und Crassus vereinigen sich dort mit ihren Anhängern (über 200
Senatoren). Infolge der getroffenen Verabredungen werden für das J.
55 mit Anwendung von Gewalt als Konsuln durchgesetzt ~Pompeius~ und
~Crassus~. Durch Volksbeschluß erhält dann auf 5 Jahre Pompeius die
Statthalterschaft +beider Spanien+, Crassus die von +Syrien+, während
Cäsars Oberbefehl in +Gallien+ auf +weitere 5 Jahre verlängert+ wird.
Die Optimaten müssen sich diesen Beschlüssen fügen.
[53.]
~Crassus~ unternimmt einen Kriegszug gegen die +Parther+ (S. 65), wird
aber bei ~Carrhae~ in Mesopotamien von ihnen geschlagen und bald darauf
bei einer Verhandlung getötet. Sein Heer nahezu aufgerieben, römische
Feldzeichen von den Parthern erbeutet (S. 123).
Pompeius bleibt in Rom, erbaut dort das erste steinerne Theater,
veranstaltet glänzende Spiele, läßt seine spanischen Provinzen durch
Legaten verwalten.
[52.]
+Clodius getötet+ bei einem Zusammenstoß mit der Bande des +Milo+ auf
der Via Appia. Aufstand in Rom bei der Leichenfeier für Clodius, die
+Curia Hostilia+ in Brand gesteckt. ~Pompeius~, zum alleinigen Konsul
erwählt (+consul sine collega+), stellt die Ruhe wieder her. Auf Grund
der von ihm beantragten Gesetze +de ambitu+ und +de vi+ wird Milo
trotz Ciceros Verteidigungsrede verurteilt und geht in die Verbannung.
+Cicero+ als Prokonsul Statthalter von Cilicien (51–50) und damit
wieder aus Rom entfernt.
Pompeius, seit dem Tode der Julia (54) dem Cäsar entfremdet,
heiratet die Tochter des Optimaten +Q. Metellus Scipio+, der für die
letzten 5 Monate des Jahres 52 sein Mitkonsul wird. Er läßt sich die
Statthalterschaft in Spanien auf 5 Jahre erneuern.
Verhandlungen im Senat (51–50) über die durch widersprechende
Bestimmungen unlösbar verwickelte Frage, ob Cäsar seine
Statthalterschaft am 1. +März+ 49 oder erst +Ende+ 49 niederzulegen
habe. Cäsars Gegner bestehen, um ihn zu stürzen, auf dem früheren
Termin, wollen auch einen Volksbeschluß, der ihm gestattete, sich
abwesend um das Konsulat (für das Jahr 48) zu bewerben, nicht
anerkennen. Cäsar fügt sich dem Verlangen, daß er zwei Legionen
(darunter eine früher von Pompeius entliehene) zum Partherkrieg
abgebe, läßt aber durch den ihm gleich Clodius ergebenen Volkstribunen
+C. Scribonius Curio+ die Forderung stellen, daß er und Pompeius
gleichzeitig am 1. März 49 den Oberbefehl niederlegen sollen.
[vor Chr ~49–46.~]
~Bürgerkrieg zwischen Cäsar und den Optimaten.~
[49. (1. Jan.)]
Der Senat erklärt nach Abweisung wiederholter Vermittelungsvorschläge
Cäsar für einen Reichsfeind (+hostis+), wenn er nicht innerhalb einer
bestimmten kurzen Frist seine Provinzen an die ernannten Nachfolger
übergebe und sein Heer entlasse. Ein zweiter Senatsbeschluß (7.
Jan.) gibt den Konsuln und Prokonsuln Vollmacht zu außerordentlichen
Maßregeln (S. 99). Die Cäsar ergebenen Volkstribunen fliehen zu ihm
nach +Ravenna+.
Cäsar geht mit +einer+ Legion über den Bach ~Rubico~, die Grenzscheide
zwischen seiner Provinz und Italien, und beginnt damit den Bürgerkrieg.
Große Bestürzung in Rom. Pompeius, dessen Rüstungen erst begonnen
haben, entweicht mit den Konsuln und einem Teile des Senats (darunter
Cicero) nach +Capua+, dann nach +Brundisium+ (Staatskasse in Rom
zurückgelassen). Cäsar zieht durch Umbrien und Picenum, zwingt, durch 2
nachgekommene und 3 neugebildete Legionen verstärkt, den +L. Domitius+
in +Corfinium+ zur Übergabe und rückt vor +Brundisium+. Pompeius
entkommt mit der Flotte nach +Dyrrhachium+. Cäsar ordnet den Bau neuer
Schiffe an und wendet sich zunächst nach +Rom+; dort beschwichtigt
er die Besorgnis vor Wiederkehr der Greuel des ersten Bürgerkrieges.
Großmütiges Verfahren gegen seine Feinde.
[Sidenote:49.]
Cäsar geht auf dem Landwege nach Spanien zur Bekämpfung der Legaten des
Pompeius: ein Teil seines Heeres belagert +Massilia+. Die Legaten +L.
Afranius+ und +M. Petreius+ werden bei +Ilerda+, nördlich vom Ebro, zur
Übergabe gezwungen, ihr Heer wird aufgelöst.
+M. Terentius Varro+, der in +Hispania ulterior+ den Oberbefehl führt,
zieht sich nach +Gades+ zurück und ergibt sich ohne Kampf, da die
meisten Städte der Provinz sich für Cäsar erklären. Als dieser nach
Italien zurückmarschiert, unterwirft sich ihm die ausgehungerte und
mit Erstürmung bedrohte Stadt +Massilia+. Während dieser Zeit hat sein
Legat +C. Scribonius Curio+ Sicilien unterworfen. Derselbe setzt
nach Afrika über, siegt erst bei +Utĭca+, wird aber von +Iuba+, König
von Numidien, der sich für Pompeius erklärt hatte, am +Bagradasfluß+
geschlagen und fällt.
Cäsar wird (abwesend) in Rom von dem Prätor +M. Aemilius Lepidus+
zum +Dictator+ ernannt, legt aber die Dictatur nach 11 Tagen nieder,
nachdem er für das Jahr
[~48.~]
zum Konsul erwählt ist (zusammen mit +P. Servilius Isauricus+), während
der nach dem Osten geflüchtete Teil des Senats (in +Thessalonike+) dem
Pompeius und allen Beamten des letzten Jahres die Amtsgewalt verlängert.
Landung Cäsars an der Küste von Epirus; er rückt nach +Illyrien+ vor
und nimmt die Städte Oricum und Apollonia ein. Sein Legat +M. Antonius+
kann erst nach einigen Monaten mit dem anderen Teil des Heeres folgen,
da die pompejanische Flotte das Meer beherrscht. Cäsar schließt das
Heer des Pompeius bei ~Dyrrhachium~ ein, aber seine Verschanzungen
werden durchbrochen. ~Cäsar, geschlagen~ und zum Rückzug gezwungen,
geht nach +Thessalien+, wohin ihm Pompeius folgt. +Cato+ und +Cicero+
bleiben in Dyrrhachium zurück. In der thessalischen Ebene kommt es zur
[~48.~ (9. Aug.)]
~Schlacht bei Pharsālus.~
Cäsar schlägt mit etwa 22000 Mann das mehr als doppelt so starke Heer
des Pompeius und zersprengt es vollständig. 20000 Pompejaner strecken
die Waffen, Pompeius flieht nach der Küste, geht zu Schiff über
+Lesbos+ nach +Ägypten+. Dort wird er bei der Landung auf Befehl des
Ministers des jungen Königs Ptolemäus XII. ermordet. Cäsar landet mit
4000 Mann in Alexandria.
In Rom wird dem Sieger Cäsar die ~Dictatur~ auf unbestimmte Zeit (wie
früher Sulla, S. 106), das ~Konsulat~ auf 5 Jahre, die ~tribunicische
Gewalt~ auf Lebenszeit übertragen. Er nimmt das Konsulat erst
wieder für das Jahr 46 an und sendet den +M. Antonius+ als seinen
Stellvertreter (magister equitum) nach Rom.
[~48–47.~]
~Alexandrinischer Krieg.~
Aufstand der Einwohner von Alexandrīa, unterstützt durch das seit
Zurückführung des Königs +Ptolemäus Aulētes+ (55) dort befindliche
römische Besatzungsheer. Cäsar, in der Königsburg belagert, gerät in
die größte Gefahr, aus der ihn nur seine Verwegenheit rettet. Er läßt
die ägyptische Flotte in Brand stecken, wobei ein Teil der Stadt in
Feuer aufgeht, auch die berühmte alexandrinische Bibliothek (s. S.
65). Er verläßt die Stadt, nachdem er sich den Besitz der den Hafen
beherrschenden Leuchtturminsel Pharos gesichert hat, und schlägt mit
Hilfe eines aus Asien herbeigekommenen Entsatzheeres das ägyptische
Heer am Nil. Der junge König +Ptolemäus+ ertrinkt auf der Flucht.
Die Regierung wird, +unter römischer Oberhoheit+, seiner Schwester
+Kleopatra+ und ihrem jüngsten Bruder übergeben, in Alexandrīa bleibt
eine römische Besatzung. Cäsar geht nach Kleinasien und beendet in
einem +fünftägigen+ Feldzug (+veni, vidi, vici+) den
[~47.~]
~Krieg gegen Pharnăces~,
Sohn des Mithradates (s. S. 109), welcher +Pontus+, +Klein-Armenien+
und +Kappadokien+ besetzt hatte. Cäsar besiegt ihn bei +Zela+ und
zwingt ihn zur Rückkehr in sein bosporanisches Reich, wo er bald
umkommt. Ordnung der asiatischen Verhältnisse. +Deiotărus+ (S. 109),
der bei Pharsalus gegen Cäsar gefochten hatte, verliert den größten
Teil seiner Herrschaft.
Rückkehr Cäsars nach Rom. +Cicero+, von ihm begnadigt und ehrenvoll
behandelt, zieht sich auf sein Tusculanum zurück, bleibt aber sein
Gegner. Nach Beschwichtigung eines Aufstandes der in Campanien
stehenden Legionen unternimmt Cäsar den
[~46.~]
~Krieg in Afrika~
gegen die Pompejaner (+Cn.+ und +Sextus Pompeius+, +Q. Metellus
Scipio+, +Cato+, +Labienus+, +Petreius+, König +Iuba+). Er landet bei
Hadrumētum, gerät in Gefahr, da der größte Teil der Truppen infolge
eines Sturmes erst später eintrifft, führt dann den Krieg mit Vorsicht
gegen die an Zahl überlegenen Feinde, siegt endlich in der blutigen
~Schlacht bei Thapsus~. +Cato+ tötet sich in +Utĭca+, um den Untergang
der Republik nicht zu überleben, daher »Uticensis« genannt. Labienus
und Sextus Pompeius entkommen nach Spanien. -- Ein Teil +Numidiens+
wird von Cäsar mit der Provinz Afrika vereinigt, der andere an König
+Bocchus+ von Ost-Mauretanien gegeben.
Rückkehr Cäsars nach Rom, wo er ~vier~ Triumphe feiert (+Gallien+,
+Ägypten+, +Pharnăces+, +Afrika+). Bewirtung des Volkes an 22000
Tischen, prächtige Festspiele, Geld- und Getreidespenden. Cäsars
+Dictatur+ wird zunächst auf 10 Jahre, später auf Lebenszeit (dictator
perpetuus) verlängert. Er beginnt die ~Neuordnung des zerrütteten
Staatswesens~: Census der Bürgerschaft; Beschränkung der Zahl derer,
welche regelmäßig Getreidespenden empfangen, auf 150000; Bestimmungen
über die Verfassung der Bürgerstädte (lex Iulia municipalis);
Herstellung des Senats; Ackerverteilung an die Veteranen. ~Verbesserung
des Kalenders~ mit Hilfe des alexandrinischen Astronomen +Sosigĕnes+.
Das Jahr 46 wird durch Einschaltung um 67 Tage verlängert; an Stelle
des bisher üblichen Mondjahres mit Schaltmonaten tritt das Sonnenjahr
von 365¼ Tagen (alle 4 Jahre ein Schaltjahr).
Nochmals erheben sich in ~Spanien~ die Söhne des Pompeius und Cäsars
früherer Legat Labienus; Cäsar siegt nach hartnäckigem Widerstande in
der
[~45.~]
~Schlacht bei Munda~ (in der südlichen Provinz, zwischen Cordŭba und
Gades), setzt dann in Rom als ~Dictator~ und ~Imperator~ (letzterer
Titel früher nur zeitweise von siegreichen Feldherren bis zum Tage
des Triumphes geführt) sein großartiges Reformwerk fort. Die alten
Formen der republikanischen Verfassung behält er bei, in der Tat aber
waltet Cäsar als Alleinherrscher. Als +Pontifex maximus+ hat er die
Oberaufsicht über das Religionswesen, als Inhaber der +tribunicia
potestas+ das Vorschlagsrecht bei der Gesetzgebung und das Ansehen
eines unverletzlichen Vertreters und Beschützers des Volkes. Den
+Komitien+ bleibt die Bestätigung der Gesetze als ein nur formelles
Recht; ihr Wahlrecht wird durch das Vorschlagsrecht des Dictators
sehr beschränkt. Der +Senat+, auf 900 Mitglieder vermehrt, wird
wieder, wie zur Königszeit, zu einem nur beratenden Reichsrat. Die
oberste +Gerichtsgewalt+ steht, ebenfalls wie in der Königszeit, dem
Alleinherrscher zu (Prozesse des +Ligarius+ und +Deiotărus+, bei
welchen Cicero als Anwalt auftritt).
Großartige Bauten in Rom (Basilica Iulia an der Südseite des Forums;
die Nordseite wird erweitert durch das Forum Iulium mit dem Tempel
der Venus Genetrix). Gründung einer öffentlichen Bibliothek. Neue
Provinzialordnung zum Schutz der Provinzen gegen die Willkür der
Statthalter; Gründung von Kolonien in den Provinzen, +Karthago+ und
+Korinth+ hergestellt. Luxusgesetze, Kriminalgesetzgebung.
Durch weitgehende Ehrenbeschlüsse (Bildsäulen von ihm in allen Tempeln,
seine Statue neben denen der sieben Könige, Münzen mit seinem Bildnis
(S. 74, Anm.), Feier seines Geburtstages am 12. des Monats Quinctilis,
der nun +Iulius+ genannt wurde, alle fünf Jahre Spiele ihm zu Ehren
u. a.) wird Cäsars Alleinherrschaft beim Volke unbeliebt. Das von +M.
Antonius+ am Lupercalienfeste (15 Februar 44) ihm öffentlich angebotene
Königsdiadem weist er zurück. Während der Vorbereitungen zu einem
Rachekrieg gegen die +Parther+ (S. 113), welcher die Ostgrenze des
Reichs sichern soll, bildet sich unter den Senatoren eine Verschwörung
(+C. Cassius Longinus+, +M. Iunius Brutus+, +C. Trebonius+, +Decimus
Brutus+, +L. Tillius Cimber+, +P. Servilius Casca+ u. a.).
[~44.~ (15. März.)]
~Ermordung Cäsars in der Senats-Sitzung~,
die an jenem Tage zufällig in der an das Theater des Pompeius
anstoßenden +Curia Pompeia+ gehalten wurde. Cäsar fällt, von 23 Stichen
durchbohrt, an der Bildsäule des Pompeius nieder.
§ 9. Untergang der Republik.
Für kurze Zeit übernimmt der Senat wieder die Staatsleitung. Er verfügt
zugleich die Aufrechterhaltung der Gesetze Cäsars und Straflosigkeit
(Amnestie) für dessen Mörder. Allein das Volk der Hauptstadt, aufgeregt
durch die +Leichenrede des Consuls M. Antonius+, verübt Gewalttaten
gegen die Verschworenen. Die Häupter der Verschwörung verlassen Rom,
um in die ihnen (noch von Cäsar selbst) angewiesenen Provinzen zu
gehen: ~M. Brutus~ nach +Makedonien+, ~Cassius~ nach +Syrien+, ~Decimus
Brutus~ nach +Gallia cisalpina+.
In Rom maßt sich ~M. Antonius~ (Konsul mit +P. Cornelius Dolabella+) im
Besitz der testamentarischen Bestimmungen Cäsars, unter dem Vorwande,
den letzten Willen des Dictators auszuführen, eine unumschränkte
Gewalt an, ändert die Verteilung der Provinzen, läßt sich namentlich
die Provinz +Gallia cisalpina+ durch Volksbeschluß zuerteilen.
Dagegen tritt der 19jähr. ~C. Octavius~ (geb. 63), der Großneffe und
Adoptivsohn Cäsars, daher fortan ~C. Julius Cäsar Octavianus~ genannt,
in Verbindung mit dem Senat. Bei den Soldaten beliebt, sammelt er
zahlreiche Veteranen Cäsars um sich und bestimmt 2 Legionen des
Antonius, sich unter seinen Befehl zu stellen. Durch die einander
entgegengesetzten Bestrebungen der Machthaber wird das römische Reich
in +neue Bürgerkriege+ gestürzt.
[44–43.]
Gegen Antonius, der den Decimus Brutus in +Mutĭna+ belagert und ihm
seine Provinz entreißen will, werden auf Betreiben +Ciceros+ (die
+Philippischen+ Reden) die beiden Konsuln Hirtius und Pansa ausgesandt,
mit ihnen der junge ~Octavian~ als Proprätor (+Mutinensischer Krieg+).
Beide Konsuln fallen; Dec. Brutus verfolgt den besiegten Antonius
nach Gallia transalpina. Octavian aber führt das ganze Heer nach Rom,
erzwingt vom Senat seine Erwählung zum Konsul, Widerruf der Amnestie
für die Verschworenen und ihre Verurteilung. Hierauf zieht er zum
Schein gegen +Antonius+, mit dem er schon geheime Unterhandlungen
angeknüpft hatte. Auf einer Zusammenkunft bei +Bononia+ wird das
[~43.~ (Nov.)]
~zweite Triumvirat~
geschlossen zwischen ~Antonius~, ~Octavian~ und ~M. Ämilius Lepidus~
(Statthalter in Gallia Narbonensis). Die drei Machthaber (+tresviri
reipublicae constituendae+) lassen ihre angemaßte Gewalt von den
Komitien auf 5 Jahre bestätigen und beginnen ihre Herrschaft mit
grausamen ~Proskriptionen~: 130 Senatoren und 2000 Männer vom
Ritterstande werden geächtet und größtenteils getötet (u. a. +Cicero+
und sein Bruder +Quintus+, S. 112), ihr Vermögen eingezogen. Darauf
[~43–42.~]
~Krieg gegen die republikanische Partei.~
+Antonius+ und +Octavianus+ ziehen gegen +M. Brutus+ und +C. Cassius+,
welche in Makedonien und Syrien eine bedeutende Kriegsmacht gesammelt
hatten. In der (+ersten+)
[~42.~]
~Schlacht bei Philippi~
in Thrakien besiegt +Antonius+, welcher den rechten Flügel befehligt,
den linken Flügel des republikanischen Heeres unter ~Cassius~, während
+Octavian+ vor den Truppen des ~Brutus~ zurückweichen muß. Auf die
falsche Nachricht von einer Niederlage des Brutus läßt sich ~Cassius~
durch einen Sklaven töten. ~Brutus~, 20 Tage später in einer +zweiten
Schlacht+ von +Antonius+ geschlagen, tötet sich selbst.
~Antonius~ brandschatzt die Provinzen +Asien+ und +Syrien+ und
folgt dann der Königin ~Kleopatra~ (S. 116), die er nach +Tarsus+
vorgefordert hatte, nach +Ägypten+. Währenddessen nimmt ~Octavian~ in
Italien die den Veteranen versprochenen Ackerverteilungen vor; +L.
Antonius+, Bruder des Triumvir, der ihm dabei entgegentritt, wird in
+Perusia+ belagert und muß sich ergeben. +M. Antonius+ landet mit einem
Heere bei Brundisium; es kommt in Brundisium zu einem Vergleich, nach
welchem die Verwaltung des Reiches so geteilt wird, daß
[40.]
~Octavian~ den +Westen+, ~Antonius~ den +Osten+ (Grenzlinie geht
durch Illyrien), ~Lepidus~ +Afrika+ erhält. +Sextus Pompeius+, der
sich von Sicilien aus eine Seeherrschaft über die italischen Inseln
gegründet hatte (sein Bruder Cn. bei Munda †), wird (36) von +M.
Vipsanius Agrippa+, dem Unterfeldherrn Octavians, bei +Mylae+ besiegt.
+Lepidus+, der nun auf Sicilien Anspruch erhebt, verliert nach einem
kurzen Feldzuge auch Afrika an Octavian, ihm bleibt nur die Würde eines
Pontifex maximus.
+Octavian+ sorgt für friedliche Verwaltung Italiens, bekämpft aber
auch, um Norditalien zu sichern, die Dalmatier und Pannonier, erobert
35 die Stadt Siscia an der Save.
+Antonius+, mit Octavians Schwester +Octavia+ vermählt, unternimmt 38
und 37 wenig erfolgreiche Züge gegen die +Parther+, schwelgt dann in
Ägypten am Hofe der +Kleopatra+, zieht 34 gegen +Armenien+ und führt
den König Artavasdes als Gefangenen in Alexandria im Triumph auf,
verschenkt endlich römische Provinzen an seine Kinder mit der Kleopatra
und schickt der Octavia den Scheidebrief. Octavian läßt in Rom durch
Volksbeschluß dem Antonius den Oberbefehl entziehen und an Kleopatra
den Krieg erklären.
[~31–30.~]
~Krieg zwischen Octavian und Antonius.~
Während Antonius und Kleopatra lange in +Ephĕsos, Samos, Athen+ und
+Patrae+ (in Achaja) verweilen, vollendet Octavian seine Rüstungen
und setzt das Landheer nach Epirus über; seine 250 Schiffe starke, von
+Agrippa+ geführte Flotte besiegt die an Zahl der Schiffe überlegene
Flotte des Antonius und der Kleopatra in der
[~31.~ (2. Sept.)]
~Seeschlacht bei Actium.~
Kleopatra flieht mit ihren Schiffen, ehe die Schlacht entschieden ist;
Antonius folgt ihr. Sein Landheer ergibt sich nach 7 Tagen dem Octavian
ohne Kampf.
[30.]
Octavian geht nach Asien, wo er sein 4. Konsulat antritt, kehrt zur
Beschwichtigung einer Meuterei der Veteranen auf kurze Zeit nach
Italien zurück, begabt sich dann wieder zu seinem Heere und führt es
durch +Syrien+ nach +Ägypten+. Antonius, von seinen Truppen verlassen,
tötet sich auf die falsche Nachricht vom Tode der Kleopatra. Diese
tötet sich bald darauf durch Gift, als sie sieht, daß Octavian sie nur
schont, um sie in Rom im Triumph aufzuführen. Octavian macht ~Ägypten
zur römischen Provinz,~ ordnet dann die Verhältnisse in Vorderasien und
kehrt 29 im Monat Sextilis (nachher ihm zu Ehren +Augustus+ genannt)
nach Rom zurück. Dreitägiger Triumph, der Janustempel geschlossen (vgl.
S. 72).
~Alleinherrschaft Octavians,~ in der von ~Cäsar~ begründeten Weise,
jedoch so, daß die +Dictatur+ ersetzt wird durch das von ihm
anfangs ständig bekleidete +Konsulat+, dann durch das +allgemeine
prokonsularische Imperium+. Das römische Reich, nach Beendigung der
Bürgerkriege im Frieden aufblühend, schützt noch mehrere Jahrhunderte
lang unter der Herrschaft der Kaiser die Kulturvölker des Altertums
gegen die Angriffe der Barbaren.
§ 10. Kunst und Literatur bei den Römern.
Die Anfänge nationaler Baukunst und Dichtung bei Etruskern und Latinern
entwickeln sich erst durch die Bekanntschaft mit griechischer Kultur
zu höherer Blüte. Griechischer Baustil erscheint in den Tempeln und
Säulenhallen, mit welchen Rom sich schmückte, als es zur Großstadt
heranwuchs. Griechische Statuen wurden nach Eroberung griechischer
Städte (Tarent 272, Syrakus 212, Korinth 146) zahlreich nach Rom
gebracht; seit 146 arbeiteten viele griechische Künstler in Rom. Drei
griechische Philosophen (+Karneades, Diogenes, Kritolaos+) 156 als
athenische Gesandte in Rom.
Anfänge der römischen Literatur: Gottesdienstliche Lieder der
+Salii+ (S. 73) und +Fratres arvales+, religiöse und geschichtliche
Aufzeichnungen der Priester (libri pontificum, fasti consulares
und triumphales), Erklärungen der Zwölf-Tafelgesetze (S. 78 f).
Volkstümliche Bühnendarstellungen werden zuerst 364 erwähnt als
Bestandteil der Festspiele (ludi scaenici). Griechische Tragödien und
Komödien in lateinischer Bearbeitung brachte +Livius Andronīcus+, ein
Grieche aus Tarent, seit 240 in Rom zur Aufführung, nach ihm +Cn.
Naevius+ aus Campanien, der auch nationale Stoffe dramatisch darstellte
(+fabulae praetextae+) und den ersten Punischen Krieg in einem Epos (in
saturnischen Versen) besang; ferner +Q. Ennius+ aus Rudiä in Calabrien
(† 169), der ebenfalls in einem Epos in Hexametern (+Annales+) die
Geschichte Roms bis auf seine Zeit darstellte, befreundet mit Scipio
Africanus maior. Erhalten sind die Bearbeitungen griechischer Komödien
von +T. Maccius Plautus+ († 184) und +P. Terentius+ († 159).
Die ältesten römischen Geschichtschreiber (Annalisten) schrieben
griechisch. Als erster Schriftsteller in lateinischer Prosa ist +M.
Porcius Cato+ († 149, +Origines+, +de re rustica+, Reden) zu nennen.
Besonders gepflegt wurde die Rechtsgelehrsamkeit (Sex. Aelius Catus,
Konsul 198, +Q. Mucius Scaevola augur+, Konsul 117, Lehrer Ciceros)
und die Beredsamkeit (+C. Gracchus+ † 121, +L. Licinius Crassus+ † 91,
+M. Antonius+ † 87, +Q. Hortensius+ † 50). Die nationalen Altertümer
erforschte +M. Terentius Varro+ (116–27, de lingua Latina, antiquitates
rerum humanarum et divinarum). Als Geschichtschreiber ragen hervor +C.
Iulius Cäsar+ († 44) und +C. Sallustius Crispus+ († 34). Den Reichtum
und die Schönheit der lateinischen Sprache entfaltet besonders +M.
Tullius Cicero+ († 43) als Redner und philosophischer Schriftsteller
(Tusculanae disputationes, de officiis u. a.). Als Dichter sind in
Ciceros Zeit zu nennen +T. Lucretius Carus+ († 55), Verfasser eines
philosophischen Lehrgedichts +de rerum natura+, und der Lyriker +C.
Valerius Catullus+ († 54).
§ 11. Kaiserzeit bis zum Untergang des weströmischen Reiches.
(Von ~31 vor~ Chr. bis ~476 nach~ Chr.)
[vor nach Chr. ~31–68.~]
~Das Julisch-claudische Herrscherhaus.~
[~31–14.~]
~Cäsar Octavianus Augustus.~
Der Beiname +Augustus+ (der +Erlauchte+, +Erhabene+), den ihm (27 vor
Chr.) der Senat erteilte, ist auf seine Nachfolger übergegangen und
ebenso wie +Princeps+, +Cäsar+, +Imperator+, zum Titel der römischen
Herrscher geworden.[28]
Augustus beschränkt den Senat auf 600 Mitglieder und knüpft die
Senatorwürde an einen hohen Census (1 Million Sest. = etwa 180000 M.).
Das +Konsulat+ bleibt bestehen, wird anfangs von Augustus ständig,
später von ihm und seinen Nachfolgern noch bisweilen bekleidet, gilt
aber nur als Ehrenamt und wird in seiner Dauer verkürzt, zuletzt
in der Regel auf 2 Monate. Auch die andern republikanischen Ämter
bleiben, doch mit beschränktem Geschäftskreis; die +Censur+ wird von
den Kaisern übernommen, wie sie schon Cäsar unter dem Titel Praefectus
morum ausgeübt hatte. Dem Senat bleibt ein gewisser Anteil an der
Herrschergewalt.
Die kaiserliche Herrschaft beruht auf dem Heerbefehl, der
tribunicischen Gewalt und der obersten Gerichtsgewalt. Seit dem Tode
des Lepidus (13) war Augustus auch Pontifex maximus. Einflußreiche
kaiserliche Beamte sind der +Praefectus urbi+ (Polizeipräsident) und
die beiden +Praefecti praetorio+ (Befehlshaber der aus 9 Kohorten
bestehenden kaiserlichen Garde). Einteilung Roms in 14, Italiens in
11 +regiones+. Einrichtung einer +Reichspost (cursus publicus)+ für
die von Staats wegen reisenden Beamten. Schutz der Provinzen gegen
die Übergriffe der Beamten. Fürsorge für die Armen. Ansiedelung
unbemittelter Bürger in Kolonien.
[27.]