alamannischen Geschlecht der +Welfen+ stammte). Eine Reichsversammlung

zu +Nimwegen+ setzt den Kaiser wieder in volle Macht ein.

[831.]

Gründung des Erzbistums +Hamburg+; Ansgar erster Erzbischof.

[833.]

Zweite Empörung der Söhne. Der Kaiser, auf dem +Lügenfelde+ bei Colmar

im Elsaß von seinem Heere verlassen, wird gefangen und von Lothar zu

öffentlicher Kirchenbuße in +Soissons+ genötigt, bald aber von Ludwig

und Pippin befreit und wieder auf den Thron gesetzt.

[838.]

Pippin †, Ludwig erhebt sich gegen den Vater, der jetzt an Lothar eine

Stütze findet.

[840.]

Ludwig der Fromme † auf einer Rheininsel bei Ingelheim; der Zwist der

Söhne dauert fort.

[841.]

Schlacht bei +Fontenay+ (unweit Auxerre an der Yonne); Ludwig und Karl

siegen über Lothar.

Sie befestigen ihr Bündnis 842 durch die Eide zu +Straßburg,+ in

welchen die Scheidung der deutschen und französischen Sprache im

Frankenreiche deutlich hervortritt.

[~843.~]

~Vertrag zu Verdun~, Teilung des Reiches.

Kaiser ~Lothar~ erhält +Italien+ und +Mittelfranken+, begrenzt östlich

vom Rhein, westlich von Rhone, Saône, Maas und Schelde, mit den

Hauptstädten +Rom+ und +Aachen+;

~Ludwig der Deutsche~ erhält +Ostfranken+, das rechtsrheinische Land,

dazu auf dem linken Rheinufer die Gaue von Mainz, Worms, Speier

(propter vini copiam).

~Karl der Kahle~ erhält +Westfranken+ (Neustrien, Aquitanien, Burgund).

In Ludwigs Reich überwiegt die +germanische+, in Karls Reich die

+romanische+ Bevölkerung. So entwickeln sich fortan +Deutschland+ und

+Frankreich+ als nationale Staaten. Die Ostfranken nennen ihre Sprache

im Gegensatz zu der römischen Sprache der gelehrten Geistlichkeit

die +deutsche+, d. h. die volkstümliche; allmählich werden die

deutschredenden Stämme als +Deutsche+ vereinigt.

~B. Vom Vertrage zu Verdun bis zum Beginn der Kreuzzüge. 843–1096.~

§ 1. Italien und Deutschland.

[~843–875.~]

~Karolinger[30] in Italien.~

+Lothar+ regiert bis 855, nach ihm sein ältester Sohn +Ludwig II.+

als Kaiser bis 875; er herrscht über Italien; von den beiden jüngeren

Söhnen erhält Lothar II. das Gebiet von der Nordsee bis zur Rhone

und Saône (Lothari regnum, +Lothringen+), Karl den südlichen Teil.

Die nordafrikanischen ~Araber~ (Sarazenen), seit 827 im Besitze

+Siciliens+, beunruhigen durch Seezüge die Küsten Italiens. Rom

gesichert durch die aurelianische Mauer (S. 134); Papst +Leo IV.+ läßt

auch den Stadtteil auf dem rechten Tiberufer (Peterskirche und Vatikan)

ummauern.

Papst +Nikolaus I.+ (858–867), gestützt auf die +pseudo-isidorischen

Dekretalen+ (S. 145) (Bischof Isidor von Sevilla, um 600, hatte zuerst

päpstliche Entscheidungen gesammelt), bringt die päpstliche Macht

gegenüber den Bischöfen und den karolingischen Herrschern zu hohem

Ansehen, kann aber die durch dogmatische Streitigkeiten veranlaßte

Loslösung der +griechisch-katholischen Kirche+ von der Oberhoheit Roms

nicht verhindern. Der Patriarch +Photius+ in Konstantinopel tritt 863

dem päpstlichen Bann entgegen; völlige Trennung der beiden Kirchen erst

1054.

Die Slavenapostel +Methodius+ und +Cyrillus+, 863 aus Thessalonich

nach +Mähren+ berufen, erkennen Roms Oberhoheit an; von Mähren aus

verbreitet sich das Christentum um 900 nach +Böhmen+ und +Polen+.

[875.]

+Karl der Kahle+ von Frankreich gewinnt in Rom die Kaiserkrone, † 877

+(Karl II.).+

[~843–911.~]

~Karolinger in Deutschland.~

[~843–876.~]

~Ludwig der Deutsche~ führt Grenzkriege gegen die +Slaven+ (Abodriten

in Mecklenburg, Sorben, Czechen), setzt in Mähren den Herzog Rastislav

ein.

[845.]

+Hamburg+ zerstört von den +Normannen+, die schon mehrmals die

friesische Küste heimgesucht hatten; das Erzbistum wird nach +Bremen+

verlegt. Die ferneren Raubzüge der Normannen richten sich gegen das

westfränkische Reich.

[870.]

~Vertrag zu Mersen~ (an der Maas) mit Karl dem Kahlen; nach dem

Tode der beiden jüngeren Söhne Lothars I. wird deren Erbe zwischen

Deutschland und Frankreich geteilt. Der germanische Teil (Friesland,

Lothringen, Elsaß) kommt an Deutschland, der romanische (Flandern,

Brabant, Verdun, Burgund, Provence) an Frankreich.

[874.]

Swatopluk, Fürst von Mähren, zur Huldigung genötigt.

[~876–887.~]

~Karl der Dicke~ regiert zuerst gemeinsam mit seinen älteren Brüdern

Karlmann und Ludwig. Letzterer weist durch den Sieg bei +Andernach+

am Rhein 876 Karls des Kahlen Ansprüche auf Lothringen zurück. Karl

zieht 879 und 881 nach Italien, erlangt 881 in Rom die Kaiserkrone

(+Karl III.+) wird 884 auch in Westfranken zum König gewählt. So

vereinigt er noch einmal ~Karls des Großen Monarchie~ mit Ausnahme von

+Niederburgund+ (Rhônegebiet), wo 879 Boso von Vienne, Schwiegersohn

Kaiser Ludwigs II., zum König erwählt war (Hauptstadt +Arles+, daher

der Name Arelatisches Reich). Aber er verliert bald sein Ansehen,

weil er den +Paris+ belagernden +Normannen+ ein Lösegeld von 7000

Pfund Silber bewilligt und Burgund verpfändet; er wird von den zu

+Tribur+ (südöstlich von Mainz auf dem rechten Rheinufer) versammelten

Fürsten des ostfränkischen Reiches abgesetzt und stirbt bald

darauf. +Hochburgund+ (Westschweiz und Franche-Comté) wird 888 ein

selbständiges Reich unter dem Welfen Rudolf.

[~887–899.~]

~Arnulf von Kärnten,~ Sohn Karlmanns, schlägt die Normannen bei +Löwen+

an der +Dyle+ 891 und kämpft im Bunde mit dem finnischen Reitervolke

der ~Magyaren~ (Ungarn), das vom Ural her in die früheren Wohnsitze

der Avaren eingedrungen ist, gegen +Swatopluk+ von +Mähren+, dessen

slavisches Reich nach seinem Tode (894) zerfällt. Arnulf zieht zweimal

nach Italien, wird 896 in Rom zum Kaiser gekrönt, stirbt aber, ehe er

sein Reich befestigen kann. Ihm folgt sein sechsjähriger Sohn

[~899–911.~]

~Ludwig das Kind~ unter Leitung des Erzbischofs +Hatto+ von Mainz.

Furchtbare Verheerung Deutschlands durch die Raubzüge der +Magyaren+;

wiederholt durchziehen sie Bayern (907 Herzog Luitpold, Stammvater der

+Wittelsbacher+ samt seinem Heer vernichtet), Thüringen und Sachsen.

Zugleich innere Fehden: Graf Adalbert von +Babenberg+ kämpft gegen die

in Franken und Hessen begüterten +Konradiner+; er wird besiegt und vor

seiner Burg hingerichtet.

In verschiedenen Reichsteilen erhebt sich wieder das durch Karl

den Großen beseitigte +Stammesherzogtum+; es bilden sich die

Stammherzogtümer ~Sachsen, Franken, Bayern, Schwaben, Lothringen~.

Nach Ludwigs Tode lehnt der greise +Otto der Erlauchte+, Herzog von

Sachsen, die Königskrone ab und lenkt die Wahl der Großen auf den mit

den Karolingern nahe verwandten Konradiner

[~911–918.~]

~Konrad I. von Franken~. Einfälle der Dänen, Slaven und Magyaren.

Konrad kämpft vergeblich um die Anerkennung der Königsgewalt,

namentlich gegen +Heinrich+, Ottos des Erlauchten Sohn, seit 912 Herzog

von Sachsen. +Lothringen+ wendet sich dem westfränkischen Reiche zu,

+Elsaß+ bleibt mit Schwaben verbunden.

In ~Italien~, welches von Raubzügen der Magyaren und der Araber

heimgesucht wird, hat nach Arnulfs Tode +Berengar von Friaul+ ein

Königtum begründet, er erlangt 915 auch die Kaiserwürde. Gegen ihn

tritt 922 +Rudolf II.+ von Hochburgund auf, gegen diesen +Hugo+ von

Niederburgund. Rudolf II. schließt 933 Vertrag mit Hugo, der zum König

von Italien gekrönt, auf Niederburgund verzichtet; vereinigtes ~Reich

Burgund~ (Hauptstadt Arles) 933–1033. Dagegen gewinnt das italische

Königtum keinen festen Bestand; Hugo wird 945 von +Berengar von Ivrea+

vertrieben; Hugos Sohn Lothar, mit Rudolfs II. Tochter +Adelheid+

(deren zweiter Gemahl Otto der Große) vermählt, sucht nach dem Tode

seines Schwiegervaters vergebens dessen Reich wiederzugewinnen, † 950.

Das +Papsttum+ ist in dieser Zeit in tiefem Verfall, abhängig von

streitenden römischen Adelsparteien.

[~919–1024.~]

~Sächsische Könige und Kaiser.~

Heinrich I. †936.

________________|_________________________________________

Thankmar ~Otto I.~ †973 Heinrich, Brun,

†938. | Herzog v. Bayern †955. Erzb. v.

______________|_________ ________|___________ Köln.

Lindolf ~Otto II.~ †983. Heinrich d. Zänker,

†957 | Herzog v. Bayern †995.

__|__ __|__

~Otto III.~ ~Heinrich II.~ †1024.

†1002.

Auf Wunsch des sterbenden Konrad und auf Betreiben +Eberhards+, seines

Bruders, wird zu +Fritzlar+ an der +Eder+ von den +Franken+ und

+Sachsen+ erwählt

[~919–936.~]

~Heinrich I., der Begründer des Deutschen Reiches.~

Er nötigt durch Kriegszüge die Herzöge Burkhard von +Schwaben+ und

Arnulf von +Bayern+ zur Anerkennung seiner Oberhoheit, schließt 924

mit den +Magyaren+ (Ungarn) einen 9jährigen Waffenstillstand, welcher

gegen Tribut +Sachsen+ und +Thüringen+ sicher stellt, bringt 925 durch

einen Kriegszug über den Rhein +Lothringen+ wieder zum Reiche; Herzog

+Giselbert+ wird sein Schwiegersohn.

In +Sachsen+ sorgt er für Befestigung älterer Ortschaften (Merseburg,

Goslar) und Anlage neuer Burgen (Quedlinburg); die Sachsen gewöhnen

sich allmählich an +städtisches+ Leben und an +Reiter+dienst im Kriege.

[928.]

Glückliche Kämpfe gegen die +Wenden+; Brennabor, Stadt der Heveller, im

Winter erobert; im Lande der Daleminzier die Feste +Meißen+ gegründet.

[929.]

Zug nach +Prag+, Herzog Wenzel von +Böhmen+ zur Huldigung genötigt.

Währenddessen Aufstand der nördlichen Wenden; sie werden von den

sächsischen Grafen Bernhard und Thietmar bei +Lenzen+ (unweit Dömitz an

der Elbe) geschlagen.

[932.]

Unterwerfung der Wenden in der +Lausitz+.

[933.]

~Sieg~ Heinrichs über die ~Ungarn~ an der Unstrut (bei Riade); Sachsen

fortan vor ihnen gesichert.

[934.]

Zug gegen die +Dänen+ unter König Gorm; Wiederherstellung der Grenzmark

zwischen Eider und Schlei, später Mark +Schleswig+ genannt.

[936.]

Heinrich † zu +Memleben+ an der Unstrut, begraben in dem von

ihm gegründeten Münster zu Quedlinburg. Ihm folgt sein mit der

angelsächsischen Königstochter +Editha+ vermählter Sohn

[~936–973.~]

~Otto I., der Grosse.~ Krönung in +Aachen+ durch den Erzbischof

von Mainz; die Herzöge verwalten dabei die Hofämter: Giselbert von

Lothringen +Kämmerer+, Eberhard von Franken +Truchseß+, Hermann von

Schwaben +Mundschenk+, Arnulf von Bayern +Marschall+. Otto, erst 24

Jahre alt, sucht die Selbständigkeit der Herzöge zu beschränken.

[937.]

Einfall der Ungarn in +Franken+; von Otto zurückgeschlagen ziehen sie

nach Westen, verheeren große Strecken von Frankreich und Burgund,

dringen auch in Italien ein.

[938.]

Aufstand des zu einer Strafe verurteilten Frankenherzogs +Eberhard+

in Gemeinschaft mit Ottos Halbbruder +Thankmar+, der in der Eresburg

getötet wird. Eberhard unterwirft sich und erhält Verzeihung; Otto

schlägt einen Einfall der Ungarn in +Sachsen+ zurück und zieht dann

nach Bayern gegen die Söhne des Herzogs Arnulf († 937), die ihm

Huldigung verweigern; er setzt Arnulfs Bruder Berthold als Herzog,

einen der Söhne als +Pfalzgrafen+ in Bayern ein zur Ausübung der

höchsten Gerichtsbarkeit und Aufsicht über die königlichen Besitzungen

und Einkünfte im Lande.

[939.]

Abermaliger Aufstand +Eberhards+ in Gemeinschaft mit Ottos jüngerem

Bruder +Heinrich+ und dessen Schwager Herzog +Giselbert+ von

Lothringen. Eberhard fällt im Kampfe bei +Andernach+, Giselbert

ertrinkt auf der Flucht im Rhein; Heinrich entkommt nach Frankreich,

kehrt aber bald zurück und erhält Verzeihung.

[940.]

König Ludwig IV. von ~Frankreich~, mit Giselberts Witwe vermählt,

versucht +Lothringen+ an sich zu reißen. Otto dringt mit Heeresmacht

in Frankreich ein bis zur Seine, sichert Lothringen dem deutschen

Reiche. Er gibt dieses Herzogtum 944 an +Konrad den Roten+ (Ahnherrn

des fränkisch-salischen Königshauses), der sein Schwiegersohn wird.

Zum Herzog von Bayern ernennt er nach Bertholds Tode 947 seinen Bruder

+Heinrich+, zum Herzog von Schwaben 950 seinen Sohn +Liudolf+; Franken

und Sachsen behält er selbst.

+Hermann Billung+, Markgraf gegen die nördlichen Wenden und Dänen,

erhält später die Herzogsgewalt in Sachsen. Die Mark an der mittleren

Elbe verwaltet Markgraf +Gero+, unter dessen Schutze im Wendenlande die

Bistümer +Havelberg+ und +Brandenburg+ gegründet werden.

[946.]

Zweiter Zug Ottos nach +Frankreich+ bis Rouen, diesmal zur

Unterstützung König +Ludwigs IV.+, besonders gegen +Hugo+, den Herzog

von Francien (beide seine Schwäger).

Die bedeutende Machtstellung, welche Otto errungen hat, legt es dem

tatkräftigen Herrscher nahe, nun auch in die zerrütteten Verhältnisse

~Italiens~ einzugreifen.

[951.]

Auszug aus der Alten, Mittleren und Neueren Geschichte · 第 16 / 49 段