Vettern und Miterben Adherbal und Hiempsal aus dem Besitz +Numidiens+
vertrieben und getötet. Der Krieg gegen ihn wird anfangs von
bestochenen Anführern nachlässig geführt; ein Sieg des Caecilius
Metellus (Numidicus) am Flusse +Muthul+ ist nicht entscheidend. +C.
Marius+, Unterfeldherr des Q. Caecilius Metellus, aus niederem Stande,
Sohn eines Bauern aus der Gegend von Arpinum, 107 zum Konsul erwählt,
nötigt Jugurtha, zum Könige Bocchus von +Mauretanien+ zu fliehen. Von
diesem erlangt der optimatische Quästor +L. Cornelius Sulla+ durch
geschickte Unterhandlungen die Auslieferung des Feindes. Jugurtha wird
in Rom im Triumph aufgeführt, dann im Gefängnis (Tullianum) getötet.
+Numidien+ wird zwischen +Bocchus+ und Jugurthas Halbbruder +Gauda+,
dem letzten noch lebenden Enkel Massinissas, geteilt.
[~113–101.~]
~Krieg gegen die Cimbern und Teutonen.~
Der +germanische+ Stamm der +Cimbern+, von Norden her aus der
+Chersonesus Cimbrica+ (Schleswig und Jütland) auswandernd, dringt
in die Alpengegenden ein, schlägt 113 bei +Noreja+ (in Kärnten) den
Konsul +Cn. Papirius Carbo+, wendet sich darauf nach Westen dem Rhein
zu, überschreitet diesen Strom und schlägt 109 in Gallien den Konsul
+M. Junius Silanus+. Große Niederlage zweier römischer Heere 105 bei
~Arausio~ (Orange) an der Rhone. Schrecken in Rom; die Volkspartei
setzt für 104 die Erwählung des ~Marius~ zum Konsul durch; er wird auch
in den folgenden Jahren wiedergewählt und rüstet sich, während die
Cimbern nach Spanien ziehen, in der Provinz +Gallia Narbonensis+ zur
Abwehr.
Die Cimbern, nach Gallien zurückgekehrt, vereinigen sich mit dem
gleichfalls germanischen Volke der ~Teutonen~ und mit +helvetischen+
(keltischen) Stämmen, namentlich den Tigurinern. Einbruch in Italien
beschlossen; die Cimbern und Tiguriner ziehen nach Kärnten, um von
Norden her die Alpen zu überschreiten; die Teutonen mit den Ambronen,
der Kernschar der Cimbern, ziehen durch die römische Provinz an
Marius’ Lager vorüber, um die Pässe der Westalpen zu erreichen.
[102.]
~Schlacht bei Aquae Sextiae~ (Aix in der Provence, s. S. 101); Marius
vernichtet in gewaltigem Kampfe die Teutonen und Ambronen. Dann zieht
er über die Alpen dem optimatischen Konsul +Q. Lutatius Catulus+ zu
Hilfe, der vor den Cimbern in die Gegend am oberen Po zurückgewichen
war.
[~101.~]
~Schlacht bei Vercellae~ (nördlich am oberen Po), Sieg der beiden
Konsuln; das Hauptverdienst gebührt Marius.
Man erwartet von ihm, daß er die Herrschaft der Optimaten stürze. Im
Jahre 100 zum sechsten Male Konsul, tritt er in Verbindung mit den
Führern der Volkspartei, dem Prätor +C. Servilius Glaucia+ und dem
Volkstribunen +L. Saturninus+, entzweit sich aber bald mit ihnen und
unterdrückt schließlich, der Aufforderung des Senats Folge leistend,
die von ihnen erregten Unruhen mit Waffengewalt, geht dann auf einige
Zeit nach der Provinz Asia.
[91.]
Zur Versöhnung der Parteien beantragt der Volkstribun ~M. Livius
Drusus~: 1. Rückgabe der Geschworenengerichte (S. 102) an den Senat,
der aber durch 300 Mitglieder des Ritterstandes vermehrt werden soll;
2. Ackerverteilung und ein neues Getreidegesetz. Heftige Erörterungen
darüber im Senat. Als er dann den Italikern die Erteilung des
Bürgerrechts in Aussicht stellt, gilt er wie C. Gracchus als Aufrührer
und wird durch Meuchelmord beseitigt. Die Italiker aber erheben sich
nun zum Kriege gegen Rom.
[~91–88.~]
~Marsischer oder Bundesgenossenkrieg.~
+Corfinium+ im Gebirgslande, östlich vom Fucinus-See, wird zur
Hauptstadt des neuen Staates bestimmt; dort soll ein Senat von 500
Mitgliedern aus allen italischen Stämmen tagen; zwei Konsuln treten an
die Spitze. Aber die Latiner, Etrusker und Umbrer halten zu Rom; es
kommt nicht zu großen Entscheidungskämpfen, da der Antrag des Konsuls
+L. Julius Caesar+, den treu gebliebenen Bundesgenossen das Bürgerrecht
zu verleihen, bald dahin erweitert wird, daß es allen Abgefallenen,
die sich binnen 60 Tagen melden, gewährt werden soll (+lex Plautia
Papiria+, von zwei Volkstribunen des Jahres 89 vorgeschlagen). Damit
wird die Bevölkerung Italiens zur Teilnahme an der Weltherrschaft
Roms zugelassen. Die nach Annahme dieser Anträge noch Widerstrebenden
werden von +Sulla+ und anderen Feldherrn nach und nach besiegt. Ein
auswärtiger Feind erhebt sich, und durch neuen inneren Hader kommt der
römische Staat in die größte Gefahr.
[~88–84.~]
~Erster Mithradatischer Krieg.~
Gleichzeitig ~Bürgerkrieg~ zwischen Optimaten und Volkspartei.
+Mithradates VI.+, König von +Pontus+ (S. 66), hatte seine Herrschaft
bis nach Kolchis und dem Kimmerischen Bosporus (Krim) ausgedehnt, den
König von Bithynien vertrieben und war dann in der römischen Provinz
+Asia+ als Befreier aufgetreten. Auf seinen in Ephesus erlassenen
Befehl werden alle in der Provinz sich aufhaltenden Italiker ermordet.
In Rom beantragt der Volkstribun +P. Sulpicius+ Verteilung der
Neubürger in alle 35 Tribus und Übertragung des Oberbefehls gegen
Mithradates an Marius. ~Sulla~, als Konsul des Jahres 88 entschlossen,
sich den Oberbefehl nicht entreißen zu lassen, führt seine 6 Legionen
von Nola aus ~gegen Rom~ und erstürmt die Stadt. Sulpicius auf der
Flucht getötet, Marius entkommt über Minturnae nach +Afrika+. Sulla
stellt die alte, um 241 abgeschaffte Stimmordnung der Servianischen
Verfassung für die Centuriatkomitien wieder her und bestimmt, daß
fortan in der Bürgerschaft über keinen Antrag ohne Vorbeschluß des
Senats abgestimmt werden darf.
[87.]
Nachdem Sulla zur Kriegführung gegen Mithradates abgereist ist,
beruft der aus der Volkspartei erwählte Konsul L. Cornelius +Cinna+
den flüchtigen Marius zurück und beginnt mit ihm eine revolutionäre
Schreckensherrschaft in Rom. Viele Optimaten werden getötet, ihr
Vermögen eingezogen. Marius, zum siebenten Male Konsul 86, stirbt zu
Anfang des Jahres; Cinna führt seine Willkürherrschaft weiter, wird 84
in Ancona getötet, als er die Flotte gegen Sulla führen will.
Mithradates’ Feldherr +Archelaos+ hat inzwischen einen großen Teil
Griechenlands zum Abfall von der römischen Herrschaft gebracht. Sulla
schlägt ihn in Böotien, nimmt 86 nach längerer Belagerung +Athen+ ein,
schlägt Mithradates’ Truppen nochmals bei +Chaironeia+ und 85 bei
+Orchomenos+, geht dann nach Asien hinüber.
[84.]
Friede mit Mithradates zu +Dardănos+ in Troas; er muß die besetzten
Gebiete (die Provinz +Asia+, die Königreiche +Bithynien+ und
+Paphlagonien+) räumen, alle Kriegsschiffe ausliefern und 3000 Talente
zahlen. Darauf wendet sich Sulla gegen das Heer der Volkspartei,
welches 86 nach Asien gekommen war, aber nichts ausgerichtet hatte;
die Soldaten fallen ihm zu, der Anführer C. Flavius Fimbria tötet sich
selbst.
[83.]
Sulla landet mit etwa 40000 Mann in +Brundisium+, sichert den
Bundesgenossen das volle Bürgerrecht zu, schlägt in mehreren Treffen,
unterstützt von dem jungen +Cn. Pompeius,+ der ihm ein Heer von
Freiwilligen zuführt, die Heere der Volkspartei.
[82.]
Sulla nimmt ~Rom~ ohne Widerstand ein, schlägt die +Samniten+,
welche noch immer das Bürgerrecht verschmähen, in einer Schlacht
am ~Kollinischen Tor~, verhängt über aufständische Städte ein
Strafgericht. In Rom verfügt er als ~Dictator~ blutige Verfolgung der
Marianischen Partei; es werden +Proskriptionslisten+ aufgestellt; die
Zahl der Geächteten steigt auf 4700. Ihre Güter werden eingezogen und
die Sklaven freigelassen, ihre Kinder von allen Ämtern ausgeschlossen.
Nach Beendigung des Bürgerkrieges folgen Landanweisungen an die
Veteranen des Heeres; in die besiegten italischen Städte (Faesulae,
Praeneste, Pompeii u. a.) werden ganze Kolonien geschickt. Seine
Unterfeldherrn besiegen die Marianer in Spanien, Sicilien und Afrika.
+Pompeius+, aus Afrika 81 zurückkehrend, zieht im Triumph in Rom ein
und wird von Sulla mit dem Beinamen +Magnus+ begrüßt.
~Gesetzgebung Sullas~ (+leges Corneliae+) zur Befestigung der
+Optimatenherrschaft+: 1. Der an Zahl sehr zusammengeschmolzene +Senat+
wird durch 300 von den Tributkomitien erwählte Mitglieder ergänzt; für
die Zukunft wird der Eintritt in den Senat gesetzlich an die Bekleidung
der +Quästur+ geknüpft. Die Zahl der jährlich von den Tributkomitien
zu erwählenden +Quästoren+ wird auf 20 erhöht. Das Amt der +Censur+
mit seiner Befugnis, alle fünf Jahre die Senatsliste neu aufzustellen,
hört tatsächlich auf. Die von C. Gracchus dem Ritterstande übertragenen
+Geschwornengerichte+ werden dem Senat zurückgegeben.
2. Die +Komitien+ behalten das Recht, Gesetze zu bestätigen und
Beamte zu wählen; den Priesterkollegien (S. 81) wird das Recht der
Selbstergänzung zurückgegeben. Die im J. 88 versuchte Wiederherstellung
der Servianischen Stimmordnung wird aufgegeben.
3. Das Recht der +Volkstribunen+, Gesetzvorschlage an die Komitien zu
bringen, wird an die Genehmigung des Senats geknüpft; Mißbrauch ihres
Einspruchsrechts wird mit schweren Geldbußen bedroht; wer das Tribunat
bekleidet, ist +zur Übernahme anderer Ämter unfähig.+
4. Die Zahl der +stehenden Gerichtshöfe+ (+quaestiones perpetuae+, S.
98) wird +vermehrt+, daran schließt sich die Vermehrung der +Prätoren+
auf 8 und eine umfassende Kriminalgesetzgebung.
[81.]
Sulla läßt Konsuln wählen, führt aber selbst als +Dictator+ die
Regierung weiter. Für das Jahr 80 läßt er sich selbst und seinen
Waffengenossen +Q. Metellus+ (Sohn des Numidicus, S. 103) zu Konsuln
erwählen, und bahnt so den Übergang zur verfassungsmäßigen Ordnung an.
[~79.~]
~Sulla legt freiwillig die Dictatur nieder~ und tritt ins Privatleben
zurück († 78).
§ 8. Pompeius und Cäsar.
Die Sullanische Staatsordnung gewinnt keinen festen Bestand, da
der Senat auf die Dauer nicht imstande ist, den Ehrgeiz einzelner
Machthaber zu zügeln.
+Pompeius+ bekämpft 77–72 in Spanien den Marianer +Q. Sertorius+,
der sich dort eine unabhängige Herrschaft gegründet hat, schließlich
aber durch Verschworene ermordet wird. Bei der Rückkehr 71 vernichtet
er flüchtige Scharen aufständischer +Sklaven+, die unter Führung des
Thrakers +Spartăcus+ seit 73 Italien stark beunruhigt hatten, aber von
+M. Licinius Crassus+ bereits besiegt worden waren (2. +Sklavenkrieg+,
s. S. 100).
[70.]
Umsturz der Sullanischen Verfassung. Die Konsuln ~Pompeius~ und
~Crassus~ stellen die von Sulla beschränkte +tribunicische Gewalt+
wieder her. Auf Antrag des Prätors +L. Aurelius Cotta+ werden die
+Gerichte+ fortan zu gleichen Teilen aus Senatoren, Rittern und Männern
des Bürgerstandes gebildet. Auch werden wieder +Censoren+ erwählt; bei
Aufstellung der Senatsliste werden 64 von Sulla ernannte Senatoren
ausgestoßen. Der Volksgunst verdankt +Pompeius+ zweimalige Übertragung
des Oberbefehls in den damals entstandenen Kriegen.
[~78–67.~]
~Krieg gegen die Seeräuber.~ Seit Zerstörung Karthagos war die römische
Kriegsflotte vernachlässigt. Erpressungen der Statthalter in Asien
trugen dazu bei, daß das Unwesen des Seeraubes den Handelsverkehr auf
dem ganzen Mittelmeer gefährdete. Die italischen Küstenstädte von ihnen
gebrandschatzt, eine römische Flotte vor Ostia geschlagen. +Kreta+
und +Cilicien+ Hauptsitze der Seeräuber. Nachdem im J. 103 ein Teil
Ciliciens zur Provinz gemacht war, besetzt der Prokonsul +P. Servilius
Vatia+ 78–75 auch die westlich angrenzenden Landschaften Pamphylien,
Pisidien, Isaurien und zerstört viele Seeräuberstädte, +Kreta+ wird
nach längeren Kämpfen 67 zur Provinz gemacht (bald mit +Cyrenaica+
vereinigt). Da indes das Piratenunwesen noch fortdauert, so erhält
[67.]
~Pompeius~ auf Antrag des Volkstribunen +A. Gabinius+ (+lex Gabinia+)
auf drei Jahre ~den unumschränkten Oberbefehl~ über das ganze
Mittelmeer und über alle Küsten desselben bis 10 Meilen (75 km)
landeinwärts; alle Staatskassen, alle Hilfsmittel der Provinzen und der
Schutzstaaten werden ihm zur unbedingten Verfügung gestellt. Pompeius
säubert mit 120000 Mann und 500 Schiffen in drei Monaten (durch 2
kurze Feldzüge) erst das westliche, dann das östliche Mittelmeer,
nimmt viele Seeräuber gefangen und siedelt sie meist landeinwärts an
(+Pompeiopolis+, bisher +Soloi+, in Cilicien).
[~74–64.~]
~Dritter Mithradatischer Krieg.~
Gegen den König von +Pontus+ hatte der Proprätor +L. Licinius Murena+
83–81 einen zweiten Krieg geführt, um ihn zu völliger Ausführung
des Friedens zu Dardanos zu zwingen. Nach Sullas Tode erhebt sich
+Mithradates+ von neuem, verbündet mit seinem Schwiegersohn +Tigranes+
von Armenien, der dem Reiche Syrien (S. 65) ein Ende macht. Mithradates
besetzt +Bithynien+, das König Nikomedes den Römern vermacht hatte (S.
66), wird aber von dem Prokonsul +L. Licinius Lucullus+ 72 bei +Kabira+
geschlagen und aus seinem Reiche vertrieben. Lucullus siegt 69 auch
über Tigranes bei +Tigranokerta+ und besetzt die Landschaft Kommagēne
am oberen Euphrat, wird aber 68 bei dem Zuge durch die armenischen
Berge gegen die Hauptstadt +Artaxăta+ durch Meuterei seiner Soldaten
zur Umkehr genötigt. Alle Erfolge gehen verloren; Mithradates kehrt in
sein Reich zurück. Lucullus vom Senat zurückgerufen.
[66.]
~Pompeius~ erhält den Oberbefehl in Asien auf Antrag des Tribunen
+C. Manilius+ (Ciceros Rede +de imperio Cn. Pompei+ oder +pro lege
Manilia+). Er schließt ein Bündnis mit den +Parthern+, besiegt
Mithradates in einer nächtlichen Schlacht am Flusse +Lykos+, verfolgt
ihn bis zum +Phasis+ und wendet sich dann nach Armenien. Bei +Artaxata+
unterwirft sich Tigranes; er bleibt König von Armenien, muß aber auf
alle Eroberungen verzichten und 6000 Talente Kriegskosten zahlen.
[65.]
Pompeius kämpft mit den kriegerischen Bergvölkern im +Kaukasus+, gibt
aber die weitere Verfolgung des nach der Taurischen Chersones (Krim)
geflüchteten Mithradates auf und zieht nach Pontus, von da nach Syrien.
[~64–63.~]
~Einrichtung des asiatischen Römerstaates durch Pompeius.~
Neue Provinzen: 1. ~Pontus~, bestehend aus Bithynien, der Küste
von Paphlagonien und dem westlichen Teil des früheren Reiches des
Mithradates. 2. ~Syria~, zunächst nur das Küstenland, vom Meerbusen
von Issus bis +Damaskus+, später bedeutend erweitert. Neugeordnet wird
die schon bestehende Provinz ~Cilicia~ (mit Pamphylien und Isaurien,
S. 107). Die asiatischen Provinzen sind vielfach durchbrochen und
umgeben von unabhängigen +Stadtgebieten+, sowie von fürstlichen und
priesterlichen (Pessinūs, Komana) +Herrschaften+ unter römischer
Oberhoheit. Von den Vasallenkönigen sind die bedeutendsten der König
von +Kappadokien+ und der König +Deiotărus+ von Galatien (S. 66). In
Palästina setzt Pompeius nach Einnahme Jerusalems und des Tempels den
von seinem Bruder Aristobulos vertriebenen Makkabäer +Hyrkanos+ als
Hohenpriester und dem römischen Volke tributpflichtigen Herrscher ein.
[63.]
Auf die Nachricht, daß +Mithradates+ sich in +Pantikapaion+ infolge
des Aufstandes seines Sohnes +Pharnăces+ den Tod gegeben, zieht
Pompeius wieder nach Pontus; er bestätigt den Pharnăces im Besitz des
bosporanischen Reiches.
[61.]
Pompeius, nach Italien zurückgekehrt, entläßt in Brundisium sein Heer
und kommt als Privatmann nach Rom. Einige Monate später zweitägiger
prachtvoller Triumph.
[~66–63.~]
~Catilinarische Verschwörung.~
Bund der +Volkspartei+ mit den Anhängern des verschuldeten Patriziers
~L. Sergius Catilina~, welche durch gewaltsamen Umsturz des Staates und
Schuldentilgung +(tabulae novae+) Besitz und Macht zu erlangen hoffen.
Die erste Verschwörung im J. 66, nach welcher die Konsuln des J. 65
ermordet, darauf +Crassus+ (S. 107) zum Dictator, +C. Julius Cäsar+[26]
zum magister equitum erhoben werden sollen, kommt wegen Unschlüssigkeit
einiger Teilnehmer und sonstiger Hindernisse nicht zur Ausführung. Für
das Jahr ~63~ soll die Erwählung des +Catilina+ und des +C. Antonius+
zu Konsuln durchgesetzt werden, aber nur der letztere wird gewählt;
sein Amtsgenosse wird der als Redner und Anwalt beliebte, bisher keiner
Partei vollständig angehörige ~M. Tullius Cicero~.[27] Dieser sichert
dem verschuldeten Antonius durch eigene Verzichtleistung im voraus die
einträgliche Statthalterschaft +Makedonien+ zu und macht ihn dadurch
den Verschworenen abwendig.
Cicero verhindert während seines Konsulates mehrere Anträge der
Volkspartei, namentlich ein weitgehendes Ackergesetz, überwacht die
Anschläge der Verschwörung und vereitelt den Versuch Catilinas, bei
der Konsulwahl für 62 die Mitbewerber und ihn selbst, den die Wahl
leitenden Konsul, zu ermorden. Der Senat, von der Bildung eines
aufständischen Heeres unter G. Manlius in +Etrurien+ unterrichtet,
erteilt den Konsuln Vollmacht zur Rettung des Staates (S. 99).
Catilinas Plan, Cicero in seinem Hause ermorden zu lassen, wird
ebenfalls verraten und mißlingt. ~Cicero enthüllt die Verschwörung~ in
der Senatssitzung am 8. Nov. 63 (erste Catilinarische Rede); Catilina
verläßt darauf die Stadt und geht zu dem Heere nach Etrurien. Seine
Mitverschworenen, der Prätor +Lentulus+, +Cethegus+, +Gabinius+ u. a.,
lassen sich mit den Gesandten der Allobreger (in der provincia
Narbonensis) in Verhandlungen ein; diese werden bei der Abreise von Rom
angehalten; auf Grund der bei ihnen gefundenen schriftlichen Beweise
wird am 5. Dez. im Senat über die Verschworenen Gericht gehalten. Der
Senat beschließt trotz +Cäsars+ Gegenrede, durch +Cicero+ (vierte
Catilinarische Rede) und +M. Porcius Cato+ (Urenkel des M. Porcius Cato
Censorius) bestimmt, die fünf Verhafteten hinrichten zu lassen; das
Urteil wird am Abend des 5. Dez. im Tullinanum vollzogen. Cicero vom
Volke als +pater patriae+ begrüßt.
Mit der Kriegführung gegen das Catilinarische Heer wird der Konsul +C.
Antonius+ beauftragt. Dessen Legat +M. Petreius+ schlägt den Catilina
bei ~Pistoria~ (~62~). Catilina und 3000 seiner Anhänger fallen.
[61.]
~Cäsar~ gewinnt seinen ersten Kriegsruhm als Proprätor in der Provinz
+Hispania ulterior+, verzichtet aber nach seiner Rückkehr (60) auf den
Triumph, um als Bewerber um das Konsulat auftreten zu können.
Die Weigerung des Senats, die von ~Pompeius~ beantragte Ackerverteilung
an seine Veteranen zu bewilligen und seine in Asien getroffenen
Anordnungen zu bestätigen, führt einen vollständigen Bruch zwischen
Pompeius und den Optimaten herbei. Die drei mächtigsten Männer Roms
verbinden sich zu gegenseitiger Unterstützung:
[~60~.]
~Das erste Triumvirat~, +Pompeius+, +Cäsar+ und +Crassus+.
[~59~.]
~Cäsar Konsul~, bringt die von Pompeius gewünschten Anträge an die
Komitien: sie werden trotz des Widerstandes, den der andere Konsul +M.
Calpurnius Bibulus+ leistet, vom Volke angenommen. Die Freundschaft
zwischen ~Cäsar~ und ~Pompeius~ wird durch Vermählung des lezteren mit
Cäsars Tochter +Julia+ befestigt.
Auf Antrag des Tribunen P. Vatinius erhält Cäsar durch Volksbeschluß
die Statthalterschaft von +Gallia cisalpina+ und +Illyricum auf 5
Jahre+; auf Pompeius’ Antrag fügt der bestürzte Senat noch ~Gallia
Narbonensis~ (S. 101) hinzu. Die Ausführung des Ackergesetzes wird
einer Kommission übertragen, an deren Spitze +Pompeius+ und +Crassus+
stehen. Ehe Cäsar in seine Provinzen abgeht, wird
[58.]
~Catos~ und ~Ciceros~ Entfernung aus Rom auf Cäsars Betreiben
durchgesetzt von dem durch Adoption aus einem Patrizier zum Plebejer
gemachten Volkstribunen ~P. Clodius~, Nachkommen des App. Claudius
Caecus. Cato wird durch Volksbeschluß beauftragt, die den Römern
durch Testament des Königs von Ägypten zugewiesene Insel +Cypern+ zu
übernehmen. +Cicero+ wird +geächtet+, weil er römische Bürger ohne
gerichtliches Urteil habe hinrichten lassen; er geht nach Thessalonike
in Makedonien.
[~58–51.~]
~Eroberung Galliens durch Cäsar.~
Gallien bewohnt von +keltischen+ Stämmen, die sich zu Gauverbänden
vereinigt haben (im N. die +Belger+, im S. die +Aquitaner+, in der
Mitte die +Äduer+, +Arverner+, +Sequaner+ mit ihren Genossen). Zur
Ausgleichung der Streitigkeiten jährliche Landtage im Gebiet der
+Carnuten+ unter Leitung der Priester (+Druiden+). Die Arverner und
Sequaner aber haben im Streit mit den Äduern +germanische+ Stämme,
+Sueben+ unter dem König +Ariovist+, herbeigerufen und ihnen Land
abtreten müssen. Cäsar schützt, indem er zunächst für die Sicherheit
der römischen Provinz sorgt, die Gallier in ihren Wohnsitzen.
[58.]
Cäsar siegt über die in Gallien einbrechenden ~Helvetier~ bei
+Bibracte+ (unweit Autun), dann über den Germanenfürsten ~Ariovist~
nordöstlich von +Vesontio+ (Besançon), in der Gegend von +Mülhausen+ im
Elsaß.
[57.]
Unterwerfung der meisten +belgischen+ Volksstämme nach einem schwer
errungenen Siege über die +Nervier+ am Flusse +Sabis+ (Sambre). Im
Süden vergeblicher Versuch, durch Besetzung von +Octodurus+ (Martigny
in Wallis) den Alpenübergang über den Paß des +Großen St. Bernhard+ zu
sichern.
[56.]
Unterwerfung der Seestaaten, namentlich der +Venĕter+, in +Arĕmorĭca+
(Bretagne und Normandie) durch schwere Kämpfe Cäsars zu Lande und zur
See. Im Süden unterwirft der Legat +P. Crassus+, Sohn des Triumvirs,
die +Aquitaner+.
[55.]
Cäsar treibt die germanischen Stämme der +Usipĕter+ und +Tenktĕrer+
über den Rhein zurück. Übergang über den Strom auf einer Pfahlbrücke
(in der Gegend von Neuwied). Rückkehr nach 18tägigem Verweilen auf dem
rechten Ufer.
Erste Überfahrt nach +Britannien+ mit 2 Legionen, Landung nordöstlich
von +Dover+, doch baldige Rückkehr. Cäsars Legaten unterwerfen die
nördlichsten gallischen Küstenvölker, die +Morĭner+ und +Menapier+.
[54.]
Zweite Überfahrt nach +Britannien+ mit 5 Legionen. Der Äduer
+Dumnorix+, der die Mitfahrt verweigert, wird getötet. Cäsar landet,
dringt in das Innere vor, überschreitet die Themse, kämpft glücklich
gegen die britischen Kelten unter +Cassivellaunus+. Unterdessen Angriff
auf sein Schiffslager; er kehrt zurück, nachdem Cassivellaunus sich
unterworfen und Geiseln gestellt hat.
Im Winter Aufstand mehrerer gallischer Völkerschaften, veranlaßt von
dem Trevĕrer +Indutiomārus+. Die +Eburonen+ unter Ambiorix vernichten
15 römische Kohorten (unter +Sabinus+ und +Cotta+) bei Aduatŭca und
bestürmen mit den Nerviern das Winterlager des Legaten +Q. Tullius
Cicero+ (Bruder des Redners), der tapfer standhält und von Cäsar
befreit wird. Indutiomārus fällt bei einem Angriff auf das Winterlager
des +T. Labienus+.
[53.]
Labienus unterwirft die Trevĕrer, Cäsar überschreitet zum zweiten Male
den +Rhein+, um die Sueben abzuwehren. Nach der Rückkehr Strafgericht
über die Eburonen.
[52.]
Allgemeiner Aufstand der Gallier unter dem Arverner ~Vercingetŏrix~.
Cäsar erobert +Cenăbum+ (Orléans) und +Avarĭcum+ (Bourges), entsendet
den Legaten T. Labienus zur Besetzung von +Lutetia Parisiorum+ (Paris),
belagert aber vergeblich +Gergovia+ (in der Nähe von Clermont in der
Auvergne). Aufstand der bisher ihm treu ergebenen +Äduer+. Cäsar
vereinigt sich wieder mit Labienus, schließt Vercingetorix in +Alesia+
(Alise Sainte-Reine nordwestlich von Dijon) ein. Harter Kampf gegen
ein großes, aus allen Teilen Galliens zusammengebrachtes Entsatzheer,
welches zurückgeschlagen wird. Vercingetorix muß sich ergeben (6 Jahre
später in Rom hingerichtet). Bestrafung der Aufständischen.
[51.]
Vollendung der Unterwerfung des transalpinischen Galliens, welches
Cäsar mit 10 über das ganze Land verteilten Legionen im Gehorsam erhält.
~Ergebnisse und weltgeschichtliche Bedeutung der achtjährigen Kämpfe
Cäsars:~ 1. Das römische Reich wird durch die Unterwerfung des großen
+Kelten+landes erweitert und gegen Angriffe der nordischen Völker
gesichert. 2. Die Ausbreitung des römischen Handels (Massilia) und
der griechisch-römischen Kultur über West- und Mitteleuropa wird
durch Erschließung +Galliens, Britanniens+ und +Germaniens+ wesentlich
gefördert. 3. Cäsar gewinnt ein ihm ergebenes, kriegsgeübtes Heer, um
die notwendig gewordene Umgestaltung der römischen Republik in eine
Monarchie durchzuführen.
Während diese großartigen Erfolge Cäsars den alten Kriegsruhm des
Pompeius in Schatten stellen, bemüht sich dieser vergebens, in Rom die
von +P. Clodius+ erregten Unruhen der Volkspartei zu unterdrücken. Doch
wird im J. 57 die Zurückberufung Ciceros durchgesetzt, und die beiden
Tribunen +T. Annius Milo+ und +P. Sestius+ treten mit bewaffneten
Anhängern den Scharen des in Cäsars Diensten stehenden Clodius entgegen.
[~56.~]