(das Lager in Brand gesteckt) und bedroht Karthago. +Syphax+ wird in
der Nähe seiner Hauptstadt +Cirta+ (Constantine) von einer römischen
Heeresabteilung unter +C. Laelius+ und den numidischen Reitern unter
+Massinissa+ besiegt und gefangen. Friedensunterhandlungen ohne
Ergebnis. Die Karthager rufen +Hannibal+ und +Mago+ nach Afrika zurück;
Mago stirbt auf der Überfahrt. Hannibal schifft sich in +Kroton+ ein,
nachdem er die italischen Soldaten, die ihm nicht folgen wollen, hat
niedermachen lassen, und landet bei Leptis. Nach einer fruchtlosen
persönlichen Unterhandlung zwischen Scipio und Hannibal kommt es zur
[~202.~]
~Entscheidungsschlacht bei Zama~,
in der das karthagische Heer geschlagen und vernichtet wird. Hannibal
flüchtet nach +Hadrumētum+.
[~201.~]
Scipio gewährt den Karthagern ~Frieden~ unter folgenden Bedingungen: 1.
Abtretung der spanischen Besitzungen und der Inseln des Mittelmeeres.
2. Übergabe des numidischen Reiches an +Massinissa+. 3. Zahlung eines
+jährlichen+ Tributs von 200 Talenten (etwa 1 Mill. Mark) +fünfzig+
Jahre lang. 4. Auslieferung und Verbrennung aller Kriegsschiffe bis
auf 10. 5. Verbot, ohne Erlaubnis der Römer irgendwo Krieg zu führen.
-- +P. Cornelius Scipio+, der den Beinamen ~Africanus~ erhält, feiert
in Rom einen glänzenden Triumph (+Syphax+).
Die italischen Bundesgenossen Hannibals werden zu bedeutenden
Gebietsabtretungen verurteilt: in diesen Gebieten werden +Kolonien+
gegründet (+Puteoli+, +Salernum+, +Croton+, +Vibo+); das Gebiet von
+Capua+ bleibt ager publicus. Nach einer nochmaligen Erhebung der
cisalpinischen Gallier und der Ligurer wird
[200–191.]
~Ober-Italien~ nach schwerem Kampfe ~wieder unterworfen~.
Wiederherstellung der Kolonien +Placentia+, +Cremona+, +Mutina+;
~Via Aemilia~ von Ariminum bis Placentia; Kolonie +Aquileia+ an der
Nordostgrenze.
~Folgen des zweiten Punischen Krieges~: 1. Durch den glücklichen
Ausgang des Kampfes, bei welchem der Bestand des römischen Staats
gefährdet war, ist die nationale Einigung und Unabhängigkeit Italiens
unter Roms Herrschaft sichergestellt. 2. Rom gewinnt außeritalische
+Provinzen+ und beschreitet, durch keinen ebenbürtigen Gegner mehr
gehindert, die Bahn zur +Weltherrschaft+.
§ 5. Ausbreitung der römischen Herrschaft.
In ~Spanien~ werden 197 ~zwei Provinzen~ eingerichtet: +Hispania
citerior+ (Tarraconensis) und +Hispania ulterior+ (Baetica). Doch
bedarf es noch oft wiederholter Feldzüge (195 der Konsul +M. Porcius
Cato+), um die römische Herrschaft zu befestigen.
Durch Unterwerfung der griechischen Länder des Ostens entsteht ein
mächtiges, zweisprachiges Reich, welches die +Mittelmeer+länder zu
einer großen Einheit zusammenschließt.
[~200–197.~]
~Zweiter Makedonischer Krieg.~
~Veranlassung~: Makedonische Söldner hatten bei Zama gegen die Römer
gekämpft. Außerdem bitten König +Attălos+ von +Pergămon+ und die Städte
+Rhodos+ und +Athen+ die Römer um Hilfe gegen Philipp, der im Bunde mit
Antiochos III. von Syrien Ägypten bekriegt und auch sie schwer bedrängt.
Zwei römische Legionen unter +P. Sulpicius Galba+ landen in Illyrien
bei +Apollonia+. Die römische Flotte schützt den Peiraieus und
bedroht Euböa. Philipp, vor Athen zurückgeschlagen, wird gezwungen,
Mittel-Griechenland zu verlassen. Erfolglose Kriegführung der Römer
in +Illyrien+; die Flotte versucht vergebens eine Landung auf der
Halbinsel +Chalkidike+. Aber der Konsul ~T. Quinctius Flamininus~
(198) gewinnt, nach Umgehung der festen Stellung Philipps, Epirus,
besetzt dann Phokis und Böotien und siegt endlich in der
[~197.~]
~Schlacht bei Kynoskephălae~ in Thessalien.
~Friede~: Philipp muß die Hegemonie über Griechenland sowie überhaupt
alle Besitzungen außerhalb des eigentlichen Makedoniens aufgeben und
in 10 Jahren 1000 Talente zahlen; ferner darf er nur 5000 Soldaten und
5 Kriegsschiffe halten und nur mit römischer Erlaubnis Krieg führen.
-- Bei den Isthmischen Spielen läßt +Flamininus+ den Senatsbeschluß
verkünden, welcher die bisher Philipp untertänigen ~griechischen
Staaten für frei~ erklärt. Die meisten treten in den Achäischen Bund;
die Römer beschränken die Herrschaft des Tyrannen +Nabis+ von Sparta,
lassen sie aber als Gegengewicht gegen den Achäischen Bund bestehen (s.
S. 69).
[195.]
Die oligarchische Partei in ~Karthago~, wo auf Hannibals Anregung eine
demokratische Reform der Verfassung stattgefunden hat, verdächtigt
diesen beim römischen Senat, der seine Auslieferung verlangt. Hannibal
flüchtet nach Tyrus, von da zum König Antiochos.
[~192–189.~]
~Krieg mit Antiochos III. von Syrien.~
Antiochos, herbeigerufen von den mit Roms Schutzherrschaft
unzufriedenen +Ätōlern+, eröffnet den Krieg mit einer Landung in
Thessalien. Von da geht er nach Euböa. Die meisten Griechen, namentlich
der +Achäische+ Bund, bleiben den Römern treu, mit denen sich auch
+Philipp von Makedonien, Eumĕnes von Pergamon+ und +Rhodos+ verbinden.
Landung des Konsuls M’. Acilius Glabrio in Epirus und Marsch nach
Thessalien.
[191.]
~Schlacht bei Thermopylae.~ Der Konsular und Besieger der Spanier,
+M. Porcius Cato,+ welcher als Kriegstribun im römischen Heere dient,
überrumpelt die Ätoler auf dem Bergpfade des Ephialtes (S. 40), der
Konsul +Acilius+ nimmt den Hauptpaß und zersprengt das Heer des
Antiochos, der mit wenigen Truppen nach +Chalkis+ entkommt und sich
dort nach +Ephĕsus+ einschifft.
[190.]
Eine +rhodische+ Flotte besiegt die von +Hannibal+ geführte Flotte des
Königs an der Mündung des +Eurymedon+ (s. S. 43), die römische Flotte
siegt am Vorgebirge +Myonnesos+ unweit Ephesus. Das römische Landheer
unter +L. Cornelius Scipio,+ welchen sein Bruder +Scipio Africanus+ als
Legat begleitet, marschiert durch Makedonien und Thrakien, setzt über
den Hellespont und schlägt den Antiochos bei ~Magnesia~ am Sipy̆los,
nicht weit von Smyrna.
[189.]
Friedensschluß: Antiochos tritt +Kleinasien+ bis zum Taurusgebirge ab,
zahlt in zwölf Jahren 15000 Talente (über 70 Mill. Mark) Kriegskosten,
liefert seine Kriegsschiffe bis auf zehn aus. +Hannibal+ entflieht nach
Bithynien zum Könige Prusias, tötet sich dort 183 durch Gift.
In Rom glänzender Triumph des +L. Cornelius Scipio+, der den
Beinamen +Asiaticus+ annimmt. Der Senat beschließt, vor der Hand
keine unmittelbaren Besitzungen in Asien zu erwerben, verteilt die
abgetretenen Länder an die Bundesgenossen, namentlich an +Eumĕnes+
von Pergamon und die +Rhodier+, und nimmt die griechischen Städte
Asiens in Schutz gegen die +Galăter+ (189 Zug des Konsuls +Cn.
Manlius Volso+ von Ephĕsus aus). In Griechenland werden die +Ätōler+
besiegt und unterworfen, die übrigen Staaten behalten vorläufig ihre
Selbständigkeit. Die inneren Zwistigkeiten dauern unter den Griechen
fort, der römische Senat wird als Schiedsrichter angerufen,
[186.]
Senatus consultum +de bacchanalibus+ gegen die Ausartung griechischer
Götterdienste.
[184.]
~M. Porcius Cato~ (234–149) strenger Censor in Rom, bekämpft als
Vertreter altrömischer Sittenstrenge die zugleich mit der griechischen
Bildung sich ausbreitenden Laster der Nobilität (+ambitio, avaritia,
luxuria+), erbaut nach griechischem Vorbilde die erste Säulenhalle am
Forum, Basilica Porcia. +P. Cornelius Scipio Africanus+, mit seinem
Bruder L. Scipio von zwei Volkstribunen angeklagt wegen willkürlicher
Verwendung der von Antiochos gezahlten Gelder, schlägt durch sein
Ansehen den Prozeß nieder, verläßt dann Rom und stirbt 183 auf seinem
Landgute zu Liternum in Campanien.
[180.]
~Lex Villia annalis~, beantragt von dem Tribunen +L. Villius,+ zur
Beschränkung der Ämtersucht (ambitio). Sie setzt ein bestimmtes Alter
für die kurulischen Ämter fest: nach zehnjährigem Kriegsdienst Ädilität
im 37. Lebensjahre, Prätur im 40., Konsulat im 43. Von der Bewerbung
um die Ädilität waren Unvermögende schon dadurch ausgeschlossen, daß
die Kosten für die +öffentlichen Spiele+ (ludi Romani, ludi plebei,
Megalesia, Cerealia, Floralia) größtenteils von den Ädilen selbst
getragen wurden.
[~171–168.~]
~Dritter Makedonischer Krieg.~
Philipps V. Sohn ~Perseus~ will Makedoniens Macht über Griechenland
herstellen; König Eumĕnes von Pergamon verklagt ihn in Rom. Die
römische Kriegführung in Thessalien anfangs erfolglos, so daß unter den
Griechen sich Neigung zum Abfall zeigt; dann aber dringt ~L. Aemilius
Paullus~, Sohn des bei Cannae gefallenen Konsuls, nachdem er die
Mannszucht im Heere hergestellt hat, in Makedonien ein und gewinnt die
entscheidende
[~168.~]
~Schlacht bei Pydna.~
Perseus entflieht zu Schiff, ergibt sich dann auf der Insel Samothrake
den Römern. Glänzender Triumph des Aemilius Paullus. Die nach Rom
gebrachte Beute ist so bedeutend, daß fortan den Bürgern das +Tributum+
(s. S. 75) erlassen werden kann.
~Makedonien~ wird noch nicht zur Provinz gemacht, sondern in 4 von
Rom abhängige Bezirke aufgelöst, die untereinander weder +commercium+
noch +conubium+ haben; ebenso +Illyrien+ nach Besiegung des Königs
+Genthios+, eines Bundesgenossen des Perseus, in 3 Bezirke. Über
+Epirus+ wird ein grausames Strafgericht verhängt (70 Städte zerstört,
die Einwohner als Sklaven verkauft); die +griechischen Staaten+ werden
in das Verhältnis der Untertänigkeit herabgedrückt. 1000 vornehme
Achäer werden zur Untersuchung nach Rom geführt (unter ihnen der
Geschichtschreiber +Polybios+) und dann 16 Jahre in italischen Städten
in Gewahrsam gehalten. Die alten Bundesgenossen der Römer, Eumĕnes
von ~Pergamon~ und die ~Rhodier~, welche im Kriege eine vermittelnde
Stellung hatten einnehmen wollen, werden gedemütigt und den letzteren
ihre Besitzungen auf dem Festlande abgenommen. In einem zwischen
~Syrien~ und ~Ägypten~ ausgebrochenen Kriege schreitet der Senat zum
Schutze der Ptolemäer ein. Der römische Gesandte +C. Popillius Laenas+
(168) befiehlt dem König +Antiochus IV.+ von Syrien vor Alexandrīa in
herrischer Weise den Rückzug.
[~149–146.~]
~Dritter Punischer Krieg.~
~Veranlassung~: Streitigkeiten der Karthager mit König +Massinissa+,
der ihr Gebiet schmälert; sie bekämpfen ihn ohne römische Erlaubnis.
Der Senat beschließt Krieg auf Betreiben des greisen +M. Porcius Cato+:
Ceterum censeo Carthaginem esse delendam († 149).
Zwei konsularische Heere landen bei +Utĭca+; die Karthager unterwerfen
sich, liefern Schiffe und Waffen aus. Als aber gefordert wird, daß sie
ihre Stadt verlassen und sich 2 Meilen vom Meere neu anbauen sollen,
entschließen sie sich zu verzweifeltem Widerstande. Mit äußerster
Anstrengung aller Bewohner Karthagos wird eine neue Kriegsrüstung
zustande gebracht, Tag und Nacht werden Waffen geschmiedet, im
inneren Hafen wird eine neue Flotte gebaut. Ein Sturm der Römer wird
zurückgeschlagen. Belagerung Karthagos.
[147.]
~P. Cornelius Scipio Aemilianus,~ Sohn des L. Aemilius Paullus, durch
Adoption Enkel des Scipio Africanus[24] erhält den Oberbefehl. Er
schließt die Stadt von der Land- und Seeseite vollständig ein.
[~146.~]
~Einnahme und Zerstörung Karthagos.~
Sechstägiger Straßenkampf und 17tägiger Brand. Die überlebenden
Einwohner werden als Sklaven verkauft.
Das Land vom +Tusca+fluß, gegenüber der Insel +Galatha+, bis zur
kleinen Syrte wird unter dem Namen ~Africa~ römische Provinz
(Hauptstadt +Utĭca+). Das übrige Land kommt an das verbündete
Königreich +Numidien+. Glänzender Triumph Scipios, der den Beinamen
+Africanus+ (minor) erhält.
[146.]
~Makedonien wird römische Provinz~
nach Besiegung des +Andriskos+, der sich für einen Sohn des Perseus
ausgibt, durch +Q. Caecilius Metellus.+
[140.]
~Einnahme und Zerstörung von Korinth~
nach einem kurzen Kriege des Achäischen Bundes gegen die Römer. Der
Konsul +L. Mummius+ siegt bei +Leukopetra+, besetzt Korinth und
zerstört es auf Befehl des Senats. Die Kunstschätze werden nach Rom
geschickt, sämtliche Einwohner als Sklaven verkauft. Das Gebiet der
Stadt wird teils an +Sikyon+ gegeben, teils für römisches Gemeindeland
erklärt.
Die anderen griechischen Städte werden im allgemeinen mit Milde
behandelt, doch sind sie dem in +Thessalonike+ residierenden
+Statthalter von Makedonien+ untergeordnet (s. S. 69).
Die ersten ~vier Provinzen~ (+Sicilia+, +Sardinia+ nebst +Corsica+,
+Hispania citerior+ und +ulterior+) wurden anfänglich von ~Prätoren~
verwaltet, so daß es mit dem +Praetor urbanus+ und dem +Praetor inter
peregrinos+ (seit 241), welche stets in Rom blieben, ~6~ jährlich
erwählte Prätoren gab. Später wird es üblich, daß alle Prätoren während
des Amtsjahres in Rom bleiben als Vorsitzende der aus Senatoren
gebildeten +Gerichtshöfe+ (+quaestiones perpetuae+). Im +nächsten+
Jahre gehen dann die Prätoren als ~Proprätoren~, begleitet von
+Quästoren+ als Finanzbeamten, in die ihnen durch das Los zugefallenen
Provinzen; doch werden in solche Provinzen, wo noch Krieg zu führen
ist, in der Regel die +Prokonsuln+ gesandt. Neben der Verwaltung steht
den Prokonsuln und Proprätoren die höchste Militär- und Justizgewalt zu.
[149.]
Einsetzung des Gerichtshofs über Erpressungen (+de repetundis+) zur
Abstellung der aus den Provinzen kommenden Klagen.
Im Jahre 146 bestanden ~acht Provinzen~, außer den vier oben genannten
noch +Gallia cisalpina+, +Illyricum+, +Africa+, +Macedonia+. Die
Einrichtung einer Provinz wird in der Regel von dem erobernden
Feldherrn und einer Kommission von 10 Senatoren vorgenommen. Die
Provinzen sind im Gegensatz zu Italien +steuerpflichtige+ Gebiete.
Doch behalten einige Städte auf Grund eines Vertrages (+civitates
foederatae+), andere auf Grund eines Senats- oder Volksbeschlusses
(+civitates liberae et immunes+) Steuerfreiheit, eigene Gerichtsbarkeit
und Verwaltung durch selbstgewählte Behörden (divide et impera!).[25]
Die Abgaben der Provinz [Grundsteuer (tributum); Pacht- und Weidegelder
von Staatsländereien (vectigal, scriptura); Hafenzölle (portoria)]
werden an ~Abgabenpächter (publicani)~ verpachtet, meist Gesellschaften
von römischen Bürgern aus dem Ritterstande (+ordo equester+, S. 102),
von denen viele auch als Bankiers (+negotiatores+) und Großkaufleute
(+mercatores+) in der Provinz Handelsgeschäfte trieben. Dem Amtsadel
(+ordo senatorius+) waren Geld und Handelsgeschäfte untersagt; er legte
sein Geld in Ländereien an, die durch Sklaven bearbeitet wurden.
In Italien bleibt der Gegensatz zwischen +römischen Bürgern+ und
+Bundesgenossen+; die Municipien (S. 86) erhalten nach und nach
römisches Bürgerrecht. Die Herrschaft der ~Nobilität~ mit ihrem
regelmäßigen Ämterwechsel ist so befestigt, daß Ernennung von
+Dictatoren+ lange Zeit nicht mehr vorkommt. Seit 153 v. Chr. treten
die Konsuln ihr Amt stets am 1. Januar an (früher am 1. März). In
Zeiten der Gefahr überträgt der Senat ihnen diktatorische Gewalt durch
den Beschluß: +Videant consules, ne quid detrimenti respublica capiat+.
Zunehmende Verweichlichung und Genußsucht in Rom seit dem Ende des
zweiten Punischen Krieges. Beginn des Großkapitalismus und der
Latifundienwirtschaft. Vergebliche Bestrebungen von Männern wie M.
Porcius Cato Censorius (234–149).
§ 6. Bürgerliche Unruhen.
[~153–133.~]
~Unterwerfung Spaniens.~
Wiederholte Einfälle der freien +Lusitaner+ (in Portugal) in die
südliche Provinz. Ihr Feldherr +Viriāthus+, in mehreren Schlachten
siegreich, wird 139 durch Verräter aus seiner Umgebung ermordet. In der
nördlichen Provinz ist die Stadt ~Numantia~ (unweit +Soria+ am oberen
+Duero+) Mittelpunkt des Widerstandes. Endlich erhält den Oberbefehl
+P. Cornelius Scipio Aemilianus Africanus+ (minor), der die Mannszucht
im Heere wiederherstellt und nach 15monatiger Einschließung die Stadt
aushungert. Verzweifelte Verteidigung.
[~133.~]
~Übergabe und Zerstörung von Numantia.~
Scipios Beiname Numantinus. Seit dem Fall von Numantia ist ganz
Spanien, mit Ausnahme der nördlichen Bergvölker, der römischen
Herrschaft unterworfen.
[135–132.]
~Erster Sklavenkrieg.~
Aufstand der mißhandelten Sklaven in Sicilien unter dem Syrer +Eunūs+,
der sich König +Antiochos+ nennt, glücklich gegen mehrere römische
Heere kämpft, endlich aber gefangen und mit einer großen Anzahl
Aufständischer hingerichtet wird.
[~133–121.~]
~Gracchische Unruhen,~
hervorgerufen durch die auf gewaltsame Weise betriebenen politischen
und sozialen +Reformen+ der Brüder +Tiberius+ und +Gaius Sempronius
Gracchus.+
Fortwährende Vermehrung der großen, durch Sklaven bewirtschafteten
Güter (+Latifundia+). Billiges Getreide aus den Provinzen. Dadurch
schmilzt der freie Bauernstand zusammen; viele arme Bürger ziehen
nach Rom, gelockt durch die Aussicht auf Getreidespenden und
Wahlbestechungen. Deshalb stellt
[~133.~]
~Tib. Sempronius Gracchus,~ durch seine Mutter +Cornelia+ Enkel des
Siegers von Zama, als Volkstribun den Antrag auf Erneuerung des in
Vergessenheit geratenen ~Licinischen Ackergesetzes~ (S. 81), doch
sollen außer den 500 Morgen für zwei Söhne noch je 250 vom Gemeindeland
von den Besitzern behalten und für die auf dem zurückzugebenden Lande
ausgeführten Bauten und Anlagen Entschädigungen gezahlt werden. Aus dem
dadurch frei gewordenen Gemeindeland sollen unveräußerliche Bauerngüter
von je 30 Morgen gebildet und zur Bewirtschaftung gegen einen mäßigen
Erbzins an arme Bürger verteilt werden. Nachdem Tib. Gracchus den
Volkstribunen +M. Octavius+, der dagegen beharrlich Einspruch erhebt,
durch Volksbeschluß widerrechtlich hat absetzen lassen, wird das
Gesetz vom Volke angenommen; mit seiner Ausführung werden beauftragt:
+Tib. Gracchus+, sein Schwiegervater +Appius Claudius+ und sein Bruder
+C. Gracchus+ (tresviri agris dandis assignandis).
[~133.~]
Tod des Königs +Attălos III. von Pergămon+, der sein Reich (fortan
~römische Provinz Asia~) und seine Schätze den Römern hinterläßt (S.
66).
Tib. Gracchus beantragt gegen das bestehende Herkommen, wonach der
+Senat+ über auswärtige Angelegenheiten entscheidet, beim +Volke+, den
pergamenischen Schatz an die neuen Landbesitzer behufs Anschaffung des
nötigen Inventars zu verteilen.
Vorbereitung weiterer volkstümlicher Gesetze (Abkürzung der Dienstzeit,
Ausdehnung des Provokationsrechtes u. a.).
Tib. Gracchus will sich +entgegen dem bestehenden Gesetz+ für das
folgende Jahr wieder zum Tribunen wählen lassen, wird aber mit 300
seiner Anhänger von den Optimaten unter Führung des P. Cornelius Scipio
Nasica auf dem Forum ~erschlagen~. Die Konsuln des folgenden Jahres
schreiten gegen die Volkspartei (+populares+) mit Hinrichtungen und
Verbannungen ein, die beschlossene Ackerverteilung aber kommt zur
Ausführung.
[131.]
Der Volkstribun +C. Papirius Carbo+ setzt, um den Einfluß der Optimaten
auf die Tributkomitien zu brechen, schriftliche geheime Abstimmung in
denselben durch (lex tabellaria), welche für die Wahlen schon seit 139
angeordnet war. Seinen weiteren Vorschlägen tritt ~P. Cornelius Scipio
Aemilianus~ (Gemahl der Sempronia, Schwester der Gracchen, S. 98),
entgegen; auch hemmt er die weitere Tätigkeit der tresviri agris dandis
assignandis, indem er bewirkt, daß ihnen die richterliche Entscheidung
über streitiges Land entzogen wird.
[129.]
Am Tage nach einer aufgeregten Verhandlung wird +Scipio+ in seinem
Hause tot (ermordet?) gefunden.
[125.]
Der Konsul +M. Fulvius Flaccus+, welcher im Sinne der gracchischen
Partei beantragt, den italischen Bundesgenossen römisches Bürgerrecht
zu gewähren, wird vom Senat der von gallischen Stämmen bedrängten
Stadt +Massilia+ (S. 66) zu Hilfe geschickt. Bald darauf werden, um
den Landweg von Italien nach Spanien zu sichern, römische Kolonien in
+Aquae Sextiae+ und +Narbo+ gegründet, zur Sicherung des Seeverkehrs
werden die +Balearischen Inseln+ besetzt.
[121.]
~Gallia Narbonensis römische Provinz~ (Massilia +civitas foederata+).
[~123.~]
~Gaius Sempronius Gracchus~ erneuert als Volkstribun das +Ackergesetz+
seines Bruders und knüpft daran eine Reihe von Gesetzen, welche die
Herrschaft der Optimaten zu stürzen bestimmt sind. Er gewinnt die
Menge der ärmeren Bürger für sich, indem er die persönliche Freiheit
sichert (+lex Sempronia de civibus Romanis+: ne de capite civium
Romanorum iniussu populi iudicaretur), den Kriegsdienst erleichtert
(+lex militaris+) und Getreideverkauf von Staats wegen an die Bürger zu
billigem Preise anordnet (~lex frumentaria~). Für 122 wird er auf Grund
eines Gesetzes, welches bei Mangel an Bewerbern um das Tribunat dem
Volke freie Wahl gestattet, wieder zum Tribunen gewählt.
Durch die ~lex iudiciaria~ überträgt C. Gracchus die Besetzung
der Geschworenengerichte (quaestiones perpetuae, S. 98) vom
~Senatorenstand~ (+ordo senatorius+) auf den ~Ritterstand~ (+ordo
equester+). Dieser umfaßte die reicheren Bürger, welche als Besitzer
eines Vermögens von mindestens 400 000 sestertii (70 000 Mark) zum
Kriegsdienst zu Pferde eingeschätzt waren; die Senatoren aber waren
seit 129 gesetzlich verpflichtet, mit ihrem Eintritt in den Senat aus
den Rittercenturien auszuscheiden. Die einflußreichen Mitglieder der
+Geldaristokratie+ (publicani und negotiatores, S. 99) saßen also
fortan auch über Senatoren zu Gericht.
Auch die Besetzung der +Statthalterschaften+ in den Provinzen wird
(durch die ~lex de provinciis~) der freien Verfügung des Senats
entzogen; die Provinz +Asia+ wird durch die Anordnung, daß die
Verpachtung der Abgaben in Rom durch die Censoren geschehen soll,
der Habsucht der +publicani+ aus dem Ritterstande ausgeliefert. Um
die Ackerverteilung zu fördern, wird Aussendung von +Kolonien+ durch
Volksbeschluß angeordnet (~lex de coloniis deducendis~). Während
Gracchus von Rom abwesend ist, um die Gründung der Kolonie +Iunonia+
an der Stelle des zerstörten +Karthago+ zu leiten, tritt der Tribun
+M. Livius Drusus+ mit Gegenvorschlägen, besonders die Gründung von
Kolonien in Italien betreffend, auf und wird vom Senat unterstützt
Der Antrag des Gracchus, den Latinern volles Bürgerrecht, den übrigen
Italikern latinisches Recht zu bewilligen (+lex de civitate sociis
danda+), kommt bei dem vereinigten Widerstande der Optimaten und eines
großen Teiles der Bürgerschaft nicht zur Annahme. Gracchus wird für das
Jahr 121 nicht wieder zum Tribunen erwählt.
[121.]
Bürgerkampf in der Stadt, veranlaßt durch einen von einem Anhänger des
Gracchus verübten Mord. Die Volkspartei besetzt den +Aventin+, der
Senat erteilt dem Konsul +L. Opimius+ durch das +Senatus consultum
ultimum+ (S. 99) Vollmacht zu Gewaltmaßregeln. Der Aventin wird von
Bewaffneten erstürmt, ~C. Gracchus~ und ~M. Fulvius~ werden ~auf der
Flucht erschlagen~. Gegen 3000 Anhänger des Gracchus werden bei der
folgenden Untersuchung verhaftet und getötet.
Herstellung der Senatsherrschaft; die Kolonien (außer +Narbo+) kommen
nicht zur Ausführung. Das verteilte Gemeindeland wird 111 durch
Volksbeschluß in zinsfreies Eigentum umgewandelt, kann also von
reicheren Bürgern wieder angekauft werden.
§ 7. Marius und Sulla.
Die Behauptung des zu ansehnlicher Ausdehnung gelangten römischen
Reiches macht immer wieder Kriege notwendig, deren Führung durch die
inneren Parteikämpfe beeinflußt wird.
[~111–105.~]