Asien und Europa ist gesichert gegen die Machtansprüche des persischen
Despotismus. 2. Die +griechische Kultur+ entfaltet sich zu ihrer
höchsten Blüte in Gewerbtätigkeit und Handel, Kunst und Wissenschaft,
besonders in +Athen+, während Sparta zurückbleibt.
[~444–429~]
Nachdem +Thukydĭdes+ (Sohn des Melesias, nicht der gleichnamige
Geschichtschreiber), eine Zeitlang Führer der kimonischen Partei,
durch den Ostrakismos verbannt ist, beginnt die ~Blütezeit Athens~
unter der Verwaltung des ~Perikles~, welcher, obwohl niemals Archon,
den Staat durch seinen Einfluß als Redner in der Volksversammlung und
in amtlicher Eigenschaft als +Strateg+, als +Finanzvorsteher+ und
+Vorsteher der öffentlichen Bauten+ leitet.
Unbestrittene Herrschaft Athens im Gebiet seines Seebundes; nur
+Samos+ versucht 441 einen Aufstand. Verstärkung der Kolonie auf der
thrakischen +Chersones+ (S. 36, 43), Flottenfahrt des Perikles nach
dem +Schwarzen Meere+ zur Unterstützung der dortigen Griechenstädte
Sinōpe, Amīsos, Pantikapaion (letztere wichtig für den Getreidehandel
nach Athen). Neue Kolonien +Thurii+ in Unter-Italien, an der Stelle
des zerstörten +Sybăris+ (443), und +Amphipŏlis+ am Strymon (437).
-- Vollendung der Befestigung Athens durch eine +dritte+ lange Mauer
(parallel mit der nach dem Peiraieus führenden, s. S. 43). Neubau der
+Hafenstadt+ Peiraieus, Tempel zu +Eleusis+, in Athen das +Odeion+
neben dem vergrößerten +Dionysostheater+ am Südabhang der Akropolis, in
der Nähe das noch gut erhaltene Theseion.
Prachtbauten auf der ~Akropolis~: Der +Parthĕnon+, von Iktīnos und
Kallikrătes erbaut, von dem Bildhauer ~Pheidĭas~ mit dem Standbild
der Göttin Athene aus Gold und Elfenbein, an den Außenseiten mit
Marmorskulpturen geschmückt;[15] die Karyatidenhalle des +Erechtheion+;
die +Propyläen+, als Eingangstor von Mnesĭkles erbaut; daneben die
+Pinakŏthek+ mit Wandgemälden von +Polygnōtos+. Tempel der Athena Nike.
Auf dem freien Platz vor den beiden Tempeln das große eherne Standbild
der +Athene Promăchos+ von ~Pheidias~, welcher auch nach +Olympia+
berufen wurde, um dort das Standbild des Zeus aus Gold und Elfenbein
aufzurichten.
Athen jetzt der Brennpunkt des wirtschaftlichen Lebens in Hellas.
Handel nach allen Plätzen des Mittelmeeres. Großindustrie durch Sklaven
betrieben. Bedeutende Ausfuhr von Erzeugnissen des Gewerbefleißes,
Einfuhr von Getreide, Schiffsbauholz und Rohstoffen aller Art.
Blüte der +dramatischen Dichtung+: Die drei Tragiker ~Aischy̆los~
(526–455, die Perser 472, die Oresteia 458, eine Trilogie), ~Sŏphŏkles~
(496–405, Antigone 441, Ödipus auf Kolōnos), ~Euripĭdes~ (480–406,
Medeia 431. Iphigeneia in Tauris 412). Etwas später entfaltet sich die
+Komödie+; besonders bedeutend sind die +politischen+ Komödien des
~Aristophănes~ in der Zeit des Peloponnesischen Krieges (die Ritter
424, die Wolken 423, der Friede 421, die Vögel 414). Dramatische
Aufführungen fanden statt an den +Diony̆sosfesten+ (kleine Dionysien
oder Lenäen, große Dionysien); die Ausstattung des Chores war eine den
reicheren Bürgern obliegende +Liturgie+ (vgl. S. 39).
Geschichtschreibung: ~Herodot~ von Halikarnaß (484–424?), Teilnehmer an
der Koloniegründung in Thurii; ~Thukydĭdes~ von Athen (470–400?).
Philosophie: ~Anaxagŏras~ von Klazomĕnä, Lehrer des Perikles
(+Empedŏkles+ in Akragas. +Demokritos+ in Abdēra, um 450). ~Protagŏras~
von Abdera, neben +Gorgias+ von Leontini und +Prodikos+ von Keos der
berühmteste unter den +Sophisten+, welche als Lehrer der Weisheit und
der Redekunst auftraten. ~Sokrătes~ von Athen (469–399), Gegner der
Sophisten. Ihrer subjektiven Richtung (der Mensch ist das Maß der
Dinge) stellt er das Streben nach objektivem, begriffsmäßigem Wissen
entgegen.
§ 4. Peloponnesischer Krieg. (431–404 v. Chr.)
Nach kurzer Friedenszeit erneuert sich die Feindschaft der auf
Athens politisches und wirtschaftliches Übergewicht eifersüchtigen
aristokratischen Peloponnesier gegen die attische Demokratie; es
beginnt ein fast dreißigjähriger, für Griechenland verderblicher Krieg.
~Veranlassungen~: 1. Einmischung Athens in den Krieg, welcher
zwischen +Kerkyra+ und +Korinth+ wegen der Kolonie +Epidamnos+ (S.
33) entstanden war.[16] Die Athener erklären sich für Kerkyra und
nehmen (zunächst mit 10 Schiffen) teil an der +Schlacht bei Sybŏta+
(432) zwischen den Korinthern und Kerkyräern, in der die Korinther
erst Sieger sind, sich aber nach dem Erscheinen weiterer 20 attischer
Trieren zurückziehen. 2. Die Bewohner von +Poteidaia+ (S. 33) fallen
vom athenischen Bunde ab (432), werden von Korinth unterstützt, aber
von den Athenern geschlagen und in ihrer Stadt belagert.
Die Korinther, unterstützt durch Beschwerden der +Megărer+, welche von
allen attischen Häfen und Märkten ausgeschlossen worden waren, und der
Ägineten, klagen gegen die Athener in Sparta. Die Volksversammlung
der Spartiaten erklärt, daß die Athener die Verträge gebrochen haben,
worauf die +peloponnesische Tagsatzung+ Kriegsbereitschaft beschließt.
~Streitkräfte beider Parteien~: +Achaja+ und +Argos+ bleiben zunächst
neutral; mit den ~Peloponnesiern~ verbündet: die +Megărer+, +Böoter+,
+opuntischen Lokrer+, +Phokier+. -- Selbständige Bundesgenossen der
~Athener~: +Platää+, +Naupaktos+, +Kerkyra+, +Zakynthos+, +Chios+,
+Lesbos+, die +Thessăler+ und +Akarnanen+. Flotte von 300 Trieren,
Bürgerheer von 29000 Hopliten, Staatsschatz von 6000 Talenten,
Jahrestribut aus dem Bundesgebiet 600 Talente.
Perikles behauptet sein Ansehen gegen alle Anfeindungen (Anklagen gegen
Pheidias, Anaxagoras, gegen seine Gemahlin Aspasia, endlich gegen ihn
selbst wegen der Verwaltung des Staatsschatzes). Sein Kriegsplan:
Verteidigung in der befestigten Stadt, Angriff mit der Flotte.
[431.]
~Der Archidamische Krieg. 431–421.~ Der Krieg beginnt mit einem
Überfall von +Platää+ durch die Thebaner, welche zurückgeschlagen
werden. Darauf ~Einfall der Peloponnesier in Attika~ unter dem
Spartanerkönig +Archidāmos+. Verwüstung des Landes. Die Landbewohner
flüchten in die befestigte Stadt Athen oder lagern zwischen den langen
Mauern. Die athenische Flotte verheert die Küsten der Peloponnes und
nimmt +Ägina+ in Besitz; das Gebiet von +Megăra+ von dem Landheer
verwüstet.
[430.]
~Zweiter Einfall~ der Peloponnesier, in Athen bricht die ~Pest~ aus
(der Arzt +Hippokrătes+ aus Kōs). Perikles verheert mit der Flotte die
Küste von +Argolis+, wird im Rechenschaftsprozeß verurteilt, aber für
das nächste Jahr wieder zum Feldherrn erwählt.
[429.]
Die Athener nehmen +Poteidaia+ ein; ihre Flotte unter +Phormion+ ist
siegreich im korinthischen Meerbusen bei Naupaktos.
~Perikles stirbt an der Pest~. An die Spitze der demokratischen Partei
tritt +Kleon+, der »Gerber«, d. i. Besitzer einer durch Sklaven
betriebenen Lederwarenfabrik, an die Spitze der aristokratischen
+Nikĭas+.
[428.]
+Dritter Einfall+ der Peloponnesier, dann Abfall der Stadt +Mytilēne+
auf Lesbos vom athenischen Seebunde (Methymna bleibt den Athenern
treu). Die Spartaner belagern +Platää+.
[427.]
Während des +vierten Einfalls+ der Peloponnesier in Attika wird
+Mytilēne+ auf Lesbos von der athenischen Flotte zur Übergabe
gezwungen. Die athenische Volksversammlung beschließt auf +Kleons+
Antrag, +alle Bürger+ von Mytilēne, am andern Tage jedoch, +nur die
Aristokraten+ hinrichten zu lassen. Über +tausend+ werden getötet, die
Mauern der Stadt geschleift, die Äcker der Insel, mit Ausnahme des
Gebiets von +Methymna+, an attische Bürger verteilt.
Die Spartaner nehmen +Platää+ ein, die letzten 225 tapferen Verteidiger
der Stadt werden hingerichtet. -- Blutige Parteikämpfe in +Kerkyra+, wo
zuletzt mit Hilfe Athens die Demokraten Sieger bleiben.
[426.]
Glückliche Kämpfe der Athener unter +Demosthĕnes+ in +Akarnanien+ gegen
die von den Peloponnesiern unterstützten +Ambrakioten+.
[425.]
+Fünfter Einfall+ der Peloponnesier. +Demosthenes+, mit einer nach
Sicilien (S. 50) bestimmten Flotte aussegelnd, landet in Messenien
und besetzt die verfallene Burg von ~Pylos~. Die Peloponnesier
(+Brasĭdas+) besetzen die gegenüberliegende Insel +Sphakteria+, werden
aber durch die athenische Flotte abgeschnitten. Der von spartanischen
Gesandten in Athen angebotene Friede auf +Kleons+ Antrag verworfen.
Kleon und Demosthenes erobern +Sphakteria+; 292 Hopliten, darunter
120 Spartiaten, werden nach Athen gebracht. Die Athener drohen diese
hinzurichten, wenn ein neuer Einfall in Attika geschehe.
[424.]
Die Insel +Kythēra+ von den Athenern unter Nikias besetzt. Von Kythēra
und von +Pylos+ aus beunruhigen sie fortwährend das lakonische Gebiet.
Ihr Landheer bei +Delion+ in Böotien von den Böotern geschlagen
(Sokrates von Alkibiades gerettet).
~Brasĭdas~, der durch Böotien und Thessalien nach +Makedonien+ und
+Thrakien+ gezogen ist, bringt die dortigen Küstenstädte zum Abfall
von Athen, nimmt auch +Amphipŏlis+ ein. Der athenische Feldherr
+Thukydĭdes+ (der Geschichtschreiber), der mit einem Geschwader bei
Thasos lag und diesen Verlust nicht hatte verhindern können, wird
deshalb verbannt. Nach abermals vergeblichen Friedensverhandlungen
senden die Athener Kleon nach Thrakien. Er wird in der
[~422.~]
~Schlacht bei Amphipŏlis~
von Brasidas geschlagen und fällt auf der Flucht, Brasidas stirbt an
seinen Wunden.
[~421~.]
~Friede des Nikĭas~,
geschlossen auf 50 Jahre. Beide Teile geben die Gefangenen und die
Eroberungen heraus, doch wird diese Bestimmung nur unvollständig
ausgeführt. Schon nach +drei+ Jahren bricht der Krieg wieder aus,
da ~Alkibiădes~ die Athener beredet, dem Bündnis beizutreten,
welches +Argos+ mit anderen peloponnesischen Staaten (Elis und
Mantineia) geschlossen hatte, um dem drückenden Übergewicht Spartas
entgegenzutreten.
Die vereinigten +Argiver+ und +Athener+ werden in der
[~418~.]
~Schlacht bei Mantineia~
geschlagen. Die Spartaner stellen durch diesen Sieg ihre Herrschaft
über die Peloponnes wieder her. In Athen bekämpfen sich die Parteien
des +Nikias+ und +Alkibiădes+; durch Anwendung des Ostrakismos wird nur
der unruhige +Hyperbŏlos+ verbannt.
[416.]
Die Athener nehmen +Mēlos+ und töten +alle+ Bürger der Insel.
[~415–413~.]
Unternehmung der Athener gegen ~Syrakus~.
Syrakus, nach dem Siege bei +Himĕra+ über die Karthager (S. 41)
aufblühend unter der milden Herrschaft +Hierons+ (Bruder des +Gelon+)
seit 466 mit demokratischer Verfassung, steht an der Spitze der
sicilischen Griechenstädte.
[427.]
Hilfsgesuch der Stadt +Leontini+ (der Redner und Sophist +Gorgias+) bei
den Athenern gegen Syrakus; eine athenische Flotte wird nach +Rhegion+
gesandt, doch gelingt es den Athenern nicht, sich auf Sicilien
festzusetzen. Der Syrakusaner +Hermokrătes+ vermittelt 424 Frieden
unter den sicilischen Städten.
[416.]
Hilfsgesuch der Stadt +Egesta+ und der vertriebenen Leontiner gegen
Selinus und Syrakus, bei den Athenern von +Alkibiădes+ befürwortet, von
+Nikias+ widerraten. Eine Flotte von 134 Trieren fährt unter Anführung
von +Alkibiădes+, +Nikias+ und +Lamăchos+ nach Sicilien. Nachdem
+Naxos+ und +Katăna+ besetzt sind, wird Alkibiades zurückgerufen,
abwesend angeklagt wegen Teilnahme an Religionsfreveln, die kurz
vor Abfahrt der Flotte begangen waren (Verstümmelung der Hermen.
Verspottung der eleusinischen Mysterien). Er flieht nach Argos, wird
abwesend zum Tode verurteilt, seine Güter werden eingezogen. Hierauf
begibt er sich, um Rache an Athen zu nehmen, nach Sparta.
[Sidenote:
414.]
Die Athener erfechten einen Sieg vor +Syrakus+ und beginnen mit
Erfolg die Belagerung der Stadt, wobei +Lamăchos+ fällt. Die
Spartaner schicken auf Alkibiades’ Antrieb ein kleines Geschwader
unter +Gylippos+ den Syrakusanern zu Hilfe. Die Athener werden
zurückgedrängt, leiden durch Krankheit und Mangel. Nikias der Lage
nicht gewachsen.
[413.]
Sie erhalten Verstärkung aus Athen (73 Trieren, 5000 Hopliten) unter
+Demosthĕnes+, werden aber bei einem nächtlichen Angriff auf die
Höhen von +Epipŏlä+ besiegt. Der Abmarsch beschlossen, verzögert
durch abergläubische Bedenken des Nikias wegen einer Mondfinsternis
(27. August). Unglückliche +Seeschlacht+ in dem von den Feinden
gesperrten Hafen von Syrakus; das zu Lande abziehende Heer wird am
Flusse +Assinăros+ teils niedergemacht, teils gefangen. +Nikĭas+
und +Demosthĕnes+ in Syrakus hingerichtet, 7000 Gefangene in die
Steinbrüche gesteckt, wo viele elend umkommen, oder als Sklaven
verkauft.
[413. (März.)]
Auf Alkibiădes’ Rat halten die Spartaner, gereizt durch eine Landung
attischer Schiffe in Lakonien, den Flecken +Dekeleia+ in Attika
besetzt. Von dort aus machen sie (unter König +Agis+) oft wiederholte
Streifzüge. Die dauernde Besetzung wirksamer als die früheren
vorübergehenden Einfälle, Die letzten 9 Jahre des +Peloponnesischen
Krieges+ heißen deshalb der
[413–404.]
~Dekeleïsche~ Krieg.
Bedrängnis der Athener, Flucht vieler Sklaven, Geldnot des Staates. Die
aristokratische Partei kommt wieder zu Ansehen. Einsetzung einer neuen
Behörde von 10 +Vorberatern+. Ordnung der Finanzen; die Tribute der
Bundesgenossen werden in Hafenzölle umgewandelt. Neue Rüstungen.
Alkibiădes bewirkt den Abfall von +Chios+, +Erythrä+, +Klazomĕnä+
und +Milēt+ vom athenischen Bunde. Er bringt ein Bündnis zustande
zwischen den Spartanern, die sich bereit erklären, dem Perserkönig
alle ihm ehemals untertänigen Griechenstädte wieder zu überlassen, und
dem persischen Satrapen +Tissaphernes+ in Sardes, der den Spartanern
Hilfsgelder zahlt.
[412.]
Eine neue athenische Flotte erscheint an der ionischen Küste; die
Peloponnesier werden im Landkampf bei +Milēt+ geschlagen, aber die
Einnahme der Stadt wird durch das Erscheinen syrakusischer Schiffe
(unter Hermokrates) gehindert. Die athenische Flotte, wieder auf 104
Schiffe gebracht, ankert vor +Samos+. Alkibiădes, von den Spartanern
angefeindet und beargwöhnt, begibt sich zu Tissaphernes, auf den er
bald großen Einfluß gewinnt. Zugleich knüpft er Unterhandlungen mit den
Oligarchen (Gegnern der Demokratie) im athenischen Heere an.
[411. (März.)]
~Verfassungsänderung in Athen~,
von der oligarchischen Partei +(Antĭphon+, +Theramĕnes+) gewaltsam
durchgesetzt. Rat von 400 Mitgliedern eingesetzt, die Volksversammlung
auf 5000 Bürger beschränkt, alle Staatsbesoldungen, mit Ausnahme
des Soldes der im Heere dienenden Bürger, werden abgeschafft.
Friedensverhandlungen mit Sparta. Aber das Heer bei Samos weigert
sich, die Verfassungsänderung anzuerkennen, erwählt neue Feldherren
(+Thrasybūlos+) und ~ruft Alkibiades zurück~. Dieser übernimmt den
Oberbefehl, weigert sich aber, die Flotte gegen die Oligarchen nach
Athen zu führen, und verlangt, daß sie vor dem Feinde bleibe. In Athen
wird auch ohne Eingreifen des Heeres die Oligarchie nach kurzer Dauer
gestürzt, der alte Rat der 500 wieder eingesetzt, bald auch der Zutritt
aller Bürger zur Volksversammlung wieder hergestellt.
Die Spartaner brechen jede Verbindung mit Tissaphernes ab und schließen
ein Bündnis mit +Pharnabāzos+, dem Satrapen von Bithynien. Aber die
peloponnesische Flotte (unter +Mindăros+) wird von den Athenern in zwei
[411.]
Seegefechten bei ~Abȳdos~ geschlagen und schließlich unter
+Alkibiădes’+ Oberbefehl vernichtet in der
[410.]
~Doppelschlacht bei Kyzĭkos~ (Mindaros † im Landkampf an der Küste).
Alkibiădes sichert die athenische Herrschaft auf der thrakischen
+Chersones+, erobert +Chalkēdon+, schließt Vertrag mit Pharnabazos,
erobert endlich auch die von dem Spartaner +Klearchos+ verteidigte, für
die Getreidezufuhr aus den Pontusländern wichtige Stadt +Byzanz+ (409).
[~408~.]
~Alkibiădes kehrt nach Athen zurück.~
Seine Verurteilung wird widerrufen, die Athener ernennen ihn zum
unumschränkten Feldherrn zu Wasser und zu Lande. Er schützt mit seinem
Heere den langentbehrten Festzug nach Eleusis, fährt dann an der Spitze
der athenischen Flotte wieder nach Kleinasien. Dort hatte unterdessen
der Spartaner +Lysander+ den Oberbefehl erhalten, und des persischen
Königs Dareios II. jüngerer Sohn +Kyros+, Freund der Spartaner, war
Satrap in Sardes geworden. Während Alkibiădes sich an einer Belagerung
von +Phokäa+ beteiligt, wird die von seinem Unterfeldherrn Antiochos
befehligte Flotte von +Lysander+ in dem
[407.]
~Seetreffen bei Notion~ im Golf von Ephĕsos geschlagen. Wegen dieses
unverschuldeten Unglücks wird Alkibiădes von den Athenern des
Oberbefehls entsetzt. Er zieht sich nach der thrakischen Chersones
zurück.
Der neue spartanische Nauarch (Admiral) +Kallikratĭdas+ schließt die
athenische Flotte unter +Konon+ im Hafen von +Mytilene+ ein. Die
Athener rüsten mit äußerster Anstrengung eine neue Flotte aus; diese
schlägt die Peloponnesier in der großen
[~406~. (Sept.)]
~Seeschlacht bei den Arginusen~,
kleinen Inseln an der Küste Kleinasiens, südöstlich von Lesbos; von
120 peloponnesischen Schiffen entkommen nur 43. Aber die siegreichen
Feldherren werden in Athen angeklagt, weil sie die Schiffbrüchigen
bei dem nach der Schlacht eingetretenen Sturm nicht gerettet und die
Leichen nicht bestattet haben; 6 von ihnen, die sich dem Gericht
stellen, werden zum Tode verurteilt. Vergeblicher Widerspruch des
+Sokrates+, der am zweiten Verhandlungstage Vorsteher der Prytanen
(S. 36) war, gegen das abgekürzte (summarische) Gerichtsverfahren.
~Lysander~, wiederum Anführer der spartanischen Flotte, vernichtet die
athenische Flotte in der
[405. (August.)]
~Schlacht bei Aigospotamoi~ (Ziegenflüsse), Lampsăkos am Hellespont
gegenüber. Nur +Konon+ rettet sich mit wenigen Schiffen.
Niedermetzelung von 3000 gefangenen Athenern. Lysander vernichtet die
athenische Herrschaft über die Küsten und Inseln, richtet überall
oligarchische Verfassungen ein, die durch spartanische Statthalter
(Harmosten) überwacht werden, erscheint dann mit seiner Flotte vor
dem Peiraieus, während die Landtruppen unter den beiden spartanischen
Königen +Agis+ und +Pausanias+ Athen von der Landseite einschließen.
Unterhandlungen durch +Theramĕnes+. Endlich bewirkt der Hunger die
[~404~. (Frühjahr.)]
~Übergabe Athens, Ende des Krieges.~
Die Mauern des Peiraieus und die langen Mauern zwischen Stadt
und Häfen werden niedergerissen. Anerkennung der spartanischen
Hegemonie, Verzicht auf alle auswärtigen Besitzungen, Auslieferung der
Kriegsschiffe bis auf 12. Nach Annahme dieser Friedensbedingungen wird
unter +Lysanders+ Einfluß die Neuordnung des Staates +dreißig Männern+
der oligarchischen Partei (Tyrannen) übertragen.
~Folgen des peloponnesischen Krieges~: 1. Fortdauernde Zersplitterung
der Griechen, Beginn ihres politischen Niedergangs, erfolgreiche
Einmischung Persiens. 2. +Sparta+ ist mit persischer Hilfe wiederum
im Besitze der +Hegemonie+, aber durch Auflösung der altspartanischen
Zucht entartet. 3. +Athen+, die Siegerin über den Nationalfeind, ist
gedemütigt, hat jedoch noch Kraft zu neuer Erhebung und bleibt die
geistige Hauptstadt Griechenlands.
§ 5. Makedoniens Emporkommen.
Da Sparta seine Hegemonie gegen die Abneigung der anderen Staaten,
besonders gegen das aufstrebende +Theben+ nicht behaupten kann,
erheben sich neue Kriege unter den griechischen Staaten, bis sie der
Herrschaft +Makedoniens+ untertan werden, welches unter den Königen
+Perdikkas II.+ (454–413) und +Archelāos+ (413–399) allmählich
erstarkt war, dann unter Thronstreitigkeiten zu leiden hatte bis zum
Regierungsantritt +Philipps+ 359.
[~404–403.~]
Herrschaft der ~Dreißig~ in Athen.
Sie nehmen eine spartanische Besatzung in die Akropolis auf, verhängen
Verbannung und Hinrichtung über mißliebige Bürger, die von Angebern
(Sykophanten) angeklagt sind. +Theramenes+, der als Mitglied der
+Dreißig+ zur Mäßigung rät, wird auf Betreiben des leidenschaftlichen
+Kritias+ ebenfalls hingerichtet. Darauf sammelt ~Thrasybūlos~ in
+Theben+ die aus Athen entflohenen Anhänger der Demokratie, besetzt
mit ihnen die Bergfeste +Phyle+ im Parnēsgebirge, schlägt die Truppen
der Dreißig und bemächtigt sich der Hafenstadt Munychia (403); Kritias
fällt. An Stelle der 30 wählen die Bürger in Athen 10 gemäßigtere
Oligarchen. Unter Vermittelung des Spartanerkönigs +Pausanĭas+ kommt
ein Vergleich zwischen diesen und Thrasybūlos zustande. Die vereinigten
Bürger ziehen gegen +Eleusis+, wo die meisten der Dreißig getötet
werden, dann wird +Amnestie+ verkündigt.
[403.]
Herstellung der Demokratie; neue Aufzeichnung der Gesetze unter dem
Archon ~Eukleides.~ Bald werden auch die Besoldungen und Schaugelder
(S. 44) wieder eingeführt, erstere sogar vermehrt durch den
+Volksversammlungssold+.
[401.]
Aufstand des von Sparta unterstützten ~Kyros~ (S. 21) gegen König
+Artaxerxes Mnemon+. Alkibiădes, welcher schon im Jahre 404 den König
hatte warnen wollen, war auf der Reise zu ihm in Phrygien auf Betreiben
Lysanders getötet worden. 13000 griechische Söldner kämpfen für Kyros
in der Schlacht bei ~Kunaxa~ (unweit Babylon); mühsamer Rückzug unter
Führung des Atheners ~Xenophon.~ Nicht ganz 10000 erreichen bei
Trapezūs das Schwarze Meer, die meisten treten bei dem spartanischen
Feldherrn +Thibron+ (s. u.) in Dienst.
[399.]
~Sokrates~ in Athen zum Tode verurteilt und durch Gift hingerichtet.
Sein Schüler ~Platon~ erhebt die Philosophie zur umfassenden
Wissenschaft.
[399–394.]
~Krieg der Spartaner gegen Persien,~ gehemmt durch Zwiespalt unter den
Griechen.
Der persische Satrap +Tissaphernes+ will die griechischen Städte
Kleinasiens für ihren Anschluß an die Sache des Kyros züchtigen. Die
Spartaner kommen den Städten zu Hilfe, erst unter +Thibron+, dann
unter +Derkyllĭdas+, endlich unter dem König ~Agesilaos.~ Dieser
dringt 396 siegreich in Asien vor, schlägt am +Paktōlos+ die Reiter
des Tissaphernes, der auf Befehl des Großkönigs von seinem Nachfolger
+Tithraustes+ hingerichtet wird. Aber +Athen,+ +Theben,+ +Korinth,+
+Argos+ verbünden sich, durch persisches Geld unterstützt, gegen
Sparta, dessen Harmosten sich überall verhaßt gemacht hatten.
[395.]
Lysander fällt bei +Haliartos+ (in Böotien) im Kampf gegen die Thebaner.
[394.]
Seeschlacht bei +Knidos+; die spartanische Flotte wird von der
persischen, von dem Athener Konon geführten Flotte besiegt. Vertreibung
der Harmosten aus den griechischen Städten Kleinasiens. ~Agesilāos,~
aus Asien +zurückberufen+, zieht durch Thrakien, Makedonien und
Thessalien, schlägt die Verbündeten in der
[394.]
~Schlacht bei Koroneia~ (im westl. Böotien)
und gelangt in die Peloponnes zurück. Konon stellt mit persischem
Gelde die ~2 langen Mauern~ zwischen Athen und dem Peiraieus wieder
her. Darauf Landkrieg in der Gegend von +Korinth+, das den Zugang zur
Peloponnes beherrscht; die athenischen Peltasten +Iphikrătes+ bringen
den Spartanern schwere Verluste bei.
Der Spartaner +Antalkĭdas+ gewinnt die Gunst des persischen Satrapen
Tiribazos; Sparta sendet nochmals eine Flotte nach der asiatischen
Küste aus, die aber vor der athenischen unter +Thrasybūlos+
zurückweicht. Endlich entscheidet der Perserkönig; die griechischen
Staaten nehmen die von ihm gestellten Bedingungen an.
[~387.~]
~Friede des Antalkĭdas.~ Die Griechenstädte +Kleinasiens+, sowie die
Inselstadt +Klazomĕnä+ und +Cypern+ werden den Persern ~preisgegeben.~
Die Athener behalten nur die Herrschaft über +Lemnos,+ +Imbros+ und
+Skyros+, alle übrigen Staaten und Inseln sollen selbständig sein.
Messenien jedoch bleibt unter spartanischer Herrschaft. Gewalttätiges
Auftreten der Spartaner zur Durchführung dieser Bestimmungen.
[379–362.]
Krieg zwischen ~Theben~ und ~Sparta,~