Bündnis der Römer mit den +Apŭlern+ und +Lukanern+; zum erstenmal

überschreiten römische Heere den Apennin. Die Römer sind zu Anfang des

Krieges im Vorteil. Aber

[~321.~]

~Niederlage in den Caudinischen Pässen.~ Die beiden Konsuln werden,

als sie der apulischen Stadt +Luceria+ von Campanien aus zu Hilfe

eilen wollen, von dem samnitischen Heerführer +Gavius Pontius+ in den

+furculae Caudinae+ eingeschlossen und zur Ergebung genötigt. Sie

beschwören einen Friedensvertrag; 600 römische Ritter bleiben als

Geiseln zurück, das Heer darf unter dem Joch abziehen. Der römische

Senat verweigert die Anerkennung dieses Vertrages und liefert die

Konsuln den Samniten aus, welche sie nicht annehmen.

Die Samniten erobern +Luceria+ und +Fregellae+. Durch äußerste

Kraftanstrengung gewinnen die Römer wieder die Oberhand. Im Jahre

319 soll der Konsul +L. Papirius Cursor+ Luceria wiedererobert, die

römischen Geiseln befreit und die samnitische Besatzung unter das Joch

geschickt haben; 314 wird Luceria römische Kolonie.

[~312.~]

Bau der ~Via Appia~, einer großen Heerstraße von Rom nach Capua durch

die pomptinischen Sümpfe, begonnen von dem Censor +Appius Claudius

Caecus+. Derselbe legt auch die erste Wasserleitung (aqua Appia) in Rom

an.

[310.]

Sieg des Konsuls +Q. Fabius Maximus Rullianus+ über die zu spät sich

erhebenden +Etrusker+ und +Marser+ am +Vadimonischen See+.

[309.]

Erstes Erscheinen einer +römischen Kriegsflotte+ bei der Belagerung der

campanischen Stadt +Nuceria.+

[305.]

+Bovianum+, Hauptwaffenplatz der Samniten, eingenommen.

[304.]

Friede; die Samniten erlangen gleich ihren sabellischen Bundesgenossen

Freiheit innerhalb ihrer Stammesgrenzen; Erneuerung der +alten+

Verträge zu +gleichem+ Recht (foedus aequum).

Zur Befestigung ihrer Herrschaft legen die Römer wiederum mehrere

+Kolonien+ und neue +Heerstraßen+ an, so +Narnia+ in Umbrien (spätere

+via Flaminia+) und +Alba Fucentia+ am +Lacus Fucĭnus+ (spätere +via

Valeria+).

[~298–290.~]

~Dritter Samnitenkrieg.~

Die Samniten schließen mit den +Lukanern+ ein Bündnis, um einen

letzten Kampf für Italiens Unabhängigkeit zu wagen. Neue Erhebung der

+Etrusker+ und +Umbrer+.

Der Konsul +L. Cornelius Scipio+[23] nötigt 298 die Lukaner, dem

Bündnis mit Samnium zu entsagen. Die Samniten stellen mit äußerster

Kraftanstrengung drei Heere ins Feld, eins zur Verteidigung ihres

Gebiets, das zweite für Campanien; das dritte führt ihr Feldherr

+Gellius Egnatius+ durch das +marsische+ und +umbrische+ Gebiet nach

+Etrurien+. Gallische Stämme schließen sich dem +Bündnis der Italiker

gegen Rom+ an. Große Rüstungen in Rom. Die Konsuln +Q. Fabius Maximus

Rullianus+ und +P. Decius Mus+ rücken mit 60000 Mann nach Umbrien vor.

[~295.~]

~Entscheidungsschlacht bei Sentinum~, Todesweihe des jüngeren +P.

Decius Mus+.

Die Umbrer unterwerfen sich, die Etrusker bitten um Frieden und

werden Rom Untertan; die Samniten kämpfen weiter, werden aber 293 bei

+Aquilonia+ besiegt. Endlich erneuert der Konsul +M’. Curius Dentatus+

das Bündnis mit ihnen; sie behalten ihr Gebiet, lassen aber fortan den

Römern freie Hand, ihre Herrschaft im übrigen Italien zu befestigen.

Abermals +Kolonien+ gegründet: +Minturnae+ und +Sinuessa+ im Gebiet

der Aurunker (römische Bürgerkolonien), +Hatria+ in Picenum, +Venusia+

in Apulien (latinische Kolonien). Die +Sabiner+ müssen römisches

Bürgerrecht ohne Stimmrecht annehmen. Gegen die Gallier wird 283 die

Bürgerkolonie +Sena Gallica+ in Umbrien eingerichtet. Der Schutz,

welchen Rom der von Lukanern und Bruttiern angegriffenen Griechenstadt

+Thurii+ gewährt, führt herbei den

[~282–272.~]

~Krieg mit Tarent.~

~Veranlassung~: Ältere Verträge mit Tarent, der reichsten und

mächtigsten Griechenstadt in Unter-Italien, untersagten den Römern,

mit Kriegsschiffen über das +Lacinische Vorgebirge+ bei Kroton

hinauszufahren. Trotzdem erscheint eine nach der umbrischen Küste

bestimmte römische +Kriegsflotte+ im Hafen von Tarent. Die Tarentiner

greifen sie an, nehmen fünf Schiffe, vertreiben die römische Besatzung

aus +Thurii+. Römische Gesandte, welche Genugtuung verlangen, werden in

Tarent beschimpft; darauf Kriegserklärung.

Die Tarentiner rufen den König ~Pyrrhos von Epirus~ zu Hilfe; dieser

schickt zuerst seinen Feldherrn +Milon+ mit 3000 Epiroten nach Tarent

(281), im folgenden Jahre landet er selbst mit einem aus +Epiroten,

Makedonen, Griechen+ bestehenden Söldnerheere von 25000 Mann und 20

Elefanten in Italien. Strenges militärisches Auftreten des Königs in

Tarent; die Bürger werden zum Kriegsdienst gezwungen.

[~280.~]

~Schlacht bei Herakleia~ (am Meerbusen von Tarent); die römische

Manipularordnung erliegt dem Angriff der makedonischen Phalanx und der

Elefanten. Die Griechenstädte, die Bruttier, Lukaner und +Samniten+

schließen sich Pyrrhos an. Er bietet den Römern Frieden an; sein

Gesandter +Kineas+ wird abgewiesen (Rede des blinden Konsulars +Appius

Claudius+ im Senat). Pyrrhos rückt durch Campanien bis +Anagnia+ vor,

kehrt aber um, da die Bundesgenossen der Römer diesen treu bleiben. +C.

Fabricius+ Gesandter an Pyrrhos wegen Auswechselung der Gefangenen.

[~279.~]

~Schlacht bei Asculum~ in Apulien;

Pyrrhos siegt wiederum, doch mit großen Verlusten. Er folgt einem

Hilferuf der von den +Karthagern+ bedrängten +Syrakusaner+ (S. 67),

läßt nur eine Besatzung in Tarent zurück. Kriegsbündnis zwischen +Rom+

und +Karthago+, doch lehnen die Römer die Landung einer karthagischen

Flotte in Italien ab und bekämpfen allein die Griechenstädte. Pyrrhos

kehrt 276 nach Tarent zurück. Als er den Samniten Hilfe bringen will,

wird er von +M’. Curius Dentatus+ in der

[~275.~]

~Schlacht bei Beneventum~

völlig geschlagen und kehrt nach Epirus zurück († 272 in Argos). Erst

nach seinem Tode überliefert +Milon+ Stadt und Burg von Tarent den

Römern unter der Bedingung freien Abzugs. Die Tarentiner müssen Waffen

und Schiffe ausliefern und die Mauern niederreißen, behalten aber ihre

eigene Stadtverwaltung.

Nach Tarents Fall Unterwerfung der +Samniten, Lukaner+ und +Bruttier+.

Alle müssen Teile ihres Gebiets abtreten und +Kolonien+ aufnehmen

(Beneventum und Aesernia in Samnium). Im J. 270 Einnahme von +Rhegium+,

welches 10 Jahre in den Händen aufständischer campanischer Soldaten

gewesen war, die jetzt mit dem Tode bestraft werden. ~Italien~ (bis zum

Apennin) ~geeinigt unter römischer Herrschaft~. Verlängerung der +Via

Appia+(S. 84) von +Capua+ über +Venusia+ und +Tarent+ bis +Brundisium+.

In bezug auf das Verhältnis der unterworfenen Gemeinden zu Rom sind zu

unterscheiden:

1. ~Municipien~ (+municipia+), d. h. Gemeinden mit beschränktem

römischem Bürgerrecht (+civitas sine suffragio et iure honorum+). Sie

haben also +commercium+ und +conubium+, römische Rechtsprechung und

römischen Kriegsdienst.

2. ~Kolonien~ (+coloniae+), d. h. römische Festungen. Viele

unterworfene Orte müssen einen Teil ihrer Ländereien abtreten. Dieses

Land wird an +römische Bürger+ verteilt, die ihr volles Bürgerrecht

behalten und fortan in der Kolonie die herrschende Gemeinde, gleichsam

die +Patrizier+, bilden, während die alten Einwohner zu +Insassen+

ohne politische Rechte herabsinken. Die Rechtspflege wird in den

+Municipien+ wie in den +Kolonien+ durch Präfekten (+praefecti iure

dicundo+) ausgeübt, welche der +praetor urbanus+ (s. S. 81) ernennt.

3. ~Verbündete~ (+socii, civitates foederatae+), deren Verhältnis zu

Rom durch +Verträge+ geordnet ist. Sie haben eigene Verwaltung und

Gerichtsbarkeit und sind vom Dienst in der Legion befreit, müssen

dagegen +Hilfstruppen+ oder +Schiffe+ stellen. Tribut wird nicht von

ihnen gefordert. Am meisten begünstigt sind die +Latiner+, sie können

unter gewissen Bedingungen römisches Bürgerrecht erwerben und werden

zusammen mit römischen Bürgern in +latinische Kolonien+ ausgesandt.

§ 4. Die Punischen Kriege.

[~264–241.~]

~Erster Punischer Krieg.~ Kampf um Sicilien.

(Die frühere Geschichte der +Karthager+ oder +Punier+ siehe S. 131, 41,

67.)

Karthago mit seiner +oligarchischen+ Verfassung, welche der

Bürgergemeinde geringen Einfluß gewährt und die Untertanen durch

Tributforderung drückt, und mit seinen +Söldnerheeren+ ist trotz

seines Reichtums im Nachteil gegen Rom, wo gleichmäßigere Verteilung

der bürgerlichen Rechte und allgemeine Verpflichtung zum Kriegsdienst

besteht.

~Veranlassung~: Die +Mamertiner+, d. h. +Marsmänner+, ehemalige

campanische Söldner des Agathŏkles (S. 67), hatten sich der Stadt

+Messana+ bemächtigt. Sie werden von König +Hiero II.+ von +Syrakus+

bekriegt. Ein Teil von ihnen ruft die +Karthager,+ ein anderer

die Römer zu Hilfe. Der römische Senat schwankt, die Bürgerschaft

beschließt, den Mamertinern Hilfe zu gewähren. Eine römische

Kriegsflotte, meist aus Schiffen der süditalischen Bundesgenossen

bestehend, setzt Truppen von Rhegium nach +Messana+ über; die

karthagische Besatzung wird aus der Burg vertrieben.

[~264.~]

Die Karthager und +Hiero+ von Syrakus belagern die Römer in Messana,

müssen aber zurückweichen. Hiero schließt sich bald den vordringenden

Römern an. Nach Eroberung der Stadt +Agrigentum+ (Akrăgas, s. S. 32)

262 beschließen die Römer den Bau einer großen +Kriegsflotte+. Sie

bauen Schiffe mit fünf Ruderreihen (Pentēren) nach dem Muster eines

gestrandeten karthagischen Kriegsschiffs.

[~260.~]

~Erster Seesieg der Römer~ unter ~C. Duilius~ bei ~Mylae,~ westlich

von Messana, mit Hilfe der Enterbrücken. Zum Andenken an den Sieg die

+columna rostrata+ auf dem Forum errichtet.

[256.]

Nach einem zweiten Seesiege bei ~Eknomos~ an der Südküste Siciliens

landen die Konsuln ~M. Atilius Regulus~ und +L. Manlius Volso+ an der

afrikanischen Küste. Die Karthager, durch Verwüstung ihres Gebiets

erschreckt, bitten um Frieden; Regulus stellt zu hohe Forderungen,

wird 255 bei +Tunes+ geschlagen und gefangen.

Fortsetzung des Krieges in Sicilien; die Römer erobern +Panormus+ und

behaupten es durch einen Sieg des Konsuls +L. Caecilius Metellus+

(251), der bei seinem Triumph in Rom über 100 Elefanten aufführt.

Friedensgesandtschaft der Karthager nach Rom. Nach der römischen

Legende soll Regulus die Annahme des Friedens widerraten haben und

in Karthago unter Martern getötet worden sein. Die Römer nehmen den

Seekrieg wieder auf, belagern aber vergeblich die starke karthagische

Seefestung ~Lilybaeum~. Der Konsul +P. Claudius Pulcher+ (die heiligen

Hühner) wird in der

[~249~.]

~Seeschlacht bei Drepăna~

von den Karthagern geschlagen. Darauf in den nächsten Jahren nur

+Landkrieg+ auf der Westseite Siciliens. Der karthagische Feldherr

~Hamilkar~, genannt ~Barkas~ (d. h. der +Blitz+), verteidigt sich 6

Jahre mit Erfolg gegen die Römer, erst auf dem Berge +Eirkte+ (Monte

Pellegrino bei +Palermo+), dann auf dem +Eryx+ bei Drepana, beunruhigt

auch durch Kaper die Küsten Italiens. Durch das Zusammentreten reicher

Bürger in Rom wird endlich aus Privatmitteln eine neue Flotte gebaut.

Mit dieser erringt der Konsul ~C. Lutatius Catulus~ den entscheidenden

[~241~.]

~Seesieg bei den Agatischen Inseln~

(gegenüber Lilybaeum) über die karthagische Flotte unter Hanno.

~Friede~: 1. Die Karthager verzichten auf ganz ~Sicilien~. 2. Sie

zahlen 3200 Talente (16½ Mill. Mark) Kriegsentschädigung in zehn

Jahren. -- Der größere, ~westliche Teil Siciliens~ wird die ~erste

römische Provinz~ unter der Verwaltung eines Prätors; der kleinere

+südöstliche Teil+ bleibt unter der Hoheit des mit Rom verbündeten

+Königs Hiero von Syrakus+.

[238.]

~Karthago~ in großer Gefahr durch den +Aufstand der Söldner+ und der

+libyschen Untertanen+, welcher endlich von +Hamilkar+ unterdrückt

wird. Die Römer benutzen dies, um von den Karthagern die Abtretung

von ~Sardinien~ und Zahlung von 1200 Talenten zu erzwingen. Die Insel

wird mit dem früher +etruskischen+ ~Korsika~ zu +einer+ Provinz

vereinigt. Doch besetzen die Römer nur die Küsten dieser Inseln; die

Gebirgsbewohner im Inneren werden gelegentlich bekriegt, um Sklaven zu

erbeuten.

[236.]

+Hamilkar+ beginnt Eroberungen in ~Spanien~, um neues Gebiet für

Karthago zu gewinnen; sein Schwiegersohn +Hasdrubal+, Nachfolger im

Oberbefehl, gründet 227 +Neu-Karthago+ (Cartagena).

[229–228.]

Krieg der Römer gegen die seeräuberischen ~Illyrier~ von Skodra. Eine

römische Flotte beschützt die Griechenstädte Kerkyra, Apollonia,

Epidamnos; die Königin Teuta muß Tribut zahlen und Gebiet abtreten.

[225–222.]

Die Römer unterwerfen Nord-Italien, ~Gallia cisalpina~, gereizt

durch einen Einfall gallischer Stämme in +Etrurien+. Diese werden

bei +Telamon+ an der etruskischen Küste vernichtet. Der Konsul Cn.

Cornelius Scipio besiegt die Bojer und Cenomanen und erobert 222

+Mediolanum+ (Mailand), die Hauptstadt der Insŭbrer. Zur Sicherung des

neuen Gebietes werden die latinischen Kolonien Placentia, Cremona,

Mutĭna angelegt. Die schon früher gebaute Heerstraße nach +Spoletium+

wird weiter geführt über den Apennin bis an das Adriatische Meer, dann

die Küste entlang bis +Arimĭnum+ (~Via Flaminia~). Weitere Maßregeln

zur Befestigung ihrer Herrschaft im cisalpinischen Gallien unterbricht

der

[~218–201.~]

~Zweite Punische Krieg.~

~Ursachen~: Eifersucht der Römer auf die durch Erwerbungen in Spanien

neu aufblühende Macht Karthagos; Bestreben des Hauses Barkas, an Rom

Rache zu nehmen.

~Veranlassung~: Die Eroberung der mit Rom verbündeten spanischen Stadt

+Saguntum+ (Murviedro, nördlich von Valencia) durch ~Hannibal~, den

Sohn Hamilkars, 219. Eine römische Gesandtschaft fordert in Karthago

Hannibals Auslieferung; diese wird verweigert, obgleich ein großer Teil

des karthagischen Senats der Machtstellung der Familie Barkas abgeneigt

ist. Darauf Kriegserklärung der Römer.

Den römischen Kriegsplan, mit dem Hauptheere von Sicilien aus

eine Landung in +Afrika+ zu machen, während ein zweites Heer die

karthagischen Truppen in +Spanien+ beschäftigen soll, vereitelt

[218.]

~Hannibals kühner Zug nach Italien~ auf dem Landwege. Er überschreitet

nach Zurücklassung genügender Truppen in Spanien unter seinem Bruder

Hasdrubal, die östlichen +Pyrenäen+ mit 50000 Mann Fußvolk, 9000

Reitern, 37 Elefanten und durchzieht das südliche Gallien. Der römische

Konsul +P. Cornelius Scipio+, welcher auf der Fahrt nach Spanien in

Massilia angelegt hatte, kann Hannibals Übergang über den +Rhodănus+

(Rhône) nicht hindern, kehrt nach Italien zurück, sendet aber seinen

Bruder +Cn. Scipio+ mit dem Hauptteil des Heeres nach Spanien.

Hannibal zieht am Rhodanus aufwärts bis zum Nebenfluß Isăra (Isère),

dann östlich durch die Gebiete der +Allobrŏger+ und +Ceutronen+,

überschreitet kämpfend die +Alpen+ (Paß des +Mont Genèvre+ oder des

+Kleinen St. Bernhard+) und gelangt nach unsäglichen Mühen mit nur

26000 Mann und wenigen Elefanten nach Ober-Italien.

[~218.~ (Sept.)]

~Reitertreffen am Ticinus~, +linkem+ Nebenfluß des Po. Scipio

verwundet, wird durch seinen 17jährigen Sohn, den späteren

»+Africanus+«, gerettet. Verstärkt durch aufständische Gallier (S 89),

schlägt Hannibal in der

[~218.~ (Dez.)]

~Schlacht an der Trebia~ (+rechtem+ Nebenfluß des Po) den andern Konsul

+Tib. Sempronius Longus+, der, aus Sicilien zurückberufen, die beiden

vereinigten römischen Heere befehligte.

Hannibal befördert den nationalen Aufstand der cisalpinischen Gallier,

entläßt alle gefangenen römischen Bundesgenossen, überschreitet den

Apennin und vernichtet ein römisches Heer von 30000 Mann unter dem

Konsul +C. Flaminius+ in der

[~217.~]

~Schlacht am Trasimenischen See~. Schrecken in Rom; man rüstet sich

aber zur Verteidigung der Stadt. ~Q. Fabius Maximus~ zum +Dictator+

ernannt. Hannibal wendet sich nach Osten, um den Abfall der römischen

Bundesgenossen allgemein zu machen, zieht durch +Picenum+ nach

+Apulien+. Fabius folgt ihm in gemessener Entfernung, eine Schlacht

vermeidend (daher +Cunctator+, der Zauderer, genannt). Als Hannibal,

wieder den Apennin überschreitend, nach Campanien vordringt, hindert

Fabius ihn nicht an der Plünderung der reichen Landschaft, verlegt ihm

aber den Rückweg bei +Casilīnum+ am +Volturnus+. Hannibal gewinnt durch

eine List freie Bahn und kehrt nach +Apulien+ zurück.

Die römische Bürgerschaft, mit Fabius’ Kriegführung unzufrieden, gibt

dem magister equitum +M. Minucius+, der bei +Gerunium+ glückliche

Gefechte gegen die Karthager besteht, als zweitem +Dictator+ einen

unabhängigen Oberbefehl über die Hälfte des Heeres. Er greift

Hannibal an, wird geschlagen und nur durch +Fabius+ vor vollständiger

Vernichtung gerettet.

Zu Konsuln des Jahres 216 werden der als Feldherr bewährte ~L. Aemilius

Paullus~ von der Optimatenpartei und der unfähige ~C. Terentius Varro~

von der Volkspartei erwählt, um mit einem Heere von 86000 Römern und

Bundesgenossen Hannibal zu vernichten. Varro greift an dem Tage, wo er

den Oberbefehl hat, unvorsichtig an.

[~216.~]

~Schlacht bei Cannae~ (in Apulien, am +Aufidus+), furchtbare Niederlage

der Römer; gegen 50000 werden getötet, darunter mehr als 80 Männer

senatorischen Ranges und der Konsul +L. Aemilius Paullus+, die übrigen

werden gefangen oder zersprengt. +Varro+ rettet sich mit einer kleinen

Schar nach Venusia und sammelt allmählich einen Rest von 10000 Mann.

In demselben Jahre wird auch eine nach dem cisalpinischen Gallien

geschickte Legion vernichtet. Der ~Abfall von Capua~, die Lossagung

der Samniten, Lukaner, Bruttier und vieler unteritalischer Städte vom

römischen Bündnis ist die unmittelbare Folge der Schlacht bei +Cannae+.

Bewundernswürdige Haltung des römischen Senats. Die Trauer um die

Gefallenen wird auf 30 Tage beschränkt, Hannibals Gesandten, welche die

Lösung der Gefangenen anbieten, der Eintritt in die Stadt verboten;

mit Heranziehung aller irgend Waffenfähigen, selbst Sklaven, wird ein

neues Heer gebildet und zum Teil mit alten Beutestücken aus den Tempeln

bewaffnet. Der Prätor ~M. Claudius Marcellus~, schon im gallischen

Kriege erprobt, und der Dictator +M. Junius Pera+ verteidigen die

römischen Stellungen bei +Neapolis+, +Cumae+ und +Nola+. Hannibal

bezieht Winterquartiere in +Capua+. Karthago schließt Bündnis mit

+Philipp V.+ von Makedonien und +Hieronymus+, dem Enkel und Nachfolger

des Königs Hiero in Syrakus (S. 88).

[~215.~]

Wendung des Krieges zugunsten der Römer. Hannibal, bei +Nola+ von

+Marcellus+ zurückgeschlagen, geht nach +Apulien+ und gibt den

Angriffskrieg auf. Aus Karthago erhält er, mit Ausnahme einer Sendung

von 4000 Mann, keine Unterstützung. Die Römer dagegen bringen ihre

Kriegsmacht bald auf 21 Legionen; ihre +Flotte+ beherrscht von

Lilybaeum aus das Meer und macht öfters Landungen an der afrikanischen

Küste. Hannibals Hoffnung auf Zuzug aus Spanien wird vereitelt durch den

[~218–206.~]

~Krieg der Römer gegen die Karthager in Spanien.~

Die Feldherrn +P.+ und +Cn. Cornelius Scipio+ besiegen +Hasdrubal+,

Hannibals Bruder, 216 am +Ibērus+ (Ebro) und dringen bis in das Gebiet

des +Baetis+ (Guadalquivir) vor, wo sie sich unter wechselvollen

Kämpfen ~bis 211~ im ganzen siegreich behaupten. Zugleich bedrängen

sie durch ihren Bundesgenossen +Syphax+, König von Westnumidien, die

Karthager in Afrika. Das Bündnis mit Philipp von Makedonien bringt dem

Unternehmen Hannibals ebenfalls keine Hilfe.

[215–205.]

~Erster Makedonischer Krieg,~

von den Römern mit geringen Streitkräften glücklich geführt. Der

unentschlossene König +Philipp+ wagt nicht, die versprochene Landung

in Italien auszuführen. Die Römer bringen gegen ihn ein Bündnis

+griechischer+ Staaten zustande (die ~Ätōler~ an der Spitze), dem sich

+illyrische+ und +thrakische+ Häuptlinge, sowie König +Attălos+ von

Pergamon anschließen.

[214–210.]

~Krieg in Sicilien (Belagerung von Syrakus),~

durch ~Marcellus~ zugunsten der Römer entschieden. Nach Vernichtung

des karthagischen Entsatzheeres unter +Himilko+ durch Niederlagen und

Seuchen in den sumpfigen Niederungen des +Anāpos+ wird trotz tapferer

Verteidigung (+Archimēdēs+)

[~212.~]

~Syrakus erobert und geplündert.~

In Italien nimmt Hannibal die Stadt ~Tarent~ ein, mit Ausnahme der

Burg, und kämpft glücklich in Lukanien.

[211.]

Unglück der Römer in ~Spanien~. Beide Scipionen werden von den

Karthagern und ihrem Verbündeten +Massinissa+, Sohn des Königs von

Ostnumidien (selbst König 208), geschlagen und getötet; ihre Truppen

weichen nach Norden über den Ebro zurück.

Hannibal greift das römische Belagerungsheer vor ~Capua~ an, wird

aber zurückgeschlagen. Um die Römer zur Aufhebung der Belagerung zu

bewegen, rückt er gerade auf Rom los und schlägt am Anio ein Lager auf

(+Hannibal ad portas!+), geht aber nach Verwüstung der Umgegend, da die

Römer zur Verteidigung bereit sind, nach Unter-Italien zurück, ohne

seinen Zweck erreicht zu haben.

~Capua muss sich den Römern ergeben~, welche über die Stadt ein

furchtbares Strafgericht ergehen lassen (viele Bürger als Sklaven

verkauft, 53 Senatoren enthauptet, die Selbstständigkeit der Gemeinde

vernichtet). Hannibals Angriff auf +Rhegium+ und auf die +Burg von

Tarent+ mißlingt; seine italischen Bundesgenossen beginnen ihn zu

verlassen.

[210.]

Der junge ~P. Cornelius Scipio~ (Sohn und Neffe der in Spanien

gefallenen Brüder) wird als Prokonsul nach Spanien geschickt; er geht

209 über den Ebro und erobert +Neukarthago+, während in Italien Q.

Fabius Maximus +Tarent+ wiedergewinnt.

[208.]

Marcellus fällt in einem Reitertreffen bei +Venusia+. Ausharren der

Römer trotz der durch die Dauer des Krieges sich fühlbar machenden

Erschöpfung der Kräfte. Zwölf latinische Kolonien erklären sich außer

stande, fernerhin Geld und Mannschaften zu liefern, 18 andere dagegen

halten treu zu Rom.

In ~Spanien~ dringt Scipio siegreich bis zum Süden vor, kämpft aber bei

+Baecula+ ohne Entscheidung mit +Hasdrubal+ und kann ihn nicht hindern,

über die (westlichen) Pyrenäen zu gehen, um seinem Bruder Hannibal

Hilfe zuzuführen.

[~207.~]

Hasdrubal, in Ober-Italien angelangt, ruft die cisalpinischen Gallier

aufs neue zu den Waffen. Große Rüstungen in Rom (23 Legionen auf den

verschiedenen Kriegsschauplätzen), um die Gefahr abzuwehren. Gegen

Hasdrubal wird der Konsul +M. Livius Salinator+, gegen Hannibal der

Konsul +C. Claudius Nero+ gesendet. Dieser entschließt sich, während

Hannibal ihm gegenüber in +Apulien+ lagert, zu einem Eilmarsch mit 7000

Mann auserlesener Truppen und vereinigt sich mit seinem Amtsgenossen.

Beide Konsuln siegen in der

[~207.~]

~Schlacht bei Sena Gallica~, nicht weit vom Flusse ~Metaurus~.

+Hasdrubal+ fällt. Auf die Nachricht von dieser Niederlage (die Römer

werfen den karthagischen Vorposten den Kopf des +Hasdrubal+ zu) zieht

Hannibal nach dem Bruttierlande zurück.

[206.]

Die Karthager räumen +Gades+ (Cadix), ihre letzte Besitzung in Spanien.

[205.]

~Scipio~, zum Konsul erwählt, bereitet in Sicilien einen Zug nach

Afrika vor. +Mago+, Hannibals jüngster Bruder, landet mit den Trümmern

des spanischen Heeres der Karthager bei +Genua+ und ruft die Ligurer zu

den Waffen. Sofort werden drei römische Heere gegen ihn aufgeboten.

[204.]

Scipios Landung in Afrika. Den Kern seines Heeres bilden die Reste des

einst bei Cannae besiegten Heeres (2 Legionen). Mit ihm vereinigt sich

Massinissa, der von den Karthagern und dem jetzt mit ihnen verbündeten

+Syphax+ (Gemahl der Karthagerin +Sophonĭba+) aus seinem Reiche

vertrieben war.

[203.]

Auszug aus der Alten, Mittleren und Neueren Geschichte · 第 9 / 49 段