Parther geschwächten Seleukidenreiche ein Ende.
[64.]
Syrien wird römische Provinz.
Das Reich der ~Parther~, die unter den +Arsakiden+ (250 vor Chr.
bis 226 nach Chr.) alle Länder zwischen Euphrat und Indus erobern,
bildet im Orient einen Damm erst gegen den Hellenismus, dann gegen die
Römerherrschaft.
3. ~Die kleinasiatischen Länder.~
a) ~Bithynien,~ das sich 298 von dem thrakischen Reich des Lysimachos
losriß; Residenz +Nikomedeia+, gegründet um 264 von König Nikomedes I.
Nikomedes III. setzt 74 die Römer zu Erben ein.
b) Das ~pergamenische Reich~ unter den ~Attaliden~ mit der Hauptstadt
~Pergămon~ in Mysien,[18] nach Lysimachos’ Tode 281 selbständig,
aufblühend unter König +Attălos I.+ († 197), der die Galater (s. u.)
zurückschlug und die Bibliothek gründete, und seinem Sohne +Eumenes
II.+ († 159), dem treuen Bundesgenossen der Römer. Attalos III. setzt
133 die Römer zu Erben ein.
c) Die ~griechischen Seestädte,~ namentlich +Sinōpe+, +Herakleia+ am
Pontus, +Lampsăkos+, +Smyrna+, +Ephesos+, +Rhodos+.
d) Der Bundesstaat der ~Galăter,~ gegründet von gallischen Heerhaufen,
welche 280 in Makedonien und Griechenland einbrachen, dann den
Hellespont überschritten und sich in +Phrygien+ niederließen; drei
Stämme (Tolistobojer, Tektosagen, Trokmer) unter je 4 Tetrarchen;
Hauptstädte Ankȳra (Angora) und Pessinūs.
e) ~Kappadokien, Pontus, Armenien,~ drei Königreiche unter
einheimischen Dynastien, welche ebenso wie die Galăter nur zum Teil
griechische Kultur annahmen.
4. ~Makedonien~ unter den ~Antigoniden.~
+Antigonos Gonātas+ (277–239) beruhigt das durch die Thronkämpfe
und den Einfall der Gallier verwüstete Land, gibt die Ansprüche auf
Herrschaft über +Griechenland+ nicht auf. Sein zweiter Nachfolger
+Antigonos Doson+ (229–220) befestigt diese Herrschaft aufs neue (s.
S. 68); +Philipp V.+ (220–179) muß 197 darauf verzichten. +Perseus+
(179–168) wird von den Römern entthront; 146 wird Makedonien römische
Provinz.
5. ~Die altgriechischen Länder.~
In ~Italien~ (Großgriechenland) behaupten sich die Griechenstädte,
besonders +Tarent+, +Thurii+, +Metapont+, +Lokri+, öfters vom
Mutterlande her unterstützt (338 Archidamos von Sparta, Sohn des
Agesilaos, 330 Alexander von Epirus, Bruder der Olympias), gegen
Angriffe der Lukaner und Bruttier; ebenso in ~Gallien~ +Massalia+
gegen die einheimischen Stämme. Später treten sie unter römische
Schutzherrschaft, Massalia erst 125 v. Chr.
~Syrakus~ behauptet nach Abwehr des athenischen Angriffs (S. 50) noch
lange eine bedeutende Stellung.
[406–367.]
+Dionysios I.+, +Tyrann+ nach glücklicher Abwehr der Karthager. Er
vereinigt die sicilischen Griechenstädte unter seiner oft grausamen
Herrschaft, unterwirft auch Rhegion und Kroton, bekämpft noch dreimal
die Karthager. Auf Veranlassung seines Schwagers +Dion+ verweilt der
athenische Philosoph +Platon+ eine Zeitlang an seinem Hofe. Ihm folgt
sein Sohn
[367–344.]
+Dionysios II.+, anfangs unter Leitung des Dion und Platon. Er wird 357
von Dion vertrieben, wendet sich nach Lokri, kehrt 346 zurück, wird 344
von dem korinthischen Feldherrn +Timoleon+ besiegt und nach Korinth
gesandt, wo er noch einige Jahre als Privatmann lebt.
[339.]
+Timoleon+, der Befreier Siciliens, schlägt die Karthager am Flusse
+Krimīsos+.
[317–289.]
+Agathŏkles+, Tyrann von Syrakus, bekämpft die Karthager in Afrika,
erkennt aber schließlich ihre Herrschaft über den Westen Siciliens an.
[278–276.]
+Pyrrhos+, König von Epirus, schützt die sicilischen Städte gegen
Angriffe der Karthager.
[270–215.]
+Hieron II.+, König von Syrakus, schließt mit den Römern ein Bündnis.
Unter seiner milden Regierung blüht die Stadt wieder auf.
[212.]
Syrakus von den Römern erobert, wird zinspflichtige Provinzialstadt.
In ~Athen~ kommt während des Kampfes gegen Kassander (S. 64) die
demokratische Partei noch einmal zur Herrschaft; +Phokion+ wird 318 zum
Giftbecher verurteilt. Bald aber muß Athen sich der makedonischen Macht
wieder unterwerfen. +Demetrios von Phalēron+ regiert als Statthalter
Kassanders, wird 307 von +Demetrios Poliorkētes+ vertrieben. Nach der
Schlacht bei Ipsos versucht Athen seine Freiheit wieder herzustellen,
wird aber 294 dem +Demetrios Poliorkētes+ als König von Makedonien
untertan.
[266–263.]
Befreiungskrieg der Athener unter +Glaukon+ und +Chremonides+, doch
ohne Erfolg.
[229.]
König Antigonos Doson zieht, auf Verwendung des +Aratos+ (s. S. 68),
die makedonische Besatzung zurück. Athen ist fortan selbständig,
aber ohne politische Macht, es bleibt jedoch Sitz der Bildung und
Gelehrsamkeit.
~Theben,~ von Kassander wieder hergestellt (vgl. S. 59), sendet 278
zusammen mit Athen, Phokis, Lokris und den Ätolern ein Heer zur
Verteidigung des +Thermopylenpasses+ gegen die durch Makedonien
vordringenden +Gallier+ (S. 66); diese erobern den Paß, kehren aber um
nach einer Niederlage bei Delphi. Thessalien, Euböa, Korinth sind um
diese Zeit +makedonisch+. Die vollständige Unterwerfung Griechenlands
unter die makedonische Herrschaft verhindert der um
[280.]
erweiterte ~Ätolische Bund~ und der zur selben Zeit erneuerte
~Achäische Bund~.
Letzterer gelangt zu ansehnlicher Macht durch den von ~Arātos~
bewirkten Beitritt der Städte +Sikyon+ und +Korinth+; aus Korinth wird
243 die makedonische Besatzung vertrieben. Bald schließen sich Megara,
Megalopolis, Argos u. a. peloponnesische Städte dem Achäischen Bunde
an. +Verfassung+ des Bundes: An der Spitze ein jährlich gewählter
Feldherr (Strategos), ihm zur Seite ein Kanzler (Grammateus) und ein
Rat von 10 Demiurgen; in den Bundesversammlungen (zu Ägion) dürfen alle
über 30 Jahre alten Bürger der verbündeten Städte erscheinen, jede
Stadt hat +eine+ Stimme. Ähnlich ist die Verfassung des +Ätolischen
Bundes+, zu welchem auch Lokris, Phokis, Teile von Akarnanien und
Thessalien gehören.
In ~Sparta~, das unter der Herrschaft einer reichen Oligarchie entartet
ist, büßt der junge König +Agis IV.+ den Versuch, die lykurgischen
Einrichtungen herzustellen, mit dem Leben (241). Besseren, aber nur
vorübergehenden Erfolg hat der gleiche Versuch des Königs +Kleomĕnes
III.+, welcher die Ephoren überfallen und töten läßt, 80 Oligarchen
verbannt und eine Verfassungsreform durchsetzt (226). Aber unheilvoll
ist die Feindschaft zwischen Sparta und dem +Achäischen Bunde+. Arātos
ruft den makedonischen König +Antigŏnos Doson+ herbei und übergibt ihm
die Burg von Korinth. Die Spartaner werden in der
[~221.~]
~Schlacht bei Sellasĭa~
geschlagen; Kleomĕnes flieht, stirbt 220 in Ägypten. Antigonos
rückt in Sparta ein und stellt dort die Herrschaft der Oligarchen
wieder her. Die ~makedonische Oberhoheit~ wird durch Abschluß eines
makedonisch-hellenischen Bundes befestigt. Dagegen erhebt sich ein
neuer Krieg von Seiten des +Ätolischen+ Bundes, mit welchem die
Spartaner sich verbinden; die Peloponnes wird furchtbar verwüstet
(220–217).
Nach kurzer Friedenszeit abermals Krieg (211–205) der mit +Rom+
verbündeten Ätōler und Spartaner gegen +Philipp V.+ von Makedonien;
dieser behauptet die Herrschaft über Thessalien, Euböa, Phokis, Lokris,
Korinth. Im dritten Kriege (200–197) schließt sich auch der Achäische
Bund den Feinden Philipps an.
[~197.~]
~Aufhebung der makedonischen Herrschaft über Griechenland.~ Die +Römer+
walten fortan als Schiedsrichter über den griechischen Staaten.
[192.]
~Philopoimen,~ Feldherr des Achäischen Bundes, bringt +Sparta+ zum
Anschluß an den Bund, nachdem der von ihm bekämpfte Tyrann +Nabis+
gefallen ist. Bald schließen auch Elis und Messenien sich an; die
Freundschaft mit Rom wird aufrecht erhalten.
[189.]
Die +Ätoler+ wegen feindlicher Erhebung gegen Rom bestraft.
[183.]
+Philopoimen+ von den abtrünnigen Messeniern gefangen und getötet; der
Achäische Bund durch Streitigkeiten zerrüttet.
[167.]
Tausend angesehene Achäer werden zur Verantwortung nach Rom gefordert.
[146.]
Krieg des Achäischen Bundes gegen +Rom+, veranlaßt durch Klagen der
Spartaner gegen den Bund. Der Bundesfeldherr +Kritolāos+ wird von Q.
Caecilius Metellus bei +Skarpheia+ am Malischen Meerbusen besiegt, sein
Nachfolger +Diaios+ von L. Mummius bei +Leukopĕtra+ auf dem Isthmos.
[~146.~]
~Korinth von den Römern erobert und zerstört.~
Die griechischen Staaten werden zum Teil tributpflichtig; sie behalten
ihre eigene Verfassung und Verwaltung, stehen aber fortan unter der
Aufsicht des römischen Statthalters von Makedonien.
[27.]
Einrichtung der römischen Provinz +Achaja+ (Peloponnes,
Mittel-Griechenland, Thessalien und Epirus).
§ 8. Griechische Kunst und Wissenschaft.
Das in Griechenland frühzeitig entwickelte Geistesleben (S. 28 f., 37
f.), welches in Athen zu Perikles’ Zeit zu hoher Blüte gelangte (S.
46), hat auch nachher noch mannigfaltige und bedeutende Erscheinungen
aufzuweisen.
In der bildenden Kunst sind berühmte Zeitgenossen des Pheidias +Myron+
von Eleutherä in Böotien (Diskobolos) und +Polykleitos+ von Argos (Hera
in Argos); Schüler des Pheidias +Alkamĕnes+ und +Paionios+ (Skulpturen
in Olympia). Dann folgen +Skopas+ von Paros (Mausoleum zu Halikarnaß
350, Niobegruppe) und +Praxitĕles+ von Athen (Hermes zu Olympia);
in Alexanders Zeit der Erzgießer +Lysippos+ von Sikyon. Nach den
Diadochenkämpfen die +pergamenische Kunstschule+ (Zeusaltar zu Pergamon,
der sterbende Fechter) und die +rhodische Kunstschule+ (Laokoongruppe,
farnesischer Stier).
Als Maler ragen hervor +Zeuxis+ von Herakleia, +Parrhasios+ von
+Ephesos+ (beide in Athen zu Sokrates’ Zeit), +Apelles+ von Kos in
Alexanders Zeit.
In ~Athen~ entfaltete sich Philosophie, Geschichtschreibung und
Beredsamkeit zur höchsten Blüte; +Platon+ von Athen (427–347) und
seine Nachfolger (Akademiker) lehrten in der +Akademie+, +Aristoteles+
von Stageira, Lehrer Alexanders des Großen (388–322), lehrte im
+Lykeion+; seine Schüler die Peripatetiker. Um 300 gründete +Zenon+
von Kition in der +Stoa+ (Halle) die Schule der +Stoiker+, +Epikūros+
von Samos die Schule der +Epikureer+. Diese vier Philosophenschulen
erhalten sich bis weit in die römische Kaiserzeit hinein.
Geschichtschreiber: +Xenophon+ von Athen, +Ephŏros+ von Kyme,
+Theopompos+ von Chios († um 320), +Timaios+ von Tauromenion († um
250). Redner: +Antĭphon+, +Lysias+, +Isokrătes+ († 338), +Demosthenes+
(† 322), +Äschines+, +Hypereides+, +Lykurgos+.
Dichter der neuern Komödie: +Philēmon+ und +Menander+ um 300 zu Athen.
In ~Alexandria~ um 270 die Dichter +Kallimachos+ von Kyrene, +Theokrit+
von Syrakus, +Apollonios+, der später in Rhodos lebte; der Mathematiker
+Eukleides+ um 300, der Geograph +Eratosthĕnes+ um 240, die Grammatiker
+Zenodotos+ um 280, +Aristarchos+ um 180 (Erklärung des Homer).
Für die Aufnahme der griechischen Bildung bei den Römern waren
besonders wirksam der Stoiker +Panaitios+ von Rhodos und der
Geschichtschreiber +Polybios+ von Megalopolis, beide mit dem jüngeren
Scipio befreundet (um 146). Nachblüte der griechischen Literatur und
Kunst in der römischen Kaiserzeit.
Fussnoten:
[9] Diese Bezeichnung wahrscheinlich herzuleiten von dem Volk der
+Graer+ in Böotien, das bei der Gründung der Kolonie Kyme (Cumä) in
Campanien durch Auswanderer aus Chalkis auf Euböa beteiligt gewesen zu
sein scheint.
[10] Die +12 Arbeiten+: Nemeischer +Löwe+, lernäische +Hydra+,
erymanthischer +Eber+, kerynitische +Hirschkuh+, stymphalische +Vögel+,
Gürtel der +Amazonenkönigin+ Hippoly̆ta, Stall des +Augīas+, kretischer
+Stier+, Rosse des +Diomēdes+, Rinder des +Geryŏnes+, Äpfel der
+Hesperiden+, +Kerbĕros+.
[11] Nach der Berechnung des alexandrinischen Gelehrten +Eratosthĕnes+
ist die Zerstörung Trojas 1184 v. Chr. zu setzen.
[12] Die nähere Kenntnis dieses griechischen Nationalheiligtums
verdanken wir den Ausgrabungen, welche auf Veranstaltung des Deutschen
Reiches 1875–81 unter Leitung von +E. Curtius+ daselbst angestellt
worden sind.
[13] ~Attisches Münzwesen~: Kleinste Silbermünze der +Obŏlos+ (13
Pf.); 6 Obolen = l +Drachme+; größere Silbermünze das +Tetradrachmon+.
Gepräge: Pallaskopf, auf der Rückseite Eule und Ölzweig. Goldmünze der
+Stater+, entsprechend dem persischen +Dareikos+ = 20 Drachmen. Größere
Summen werden nach +Minen+ zu 100 Drachmen und +Talenten+ berechnet;
ein Talent = 6000 Drachmen = 4715 Mark unseres Geldes.
[14] Von dem nach Delphi geweihten goldnen Dreifuß ist das eherne
Untergestell erhalten (1856 in Konstantinopel ausgegraben), drei sich
umeinander windende Schlangen, darauf die Inschrift, welche die Namen
der gegen die Perser verbündeten griechischen Staaten enthält (Thukyd.
I, 132).
[15] Die erhaltenen Reste derselben seit 1816 (Lord Elgin) im
Britischen Museum zu +London+.
[16] Die Gemeinde von +Epidamnos+ (späterer Name +Dyrrhachium+),
bedrängt von den aus der Stadt vertriebenen, mit den illyrischen
Barbaren verbündeten Adligen, bittet die Mutterstadt +Kerkyra+
vergebens um Hilfe, erhält aber Beistand von +Korinth+, der Mutterstadt
Kerkyras. Deswegen nehmen die Kerkyräer für die aus Epidamnos
Vertriebenen Partei, besiegen die Korinther bei +Aktion+ (Actium, 434)
und nehmen Epidamnos ein. Korinth und Kerkyra bewerben sich beide um
athenische Hilfe.
[17] Seit dieser Zeit wurde es üblich, nach persischer Sitte das
Bildnis des Königs auf die +Münzen+ zu prägen. Auf den Münzen
Alexanders d. Gr. erscheinen noch nach dem älteren Brauch Götterbilder
(Zeus, Athene, Herakles).
[18] Die Bedeutung der Stadt +Pergamon+ bis in die römische Kaiserzeit
hinein ist durch die von +K. Humann+ 1870–1886 unternommenen
Ausgrabungen in helles Licht getreten. Der von Eumenes II. nach einem
abermaligen Siege über die Galater errichtete +Zeusaltar+ war mit
Skulpturen geschmückt, welche den Kampf der hellenischen Götter gegen
die Giganten darstellen (jetzt im Museum zu Berlin).
~E. Die Römer.~
~Italia,~[19] ursprünglich Name des südlichsten Teils der Halbinsel,
wird allmählich Gesamtname. Ursprünglich von sehr verschiedenen
Völkerschaften bewohnt, gelangt Italien durch die Machtausbreitung
der Stadt +Rom+ zu nationaler und politischer +Einheit+, ohne die
landschaftlichen Unterschiede zu verlieren.
Als älteste Einwohner erscheinen in Ober-Italien westlich die
+Ligŭrer+, östlich die +Venĕter+, beides illyrische Stämme. Ihnen
verwandt sind in Unter-Italien die +Japyger+. Die Mitte der Halbinsel
bewohnen westlich die +Latiner+ und +Ausoner+ (Latium und Campanien),
östlich die +Umbrer+ und die +sabellischen Stämme,+ welche sich
erobernd ausbreiten: nach Latium dringen die +Aequer+ und +Volsker+
vor, in südlicher Richtung die +Samniten+ und +Lucaner+, im Stammlande
bleiben die +Sabiner+.
Höhere Kultur entwickelt sich zuerst bei den ~Etruskern~ oder
~Tyrrhenern~ (etrusk. Rasenna), die in Etrurien und in der mittleren
Po-Ebene wohnen, unter phönikischem Einfluß (s. S. 13). Sie gründen
+Städte+ und stehen seit etwa 750 v. Chr. in lebhaftem Handelsverkehr
mit Karthagern und Griechen. In den Gräbern (Gewölbebauten) bei
Tarquinii, Caere, Clusium, Bononia (jetzt Bologna) haben sich
bedeutende Reste ihrer Kultur erhalten: Wandmalereien, Goldschmuck,
Waffen, Tongefäße. Sie dringen um 600 v. Chr. erobernd vor nach Latium
und Campanien, werden aber gehemmt durch die selbständige Entwickelung
+Roms+ und verlieren seit 438 Campanien an die vordringenden
+Sabeller+. In die Po-Ebene dringen um diese Zeit +keltische+ Stämme
von Norden her ein; nach ihnen heißt dieses Land fortan +Gallia
cisalpina+.
In ~Latium~ bestand in alter Zeit ein Bund von 30 Gemeinden mit
jährlichem Bundesfest auf dem Albanerberge zu Ehren des höchsten Gottes
Juppiter; Vorort war +Alba longa+, auf halber Höhe des Berges gelegen.
+Rom+, als Grenzplatz gegen die Etrusker gegründet, verstärkt durch
Aufnahme von Sabinern, erhebt sich zur herrschenden Stadt. An der
Spitze der Latiner unterwirft es die andern Völker Italiens nach und
nach und wird dann Mittelpunkt eines Weltreiches. Die ältere Geschichte
Roms ist in der Überlieferung sagenhaft ausgeschmückt.
§ 1. Zeit der Königsherrschaft. (753–510.)
~Gründungssage~: König +Numĭtor+ von +Alba longa+, Nachkomme des mit
trojanischen Flüchtlingen in +Latium+ gelandeten +Aenēas+, wird von
seinem Bruder +Amulĭus+ des Thrones beraubt, sein Sohn getötet, seine
Tochter +Rea Silvia+, damit das Geschlecht des Numĭtor aussterbe, unter
die vestalischen Jungfrauen aufgenommen. Die Zwillinge ~Romŭlus~ und
~Remus,~ Söhne der Rea Silvia und des +Kriegsgottes Mars+, befiehlt
Amulĭus in den über die Ufer getretenen +Tiber+ zu werfen. Die Kinder
werden gerettet, von einer Wölfin gesäugt und von dem königlichen
Hirten +Faustŭlus+ auferzogen. Zu Jünglingen herangewachsen, machen
Romulus und Remus an der Spitze anderer Hirten Jagd- und Beutezüge.
Remus wird gefangen und vor Numitor geführt, dieser erkennt seine
Enkel. Sie töten den Amulius, setzen Numitor wieder als König ein und
gründen mit seiner Erlaubnis an der Stelle des Tiberufers, wo sie
einst ausgesetzt wurden, eine Stadt. Bei dem Streit darüber, wer sie
nach seinem Namen nennen und beherrschen soll, wird +Remus+ getötet;
~Romulus,~ alleiniger König, gründet die Stadt ~Roma~ auf dem Hügel
+Palatinus+. Als Gründungstag galt seit Varro (1 Jahrh. vor Chr.) der
21. April (Fest der Hirtengöttin +Pales+) des Jahres 753 v. Chr.
~Romulus,~ kriegerischer König, nimmt Flüchtlinge aus anderen Städten
auf (Asyl auf dem Mons Capitolinus), erwählt einen +Senat+ von 100
Mitgliedern. Raub der Sabinerinnen beim Fest der Consualia; deshalb
Krieg mit den Nachbarstädten Caenina, Antemnae, Crustumerium (Romulus
gewinnt die ersten spolia opima) und mit den +Sabinern+, deren König
+Titus Tatius+ sich durch den Verrat der +Tarpeia+ des Burgfelsens
bemächtigt. Die Schlacht zwischen Römern und Sabinern wird durch die
geraubten Sabinerinnen unterbrochen. Vereinigung der Römer und Sabiner
zu +einem+ Staate unter gemeinschaftlicher Regierung des Romulus und
Tatius bis zu des letzteren Tode. Romulus führt Kriege gegen die
+Etruskerstädte Fidenae+ und +Veii+. Er wird während eines Gewitters zu
den Göttern entrückt und fortan als Gott +Quirīnus+ verehrt.
~Numa Pompilius,~ aus +Cures+, nach +einjährigem Interregnum+ von den
+Römern+ aus den +Sabinern+ erwählt. Friedlicher König, Ordner des
römischen Gottesdienstes, nach dem Rat der Camene +Egerĭa+, seiner
Gemahlin. +Janustempel+, ein in Kriegszeiten geöffnetes Tor zwischen
den beiden Ansiedelungen auf dem Palatinus und Quirinalis, am Fuße der
gemeinschaftlichen Burg auf dem +Capitol+. Einsetzung der +Pontifices+,
+Augŭres+, +Flamĭnes+, +Salii+, +Fetiales+, +virgines Vestales+.
~Tullus Hostilius,~ kriegerischer König. Krieg mit +Veii+ und
+Fidenae+, Verrat des Diktators von Alba, +Mettius Fuffetius+, der
von Pferden gevierteilt wird. +Alba longa+ zerstört (Horatier und
Curiatier), die Bewohner siedeln nach Rom über.
~Ancus Marcius,~ Enkel des Numa, zugleich friedlicher und kriegerischer
König (»et Numae et Romuli memor«). Er stellt die von seinem Vorgänger
vernachlässigten gottesdienstlichen Ordnungen wieder her und verpflanzt
die Einwohner kleiner latinischer Ortschaften nach Rom, gilt deshalb
als Begründer der +Plebs+ (S. 74). Befestigung des Ianiculum, Bau der
Pfahlbrücke (+pons sublicius+) über den Tiber. Gründung der Hafenstadt
+Ostĭa+.
~Tarquinius Priscus,~ aus der etruskischen Stadt +Tarquinii+ mit seiner
Gemahlin +Tanaquil+ nach Rom eingewandert (ihm wird +griechische+
Abstammung von dem +Bakchiaden+ Demaratus aus Korinth zugeschrieben),
wird Vormund der Söhne des Ancus und zum römischen Könige gewählt. Er
beginnt den Bau des Juppitertempels auf dem Kapitol, der +Kloaken+
(Abzugsgräben für die Niederungen zwischen den Hügeln der Stadt) der
Stadtmauer und des +Circus maximus+. Der Senat wird auf 300 Mitglieder
gebracht (+patres minorum gentium+). Verdoppelung der Zahl der
Ritter; der Augur +Attus Navius+ widersetzt sich der Bildung neuer
Rittercenturien. Kriege gegen +Sabiner+ und +Latiner+. Nach Ermordung
des Tarquinius durch die Söhne des +Ancus+ wird durch die List der
+Tanaquil+ König
~Servius Tullius,~ Sohn der Sklavin +Ocrisia+ und eines Gottes, von
Tanaquil infolge eines Wunderzeichens königlich erzogen, Schwiegersohn
des Tarquinius. Krieg gegen +Veii,+ Aufnahme Roms in den +latinischen
Bund+. Bau der +Ringmauer+ um die 7 Hügel der Stadt (Palatinus,
Capitolinus, Aventinus, Caelius, Esquilinus, Viminalis, Quirinalis),
Einrichtung des Census und der ~Centurieneinteilung~ (s. S. 74).
Servius Tullius wird ermordet von seinem Schwiegersohn
~Tarquinius Superbus,~ den die Sage als grausamen Despoten darstellt.
Er befragt den Senat nicht und zwingt das Volk zu Frondiensten beim
Bau des kapitolinischen Tempels; er unterwirft sich den latinischen
Bund, bemächtigt sich durch die List und den Verrat seines Sohnes
+Sextus+ der Stadt +Gabii.+ Er erwirbt die +sibyllinischen Bücher+,
sendet aber seine Söhne auch zum delphischen Orakel, wohin sie ihr
Vetter +L. Iunius Brutus+ begleitet, der den Spruch des Orakels
am besten versteht. Während der Belagerung von +Ardĕa+ Frevel des
+Sextus+ Tarquinius gegen +Lucretia,+ die Gemahlin des +L. Tarquinius
Collatinus+. Diese tötet sich selbst; ~Brutus~ ruft vor ihrem Leichnam
das Volk in Rom zu den Waffen und wiegelt das Heer gegen den König auf,
der die Tore der Stadt verschlossen findet und in die Verbannung geht.
Die letzten drei Könige gehören einer +etruskischen+ Dynastie an; durch
ihre Vertreibung wird Rom wieder eine +latinische+ Stadt.
~Religion.~ Die altitalischen Götter wurden nicht wie die griechischen
menschenähnlich gedacht, sondern als unsichtbare Gewalten; Tempel und
Götterbilder wurden allmählich eingeführt unter griechischem Einfluß,
zuerst bei den Etruskern. +Janus, Saturnus, Juppiter, Mars+ (Quirinus),
+Juno, Vesta, Ceres, Minerva+ sind italische Gottheiten, die später
mit griechischen Göttern gleichgestellt wurden; ihre Verehrung wurde
von besonderen Priestern geleitet (drei +Flamines+: Dialis, Martialis,
Quirinalis: zwölf +Salii,+ Diener des Mars, Träger der heiligen
Schilde, ancilia; sechs +Vestalinnen+). Neben diesen Hauptgöttern viele
andere, die als Beschützer des Landbaues an bestimmten Festen und
heiligen Stätten verehrt wurden: +Pales, Consus, Ops, Faunus, Silvanus,
Terminus, Feronia, Flora, Pomona, Vertumnus+ u. a. Als Beschützer des
Hauses und der Vorräte wurden die +Lares+ und +Penates+ angerufen.
Auch sittliche Begriffe wurden als Götter gedacht und verehrt: Fides,
Pietas, Honor, Virtus, Fortuna, Concordia.
Den Willen der Götter erforschten die +Augŭres+ aus Himmelszeichen
(Donner und Blitz), Vogelflug (Auspicien) und anderen Zeichen;
aus Etrurien kamen die +Haruspĭces+ hinzu, die namentlich aus den
Eingeweiden der Opfertiere weissagten. Besondere Priester hatten
die im kapitolinischen Tempel aufbewahrten +sibyllinischen Bücher+
aufzuschlagen. Die Aufsicht über den gesamten Götterdienst, auch über
die von einzelnen Geschlechtern und Genossenschaften (z. B. den
fratres Arvales) dargebrachten Opfer hatten die +Pontifices+; ihnen lag
daher auch die Ordnung des +Kalenders+ ob. Verträge mit fremden Völkern
unter heiligen Gebräuchen zu schließen und zu lösen war die Aufgabe der
+Fetiales+.