Heer war gegen die Stadt +Olynthos+ gesandt, welche ihre Hegemonie
über die kleineren Städte der Halbinsel Chalkidĭke nicht aufgeben
wollte. +Phöbĭdas+, mit einer zweiten Abteilung nachgesandt,
besetzt die Kadmeia, die Burg von Theben, im Einverständnis mit der
aristokratischen Partei daselbst. Olynth wird 379 von den Spartanern
erobert.
[~379.~]
Thebanische Flüchtlinge, die in +Athen+ Aufnahme gefunden haben,
befreien von dort aus unter Führung des ~Pelopĭdas~ ihre Vaterstadt
und nötigen, unter Mitwirkung des ~Epameinondas~, die Spartaner zum
Abzug aus der Kadmeia.
[~378.~]
Die spartanischen Könige +Kleombrŏtos+ und +Agesilāos+ ziehen
gegen Theben zu Felde, kämpfen aber ohne Erfolg. Der Versuch eines
spartanischen Unterfeldherrn, sich des Peiraieus zu bemächtigen,
veranlaßt die Athener zum +Bündnis mit Theben+. Darauf gründen sie
den ~zweiten athenischen Seebund~ (Chios, Lesbos, Rhodos, Byzanz,
Euböa, Kerkyra, chalkidische Städte, Kykladen; keine Kleruchieen
in bundesgenössischem Gebiet, geringere Geldbeiträge). Seesiege
des +Chabrias+ (bei Naxos) und +Timotheos+ (bei Leukas) über die
peloponnesische Flotte. +Olynth+ wird wieder selbständig. Sparta
und Athen als Vertreter ihrer Bundesgenossen schließen 371 Frieden;
+Theben+ aber weigert sich, seine Hegemonie über Böotien aufzugeben,
soll von den Spartanern dazu gezwungen werden.
[~371.~]
~Schlacht bei Leuktra.~
Der spartanische König +Kleombrotos+ von ~Epameinondas~ besiegt.
Schiefe Schlachtordnung, +Pelopĭdas+ mit der heiligen Schar auf dem
linken Flügel bringt durch sein Vordringen den Kampf zur Entscheidung.
[~370.~]
~Angriff der Thebaner auf Sparta.~ Spartas Hegemonie wird durch den
Abfall der +Arkăder+ und die von Epameinondas angeordnete ~Befreiung
der Messenier~ schwer erschüttert. Gründung der Städte +Megalopŏlis+
in Arkadien und +Messēne+ am Fuß der Berges Ithōme. Die offene Stadt
+Sparta+ wird von +Agesilaos+ erfolgreich verteidigt; ein athenisches
Heer kommt den Spartanern zu Hilfe; Rückzug der Thebaner.
[369–367.]
Epameinondas zieht noch zweimal nach der +Peloponnes+, um den erlangten
Einfluß zu sichern; Pelopidas bekämpft in +Thessalien+ den Tyrannen
Alexander von Pherā und schlichtet einen Thronstreit in +Makedonien+,
wird auf dem Rückweg unweit Pherä gefangen genommen, aber von
Epameinondas befreit.
[367.]
Gesandte der griechischen Staaten gehen nach +Susa+; Thebens Versuch,
einen Vertrag auf Grund der vom Perserkönige gutgeheißenen Vorschläge
zustande zu bringen, mißlingt.
[364.]
Pelopidas fällt im Kampfe gegen den Tyrannen von Pherä bei
+Kynoskephălä+; Epameinondas unternimmt mit einer neugebildeten Flotte
eine Fahrt bis +Byzanz+, um der athenischen Seemacht entgegenzutreten.
Unterdessen neue Streitigkeiten in der Peloponnes; Epameinondas
unternimmt einen +vierten+ Zug dorthin.
[~862.~]
~Schlacht bei Mantineia,~
Epameinondas fällt als Sieger im Kampfe gegen die Spartaner und ihre
Bundesgenossen (darunter 6000 Athener). Damit endet die kurze Zeit der
+thebanischen Hegemonie+ (371 bis 362).
Friedensvertrag unter den griechischen Staaten, doch treten die
Spartaner nicht bei, da sie die Unabhängigkeit Messeniens nicht
anerkennen wollen. +Agesilāos+ geht nach Ägypten zur Unterstützung der
Aufständischen gegen die Perser (s. S. 21), deren Flotte der Athener
+Chabrĭas+ befehligt. Agesilāos stirbt auf der Rückfahrt (360).
[~359–336.~]
~Philipp, König von Makedonien,~
Sohn des Königs Amyntas, war von Pelopidas als Geisel auf 3 Jahre
nach Theben gebracht worden und hatte dort griechische Bildung und
Kriegskunst kennen gelernt. Er wird, 23 Jahre alt, nach dem Tode seines
älteren Bruders Perdikkas, König von Makedonien. Tapfer und staatsklug
befestigt er seinen Thron in dem von Parteikämpfen zerrissenen Lande,
sichert die Grenzen gegen die unruhigen Nachbarvölker (+Päŏner+,
+Illyrier+) und richtet ein stehendes Heer ein (+Phalanx+). Hauptwaffe
die Sarissa, ein 5 m langer Speer. Dann beginnt er die Ausbreitung
seiner Herrschaft an der thrakischen Küste und greift in das
Bundesgebiet der Athener ein, die er durch schlaue Unterhandlungen
täuscht.
[357–356.]
Philipp erobert +Amphipŏlis+ (reiche Goldbergwerke in der Nähe),
+Pydna+, +Poteidaia+, schließt Bündnis mit +Olynth+. Athen unterdessen
bedrängt durch Abfall der Bundesgenossen. Chios, Kos, Rhodos, Byzanz
sagen sich vom Seebunde los. Nach kraftloser Kriegführung (+Chabrias+
† im Hafen von Chios) erkennt Athen 355 auf Antrag des +Eubūlos+ ihre
Selbständigkeit an. Der Seebund fortan unbedeutend. Eubūlos Vertreter
der Friedenspolitik; die Überschüsse der Staatsverwaltung werden auf
seinen Antrag der Festgelderkasse (S. 54) überwiesen.
[~355–346.~]
(Zweiter) ~Heiliger Krieg~ gegen die Phokier,
die wegen Benutzung des dem delphischen Gotte geweihten Landes von
Kirrha (s. S. 33) von den Amphiktyonen zu einer hohen Geldstrafe
verurteilt waren. Die Thebaner übernehmen die Eintreibung dieser
Geldstrafe, die Phokier aber bemächtigen sich der Schätze des
delphischen Tempels, verstärken sich durch Söldner und verteidigen sich
längere Zeit mit Erfolg.
[352.]
+Onomarchos+, Feldherr der Phokier, fällt in Thessalien im Kampfe gegen
~Philipp~, welcher von den mit Theben verbündeten Thessălern zu Hilfe
gerufen war. Ein +athenisches+ Heer hindert durch Besetzung des Passes
von +Thermopy̆lä+ Philipp am Einmarsch in Mittel-Griechenland; die
Phokier behaupten sich noch weiter.
Philipp wendet sich wieder nach Thrakien und greift +Olynth+ an.
+Demosthĕnes+, seit 351 (erste Philippika) Führer des nationalen
Widerstandes gegen die drohende makedonische Macht, veranlaßt
Hilfssendungen der Athener nach Olynth.
[~348.~]
~Philipp erobert Olynth~
durch Verrat, zerstört diese Stadt sowie eine große Zahl kleinerer Orte
auf der Halbinsel Chalkidike und verkauft die Einwohner als Sklaven.
[346.]
Friede zwischen Philipp und den Athenern auf Antrag des +Philokrătes+.
Demosthenes und Äschines Gesandte an Philipp. Dieser zieht, abermals
von den Thessalern und Thebanern zu Hilfe gerufen, nach +Phokis+ und
gewährt dem phokischen Feldherrn Phalaikos und seinen Söldnern freien
Abzug.
[~346.~]
~Philipp unterwirft die Phokier,~
zerstört ihre Städte, wird an ihrer Stelle in den +Amphiktyonen+bund
aufgenommen. In Athen Unwille über sein gewaltsames Vordringen;
Demosthenes’ Rede vom Frieden.
[344.]
Philipp tritt an die Spitze des +thessalischen+ Bundes, unterstützt
+Argos, Messenien, Elis+ gegen Sparta. Demosthenes’ zweite Philippika.
[343.]
Philipp bringt +Epirus+ und einen Teil von +Euböa+ in Abhängigkeit.
Äschines, von Demosthenes wegen seines Verhaltens bei der Gesandtschaft
angeklagt, wird freigesprochen.
[342–341.]
Philipp dringt in Thrakien bis zum Pontos vor, gründet +Philippopolis+
am Hebros, unterstützt die Stadt +Kardia+ in ihrem Streit mit den
athenischen Kolonisten der thrakischen Chersones (S. 46). Die nationale
Partei in Athen (Demosthenes’ dritte Philippika) bringt ein ~Bündnis
hellenischer Staaten~ (Megarer, Korinther, Euböer, Achäer, Akarnanen
u. a.) unter Athens Leitung gegen Philipp zustande.
[340.]
Philipp belagert vergeblich +Perinthos+ und +Byzanz+. Die Athener
erklären ihm den Krieg, schicken zwei Flotten mit Hilfstruppen (unter
+Chares+ und +Phokion+) nach Byzanz und erzwingen die Aufhebung der
Belagerung.
[339–338.]
(Dritter) ~Heiliger Krieg~ gegen Amphissa, nachdem die Amphiktyonen,
auf Veranstaltung des von Philipp bestochenen +Äschines+, die Lŏkrer
von Amphissa wegen Aneignung eines dem delphischen Gotte geheiligten
Ackers in Strafe genommen hatten. Philipp, von den Amphiktyonen
mit der Ausführung des Beschlusses beauftragt, besetzt die Stadt
+Elateia+, welche den Zugang zu Böotien beherrscht. Große Bestürzung
in Griechenland. Die Athener rüsten Flotte und Landheer; Demosthenes
bringt ein ~Bündnis mit Theben~ zustande. Philipp +zerstört Amphissa+
und besiegt die verbündeten Athener, Thebaner, Phokier, Korinther,
Achäer in der
[~338.~ (Aug.)]
~Schlacht bei Chaironeia.~
Sein Sohn +Alexander+ entscheidet die Schlacht durch Vernichtung
der +heiligen Schar+ der Thebaner. Philipp straft die Thebaner hart
(Aufhebung der Hegemonie über Böotien, Rückkehr der Verbannten,
makedonische Besatzung in der Burg Kadmeia); den Athenern bewilligt
er einen günstigen Frieden. Er rückt in die Peloponnes ein, nimmt den
Spartanern einen großen Teil ihres Gebietes und gibt es den Messeniern,
Argivern und Arkadern.
~Makedonische Hegemonie.~ Auf einer Nationalversammlung zu +Korinth+,
an der nur die Spartaner nicht teilnehmen, läßt sich Philipp zum
unumschränkten Heerführer der Griechen gegen die Perser wählen. Im
übrigen behalten die griechischen Staaten ihre Selbständigkeit; eine
Bundesversammlung (Synedrion) zu Korinth soll ihre Streitigkeiten
schlichten.
§ 6. Alexander der Große.
Philipp, der bereits Truppen nach Asien gesandt hat, um den Krieg
gegen die Perser zu beginnen, wird 336 von +Pausanias+, einem seiner
Leibwächter, ermordet. Ihm folgt sein von ~Aristotĕles~ gebildeter
zwanzigjähriger Sohn
[~336–323.~]
~Alexander der Große.~
Er zieht mit Heeresmacht nach +Korinth+ (Diogenĕs) und läßt sich die
Machtstellung seines Vaters übertragen, sichert dann die Nordgrenze
seines Reiches durch einen Zug gegen die +Triballer+, +Geten+ und
+Illyrier+, wobei er die Donau überschreitet. Auf die Nachricht
von einer Erhebung der Griechen erscheint er 335 zum zweitenmal in
Griechenland, schlägt die Thebaner, zerstört +Theben+ mit Ausnahme der
Kadmeia, der Tempel und des Hauses des Dichters ~Pindar~ (522–422), und
läßt die Einwohner als Sklaven verkaufen. Die +Athener+ unterwerfen
sich und erhalten Verzeihung. +Antipăter+ bleibt als Reichsverweser in
Makedonien zurück.
[~334.~]
~Zug Alexanders gegen Persien.~
Alexander fährt mit 30000 Fußsoldaten und 5000 Reitern (Feldherren
Perdikkas, Kleitos, Parmenion, Hephaistion, Kratĕros, Ptolemaios,
Antigŏnos) bei +Abȳdos+ über den Hellespont, schlägt die persischen
Satrapen und +Memnon+, den Führer der griechischen Söldner des Dareios,
in der
[~334.~ (Mai.)]
~Schlacht am Granīkos,~
einem kleinen Flusse in +Troas+. Rettung Alexanders durch +Kleitos+.
Alexander zieht südwärts, erklärt die griechischen Städte und Inseln
für frei von der persischen Herrschaft (S. 55), erobert +Milet+
und +Halikarnassos+. Weiterer Marsch durch Karien und Lykien, dann
nordwärts in das Innere; Aufenthalt zu +Gordion+ in Phrygien, wo
Verstärkungen seines Heeres eintreffen; er löst den gordischen Knoten
mit dem Schwert.
[333.]
Zug durch Kappadokien nach Kilikien, Erkrankung in +Tarsos+ (Bad im
Flusse Kydnos, der Arzt Philippos); durch die +syrischen Pforten+ nach
der Küstenstadt +Myriandros+ in Syrien. Unterdes ist König ~Dareios
III.~ (Kodomannos) mit einem großen Heere vom Euphrat herangezogen und
den Makedoniern in den Rücken gekommen. Auf die Kunde hiervon kehrt
Alexander um und erficht über die Perser in der
[~333.~ (Nov.)]
~Schlacht bei Issos~
an der Küste von +Kilikien+ einen glänzenden Sieg. Dareios entkommt,
seine Mutter, Gemahlin und Kinder fallen in die Hände des Siegers.
Um die persische Seemacht aufzulösen, erobert Alexander +Syrien+ und
+Phönikien+ (7monatige Belagerung der Inselstadt +Tyros+) dringt dann
in Ägypten ein, wird in +Memphis+ als Befreier begrüßt. Gründung der
Stadt ~Alexandreia~ in trefflich gewählter Lage. Zug durch die libysche
Wüste nach der Oase +Siwah+ zum Orakel des +Zeus Ammon+. Von Ägypten
zieht Alexander 331 zurück nach Tyros, dann durch Syrien zum +Euphrat+,
den er bei Thapsakos überschreitet, dann durch Mesopotamien. Jenseits
des +Tigris+ schlägt er mit 47000 Mann das vielfach überlegene Heer der
Perser in der
[~331.~ (Okt.)]
~Schlacht bei Gaugamēla~ oder ~Arbēla~
nicht weit von den Ruinen von +Ninive+. Während Dareios nach Medien
entflieht, wendet sich Alexander nach Süden, zieht, ohne Widerstand
zu finden, in +Babylon+ ein, nimmt darauf +Susa+, dringt durch die
persischen Pässe, zieht als Sieger in +Persepŏlis+ und +Pasargădä+ ein.
Verbrennung des Königspalastes der Achämeniden in Persepolis,
[~330.~]
~Alexander zerstört das Perserreich.~
Dareios flieht weiter nach Osten; Alexander zieht in +Agbatana+ ein,
gelangt dann durch die kaspischen Pässe nach +Parthien+. Dareios wird
in der Nähe von Hekatompylos von dem Satrapen ~Bessos~ ermordet, der
nach Baktrien entweicht und den Königstitel annimmt. Die Leiche des
Königs auf Alexanders Befehl feierlich in Pasargadä bestattet. In
+Hyrkanien+ unterwerfen sich dem Sieger die noch übrigen griechischen
Söldner des Dareios. Alexander zieht weiter durch +Areia+ nach
+Drangiana+; hier wird in +Prophthasia+ die Verschwörung des ~Philōtas~
entdeckt. Er wird vom Heere verurteilt und hingerichtet, sein Vater
~Parmenion~ wird auf Alexanders Befehl in +Agbatana+ getötet. Dann Zug
durch +Arachosien+ bis zum Fuße des +Paropamīsos+ (Hindukusch).
[329.]
Alexander überschreitet den Paropamisos und dringt in +Baktrien+
ein; Bessos wird ihm ausgeliefert und hingerichtet. Dann Zug durch
+Sogdiana+ bis zum +Jaxartes+ (Sir Darja), wo er an der Grenze
gegen die Skythen die Stadt +Alexandreia Eschăte+ gründet. Durch
einen gefährlichen Aufstand unter ~Spitamĕnes~ wird er längere Zeit
in diesen Gegenden festgehalten. In +Marakanda+ (jetzt Samarkand)
ersticht er im Jähzorn den Kleitos 328. In +Baktra+ Vermählung mit
~Roxane~, der Tochter eines baktrischen Fürsten. Alexander beginnt
orientalische Kleidung und Lebensweise anzunehmen. Verurteilung seines
Jugendgefährten ~Kallisthĕnes~, der dies mißbilligte.
[~327–325.~]
~Zug Alexanders nach Indien.~
Mit seinem durch asiatische Truppen ansehnlich verstärkten Heere
gelangt Alexander unter harten Kämpfen mit den Bergvölkern zum +Indus+,
überschreitet den Strom und betritt das Fünfstromland (+Pendschab+).
Vereint mit dem indischen Fürsten von +Taxila (Taxĭles)+, der sich ihm
unterwirft, besiegt er in der
[~326.~]
~Schlacht am Hydaspes~
den +Pōros+, der gefangen, großmütig behandelt und als Vasall wieder in
seine Herrschaft eingesetzt wird.
Gründung der Städte +Nikäa+ und +Bukephăla+. Alexander rückt nach
Osten bis zum +Hyphăsis+ vor. Hier weigern sich die Makedonier weiter
zu marschieren; Alexander entschließt sich zur +Umkehr+, führt aber
seinen Vorsatz, den Ozean zu erreichen, durch. Bau einer großen Flotte,
auf der ein Teil des Heeres den +Hydaspes+ hinab in den +Akesĭnes+
einfährt, während der andere (mit 200 Elefanten) am Flußufer entlang
marschiert. Kampf mit den +Mallern+; Alexanders tollkühne Tapferkeit
und schwere Verwundung. Nach seiner Genesung setzt er Marsch und Fahrt
fort und gelangt zum Einfluß der +vereinigten Pendschabströme+ in den
+Indus+.
[325.]
Fahrt und Zug den +Indus+ hinunter. +Kratĕros+ tritt mit einem Teile
des Heeres auf dem näheren Wege nach Westen den Rückzug nach Persien
an, Alexander marschiert und fährt mit dem andern Teile bis zum
Indus-Delta. Hier läuft die Flotte unter +Nearchos+ in den Indischen
Ozean ein (+Ebbe und Flut+). Nearchos fährt die Küste nach Westen
entlang in den Persischen Meerbusen, während Alexander mit dem Landheer
durch das wüste +Gedrosien (Belutschistan)+ zieht. Nach beschwerlichem
Marsche kommt er in +Karmanien+ an, trifft mit +Kratĕros+ zusammen und
später an der Küste mit +Nearchos+, der dann weiter fahren und die
Mündung des Euphrat und Tigris erkunden muß. Damit ist der Seeweg von
Babylon nach Indien erforscht.
[324. (Jan.)]
Rückkehr Alexanders nach Persien und Strafgericht über habsüchtige und
grausame Statthalter, die den König und sein Heer für verloren gehalten
hatten. Ankunft in +Susa+. Hier enthüllt Alexander seinen großen Plan,
den ~Orient zu hellenisieren~, Sieger und Besiegte zu +einer+ Nation
zu verschmelzen und ein ~großes makedonisch-persisches Weltreich~ zu
gründen. Er vermählt sich mit Stateira, der älteren Tochter des Königs
Dareios III., sein Feldherr +Hephästion+ mit der jüngeren; viele
Offiziere des Heeres und über 10000 Soldaten nehmen asiatische Frauen.
Große Pläne zur Eröffnung neuer Handelswege (Umfahrt Arabiens), zum Bau
von Verkehrsstraßen für die mehr als 70 in allen Provinzen des Reiches
gegründeten +griechischen Städte+. Alexander beansprucht als Nachfolger
des »Großkönigs« göttliche Verehrung.
[324. (Juli.)]
Aufstand des makedonischen Heeres in +Opis+ am Tigris, durch Alexanders
Mut und Klugheit beschwichtigt. Entlassung der reich belohnten
Veteranen unter +Kratĕros+ nach Makedonien, während +Antipăter+
von dort neue Truppen herbeiführen soll. -- Zug nach Agbatana,
wo Hephästion stirbt. Im Lager unweit +Babylon+ erscheinen vor
Alexander zahlreiche Gesandtschaften aus Griechenland, Italien und
Afrika (Karthago). Von Babylon aus wird eine Erforschung des Euphrat
unternommen.
[~323.~ (Juni.)]
~Tod Alexanders des Großen~
in dem zur Hauptstadt des neuen Weltreichs bestimmten Babylon.
In ~Griechenland~ erheben sich 330 die Spartaner unter ihrem Könige
Agis III., +Antipăter+ besiegt sie in der blutigen Schlacht bei
+Megalopŏlis+. Gleich darauf in Athen Prozeß des +Äschines+ gegen
Ktesiphon, welcher 336 einen Ehrenkranz für +Demosthenes+ beantragt
hatte. Äschines geht nach der glänzenden Verteidigungsrede des
Demosthenes in die Verbannung nach Rhodos. Neue Aufregung 324, als
Alexanders Schatzmeister +Harpălos+ nach Griechenland flüchtet
und Alexander das Gebot verkünden läßt, ihn als Gott zu verehren
und die Verbannten wieder aufzunehmen. +Demosthenes+, fälschlich
angeklagt wegen Veruntreuung der dem Harpalos abgenommenen Gelder,
wird nun verbannt, kehrt aber bald zurück und bewirkt, als die Kunde
von Alexanders Tode kommt, in Gemeinschaft mit +Leosthĕnes+ und
+Hypereides+ eine Erhebung der Griechen unter Athens Führung,
[~323–322.~]
~Lamischer Krieg.~
Die Hellenen kämpfen anfangs glücklich unter Leosthĕnes und schließen
Antipăter in +Lamia+ ein, doch wird er durch ein von Leonnātos
herangeführtes Entsatzheer befreit. Auch +Kratĕros+ mit den Veteranen
Alexanders kommt ihm zu Hilfe; beide vereinigt siegen bei +Krannon+
in Thessalien (322). Das griechische Heer zerstreut sich, die Staaten
unterwerfen sich einzeln. Die Athener müssen eine makedonische
Besatzung in +Munychia+ aufnehmen und die demokratische Verfassung
beschränken (+Phokion+ und +Demādes+ an der Spitze des Staats), das
Bürgerrecht wird an einen Census geknüpft. +Demosthenes+ flüchtig,
nimmt auf der Insel +Kalaurĭa+ (an der Küste von Argŏlis) Gift (322).
§ 7. Hellenistische Zeit.
[323–301.]
~Kämpfe der Diadochen (Nachfolger Alexanders).~
Diese langen und verwickelten Kämpfe, die unmittelbar nach Alexanders
Tode ausbrechen, zerstören das kaum gegründete makedonisch-persische
Weltreich, führen aber das von Alexander begonnene Werk der
Hellenisierung des Orients, der Ausbreitung griechischer Kultur und
Sprache, in anderer Weise erfolgreich weiter.
~Perdikkas~ wird 323 zum Reichsverweser ernannt für die
regierungsunfähigen »Könige«, Alexanders Halbbruder +Philipp
Arrhidaios+ († 317) und seinen nachgeborenen Sohn von der Roxane,
+Alexander+ († 311). Die Verwaltung +Makedoniens+ und seiner
Nebenländer führen ~Antipăter~ und ~Kratĕros~. Auch die übrigen
Feldherren erhalten Statthalterschaften, namentlich ~Ptolemaios~:
+Ägypten+; ~Antigŏnos~: +Groß-Phrygien, Pamphylien+ und +Lykien+;
~Eumĕnes~, Alexanders Geheimschreiber: +Paphlagonien+ und
+Kappadokien+, die er noch erobern soll; ~Leonnātos~ († 322): das
+hellespontische Phrygien+; ~Lysimachos~: +Thrakien+. Der Plan des
Perdikkas, sich selbst zum Könige zu machen, bewirkt ein Bündnis der
meisten übrigen Feldherren gegen ihn; er wird auf einem Zuge gegen
Ptolemaios von seinen eigenen Truppen getötet.
[321.]
~Antipăter~ Reichsverweser, neue Verteilung der Statthalterschaften,
wobei namentlich ~Seleukos~ die Satrapie +Babylon+ erhält. Krieg
zwischen Antigŏnos und Eumĕnes.
[319.]
~Polysperchon~ Reichsverweser, gelangt zu keinem Ansehen. In den
fortdauernden Kämpfen siegt ~Antigŏnos~ in Kleinasien über Eumĕnes;
~Kassander~, Antipaters Sohn, gewinnt die Herrschaft in Makedonien,
läßt Alexanders Mutter +Olympias+ töten und vermählt sich mit
Alexanders Schwester +Thessalonīke+, gründet ihr zu Ehren eine bald
aufblühende Handelsstadt (jetzt Saloniki).
Da Antigŏnos das ganze Reich unter seine Botmäßigkeit bringen will, so
entsteht ein.
[315–301.]
Krieg zwischen ~Antigŏnos~ und den übrigen Statthaltern.
~Antigŏnos~ und sein Sohn ~Demetrĭos Poliorkētes~ (der Städtebelagerer)
nehmen 306 den ~Königstitel~ an. Diesem Beispiele folgen +Ptolemaios+,
+Seleukos+, +Lysimachos+, +Kassander+.[17]
Demetrios belagert 304 vergeblich die feste Stadt +Rhodos+, sucht dann
sich in Griechenland festzusetzen.
[301.]
~Schlacht bei Ipsos~ (in Phrygien).
Antigŏnos fällt, sein Sohn +Demetrĭos+ entflieht und führt mehrere
Jahre lang ein abenteuerliches Freibeuterleben.
In Asien für die nächste Zeit Friede; in Europa dauern die Kämpfe fort.
Nach +Kassanders+ Tode (297) bemächtigt sich +Demetrios+ der Herrschaft
in Makedonien, wird aber 287 vertrieben und stirbt als Gefangener in
der Gewalt des +Seleukos+ in Syrien. Sein Sohn ~Antigŏnos Gonātas~
behauptet sich nach wechselvollen Kämpfen im Besitz Makedoniens.
Aus dem Weltreich Alexanders d. Gr. sind +drei große Monarchien+
entstanden (Ägypten, Syrien, Makedonien), in denen ~Griechisch~ die
Sprache des Hofes, der Regierung und der Gebildeten ist. Daneben
mehrere kleinere Monarchien, griechische Freistädte und im Osten
+halb+griechische Staaten (S. 65ff).
1. ~Ägypten~ unter den ~Ptolemäern~.
[323–285.]
+Ptolemaios I. Lagi+ (d. h. Sohn des Lagos), auch +Sotēr+ genannt, weil
er den Rhodiern Hilfe brachte, sorgt für gute Verwaltung, herrscht
auch über +Cypern+, setzt in +Kyrene+ seinen Stiefsohn +Magas+ ein.
[285–247.]
+Ptolemaios II. Philadelphos+ gründet in der Hauptstadt +Alexandrīa+
das Museum und die Bibliothek, gewinnt im Kriege gegen das
Seleukidenreich +Phönikien+, +Cölesyrien+ und die Südküste
+Kleinasiens+.
[247–221.]
+Ptolemaios III. Euergĕtes+ (der Wohltäter) behauptet noch den Umfang
des Reiches, fördert Wissenschaften und Künste. Mit Ptolemaios IV.
Philopātor (221–205) beginnt der Verfall; unter Ptolemaios V. Epiphănes
(205–181) beginnt die Abhängigkeit von den Römern, doch erst 30 v. Chr.
wird Ägypten römische Provinz.
2. ~Syrien~ unter den ~Seleukiden~.
[321–281.]
+Seleukos I. Nikātor+ herrscht weithin nach Osten bis zu den durch
Alexander festgesetzten Grenzen; nur das +Indus+land wird aufgegeben
(S. 16). Viele griechische Städte gegründet (Seleukeia am Tigris,
Edessa, Hekatompylos); Residenz Seleukeia neben +Antiochīa+ am Orontes.
Durch den Sieg bei Ipsos gewinnt er einen großen Teil Kleinasiens,
erweitert dies Gebiet 281 durch den Sieg in der Koros-Ebene (im
hellespontischen Phrygien) über +Lysimăchos+, fällt aber bald darauf
durch Mörderhand.
[281–261.]
+Antiochos I. Soter+ schlägt die +Gallier+ zurück (s. S. 66), behauptet
noch den Umfang des Reiches. Unter +Antiochos II. Theos+ (261–248)
entstehen selbständige Königreiche in +Baktrien+ und +Parthien+.
[222–187.]
+Antiochos III. der Große+ kämpft gegen Ägypten, gegen die Parther und
Baktrer, wird 190 von den Römern gedemütigt, behält aber immer noch ein
ansehnliches Reich.
[167–130.]
Befreiungskampf der ~Juden~ unter Führung der ~Makkabäer~ (Mattathias
und seine Söhne) gegen +Antiochos IV. Epiphănes+ und dessen Nachfolger.
Palästina wird ein unabhängiger Priesterstaat, seit 63 unter römischem
Schutze.
[83.]