welcher vom Senat anerkannt wird und sich gegen die anderen

Prätendenten (+Pescennius Niger+ im Orient, +Clodius Albinus+ in

Britannien und Gallien) behauptet. Umwandlung der bisher aus Italikern

bestehenden +Prätorianer+ in eine aus allen Provinzlegionen sich

ergänzende Truppe. Verbesserung der Rechtspflege (die Juristen

+Papinianus, Ulpianus, Paulus+). Erfolgreicher Krieg gegen die

+Parther+, ihre Hauptstadt +Ktesiphon+ 197 zerstört; die Provinz

+Mesopotamien+ wiederhergestellt. (Hauptstädte Edessa und Nisibis).

Zug nach Britannien 208; der Grenzwall Hadrians wiederhergestellt.

+Septimius+ stirbt in +Eburācum+ (York). Sein Sohn

[211–217.]

~Caracalla~ (+M. Aurelius Antoninus+)

ermordet seinen Bruder und Mitregenten ~Geta~ mit Tausenden seiner

Anhänger, darunter +Papinianus+. Durch die +Constitutio Antoniniana+

212 Erteilung des römischen Bürgerrechts an alle freien Provinzialen.

Aber auch von der Grausamkeit und Habsucht des Kaisers werden die

Provinzen in weitem Umfange betroffen (das Blutbad in +Alexandrīa+ 215).

Caracalla bekämpft 213 die +Alamannen+ jenseits des Grenzwalls, 214

die +Goten+ an der unteren Donau, greift 216 die Parther an, wird

in Mesopotamien auf Anstiften des Praefectus praetorio ~Macrinus~

ermordet. Dieser, vom Heere zum Nachfolger erwählt, erkauft von

den Parthern den Frieden. Die Soldaten rufen zum Imperator aus den

14jährigen +Varius Avitus Bassianus+, genannt

[218–222.]

~Elagabălus~, Sonnenpriester zu Emĕsa in Syrien, der für einen Sohn

Caracallas ausgegeben wird. Macrinus, bei Antiochia besiegt, wird in

Kleinasien verhaftet und hingerichtet. Elagabalus überläßt sich in

Rom den schändlichsten Ausschweifungen; die Regierung führt seine

Großmutter +Julia Maesa+, Schwester der Mutter Caracallas. Er wird von

den Prätorianern ermordet; ihm folgt sein Vetter

[~222–235.~]

~Alexander Severus~,

von den besten Absichten beseelt, aber schwankend und nicht energisch,

geleitet von seiner Mutter +Julia Mamaea+, Tochter der Julia Maesa,

und von den Rechtsgelehrten +Domitius Ulpianus+ und +Julius Paulus+.

Seine Maßregeln zur Herstellung der Mannszucht im Heere veranlassen

Empörungen; bei einer derselben wird +Ulpianus+, der Befehlshaber der

Prätorianer, ermordet.

[~226.~]

Infolge der Auflösung des +Partherreiches+ unter den Arsakiden (S. 65)

und Stiftung des ~Neupersischen Reichs~ (Dynastie der +Sassaniden+)

erwächst dem römischen Reiche ein neuer gefährlicher Feind im Orient,

doch wird im Kriege (231–33) die Reichsgrenze vorerst noch behauptet,

Nach Ermordung des Alexander Severus am Rhein erheben die Soldaten auf

den Thron ihren Feldherrn

[235–238.]

~Maximinus Thrax~,

einen Thraker von außerordentlicher Größe und Stärke. Siegreicher

Zug über den Rhein, dann nach der untern Donau. Unterdessen wird in

Afrika zum Imperator ausgerufen der 80jährige Senator +Gordianus I.+,

der seinen Sohn +Gordianus II.+ zum Mitregenten ernennt, bald aber

sich selbst tötet, nachdem der Sohn in Afrika kämpfend gefallen.

+Maximinus+, vom Senat für abgesetzt erklärt, wird bei der Belagerung

von +Aquileia+ von den Soldaten getötet. -- Die Prätorianer erheben

Gordians I. Enkel, ~Gordianus III.~, auf den Thron. Dieser wird nach

glücklicher Beendigung eines Krieges gegen die Neuperser 244 ermordet

auf Veranlassung des Praefectus praetorio ~Philippus Arabs~, eines

Mannes von semitischer Abkunft, welcher 248 das +tausendjährige

Bestehen+ des römischen Reiches feiert, 249 von den mösischen Legionen

unter ihrem Feldherrn ~Decius~ besiegt und getötet wird. Unter diesem

Kaiser

[~250.~]

Allgemeine ~Christenverfolgung~, nachdem man längere Zeit die Christen

hatte gewähren lassen. Decius schlägt die +Goten+, welche +Thrakien+

plündern, verliert aber Sieg und Leben, als er sie nach der Donau hin

verfolgt (251). Die Legionen erwählen den Feldherrn ~Gallus~, unter

dessen ebenfalls kurzer Regierung die Pest in mehreren Provinzen

des Reiches wütet. Er wird 253 ermordet von dem gegen die +Goten+

siegreichen ~Aemilianus~, dieser nach kaum 4 Monaten von

[253–260.]

~Valerianus~,

der seinen Sohn ~Gallienus~ zum Mitregenten annimmt. Beide kämpfen

gegen die fortwährend erneuten Einfälle germanischer Heerhaufen,

namentlich der +Franken+ in Gallien und Spanien, der +Alamannen+ in

Ober-Italien (bei Mailand besiegt), der +Goten+ in die Balkan-Halbinsel

und Kleinasien. Unglücklicher Feldzug des +Valerianus+ gegen

die Perser; er wird bei +Edessa+ geschlagen, gefangen und (als

70jähriger Greis) bis zu seinem Tode von dem König Sapores als Sklave

umhergeschleppt. Gegen ihn und seinen Sohn

[260–268.]

~Gallienus~

tritt eine große Anzahl von Gegenkaisern auf, während die Barbaren ihre

Einfälle in das römische Gebiet fortsetzen. Längere Zeit behaupten

sich +Postumus+ in Gallien und +Odaenathus+ (aus Palmȳra) in Syrien.

Letzterer wird von Gallienus als Mitregent für den Orient anerkannt;

nach seiner Ermordung (267) herrscht seine Gemahlin +Zenobia+ in

Palmȳra. Gallienus wird vor Mediolanum, wo er den Prätendenten

+Aureŏlus+ belagert, von Verschwörern ermordet. Diese erheben auf den

Thron

[268–270.]

~Claudius II.~,

einen erfahrenen Feldherrn, der nach Hinrichtung des Aureolus die

+Alamannen+ am Gardasee, +die Goten+ bei Naissus in Mösien (an der

Morawa) besiegt. Ihm folgt

[~270–275~.]

~Aurelianus~, der Hersteller des Reiches (+Restitutor orbis+). Er

schließt mit den Goten Frieden, indem er die Provinz +Dacien+ aufgibt.

Die Donau von jetzt ab Reichsgrenze; der größte Teil der römischen

Kolonisten wird nach +Mösien+ zurückversetzt. Aurelian vertreibt

die abermals in Italien eingedrungenen Alamannen und Markomannen

und beginnt zum Schutze Roms vor den Barbaren den Bau einer neuen

+Stadtmauer+, welche die erweiterte +Kaiserstadt+ umfaßt. Er unterwirft

+Syrien+, belagert und zerstört +Palmyra+ (273), nimmt Zenobia gefangen

und erobert +Ägypten+ wieder. Nachdem er so den Orient unterworfen,

wendet er sich gegen +Tetricus+ in Gallien, der, bei Châlons besiegt,

sich ergibt. Nach kurzem Aufenthalt in Rom reist er wieder in die

östlichen Provinzen, wird aber unweit Byzanz von Verschwörern ermordet.

Auf Ansuchen des Heeres ernennt der Senat in Rom zum Augustus den

75jährigen Senator

[275–276.]

~Tacitus~,

der die +Alanen+ und +Goten+, welche in Kleinasien eingefallen waren,

schlägt, aber bald von den Soldaten ermordet wird.

[276–282.]

~Probus~

schlägt am Rhein die +Franken+ und +Alamannen+, an der Donau die

+Burgunder+, +Vandalen+ und +Goten+ zurück, stellt den Grenzwall

(+limes+) zwischen Rhein und Donau wieder her, fördert den Weinbau

in Gallien, am Rhein und an der Mosel, sichert auch Syrien und

Mesopotamien gegen die Perser. Starke Ansiedelung von Barbaren in den

Grenzgebieten des Reiches. Als er in Pannonien die Soldaten zu Kanal-

und Wegebauten nötigt, wird er bei Sirmium von ihnen erschlagen,

[282–284.]

~Carus~

besiegt an der unteren Donau die +Sarmaten+ und dringt, während der

germanische Grenzwall mit den +agri decumates+ an die +Alamannen+

verloren geht, erfolgreich gegen die +Perser+ vor, stirbt aber bald

nach der Einnahme von +Ktesiphon+ (vom Blitze erschlagen?). Das

heimkehrende Heer wählt in Chalkēdon zum Kaiser den Feldherrn

[~284–305.~]

~Diocletianus~,

welcher dem römischen Reiche eine neue Verfassung gibt auf Grund

der ~unbeschränkten Monarchie~. Der Senat verliert allen Einfluß

auf die Regierung, +Rom+ nicht mehr Wohnsitz des Kaisers. Strenges

Hofceremoniell nach orientalischer Art. Der Kaiser trägt das Diadem,

läßt sich mit Dominus anreden. Neuordnung der Verwaltung, die Provinzen

verkleinert und an Zahl vermehrt (101 Provinzen, in 12 +Diöcesen+

geordnet; auch Italien in Provinzen geteilt). Steigender Abgabendruck.

Zum +Mitregenten+ (mit dem Titel Augustus) ernennt Diocletian, indem

er sich außer der allgemeinen Oberleitung die Regierung des Ostens

vorbehält (Residenz +Nicomedia+ in Bithynien), seinen Waffengefährten

~Maximianus~ (Residenz +Mediolanum+, Mailand).

[293.]

~Diocletian~ ernennt zwei Cäsaren: 1. ~Constantius Chlorus~, der seine

Gemahlin +Helĕna+, eine Christin, verstoßen und die Stieftochter

Maximians heiraten muß; er erhält die Verwaltung von +Gallien,

Britannien+ und +Spanien+ (Residenzen +Augusta Treverorum+ (Trier)

und +Eburācum+ (York)), während +Maximianus+ die Verwaltung von

+Italien+ und +Afrika+ behält; 2. ~Galerius~, welcher Diocletians

Schwiegersohn wird und die Verwaltung von +Illyricum+ (mit Makedonien

und Griechenland, Residenz +Sirmium+ a. d. Save) übernimmt.

Die vier Regenten sorgen im Einverständnis miteinander für die

Verwaltung und den Grenzschutz, Diocletian selbst namentlich in

Ägypten, Galerius am Euphrat gegen die +Perser+. Der Tigris als

Grenzfluß festgesetzt. +Edictum de pretiis+ 301 zur Abstellung des

Wuchers. Glänzende Bauten in +Trier+.

[~303.~]

Allgemeine ~Christenverfolgung~, durch Constantius in seinen Provinzen

gemildert.

[305.]

+Diocletian+ († 313 in Salona in Dalmatien) und +Maximian+ danken

ab, ~Constantius~ und ~Galerius~ werden Augusti; letzterer setzt

die Christenverfolgung fort. Die beiden nach seinem Vorschlag von

Diocletian ernannten Cäsaren kommen nicht zu Ansehen; in den westlichen

Provinzen übernimmt 306 ~Constantinus~, Sohn des Constantius und der

Helena, nach dem Tode des Vaters die Regierung, in Rom erheben die

Prätorianer ~Maxentius~, den Sohn Maximians.

[312.]

Nach Galerius’ Tode Krieg zwischen Maxentius und +Konstantin+; dieser

dringt in Italien ein und siegt bei +Turin+ und bei +Saxa rubra+ unweit

Rom +(hoc signo vince!+); Maxentius ertrinkt auf der Flucht im Tiber.

Konstantin erkennt ~Licinius~ an, welchen Galerius zum Mitregenten des

Ostens ernannt hatte, und erläßt 313 in Mailand ein ~Edikt zum Schutze

der Christen~. Nach einiger Zeit entsteht Krieg zwischen den beiden

Herrschern; Licinius, 323 in zwei Schlachten, bei Adrianopel und bei

Chalkēdon, besiegt, ergibt sich und wird 325 hingerichtet.

[~328–337.~]

~Konstantin der Große Alleinherrscher.~

Das ~Christentum~ wird vom ~Staate anerkannt~ und dem Heidentum

gegenüber begünstigt.

[~325.~]

Erste ~allgemeine Kirchenversammlung~ (ökumenisches Konzil), unter

Vorsitz des Kaisers zu ~Nicaea~ in Bithynien. Der +Arianismus+, d. h.

die Lehre des +Arius+, ehemaligen Presbyters in +Alexandria+, von der

Gott dem Vater nur +ähnlichen+ Natur Christi wird verworfen; die Lehre

des +Athanasius+ (späteren Bischofs von Alexandria) von der Gott dem

Vater +gleichen+ Natur Christi wird durch das +Symbŏlum Nicaenum+ zum

Dogma der Kirche erhoben.

[330.]

Konstantin erwählt +Byzantium+ unter dem Namen ~Constantinopolis~

zur Hauptstadt. Die Reichsverwaltung wird auf den von +Diocletian+

geschaffenen Grundlagen abschließend geordnet; Einteilung in 4

Präfekturen (+Oriens, Illyricum, Italia, Galliae+), mit 14 Diöcesen und

~117~ Provinzen. Strenge Rangordnung der Beamten, 7 Minister bekleiden

die obersten Hofämter, Staatsrat (+consistorium principis+), Trennung

der Zivil- und Militärgewalt. Neue Abgabenordnung. Abschaffung der

Prätorianer. Verminderung der Truppenzahl der Legionen, dafür Erhöhung

der Anzahl der Legionen auf 175. Den Oberbefehl führen 2 Kronfeldherren

(magistri militum), 5 magistri der Reiterei und des Fußvolkes, unter

ihnen stehen die Comites und Duces (Grafen und Herzoge).

Konstantin empfängt kurz vor seinem Tode die Taufe und teilt die

Verwaltung des Reiches unter seine drei Söhne als +Augusti+ und zwei

Neffen als +Cäsaren+. Nachdem er in Nikomedia gestorben ist, werden

die beiden Cäsaren getötet. Die drei Augusti geraten bald in Streit:

+Constantinus II.+ wird 340 bei Aquileia erschlagen, als er gegen

+Constans+, der in Italien herrscht, zu Felde zieht. ~Constantius II.~

schützt den Osten gegen die Perser, vereinigt nach Constans’ Tode

350 das ganze Reich. Sein Vetter +Julianus+ besiegt als Statthalter

Galliens 357 die Alamannen bei +Argentoratum+ (Straßburg) und bekämpft

erfolgreich die Franken; die Soldaten rufen ihn 361 zum Kaiser aus.

Constantius stirbt auf dem Zuge gegen ihn.

[361–363.]

~Iulianus~, genannt +Apostăta+, weil er als Anhänger der heidnischen

Philosophie (Schule der Cyniker) das Christentum verläßt und eine

Wiederherstellung des heidnischen Götterdienstes in gereinigter Form

versucht. Er muß bald einen Krieg gegen die +Perser+ beginnen, besiegt

sie bei +Ktesiphon+, stirbt aber auf dem Rückzuge an einer Wunde. Die

Soldaten erheben zum Kaiser den +Christen+ ~Iovianus~, der mit den

Persern Frieden schließt, aber schon 364 stirbt.

[364–375.]

~Valentinianus~, in +Nicaea+ erwählt, ebenfalls Christ, teilt

abermals das Reich, ernennt seinen Bruder ~Valens~, einen Arianer,

zum Mitregenten für den Osten; beide um gute Verwaltung des Reiches

bemüht. Herabsetzung der Steuern. Edikt gegen die Schenkungen an den

Klerus und die Kirche. Religiöse Duldung auch gegen die Heiden geübt.

Die Regierung des Westens übernimmt 375 Valentinians Sohn ~Gratianus~,

schon vorher Mitregent.

[375.]

~Beginn der Völkerwanderung~ (s. S. 140). Nachdem Valens bei

+Adrianopel+ (378) gegen die Westgoten gefallen ist, erhebt Gratianus

den Spanier

[379–395.]

~Theodosius~ zum Mitregenten und übergibt ihm die Verwaltung des

Ostens. Theodosius schreitet mit wachsender Entschiedenheit gegen das

Heidentum ein. Gratian fällt 383 im Kampfe gegen den in Britannien

von den Soldaten erhobenen ~Maximus~; Theodosius erkennt diesen als

Herrscher des Westens an, doch soll Italien dem Bruder Gratians,

+Valentinian II.+, verbleiben. Als Maximus dennoch in Italien

eindringt, wird er 388 von den Truppen des Theodosius in Aquileia

getötet. Gute Reichsverwaltung, glänzende Bauten in Konstantinopel.

381 Konzil zu Konstantinopel. Die athanasianische Lehre als allein

berechtigt anerkannt.

[390.]

Aufstand in Thessalonike, von Theodosius grausam bestraft; 7000

Menschen im Cirkus getötet. Deshalb schließt der Bischof ~Ambrosius~

von ~Mailand~ den Kaiser von der christlichen Kommunion aus, bis er (8

Monate später) öffentlich Buße getan hat.

[392.]

Allgemeines +Verbot der heidnischen Opfer+, die sich auf dem Lande

länger halten als in den Städten; die Heiden werden in dieser Zeit

+pagani+ genannt. Letzte Feier der Spiele zu +Olympia+ (s. S. 30).

[394.]

Theodosius siegt bei Aquileia über den Franken +Arbogast+, der

Valentinian II. gestürzt und getötet und einen Schattenkaiser ernannt

hat. Das römische Reich nochmals vereinigt.

[~395.~]

~Bleibende Reichsteilung~ nach Theodosius’ Tode. Sein älterer Sohn

~Arcadius~ erhält das ~oströmische Reich~ (395–1453), auch

~byzantinisches~ oder ~griechisches~ Kaisertum genannt; Hauptstadt:

+Byzanz+ oder +Konstantinopel+.

~Honorius~, der jüngere Sohn, erhält das ~weströmische Reich~

(395–476); Hauptstadt +Rom+, seit 402 +Ravenna+ kaiserliche Residenz.

Die Grenze bildet etwa die Verlängerung der Linie Budapest-Draumündung.

Beide Reiche werden durch das Eindringen germanischer Völker gefährdet;

der größte Ansturm wendet sich gegen das weströmische.

[395–423.]

~Honorius~, anfangs unter Vormundschaft des Vandalen +Stilicho+,

unfähig, das Reich zu schützen.

[425–455.]

~Valentinian III.~, lange unter Vormundschaft seiner Mutter +Placidia+,

sieht sich auf den unsicheren Besitz Italiens beschränkt. Auf ihn

folgen in schnellem Wechsel ohnmächtige Kaiser, die teils von dem

+Sueben+ ~Ricimer~ († 472), dem Anführer der germanischen Soldtruppen,

teils vom oströmischen Kaiser ernannt werden. Zuletzt wird

[476.]

~Romulus Augustus~, der Sohn eines Feldherrn +Orestes+ aus Pannonien,

von den Truppen seines Vaters auf den Thron erhoben, jedoch von

~Odovakar~, dem Anführer der germanischen Truppen, abgesetzt. Odovakar

beherrscht Italien, dem Namen nach unter Oberhoheit des oströmischen

Kaisers +Zeno+, der ihm den Titel eines +Patricius+ verleiht und die

Verwaltung der Diöcese Italien überträgt.

Fussnoten:

[19] Der Name herzuleiten von vitulus = Rinderland, vgl. Böotien.

[20] ~Römisches Münzwesen~: Anfänglich schweres Kupfergeld, 1 As = 1

Pfund Kupfer; seit 268 v. Chr. Silbergeld: Sestertius = 2½ As, Denarius

= 10 As; seit 217 v. Chr. Goldmünzen zu 20–100 Sestertien. Nach öfterem

Sinken des Münzfußes war seit 217 v. Chr. der Wert des Sestertius

17½ Pf., des Denarius 70 Pf. unseres Geldes, also 100000 As = 7000

Mark. Gepräge der ältesten Kupfermünzen: Vorderteil eines Schiffes

und Januskopf; Gepräge der späteren Münzen: Kopf der Göttin Roma,

Victoria auf dem Zweigespann. Mit Cäsar beginnt die Sitte, den Kopf des

Herrschers auf die Münzen zu prägen, nach griechischem Vorbilde, s. S.

64.

[21] Cic. de rep. 2, 31, 54: +ne quis magistratus civem Romanum

adversus provocationem necaret neve verberaret.+

[22] +Polybios+ setzt diesen Vertrag schon in das erste Jahr der

Republik (509), doch hat die auf +Livius+ beruhende Angabe mehr

Wahrscheinlichkeit.

[23] Die Inschrift seines noch erhaltenen Sarkophags lautet (in

saturnischem Versmaß): +Cornéliús Lucius Scipiȯ Barbátus || Gnaivód

patre prognátus fórtis vir sapiénsque || quoiús fórma virtutei

parisuma+ (parissima) +fúit || consól censȯr aidilis quei fuit apúd vos

|| Taurásiá Cisaúna Sámnió cépit || subigit omné Loucánam ópsidésque

abdoúcit+.

[24] Stammtafel:

P. Cornelius Scipio, †211.

|

___________________________________

| |

P. Cornelius Scipio Africanus L. Cornelius Scipio

(maior), †183. Asiaticus.

|

____________________________________

| |

P. Cornelius Scipio, Cornelia

Augur 180. Gem. Tib. Sempronius Gracchus,

Adoptivsohn: Consul 177 und 163.

P. Cornelius Scipio |

Aemilianus Africanus (minor) ____________________

Numantinus †129. | |

Gem. Sempronia. Tib. Sempronius C. Sempronius

Gracchus †133. Gracchus †121.

[25] +Civitates foederatae+ waren Messana, Tauromenium, Tarrăco, Gades,

Athen, Sparta, in Italien Neapolis, Rhegium, Heraclea u. a., +civitates

liberae et immunes+ waren Panormus, Segesta, Dyrrhachium, Thessalonike,

Amphipolis, Utica, Hadrumetum. Das Gebiet der zerstörten Städte, wie

Karthago und Korinth, war +ager publicus+.

[26] ~C. Julius Cäsar~, geb. 102 v. Chr., 82 als Schwiegersohn

Cinnas von Sulla geächtet, dann begnadigt, tut Kriegsdienste bei der

Belagerung der aufständischen Stadt +Mytilene+ und in +Cilicien+ unter

P. Servilius, tritt nach Sullas Tode in +Rom+ als Redner vor Gericht

auf, reist 76 nach +Rhodus+, um den Rhetor Molo zu hören (unterwegs

von Seeräubern gefangen, die er später hinrichten läßt), 68 Quästor in

Spanien, 65 Ädil, 63 Pontifex maximus, nachdem das Recht der Komitien,

die Priesterkollegien zu wählen (S. 106), wiederhergestellt war.

[27] ~M. Tullius Cicero~, geb. 106 auf einem Gut bei +Arpinum+, tut

89 Kriegsdienste im marsischen Kriege, hört dann in Rom griechische

Philosophen, tritt 80 als Anwalt des S. +Roscius+ zuerst in einer causa

publica vor Gericht auf, reist 79–77 nach Athen und Rhodus, 75 Quästor

in Sicilien, 70 Ankläger des +C. Verres+, 69 Ädil, 66 Praetor urbanus.

[28] Als Erbe Cäsars nannte sich der erste Alleinherrscher +Imperator

Caesar Augustus divi Iuli filius+.

[29] Der Abt Dionysius in Rom (532), dessen Berechnung durch das

Ansehen der Päpste maßgebend wurde, hat die Regierung des Königs

+Herodes+ (40–4 v. Chr.) unrichtig angesetzt. Herodes starb im Jahre

750 Roms: Christi Geburt ist früher.

~II. Mittlere Geschichte~

~A. Vom Beginn der Völkerwanderung bis zum Vertrage von Verdun.

375–843.~

§ 1. Völkerwanderung.

In den Kulturkreis des Altertums dringen die ~Germanen~ mit frischer

Volkskraft ein, zunächst vieles zerstörend. Bald aber gründen sie neue

Staaten, in welche die antike Kultur aufgenommen wird. Der Schauplatz

der Geschichte erweitert sich über ganz Europa; es scheiden sich

+romanische+ und +germanische+ Staaten; im Osten treten die +Slaven+

hinzu.

~Sitze germanischer Volksstämme um 375 nach Chr.~

+Ostgoten+ im südlichen Rußland, +Westgoten+ in Dacien (+östl.+ Ungarn,

Rumänien), +Vandalen+ in Pannonien (+südwestl.+ Ungarn), +Sueben+ in

Mähren, Böhmen und Bayern, +Burgunder+ am Neckar und Main, +Alamannen+

am Oberrhein, +ripuarische Franken+ zu beiden Seiten des Niederrheins

(bei Köln), +salische Franken+ in Belgien und an den Rheinmündungen,

+Sachsen+ von der Elbe bis fast an den Rhein, +Thüringer+ in

Mitteldeutschland, +Langobarden+ an der untern Elbe, +Friesen+ an der

Nordseeküste.

~Religion und Staatswesen der Germanen~:

Verehrung der Götter auf Bergen oder in heiligen Hainen; keine Tempel

und Götterbilder. +Wodan+ der Himmelsgott, +Donar+ der Donnergott,

+Ziu+ der Kriegsgott. Glaube an ein Fortleben der Helden nach dem Tode

in +Walhalla+.

Keine Städte; die Volksstämme teilen sich nach der Lage der

vereinzelten Wohnstätten in +Gaue+. Unvollkommener Ackerbau, meist den

+Hörigen+ (Unfreien) überlassen. Jagd und Krieg die Hauptbeschäftigung

der +Freien+.

Die +Versammlung der Freien+ entscheidet über Krieg und Frieden

und schwere Rechtsfälle; sie wählt Gauvorsteher (Richter) und für

den Kriegsfall Herzöge, meist aus den +Edlen+, die aber keinen

geschlossenen Stand mit besonderen Vorrechten bilden. Kampflustige

Freie schließen sich als +Gefolge+, zur Treue verpflichtet, an

hervorragende Edle an.

Größere Kriege führen zur Ausbildung des +Königtums+, welches während

der Völkerwanderung bei den meisten germanischen Völkern durchdringt.

Grenzkriege mit den Römern am Rhein und an der Donau; germanische

Heerscharen oft in römischem Solde. Die +Goten+, welche um 180 von der

Weichsel nach der unteren Donau vordringen, sind bis 270 gefährliche

Feinde des römischen Reiches; dann meist friedliches Verhältnis. Eine

Schar christlicher (arianischer) +Westgoten+ unter dem Bischof ~Ulfila~

wird 348 in +Mösien+ angesiedelt; Ulfilas +Bibelübersetzung+ das erste

Schriftwerk in gotischer Sprache; er stirbt 381 in Konstantinopel.

[~375.~]

~Anfang der Völkerwanderung.~

Die ~Hunnen~, ein +mongolisches, nomadisches Reitervolk+, unterwerfen,

nachdem sie etwa 372 die Wolga überschritten und die nichtgermanischen

+Alanen+ besiegt haben, das ~Ostgotenreich~ (am Dnjepr, König

Ermanarich aus dem Geschlechte der Amăler) und stürzen sich dann auf

die ~Westgoten~. Der heidnische Teil der Westgoten unter +Athanarich+

zieht sich nach Siebenbürgen und in die Karpathen zurück, der

christliche unter +Fritigern+ und +Alaviv+ erhält von Kaiser +Valens+

Sitze in Mösien und Thrakien zugesichert. Streitigkeiten mit den

römischen Beamten nach dem Übergang über die Donau führen zum Kampf,

die Goten dringen verwüstend vor.

[378.]

~Schlacht bei Adrianopel.~ +Valens+ besiegt und getötet.

Sein Nachfolger +Theodosius+ schließt Frieden mit den Westgoten, welche

gegen Sold und Wohnsitze in Mösien und Thrakien als +foederati+ die

Grenze des römischen Reiches schützen sollen. Das ~Reich der Hunnen~

breitet sich in den Ländern +nördlich der Donau+ aus.

[395.]

~Alarich~, König der Westgoten, verwüstet, da nach Theodosius’ Tode

+Arcadius+ den Sold nicht zahlt, Makedonien, Illyrien und Griechenland

und dringt bis in die Peloponnes vor. ~Stilicho~, Feldherr des

weströmischen Reiches, kommt dem oströmischen zu Hilfe, schließt die

Westgoten am Gebirge Pholoë in +Arkadien+ ein, läßt sie aber entkommen.

Alarich zieht nach Illyrien, wird vom Kaiser Arcadius zum +Dux+ von

Illyricum orientale ernannt. Das Vordringen der germanischen Völker

richtet sich nun gegen das +west+römische Reich.

[401.]

Alarichs erster ~Einfall in Italien~, Stilicho tritt ihm entgegen.

Schlacht bei +Pollentia+ (402); Alarich kehrt nach Illyrien zurück.

[405.]

Germanische Heerhaufen, namentlich +Ostgoten+ unter +Radagais+, fallen

in Italien ein, werden aber von Stilicho mit Hilfe der rheinischen

Legionen bei +Fäsulä+ besiegt und durch Kampf und Hunger aufgerieben.

Die Rheingrenze seitdem verloren.

[406.]

Auszug aus der Alten, Mittleren und Neueren Geschichte · 第 14 / 49 段