~Hippĭas~. Dieser herrscht gemäßigt im Sinne des Vaters, bis sein

Bruder +Hipparchos+ von +Harmodios+ und +Aristogeiton+ aus Privatrache

am Panathenäenfest ermordet wird (514). Hippias übt grausame

Vergeltung, wird von dem ausgewanderten Adel +(Kleisthĕnes+ an der

Spitze der +Alkmäoniden+) in Verbindung mit einem spartanischen Heere

unter +Kleomĕnes+ vertrieben (510). Er begibt sich nach Sigeion und

sucht später Hilfe beim Perserkönige Dareios.

[~509~.]

~Gesetzgebung des Kleisthĕnes~ (Sohn des Megăkles, Enkel des

Kleisthĕnes von Sikyon); die solonische Verfassung wird in

demokratischem Sinne weiter gebildet. Die 4 Vermögensklassen bleiben

bestehen, an Stelle der 4 alten Phylen (S. 26) treten ~zehn Phylen~

(Bezirke), deren Unterabteilungen die +Demen+ (Ortsgemeinden) sind.

Dadurch soll der Einfluß des Adels gebrochen und das Wiederaufleben

der früheren Parteien verhindert werden. Jede Phyle wählt jährlich 50

Mitglieder in den ~Rat~, dessen Zahl also von 400 auf 500 erhöht wird.

Die 10 Abteilungen des Rats wechseln in der Geschäftsleitung ab, so

daß das Amtsjahr nach dem Wechsel der 50 Ratsvorsteher (Prytanen) in

10 Prytanieen zerfällt. Die Besetzung der meisten ~Ämter~ wird fortan

durch das +Los+ entschieden, nach Vorwahl durch die Phylen; durch

+Abstimmung+ erwählt wurden die Archonten und die 10 Feldherrn. Für

alle Ämter war eine Prüfung in bezug auf das bürgerliche Verhalten

vor dem Amtsantritt und Rechenschaft nach Ablauf des Amtsjahres

vorgeschrieben. Die ~Volksversammlung~ hat nach wie vor die

Entscheidung über Gesetze, Bündnisse, Krieg und Frieden.

[508.]

Die Eupatriden unter Führung des Archon +Isagŏras+ rufen abermals

die Spartaner zu Hilfe, um die Durchführung dieser Staatsordnung zu

hindern. +Kleisthĕnes+ flüchtet, die Akropolis wird den Spartanern

überliefert. Aber ein Aufstand des athenischen Volks zwingt den König

Kleomĕnes zum Abzug. Die adligen Parteiführer werden hingerichtet;

Kleisthĕnes zurückberufen.

[507.]

Ein Feldzug der Spartaner gegen Athen unter den Königen +Kleomĕnes+ und

+Demarātos+ scheitert infolge des plötzlichen Abzugs der Korinther und

der Uneinigkeit der spartanischen Könige. Die mit Sparta verbündeten

+Böoter+ und +Chalkidier von Euböa+ werden von den Athenern geschlagen.

Diese erobern einen Teil von +Euböa+, wo 4000 Bauerngüter an ärmere

attische Bürger (Kleruchen) verteilt werden. So gewinnt Athen nach

Befestigung seiner inneren Verfassung auch Ansehen nach außen.

Damit nicht eine Tyrannis wiederkehre, ordnet Kleisthĕnes den

~Ostrakismos~ an: die Volksversammlung ist befugt, mittels +geheimer

Abstimmung+ durch Tonscherben (Ostrăka) die Verbannung eines die

Freiheit gefährdenden Bürgers zu beschließen; doch müssen 6000 Stimmen

abgegeben sein.

Auch in den ~westgriechischen Städten~ herrschen zeitweise ~Tyrannen~:

+Phalăris+ in +Akrăgas+ (Agrigentum) um 570, +Anaxĭlas+ in +Rhegion+

494. Zu besonderem Ansehen gelangt +Syrakus+ unter der Herrschaft

+Gelons+ (seit 485), der mit Theron von Akragas befreundet ist. Die

unteritalischen Städte behaupten sich gegen Angriffe der einheimischen

Völkerschaften; die Bürger von +Kroton+ zerstören 510 die reiche

Nachbarstadt +Sybaris+.

~Entwickelung der Kultur~. +Baukunst+ und +bildende Kunst+ besonders

zur Ausschmückung der Tempel geübt (dorische, später ionische Säulen,

Weihgeschenke aus Erz, Marmor, Gold und Elfenbein). Erhalten sind

namentlich der Tempel von Pästum am Tyrrhenischen Meer und die

Skulpturen des Athenetempels zu +Ägina+ (aus der Zeit um 510, jetzt in

München).

Zu hoher Blüte entfaltete sich die +Dichtkunst+; bei den +Ioniern+

namentlich die Elegie: +Kallīnos+ von Ephĕsos um 670, +Mimnermos+ von

Kolŏphon um 600, +Tyrtaios+ und +Solon+ von Athen, auch +Theognis+ von

Megara (S. 33) dichtete in ionischem Dialekt;

bei den +Doriern+ der lyrische Chorgesang: +Terpander+ von Lesbos um

676 in Sparta, +Alkmān+ von Sardes um 650 ebendaselbst, +Stesichŏros+

von Himera um 600, +Arion+ von Lesbos, Freund des Periander, +Iby̆kos+

von Rhegion um 550;

bei den +Äŏlern+ der lyrische Einzelgesang: +Alkaios+ und +Sappho+

von Lesbos um 600; der Ionier +Anakrĕon+ von Teos um 540. Jambische

Spottgedichte des +Archilŏchos+ von Paros (um 650) und +Hippōnax+

von Ephesos (um 540). Die Vollendung der lyrischen Dichtung in

mannigfaltigen Formen zeigt sich in +Simonĭdes+ von Keos und +Pindăros+

von Theben, beide zur Zeit der Perserkriege.

Anfänge der +Philosophie+ (zunächst Naturforschung) und der Himmels-,

Erd- und Völkerkunde bei den Ioniern: +Thales+ von Milet (s. S.

15). Herakleitos von Ephesos um 500: »Alles ist in ewigem Wechsel«.

+Pythagŏras+ von Samos wandert um 530 nach Kroton aus (Bund der

Pythagoreer), +Xenophănes+ von Kolophon um dieselbe Zeit nach Elĕa in

Unteritalien (seine Schüler Parmenides, Zeno). +Hekataios+ von Milet um

510.

In späterer Überlieferung werden als die +sieben Weisen+ dieser

Zeit genannt: +Thales+ von Milet, +Bias+ von Priēne, +Pittăkos+ von

Mytilene, +Periander+ von Korinth, +Cheilon+ von Sparta, +Kleobūlos+

von Lindos, +Solon+ von Athen.

§ 3. Perserkriege und Blütezeit Athens.

[~500–449~.]

~Perserkriege.~

[500–494.]

Aufstand der ionischen Griechen gegen die Perser (s. S. 20). Der von

+Athen+ und +Eretrĭa+ ihnen geleistete Beistand ist die ~Veranlassung~

zu dem Versuch der Perser, auch das europäische Griechenland zu

unterwerfen.

[~492~.]

Erster Zug der Perser unter ~Mardonios~.

Das Landheer unterwirft das Küstenland von +Thrakien+, die Flotte die

Insel +Thasos+. König Alexander von +Makedonien+ erkennt die persische

Hoheit an. Dann aber erleidet das Landheer große Verluste im Kampf mit

den Thrakern, und ein großer Teil der Flotte wird am Vorgebirge ~Athōs~

durch Sturm vernichtet; dies bestimmt den Mardonios zur Rückkehr.

An der thrakischen Küste werden feste Plätze angelegt als Stützpunkt

für spätere Feldzüge; +Byzanz+, +Sēstos+, +Abdēra+ erhalten persische

Besatzungen.

[491.]

Persische Herolde, welche Erde und Wasser als Zeichen der Unterwerfung

verlangen, werden in Sparta und Athen getötet. Die +Kykladen+ und

+Ägīna+ dagegen, auch manche Gemeinden des Festlandes versprechen dem

Perserkönige Unterwerfung. Der spartanische König +Kleomĕnes+ zwingt

die Ägineten, den Athenern Geiseln zu stellen.

[~490~.]

Zweiter Zug der Perser unter ~Datis~ und ~Artaphernes~, dem jungen

Neffen des Dareios.

Eine große Flotte (nach Herodot 600 Trieren) durchfährt das Ägäische

Meer, landet auf +Naxos+, dann auf +Euböa+, wo die Stadt +Eretria+

zerstört wird, dann an der Ostküste von +Attika+. Hippias (S. 36)

im Gefolge des Artaphernes. Das athenische Heer, 9000 Hopliten und

außerdem leichtbewaffnete Sklaven (eine tüchtige Reiterei nur bei

den Thessalern), geführt vom Polemarchos und den 10 Feldherrn, unter

welchen +Aristides+ und der vor den Persern aus der Chersones (S. 36,

20) geflüchtete (jüngere) +Miltiades+, lagert mehrere Tage dem Feinde

gegenüber in verschanzter Stellung. Durch 1000 +Platäer+ verstärkt,

greift es, ohne die Ankunft der Spartaner abzuwarten, unter Führung des

~Miltiădes~ an und siegt in der

[~490~. (Sept.)]

~Schlacht bei Marăthon~.

Der Plan der Perser, Athen von der Seeseite zu überraschen, wird

durch schleunigen Rückmarsch des Heeres nach der Stadt vereitelt. Die

persische Flotte kehrt nach Kleinasien zurück. +Hippias+ stirbt auf

Lemnos.

[489.]

Unglücklicher Zug des Miltiădes gegen +Paros+. Verwundet nach Athen

zurückgekehrt, wird er von +Xanthippos+ angeklagt und zur Erlegung

der Kosten des Unternehmens (50 Talente) verurteilt, welche sein Sohn

+Kimon+ nach dem Tode des Vaters zahlt.

~Parteikämpfe in Athen~; 487 Wahl der Archonten durch das +Los+

eingeführt, 485 Xanthippos durch Ostrakismos verbannt, 483 der

bedächtige und am Althergebrachten hängende ~Aristides~. ~Themistokles~

erhält dadurch freie Hand zur Durchführung seines Planes, Athen zur

ersten +Seemacht+ Griechenlands zu machen. Schon 493 hatte er als

Archon die Befestigung des Hafens +Piraieus+ durchgesetzt; jetzt

werden, zunächst um gegen Ägina Krieg zu führen, auf seinen Antrag

die bisher zur Austeilung an die Bürger bestimmten Einkünfte aus den

Silberbergwerken von +Laurion+ dazu verwendet, die Flotte bis auf

200 Trieren zu bringen. Die bisherigen Naukrarien (S. 35) werden

aufgehoben und durch die Einrichtung der ~Trierarchie~ ersetzt. Der

Staat liefert die Schiffe; den wohlhabenderen Bürgern liegt ihre

Ausrüstung als +Staatsleistung+ (Liturgie) ob; dafür erhält der

Trierarch die Anführung des von ihm ausgerüsteten Schiffes. Die Theten

zum Flottendienst herangezogen,

[480.]

Dritter Zug der Perser unter König ~Xerxes~.

Große Rüstungen, das Landheer sammelt sich schon 481 bei Kritalla in

Kappadokien, von dort führt Xerxes es nach +Sardes+. Zwei Schiffbrücken

über den +Hellespont+ geschlagen, für die Flotte Kanal bei +Akanthos+

gegraben, um das Vorgebirge Athos zu vermeiden. Im Frühjahr 480

Aufbruch von Sardes; Demaratos, der abgesetzte König von Sparta, und

Peisistratos, Sohn des Hippias, begleiten den König. Musterung des

Heeres bei Doriskos in +Thrakien+, nach Herodots übertreibender Angabe

1700000 Mann Fußvolk, 80000 Reiter und zahlreicher Troß; eine Flotte

von 1207 Trieren.

Nachdem die Griechen den Plan, den Paß von +Tempe+ zu verteidigen,

aufgegeben haben, durchzieht das persische Heer Thessalien, ohne

Widerstand zu finden. Die +Thessăler+ und die böotischen Städte, mit

Ausnahme von +Platää+ und +Thespiä+, senden dem Könige Zeichen der

Unterwerfung. +Argos+, +Achaja+ und das +westliche Mittelgriechenland+

nehmen am Kampfe gegen ihn nicht teil.

[~480.~ (Juli.)]

~Schlacht bei Thermopylä.~

Der spartanische König ~Leonĭdas~ an der Spitze von etwa ~6000~

Schwerbewaffneten (Hopliten) (darunter 300 +Spartiaten+, 1000

lakedämonische +Periöken+ und 700 +Thespier+) verteidigt 2 Tage lang

den Engpaß, während 1000 Phokier den Fußpfad über den Kallidrŏmos

bewachen. Die Perser, durch den Verräter Ephialtes auf diesen Pfad

geführt, vertreiben die Phokier und kommen dem griechischen Heere in

den Rücken. ~Leonidas~ befiehlt den Periöken und den Bundesgenossen,

nach Hanse zu gehen und stirbt mit den noch übrigen ~Spartiaten~ und

~Thespiern~, welche sich weigern, ihn zu verlassen, den Heldentod.

Bekannte Grabschrift des Simonides. (S. Schillers »Spaziergang«). Die

gezwungen (?) mit Leonidas fechtenden +Thebaner+ strecken die Waffen,

werden teils niedergemacht, teils auf des Königs Befehl gebrandmarkt

nach Theben zurückgeschickt.

Zu gleicher Zeit unentschiedene ~Seegefechte bei Artemision~, einem

Vorgebirge und Tempel an der Nordspitze von Euböa. Dreitägige Kämpfe;

Verluste der Perser namentlich durch den Untergang der um die Südspitze

von Euböa herum entsandten Schiffe. Auf die Kunde von der Einnahme des

Passes von Thermopy̆lä zieht die hellenische Flotte sich zurück nach

der Bucht von Salămis. Das peloponnesische Landheer beginnt am Isthmos

den Bau einer Schutzmauer.

Xerxes durchzieht Mittelgriechenland. Die +Lokrer+ und +Dorier+

unterwerfen sich. Das Gebiet der +Phokier+ wird verwüstet, die gegen

+Delphi+ geschickte Truppe soll durch Gewittersturm zurückgeschreckt

worden sein. +Böotien+ wird als Freundesland behandelt, nur +Thespiä+

und +Platää+ werden zerstört.

Die Athener verlassen ihre Stadt, nur die Akropolis bleibt besetzt.

Die waffenfähigen Bürger besteigen die Flotte, die »hölzerne Mauer«;

Greise, Frauen und Kinder werden mit der beweglichen Habe nach

+Salămis+, +Ägina+ und +Troizen+ gebracht. Den Verbannten wird die

Rückkehr gestattet. Die Akropolis wird von den Persern erstürmt;

~Zerstörung der Stadt Athen.~

[~480.~ (Ende Sept.)]

~Seeschlacht bei Salămis.~

Die vereinigte hellenische Flotte (378 Trieren, 7 Fünfzigruderer)

steht unter dem Oberbefehl des Spartaners ~Eurybiădes~. Uneinigkeit im

Kriegsrat; der athenische Feldherr ~Themistŏkles~ bewirkt durch eine

geheime Botschaft an Xerxes, daß die Griechen in der Meerenge zwischen

Salamis und Attika von der persischen Flotte eingeschlossen werden.

Xerxes schaut von dem Berge +Ägāleos+ dem Kampfe zu. Glänzender Sieg

der Griechen. ~Aristides~, von Ägina herbeigeeilt, nimmt während des

Flottenkampfes die von den Persern besetzte kleine Insel Psyttaleia,

macht viele vornehme Gefangene.

Die persische Flotte sammelt sich in der Bucht von Phalēron, Xerxes

beschließt den ~Rückzug~. In Thessalien bleibt +Mardonios+ mit einem

großen Teil des Heeres zurück. Xerxes erreicht nach großen, durch

Seuchen und Mangel an Lebensmitteln verursachten Verlusten den

Hellespont, wo er die Flotte findet, die das Heer übersetzt, da die

Brücke vom Sturm zerstört worden ist.

Die griechische Flotte, statt, wie Themistokles wollte, die persische

zu verfolgen, wendet sich gegen die Inseln, belagert +Andros+

vergeblich und löst sich beim Eintritt des Winters auf. Rückkehr der

Athener nach ihrer Stadt, deren Wiederaufbau sofort begonnen wird.

[~480.~]

~Schlacht bei Himera,~

Sieg der ~sicilischen Griechen~ unter +Gelon+ von Syrakus und +Theron+

von Akragas (S. 37) über die mit Persien verbündeten +Karthager+. Diese

sollen den Frieden durch Zahlung von 2000 Talenten erkauft haben; sie

bleiben im Besitz ihrer sicilischen Städte (Panormos, Soloeis, Motye).

[479.]

Nachdem ~Mardonios~ den Athenern durch Alexander von Makedonien (s. S.

38) vergebens einen Sonderfrieden angeboten hat, rückt er, verstärkt

durch +griechische Bundesgenossen+ (Thessăler, Böoter, Lokrer, Phokier)

in Attika ein. Die Athener retten sich wieder nach +Salămis+. Was in

der Stadt aufgebaut worden, wird von den Persern von neuem zerstört.

Endlich rückt die ganze peloponnesische Streitmacht (30000 Hopliten und

zahlreiche Leichtbewaffnete) über den Isthmos vor, +Mardonios+ geht

zurück und nimmt eine vorteilhafte Stellung in Böotien am +Asōpos+

ein. Mehr als 10000 +Athener+, +Platäer+ und +Thespier+ vereinigen

sich mit dem peloponnesischen Heere. Anführer der gesamten Streitmacht

(angeblich 110000 Mann, doch keine Reiterei) war ~Pausanïas~ (Regent in

Sparta für den unmündigen Sohn des Leonidas).

[~479.~ (Sept.)]

~Schlacht bei Platää.~

Nach längerem Zaudern entschließt sich Pausanias zum Kampfe. Glänzender

Sieg, Mardonios fällt. Die Griechen erobern das persische Lager;

von der reichen Beute wird den Göttern der Zehnte geweiht.[14] Das

griechische Heer rückt vor +Theben+, die Häupter der persischen Partei

werden ausgeliefert und auf dem Isthmos hingerichtet.

Die hellenische Flotte unter dem Oberbefehl des Spartanerkönigs

+Leotychĭdas+ (die athenischen Schiffe unter +Xanthippos+) eröffnet

den ~Angriffskrieg gegen die Perser~, der mit Unterbrechungen bis 445

dauert. Der persische Flottenführer +Mardontes+, den kleinasiatischen

Griechen in seinem Heere mißtrauend, wagt nicht, die ihm bei +Samos+

angebotene Seeschlacht anzunehmen. Er läßt dieser Insel gegenüber bei

dem Vorgebirge +Mykăle+ die Schiffe aufs Land ziehen und verschanzt

sich. Die Griechen landen und siegen in der

[~479.~ (Ende Sept.)]

~Schlacht bei Mykăle,~

nehmen das Lager und stecken die persischen Schiffe in Brand. Mehrere

Inselstädte (namentlich +Samos+, +Lesbos+ und +Chios+), dann die

Küstenstädte Kleinasiens, auch das hergestellte +Milet+ (S. 20), werden

als Bundesgenossen aufgenommen. Die Peloponnesier fahren nach Hause

zurück, die +Athener+ und +Ionier+ erobern +Sēstos+ (S. 38).

Wiederaufbau der Stadt Athen; sie wird trotz des Einspruchs der

Peloponnesier mit einer starken Mauer von vergrößertem Umfang (60

Stadien) umgeben. List des +Themistokles+, der als Gesandter nach

Sparta geht.

[478.]

Unter Anführung des Spartaners +Pausanĭas+ vertreibt die vereinigte

Flotte der Peloponnesier, Athener und Ionier persische Besatzungen von

der Insel ~Cypern~, fährt dann nach ~Byzanz~ und befreit diese Stadt.

Hochmut des +Pausanias+ gegen die Bundesgenossen, er tritt mit dem

persischen Hofe in geheime Verbindung. Das gewinnende Auftreten der

Anführer der Athener, +Aristides+ und +Kimon+, hat nach Abberufung des

Pausanias durch die Ephoren zur Folge, daß die Führung (+Hegemonie+)

zur See von Sparta auf Athen übergeht,

[477.]

~Gründung des attischen Seebundes.~

Die Insel- und Küstenstädte des Ägäischen Meeres schließen ein

dauerndes Bündnis mit Athen; die größeren stellen Schiffe zum Kampf

gegen die Perser, die kleineren zahlen Geldbeiträge. Organisation des

Bundes durch Aristides. Bundeskasse im Apollotempel zu +Delos+.

+Themistokles+, bei den olympischen Spielen 476 von den versammelten

Hellenen geehrt, gerät bei den Athenern allmählich in Mißgunst, wird

470 durch den Ostrakismos verbannt und geht nach +Argos+. Dort wird er

der Teilnahme an den fortgesetzten hochverräterischen Umtrieben des

+Pausanias+ verdächtig. Dieser, von den Ephoren mit Verhaftung bedroht,

rettet sich in Sparta in den Tempel der Athene und stirbt durch Hunger

(468). Themistokles muß aus Argos fliehen, geht nach Kerkȳra, dann nach

Epīrus, endlich nach Susa zum Perserkönig +Artaxerxes+ (s. S. 21),

dem er seine Dienste anbietet. Er erhält eine fürstliche Schenkung in

Kleinasien, stirbt (460) zu Magnesia (am Maiandros).

Fortsetzung des Angriffskriegs gegen die Perser unter Führung ~Kimons~,

des Sohnes des Miltiades (S. 39). Er erobert mit der Bundesflotte die

noch von den Persern besetzt gehaltenen Plätze an der thrakischen

Küste, namentlich +Eïon+ an der Strymonmündung, besetzt die Insel

+Skyros+ (die Gebeine des Theseus von dort nach Athen gebracht),

unterwirft die vom Bunde abgefallene Insel +Naxos+, besiegt Flotte und

Landheer der Perser in der

[466.]

~Doppelschlacht am Eurymĕdon~

in Pamphylien. Darauf vertreibt er die Perser von der thrakischen

+Chersŏnēs+, stellt die athenische Kolonie daselbst wieder her und

unterwirft die abtrünnige Insel +Thasos+. -- Bauten in Athen; Stoa

Poikile am Markt mit Wandgemälden von Polygnōtos, Befestigung der

Akropolis, Bau der +langen Mauern+ nach dem Peiraieus und nach Phalēron.

[464.]

Erdbeben in Sparta, Aufstand der unterdrückten ~Messenier~ und

~Heloten~. Die Spartaner bitten Athen um Hilfe; sie wird auf Kimons

Antrag gewährt. Aber bald schicken die Spartaner aus Argwohn das

athenische Hilfsheer zurück. Dadurch beleidigt, treten die Athener in

ein Bündnis mit Argos. Mit Mühe unterdrücken die Spartaner 455 den

Aufstand (dritter Messenischer Krieg) (S. 44).

In Athen erhebt sich gegen Kimons Politik, die auf gutes Einvernehmen

mit Sparta, Fortsetzung des Kriegs gegen Persien und Mäßigung der

Demokratie im Sinne Solons gerichtet ist, die +demokratische+ Partei,

geleitet von +Ephialtes+ und ~Perikles~, dem Sohne des Xanthippos (S.

39).

[461.]

Beschränkung des +Areopags+; ein Gesetz des Ephialtes entzieht ihm

die altherkömmliche Oberaufsicht über die bürgerliche Ordnung und

die Staatsverwaltung und läßt ihm nur die +richterliche+ Tätigkeit.

Zugleich Ausdehnung der Volksgerichtsbarkeit; auf +Perikles’+ Antrag

wird den +Heliasten+ (S. 35) ein +Richtersold+ aus der Staatskasse

gewährt. +Kimon+ durch Ostrakismos +verbannt+.

Weitere Maßregeln der durch den Areopag nicht mehr gehemmten

demokratischen Partei: Einführung des +Ratssoldes+ und des

+Schaugeldes+ (Theorikon) für die Theateraufführungen an Festtagen;

das Archontat wird auch der +dritten+ Vermögensklasse zugänglich.

Einschätzung in die Vermögensklassen nicht mehr nach dem Grundbesitz,

sondern nach dem Gesamtvermögen.

[459.]

Fortsetzung des +Krieges gegen Persien+; eine athenische Flotte

fährt nach +Cypern+ und leistet dann den aufständischen +Ägyptern+

unter Inaros Hilfe (S. 21). Das Unternehmen endet 455 unglücklich;

die Athener, auf einer Nilinsel eingeschlossen, müssen sich ergeben.

Zwiespalt der Griechen untereinander kommt den Persern zustatten.

[459–445.]

~Kriege der Peloponnesier~ und ~Böoter~ gegen ~Athen~.

Athen nimmt das benachbarte +Megara+ in seine Symmachie auf, befestigt

den Hafen. +Korinth+ und +Ägina+ dadurch bedroht, erklären den Krieg.

Seesieg der Athener bei der Insel Kekryphaleia. Nunmehr kommt ein

spartanisches Heer 457 den +Doriern+ in Mittelgriechenland (S. 28)

gegen einen Angriff der +Phokier+ zu Hilfe; die Athener verlegen ihm

den Rückweg, werden aber bei ~Tanăgra~ in Böotien von den Spartanern

besiegt. Die Spartaner kehren nach Hause zurück; die Athener dringen

abermals in Böotien ein, siegen bei +Oinophy̆ta+ über die Thebaner und

gewinnen die andern böotischen Städte, die Phokier und die opuntischen

Lokrer zu Bundesgenossen. +Ägina+ muß sich nach langer Belagerung

unterwerfen (456), die Kriegsschiffe ausliefern und dem attischen

Seebunde beitreten.

[455.]

Die attische Flotte unter +Tolmides+ umfährt die Peloponnes, verbrennt

die spartanische Schiffswerft bei Gytheion, landet an den Küsten

von Ätolien und Sikyon, siedelt die Messenier (S. 43), welchen die

Spartaner freien Abzug aus Ithome bewilligen, in +Naupaktos+ am

Eingang in den Korinthischen Meerbusen an.

[454.]

Verlegung der Bundeskasse von +Delos+ nach +Athen+. Die Bundesgenossen,

zu regelmäßigen Beiträgen verpflichtet (jährlich 460 Talente) und der

Gerichtshoheit Athens unterworfen, werden tatsächlich zu Untertanen.

Athen ist Hauptstadt eines ansehnlichen +Insel- und Küstenreiches+,

welches nach den erhaltenen Tributlisten in 5 Provinzen geteilt war:

Hellespont, Thrakien, Ionien, Karien, Inseln.

[453.]

Seezug des +Perikles+ von dem megarischen Hafen Pagä aus, die +Achäer+

schließen sich dem athenischen Bunde an; ein Angriff auf Öniadä (an

der akarnanischen Küste) mißlingt. Aussöhnung zwischen +Perikles+ und

+Kimon+, welcher aus der Verbannung zurückberufen wird. Durch Kimons

Einfluß kommt 451 ein +Waffenstillstand+ zwischen Athen und Sparta

zustande.

Neuer ~Seezug gegen die Perser~. Kimon fährt mit 200 Schiffen nach

Cypern, sendet 60 davon nach Ägypten, stirbt aber während der

Belagerung von +Kition+ an einer Krankheit. Seine Truppen erringen in

der

[~449.~]

~Doppelschlacht bei Salamis~ auf Cypern einen glänzenden Sieg über

die +persische+ (d. h. phönikisch-kilikische) Flotte und die am Lande

befindlichen feindlichen Truppen, kehren dann aber nach Hause zurück.

Alsbald erneut sich der Krieg in Mittel-Griechenland.

[447.]

~Schlacht bei Koroneia~; Sieg der von Athen abgefallenen Böoter. Gleich

darauf Einfall eines spartanischen Heeres in Attika, um einen Aufstand

auf +Euböa+ gegen Athen zu unterstützen. Perikles bewirkt durch

Bestechung des spartanischen Königs Pleistoanax den Abzug des Heeres,

unterwirft darauf Euböa, ist aber zum Frieden und zum Verzicht auf die

Landhegemonie bereit.

[~445.~]

~Dreißigjähriger Friede zwischen Athen und Sparta.~

Gegenseitige Anerkennung der +peloponnesischen+ und der +athenischen+

Bundesgenossenschaft.

Um diese Zeit (jedenfalls +nach Kimons Tode+) finden auch

Friedensverhandlungen zwischen Athen und ~Persien~ statt, eine

athenische Gesandtschaft unter +Kallias+ geht nach Susa. Doch wird kein

förmlicher Friede geschlossen, man begnügt sich mit stillschweigender

Anerkennung des Besitzstandes. Die Athener geben Cypern auf und

schicken den aufständischen Ägyptern keine weitere Hilfe. Später

erzählte man von einem ~Kimonischen Frieden~, in welchem der

Perserkönig die Unabhängigkeit der kleinasiatischen Griechen anerkannt

und versprochen haben soll, kein Kriegsschiff mehr ins Ägäische Meer zu

schicken.

Auszug aus der Alten, Mittleren und Neueren Geschichte · 第 4 / 49 段