beruhigte, welche ohne Kriegsheer von Prokonsuln und Proprätoren
verwaltet werden können und vom Senat verliehen werden (+Africa, Asia,
Achaja, Illyricum, Macedonia, Sicilia, Creta+ und +Cyrenaica, Bithynia,
Sardinia, Hispania Baetica+), und in +kaiserliche+, die Augustus durch
Legaten an der Spitze von Legionen verwalten läßt und daher selber
verteilt: +(Hispania Tarraconensis, Lusitania+, die vier gallischen:
+Narbonensis, Lugdunensis, Aquitania+ und +Belgica+ mit +Germania
superior et inferior, Syria, Cilicta, Cyprus, Aegyptus+). In dieser
Teilung ist später mehreres geändert worden. Alle nach 27 vor Chr.
begründeten Provinzen fielen dem Kaiser zu. Zwei Staatskassen, das vom
Senat verwaltete +aerarium+ (Einnahmen aus den senatorischen Provinzen)
und +fiscus+ (Einnahmen aus den kaiserlichen Gütern und Provinzen).
Das Heer auf 25 Legionen (etwa 250000 Mann) gebracht. Dazu eine starke
Flotte in Misenum und Ravenna.
~Blütezeit der römischen Literatur.~ +C. Cilnius Maecenas+ († 8 vor
Chr.), Freund des Augustus, Gönner und Beschützer der Dichter: +P.
Vergilius Maro+ (70–19 vor Chr.). +Q. Horatius Flaccus+ (65–8 vor
Chr.). Die Elegiker +Albius Tibullus, S. Propertius+ und +P. Ovidius
Naso+ (9 nach Chr. nach +Tomi+ am Pontus Euxīnus (Constanza i. d.
Dobrudscha) verbannt, † 17). Der Geschichtschreiber +T. Livius+ (59
vor Chr. bis 17 nach Chr.) gibt dem römischen Volke eine ausführliche
Gesamtdarstellung seiner Geschichte. Der Architekt +Vitruvius+, die
Juristen +M. Antistius Labeo+ und +C. Ateius Capito+.
~Familie des Augustus.~
~C. Julius Cäsar Octavianus Augustus,~ geb. 63 v. Chr., †14 n. Chr.
Gemahlinnen: 1. Claudia. 2. Scribonia. 3. Livia, Mutter des
| Tiberius u. Drusus,
| Söhne v. Tiberius
| Claudius Nero.
~Iulia,~ †14 n. Chr.
Gem.: 1. Marcellus, 2. M. Vipsanius Agrippa. 3. Tiberius.
Sohn d. Octavia. †12 v. Chr.
†23 v. Chr. |
|
______________________________________________________________________
Gaius Cäsar. Lucius Cäsar. Agrippina. Julia. Agrippa Postumus.
†4 n. Chr. †2 n. Chr. †33 n. Chr. †28 n. Chr. †14 n. Chr.
In der ersten Hälfte der Regierung des Augustus ist sein Schwiegersohn
+Agrippa+ seine Hauptstütze. Census in allen Provinzen, Vermessung
des Reiches durch Agrippa, Bauten in Rom: Forum Augusti, Thermae
Agrippae mit dem +Pantheon+, Tempel des Apollo, des Mars und der Venus.
Wiederherstellung der verfallenen Heiligtümer und Wiederbelebung der
alten Religiosität. Agrippas Söhne +Gaius Cäsar+ und +Lucius Cäsar+
werden 17 vor Chr. von Augustus adoptiert. Ihre Mutter +Iulia+ heiratet
in dritter Ehe den Stiefsohn des Augustus, +Tiberius+, wird aber
schließlich wegen ihrer Sittenlosigkeit verbannt. Nach dem Tode seiner
beiden ältesten Enkel adoptiert Augustus den +Tiberius+ und bezeichnet
ihn als Nachfolger.
[27–25.]
Augustus ordnet persönlich die Verhältnisse der +gallischen+ und
+spanischen+ Provinzen. Unterwerfung der Cantabrer und Asturer.
+Lugdunum+ (Lyon) Hauptstadt in Gallien, +Tarraco+ und +Corduba+
Hauptstädte in Spanien.
[22–19.]
Augustus ordnet persönlich die Verhältnisse des römischen +Asiens+. Der
Partherkönig +Phraates+ gibt auf die Nachricht von seiner Ankunft in
Syrien die bei der Niederlage des Crassus (S. 113) erbeuteten römischen
Feldzeichen zurück. Durch +Tiberius+ wird +Tigrānes+ in sein Reich
Armenien wieder eingesetzt.
Nach Rom zurückgekehrt erläßt Augustus Gesetze zur Bekämpfung des Luxus
und der Ehelosigkeit (+lex Iulia sumptuaria, lex Iulia de maritandis
ordinibus+).
[15.]
+Tiberius+ und +Drusus+, die Stiefsöhne des Kaisers, unterwerfen
die Alpenvölker und das Gebiet zwischen den Alpen und der Donau;
Einrichtung der Provinzen ~Raetia~ (Hauptort +Augusta Vindelicorum+,
jetzt Augsburg) und ~Noricum~ (Kärnten und Steiermark). Schon einige
Jahre früher war von Makedonien aus das untere Donaugebiet ~Mösien~
unterworfen worden.
[12–9.]
+Tiberius+ unterwirft ~Pannonien~ (das südwestliche Ungarn). Damit ist
die +Donaugrenze+ des Reiches festgestellt; sie wird ebenso wie die
+Rheingrenze+ durch Standlager der Legionen, aus denen später Städte
geworden sind, beschützt. Standlager am Rhein: Moguntiacum (Mainz),
Civitas Ubiorum (später Colonia Agrippinensis, Köln), Castra vetera
(Xanten), Standlager an der Donau: Regina castra (Regensburg), Batava
castra (Passau), später auch Vindobona (Wien) und Juvavum (Salzburg).
[12–9.]
+Drusus+ unternimmt vom Rhein aus vier Feldzüge in das +innere
Germanien,+ das erstemal zur See, vom lacus Flevo (Zuyder-See) in
die +Ems+mündung hinein, dann zu Lande die +Lippe+ aufwärts (Castell
+Aliso+ bei Haltern), dann von Mainz aus gegen die Chatten, zuletzt von
Mainz bis zur Elbe. Er stirbt auf dem Rückmarsch infolge eines Sturzes
mit dem Pferde.
[8–7.]
+Tiberius+, sein Nachfolger im Oberbefehl, bringt einen Teil der
germanischen Völkerschaften auf dem rechten Rheinufer zur Anerkennung
der römischen Oberhoheit. Er zieht sich dann (6) nach +Rhodus+ zurück
und kommt erst 7 Jahre später nach Verbannung seiner Gemahlin Julia
wieder nach Rom.
~Christus geboren~ vier oder sechs Jahre vor dem Beginn unserer
Zeitrechnung.[29]
Das Christentum, langsam sich ausbreitend im römischen Reiche,
entfaltet nach dem Untergange desselben seine weltbezwingende Macht.
[nach Chr. 4–5.]
+Tiberius+, in den letzten Jahren der Regierung des Augustus schon
beinahe Mitregent, durchzieht von neuem das nördliche Germanien,
besiegt die +Langobarden+ an der unteren Elbe. Römische Statthalter
verwalten das Gebiet zwischen Rhein und Elbe. Der unter Tiberius’
Anführung schon begonnene Angriff auf das +suebische+ Reich des
+Marbod+ (in Böhmen) wird unterbrochen (6–9) durch einen gefährlichen
Aufstand der illyrischen und pannonischen Völkerschaften.
[~9.~]
Drei römische Legionen unter ~P. Quinctilius Varus~ werden im
~Teutoburger Walde~ von dem Cheruskerfürsten ~Arminius~ vernichtet.
Germanien bis zum Rhein befreit, +Tiberius+ aber sichert die
Rheingrenze.
[14.]
Augustus stirbt in +Nola+ im 76. Lebensjahre. Eine von ihm selbst
verfaßte Übersicht seiner Taten (+Res gestae divi Augusti+) ist
in einer Tempelinschrift zu Ancyra (Angora) in Galatien erhalten
(+monumentum Ancyranum+).
[14–37.]
~Tiberius~ (vollständig: +Tiberius Claudius Nero+), des Augustus
Stief- und Adoptivsohn, geb. 42, tüchtiger Herrscher, jedoch hart
und argwöhnisch. Das Recht der Beamtenwahlen und die Bestätigung
der Gesetze wird von den +Komitien+ auf den +Senat+ übertragen. Die
an republikanischen Erinnerungen festhaltende Aristokratie wird in
strenger Abhängigkeit gehalten, besonders durch Anklagen +de maiestate+
(die auch schon zur Zeit der Republik vorkamen) bei der kleinsten
Beleidigung des Fürsten; Belohnung der Angeber (+delatores+). Gute
Verwaltung in den Provinzen.
[14–16.]
Drei Feldzüge des Neffen des +Tiberius, Drusus Cäsar Germanicus+, (von
Köln aus) über den Rhein gegen die Germanen, der zweite und dritte mit
einer Flottenfahrt in die Emsmündung verbunden. Beim zweiten wird die
Stätte der Niederlage des Varus berührt; beim dritten Sieg der Römer
auf dem +Campus Idisiaviso+ jenseits der +Weser+ über Arminius, aber
keine Unterwerfung des Landes. Die Flotte bei der Rückkehr durch Sturm
zerstreut.
[17.]
Germanicus, von Tiberius abgerufen und nach dem Orient gesandt, setzt
in Armenien einen König ein, macht +Kappadokien+ zur römischen Provinz,
gerät in Syrien mit dem Statthalter L. Calpurnius Piso in Streit. Sein
Tod im 34. Lebensjahr (19 in Antiochia an Gift?) in Rom sehr beklagt.
In Deutschland Krieg zwischen +Armin+ und +Marbod+, letzterer aus
seinem Reiche vertrieben, findet bei den Römern Aufnahme († zu
Ravenna). Armin wird von seinen eigenen Verwandten, die ihn des
Strebens nach der Königsherrschaft beschuldigen, 37 Jahre alt, getötet
(21).
[23.]
+L. Aelius Seianus+, Befehlshaber der +Prätorianer+ (S. 122), erhebt
sich zum übermächtigen Günstling des alternden Kaisers, der 27 seinen
Aufenthalt dauernd auf der Insel +Capreae+ (Capri) nimmt. Sejan
vergiftet +Drusus+, den einzigen Sohn des Kaisers, und bewirkt die
Verbannung der +Agrippina+, Witwe des Germanicus.
[31.]
Sturz Sejans; nach ihm werden viele Senatoren als Teilnehmer an seiner
Verschwörung hingerichtet. +Macro+, nunmehr Praefectus praetorio,
bleibt von der Willkür des mißtrauischen Kaisers abhängig.
[~37–68.~]
~Das Claudische Herrscherhaus,~ durch Adoption mit dem Julischen
verbunden:
+Tiberius+ Claudius Nero. Nero Claudius +Drusus+.
†37 n. Chr. †9 v. Chr.
| _____________|_________
| | |
Drusus †23 +Drusus Germanicus.+ Tib. +Claudius+ Nero.
n. Chr. †19 n. Chr. †54.
Gem. Agrippina. |
___________|________ |
| | Octavia, Britanniens.
Agrippina d. j., +Caligula+.
| †41.
|
L. Domitius (+Nero+)
†68.
[~37–41.~]
~Caligula~ (+Gaius Cäsar Germanicus+),
der jüngste Sohn des Germanicus, von den Soldaten als Knabe +Caligula+
(Stiefelchen) benannt, zeigt sich bald als grausamer (+oderint,
dum metuant!+), jeder Schranke spottender Despot. Schwelgerei,
Selbstvergötterung, unnütze Feldzüge nach der Rheingrenze und der
gallischen Küste. Nach seiner Ermordung durch die Prätorianer wird von
diesen zum Imperator ausgerufen sein Oheim
[~41–54.~]
~Claudius~ (+Tiberius Claudius Nero Germanicus+),
jüngerer Bruder des Germanicus, ein wohlmeinender, aber schwacher
Fürst, beherrscht von Günstlingen und von seinen Gemahlinnen: 1. der
sittenlosen +Messalina+ und, nachdem er diese (48) hat töten lassen, 2.
der herrschsüchtigen +Agrippina+, Tochter des Germanicus.
[43.]
Beginn der Eroberung +Britanniens+ unter dem Oberbefehl des +A.
Plautius+ (dessen Legat +T. Flavius Vespasianus+); der südliche Teil
wird römische Provinz.
Unter Claudius’ Regierung werden außerdem folgende Provinzen
eingerichtet: in Afrika +Mauretania+, im Orient +Lycia+ und +Thracia+.
+Iudaea+, von 40 vor Chr. bis 6 nach Chr. und dann wieder 41–44 nach
Chr. abhängiges Königreich, wird wieder zur Provinz +Syrien+ gezogen.
+Agrippina+ überredet den Claudius, den +L. Domitius+, ihren Sohn aus
früherer Ehe, zu adoptieren (bei der Adoption erhält er den Namen
+Nero+) und zum Thronfolger zu ernennen an Stelle seines eigenen Sohnes
+Britannicus+ (von der +Messalina+), dessen Schwester +Octavia+ zur
Gemahlin Neros bestimmt wird. Als Neros Adoption den Kaiser gereut,
vergiftet ihn Agrippina.
[~54–68.~]
~Nero~ (+Nero Claudius Cäsar Drusus Germanicus+),
von den Prätorianern zum Imperator ausgerufen, in den ersten Jahren
geleitet von dem Praefectus praetorio +Afranius Burrus+ und seinem
Lehrer +L. Annaeus Seneca+.
Er vergiftet (55) seinen Stiefbruder +Britannicus+, mit dessen Erhebung
zum Imperator ihm Agrippina gedroht hatte, läßt (59) seine Mutter
+Agrippina+ selbst töten, verstößt seine Gemahlin +Octavia+, die
er später ebenfalls töten läßt, und heiratet +Poppaea Sabina+, die
Gemahlin Othos. Ausschweifungen und Grausamkeiten; er tritt öffentlich
im Wettkampf als Wagenlenker, Schauspieler und Sänger auf. Kriechende
Unterwürfigkeit des Senats,
[61.]
Aufstand in Britannien, von +Suetonius Paulinus+ unterdrückt.
[58–63.]
Krieg gegen die Parther und Armenier. Nach Einnahme und Zerstörung von
+Artaxăta+ bringt +Domitius Corbŭlo+ in Armenien den König +Tiridates+
zur Anerkennung der römischen Oberhoheit.
[~64.~]
Eine sechstägige und bald darauf eine nochmalige dreitägige
+Feuersbrunst+ (nach unbegründetem Gerücht auf Neros Befehl angelegt)
zerstört einen großen Teil der Stadt Rom. Nero beschuldigt die +Juden+
und die +Christengemeinde+ Roms der Brandstiftung und verhängt grausame
Strafen über sie (+erste Christenverfolgung+). Großartige Neubauten in
Rom, breitere Straßen. Der Kaiserpalast wird vom Palatin bis über den
Esquilin ausgedehnt (+domus aurea+).
[65.]
Verschwörung des +C. Calpurnius Piso+ entdeckt, viele Hinrichtungen;
+Seneca+ genötigt, sich selbst zu töten.
[68.]
Aufstand in Gallien (+C. Julius Vindex+) und im diesseitigen Spanien,
dessen Statthalter, der 73jährige +Sulpicius Galba+, zum Imperator
ausgerufen wird. Nero, erst kürzlich von einer großen Kunstreise nach
Griechenland zurückgekehrt, flieht und tötet sich auf dem Landgute
eines seiner Freigelassenen in der Nähe von Rom.
Das Reich wird nach dieser verderblichen Regierung abermals durch
+Bürgerkriege+ zerrüttet:
[~68–69.~ Juni–Jan.]
~Galba~ (+Servius Sulpicius Galba+),
der sich bald durch unzeitige Strenge und Sparsamkeit verhaßt macht.
Die Prätorianer ermorden ihn und erheben an seiner Stelle
[~69.~ Jan.–Apr.]
~Otho~ (+Marcus Salvius Otho+),
einen ehemaligen Günstling Neros. Schon vorher war von den Legionen am
Rhein zum Imperator ausgerufen
[~69.~ Apr.–Dez.]
~Vitellius~ (+Aulus Vitellius+),
der, nachdem seine Legaten den Otho bei +Bedriacum+ (östlich von
+Cremona+) besiegt haben und dieser sich selbst getötet hat, in
Rom einrückt und die Stadt zum Schauplatze seiner Prasserei und
Verschwendung macht. Er wird bei einem Straßenkampf in Rom umgebracht.
[~69–96.~]
~Die drei Flavier~:
[~69–79.~]
~Vespasianus~ (+Titus Flavius Vespasianus+),
besonders auf Betreiben des Statthalters von Syrien, +Licinius
Mucianus+, zum Imperator ausgerufen, während er in Palästina seit
66 gegen die aufständischen Juden Krieg führt. Er übergibt seinem
Sohne +Titus+ den Oberbefehl und kommt nach längerem Aufenthalt in
+Alexandrīa+ nach Rom, wo inzwischen Vitellius durch das siegreiche
Eindringen der Donauarmee (+Antonius Primus+) beseitigt ist. --
Wiederherstellung der Mannszucht im Heere, der Ordnung in den Finanzen.
Der Kaiser gibt das Beispiel strengerer und einfacher Sitte, sorgt für
öffentlichen Unterricht von Staats wegen (Grammatik und Rhetorik).
[~69–71.~]
~Aufstand der Batāver unter Claudius Civīlis,~
einem ihrer Häuptlinge aus fürstlichem Geschlecht. Die Aufständischen
geben anfangs vor, nicht gegen das römische Reich, sondern +gegen
Vitellius+ und +für Vespasianus+ zu kämpfen. Dadurch gelingt es
ihnen, einen Teil der römischen Soldaten für sich zu gewinnen.
+Civilis+ schlägt die Römer wiederholt und dringt, durch beutelustige
rechtsrheinische Germanen unterstützt, weit in Gallien vor. Ein
großer Teil der gallischen Völkerschaften fällt ihm zu; es tritt
der Plan hervor, ein unabhängiges +gallisches Reich+ zu gründen.
Nachdem aber die Herrschaft Vespasians in Rom befestigt ist, macht
+Petilius Cerialis,+ begünstigt durch die unter den verbündeten Völkern
ausgebrochenen Zwistigkeiten, dem Aufstand ein Ende und unterwirft ganz
Gallien wieder der römischen Herrschaft.
[~70.~ (Septbr.)]
~Titus erobert und zerstört Jerusalem~ nach langer, hartnäckiger
Verteidigung. Schreckliches Strafgericht über die zum Osterfest dort
zusammengekommenen Juden. Triumphbogen in Rom errichtet im Anschluß an
andere Bauten Vespasians (Templum Pacis; +Amphitheatrum Flavium,+ auch
+Colosseum+ genannt).
[78.]
+Gn. Iulius Agricola,+ Schwiegervater des Geschichtschreibers
+Tacitus+, wird Statthalter in Britannien. Dem Vespasian folgt sein Sohn
[~79–81.~]
~Titus~ (+Titus Flavius Vespasianus+),
der die ihm entgegengebrachten Befürchtungen durch milde und sorgsame
Regierung glänzend widerlegt (+»amor et deliciae generis humani«+).
[79.]
Ausbruch des Vesuvs. +Herculanĕum+ durch Lava, +Pompeii+ durch Asche
und Schlamm verschüttet (Ausgrabungen seit 1719 und 1748). Tod des
älteren +Plinius,+ Anführers der römischen Flotte in Misenum. -- Dem
Titus folgt sein ihm unähnlicher Bruder
[~81–96.~]
~Domitianus~ (+Titus Flavius Domitianus+),
der mit der Zeit immer mehr zum habsüchtigen und grausamen Despoten
wird.
[84.]
Feldzug gegen die Chatten. Im Anschluß daran wird der großartige
Grenzwall (+limes+) zwischen dem mittleren Rhein und der oberen Donau
(von Rheinbrohl bis Kehlheim) begonnen. Eins der dazu gehörenden
Kastelle ist in der +Saalburg+ wieder erstanden. Das dahinter liegende
Land als Zehntland (+agri decumates+) mit der Provinz +Germania
superior+ (Hauptstadt Moguntiacum, Mainz) verbunden.
[81–84.]
Glückliche Feldzüge des ~Agricola~ in Britannien, die römische
Herrschaft bis nach Schottland hinein ausgedehnt.
[86–90.]
Erfolgloser Krieg gegen die Dacier; Domitian soll vom Könige
+Decebălus+ den Frieden erkauft haben.
[96.]
Domitian durch eine Palastverschwörung ermordet.
[~96–192.~]
~Nerva und seine Adoptivfamilie~:
[~96–98.~]
~Nerva~ (+Marcus Cocceius Nerva+),
ein 64 jähriger Senator, durch die Mörder Domitians und den Senat auf
den Thron erhoben, stellt die Majestätsprozesse ab, ruft die Verbannten
zurück, vermindert die Abgaben, legt den Grund zur Einrichtung der
+Alimentatio+, d. h. Staatsunterstützung zur Erziehung der Kinder, in
Italien. Er adoptiert und ernennt zu seinem Mitregenten und Nachfolger
[~98–117.~]
~Trajan~ (+Marcus Ulpius Traianus+),
Statthalter der Provinz +Germania superior+, geboren 53 in der
römischeu Kolonie +Italica+ in Spanien, den ersten Nicht-Italiker auf
dem Throne der Cäsaren. Trefflicher Regent und Feldherr. Großartige
Bauten in Rom (+Forum Traiani+); Straßen und Häfen in den Provinzen,
der Hauptteil des germanischen Grenzwalls gebaut.
[101–107.]
Unterwerfung des Landes ~Dacien~ (Rumänien und Siebenbürgen). Die
römischen Legionen dringen aus Mösien und Pannonien (Kolonie +Sirmium+
an der Save) über die Donau vor, erstürmen Sarmizegethusa, die
Hauptstadt des +Decebălus+; eine steinerne Brücke wird (unterhalb
Orsova) über die Donau gebaut. Decebalus unterwirft sich (102), doch
wird 105 neuer Krieg nötig; 107 wird das Land römische +Provinz+.
Ansiedlung zahlreicher Kolonisten, von denen die heutigen +Rumänen+
abstammen. Darstellung des Krieges auf den Reliefs der Trajanssäule in
Rom.
[105.]
Einrichtung der römischen Provinz ~Arabia~ durch den Statthalter
von +Syrien+, A. Cornelius Palma, (das Land östlich und südlich von
Damaskus und Judäa, bis zum Roten Meere; Hauptstadt +Petra+).
[114–116.]
Krieg Trajans gegen die ~Parther~.
Der Neffe des Partherkönigs +Chosroës+ wird aus Armenien vertrieben.
+Armenia+, +Mesopotamia+, +Assyria+ römische Provinzen. Trajan erobert
+Seleucia+ und +Ktesiphon+ am Tigris, fährt zu Schiff den Tigris
hinunter bis zum Persischen Meerbusen, setzt bei den Parthern einen
Vasallenkönig ein, stirbt auf der Rückkehr in +Cilicien.+
[~117–138.~]
~Hadrian~ (+Publius Aelius Hadrianus+),
von seinem Verwandten Trajan adoptiert. Friedliebend, auf sorgsame
Verwaltung des Reiches bedacht, gelehrt und kunstliebend. Er gibt die
neuen Provinzen +Armenia+, +Mesopotamia+ und +Assyria+ wieder auf,
so daß der Euphrat die östliche Grenze des Reiches bildet, stellt in
+Mösien+ und +Dacien+ die Ruhe wieder her, regiert in Rom in gutem
Einverständnis mit dem Senat.
+Rundreisen+ durch die Provinzen des Reiches (121–126, 129–134),
um überall die Wohlfahrt zu fördern; sein Günstling und Begleiter
Antinous; längerer Aufenthalt in +Athen+, wo er einen neuen Stadtteil
anlegt und den Zeustempel (S. 36) vollendet. In Rom erbaut er den
Doppeltempel der Venus und Roma; sein großes Grabmal Mausoleum
Hadriani, jetzt die Engelsburg. Seine Villa bei +Tibur+ (Tivŏli) mit
prächtigen Gartenanlagen. In Britannien +Grenzwall+ gegen die Picten
und Scoten (von Newcastle bis zum Solwaybusen).
Sammlung der Edikte früherer Prätoren (+Edictum perpetuum+) durch den
Rechtsgelehrten +Salvius Iulianus+; daran knüpft sich die weitere
Ausbildung der Rechtsgelehrsamkeit, welche für den inneren Bestand des
großen Reiches von der höchsten Bedeutung war.
[132–135.]
Aufstand der ~Juden~ wegen Anlegung der Kolonie +Aelia Capitolina+
an der Stelle des zerstörten Jerusalem. Ihr Anführer Bar-Kochba.
Verzweifelter Kampf; Niederlage und +Zerstreuung+ der Juden. Eine
+christliche+ Gemeinde sammelt sich bald wieder an der heiligen Stätte;
der Name +Jerusalem+ wird später wieder hergestellt.
[~138–161.~]
~Antoninus Pius~ (+Titus Aurelius Antoninus Pius+),
von Hadrian adoptiert. Friedliche, segensreiche Regierung, jedoch die
Grenzen des Reiches kräftig gegen die Angriffe der Barbaren geschützt.
Zweiter Grenzwall in Britannien (vom Forth zum Clyde). Gemäß der von
Hadrian festgesetzten Erbfolgeordnung folgt ihm sein Neffe
[~161–180.~]
~Marcus Aurelius Antoninus~, weiser und tätiger Regent, hochgebildet
(Schüler des Redners +Cornelius Fronto+), stoischer Philosoph, bis 169
gemeinschaftlich mit seinem Adoptivbruder, dem ausschweifenden ~Lucius
Verus~.
[162–165.]
Krieg gegen die ~Parther~, unter Oberleitung des +L. Verus+, der sich
aber bald in Antiochia dem Wohlleben hingibt, während seine Legaten den
Krieg glücklich führen. Ein +Teil+ Mesopotamiens wird wieder römische
Provinz (S. 130).
[166–180.]
Krieg mit den ~Markomannen~ und ~Quaden~ (in Böhmen).
Marcus Aurelius kämpft mit wechselndem Glück gegen die immer von
neuem andringenden Barbaren. Während eines kurzen Friedens mit ihnen
Besiegung des aufständischen +Avidius Cassius+ in Syrien, 175. Triumph
in Rom 176; der Senat errichtet dem Kaiser eine Reiterstatue, die noch
heute das Kapitol schmückt. Ehe es dem Kaiser gelingt, die Grenze
des Reiches an der Donau völlig zu sichern, stirbt er in +Vindobŏna+
(Wien). Ihm folgt sein entarteter Sohn
[180–192.]
~Commodus~,
der mit den Germanen Frieden schließt und sich in Rom, die Regierung
meist den Praefectis praetorio (S. 122) überlassend, Ausschweifungen
und seinem immer mehr hervortretenden Hange zu Grausamkeiten hingibt.
Er wird endlich von seiner Umgebung ermordet.
~Silbernes Zeitalter der römischen Literatur.~
Philosophische Schriften und Briefe des Stoikers +L. Annaeus Seneca+
(† 65); sein Neffe +M. Annaeus Lucanus+ verfaßt ein Epos Pharsalia.
Epigramme des +Martialis+, Satiren des +Persius+ und +Iuvenalis+. M.
Fabius +Quintilianus+ Lehrer der Rhetorik, Verfasser der Institutio
oratoria. Ein Werk umfassender Gelehrsamkeit ist die Naturalis historia
des +C. Plinius Secundus+ († 79). Briefsammlung seines Neffen, des
+jüngeren Plinius+, welcher mit dem Geschichtschreiber +Cornelius
Tacitus+ († 117), dem hervorragendsten Schriftsteller dieser Zeit,
befreundet war; Tacitus’ Germania 98, Plinius Statthalter in Bithynien
111. -- Kaiserbiographien des +C. Suetonius+.
~Nachblüte der griechischen Literatur.~
Unter Augustus der Geograph +Strabo+ aus Amaseia in Pontus, der
Altertumsforscher +Dionysios von Halikarnaß+, beide in Rom. Unter
Trajan und Hadrian der Philosoph und Geschichtschreiber +Plutarchos+
von Chaironeia, der Perieget +Pausanias+. Um 150 der Geograph
+Ptolemaios+ zu Alexandrīa, um 180 der Satiriker +Lukianos+ von
Samosata, um 220 der Geschichtschreiber +Cassius Dio+.
~Ausbreitung des Christentums.~
Wirksamkeit der +Apostel+ im ersten Jahrhundert. +Paulus+ predigt in
Antiochia (42), in Athen und Korinth (53), in Ephesos (55), wird 61
nach +Rom+ geführt, erleidet dort gleichwie +Petrus+ den Märtyrertod.
Verfolgungen im zweiten und dritten Jahrhundert können die zahlreichen
christlichen Gemeinden nicht ausrotten; das Beispiel der +Märtyrer+
(+Ignatius+ Bischof von Antiochia 115, +Polykarpos+ Bischof von Smyrna
167 und viele andere) wirkt erhebend. Christliche Schriftsteller:
+Clemens+, Bischof von Rom (um 90), +Clemens+ in Alexandria (200),
+Tertullianus+ in Karthago (200), +Origenes+ in Alexandria (230),
+Cyprianus+ in Karthago (230), +Lactantius+ in Nicomedia (300),
+Eusebios+, Bischof von Cäsarea (330), +Augustinus+, Bischof von Hippo
Regius (354–430), s. S. 141.
[~193–284~.]
~Zeit der Soldatenkaiser.~
Der Mangel einer festen Erbfolge stürzt das römische Reich oftmals in
Verwirrung; dennoch behauptet es sich noch lange gegen die andringenden
Barbaren. Nach den kurzen Regierungen der von den Prätorianern
erhobenen Kaiser +Pertinax+ und +Didius Iulianus+ folgt der von den
illyrischen Legionen zum Kaiser ausgerufene Statthalter von Pannonien
[~193–211.~]
~Septimius Severus~,